IW6 M. 43 rinu: Mittellose Mädchen. Roman von H. Ehrhardt. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Nuth betrachtet sie fast mitleidlos. Sie liebt doch die junge Schwester zärtlich, aber im Moment empfindet sie nur eine Art Verachtung für dies kindische, schluchzende Geschöpf, das noch gar nichts wußte von ernstem, wirklichem Leid. Sie ahnt die Ursache dieser Tränen. Uni) schon will sie ein paar diesbezügliche tadelnde Worte sprechen, als Ense sich jäh aufrichtet, sie aus tränennassen Augen vorwurfsvoll anblickt und rasch sagt: „Warum hast Du eigentlich dem Hans seine Bitte abgeschlagen? Ihm zu Liebe konntest Du schon „Ja" sagen." Der Kaffeelöffel in Ruths Hand fällt klirrend §u Boden und als sie sich rasch danach bückt, sagt sie mit farblosen Lippen, die vor innerer Erregung zittern: „Was meinst Du damit? Er bat um nichts." Tie Lüge kostet sie förmliche Anslrcngimg, so erstickend legt die Erinnerung an die Unterredung des Nachmittags sich um ihre Kehle. „So 'ne Gemeinheit!" schilt die Enttäuschte, sich energisch die letzten Tränen von den Wimpern wischend, „fest versprochen hat er mir's, er wollte Dich bitten ivegen des Balles, daß Tri es doch bei den Ellern durchsehen sollst — er hat schon neulich gesagt, es wär' schade um mich, ich könnte wohl auch schon was haben vom Leben und überhaupt — wenn wir armen Mädchen nicht jung unser Glück machen, später", sie steht auf und zuckt die runden Schultern, „ja, später, da hat uns die ewige Misere häßlich und vorzeitig alt gemacht." Mit der gedankenlosen Unbarmherzigkeit der Jugend studiert sie bei ihren letzten Worten Ruths edelgeschnittenes, blasses Gesicht. Wie alt sie hente aussieht mit diesem herben Schmerzenszug um die Mundwinkel! Eine dunkle Ahnung beginnt in ihr aufzudämmern von irgend einem schweren heimlichen Kampf, der das Empfinden der älteren Schwester in all seinen Grundvesten erschüttert. Aber an Hans Klausen denkt sie nicht. „Daß Dir so viel an diesem Valle liegt, Suse!" meint Ruth, abgewandt, mit der Bereitung des Grogs beschäftigt, „weiß Gott, ich ließ Dich gern gehen an meiner Statt. Ich hasse dieses Zurschaustellen — als wäre man eine Ware, für die dringend ein Käufer gesucht wird, so komm' ich mir immer vor. Und so viel Häßliches gibt's auf so einem Ball, Klatschsucht und Neid, Jntriguen und Gehässigkeiten — fei doch froh, daß Du noch sorglos dahinlebst im Elternhause, man wird so schnell sehend da draußen — das^Leben läßt sich nicht durchtanzen, wenn man erst mit beiden Füßen drin* steht, es ist gar ernst und schwer." Suse erschauert leicht. Innerhalb weniger Minuten klangen zum zweiten Mal dieselben Worte an ihr Ohr. Tas Leben ist doch so ernst und so schwer! Und in ihr war doch solch ein rasendes Verlangen nach Genuß, nach Freude und Glück. Ihre blühenden Lippen schürzen sich in trotzigem Mut. Ihre Augen flimmern. „Und ich zwinge es doch, das Glück", sagt sie laut. 3. Ruth ist unterdes in das Zimmer des Vaters getreten. Er sitzt am Schreibtisch und arbeitet. Eilfertig fliegt die Feder über das weiße Papier, es mit kleinen kritzelnden Schriftzügen bedeckend. Nuth sieht dem Vater über die Schulter, während sie den dampfenden Grog behutsam zwischen die Papiere de9 Schreibtisches schiebt. „Was schreibst Du da, Papa?" erkundigt sie sich und zum ersten Mal blinkt an dem Abend ein Funken von Interesse in ihren Augen, auf, „doch wohl die Akten über Gasch und Genossen. Der Gerichtsdiener will sie ja morgen früh holen." Er hört zu schreiben auf, dreht sich nach ihr um und die Pfeife aus dem Munde nehmend, sagt er hastig: „Gut, daß Du mich daran erinnerst, Kind, ich hatte das ja völlig vergessen. Wär' mir das unangenehm gewesen! Wo hab' ich sie nur hingekegt?" Er sucht unruhig mit seiner mageren, nervösen Hand unter den Aktenstößen umher, aber Ruth hat schon das richtige Heft entdeckt und hält es ihm hin. „Wo war* mir