Mittwoch de» 21. Ieörnar Mm wZ8»®®®Mah '/wHi WtB'/l 3MB Möw I ■ S V Dem Wahren- Edlen, Schönen. Mn Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Prinz Arenstein hatte die Arme über der klopfenden Brust verschränkt. Wirklich: die arme Frau war stärker als er. Ihm wurde das Starkscin schwer. Er hätte sie in trunkener Vergessenheit ort sich ziehen können — o roie*liebte r sie! Er starrte auf sie herab, auf ihr leuchtendes Nothaar, das den geneigten Kopf mit goldenen Flammen umkleidete, auf die runden, weihen Schultern, die feine, volle Gestalt. Sie saß wie gebrochen vor ihm, und ihr Seelenleid war auch das seine. „Freda," sagte er sanft, „ich widerspreche Dir mcht mehr. Ich denke in manchem anders als Du. Du willst keine Sklavin sein — und bist es dennoch., Du beugst Dich der Heiligkeit der Ehe, und Deine eigene ist unheilig, denn ihr fehlt das Erlösende . . . Nein — fahre nicht auf . . . tch will Dich nicht erregen. Ich ivill Dich auch nicht bekehren. Ich warte ab. Es kann einmal die Stunde kommen, da Deine Gedanken sich wandeln. Vielleicht bedarfst Du einst meiner. Und dann ... es bleibt so: mein Herz liegt offen vor Dir . . ." Er atmete sehr schwer, und doch ging letzt ein Lächeln über sein blasses Gesicht . . ♦ „Es bleibt so, wiederholte er, „wir sind gute Freunde. Nun komm! Hier blühen die Rosen; wir wollen ivicder nach vorn in gemäßigtere Klimate . . ." Er nahm ihre Hand und küßte sie. Sie erhob sich. Da stand der Graf vor den beiden. Er war leichenblaß, war ganz fahl. Seine Augen blitzten, die Favoris zitterten. Ah — da seid Ihr," sagte er mit heiserer Stimme. Frcda — mein Gott, ich habe überall nach Dir gesucht — wir wollen aufbrechen. Eine furchtbare Gesellschaft. Gehe voran und empfiehl Dich; ich komme sofort nach . . .' Freda antwortete nichts. In ihrem Auge stand ein heimlicher Schreck. Sie ging an dein Gatten vorüber. Arenstein wollte ihr schweigend folgen; doch die Hand des Grafen hielt ihn zurück» „Einen Augenblick," flüsterte er. Er horchte, bis das Kleiderrauschen der sich Entfernenden nicht mehr zu hören war. Er trat in die Tür des Wintergartens. Es kam niemand. Die Fontäne rieselte melancho- 1 lisch; die beiden Aeffchen im Käfig richteten sich auf. Der Graf wandte sich zurück. „Höre Arenstein," sagte er ruhig, aber e3 war Heros, als raste hinter dieser anscheinenden Ruhe eine unbändige Wut, „ich habe mit Dir zu sprechen: nur ein paar Worte ... Du wich mich nicht für einen .eifersüchtigen Narren halten. Nein . , . ich bin nickt eifersüchtig. Aber ich will auch nicht, daß die Welt mich verlacht. Man wird aufmerksam auf Euch — auf Dich und Freda — „Wer?" fragte der Prinz mit heiterer Miene. Da schäumte FrehlinghauS auf. „Arenstem, lag dieses mokante Lächeln! Verdammt — willst Du Dich noch lustig machen über mich?! . . Er zischte das ingrummg hervort feine Augen glühten, seine Hände waren geballt. Heros wich nicht zurück vor ihm. Der Gedanke schoß ihm durch den Kopf, Frehlm bans könne seine letzte . u8- spräche mit Freda belauscht Haven. Dann war mchtS mehr zu retten, und die Kugel mußte fliegen. Aber Arenllein blieb kaltblütig. Es war auch in seinen Wangen kein Tropfen Blut mehr; die Nasenflügel vibrierten, die Mundwinkel zuckten. Denur ■ bewahrte er seine Ruhe. Was hast Du uns vorzmuersen?" fragte er. „Unsere Kinderfreundschaft? Unseren kameradschaftlichen Verkehr? Ja," schrie Frehlinghaus. Er schaute sich rasch um und dämpfte wieder seine Stimme. „Den Teufel mit dieser Kameradschaft! Ich will das nicht! In allen Ecken und Winkeln flüstert Ihr herum. Hundertmal küßt Du ihre Hand, Blicke fange ich auf, die mir nicht passen. Es paßt nur nicht mehr! Sela damit ..." Er richtete sich drohend auf. „Arenstein — ich warne Dich!" rief er. Halt, Frehlinghaus! Nicht warnen. Dazu fehlt Dir das Recht. Und nicht heftig werden, damit ich nicht Gleiches mit Gleichem erwidere und eine blasse Kouiödie daraus wird. Was verlangst Du? Der Welt zuliebe, nicht wahr? Du, sprachst doch nur von der Welt und ihrem Titscheln und Tratschen? Sollen wir uns nicht mehr kennen, wenn wir uns in der Gesellschaft begegnen, die Freda und ich? Sollen wir uns nut höflicher Kühle grüßen — ober was