W US <1 M Mtkcssoft Mädchen. Roman von H. Ehrhardt. (Nachdruck verboten.) r. t (Fortsetzung.) »Sre finden mich im Arbeitskittel, Fräulein Meridies!" sagte er mit der angenehmen tiefen Stimme, deren bestrickender Wohllaut ihr seit Tagen int Kopfe klang, „aber tch halte es für überflüssig, mich deshalb zu entschuldigen — Sie kommen ja doch zu dem arbeitenden Künstler —" „Gewiß!" fiel sie etwas verwirrt ein, nicht gleich imstande, sich seiner freien, nonchalanten Art anzupassen, die so ganz verschieden war von der aalglatten Höflichkeit des Verkehrstons, den sie bei den Herren ihrer Kreise gewöhnt war, „ich hoffe, daß ich Sie nicht störe." „Nein", meinte er seelenruhig, ihr voran zu dem großen Eichentisch herüberschreitend, „Sie stören mich nicht, sonst hätte ich Sie ja nicht angenommen — in der Arbeit laß ich mich nie stören." Ruth zuckte förmlich zusammen bei dieser gleichmütigen Bemerkung. Das ging denn doch über das Privilegium eines Künstlers. Einer Dame, die sich bei solchem Wetter und noch dazu drei Treppen hoch zu ihm bemühte, ins Gesicht zu sagen, daß er sie ganz einfach unverrichteter Sache heimgeschickt hätte, wäre er zufällig in der Laune gewesen, arbeiten zu wollen. Ihr leicht verletzter Frauenstolz wollte gegen solche Behandlung rebellieren, aber da dachte sie zu rechter Zeit daran, wie kleinlich und feige cs wäre, gleich beim ersten Anlauf zur Höhe zu straucheln, und sie biß die Zähne zusammen, den Laut der Empörung zurückdrängend. Aber der brutal geweckte Stolz hatte sein Gutes gehabt, er hatte ihr die ruhige Sicherheit des Auftretens wenigstens äußerlich zurückgegeben. Als Willy H. imer sich jetzt nach ihr nmwandte und sie mit einer Handbewegung und den Worten: „Sie zeigen mir wohl hier, bitte, Ihre Arbeiten!" einlud, in einem der tiefen Lehnsessel am Tische Platz zu nehmen, wunderte er sich int stillen, tote blaß sie plötzlich geworden war und ivelch herber, unnahbarer Ausdruck die edelschönen Züge dieses Mädchengesichtcs verändert hatte. Sie erschien seinem Malerauge fast noch reizvoller jetzt als vorher in ihrer scheuen Lieblichkeit und er musterte sie prüfenden Auges so ungeniert, daß Ruth wieder all ihre Kraft zusammennehmen mußte, um sich nicht dadurch verletzt zu zeigen. Innerlich zitternd legte sie die große Mappe, die Walter ihr bis zur Tür unten getragen hatte, auf bett Tisch und setzte sich dann nieder. Wie irgend einem Kandidaten vor dem entscheidenden Examen, so war ihr zu Mute. Sie hätte nicht länger auf den Füßen stehen können uild selbst ihre Lippen waren weiß geworden. Der Mantt achtete jetzt nicht mehr auf sie, in ihm war der Künstler erwacht, der halb mit spöttischer Neugier, halb mit wirklichem Interesse an die Prüfttng des Mappeninhalts ging.. Er war am Tisch stehen geblieben, so zivar, daß Ruth sein Gesicht nur im Profil sehett könnte, nahm langsam Blatt für Blatt der _ in Kohle und Oelfarben ausgeführten Skizzen zur Hand, hielt sie ein wenig von sich ab, schüttelte einmal das Haupt, nickte dann wieder beifällig vor sich hin — ohne ein Wort zu sprechett. In die bleierne.Stille zwischen den'beiden Menschen tönte nur das leise Heulen des hellbrennenden OfenfeuerK und das prasselnde Geräusch des jetzt stärker fallenden Regens. Ruth ivar's, als müsse man in dem großen SckMeigen auch noch ihr angstvoll hämmerndes Herz schlagen Hörem Plötzlich drehte der Maler sich fo brüsk zu thr herum, daß sie erschrocken emporfuhr und ihn voll angstvoller Spannung anstarrte. Seine Augen ruhten mit sichtlichem Amüsement auf ihrer ganzen Gestalt. „Also so sieht unsere Kollegin vott Tietzheim aus!" sagte er, sich vergnügt die Hände reibend, „da hab' ich doch recht gehabt." Sie mußte an seine Bemerkung denken, „sie muß jung sein und schön!" und ihre fahle Bläffe wandelte sich in ein lichtes Rot. Sie kämpfte einen Moment mit sich, dann errang sie den ersten Sieg über ihr scheu-verschlosfeneA Herz. Mutig sah sie ihm in die lebhaft blitzenden Augen. „Ja, so sieht sie aus! Ich wußte ja gleich, daß Sie meine Malerei wieder erkennen würden, als ich Sie int Eintreten erkannte", und als sie das verblüffte Staunen über ihre Worte sich in feinem Antlitz spiegeln