das früher passiert, so eine Vergeßlichkeit!" murmelt er, „man wirb alt und tappcrig." „Das ist ja Einbildung, Papa! Ich mochte mal bte jungen Assessoren sehen, die's mit Dir aufnehrnen konnten. Tn weißt doch, erst neulich hat der Präsident zu Karl gejagt, eine solch eminente Arbeitskraft wie Du gäbe es nicht wieder. Viel zu viel tust Du überhaupt, das ist meine Meinung. Du könntest Dich viel mehr pflegen und schonen. Du machst manches Unnötige, was Tu recht gut anderen, jüngeren überlassen könntest." Er schüttelt, in dem Aktenheft blätternd, den grauhaarigen Kopf. , c , „Du verstehst es wohl nicht ganz, Ruth, was das heißt, aufgehen in dem Beruf, den man sich ans freier Neigung erwählt bat. Jede Nachlässigkeit wäre mir wie ein Treu- brach gegen ein lebendes Wesen. Kann ich meinen Posteii nicht mehr ganz ausfälleii, würbe ich eher davon zuriick- tretem Aber um Euretwillen darf ich das. nicht, darf n.oH nicht alt und schwach, werben/' >-176 — it wieder Das Müde, Weiche ist von ihr genommen, sie ist ganz Ruth, die ruhige, besonnene, pflichttreue Ruth, hie. ?,So starke Dich rasch mit einem Schluck", fällt Ruth ein, bemüht, durch einen leichten Ton die ernste Richtung seiner Gedanken abzulenken. Gehorsam führte er bas Glas zuin Munde. „Schmeckt es Dir, Papa?" „Sehr gut, ausgezeichnet — das verstehst nur Tu, Ruth", sagte er, unter dem struppigen Bart lächelnd, „was mir die Mutter da neulich zusammengebraut hat, wie Du iin einen, der unvermeidlichen Kaffees warst, ist gar nicht zu sagen." Auch Ruth lächelt, aber es ist ein mattes Lächeln. Sie weih, das ist eine seiner Eigenheiten, daß niemand ihm etwas recht machen kann, außer ihr. Es ist ihr Stolz und ihre Freude, denn sie liebt den alten Vater abgöttisch mit einer Liebe, die durch ein heißes Mitleid noch verstärkt wird, aber für einen Moment fühlt sie etwas wie Bitterkeit über diese Einbildung. Es ist ihr, als höre sie die Ketten an ihrem Fuß klirren. Das lähmende, trostlose Gefühl überfällt sie stärker noch als vorher. Schon will sie sich zum Gehen wenden, da trifft ihr Blick den vorgestreckten Fuß des Vaters, der noch in hohem Lederschuh gesteckt, und das kindliche Pflichtgefühl, mit dem sie ihn umsorgt, gewinnt die Oberhand in ihr. „Noch nicht in Hausschuhe!,, Papa? Tu hast doch sicher schon kalte Füße?" Und sie geht zu dem Nachttischchen vor einem der Betten i und kommt mit ein paar niedrigen, warm gefütterten I Schuhen zurück. Ohne sein fast erschrockenes: „Aber Kind, so laß mich doch!" zu beachten, kniet sie vor ihm nieder Und beginnt geschickt die Schnürbäuder der Lederschuhe zu lösen. Ta fühlt sie auf einmal seine Hand auf ihrem Kops Und hört seine Stimme so weich Ivie noch nie sagen: „Tu verwöhnst mich zu sehr, Ruth. Was sollte aus mir werden, wenn ich Dich nicht hätte? Die Mutter ist la so gut, aber sie bedarf für sich allein der Pflege und Schonung, sie kann mir keine Stütze sein, wie Du mir I Ast, meine Tochter, ja, eine Stütze und der Trost meines Alters. Ich furchte nur, daß bald einmal ein anderer komnien und Dich mir entreißen wird und meinen Lebens- I abend düster machen." Er fährt unsicher tastend ein paarmal über ihr weiches, I schwarzglanzendes Haar. Ihr Gesicht kann er nicht sehen, I aber er suhlt das Zittern, das den schönen Mädchenkörper! zu seinen Füßen förmlich schüttelt. Und dann liegt ihr Kopf auf seinen Knien. „Ich werde Dich nie verlassen, Papa!" sagte das Mädchen heiser vor Erregung, „ich bleibe bei Dir, immer, irniner." I . Es 'st ihr heiliger Ernst mit den Worten, die fast wie ein Schwur klangen. Tröstend naht sich ihr das Bewußt- I stiu, daß sie dem Vater wirklich unentbehrlich ist, daß sie Fr Opfer nicht vergeblich gebracht hat. Wie groß dieses ^pser ist, sie hat vorläufig noch nicht Zeit gehabt, sich darüber klar zu werden. Sie will nicht daran denken und I dvch — während sie vor dem alten Mann auf beit Knien lag, drängte das Bild des Geliebten sich gewaltsam in ihre Seele. Alte Erinnerungen tauchten deutlich wie nie I bor ihr auf in Zeiten, in denen er iin kindlichen Spiel, ihr Ritter gewesen — sie sah sich selbst als fröhliches, svrg^ loses Kind, wie sie in einem alten Ballkleide der Mutter, I eine Krone aus Goldpapier int gelösten Haar, als eine I ^ou Räubern entführte Prinzessin, .Berzweifluugsträueu I heuchelnd, nn grünen Burgverließ saß und wie er daun j ö^ltaumte zwischen den brechenden Fliederzweigen, das I Hvlzschwert in der braunen Knabenfaust, das trotzige Ge- ! licht glühend im Eifer des Spiels, mit der dicken, "blonden | 2,ocke, die ihm immer in die Stirn fiel und die er mit eigensinnigen Kopfbewegung von Zeit zu Zeit zu- ruckzuschleudern pflegte — wie er sie triumphierend an sich I xtp als ihr Retter aus räuberischer Hand. Nur heiraten hatte er seine glücklich befreite Prinzessin nie wollen. ' .. ist kin Spiel für Mädels!" pflegte er zu sagen, I >,die Aussen sich gerne." y | Das schien ihm nicht vereinbar mit seiner Knabenwürde. I „shte er anders. Sie weiß, daß er nichts heißer I gewünscht hat heute nachmittag, als sich zu entschädigen I bie törichte Enthaltsamkeit seiner Kuabenjahre. | t . imhe war er ihr gewesen, daß die Spitzen seines I kuschen blonden Schnurrbarts ihre Wange geliebkost hatten. And sie hatte die Kraft gehabt, ihn von sich zu stoßen. Noch immer liegt die welke Hand des alten Mannes auf pes Mädchens gesenktem Haupt. Eine große, seltene Rühr' j I ung erfüllt ihn und diese Rührung nimmt seinen tief-, I liegenden, braunen Augen deu sonstigen düsteren Ausdruck, | sie verwischt deu bitteren Zug um seine bärtigen Lippen 8 und glättet die von Falten durchfurchte Sttru. Als Ruth langsam den Kopf erhebt, starrt sie fast ungläubig in sein Wh verändertes Gesicht. Ist das die Freude über ihr: „Ich I bleibe!?" 1 . „ V”b i" einem Gemisch von Glück und Schmerz wieder-, | holt sie noch einmal: ,Lch gehe nie von Dir, Papa, nie!" I nbriiT't c'n kitzeln, das sie ihrem znckeiideil Herzen Er beugte sich liebevoll zu ihr nieder. s "Nichts versprechen, Ruth", meint er ernst, beunruhigt durch die seltsame Erregung des sonst so gelassenen Mäö- I ehens, „ich will kein so egoistischer Vater sein. Dich an! einem Gluck fern von mir zu hindern." „Ich kann mir kein größeres Glück denken, als für Dich zu sorgen. Dir zum kleinen Teil die Dankesschuld abnn | tragen, die Du uns allen durch Dein rastloses Arbeiten und Sorgen anferlegst." , Sie sieht voll ehrerbietiger, heiliger Zärtlichkeit zu ihm sstll mit Augeii, die wie Sterne aus dem schönen, bla sen Gesicht leuchten. Das alte bittere Lächeln gräbt sich um seine Mundwinkel. Wie ermattet lehnt er sich in seinen Ivruck und halb zit sich selbst, halb zu dem knienden Mädchen spricht er leise: hak es mir genutzt, das Arbeiten und Sorgen? ! Wahrlich mein Leben ist nicht leicht gewesen in dem steten "Ni das tägliche Brot, aber zu danken habt Ihr mir wenig genug. Ich bin Euch kein rechter Vater ge* ivefen — nein, schüttle nicht den Kopf, ich lveiß es nuti ju gut, ich hab' Euch alle aufwachsen lassen nach dem' Grundsatz: Erzieht Euch selbst. Es ist falsch. Ter Menschs erzieht sich nicht selbst, er wächst heran mit all den guten! und schlechten Eigenschaften, die ihm von der Natur mit*. gegeben sind und die er ohne eine leitende Hand nicht zu zügeln versteht. Vielleicht, daß das Leben ihn mit rauher! Hand noch erzieht — aber meist ist es schon zu spät. Wenn! ich heute die Augen zudrücke, lasse ich Euch niittellos zurück und was noch schlimmer ist, nicht gestählt für den Kampf ums Leben. 11 in Dich bangt mir ja nicht, Ruth, Tu bist eine ernste, verständige, mutige Natur, Du wirst Dich nie verlieren. Aber Du wirst den Anderen allen Stütze sein miisseti, der Mutter, der schwachen, ängstlichen Frau — ach, nno der Suse, wenn ich mich auch nicht hineinmische, dass sehe ich doch, wie zerfahren und oberflächlich sie ist, tote; eitel — sie wird gut schwersten zu hüten fein. Und die! Jungen, keiner noch int Brot —" Er bricht ab, als sei es ihm unmöglich, die trostlosen! Bilder, die sich ihm aufdrüngen, noch weiter anszurvllen. Ruth aber schlingt, sich aufrichtend, beide Arme um seinen! Hals, schmiegt ihre weiche Wange an seine bärtige und bittet leise: „Quäl' mich und Dich doch nicht mit solch traurigen Reden, Papa. Fühlst Du Dich Denn krank?" »Mir fehlt nichts!" wehrt er ab, „nur müde und alt bin ich, dafür ist kein Kraut gewachsen." „Doch!" widerspricht sie, sich fester au ihn lehnend, „ich werde Dich noch besser pflegen von jetzt ab. Und Tu wirst mir's erlauben und sehr gut folgen, Papa, ja, Tu versprichst nrir das?" Er zieht sie vollends auf seine Knie. „Ich werde wohl müssen, wenn Tu so energisch auf- 11-1" j Er hat,Recht, sie spricht heute anders zu dem Vater> vor dem sie nie eine gewisse Scheu hatte überwinden tonnen. Es ist wohl das Bewußtsein ihres heroischen Entsagens, das ihrem Anftreteu etwas Gereiftes, Gefestigtes! Sie schrickt wie aus halber Betäubung geweckt empor, als int Korridor draußen eine Tür znschlägt und gleich darauf Walters halb zaghafte, halb bittende Stimme herein- klingt: „Kommst Du nicht bald, Ruth? Mama kann beit Schlüssel! nicht finden nud Snse will doch Lichter zum Klavier, weil sie üben muß — und mein Aufsatz —" Ruth ist schon aufgesprungen. „Ich komme, Walter!" — 171 keine Zeit hat, an sich selbst zu denken. Das Schlüsselbund, die Lichter zum Klavier, der Aufsatz ihres Lieblings — das ist das einzige, was sie jetzt beschäftigt. „Gute Nacht, Papa, schlafe gesund!" Sie neigt sich nieder und führt seine Hand rasch gu die Lippen. Liebevoll sieht er sie an. „Gute Nacht! Siehst Tu, auch denen dort drüben bist Du rmenlbehrlich. Arme Ruth." (Forts, folgt.) Jem Wahren, Edlen, Schönen. Ein Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Es hieß wieder: die Reichshauptstadt habe genug Theater. Jedes Zuviel fei ein Unsinn. Es war manches Wahre daran. Tie Ueberfülle der abendlichen Genüsse, wie sie die Anschlagssäulen täglich dem Vergnügungssüchtigen verkünden, drängte ju einem wilden Konkurrenzkämpfe der Theater, von denen nur die wenigen ausgeschlossen waren, die sich eines getoiffcit festen, literarisch gebildeten Stammpublikums zu erfreuen hatten. Daß für eine gut geleitete Bühne mit wertvollen Kräften immer noch Platz war, bewiesen mannigfache Versuche, die der neuen Eritwickelungsphase in den dramatischen Literatur einen Weg zu schaffen sich mühten, die verschiedenen „Freien", „Sezessions"-, „Versuchs-Bühnen" und tote sie sich sonst noch itannten, die aber häufig mit Zensurschwierigkeiten zu kämpfen hatten, infolge dessen nur in Wereinskreisen spielen durften und in dem Augenblick, da sie sich selbständig machten und an Stelle der gastieren- deil Größen ein festes Personal erwarben, gewöhnlich an unzulänglichen Mitteln zu Grunde gingen. Dieser wütende Konlurrenzkampf, der das nackte Geschäftsinteresse auf den Platz künstlerischer Bestrebnngen und Absichten setzte, sollte schließlich die wunderliche Blüte der Ueberbrettelei zur Entfaltung bringen; die an sich ganz gute und gesunde Idee einer verfeinerten Läuterung der leichtesten Theaterkost imtrbe durch einen rohen Haufen voll Spekulanten zu Tode gehetzt. Zu keiner anderen Zeit als in diesen netinziger Jahren hatte Berlm sich in einem so närrischen Theatertaumel befunden. Es machte wirklich den Eindruck, als habe »Hammer mit seinem Prachtbau alle guten und bösen Geister fitt Reiche Thalias erweckt. Ganz wahnsinnige Projekte tauchten auf: eine „Fresko-Bühne", die nur al sreseo entworfene dramatische Kartons der Oeffentlichkeit vorzu- suhreit gedachte, und toieber eine „Kunst-Bühne", auf der lediglich psychologische Problemstücke ohne jedweden stofflichen Hcmdlnngskern zur Aufführung kommen sollten: daun wieder ein „Lieder-Theater" zur Neuerweckung der deutschen Lyrik, imb eine „Mimodramen-Bühne" für poetische Einzelszenen. Man hätte bei alledem Wohl on ein ehrlich rüstiges Streben denken können und an eine frohe Verheißung. Aber bis auf geringe Ausnahmen, hinter denen wentgstens ein guter Wille steckte, entpuppte sich alles als .Sensationshascherei, als die alte Jagd itach Erfolg mittels pikanter oder noch unerprobter Würzen. — Unter dem entfachten Konkurrenzkampf hatte das Prinz Ferdlnand-Theater am schwersten zu (eiben. Hammer hatte slch ganz ans die Direktoren und atif feinen Adlatus Jm- Ijoff verlassen müssen, da er selber vom Bühnenwesen an srch nichts verstand und auch in seinem literarischen Emp- sfinden nicht über das Laienhafte hinauskam. Nun wäret; «s und Imhoff zweifellos ganz geschickte Regisseure, und Rafasll tour kein übler Kapellmeister; aber in der Kunst, ein gut geschultes Ensemble zusammenzustellen, man- Lelie ^tynen alles., Außerdem befehdeten sie sich gegenseitig todlcch; was der eine unternahm, hieß der andere idiotisch, was dem gefiel, fand dieser greulich; sie kämen niemals zuemander. Man hatte ort eine Oper int großen Stile gedacht, die allein fähig feitt konnte, die Konkurrenz mit deut Hoftheater siegreich auszunehmett. In diesem Falle wurde ivohl auch die konservative Tradition, die das alt- emgesessene Berlinertum an die Hofoper fesselt, über- wtmden toorbeit sein. Aber es stellte sich heraus, daß das Prmz H-erdittaud-Theater mit seinem Opernbudget sich nicht « 6cS Gleich dotierten Hoftheaters messen konnte; es mußte sich immer auf die Stellung einer „zweiten" Ctoer beschranken, und dafür waren wieder die Preise der Plätze zu hoch bemessen. Es kam noch anderes dazu, der neuen Opernbühne die Existenz zu erschweren. Bon den älterett bedeutenden Musikwerken gehörte das meiste, wenigstens das, was auf das Publikum die wirksamste Anziehungskraft ausübte, tote beispielsweise der ganze Wagner, dem festen Besitz des Hvftheaters an, und die moderne musikalisch-dramatische Produktion befand sich zurzeit ans einem Tiefstände, der jeden Erfolg, selbst bei einem an- sprnchsloseren Pnblikum, ausschloß. Herr von Serben mußte also notgedrittigen auf das gute Alte und längst Bekar t zurückgreisen; er versuchte es freilich auch mit Experiment..!, grub halb und ganz Verschollenes toieber aus, erwies sich überhaupt nicht als untüchtig; aber es war merkwürdig: mau schiei; das Prinz Ferdinand-Theater nach bett ersten Mißerfolgen tticht mehr recht für voll anzusehen; es kam nicht in die Höhe. Noch schlimmer verhielt es sich mit dem Schauspiel. Ta staub tiuii. diese wundervolle Bühne, mit raffiniertester Technik erb out: das große Velarium, das bei Konversationsstücken die Galerie und bett obersten Rang verdecken sollte, um einen engeren Kontakt zwischen Szene unb Zuschauerraum herzustellen, sanktionierte vortrefflich; das Proszenium ließ sich verschieben, um bas Bühnenbild zu verkleinert!, der Versenkungsapparat erwies sich als ungemein praktisch. Und wie herrlich war das ganze Haas, ein Triumph moderner Baukunst, ein Weihegescheuk des Genies! — Aber auch hier blieb der Erfolg ans. Giesecke hatte guten Willen, mehr nicht. Tie Fausttragödie verwandelte er in ein lächerliches Ausstattungsstück, in dem alles Große und Erhabene in äußerlicher SzenenwirkUug unterging. Die Novitäten schlugen nicht ein; die sogenannten Berühmtheiten waren an ,andere Bühnet; gesesselt, trauten auch dem Personal Gieseckes nicht. In der Tat: das war das Böseste. Mat; schob ihm allerhand Kräfte zu, die nicht zu brauchen waren; der Aufsichtsrat protegierte viel; gute Freunde, arme Teufel und kleine Liebchen sollten angestellt werden. Eie» fecke hatte .auch feinen Spürsinn sür neue Talente. Er versuchte es mit Gastspielen großer Sterne. Die waren schwer zu bekommen; sie fügten sich nicht gern den; tnittel- mäßigen Ensemble des Prinz Ferdinand-Theaters ein unb waren äußerst kostspielig. Und Giesecke hatte zu rechnen lvie Seebett. Ja, das war es, was den Verfall rasend beschleunigte: trotz aller günstigen Konjunkturen war der Ban so teuer geworden, dag man sparsam wirtschaften mußte. Hinter deut äußeren Prunk ging die. Knust nach Brot. Es war das eingetroffen, was Prinz Arenstein voraus- gesehen hatte: Hammer hatte sich „überbaut". Ter kühle, wägende und rechnende Verstand war vor dem Genie dadvngelansen. Es sollte etwas Vollendetes werden, und das war es auch gewordeti; aber das Fundament ruhte ans tönernen Stützen. Was der luxuriöse Ban nicht verschlang, das fraß die ungeheuer kostspielige Bühnenein- richtung. Und ringsum standen die, die auch ihr Teil haben wollten: die Aktionäre. Matt hatte auf Tantiemen und Dividendei; gehofft und bekam nicht einmal die Zinsen . . . Es war klar: so konnte es tticht weitergehett. Josef Berndal steckte sich hinter Imhoff. Der stand jetzt «ms der Höhe. Prieftap und Nina waren feit ihrer Hochzeit ans Reisen, und Claudius richtete inzwischen, mit reichen Mitteln versehen, ihr Berliner Heim ein. Er wühlte im Golde. Er halte vorläufig auch Wanda und Susanne, die Koloratursängerin und die 'ehemalige Soubrette, itt Berlin untergebracht: die eine im Norden, die andere im Siidtvesten. Da besuchte er sie bann unb wann, fuhr von Berlin W ttach Berlin N und ttach Berlin SW unb amüsierte sich außerordentlich bei seinem Trio. Wanda tvttßte von Suse nichts, und ttichts wußte die liebe Laura von diesen. Bis eines Tages Sie Entdeckung kam, wie ein zündender Blitz, mit Allgewalt, mit Knall und Schall und einer vernichtetiden Rede. Da war es beim vorbei mit dem Tändeln int Dreieck; Imhoff mußte tief in dis Tasche Priestaps greifen: er hing Laura ein schönes Kollier um bett Hals und reichte Wanba und Suse je ein ge- sülltes Portefeuille. Hieraus fuhren Wanda und Suse in verfchiedenen Richtuitgen von Berlin ab; die eine nach Bern, bie andere wieder über die See — F. G. Holtinger! hatte ihnen in aller Eile Engagements verschafft. folgt.) - . — 172 — Kunst. ' —: „Meisterbilder fürs deutsche Haus." Neue Neike. Herausgegeben vom Kunstivart. 25. und 26. Folge, .olatt 1'45—156, Verlag von Georg D. W. Callwcy in Münckcm Preis eines jeden Maltes in Umschlag 25 Pfennig. — Zum Lobe der vom Kunstwort herausgegebenen Mcisterbilder fürs deut>chc Haus kann kaum etwas Neues gesagt werden. Der Verlag hat sich ein großes Verdienst erworben durch die Herausgabe dieser tit der Mehrzahl mustergiltigen Kunstblätter. Wie viele Zausende hier für den Preis von x/i Mark gleich 25 Psg. em Bild railfen koiinten, an dem sich Auge und Herz lange Zeit erfreuen, das ist eins d c r Geschenke unseres Jahrhunderts, von denen die gute alte Zeit nichts ivustte. Wie oft hat Goethe von den tiefen Eindrücken gesprochen, welche ihm, dem Kmde, die Bilder im Trcppcnslur des Frankfurter Elteruhmiscs machten, wie sie ferne Phantasie anregten, seine Augen erfreuten Bei allen Bcstreb- nngen der Kunsterziehung unserer Tage wird noch viel zu wenig auf die Bilder in der täglichen Umgebung geachtet, welche Meister- tve>-ke der Kunst iviederqeben — gerade diese Nachbildungen smd durch ihren unglaublich billigen Preis jedermanir zugänglich, ihre Erwerbung braucht niemand zu scheuen, auch; das kiiappste Budget wird eine l-albe Mark für solchen Wandschmuck übrig haben. Alle Gebildeten — Mann oder Frau — sollten cs als ihre Mipion betrachten, gute Bilder dieser Art zu verbreiten. Bequemer und billiger kann der Erwerb nicht werden, als es hier durch die Meisterbilder des Kunstwart geboten wird. Die 25. Folge enthalt: Blatt 145 Allart v. Evertingen, Norwegischer Wasserfall. — Blatt 146 Ruisdncl, Flußlandschafi mit Windmühle. — Blatt 147 .Hans Memling, Maria mit dein Kinde. —■ Blatt 148 van Dyck, Die letzten Stuarts. — Blatt 149 Giorgione, Brnstbild eines Mannes. — Blatt 150 Rubens, Spielende Kinder. — Die 26. Folge enthält: Blatt 151 Bildnis der Gräfin Potockn. — Blatt 152 van Dyck, Wilhelm II. von Oranien. — Blatt 153 Michelangelo, Tie Erschaffung von Sonne und Mond. — Blatt 154 Botticelli, Der Frühling. — Blatt 155 Murillo, .Der hl. Antonius mit dem ChristuAkind. — Blatt 156 Hackaert, Die Esckenallee. — EinlSomm ern achtKträum, Falst aff und sein e Geselleir, Schattenbilder von Paul Kouewka. Neu her- ausgegeben vvm Kunstwart. Mit Begleittext von Ferdinand Äve- narius. Preis in Mappe je 2 Mk. München, Georg D. W. Callwey. —i Wer von uns'um die Mitte des vorigen Jahrhunderts oder noch früher geboren ist, der wird sich troch des' Jiibels erinnern, den in den sechziger Jahren Paul Konewka erregte. In Zeitschriften, Bilderbögen, Jugendbüchern, tauchten Schattenrisse von solcher Zierlichkeit und Anmut auf, daß sie sich Augen und Herzen schnell wie der FrühlingAvind die Wiesen eroberten. Drei Reihen von Kunstblättern folgten ihnen, Schattenrisse 51t „Faust", zum „Sommernachtstraum"' nnb „Falstaff und seine Gesellen", sie zeigten von Werk zu Werk die Kunst ihres jungen Meisters int Wachsen. Aber als das letzte erschien, !var Paul Koncivka schon tot." Man hat den „Mozart der Silhoiiette" damals tausendfach bitter beklagt. Aber ihm ivard noch Traurigeres beschicden als seines Leibes Tod: aus allerhand Gründeti wurden seine, köstlichen Bildermappeir nicht wieder neu gedruckt und so verscholl mit der Zeit auch das Feinste seiner Kunst. Jetzt ist es wieder ausgelebt! Der Kunstwart hat die besten der Scbatten- ristsolgen Konewkas neu herausgegeben, den lieblicbeit „Sommernachtstraum" und „Falstaff und seine Gesellen", in denen es von allen Humorcn sprudelt. Jede der Folgen, mit ihren ungefähr zwanzig Bildern ist nun (für 2 Mk.) von Georg D. W. Eallwey in München wieder zu beziehen, und also kann der Freund der Anmut und der Schönheit sich wieder satt an seinem Koncivka sehen. . LLLevavssches. — Erne neue Zeits chrift erscheint seit Anfang dieses Jahres in Leipzig: „Die Leb cnskunst", Zeitschrift für persönliche Kultur, Rundschar! auf dem Gebiete moderner Reformarbeit. Es sollen besonders folgende Gebiete bearbeitet werden: Lebens- tveishcit und Charakterbildung, Körperstählung und Schönheitspflege, naturgemäße Lebens- und Heilweise, Alkohol-- und Tabak- Abstinenz, Frauen-Juteressm, Erziehungsreform, Jngendschutz ustv. Unter den Mitarbeitern befindet sich auch der Oberst a. D. Spohr aus Gießen, der in der 1. Nummer über die Pcst- seuche spricht. Herausgeber ist Karl Lentze in Leipzig. Der Preis für das Vierteljahr (6 Nrn.) beträgt nur 1 Mark. — Abermals eine neue Serie der Bibliothek der Gcsamt- literatur (Verlag von Otto Hendel, .Halle a. S.). Die Reihe, er- pfsnet diesmal Eduard M ö r i k e mit einer Auswahl seiner Gedichte, herausgegeben von Friedrich Bernt. (Brosch. 1 Mk.) Ebenfalls von Bernt herausgegeben schließt sich Mörikes letzte Prosaschöpsung „Mozart auf der Reise nach Prag" an. (Brosch. 25 Pfg.) Weiterhin folgen Guy d e M a u p a s s a n t s Novellen und Skizzen. (Brosch. 75 Pf.) Den Schluß bilden zwei Bände von Roderich Ben cd ix' Haustheater. Eine Auswahl einaktiger Lustspiele, Vorspiele und Soloszenen für gesellige Kiceise und offenil. Bühnen. (Brosch, je 25 Pfg.) — Eine besonders' große Anzahl Nummern (28 statt der gewöhnlichen 20) umfaßt die nette Serie von Meyers Volks- büchern, herausgegeben von Dr. Hans Ziminer, Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. Daß sie den eben „frei" gewordenen Eduard Mörike weitesten Kreisen in billigen Neu- drucken zugänglich machen würde, tvar zu erwarten: sie bringt von ihm den fstoman „Maler Nölten" (Nr. 1443—1449) nach der ersten, unüberarbeiteten Ausgabe von 1832 und die Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag" (Nr. 1450). In scharfem Gegensatz zu diesen Erzeugnissen einer beschaulichen, abgeklärten Tichtern'atur steht Victor Hugos spannender, handlungsreicher, ja stürmischer Roman „Notre-Dame von Paris" (Nr. 1423—1431), während Fritz R c n t e r s mit Worterklärungen versehene „Läuschen un Rimels" (Nr. 1438—1442) dem Leser alte Lieblinge in einem neuen Geivande zusühren. Von besonderem Werte ist die Ncu- ausgabe von Bogumil Goltz' Bolkstumsstudien „Zur Geschichte und Charakteristik des deutschen Genius" (Nr. 1432—1437), die nicht bloß mit sorgfältig bearbeiteten Erläuterungen, sondern vor allem mit einer Einleitung versehen ist, in der cndliclmiumal die verwirrend vielgestaltige Persönlichkeit des originellen Schrnft- stellers Goltz klar ersaßt und geschildert ist. — Jedes Bändchen ist einzeln käuflich, der Preis jeder Nummer ist 10 Pfennig. Für unsere Klemen. :—■ Vor mir liegt ein kleines, geschmackvoll ansgestattetes Buch, das erste einer Reihe von Märchen von O kl a v i e Reb, mit Bildern von Luise Kumpa (Verlag von L. Vogelsberger in Darmstadt.) Es enthält das Märchen vou dem Osterhäschen. Das' kleine Büchlein tritt nicht mit kunsterzicherifcher Reklame auf. Schlicht und ungekünstelt erzählt es ein altes Märchen in neuer Form, neuen Bildern, neuer Deutung, mit schalkhaftem Humor gewürzt und voller Beziehungen zu der FruhlingÄvelt, die das' Kindergemüt umgibt und die es versteht. Da ist nrcnts Gesuchtes^, weder im Text noch in den niedlichen farbigen Illustrationen. Da finden wir weder jene gespreizte, manierierte Einfachheit, noch jene läppische Kleinigkeitskrämerei, die uns heute beide als' die Klone kindlicher Kunst angewiesen werden. Sichere ohne nach links oder rechts zu liebäugeln, geht die, Erzählerin ihren Weg, und wer, wie ich, die Wirkung ihres Märchens auf das Kindcrqemüt praktisch erprobt hat, der ivird ihr Recht geben., daß diese goldene Mitte, wie sie es von jeher war, auch sernerhm der richtige Weg für solche Kindergeschichten fein wird. Dr. W. & AsrmorMrsehes. Gebildet. Professor: „Wie Herr Leulnant? Sie als gebildeter Mensch haben Schillers „Räuber" nicht gelesen? — Leutnant: „Aber ich bitte Sie l Schillers öiauber smd doch so allgemein bekannt, die lieft man nicht erst l" ImKasseklatsch. Han § sra u (aus dein Zunmer heraus- tretend und den Diener in der Nähe der Tür findend): „Johann, ■ D»i hast gehorcht I" — Diener: „Nein, gnädige Frau. — ■ „H auSfrau: „Doch hast Du gehorcht I" — D 1 c ne r: ,,-Renh gnädige Fran." — Hausfrau: „Lug' nicht, Johann, Dir sichen ja die Haare zu Bergei" Humor des Auslandes. * Cnrley: „Sehen Sie den Herrn da drüben ? Er besuchte dieselbe Universität ivie ich. Soll mich wundern, ob er sich meiner noch erinnert?" — Bnrleigh: „Bitten Sie ihn doch mal, Ihnen ein Ps>i»d zil leihen." - „Wozu?" — „Wenn er sich Jhrcr noch erinnert, iverden Sie cs nicht bekommen." D er U n t ers ch i e d. „Ich verstehe nicht, iv'.e Sie ztilaßen können, daß Ihre Tochter mich ivcgen des BriicyeS des Ehever- sprechens verklagt. Sie werden sich doch ivohl noch entsinnen, uns wenig Sie mit nnserer Verlobung einverstanden waren, weil ich Ihnen nicht gut genug für Ihre Tochter war und der Familiezur Schande gereichen würde." — „Junger Mann, das war. Gesuhls- sache, jetzt ist cs aber Geschäftssache!" Charade. Nachdruck verbotet. Steigt leuchtend die Rakete ans, Bleibt Eins nicht anS, verlaß dich d'rauf. Z>vei-Drci lebt froh in Busch und Wald, Ist bunt nnd zierlich von Gestalt. Das Ganze ist ein Bild des Fleißes. — Wcr's nicht erraten kann, den beiß' es! Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer r Wir hatten das Beste zu hoffen künftig, Wär' Menschcnwille nur immer vernünftig Und würden verkehrte Lcideufchasten Nicht eivig an unserm Herzen Hastei!. G. Maurer. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen.