WS Wä Samstag den 21. In!'' 1906 — M. 106 jchtner Dmlienbl^ die Glückspendenden sein konnten! Tränen traten in ihre Augen. Wie sie diese Enisae) heit und Bescheidenheit liebte, diese innigste Freude nut de n Schlichtesten, Kleinsten, was andere Blicke kaum sehen und beachten. Sie aber sah cs, groß und leuchtend und begehrenswert. Nie war es ihr teurer erschienen als m eie,er Stunde. F., . Unwillkürlich hatte sie ans dem großen Verkehr sich m stillere Gäßchen geflüchtet und in ihre Gedanken vertieft, d e sie ans dein unruhigen Treiben hinweggeführt hatten nach dein friedvollen Heimatsstädtchen, 'var sie vor dem Museum ^Erstaunt schaute sie auf, .zögerte einen Augenblick, und dann stieg sie rasch die Freitreppe empor, einer «''geno l'chen Eingebiing folgend Wo hätte sie das Weihnachtsfest wohl feierlicher und würdiger einleiten können alv ) dem heiligen Bilde? t n„ . . e.tr.r,pn Besser als draußen im Trubel und Larin diesem hastigen, geräuschvollen Drängen und Sturmen. Durch den Raum, den sie betrat, schwebte e Heimat! „ti( | sprach sie cs vor sich hin: Heuiiat l , Wie eng und klein sie auch war, noch umfaßte sic ihr ganzes Sehnen, ihr ganzes Glück. Mit leeren Blicken starrte | sie in das lebhafte, bunte Marktgcwühl. Großstadttreiben! Ihr war cs fremd und gleichglltig. Und mit einem Schlage erstand die Vaterstadt vor ihrem Auas Mit den kleinen Häuschen imb den hölzernen Marktbuden, in denen billiger Weihnachtströdel aufgestellt war für naive Gemüter! Ihr schien er in der Erinnerung reizender als di- Herrlichkeiten, die hier prunkvoll und prangend durch di- breiten Glasfenster lockten. Die wundervollen Kims- g.zenständc, das köstliche Geschmeide, d,e hocheleganten Toi- lctteii und nun gar diese raffinierten Spielgerate für dw Kinder. Pnppcn von außergewöhnlicher Große und bekleidet mit den feinsten und schönsten Stoffen und doch . . . dav hölzerne Püppchen und der papicrne Hampelmann der Tern-- stadtcr Jugend dünkten ihr in diesem Augenblicke schöner und wertvoller als alle die Kostbarkeiten. Swsah "" Geiste die jauchzenden Kleinen, denen sie selbst bet sich ju beschert hatten, armer Leute Kinder, für die Kantors scho>. l^gtc den Muss neben sich, und heftete die wunderbar! Sie war zerstreut, vermochte sich nicht zu sammeln, »nd in eigentümlicher Jdecnverbrndtmg war es ihr plötzlich, als ob jemand hmter ihr Herzoge du ch die beschneiten Pfade eines Parkes itnd daß diese Ges alt ihr immer näher kam, näher, ganz nahe — nut leisem Aufschrei j Stille, und in tiefster Rührung fühlte sic sich gemahnt an die I andächtig weihevolle Stimmung des Elternhau,cS. Ja wahrhaftig, wenn schon nicht daheim, so war hier nur die Stätte, wo man dem religiösen, erhabenen Inhalt dieses Festes in innerster Seele nachspüren konnte. | Nichts würde sie stören, ihre Gedanken ablcnkcn. Heute i I kam sicherlich kein Mensch hierher, alle Welt war »""em sprang sie empor. Nein . . . nicht . . . ich . . abwehrend streckte sie Der Siern. Roman von Ulrich Frank. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) zurückzwang. Einen Augenblick, mein Fräulcm. Sw muffen sich erholen" Ein leichter Schwindelanfall, der bald vorüber sein wird. Wahrscheinlich hat ihn der jähe Wechsel der Temperatur veranlaßt. Es ist eisig kalt g£ beklemmende Hitze; erlauben S>e, daß ich Hlmen lehilsiici, bin " Er nahnt ein Etui aus der Tasche seines Pelzes und .i...r,fe »r ihren Schle er zuruckstreifen. Willenlos ließ !>e es ch 'h-7 Dmw windete -- sich «n den sich ... Mtal« Entfernung haltenden Saaldiener. Dieser kaititte l)n g , denn -- kam seit einiger Zeit fast täglich h.-rh-r, und .nanch 8 Wasser besorgen?" # öffnen . > • , , ($je niar wie gelähmt. Und dennoch I stand entgegenzt sio - Beivnßtsci» unk» vermochte sich die war st° w'-d r bn vollem^ ^Wcn unb roie?0 sie die I^dMÄmderi Mannes als ganz selbstverständlich an- sich ihr keine Zeit, darüber nachzudenken. Er fragte | auch nicht viel, sondern er entschied. 