sand, setzte sie rasch hinzu: „Ich habe Ihnen da etwas zu erklären, Herr Hammer. Als ich hier zu Ihnen gewiesen wurde, glaubte ich, Sie seien mir völlig fremd, aber ich hab' vor dem Schaufenster von Tietzheim bereits vor acht Tagen ungefähr Ihre Bekanntschaft gemacht." Und freimütig erzählte sie ihm, was sie dort aus seinem Munde erlauscht und welchen Eindruck sein Urteil auf sie gemacht habe. Sie sprach jetzt ruhig und sicher und nur, als sie ihre Mitteilungeu mit den Worten schloß: „Ihnen verdanke ich also meinen Entschluß oder aber, wenn's schlimm ausfällt — Sie tragen die Schuld daran", da lähmte ein erstickendes Angstgefühl ihre Zunge. Er lächelte ihr ermutigend zu und dabei erhielt sein Gesicht etwas liebenswürdig gutmütiges im Ausdruck. „Nur nicht tragisch und mutlos werden, Fräulein Meridies, das paßt nicht zu unserem Metier, wir brauchen einen hellen freien Kopf, ein klares mutiges Auge — Sie sollen mir's hoffentlich danken können, daß ich unbewußt ihr Streben nach höheren Zielen weckte. Ich nehme nichts von dem zurück, was ich damals gesagt habe — Sie haben viel Talent — vor allem ein ausgesprochenes Talent für das Porträtfach, was in die Augen springt, auch wenn man 294 Teilten Vergleich mit den von Ihnen benutzten Modellen anstellen fann.'' Er zögerte flüchtig nnd während er ihr den Rücken zukehrte und begann, die einzelnen Blätter wieder in die Mappe zu legen, fuhr er fort: „Sie müssen vor allen Dingen eine Zeit lang Akt zeichnen — werden Sie das können?" Ein nervöses Zittern überfiel sie und raubte ihr momentan die Sprache. Daran hatte sie nicht gedacht, an dieses schwerste, so viel Stärke erfordernde Hindernis auf dem Wege oer Knust. Er schien ihre Antwort nicht sofort zu erwarten. „Ich verkenne nicht, daß dieses Aktzeichnen schwer ist für ein junges Mädchen Ihrer Kreise. Aber aus diesen Kreisen müssen Sie eben heraustreten, wollen Sie in dem Reiche der Kunst etwas Ganzes leisten — Sie müssen mit allen kleinbürgerlichen Vorurteilen brechen und versuchen, Ihren sittlichen Standpunkt höher und freier zu stellen, als auf den einer kleinlichen, engherzigen Moral, die in allem nackten nur das unsittliche sieht — Prüderie gibt's nicht im Lexikon der Malkunst — können Sie über diesen Punkt nicht hinauskommen, so müßte ich, so leid es mir täte, auf Ihre Ausbildung verzichten. Die Entscheidung liegt Lei Ihnen." Er knüpfte mit langsamer Umständlichkeit die Bänder der Mappe zusammen und ließ dadurch Ruth, Zeit, sich zu fassen. Wieder entspann sich ein kurzes, aber erbittertes Ringen in des Mädchens Brust. „Gib es aus!/' sagte die eine Stimme, „Du bist viel zu sensitiv, viel zu sehr Kleinstadtkind im Fühlen und Denken", und die andere: „Sei stark und mutig! Dem Reinen ist alles rein! Denke nur an Deine Kunst und an das ersehnte Ziel." Sie erhob sich wie von einer treibenden Kraft empor geschnellt.. Bleich und ernst stand sie vor dem sie nur wenig überragenden Mann. „Wann darf ich zum ersten Unterricht antreten?" fragte sie fest, seinem jetzt forschend auf sie gerichteten Blick stand haltend. Ihm wär eigen zumute. Es tat ihm fast leid, daß sie sich diesen mutigen Entschluß abgerungen hatte — ihre ganze Erscheinung paßte so gar nicht in ein Leben, das über die eng gezogenen Grenzen der Familie hinausging — aber wiederum freute er sich, eine so auffallend talentierte Schülerin zu bekommen. Und nur diesem Gefühl gab er Ausdruck, da er in seiner freien, kameradschaftlichen Verkehrsart sagte: „Ich habe Sie unterschätzt, Fräulein Meridies. Ich hielt Sie für ein zimperliches Dämchen, das bei dem Worte „Aki" schleunigst die Flucht ergreifen und alles Streben ausgeben würde. Nun seh' ich aber, daß es Ihnen ernst fft mit unserer Künst und das freut mich, das freut mich von Herzen." Ruth- hatte die Lider gesenkt wie in einer momentanen .Schwäche. Eine rasende Zukunftsäugst drückte ihr die Kehle zu. Sie wollte ausfchreien: „Ich will zurück, mir fehlt doch die Kraft, der Mut alles —" Mer sie brachte kein Wort über die zuckenden Lippen. In einer Art Traumzustand ließ sie sich von dem harmlos plaudernden Maler im Atelier herumführen, sah wie durch einen Schleier die zahlreichen Bilder und Skizzen an oen Wänden, cm denen er hier und da eine besondere Schwierigkeit der technischen Ausführung erläuterte, und war froh, daß er von ihr kein Urteil über seine Kunst verlangen konnte. Erst vor dem Porträt des Bankierstöchter- leins blieb sie wie erwachend stehen. Angesichts dieses fast ganz in weiß gehaltenen und in Licht- und Schattenwirkung wunderbar ausgeführten Bildes kam ihr eine staunende, ehrfürchtige Bewunderung für die Größe seiner Kunst. „Wie stolz müssen Sie sein, wenn Sie so etwas ge- Km haben!" sagte sie leise, mit verschlungenen Händen er Staffelei stehen bleibend. ,Fah!" Wie vergleichend flog fein scharfer Blick zwischen der lebenden Mädchengestalt und der gemalten hin und her. „Das Modell war der Arbeit nicht wert. Zu wenig charakteristisches im Gesicht! Das ist der Nachteil bei uns Porträtmalern, daß wir uns meist unsere Modelle nicht »ach Geschmack wählen können. Na, dafür müssen die guten Leute tausend Mark mehr blechen, als für ein Bild, das zu malen mir Freude gemacht hatte!" „Tausend Mark!" Fast mit Beschämung gestand sich, Ruth, daß dieses profane Wort wie eine Erlösung in das wirre Kämpfen Ihrer Seele fiel. Am Ende alles Ueberwindens winkte der klingende, goldgleißende Lohn, der Rettung für sie alle bedeutete, Rettung aus der Misere, Befreiung von den lebenslangen, kleinlichen, aufretbeuden Kämpfen, unter denen sie alt und grau werden würde. Nein, sie wollte nicht mehr zurück, nachdem sie erst einen Blick in das erträumte, heißbegehrte Land geworfen hatte. Ruhig, sachlich besprach, sie mit Willy Hammer alles ihren Unterricht betreffende. In einem Atelier der Kantstraße befand sich seine Mal- klasse, die momentan sieben Schülerinnen umfaßte. „Sie werden da manche nicht ganz einwandfreie Existenzen finden, int Grunde anständige Mädchen, aber Boheme — auch das müssen Sie in Kauf nehmen. Ich unterrichte eben nur talentvolle Schülerinnen, solche, die ihre! Kunst zum Lebeusberus erwählt haben — vornehme Dilettantinnen sind mir ein Greuel." Daun teilte er ihr noch mit, daß es ihr frei stände, im Atelier dort täglich von 2—6 Uhr zu arbeiten, daß er jedoch regelmäßig nur Dienstag und Freitag hinzukommen Pflegte und höchstens mal überraschend an anderen Tagen. Sein. Atelierdiener erhalte jedoch täglich. Anweisung betreffs etwaiger Modelle nsw. Im Juli gab er die Malstunden in der Stadt für einige Wochen auf, utn irgendwo auf dem Lande in schöner Gegend sich niederzulassen. Es stand seinen Schülerinnen frei, ihm zu folgen, und sie hatten von dieser Erlaubnis auch stets Gebrauch gemacht. Sie wohnten tn kleinen Bauernhäusern und malten im Freien und die kleine Malkolonie führte dabei ein recht vergnügtes Leben. Er selbst behauptete zwar stets, sich über seine Schülerinnen krank ärgern zu müssen, aber riefe Malklasse war doch mehr eine Liebhaberei von ihm, als eine Gelegenheit zum Gelderwerb. Er nahm auch nur ein sehr mäßiges Honorar, 50 Mark für den Monat. Im Grunde hätte er es überhaupt nicht nötig gehabt, sich sein Brot zu verdienen, da er als zweiter Sohn eines steinreichen rheinischen Großindustriellen schon jetzt über ein bedeutendes Vermögen verfügte. Noch lebten ihm beide Eltern, aber der Vater hatte dem seine eigenen Wege gehenden Sohn ganz einfach eine große Summe überwiesen und und kurz und bündig dazu bemerkt: „Der älteste erbt die Fabrik und das nötige Betriebskapital dazu, sobald ich die Augen zumache, Du erhältst Deinen Teil schon jetzt und hast später keinerlei Anspruch, mehr auf meine Hinterlassenschaft. Kann ja sein, daß noch einmal etwas für Dich abfällt, kann sein — auch nicht." Er war's zufrieden gewesen. Ihm lag nichts daran, ob er ein paar Tausende weniger besaß, als' der Bruder, seinem leichten Künstlersinn war es Befriedigung genug, daß er sich keinen halbwegs vernünftigen Wunsch zu versagen brauchte und imstande war, eine ganze Anzahl armseliger Künstlerexistenzen mit tatkräftiger Hilfe zu unterstützen. Kein Wunder, daß er für all diese Stiefkinder der Kunst ein Abgott war, den sie verwöhnten und umschmeichelten, sodaß seine an und für sich schon stark ausgeprägte Herrscher- natur sich dabei zu einer