willst Du? Was befiehlt Deine Hoheit?" Es wetterte finster über das Gesichi des Grasen. ,,v>ck ivill meine Ruhe wieder haben," sagte er. Du raubst sie mir. Frage nicht erst. Ich ertrage Demen Verkehr mit Freda nicht länger. Ich kam: es nicht hindern, daß Ihr gelegemlich in der Gesellschaft zusammentrefft; und kann ich e» huidern, so tue ich es, des sei gewiß. Ich will aber auch nicht mehr Deine Besuche . . . verstehst D>t?!" - und er trat einen Schritt näher, und sein Blick bohrte sich in das verblichene Gesicht Arensteins. r r . „__ Der senkte die Augen. Ihm war, als muffe sein Herz P 8 So verbietest Du mir Dein Haus?" fragte er tonlos. Einen Moment schwieg Frehlinghaus, gleichwie über, legend. Dann sagte er: „Ja, ober doch nein. Nicht verbieten. Ich will keine Schroffheit. Ich — bitte Dich, daß Du Deine Besuche aufgibst; wenigsten« für längere Zeit. 110 Er hat mir das Tt liugs Gk mit guten de ihi u d n ai K C if Ir $ ci st to ß| w bi Bi if sc Wi sck ist de M M ui de er to al ui tu tu Tu le bc ifi ül ül m dc w so cn Li bc bk to je bi bc C tu to it in u s- d 0 e L b l » u tl 9 ganze Welt von um ihren Mund. Aus ihrem Mantel heraus reichte sie ihm die Hand. Groß aufgerissen starrte ihr Auge ihn an, und eine "merz zuckte in stummem Schluchzen u 8 I v „Wer da?! — Gut Freund, ich hör' es'. Baumeister, die Stunde der Gespenster ist vorüber, und auch Mem- liugs Geist treffen Sie nicht mehr oder Schlüters, Ihnen mit guten Ratschlägen zu dienen. Was' treibt Sie so ruhelos umher? Eine ästhetische Anwandlung, die schwarzen Wolkenfiguren zu betrachten, nachdem Sie drei Stunden lang auf nackte Hälse geschaut — ooer die frische Luft, nachdem Sie soviel an Weihrauch atmen mußten ■—?" Die tragische Bühne von Bayreuth. (Original-Art. d. Gieß. Fam.-Bl.) Der Richard-Wagner-Vereiu in Darmstadt hatte aus Anlaß des Todestages Richard Wagners den Hoftat Professor Henry Tho de aus Heidelberg zu einem Vortrag über „die tragische Bühne von Bayreuth" verpflichtet/ Unter den Anwesenden ehrte auch unser kuustliebendes Groß- herzogs'paar das Andenken des Meisters durch sein Erscheinen; ferner bemerkten wir Fürstin und Prinzessin Edda von E r b a ch - S ch ö n b e r g, die Schwester I. H. der Großherzogin, sowie Prinz und Prinzessin Franz Joseph von Battenberg. Professor Thode, ein Schwiegersohn Wagners, knüpfte daran an, daß Schiller und Goethe die Gestaltung einer idealen Bühne im antiken griechischen Sinne vorgeschwebt habe, daß aber nur das Traumbild einer solchen für sie erreichbar gewesen träte. Die Oper ist einem Luxusbedürfnis des 16. Jahrhunderts entsprungen: Auge und Ohr wollten zu ihrem Recht kommem und so wurde der Kuustgesaug in der Arie und die Tanzkunst in der Pantomime vereint. Erst allmählich wurde dem Ganzen im' Rezitativ eine Handlung untergelegt. Die Musik herrschte vor; diesen Fehler, das klar Gestaltende der Dichtkunst zu Gunsten deS Unbestimmten der Musik zurückzusehen, erkennen selbst Gluck und Mozart nicht richtig, und selbst Weber hat sich nur! im Freischütz davon frei gemacht. . Eine Zeit aber, die die 9. Symphonie und den 2. Test des Faust schaffen konnte, mußte auch die wirkliche Bereiuigung von Dichtkunst und Musik schaffen: das sind Richard Wagners Musik-, dramen. Die Bedeutnug . derselben ist zwar heute allgentein an- erkamsi, worin aber Wesen und Stil des Bayreuther Kunstwerkes bestehen, ist selbst heute noch weiteren Kreisen unbekannt. Wagnev hat, als Rienzi, Tannhäuser nsw. schon geschrieben waren, als selbst der Ring schmi entworfen war, über alles, was in feinend künstlerischen Drange lebte, Rechenschaft gegeben in seiner «chrcft „das Künstwerk der Zukunft". Er selbst glaubte zwar dieses „Gesamtkunstiverk", wie er es nennt, nicht schaffen zu können, aber doch hat er es geschaffen; denn diese Theorie ist nichts weiter als eine Reflexion über seine bisherige Praxis. Wie ist es nun mit diesem Ideal in Bayreuth bestellt? Es gibt Künste der Zeit: Dichtung, Musik und Tanz, und Künste des Raumes: Architektur, Malerei und Skulptur, und diese alle. Vereinen sich in Bayreuth zn dem gewaltigen Gesamtkun.stwerk. Rhythmus ist das Gemeinsame von Musik und Tanz; die Ao- spiegelung des