422 zogen brach diesem Gesicht sah der Türhüter ihnen Göttchen, die kommt nicht mehr Nebenraum seinen Blicken. Eifrig saßen, „Ich werde Sie begleiten, mein Fräulein. Sie können nicht allein der Möglichkeit eines erneuten Unwohlseins ausgesetzt bleiben." Sie wagte keine Antwort. Mühselig erhob sie sich. Er reichte ihr den Muff, nachdem er vorher ihre zitternden Hände unterstützt hatte, den Paletot wieder zu schließen. Dann zog straße Nr. 27. Das war das Letzte/ was sie hörte. Die Pferde an, und während es in rascher Fahrt vorwärts ging, Adele in ein nervöses Weinen aus und gelangte in Zustande bei ihrer aufs höchste erschreckten Tante an. gleich mitgenommen." Als ginge sie neben ihrem Schicksal her, so durchschritt Adele Brandt, von dem Unbekannten geleitet, die weiten, einsamen Säle. Sorgsam stützte er sie, und dennoch empfand sie, wie eine starke Hand sie festhielt. Unentrinnbar. Erst im Wagen kam sie zu sich. Sie halte deutlich gehört, wie er dem Kutscher ihre Wohnung angab und befahl, ihm Bescheid zu bringen, ob das Fräulein gut angekommen sei. Dann nannte er seine Adresse: Wittelsbach, Waisen- Tee befohlen." , .. r „Wollen wir Guido in seinen Appartements aufsnchen oder ihn im Lesesalon erwarten?" fragte der eine, .der die j Uniform eines Offiziers der Garde-Dragoner trug, seinen Begleiter. „Ich glaube, es ist besser, wir lassen uns nur melden und erwarten ihn unten. Wer iveiß, ob Luise schon so weit ist, Besuche zu empfangen. Es ist eigentlich noch früh am Morgen." „Für euch Zivilisten", lachte der Offizier, „zehn Uhr beinahe, aber du hast recht, für Diplomaten und Weiber eine frühe Stunde. Also hier ..." Er entnahm seinen, Portefeuille eine Karte, der andere folgte seinem Beispiel, und während sie beide dem Lesesalon zuschritten, las der Kellner: .Graf Alfons v. Giersdorf, Premierleutnant im 2. Garde- Dragoner-Regiment". „Karl Viktor Graf von Giersdorf, Regierungs-Assessor." Dann stieg er die Treppe nach dem ersten stock empor und übergab die Karten dem Diener des Grafen. Die beiden Brüder hatten inzwischen das Lesezimmer betreten. Nur ein einziger Herr war darin, eifrig mit einer Zeitung beschäftigt. Er schien die Eintretenden kann, zn beachten Nicht einmal ein Blick war zn ihnen hinübergcflogen. Und da diese sich nicht beobachtet sahen, setzten sie ungeniert ihr begonnenes Gespräch fort. „Ich hätte nicht gedacht, daß Luise nut Herkommen würde, um Della zu hören ..." , „Warum denn nicht? In Bernstadt langweilt sie sich vhnedieS, und warum sollte sie ihren Mann allein fahren lasten.' Bor dem Palast-Hotel in Berlin hielt ein Wagen, eilte der Portier herbei, um den Herren, die darin beim Aussteigen behilflich zu sein. Aber ehe er noch dazu kam, ivar der eine bereits herausgesprungen und in das Portal getreten, während der jüngere den Kutscher ablohnte. „Ist Graf Giersdorf schon zu sprechen?" wendete er sich dann, ebenfalls das Vestibüle betretend, an den dienstbeflissen die Herren grüßenden maitre d’hötel. „Der Herr Graf haben vor einer halben Stunde den das Bild zu streifen, legte ließ sich von ihm führen. Mit einem dummen nach. „I du mein liebes wieder." Sie verschivanden im „Und er schon gar nicht. Der hat sich seine Madonna er den zurückgezogenen Schleier herab. In diesem Augenblick brachte der Diener das Wasser. Absichtlich hatte er etwas gezögert. Eine leichte Handbewegung bedeutete ihm, daß es überflüssig sei. tlnd nun bot der Fremde dem jungen Mädchen das Geleit und, als müsse es so sein und ohne mit den Blicken anch nur einmal noch ' " ' sie ihren Arm in den seinen und „Na, ich glaube, sie hat das Interesse, das wir nun mal alle für die Kleine haben, nie recht