Art Despotismus entwickelt hatte, der sich schon Mein in seiner rücksichtslosen, oft bis zur Grobheit gesteigerten Ausdrucksweise bemerkbar machte. Leider hatte auch die Damenwelt denselben Kultus mit dem als Mann und als gute Partie gleich begehrenswerten Künstler getrieben und seine Grobheit passierte bei ihnen als „höchst originell". Er hatte sich int allgemeinen für diese Verehrung des! weiblichen Geschlechts aufs galanteste revanchiert. Als ganz junger Anfänger hatte er ein jahrelanges Verhältnis mit der Frau eines hohen Beamten gehabt, die er auf einer Maskenredoute kennen gelernt hatte. Es war in seiner Münchener tollen Zeit gewesen, da seine überreiche Kraft, seine schönheitsdürstende genußsüchtige Künstlernatur nach allen Richtungen hin überschäumte. Er hatte der Frau viel zu verdanken, sie wars, die feinem drängenden Streben das feste Ziel gewiesen hatte, oie ihn an der Hand eines echten Gefühls davor bewahrt hatte, seine Mast im Strudel eines leichtsinnigen Lebens n ■ 295 Hauses, dann hat ein Wort aus ihrem Munde in der Oeffentlichkeit Gewicht. Das höchste Ziel der Herrschsucht der deutschen Frau ist die Beherrschung des eigenen Mannes, aber bei der Yankee- dame ist dies der erste „gradus ad parnassum", diese Selbstverständlichkeit ist der Ausgangspunkt ihres Siegeslaufes. Und hat sie Geld und Intelligenz, so erzwingt sie es, sich eine Stellung zu schaffen in der Welt, so daß ihre Person nickt übersehen und ihr Wort nicht überhört wird. Sie wird Temperenzlerin weniger aus ethischen Motiven, sondern weil sie die E n t h a l t- ung von gerstigen Getränken zur Zähmung des Mannes für unentbehrlich hält, und ebenso berechnet die „smart woman" ihre Stellungnahme zu dem Eheproblem lediglich nack den Interessen der'Frau, damit sie der st ä r k e r e Teil in der Ehe sei. Vermischtes. * Idyllen vom Zarenho f. Reizvolle kleine Geschichten werden in einem Buche der Engländerin M. Eagar erzählt, die von 1898 bis 1904 am Zarenhofe als Pflegerin der kleinen Großfürstinnen lebte. Sie spricht mit großer Liebe von bett" vier kleinen Prinzessinnen, die iie zusammeufassend mit folgenden Worten charakterisiert: „Olga hat Liebreiz, Witz und ein schönes Gesicht; Tatiana ist eine regelmäßige Schönheit; Marie ist so lieb, gut und artig, daß sie jeder lieben muß; aber die kleine Anastasia hat einen größeren Reiz als alle Kinder, die ich bisher sah". Die meisten Geschichten weiß die Verfasserin von Olga zu erzählen. Eine davon zeigt uns, daß selbst bei kleinen Großfürstinnen ein Polizist eine sehr gefürchtete Persönlichkeit darstellt. „Um die Osterzeit fuhren wir eines Tages über den Newski Prospekt, und die kleine Großfürstin Olga war garnicht artig. Ich suchte sie dazu zu bringen, daß sie ruhig saß, aber vergebens. Da saß sie plötzlich ganz still, mrt gefalteten Händen. Nach einiger Zeit fragte sie mich: „Hast Du den Polizisten gesehen?" Ich meinte, das wäre dock nichts Außergewöhnliches, der Polizist würde ihr nichts tun. Aber sie anttvortete: „Ja, aber der da schrieb etwas auf; ich fürchte, er hat geschrieben: „Ich sah Olga, und sie war sehr unartig." Ich suchte ihr au8= einanderzusetzen, daß das sehr unwahrscheinlich wäre; sie erwiderte jedoch ziemlich vorwurfsvoll, daß sie früher einmal gesehen hätte, wie eine betrunkene Frau auf der Straße arretiert worden wäre, und als sie mich gebeten hätte, ich ntöchte doch der Polizei sagen, sie solle der Frau nichts tun, hätte ich das abgeschlagen und gesagt, die Frau wäre unartig gewesen, und die Polizei hätte recht daran getan, sie festzunehmen. Ich setzte also auseinander, daß man schon sehr, sehr unartig sein müßte, bevor die Polizei einen ins Gefängnis steckte. Als wir nach Hause kamen, forschte sie jedoch überall nach, ob ein Polizist gekommen wäre, so lange sie fort waren. Am Nachmittag erzählte sie auch die ganze Geschichte ihrem Vater und fragte ihn dann, ob er schon je ins Gefängnis gesteckt worden wäre; der Zar antwortete, er wäre nie utiartig genug gewesen, um ins Gefängnis zu kommen. Die kleine Großfürstin aber meinte: „O, wie artig mußt Du aber immer gewesen sein!" Als sie eines Tages alle in einen Laden gingen, und die kleinen Großfürstinnen sich das Spielzeug aussuchen sollten, das ihnen am besten gefiele, sah Olga sich alles genau an, wählte jedoch den kleinsten Gegenstand, den sie finden konnte. Auf alles andere, das man ihr anbot, sagte sie nur: „Nein, ich danke sehr; ich will es nicht." Als die Erzieherin sie darauf in eine Ecke nahm und in sie drang, ihr zu sagen, warunt sie nichts haben wollte, erwiderte sie: „Ach, die schönen Spielzeuge gehören sicher anderen kleinen Mädchen, und die würdet! sehr traurig sein, wenn sie nun kämen und sähen, daß ihnen einer alles fortgenommen hat, während sie nicht da warm." Wie überall, so war auch in Zarskoje Sselo der Weihnachtsbaum das höchste Entzücken der Kinder. Als er fortgebracht wurde, herrschte die größte Trauer. Als nun die Kaiserin am Neujahrstage große Toilette anlegte, wurden ihre kleinen Töchter herbeigcholt, um sie zu sehen. „Die kleinen Mädchen waren höchst entzückt, sie in so prächtigen Kleidern zu sehen; sie standen einige Zeit in sprachloser Bewunderung um sie herum, dann aber klatschte Großfürstin Olga plötzlich in die Hände und rief begeistert: „O, Mama, Du bist gerade so, wie der schöne Wcihnachtsöaum!" Die kleine Tatiana leistete einen hübschen Scherz, als eines Tages der Prinz von Siam die Kaiserin besuchte. Sie ging langsam mit ihren Schwestern um ihn herum, augenscheinlich höchst amüsiert. Die Zarin sagte darauf zu der Großfürstin Tatiana: „Komm, gib dem Herrn die Hand, Tatiana!" Die Kleine aber lachte und sagte: „Das ist kein Herr, Mama, das ist nur ein Äffe!" In höchster Verlegenheit sagte die Zarin: „Du bist selbst ein Affe, Tatiana", aber der Prinz lachte aus vollem Halse. Später wurden er und die lleinen Großfürstinnen die besten Freunde. Bon Marie wird folgendes hübsche Beispiel einer kindlichen Schlußfolgerung erzählt^: „Sie saß eines Tages am Fenster und sah ein Regiment Soldaten vorübermarschieren. Das Schauspiel entzückte sie so, daß sie ausrief: „O, kch liebe diese Soldaten, ick möchte ihnen allen einen Kuß geben!" Ich sagte: „Marie, kleine Mädchen küssen nicht Soldaten." Sie antwortete garnichts. Ein paar Tage später hatten wir eine Kindergesellschaft, und die Kinder des Großfürsten Konstantin waren unter den Gästen. Einer von diesen, der gerade zwölf Jahre alt geworden war, war eben in das Kadettenkorps Die Frau in Amerika. Wir lesen in einem Artikel der „Kreuzztg." über die Frauen in der amerikanischen Politik folgendes: Strenge Ehegesetze für die Frau sind dort günstig, wo das weibliche Geschlecht in großer Ueberzahl vorhanden ist, wie z. B. im Dmtschen Reiche, wo es das männliche um eine Million Köpfe überwiegt. Umgekehrt aber liegen die Dinge in Amerika, wo dank der Einwanderung ein Ueberangebot von Männern existiert. Das übrige tut dte öffentliche Meinung, die immer der Frau recht gibt, auch wenn sie es gar tticht verdient. Einem deutfcheit Richter würden die Haare zu Berge stehen, wenn er sieht, wie verschieden in hiesigen Gerichtssälen Frauen und Männer beurteilt werden, so daß oft die Frau für dasselbe Delikt mit einer „Warnung" entlassen wird, welches dem Mann mehrere Jahre „Sing Sing" (Zuchthaus einträgt. So bald nicht ganz und gar das Recht ausschließlich auf feiten des Mannes ist, werden der Frau Alimente von oft exorbitanter Höhe zugesprochen, außerdem kann die geschiedene Frau sehr leicht wieder einen Mann bekommen, besonders wenn sie, wie die meisten Frauenrechtlerinnen, kinderlos ist. Besonders leicht kann eine Frau wieder zur Ehe schreiten, wenn sie nach den Weststaaten zieht; erließ doch einmal ein Mayor in Arizona in den Zeitungen Aufrufe an unverheiratete Persotten weiblichen Geschlechtes, wegen des übergroßen Jrauenmangels dorthin zu kommen, wobei er mit „wild-westlichem" Humor wörtlich sagte: „Hier kann selbst eine Lady, welche keinen Zahn mehr im Munde und kein Haar mehr auf dem Kopfe hat, noch einen tüchtigen, hübschen Mann bekommen, denn die Bevölkerung ist zu mehr als 90 Prozent männlichen Geschlechtes." Die amerikanische Frau weiß auch trotz ihrer Extravaganzen ganz genau, was sie tut. Und was will sie? Genießen und herrschen. Der,Mann soll ihr Sklave und ihr Aus- b