Gedankens, die Melodie des Gemeinsamen von Musik und Dichtung. Wie die Grazien, so sagt Wagner, sich von einander lösen und sich dann doch immer wieder nm dre mittlere, die Musik, vereinen, so vereinen sich auch dies« drei Künste der Zeit immer wieder. Wollen lvir über das Ganz«! klar sehen, müsten wir den Dichter und Musiker-in Wagner er- keirneu. Die Dichtung ist das Entscheidende, die Musik drückt . aus, was die DichtuM bestimmt gestaltet. Der Stoff nun, tu oder doch nur einen — ich suche mich selbst. Mir ist, als! sei ich mir abhanden gekommen. Mir ist, als Hütte ich! bisher in einem andern gelebt und wäre erst heute zu der Erkenntnis gelangt, daß ich mein Bestes und Innerstes wiederfiuden mllß." „Baumeister, das macht mich stutzig und freut mich auch. Wer so etwas spricht um ein Uhr nachts und bei Wetter im Tiergarten, und nach einem Diner bet Fridolin Meyer, der verdient, daß man um seinetlvillen still steht und friert. Ich will Ihnen sagen, was Sie suchen. Sie suchen nach Ihrer Inschrift. Sie suchen nach Wahrem, Edlem und Schönem. Freund, das finden Sie nicht. Sie stoßen immer wieder auf die vergoldete Phrase — und dahinter spielt man Komödie. . ." Tie beiden standen sich gegenüber. Der Sturm riß in den Wolken, und der gelbe Mond lugte hervor. Da sahen sie in ihre blassen Gesichter, und ob auch keiner dem andern ins arme Herz schauen konnte: sie lasen in der Unrast ihrer verstörten Züge, daß sie etwas Gemeinsames einte. Ter Prinz schob seinen Arm unter den Hammers. „Kommen Sie, Baumeister", sagte er. „Es ist ein Wetter, wie in der Wolfsschlucht und nicht einmal ein Aennchen in der Nähe. Gehen wir zu mir. Ta haben wir's warm, und keiner wie mein alter Diener weiß einen so vorzüglichen Tee zu bereiten. Es kann auch ein Grog sein oder ein Schlummerpunsch. Die Nacht ist doch einmal angebrochen, und wir plaudern noch ein Stündchen miteinander: über dies! und das, vielleicht auch über Edles, Wahres und Schönes ..." Hammer nickte nur, und die beiden schritten den Weg hinab, Arm in Arm, und der Sturm pfiff, fauchend tote ein wildes Tier, hinter ihnen her; und widerwillig hüllte der Mond sich von neuem in das dicke Gehänge der Wolken. (Fortsetzung folgt.) „Ach, Durchlaucht, zum Teufel mit aller Aesthetik! Ich suche Menschen, möchte ichi Ihnen erwidern; aber es ist zu abgebraucht. Man spricht die guten Worte zu häufig nacb. Es ist auch nicht wahr: ich suche nicht Menschen „So leb' wohl", flüsterte sie. Er drückte die kleine liebe Hand und stürzte davon. — Zwei trafen sich eine Stunde danach im Tiergärten. Es war stürmisch geworden, und der Himmel hing tief. Schwarze Wolkenphantome jagten zu Häupten der Baum- wipfel; es brach überall in den Zweigen, und die Stämme knarrten. Ta trafen sich die beiden auf einem schmalen Pfade unweit des Neuen Sees. Es war so dunkel, daß sie sich streiften, und an der Stimme, da sie ein Wort der Entschuldigung sagten, erkannte einer den andern. „Es ist über ein Vierteljahr her, daß ich nicht bei Euch var. . ." „Ich weiß es. Aber heut hab ich Euch beobachtet. Da stieg wieder die Angst in mir auf ..." Er packte Heros plötzlich an die Schultern. „Arenstein — gut — ich gestehe US: ich bin eifersüchtig! Nun hast Du es gehört. Lache mich aus! Aber komm nicht mehr zu uns! ..." Heros trat etwas zurück, so daß der Graf seine Hände sinken lassen mußte. Es war Arenstein eine widerwärtige Berührung. „Frehliughaus, Du verlangst viel. Nicht nur von mir, sondern auch von Freda . . ." Er bemühte sich, gleichmütig zu bleiben, aber er konnte nicht verhindern, daß seine Stimme bebte. „Wir sind wie Geschwister miteinander ausgewachsen. Und wenn wir uns hunderterlei erzählen, es bleibt noch tausenderlei übrig. Du bist hart und grausam; Deine Frau wird Dir wenig Dank wissen. Achte darauf, daß Du sie Dir nicht unnütz entfremdest!" , „Ich weiß, was ich tue. Mau muß auch hart sein können. Heros, ich würde nicht bitten, wenn ich begründetes Mißtrauen hätte. Wer — ich kenne meine Natur. Ich will allem Vorbeugen, was . . . kurz: ich wünsche, daß Tu mein Haus meidest." „Und wenn Deine Frau nach mir fragt?!" „So werde ich ihr die Wahrheit sagen." „Frehliughaus, Du warntest mich vorhin, und ich wies Dich zurück. Jetzt warne ich Dich! Mach' es wie ich; sage, ich hätte kein Recht dazu. Ich möchte dennoch, es bliebe die Warnung haften. Ueberlege selber, weshalb... Ich muß Mich fügen ..." Er neigte den Kopf und scharrte mit dem Stiefel im Moose hin und her. „Ich gebe Deinem Verlangen nach und werde Tein Haus nicht mehr betreten..." Und aus einmal flog sein Haupt empor und sein sprühender Blick traf den Grafen. . . „Bei Gott", rief er, „ich hätte gewünscht, Tu wärest schroffer gewesen, daß es über eine Duellkomödie hinaus zu blutigem Ernste gekommen wäre!" Den Blick des Hasses gab Frehliughaus ehrlich zurück. „Kommt es einmal dazu", sagte er, „so soll meine Hand fest sein. Im übrigen: ich denke, daß wir fertig sind miteinander." „Wer nicht quitt", entgegnete der Prinz und ging. Er lächelte gefällig und freundlich, als er sich rasch und kurzer Hand von dem Gastgeber und seinen Bekannten Verabschiedete. Vor der Garderobe stieß er auf Freda, die, schon im Kopftuch und Mantel, unter einem Schwarm von Kienern und Zofen auf ihren Gatten wartete. „Wo bleibt Eugen?" fragte sie Arenstein. „Ich bin längst fertig. . ." und leise fügte sie hinzu: „Was gab €3! . . ." : i !. | :l fri'ilklä Er antwortete in englischer Sprache, wie sie ihn angesprochen hatte: „Kein Verdacht, aber lodernde Eifersucht. ~>au§ verboten. . ." — 111 den Dichtung und Musik sich einen, ist der Mythos'; denn in ihm allein liegt das Reinmenschliche, im Gegensatz zum historischen, too das Verlangen des Dichters mit deni Gegebenen in Widerspruch tritt. Man vergleiche den Wallenstein Schillers, wo dieser Widerspruch zur Schaffung des „Piccolomini" und schließlich des „Lagers" führte. Die Gestalt des Mythos dagegen ist „der" Mensch, in dem sich jeder von uns wiederfindet. Aus dem Bedürfnis seiner musikalischen Seele entdeckte Wagner diesen Mythos; denn die Musik hat nichts gemein mit Traditionellem, nur mit dem Gefühl. Die Musik gab also den Stoff; aber nicht mehr den griechischen Mythos, sondern den germanischen, dessen künstlerische Entwickelung die Kirche gehindert hatte, bis er sozusagen von den Gebrüdern Grimm erst wieder entdeckt wurde. Als musikalischer Dichter freilich betont Wagner vov allem die Stellen, an denen das Gefühl am mächtigsten wird und verdichtet die Handlung zu großen Szenen. Einen Vorteil brachte für Wagner die Musik durch die Befreiung vom Verst maß, mit dem sonst alle Dichter gekämpft haben; denn die Musik kann Accente und Längen geben, wo es nötig ist. An Stelle des leeren Endreimes setzt Wagner den Stabreim und gab dadurch der Sprache ihr ursprünglich Musikalisches. In der Melodie bildet die Musik das Spiegelbild des dichterischen, flüssigen Gedankens, wie diese harmonisch ineinander übergehen, so sollen auch die Melodiceu harmonisch in einander übergehen; nicht nur äußerlich technisch, sondern dem Gefühl nach, und um dieses Gefühl entscheidend zu bestimmen, dazu ist das Orchester da. Was auf der Bühne sich nur ahnen läßt, was die Dichtung nicht aussprechen kann, das gibt das Orchester; so die Gebärde als' Ausdruck des Gefühls, das Zurückgreifen, auf frühere Gedanken und Gefühle durch Wiederverflechtung der Leitmotive, schließlich durch die Ouvertüre und derartige Stellen das Vorbereiten und bis zum Aeußersten gesteigerte Verlangen des Hörens und Schauens. So sind Musik und Dichtung durchweg geeint, und mit beiden verbindet sich nun die Tanzkunst, in jenem alten Sinne der idealen Darstellung. Damit sind schon die Künste des Raumes gestreift: die Plastik. Die Musik gibt das Zeitliche der Bewegungen, ihre Intensität, den plastischen Stil. Wie die Plastik, so einen sich auch Architektur und Malerei Mit Musik und Dichtung, indem sie einen dem ganzen Kunstwerk würdigen, gleichgestimmten Rahmen schaffen. Mythos und Natur sind eins, also soll die Natur, in der sich vor unserm Auye der Mythos abspielt, auch dementsprechend sein. Wenig :st hierin erreicht; man lese die szenischen Anmerkungen und wird staunen, was hierin noch zu schaffen ist. Manche Annäherung an die idealen Gestalten des Mythos wird noch die Wahl der Kostüme geben, manche Stimmung durch bessere Licht- und Schattenverteilung gehoben werden. Erst wenn das alles erreicht ist, dann wird wirklich die Einheit, die der Meister erstrebte, erlangt sein. Freilich, um ganz in der Stimmung Wagner'scher Werke anfzugehen, darf den Hörer nicht der blendende Tand eines anderen Theaters, nicht der Anblick des Orchesters usw. stören. Fern vom Getriebe der Welt, wo sich alles zum Kunstwerk eint, soll er genießen, durch nichts in seinem Empfinden gestört, durch nichts von seiner Aufmerksamkeit abgelenkt, so wollte es Richard Wagner in Bayreuth. Und nun entwarf der Redner eine Schilderung der „tragischen Bühne von Bayreuth" von so unendlicher Feinheit, daß sie einfach nicht wiederzugeben ist; von der Fanfare, die den Beginn verkündet, bis zum schweigsamen nach Hause Wege machte man mit allen Eindrücken und Erregungen eine Anfsiihrung, wie sie Wagner gewollt hat, mit, und wer etwa doch nicht ganz im Bann des Redners stand, der hatte nur die eine Empfindung: schade, daß es so ideal nie sein kann. G- v. M. Heimatschutz — insbesondere Schutz für Arnsburg. Bald beginnt der Frühling! Wer wanderte da nicht gerne nach dem romantisch gelegenen Arnsburg! Aber man betritt es nicht ohne Wehmut, wenn man bedenkt, was es war und was es jetzt geworden ist. Die alte Klosterherrlichkeit, die prachtvollen durch Vandalis'mus zerstörten Gebäude, kann man freilich nicht hervvrzaubern, aber, was geblieben ist, erhalten und verschönen, soweit es tunlich ist. Diese Zeilen sollen dazu dienen, die Blicke der Gebildeten auf die Schäden und Mängel zu lenken, an denen Arnsburg krankt und die jetzt noch zu besertigen wären, ehe es zu spät ist. — Wir fahren mit der Bahn nach Station Lich, gehen über den Haardberg durchs Eottesackertal nach Arnsburg. Schon hier macht fich manches Tadelnswerte bemerkbar. Die beiden über den sogenannten Mühlgraben und die Wetter führenden steinernen Brücken mit blau a n g e st r i ch e u e m Geländer sind fürchterlich, warum stellt man nicht Naturbrücken her, die zu dem altehrwürdiger! Eichbaum und der ganzen stimmungsvollen Umgebung passen? Es ist unfaßlich! Wir gehen weiter, da ist gleich ein Stück alter Klostermauer durchgebrochen. Warum wird das nah dabei gelegene Gottesackertor nicht wie früher zum Eingang benutzt? Unser Weg führt nun an dem früheren Wagnerhaus vorüber, das noch vov Jähren bewohnt war, jetzt dem Einsturz nah ist. Damals ein nett, gemütlich Häuschen- jetzt ganz verwahrlost. Nun folgt im äußeren Klosterhof das „Paradies". Der einzig rwch erhaltene Teil der prachtvollen Kirche, jetzt zum Betsaal eingerichtet. Durch eine e i g e t b ängestrichene Türe tritt man ein und — v Jammer — dieser einheitlich wundervolle Raunr ist ganz venrnstaltet durch eine Empore, wo bleibt da Schönheitssinn und KNnstgefühl?? Betrübt wendet man sich ab und gebt an der Mauer, die den Bursenbau von der Chaussee trennt, hrnab, hier ist alles verwildert, einst kurz geschnittenes Strauchwerk hoch aufgeschossen, nichts gepflegt urrd erst beim Pfortenbau, der so majestätisch aussehen könnte und müßte. — Bor jedem der beiden Seitenflügel sind Hecken angepslan^t, in diesen befinden sich hohe igelartig aussehende Gebilde, dre die Aussicht beeinträchtigen. Ein schön angelegter Rasenplatz mit einigen Rosen und leichter Stein- eiufassnng wäre dem Ganzen angemessen. Im Gewölbe des Tor- eingangs zeigen sich oben so gefährliche Risse, daß Schlimmes zu besorgen steht, wenn nicht bald Abhilfe geschieht. Nun kommt links vom Toreingang das schreckliche Baiunstück von Zwetschen- oder Birnbäumen einer dicht neben dem andern, die wenig oder nichts eintragen Wunen, und einerseits die Aussicht den vom Abtsbau heraufkommenden nach dem Pfortenbau gänzlich verderben und den von oben Kommenden den Blick nach dem Paradies und Bursenbarl verdecken. Einzelne toöne Kastanien- oder Aepselbäume anstelle des unsimiigen Baumstückes' gepflanzt, die einen freien Blick ließen, würden den herrlichen K'losterhof rmd seine Gebände zur Geltung kommen lassen. Mehr Pflege, mehr Sorgfalt dem alten Kloster, das K so schwer geschädigt wurde! Nahe der früheren Mühle, c Treibwerk leider niedergelegt ist, stand einst der Witwensitz der Rittersrauen von Münzenberg mit Schmiede, prachtvoll gewölbt, derselbe wurde ohne vernünftigen Grund abgerissen, nur ein einziges Türmchen steht noch. Dem Vcmehmcn nach sollen an seine Stelle Treibhäuser gebaut werden. Sie sind heute, nach etlichen Jahrzehnten, noch nicht gebaut, aber ein herrlicher Bau liegt in Trümmern. Graf Otto sen. zu Solms-Laubach, äußerte einst: In Arnsburg mutz Alles was noch da ist, erhalten bleiben, es ist die Perle meiner Güter. Hoffentlich wird dafür Sorge getragen, daß das schöne Arnsburg mehr Pflege erhält und ein weiterer Verfall verhütet wird. — H. Heyer. Praktische Kuusterziehuug im englische» Volke. Brüderliche Gesinnung. Ich wählte die obige Ueberschrift für diesen Abschnitt, weil ich wünsche mit ihr der größten Lehre Ausdruck zu geben, die ich auf volks'erzieherischem Gebiete in England empfangen habe und die für die Kunsterziehung ganz besonders zntrisst, da wir ja hier „lenseits der Parteien" an menschheitlicheir Kultur- dingen arbeiten wollen. Im Verstehenlernen und gegenseitiger Teilnahme ist der Anfang auch der ästhetischen Reform zn suchen. Wenn wir Lehrer sein wollen, so müssen wir zuerst Freunde werden. Dies ist schon beim Unterricht der Kinder so, wieviel mehr bei Erwachsenen, wo doch der Respekt vor einer äußerlichen Superiorität in Wegfall kommt. Mit Gönnerblicken wird man niemals in die Volksseele hineinsehen können, mit Gönnerworten wird man nicht überreden können. Was dem Erzieher not tut, das ist der Freiindesblick und das Freundeswvrt. Arnold Toynbce war der erste, der in England erkannte, daß män unter den Arbeitern leben und sich ihnen im Rang gleichstellen müsse, um sie erzieherisch zu beeinflussen. Im Jahre 1884 wurde die erste Niederlassung Universitäts-Graduierter im Osten Londons gegründet, nnd seitdem haben über ganz Großbritannien und die Bereinigten Staaten von Nordamerika die sogenannten social settlements (Niederlassungen von Männern und Frauen, welche eine gute Erziehung genossen haben unter ihren nrinder- begünstigtcn Brüdern) der Sozialpolitik dieser beiden Länder ein besonderes Gepräge aufgedrückt. Nachbarlichkeit und Verbrüderung der verschiedenen Gesellschaftsklassen — im gewöhnlichen Leben, wenigstens in England, durch eine noch größere Kluft getrennt, als w ir sie in Deutschland kennen — entwickel;: hier die Grundlage, auf der sich ein hohes Gebäude kulturellen Fortschrittes erhebt. Kerne der beider: Parteien ist die allein gebende oder empfangende, es handelt sich nicht um wohltätige Arrstalten im engerer: Sinne, sondern aus dem gegenseitigen Interesse schöpft eine jede derselben neue Anregung. In dieser: settlements hat auch die Erziehung des Volkes zur KUnst ihr eigentliches Heim. Gewiß, die Behörden tun dort wohl auch ihr Teil, aber zu den Klassen, welche der Anregungen am meisten bedürfen, gelangen sie mit ihren pseudo-popirlären Museen, Ausstellungen und anderen Veraustaltimgen nicht. Hätten die Behörden wirklich Sim: und Interesse für die Km:sterzieh:i;:g, so würde sich dres zmmchst ir: den Bauplänen bemerkbar machen, in der Beseitigung des Plakatunwesens, in der Theaterreform und vielen: anderen. Aber auch in Deutschland sind die Behörde:: mit sozmler Arbeit fast nie auf eigenen Antrieb vorgeganger:. M:t seltenen Ausnahm er: ist die gesamte, viel verzweigte soziale Prax:s unserer Staaten und Städte auf private Tätigkeit znrückzuführen, dre nachträglich von den Behörde:: sanktioniert und angenommen lmrrde. Es liegt auch nicht im Machtbereiche einer Behörde, so zarte Dinge wie das ästhetische Bedürfnis zu erkennen und mit genialem Scharfblicke die richtigen Mittel zu ihrer Befmed:yu::g zu finden. D:es hat schon Wilhelm v. Humboldt :n fernem „Versuche die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen mit Nachdruck in Abrede gestellt, und doch gibt es sicher gerade 112 ffteM&m: Ernst Setz. - Rotationsdruck und Verlaa d-r Brühl'fchen UntverlttStL-BuL, und Stetndrucksrei. R. Lana«. Metz«- Röfielspeuug. Nachdruck verboten. Der hat au? Sand gebaut, Stets, ivas der Manu verhieß, Ein Lüstchen leicht zerblies. Er sei verpönt hinfort — DerSpruch: „EinMann, einWort/ Der Sang von Frauentreu Alt bleibt er ewig neu. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Wo Worte selten, haben sie Gewicht. tcfnCuClt wtuiiliCX-, u uuivuyv, in Scherz und Leid Ihr bleibet wandelbar, ' t Wer Mannesworten traut, Ein ebenso witzig wie kunstreich ersonnener Spruch aus ret> ganqener Zett ist auibcwahrt worden, der, er mag von oben nach unten, von unten nach oben, beide Strophen ineinander und in beliebiger Reihenfolge, oder, zur Abwechselung, mit verschlungenen Reimen gelesen werden, stets einen tri tilgen Sinn gilt. Er ist beut Kätzlein vergleichbar, das, in die Lust geworden, unnter wieder aus seine vier Füße richtig zu stehen kommt. Derlei po che Spielereien waren in alter Zelt eine sehr beliebte Unterhaltung, aber nur wenige lassen über der Anmut ihrer mannigfachen Ber- tauschung die Mühseligkeit der künstlichen Mache vergeßen, wie In euch ist Festigkeit . . Ihr Manner, o fürwahr, Ihr Frau'n, in Scheig ... Der hat sich gut bewehrt Wer Frauenivort verehrt, Als felsenfest ist kilnd Die Red aus Frauenmund, ür Deutschland — heute noch viele, die, sich auf die allein MgmÄe Wirksamkeit des Staates stützend. Von mdividue len Ersuchen die Wege zur künstlerischen Erziehung des Volkes *“ SS'S’S.'Ä.II. i» die Sinfätaw k? ,„a ich würde nicht daran denken, Methoden Vvrznschrelben, die m iedem eitt$elnen Falle auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen Ä S ick aber zu befürworten wünsche, ist die Aus- x-LSMiWWff-B eine kameradschaftliche Zusammenarbeit mit ihm finden, ß. in&rer. WusiK, — Das zum Preise von 50 Pfg. im, Verlage von Ullstein und Co., Berlin, erschienene Faschings he ft der Musik für Alle" beginnt nach enter TejchEmlemmg von Ernst von.Wvlzvgen mit einem flotten Marsch, wie er am Rl^m den Umzug der Bütten begleitet. Daran schließt flH gewissermaßen als Vertreter höher entwickelter, dabei aber echt volkstümlicher Kunst Verdi mit einer rauschenden Festmusik. Pierrots Werben um die Gunst der flatterhaften Colombine fändet in dem italienischen Chanson „Carneval" vollendeten Ausdnick. Die folgende Komposition Audran bietet einen tn echt sranzösischem Esprit gehaltenen Lancier. A. Grunfeld smgt m emern Walzerlied An mein Wien" von „Weaner Gemüt und „Weaner Lustigkeit . Münchens vielgerühmtes Redoutenleben schildert ein von L von Wolzogen verfaßtes, von Bognmil Zepler in Musik gebrach^ Lied ,A fescher Domino". Mit dem übermütigen, tn kölnischer Mundart gehaltenen Marsch-Kuplet „Et hüt noch immer, immer got gegange" klingt das Heft aus. Ein hübscher Spruch von der Weibertreue und der Miinnertreue. Vsrmisehtes. _ I * Ais Heine einmal, als Götti nger Student, cm rrfitinnä le'-cßenfiiMbdien „Lottcheu vott der Landwehr", in der | Stammkneipe der Landsmannschaft „Guestphalia" umfaßte, um I m to ten war er an die Unrechte geraten. Er mußte, sich von der durch seine Zudringlichkeit beleidigten Hebe eine form- | t'icüe Strafpredigt gefallen lassen und schlich ganz verlegen von | damien Unen vollen Monat blieb Heine von der,,Landweg iüea. Als er, mit dem festen Entschluß, die hübsche Scyenk- I mamsell völlig zu ignorieren, endlich das Lokal toieber betrat, I fmib er das Mädchen wie njngewandelt. Unbefangen trat ihni I die Schöne entgegen und sagte in Gegenwart seiner Kommilitonen. | °Mit Ihnen ist's etwas ganz anderes, als nnt den übrigen I 'ö,erretl Studiosen Sie sind ja schon so berühmt wie unsere j PZchoren; ich "habe Jljre Gedichte gelesen .Ach, wie herzlich schön! Und das Gedicht vom Kirchhof weiß ich fast auswendig, j itnb jetzt, Herr Heine, könneii Sie mich küssen vor allen diesen | Herren Seien Sie aber auch recht fleißig und schrecken Sie j norfj mehr so schöne Gedichte/' Als Herne tn spateren Jahren | sich dieser Episode aus seiner Studentenzeit erinnerte, sagte er I wehmütig: „Dies Reine Honorar hat mir mete reine Freude I verursacht, als späterhin all die blinkenden Goldstücke von I b« B.u - ib-rt.» w.. schwundenl Daß ein Raubmörder in Berlin spurlos per- 1 ickwinden kann, haben wir ja eben wieder einmal erlebt. Daß 1 ab« der reichste Mann der Welt, der „Petrolenmkönig John D Rockefeller, dessen Bild mit seinen charakteristischen Zügen tn unzähligen Zeitungen und Zeitschriften immer Meder gebracht worden ist und so jedem Kinde in Amerika bekannt fern dürste, plötzlich den Augen aller seiner Mitbürger entschwindet und Wochenlang verborgen bleiben kann, das dürfte denn doch überraschend sein. Ueber diese merkwürdige Geschichte wird englischen Blättern aus Ncwyork gemeldet: Rockefeller ist,seit Dezember verschwunden, und die amerikanischen Reporter,, die ihre Müdigkeit schon so oft bewiesen haben, machen die unglaublichsten Anstrengungen, um die ©pur des Milliardärs zu entdecken. Es paßte Rockefeller augenscheinlich nicht, einer Vorladung unter Strafandrohung Folge zu leisten, uni m der Nage des Staates Missouri gegen die „Standard Oil Company fern Zeugnis ab- . zulegen. Kein Mensch weiß nun, wo er sich gegenwärtig aufhalt. Aus allen Gegenden des Landes laufen Berichte, ein, daß man ihn gesehen haben El: so soll er in Westindien kreuzen, er soll sich in seinem Landhaus in Laeawoad versteckt halten, er soll als Matrose verkleidet in Savannah weilen, und was dergleichen abenteuerliche Gerüchte mehr sind. Seme Hauser m Newyork und in Pocantioo-Hills werden ständig sorgfältig bewacht Natürlich haben sich die Zeitungen dieses dankbaren Stoffes mit Fenereiser bemächtigt, und man sieht nun überall seine Bilder in allen möglichen und unmöglichen Verkleidungen, die er angenommen haben soll, um der Entdeckung zu entgehen. Die „World" macht sich den Spast, eine Belohnung von 800 Mk. auszusetzen für jeden, Mann, Frau oder Kind,, der den Hermi Rockefeller lebendig sängt und ihn im Redaktionsbureau int elften Stock des Pulitzer-Wolkenkratzers abliefert. Erheblich ernster sehen die „Daily News" die Sache an, indem lie erklären, der Staat Missouri suche einen Beweis dafür, daß die „Standard Oil Company" mit Rockefeller an der Spitze die Gesetze verletze, dadurch, daß sie die Konkurrenz erdrossele und den Handel beschränke, und Jiockefeller fürchte sich, Zeugnis m dieser saHe abzulegen. Seine Flucht bedeute in der Tat das Eingeständnis der Schuld. , , . . , ** Vom „Sauherdenton" Es ist einigermaßen auffallend, daß das Wort „Sauherdenton" in jüngstvergangener Zeit so oft in den Spalten wohl sämtlicher deutschen Blatter Herumgekommen ist, ohne daß jemand an diesem Wort Anstoß nahm. Nicht etwa nach der ästhetischen Seite, denn nach der ist es einwandfrei; aber vermißt man nicht eigentlich den Srnn des Ausdrucks? Ein Sauherdenton muß notwendig ein,Ton sein, den eine Sauherde von sich gibt. Mer gibt denn eine Sauherde überhaupt einen Ton von sich? Ganz und gar nicht! Denn wenn man in einer Sauherde etwa ein Grunzen oder Schreien hören kann, so hat das mit hier Herde an sich nichts zu tun, sondern es stammt immer nur von den einzAnen Tieren und man müßte dann wohl von „Sauton" reden, -somit mußte man das Work als sinnlos verwerfen. Anders aber hört sich die Sache an, wenn man den Ausdruck mundartlich nimmt. In der Pfalz kann man eine grobe, ungewählte Sprache namentlich von alteren Leuten auf dem Lande sehr häufig als „Sauherteton bezeichnen hören; damit ist der Ton eines Sauhirten gemeint, den wohl jeder als nicht gerade zimperlich kennt, und der Fall ist völlig klar! Damit nicht der Mindeste Zweifel ajifkommen kann, sei bemerkt, daß auch die Redensart sehr häufig tn- bet Pfalz vorkvmmt: „Der is so grob tote n Sauhert. .Bwlleicht ist der „Sanherdenton" gerade durch die pfälzische Mundart- literatur entstanden, denn manche Mundartfchrecker begehen den Fehler, überall statt des harten „t" ein „d zu, setzen, weil der Pfälzer angeblich ein solches spricht; als ob tn ber Hoche deutschen Sprache das „t" immer hart gesprochen würde, Mwa in „Stadt" oder „Geist". Hat also jemand wälztsch „Sauherdeton" geschrieben, so konnte der mit der Pfälzer Mundart Vertraute im Zwei el fein, wer gemeint war, em „Sauherto oder eine „Sauherd", während für den Nichtvertrauten bet „Hirte" nicht leicht zu erkennen war und et aus dem „Sauherde- wn" den jetzt überall angewandten „Sauherdenton" machte. !i;...........-rn,..........................................~ ".....'...... ' ' i ber in zur wird duld zu Übung ßen feind gleich ge sollen unsrer denken ein wir nicht Übung ruhe kett UNS ge genie zur bleiben I_____________ ein eben geben wir tapfer trenn freund