begriffen und gebilligt." „Mein Gott, die Kleine ist heute eine große Künstlerin, berühmt und gefeiert, und ich denke, daß es den Giersdorfs nur zur Ehre gereicht, daß sie einen freundschaftlichen Anteil —" „Na, höre, Viki, du übertreibst; ist ja ganz nett und fabelhaft amüsant, aber zur Ehre gereichen, weißt du, das klingt ja, als ob die Giersdorfs nur mal durch Zufall eine Beziehung zur Kuust bekommen hätten — ich bitte dich, alle Giersdorfs hatten so ne Chose! Entweder ließen sie sich was malen, das ganze Schloß ist ja voll von dem Krempel, oder sie unterstützten andere Künste oder ..." „Aber ich bitte dich, Alfons, wie kannst du das nur vergleichen? Adele Brandt gehört zu uns, ist unter uns aufgewachsen, gewissermaßen ein Mitglied unseres engeren Familienkreises, ein Teil unserer Heimat, unserer Jugend." „Weiß ich! Und auch, daß du und Guy für sie immer ein besonderes Faible hattet. Guy so als Familienoberhaupt mit dem feierlichen Protektorton, ganz und gar Majoratsherr, Patron der Gemeinde, Schutzherr aller Talente in Bernstadt, kurz, was so zu den Obliegenheiten eines grand seigneur gehört, ist sehr begreiflich, noblesse oblige! Und bxi ? Na, du warst ja immer ihr Kavalier!' Du und dec Hans Kreis- physikussohu! Paßte auch vorzüglich für zwei schneidige Studenten, dem Kantorstöchterlein den Hof zu machen." „Du siehst die Sache wirklich mit ganz merkwürdigen Augen an. Erstens einmal gibts in Bernstadt nicht Talente im Plural, denen Guy seinen Schutz angedeihen lassen könnte. Denn dort um und um und noch viel weiter hinaus wächst so ivas überhaupt nicht. Wozu reicht beispielsweise unser Talent aus? Um ein Gardeleutnant oder ein Regierungsassessor zu werden, die von ein paar Dutzend Kameraden und Kollegen in Berlin gekannt sind, die in ein paar Salons ne gute Figur machen, wo's was zu heiraten gibt, allenfalls noch hinter den Kulissen einiger kleiner Theater und last not least in den amüsanten Kreisen der Barrisous und Konsorten! I Della Brandts Namen kennt heute die ganze Welt. Das ist kein Bernstadter Talent, das die Giersdorfs zu lancieren brauchen, das ist ein Genie, dem alle Welt huldigt!" „Viki, deine Moralpauke hat mich erschüttert! Also du meinst wirklich?" „Tn doch nicht so, Alfons, als wärst du nicht immer ohnedies davon überzeugt. Wir erweisen ihr mit unserer Freundschaft etwas, das sie hoffentlich erfreuen wird, aber was sie als eine Herablassung aufzunehmen durchaus keme Veranlassung hat." Sie hatten etwas lebhafter gesprochen und gar nicht I weiter daran gedacht, daß >ioch ein Dritter sich i>n Zimmer | befand. . _ P1 ,rr Der Offizier war in eine der breiten Fenstermfchen getreten, hatte den Store zurückgeschoben, dessen reiche Stickereien I das einfallende Licht dämpften, und blickte während der Unter» I Haltung hinaus auf den Platz. Graf Carl Victor stand, mit dem Rücken ans Fenster- breit gelehiit, dem Bruder gegenüber. So kam es, daß sie beide den hinter seiner Zeitung fast verborgenen, seitivarts I sitzenden Mann vergaßen. , ■ „Und dann, Alfons, ihr Vater mar dem und Guys erster Lehrer. Eure Kindheit hängt mit ihm zusammen, die Mutter hat Schwester Helenes erste Schritte geleitet . . . Wahrhaftig, man wird fast sentimental, wenn nmn an all das zuruct- | denkt . . ." „Ein sentimentaler Regierungsassessor!" lachte der Bruder, „na, hör mal, es scheint doch nicht zu stimmen, daß die I Juristen für Zivil das bedeuten, >vas die Kavallerie stir-> I Militär." Sie brachen beide in ein herzliches Gelächter aus. „Uebrigens, Viki, iveißt du, das hab ich mir immer schon immer gewünscht, dich für was von der Kunst enragiert zu I sehen. Aergerte mich innig, daß du so eine PhiUsterfle geworden - Aktenmensch! Ein Giersdorf! Wozu hat man s | denn und wozu ist man's!" 423 »Wir waren nach der Hinsicht durch dich so glänzend vertreten, daß ich wirklich keine Anstrengungen zu machen brauchte — und dann mit dem — na, du weißt schon . . . mit dem Haben ..." »Alle Wetter, nun willst du mit natürlich den Humor gründlich verderben," er steckte sich eine Zigarette an, „und den Appetit zum Dejeuner, das Guy uns doch unbedingt geben wird. Bist 'n altes Bureau-Ungetüm . . . Wer's nicht wüßte, daß ich der Aeltere von uns beiden bin, würd's nicht glauben . . . Zigaretten, echte Clos, gefällig?" „Nein, danke! Ich rauche Vormittag nicht." ,Auch noch! Was tust du eigentlich Vorinittag?" „Arbeiten!" „Danke!" In diesem Augenblick trat Graf Guido in den Lesesalon. „Da ist er, endlich!" Die Begrüßung der drei Brüder war eine sehr warme. (Fortsetzung folgt.) Are Lieöesspende. Von L. Schulze. Nachdruck verboten. Zähneklappernd wartete Marie, die dicke Köchin von Bürgermeisters, an der Parkstraßenecke, dem alten Treffpunkte. Von Zeit zu Zeit lugte sie in daS nächtliche Dunkel hinein, — von Paulchen noch immer keine Spur, wo er nur heute blieb? Und es war solch ein Hundewetter! Die wenigen einsamen Passanten hatten beit Mantelkragen hochgeschlagen und eilten, gesenkten Hauptes gegen den Sturm ankämpsend, vorwärts, um schnell unter Dach und Fach zu kommen. Es pladderte, und Marie hielt in der einen Hand krampfhaft den Regenschirm, in der andern ei» ziemlich dickes Paket. Gott, wenn er doch nun käme! Sie hatte sich heimlich von Hause weggestohlen, — die Gnädige durite es nicht wissen. Da tauchte am Ende der Straße eilte Hobe Männergestalt aus, Marie erkannte trotz der rieselnden Tropfen, die den Blick trübten, die bunte Uniform, die blanken Knöpfe. Endlich! Sie eilte ihm entgegen, ihre durchnäßte weiße Schürze flatterte im Sturmwinde. Paulchen schien sich nicht sonderlich abzuhasten, um seinen Schatz zu empfangen. Er hatte das Gesicht tief im Mantelkragen verborgen und lugte garnicht nach der auf Flügeln der Liebe und des Sturmes daherschwebenden Marie aus. Sie hatte heute blos keine Zeit, sonst wäre ihr das Gebaren Paulchens vielleicht seltsam erschienen. So aber lief sie rasch auf ihn zu, drückte ihm das Paket in die Hand, schlang die runden Arme um seinen Hals und gab ihm auf das erreichbare Zipfelchen seines Gesichts einen schallenden Kuß. „So, Paulchen, ich habe heut Teilte Zeit, laß dirs gut schmecken." Weg war sie. Der glückliche Empfänger des Kusses und Paketes schaute ihr verblüfft nach. „Da hört doch alles auf —Er lachte in den Regen hinein, nahm das längliche Paket an sein Herz und pendelte der Kaserne zu. Dort angekommen, untersuchte Leutnant von Granitz, der Held des kleinen Abenteuers, das Paket und förderte einen riesigen Topf mit Schmalz und eine ebensolche Wurst zu Tage. Mit beiden bewaffnet, verfügte er sich in die Mannschaftsstube. „Was nutzt mir dä—hä—hän mein schöner Ga—harten, wenn andre drin spa—zieren gehn—," schallte es ihm vielstimmig entgegen. Als der Leutnant die Tür öffnete, trat Stille ein. Das melancholische Lied schien einem der Burschen zu Herzen gegangen zu fein, , er saß mißmutig beiseite und schaute finster drein. Beim Anblich der guten Sachen in des Leutnants Hand lief den Leuten das Wasser im Munde zusammen. Der Einsame machte ein noch böseres Gesicht. , n . „Wer von euch heißt Paul mit Vornamen?" fragte der Leutnant. Eine ganze Anzahl meldete sich. „Wer von euch hat eine Braut?" Die Burschen lächelten schämig. „Also alle?" .Der Leutnant kratzte sich den Kopf. „Heiliger Biin-Bam, es bedarf einer salomonischen Entscheidung. Na, Kinder, erzählt nur mal, wo ihr eure Liebste immer zu treffen pflegt." Verlegen namiten die Leute verschiedene Straßenecken, so ziemlich die ganze «tadt machten diese Paulchens unsicher. Der finstere Paul wollte nicht mit der Sprache heraus, endlich erzählte er dem Leutnant stockend, daß