eutungsvbjekt sein, damit sie genau alles das tun und sich leisten kann, was augenblicklich modern ist, aber verschwenderischer Lebettsgenuß genügt ihr tticht allein, sie will auch gesehen werden, man ntuß sie kennen und namentlich nentten in der ganzen Oeffenüichkeit, man muß von ihnen lesen in allen Zeitungen, sie müssen in irgend einer Form stets vor dem Publikum bleiben. Erst wenn sie eine solche Popularität erlangt haben, und sei sie selbst etwas zweifelhafter Natur, dann können sie auch herrschen außerhalb der vier Wände ihres nutzlos zu vergeuden. Trotzdem er nach menschlichen Moralbegriffen in jener Zeit am schwersten gesündigt hatte, alles, was er an guten und edlen Keimen in sich trug, batte jene Zeit ihm gegeben. Als die süße, braunhaarige Liesa von einem typhösen Fieber in wenigen Tagen dahingerafft wurde, war er innerlich gefestigt genug, um sich nie mehr völlig verlieren zu können. Aeußerlich schien er leichtsinniger geworden, es' waren Unsummen, die er so nach und nach! mit leichten Dämchen bei Austern und Sekt vergeudete. Mer die Tote blieb doch das einzige echte Gefühl seines Lebens — was nach ihr kam, war nur leichtsinniges, oberflächliches Getändel, eine Liebe von ein paar Wochen höchstens — die blonde hübsche Lora vom Apollotheater wurde ihm auch schon wieder langweilig. UnwMkürlich mußte er, dem edlen reinen Gesicht seiner neuen Schülerin gegenüber, daran denken, welcher Ekel diese schmalen, blaßroten Lippen erzittern lassen würde, bei einer Mitteilung von den Untiefen seiner Vergangenheit. Durch wieviel Schmutz und Schlamm war er ganz unnötigerweise auf seinem Wege zum Ruhm gewatet! Ein merkwürdiges Unbehagen überkam ihn bei der Borstellung, daß dieses' ernste stolze Mädchen, hätte es sein Leben geahnt, ihm sicher nicht einmal ihr Talent anvertrauen würde, aus Angst, sich in seiner Nähe zu beschmutzen. Als er wieder allein war, lachte er laut auf. Das nagende neuartige Gefühl schwand rasch. Er fand es direkt witzig, daß er sich von ein paar ernsten Mädchenaugen und einem stolzen Munde hatte imponieren lassen. Wer weiß, was unter der Maske stecken mochte? Er kannte doch die Weiber zur Genüge. Im Grunde genommen waren sie ade gleich veranlagt, oberflächlich! und genußsüchtig — es kam immer nur darauf an, ob der Platz, auf den das Leben sie gestellt, diese Eigenschaften groß zog oder unterdrückte. Wer nie versucht wurde, kann nicht unterliegen, dessen Moral steht vielleicht auf recht schwachen Füßen. Und diese Madonna mit den Samtaugen sah ganz so aus, als ob ihr nie eines Mannes profanes Wünschen genaht wäre. Hübsch war sie wirklich sehr, ein Gesicht, das den Künstler in ihm mehr weckte, als den Mann. _ In irgend einer tragischen rührenden Pose vielleicht als' „Einsamkeit" oder „Entsagung" dachte er sich ihre Er-! scheinung wunderbar wirkungsvoll. (Fortsetzung folgt.) 296 gesteckt worden und kam in seiner Uniform. Er wollte die kleine Cousine Marie küssen, aber sie legte die Hand auf den Mund und wich scheu zurück. „Geh fort, Soldat", sagte sie würdevoll, „ich küsse keine Soldaten!" Der Knabe wiederum war höchst entzückt, daß er für einen richtigen Soldaten gehalten wurde. . ." * Wann wird man alte Jungfer? Diese schicksalsl- schwcre Frage wird gegenwärtig in der Chicagoer Gesellschaft behandelt. Die erbitterte Diskussion darüber ist hervorgerufen worden durch eine Tat des Geistlichen Pater Code, der der Vorsteher einer OrdenIgesellschaft von jungen Mädchen ist. Code hat den offiziellen Befehl gegeben, daß alle Mitglieder dieser katholischen Schwesterschaft, deren Haupttätigkeit auf ihrer Wohl- tätigkeitspflcge beruht, wenn sie das Alter von vierzig Jahren erreicht haben, aus dem Orden ausscheiden müssen, und in die Liste der Ehrenmitglieder ausgenommen werden. Ehrenmitglieder der Gesellschaft sind alle die, tvelche nicht persönlich tätig sind, sondern in Anbetracht ihres Alters nur noch ein mehr passives freundliches Interesse dem Institut entgcgenbringcn. Der ungalante Pater hat nun erklärt, daß eine unverheiratete Frau mit vierzig Jahren alt genannt werden müsse, und damit einen Sturm der Entrüstung in der Frauenwelt Chicagos hervorgerufen. Vierzig