er seine Brant überhaupt nicht mehr sehen wollte, er glaube bestiinmt zu wissen, daß sie ihm untreu sei. „Na, ja, wo gabt ihr euch sonst getroffen?" „In der Parkstraße." Der Leutnant überreichte dem Mitz- mutigen schweigend die Wurst und den Dchmalztopf. Paulchen hielt die Liebesgaben verdutzt in der Hand, ein verblüffend komischer Anblick. Alle lachten. Der Leutnant klopfte dem grollenden Liebhaber auf die Schuller. „Lassen sie man die Grillen, ihre Braut ist ein gutes Mädchen. Grüßen sie sie schon von nur, und und sie soll sich den irrtümlicherweise verschenkten Kuß wieder cinlöfcii11 Das wollte Marie aber mcht, als ihr der versöhnte Paul später die Geschichte erzählte. Dem imglanbigen Thomas, der sie Aufregung, selbst die nichtverbündeten iteri Wilden oder Finken", traten bei Die Bezeichnung der Studenten, die keiner Verbindung an» gehören, als Finken und ihrer Gesamtheit als Finkenschaft hat eine interessante Geschichte. Alfred Götze weist im neuesten Heft der Zeitschrift für deutsche Wortforschung darauf hin, daß diese Bezeichnung zuerst ein Spottname war, ähnlich wie ursprünglich die Namen der Geusen oder Protestanten. Der Name „Wilde" und „Wildenschaft" hat sich überlebt und ist neuerdings an den Technischen Hochschulen zu Charlottenburg, Braunschweig und Stuttgart der einzig geltende und offiziell geführte Name der Finken geworden. Als offizielle Bezeichnung der nichtkorpo- rierten Studentenschaft erscheint das Wort „Wilde" und „Wildm- schäft" zuerst in Jena im Jahre 1809. Die jetzt an den Universitäten fast allenthalben übliche Bezeichnung „Finken" stammt aus dem Mittelalter. Es war ein Spottname ftir einen unsoliden, ungeregelt lebenden Menschen, etwa wie lockerer Zeisig. Der Gebrauch dieses Namens nahm in scherzhafter Rede seit dem! 16. Jahrhundert immer mehr zu. Hans Sachs gebraucht das Wort sogar gleichbedeutend mit dem Worte Buhle. In diesem! alten Sinne kennt sogar noch Langes Wörterbuch vom Jahre 1808 das Wort Muk. Ja noch im Teuberschen Kommersbuch von 1884 kommt der Name Fink in einer ähnlichen Bedentuw'' vor' „Wollt ihr wissen, wer ich bin? Ich bin der lnst'ge Finke. Wenn ich mein Geld versoffen hab', Geh ich an'n Born und trinke." Man sieht also, daß das Wort auch ehemals in studentischen Kreisen gebraucht wurde. Zuerst festzustellen ist dieser Gebrauch, wie bei dem Namen „Wilde", in Jena. Keil schildert ein Bild aus Bücheleius Studentenalbum von 1737. Eine Schar Studenten fährt vierspännig vom Wirtshaus ab und ruft dem Wirt zu: „Adieu, Bruder Schöps!" während dieser ihnen zürnst: „Adieu, lebt wohl, ihr liederlichen Finken!" Daß aber der studentische Gebrauch des Wortes viel älter ist, darf mau aus dem schon vor 1600 verbreiteten Ausdruck Finkenbauer für Karzer schließen, der doch den Namen Fink in der Bedeutung als loser Vogel voraussetzt. Borangegangen sind im Gebrauch des Wortes die benachbarten Universitäten Halle, Leipzig, Jetta. Im Jahre 1822 begann bei Studentenunrnhen in Jena die Bezeichnung „Finken" in der neuen Bedeutung den Ausdruck „Wilde" - zu verdrängen. Als an einem Freitag in den letzten Tagen des Novembers 1822 durch Mandat des Senats das Singen auf den Straßen von Jena verboten wurde, geriet die ganze Studentenschaft in Aufregung, selbst die mchtverbündeten Studenten, „die sogenannten Wilden oder Finken", traten bei dieser Gelegenheit aus' ihrer indifferenten Stellungi .heraus und erschieneii als Vertreter des öffentlichen Gesanges. Einige Jahre später wurde in Jena, weil die Finken von den Korps mit Gewaltmitteln zum Eintritt in eine Verbindung gezwungen werden sollten, als Gegendemonstration sogar ein Finkenverein, die sogenannte „Finkonia", gegründet. Der Verein hatte aber keinen Bestand, die Finken wurden der Kneipschwanz der Burfchenfchast, um sich dem Gebaren des Korps zu entziehen. Von einer „Flnken- schaft" war aber noch lange keine Rede. Der Name „Finkenschaft für die Gesamtheit der nichtkorporierten «tudenten setzte sich erst im Jahre 1848 sest. Damals gab es in ^ena schon em schwarzes Brett mit der Aufschrift: ^„Flnkenschafff', .und am 9. Mai 1855 wurde der Großherzog Karl Alexander als Rektor MägnisizeNtissimus zum ersten Male auch von Vertretern der Finkenschaft begrüßt. Der Vorsitzende diefer Veremigutig h,eß Finkenkönig. In Leipzig ist das Wort Finken samt dem Kompositum Stoppelfinken schon seit 1831 üblich. bei dem schlechten Wetter vergebens warten lassen wollte, hat sie seine Zweifel radikal abgewöhnt, — wie — davon schweigt des Säugers Höflichkeit. Die Finkenschaft. Vermischtes. * Norwegen ist nicht nur das Land der Heringe, fonbenV1 auch das Land der Blumen und des Obstes. ^as Gemuse und das Obst von Drontheim (sprich ^roiyem), der norwegischen Krönunasstadt, ist weithin seines Aromas wegen berühmt. Der Norden ^erzeugt- Aroma, wahrscheinlich..infolge des lang anhaltenden Lichts; der Süden mit seiner größeren Warme Zucker. Wo es aus das Aroma ankommt, wie bei manchen Gemu esorten, erscheint dem Norweger das im Süden, etwa m Norddeutschland, gebaute Gemüse fad und geschmacklos „Alles, was rnch sonst in Norwegen von Blumenkultnr gesehen habe, bwibt^ hinter Drontheim zurück", schreibt Passarge, der Biograph ochsens; „hier sind nicht bloß alle Fenster dicht mit Blumeii besetzt, man hat auch in den Zimmern oft ganze Lauben eingerichtet, ^n bat Gärtchen vor den Häusern bildet der Boden emm einzigen Teppich von Rosen, weißen Lilien und vielen anderen. Blumen. Die Täterin auf dem Feld Pflegt noch ihre Gelbveiglem. . . . trat in den Garten eines Kunstgärtners nt Drontheim und fragte, ob denn hier, wo jeder Mensch Blumen ziehe, auch noch welche gekauft würden. Er blickte lächelnd über seinen wohl einen' Morgen großen Levkoieiislor und erwiderte, die Blumen bekämen alle die Toten. — Die Toten? — Nun, ich möchte nur — 424 — auf bcu Gravlund (Kirchhof) hinter dem Krönnngsdom gehen. So ging ich denn dorthin nnd fand Hunderte von Leuten damit beschäftigt, die Gräber zu schmücken. Die einen beschnitten den Rasen der Grabhügel mit einer Schere, andere hielten grosse Teebretter in den Händen, ganz voller Blumen, und füllten die Vasen, welche dauernd ans den Gräbern stehen und den Namen des Eigentümers tragen." Weil die warmen Wasser des Atlantischen Ozeans bei Dronthcim aus- und einfließen, hat die Vegetation hier ein besonders reiches und frisches Aussehen. Darum diese großen Linden, dämm diese Obst- und Nußbäume mit dem herrlichen Aroma ihrer Früchte: ist es doch auf europäischen Ausstellungen wiederholt anerkannt tvorden, daß sich mit deut Aroma, — neben der Größe — der Drontheimer Achsel nichts vergleichen lasse. Der tiefblaue Fjord friert bei Drontheim selbst ihn Winter niemals zu, und seine hohen Gebirgsuser verlieren sich iit ungemessener Weite. Infolge des feuchten Klimas währt jtn Norwegen die Blütenpracht beit ganzen Sommer. Noch im September will das Blühen nicht enden. Abends erfüllen Levkoieu', Reseda und Lavendel die Straßen mit dem süßesten Duft. Das merkwürdigste aber ist das Geißblatt, das überall mt den Häusern emporrankt und selbst noch über dein Giebelfirst seine Fahnen wehen läßt. Selbst im Winter bleiben hier fast alle fremden Bäume rin bedeckt, so die Panlavineu, welche doch i n F r a n k f u r t a. M. e r f r i e r e n. Selten fällt das Thermometer unter Null. ^Strumpfbänder — a m A r m. Seitdem die Mode beit Frauen zur Abwechselung wieder einmal die kurzen Aermel beschert Hirt, die den Unterarm freilassen — eine Mode, nebenbei bemerkt, bei der die Handschuhfabrikanten das beste Geschäft machen dürsten — sind die Armbänder auch wieder in Aufnahme gelangt, die eine Zeitlang ganz unverdientermaßen in den Ruf geraten waren, sich überlebt zu haben. Während aber unsere Großmütter und Urgroßmütter die breiten, klassischen Mustern nachgeahmten Spangen bevorzugten, entscheidet sich die neueste Mode für ganz schmale, zierliche Reisen, zn denen die Zeichnung ost von modernen Künstlern ersten Ranges herrührt/ Man sieht derartige Ärnispangen jetzt in den Schaufenstern der Juweliere aller Weltstädte und auch schon an manchem schönen Arme. Auf eiitcit ganz eigenartigen Einfall ist aber einer der bedeutendsten Londoner Juweliere gekonunen, indem er ein sehr zierliches und leichtes Armband erfunden und in den Handel gebracht hat, das er „Garter" nennt, das also ein „Strumpfband für den Arm" ist. Dieses Armband ist an seiner unteren Fläche mit einer kleinen unsichtbaren Federeinrichtung versehen, durch die der Handschuh fest zusammengehalten wird, sodaß er feine glatt anliegende Form nicht verliert. Natürlich muß man zwei solcher „Mrm-Strumpf- bänder" haben. Sie werden in allen Preisarten hergestellt, und man kann schon für 100 Mark ein Paar von ihnen bekommen, aber nach obenhin ist ihrer Kostbarkeit, sowie matt sie mit Steinen besehen läßt, selbstverständlich keine Grenze gezogett. — Zwei bosnische Schwänke, mitgeteilt von dem deutsch-östreichischen Schriftsteller Roda Roda, entnehmen wir deut 20. Heft der illustrierten Zeitschrist „Ueber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche VerlagA-Änstalt.) Ein Mann hatte zwei ungeratette Söhne: täglich fingen sie Streit mit ihrem Vater an und mißhandelten ihn nnd rauften -ihm den Bart. Einst war wieder um einer Kleinigkeit willm tut gewaltiger Lärm ausgebrochen. Die Bösewichter packten den Alten am Kopf und an beit Füßen, warfen ihn ans dem Zimmer, packten ihn wieder und schleiften ihn auf den Hof, aus dem Hof in bett Garten — ttnb hätten ihn auch noch über bett Zaun aufs freie Feld befördert, da schrie er: „Halt, ihr Undankbaren! Jetzt ist's genug! Auch ich habe eitern seligen Großvatw nie weiter als bis hierher an den Zann geschleift." Der Bauer pflegte seine Kuh allabendlich in ihren Stall zu sperren. Einmal machte sie sich los, öffnete irgendwie bett Riegel und schnüffelte int Hofe umher. Dabei fand sie einen großen Topf, halb voll mit Weizen — fraß, fraß immer weiter —, ,und als sie den Topf ungefähr bis auf den Grund geleert hatte, blieb sie mit dem Kopfe darin stecken. Ihr ersticktes Brüllen weckte endlich die Hanslente aus dem Schlafe. Sie bemühten sich, die Kuh zu befreie» — vergebens! Der Topf ließ sich Nicht herabziehen. „Wenn es hier überhaupt noch eine Hilfe gibt," sprach der Bauer, „dann wird unser Hodja (Priester). Rat wissen". ■— Spruchs und ging ihn zu fragen. „Ganz einfach^, entschied der Hodja. „Breitet eine dicke Lage Stroh auf und legt die Kuh vorsichtig darauf itieder. Wenn sie dann ruhig daliegt, schlachtet ihr sie und zieht den Tops herab. — Sollte aber dieses Mittel versagen, dann will ich euch ein anderes empfehlen, das unbedingt verläßlich ist." Der Bauer dankte nach Gebühr, ging heim und tat, wie ihm geheißen worden. — Nach einer Stunde kam er wieder. „Effendim, wir haben's mit allen Kräften versucht — der Topf läßt sich auch jetzt nicht abziehen. Sag uns das andere, das unbedingt verläßliche Mittel." — „Bauer, das ist noch einfacher: zerschlagt den Tops." — „Die Schaubühne", herausgegeben von Siegfried Jacobsohn, enthält in der 27. Nummer ihres zweiten Jahrganges vom 5. Juli: Charakter und Persönlichkeit. Von R. Pisfin — Vorspruch zur Meroö. Von Wilhelm von Scholz. — Ibsens Modelle. Von Georg Brandes. Eine dramatische Preiskonkurrenz. Von Willi Handl. Knabentragödien. Von Julie Speyer — Rundschau. (Jbfenbriefe — Hebbeltage in Worms. —■ Everhman — Verwitwete Theaterdirektionen — Bolksgemurmel —•; Sommerurlaub.) — „Die Schaubühne" (Verlag: Oesterheld u. Co., Berlin W. 15 Lietzenburgerstr. 60), Wochenschrift für alle künstlerischen Bestrebungen des Dramas, des Theaters und der Oper, erscheint jeden Donnerstag im Umfang von 24—32 Seiten und kostet: die Einzelnummer 20 Pf., vierteljährlich 2.50 Mk. Probemumnern gratis und franko durch den Verlag. — Z u Heinrich Harts Gedächtnis hat sich eine Anzahl seiner Freunde oder früheren literarischen Waffengenossen int „Literarischen Echo" (Herausgeber Dr. Josef Ettlinger, Verlag Egon Fleischet n. Co., Berlin) mit allerhand persönlichen Aeußerungen über den zu früh Verstorbenen zusammengefunden. Richard Dehntet prägt auf den Toten den folgenden Vierzeiler: Er hat sich wohlbewährt in Waffengängen Unb hat ein Lied der Menschheit angestimmt: Und wenn sie seine Leier nicht vernimmt, Sie lauscht noch seines Schlägers Hellen Klängen. Außerdem haben sich u. a. Detlev v. Lilienerou, Gustav Falke, M. G. Conrad, Ernst Frhr. v Wolzogen, an diesem kleinen lite- rarischeit Requiem mit Gedächtnisworten beteiligt. Wohl» ? An Badeorten da gebricht Es heutzutage leider nicht, Für jedes Leiden hält zur Zeit Man einen Kurort wohl bereit. Doch weil, wie leicht sich läßt be- [weifen, Weit mehr Gesunde heule reifen Als Kranke, macht zumeist die [Wahl Des Bades den Touristen Qual. Drum wollen allen, die da reisen, Wir Orte suchen zuzuweisen, An die sie wirklich hingehören Und wo sie heimberechtigt wären. Nach Kohllurt sollten Redner [gehen, Solingen Schuster sich erfeheu, Für alte Herrn, da wäre Glaß, Für Gartner Gießen wohl der [Platz, „ Für Jünglinge und junge Mädchen Wär Liebstadt just das rechte [Städtchen, Hingegen dürfte Rechtsanwälten Als Kurort Klagenlurt nur gelten, Strohwitwer müssen stets nach [Treuen, Die Skater würde Passau freuen, Nach Fraustadt follteu Jung- [gefelle» Begeben sich in allen Fällen, Pillau gäb Apothekern Ruh, Oschatz sagt beit Verliebten zu, Mannheim wird älteren Mcig- [belein, Markborf Bankiers willkommen [fein, Moosdorf und Heringsdorf macht [froh Gewiß den Bruder Studio. Dem jungen Paar wird Elterlein Und Storchnest sehr willkommen Mein, Als Schwiegermütter-Orte geben Wir Kreuznach an und HaderS- [leben, Wogegen der Pantoffelheld Zu senden wär nach Schlüsselleld. Nach Bückeburg da sollten reifen, Tie stets sich sehr devot erweisen. Treffurt vermöchte wohl bett [Schützen, Weinhändlern Wasserburg zu [nützen, Todtnau wär für die Mediziner, Und Brand für die Gambrinus- [diener. Den Kegelfchiebem weife man Als Kurort Ratzeburg nur an. Schweinfurt gewissen Realisten Und Zahna ferner den Dentistcit, Lenzdichtern wäre Oedercm Aufs wärmste zu empfehlen dann, Schwetzingen denen, die gern [lästern, Den sogenannten Kaffeesch wester». Seekranke mögen gehn nach [Speyer, Nach Weibstadt aber alle Freier, In Schalkau laßt die Lässigen [weiten, Nach Pappenheim Buchbinder [eilen, Doch für Vaganten, Rastelbinder, Zigeuner, Schnorrer auch nicht [minder Wirds keine befferen Orte geben । Als Laiffa, Flöha und Wanzleben. Silbenrätsel. Nachdruck verboten. be, ei, fl, he, ie, hi, ge, lais, le, ma, nicr, ne, oh, ra, ren. ( Aus vorstehende» Silben und Buchstaben sollen fünf Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werde», daß die Anfangsbuchstabe» von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, einen Gruß ergebe», welchen wir unseren Leser» bei vorstehenden Sommer-AuSflügett zurufen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgendes: 1. Lästiges Insekt. 2. Französischen Satiriker. 3. Tier aus der der Ordnung der Vierhänder. 4. Weiblichen Vornamen. 5. Ei» Wirtschaftsgerät. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Gas, Gast. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der V r ü b l’icben Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,