Jahre sei die änßerste Altersgrenze, die man für die Mitgliedschaft bei einer Gesellschaft junger Mädchen ansetzen könne, meint Gode; die Frauen aber verlangen, daß die Altersgrenze wenigstens auf fünfzig Jahre augesetzt werde, denn erst mit fünfzig Jahren werde ein Mädchen alte Jungfer! * Das Pfeifen des Trinkens erklärt die Sprachecke des Allg. Deutschen Sprachvereins folgendermaßen: Wer die Straßen Hannovers durchwandert, erblickt nicht selten am Ileußern von Schnnkwirtsckaften „lüttje Lagen" augepriesen. Natürlich sind sie ein Getränk, Heute nämlich — in früherer Zeit war das anders. Zunächst war die altdeutsche Lagella überhaupt kein Getränk, sondern ein Faß, das nebenbei weit edleren Stoff enthielt, als die lüttje Lage unserer Zeit. In des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig Drama vom Branrarbas Vin- centius Ladislaus wird ein Lagel voll Malvasier geleert, und auch in Fischarts Eulenspiegel wird Wein aus Lägeln gezapft. Wenn freilich in Fischarts Gargantua von den Höflingen auch schon „uß der lvinlageln" gepfiffen wird — und zwar hatten diese „gutten adem, das sie wol weidelich pfiffen" —, so geht daraus hervor, daß bereits zu seiner Zeit — jm 16. Jahrhundert — das Wort auch in der Bedentung Flasche erscheint, und zwar einer enghMiaen und dickbauchigen, wie sie der der Lagella zugrunde liegenden römischen Lagoena entspricht. Bon hier aus bis zum Glase konnte nur ein kleiner Schritt sein. Von Stufe zu Stufe: Aus dem Lagel ist eine Lage geworden, aus dein Trinkgefäß die Bezeichnung des Getränkes, das in ihm verabreicht wird, und aus dem Weine — ein Gemisch von Bier und Branntwein. Nur das „Pfeifen" ist dasselbe geblieben. Volkstümlich wird auch heute noch „einer gepfiffen", und in Oesterreich heißt ein kleines Maß Wein „ein Pfiff". Heute wird das Wort „pfeifen" lediglich voin Brauntweintrinker gebraucht. Wie es zu der Bedeutung trinken überhaupt gekommen ist? Doch wohl infolge des alten Brauches, nach welchem man, wie es bisweilen auch heute noch geschieht, am Rande der Flasche — denn an ein Trinken aus dieser ist zunächst immer zu denken — mit dem Munde einen pfeifenden Ton hervorbrachte, ehe man aus ihr trank. Das Pfeifen selbst aber hatte vielleicht von Haus aus einen sehr praktischen Zweck: bei undurchsichtiger Flasche konnte man aus dem Tone, den sie von sich gab, auf die Höhe oder Tiefe ihres Inhaltes schließen. Da der, welcher pfiff, auch trank, ist der Begriff pfeifen sehr natürlich in den des Trinkens übergegangen. ___________ Literarisches. ■ — Meister der Farbe, Europäische Kunst der Gegen- wartz Heft 2 und 3. (Jährlich 12 Hefte 24 Mk. Verlag von E. Seemann, Leipzig.) —-Da die Kunst eine Offenbarerin des geschichtlichen und sozialen Lebens der Völker ist, eine feinsinnige Erzählerin von der Eigenart der Rasse, so trägt sie anch deutlich die Spuren anthropotogischer Merkmale zur Schau. Ein flüchtiger Blick über die großen Kunstgeschichten der Vergangenheit beweist das schlagend. Wie die Kunst des Italieners im Cinquecento ein hohes Gedicht auf Farbeufreudigkeit war, so war die Hollands des darauffolgenden Jahrhunderts ein Schwelgen in den Stimmungen der Landschaft und des Lichts. Zwischen beiden steht die deutsche Kunst, als deren größten Repräsentanten wir mit Vorliebe Dürer bezeichnen. Herb nnb stark, eckig und groß, philosophisch und wahr, das sind die Kennzeichen einer im engsten Sinne germanischen Kunst. Auch unter den Modernen finden sich solche Merkmale, die ans Abkunft und Staatsangehörigkeit Hinweisen wie man sich durch einen Blick in Heft 2 und 3 „Meister der Farbe" überzeugen kann, Merkmale die über alle Lchulzusammenhänge hinaus anthropologische Ausschlüsse geben. Sieht man z. B. das Bild von Josef Leampoels, das Eigentum des Leipziger Museums ist, so fühlt man auf den eriten - Blick einen inneren Zusammenhang mit der belgischen Kunst des beginnenden 18. Jahrhunderts, oder diese köstliche Heine, in der Technik minutiöse Szene des in Rom lebenden Spaniers G a l e g o s , so wird man der Traditionen inne, welche durch Fortuny der modernen spanischen Malerei überliefert worden sind. In dem derb realistischen, aber malerisch sehr fein abgestimmten Gruppenbildnis der Zigeuner des in Budapest lebenden Karl von Ferenczy erkennt man auf den ersten Blick den Ungarn. Man könnte an jedem der 12 Bilder der Hefte 2 und 3 des Unternehmens „Meister der Farbe" die Probe auf das Exempel machen. Nur bei dem einen oder andern würde man einen Augenblick stutzig sein, weil feine Kunst allen Rassenaccent vollständig verloren hat. Ein Bild von der bizarren und doch grandiosen Wucht der „Verspottung Christi" des Neapolitaners Morelli verrät unbedingt das Temperament des Südländers, ebenso wie die Tiroler Bauerngruppe Haiders etwas vom kalten Phlegma des Deutschen an sich trägt. Neben den genannten Bildern seien noch als besonders köstlich Kampfs luministisch wundervoll behandelte Gruppe „In der Loge", „beS verstorbenen M ü n ch eners Braith Tierstück „An der Tränke", des Holländers Jongkind durchaus impressionistisch gefühlte „Mondnacht" und des Brüsselers G i l s o n l stimm- ungsweiches „Parkstück", endlich Pausingers „Salome" und der einzigartige „Mondaufgang" von Harpignies erwähnt, den man ^als den letzten großen Landschafter aus der alten französischen Schule bezeichnen kann. Außer der Fülle malerischen Genusses, haben die beiden Hefte durch ihre literarischen Beilagen, die auf einen zugleich ansprechenden wie belehrenden $on geftümnt sind, eine besondere Anziehung. Mit Recht haben Künstler diese Zeitschrift als die eigenartigste und künstlerischste Schöpfung der Gegenwart bezeichnet. — Fr. M e tt e rh ausen: Die D o g m e ii s ch i e b e r. Ein Fastnachtsschwank. 55 Seiten. Mit Einbandszeichnung von Ernst Liebermann-T>ll'inchen. Jin Gutenberg » Verlag Dr. Eriist Schultze, Hamburg-Großborstel. Preis geh. 1 Mk. — Gegen den Aberglauben ist von jeher die schärfste Waffe der Spott gewesen. Aber wenn sie ivirksam sein soll, muß der Spott nicht nur beißend, er muß auch interessant sein. Und das ist der Fastnachtsschivank „Die Dogmenschieber" von Dr. Fr. Metterhausen, einem geb. Meckleu- bu'rger, der, wenn mir nicht irren, Handelskammersyndikus in Kassel ist. In ivechselndem Versmaß, aber am wirksamsten und freiesten im Vermaß der Kapuzinerpredigt verspottet er den Aberglauben. Namentlich die Figuren des Plastersritz und der Gesundbeterin sind köstlich. Die Gesundbeterin schildert ihren Lebenslaus mit den Worten: Ich bin eine Aristokratin, Gebürtig aus Purnplin. Um eine Jugendverrirling Mußt ich vo>> Hanfe fliehn. Ich kuriere jedes Gebrechen, Tas Siechen Kummer schafft, In brunstiglichem Flehen Durch des Gebetes Krall. Ich geriet in schwierige Lage Und ivär im Elend verkommen, Wenn edle Kavalliere Nicht meiner sich angenommen. Solange die Jugend blühte, Erhielt ich mich standesgemäß. Doch später blieben verschlossen Vor mir die Portemonnaies. Als in bitterer Schule geschmolzen Mein Stolz, und Armut mein Teil, Entdeckt ich in mir die Berufung, Zu bringen den Kranken Heil. Konitessen, Barone und Grasen, Die kommen m meine Salons, Viel frömmer und gabenbereiter Als einstmals die Seladons. Ein Bethaus könnt ich schon bauen Aus freubigem Opfermut. Mills Gott erbet ich noch ferner Equipagen und Rittergut. In allen bebeutenben Städten Schon blühen Gesundbeterei'n Und bringen den frommen Schwestern Ein hübsches Vermögen ein. Ich preise die göttliche Gnade Jetzt und zu aller Frist, Die allen vom Leid Veladnen Freuudwillige Helferin ist. Wie der Kranke unter den Händen dieser hilfsbereiten Kurpfuscher plötzlich sein Lebenslicht aushaucht, das mag mait in dem Buche selbst nachlesen. Nachdruck verboten. Willst du einmal die schone Welt durchreisen, Sei's auf der Eisenbahn, zu Fuß, mit Doppelrad, So sind bereit wir, dir bett Weg zu weisen, Zu sagen, ob er viel Beschwerbett. Hast du zurückgelegt des Tages Ziel, So werden rnis're Namensschwestern dir vielleicht Nicht unwillkommen sein, falls du ein Freund vom Spiel. Doch gieb wohl Acht, dein Beutel wird sonst leicht. m. Auflösung in nächster Nummer? Auflösung des Vexirbilds in voriger Nummer: Die Schwiegermama ist in der Wanddekoratioit versteckt: der Kops stoßt direkt aus den Kops der jungen Frau. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießem