1906 n ' M ÄÄfe8 B MB]® TTfl-, MKß MMÄ ^nöS fl M/slMstL Mittellose Mädchen. Roman von H. E h r Hard t. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ein Taumel, der Keine, feurige Punkte vor ihrer: Augen tanzen ließ, verwischte in ihrem Herzen alles klare Be- firtnei:. Ihre Augen schlossen sich in einem erschauernden Wonnegefühl, das von dem kräftigen Arme ausging- der sich fest und stützend um ihre wankende Gestalt legte. „Suse, liebe, kleine Suse!" raunte eine zärtliche, bebende Stimme dicht an ihrem Ohr — — dann brannte der erste Kuß der Liebe auf ihren: junger: Munde. Erzitternd nrerkte der Mann, daß die weicher: Mädchen- lippen nicht widerstrebten, aber als er sie freigab, sah er fast ungläubig in ein völlig verstörtes) erblaßtes Gesicht. Groß, starr, mit brennendem Vorwurf richtete Suse den Klick auf ihn. Der Taumel ihrer Sinne war dem schrecklichsten Erwachen gewichen. „Um Gottes willen, was hab' ich getan?" schluchzte sie tränenlos auf, sich heftig seinen Armen entwindend. Vor ihrer echten Verzweiflung mußte er die Augen senken. Sekundenlang standen sie sich, schweigend gegenüber. „Suse!" begann der Hauptmann endlich, und wollte sie beschwichtigend wieder an sich ziehen, aber sie wich vor ihm zurück. Ihre Äugen'hatten sich jäh mit Tränen gefüllt, Tränen der Scham und des Zornes. „Das war schlecht von Ihnen, Herr Hauptmann!" brach sie aus, „Sie haben mich geküßt und ich — ich liebe Sie gar nicht, ich kann Sie überhaupt jetzt nicht mehr leiden." Und ohne eine Entgegnung des fassungslosen Mannes abzuwarten, lief sie ivie ein gehetztes Wild davon, über den Hof, den kein Sonnenstrahl mehr verschönte, die Treppe hinauf, ohne zu bedenken, daß jeder Begegnende sich über jihre sichtliche Aufregung wundern mußte. Auch oben im Entree fiel es ihr nicht ein, Vorsicht zn gebrauchen, um unbemerkt in ihr Zimmer zu gelangen. Die Entreetür klappte geräuschvoll ins Schloß und wie auf ein erwartetes Signal öffnete sich zur selben Sekunde die Tür zum Zimmer der Hausfrau und Meta erschien ans der Schwelle. Die intriguante Zofe hatte ihre Rolle gut gespielt. Tropfenweise, anscheinend ganz harmlos, war das Gift des Mißtrauens der sich noch immer dagegen wehrenden Frauenseele beigebracht worden. Tie Ahnung von etwas Schlimmem legte sich wie ein Reif um Suses klopfendes Herz, als Meta eisig sagte: „Darf ich Dich bitten, einen Moment zu mir hereinzukommen?" . Und die weiche, reuige Stimmung, welche beim Anblick der verratenen Frau das Mädchen erschüttert hatte, starb dahin. Ganz gegen Meins sonstige Gewohnheit, die rosige, gedämpfte Beleuchtung für ihr Zimmer bevorzugte, wäst der dreiflammige Gaskronleuchter an der Decke entzündet« In dieser erbarinungslos hellen Beleuchtung standen die beiden Cousinen sich gegenüber, Suse blutrot, mit trotzig geschürzten Lippen, Frau Meta grauweiß im Gesicht, Hohn intb Verachtung im müden Blick, der langsam über die MädchMgestalt vor sich glitt. „Wo kommst Tu her?" fragte sie nachdrücklich, Wie hilfesuchend irrten die großen Blauaugest durch den elegante» Raun:. „Nur Mut! Nickst verblüffen lassen!" flüsterte einst innere Stimme, und so klang es mit leidlicher Fassung^ „Aus dem Stall!" „Wo Tu Dir ein Rendezvous mit meinem Manne gäbst, Tas entscheidende, inhaltsschwere Wort ivar gefallen« Suse fühlte ihr Herz ungestüm schlagen und ihre Lippen zitterten ein wenig, als sie Zuflucht bei ihrer angeborenes Keckheit suchte und schnipfnsch erwiderte: „Ich gebe mir keine Rendezvous) am allerwenigsten mit Deinem Manne. Er winkte mir zum Fenster herauf, ich solle herunterkommen, und da ging ich eben. Ich amüsiere mich ja oft unten im Stall mit den Pferden." Ein spöttisches Lächeln, unter dem nur ein schärfest Beobachter die innere Verzweiflung entdeckt hätte, zuckte um die blassen Lippen der Frau. „Tas Amüsement nruß ganz besonderer Art fein, wenn es imstande ist. Dich so aufzuregen. Sieh' Dich doch mal in dein Spiegel an und dann behaupte noch, daß Deist Zusammensein mit Max ein harmloses gewesen." Unwillkürlich gehorchend, ivar Suse der Weisung, gefolgt und warf einen Blick in den großen Kristallspiegel über dem behaglichen Ecksofa. Tas Bild, was er zurückstrahlte, zeigte eine schlanke Mädchengestalt in hellblauest Bluse und schwarzem Rock, der deutliche Spuren vom Anlehnen an die Futterkiste in: Stall zeigte — um die Schultern hing unordentlich, mit einen: Zipfel im Rücken, dep schwarze Spitzenschal, der weiche Haarknoten, heut nust nachlässig aufgesteckt, hatte sich gelöst und ivar tief in den Nacken gerutscht und das purpurn glühende Gesicht mit deutlichen Trän en spuren an Augen und Wangen vervollständigten bei: Eindruck der ertappten Sünderin. Suse wurde es in dem Moment klar, wie verdächtig ihr Aussehen erschien, und die beschämende Situation, ist der sie sich befand, reizte sie zu ohnmächtigem, erbittertest Zorn. Sie vergaß jede Rücksicht und Schonung für sich unh die Verwandten. „Nun ja!" stieß sie hervor, während die kaum versiegten Tränen von neuem flössen, „es ist wahr, es wast nicht harmlos. Dein Mann hat mir gesagt, daß er mich liebt, daß er sich von Dir scheiden lassen und mich heiratest will — und er hat mich geküßt —" Sie konnte nicht weitersprechen vor Schluchzen und es wär gut so, denn Frau Meta hatte die schonungslose Wahrheit wie einen brutalen Schlag ins Gesicht empfunden« ... 226 — I dvch nur der Hauptmann der zu Verurteilende! Sie zuckte nicht mit der Wimper, als Betty beim Frisieren harmlos eimvarf, daß „gnädige Frau so elend sei, daß sie kaum! erne Haarnadel aus den, Kopf ertrüge, sie habe gewünscht, bis zum letzten Augenblick mit der Toilette zu warten und habe sich in ihren, Toilettenzimmer eingeschlosstm"> Trotzdem ihr Herz rasch klopfte, brachte sie doch leidlich unbefangen heraus, daß sie die „gnädige Frau" schon früh schlecht aussehend gefunden habe. Gern hätte sie erfahren, ob der Hauptmann nach der Szene im Stall mit seiner Fran zusammen gewesen war, aber sie brachte eine dies!-! bezügliche Frage doch nicht über die Lippen. Einmal wollte sie schon den Mund offnen, Bettü mitzuteilen, daß sie! morgen ganz plötzlich abreisen müßte, aber es lag so etwas Lauerndes in dem hübschen Zofengesicht, daß sie schwieg. Ilnd die intriguante Person schlüpfte wenig befriedigt von I ihren Beobachtungen von dannen. 12. „Entzückend! Süß! Bravo! Ta capo!" Ein wahrer Sturm des Beifalls folgte dein letzten I Märchen bilde und immer noch einmal mußte der rote Bor- hang von der iinprovisiertcn Bühne im Kasinosaale zurückgezogen werden.. Keine der vorhergehenden Gestalten hatte! aber auch in seiner Vertreterin eine so überzeugende Verkörperung gefunden, ivie das Dornröschen durch Suse Me^ ridics. Sie lehnte, die zierliche Gestalt Von den iveichen Falten des rosig glänzenden Seidenkleides umflossen, in einem! tiefen, altväterischen Sorgenstuhl, das feine Köpfchen, von I dem die hellblonden Haare über Schultern und Brust fluteten, war in süßer Müdigkeit gegen das schwarze Leder-. Polster gesunken nnd die dunklen Wimpern lagen beschattend! auf den schlafgeröteten Wangen. Nachlässig hielt die kleine herabhnngende Rechte die verhängnisvolle Spindel. Ter Ritter, der sich, atemloses Entzücken im Blick, ihr entgegenneigte, war in seiner schlanken, brünetten Schönheit ein wirksames Gegenstück zu dem blonden Dornröschen. Einer der ebenfalls in N. garnisonierenden Artilleristen hatte die Rolle aus besonderer Liebenswürdigkeit über-, nommen, weil das Jufanterieregünent seine bühnenfähigsten Erscheinungen bereits zu den anderen Bildern hergegeben hatte, und Trautendorf als Arrangeur auf jede Mitwirkung verzichten mußte. Er hatte aber auch fei»’ Bestes geleistet und besonders für das letzte Bild keine Mühe gespart nndi die Bühne durch grüne Blattpflanzen, die dicht mit täuschend nachgeahmten Rosenblüten besteckt waren, wirklich in einen Rosenhai,r verwandelt. Er erschien nun strahlend, siegessicher an der Seite: seiner liebenswürdigen Gönnerin und heimste die Lvbsprüchej ein, die alle Anwesenden bis zum hohen und höchsten Vorgesetzten ihm spendeten. In, Saal herrschte zunächst ein großes Durcheinander, denn die Stühle sollten beiseite geschafft werden, um Raum für den Tanz zu gewinnen, und es dauerte eine ganze Weile, ehe dies den Gästen klar wurde und die einzelnen plaudernden Gruppen sich lösten. Die verschiedenen kleineren Neben- räume, die heut alle noch besonderen Schmuck in grünen Gewächsen und blühenden Pflanzen erhalten hatten, gaben den Anwesenden Gelegenheit, sich wieder nach Wunsch zu- sanunenzusinden. Dort stand auch der hübsche Artillerist schon wieder in Uniform und ließ sich von den Kameraden hänseln wegen des noch fehlenden Dornröschens, das ja sicher noch in, tiefsten Zauberschlafe lag, da s niemand etwas von einen, weckenden Kusse gesehen hatte. „So ein feiger Kerl! Die günstigste Gelegenheit und küßt nicht!" wunderte sich ein dicker, rotwangiger Oberleutnant, den, die Fähigkeit, jeden Genuß auszukostcn, aus den kleinen, begehrlichen Augen funkelte, und ein junger, grüner Leutnant fügte leise singend spöttisch hinzu: „Ich hab' noch nie ein Weib geküßt." „Ist bei Ihnen auch noch gar nicht nötig, Sie Jüngling", warf einer trocken dazwischen, „so ein Kuß ist wat ganz Scheenes, aber manchmal hat er einen verteufelt bitteren Nachgeschmack." „Na, den hat der Prinz leicht auch gespürt, als er sein Dornröschen erst zum Altar geführt hatte." „Aha, mir geht ein Licht auf. Daher so spröde, schöner Ritter?" Sie wußte auf einmal, daß sie im Grunde nie ernstlich an einen Treubruch von seilen ihres Mannes geglaubt hatte. Alles um sie begann sich zu drehen. Ihrer Sinne kaum mehr mächtig, Ivies sie nach der Tür: „Morgen verläßt Du mein Haus!" sagte sie mühsam, sich mit beiden Händen auf die vergoldete Lehne eines zierlichen Salonst'uhles stützend, „heute darfst Tu des lebenden Bildes wegen dem Ball im Kasino nicht fernbleiben — aber ich will Dich hier in diesen Räumen nicht mehr sehen." _ „Meta!" schrie da das weinende Mädchen fassungslos auf und stürzte auf die Cousine zu, angstvolles Flehen in den tränennasseu Augen, „was tat ich denn unrechtes? Sei doch nicht so hart, das hab' ick doch nicht gewollt, ich hab' mir doch nichts schlimmes gedacht —" Eine verächtlich abwehrende Handbewegung. „Nichts schliinmes?" höhnte die schwer beleidigte Frau, sich nur noch mit Mühe vor dem Unisinken bewahrend, „ist bas nichts schlimmes, sich in den Mann einer anderen zu verlieben, ihn mit allen Künsten der Koketterie zu umgarnen? Oder liebst Du ihn vielleicht nicht?" In das weiche Mädchengesicht grub sich ein harter, feltsain unkindlicher Zug. Ein grenzenloser, wütender Schmerz schlug feine Krallen um diese junge Seele, der eine frevelhafte Hand heute den zarten Schmelz mädchenhafter Unwissenheit und Reinheit abgestreift hatte. Ihr war's, als könnte sie den Mann, dem sie diese entsetzliche,, Minuten verdankte, kalten Blutes morden. Langsam und klar sagte sie, den Blondkopf in den Nacken biegend: „Nein, ich liebe ihn nicht." Ein ungläubiges Lachen antwortete ihr. „Tas könnt' ich mir ja denken — schweig'", fiel sie ge- I vteterisch ein, als Suse die Lippen offnen'wollte, „mich gelüstet nicht nach weiteren Erörterungen. Tein Geständnis von vorhin genügt mir — und nun geh — ich erwarte, daß Du heut abend die Beherrschung zeigst, mit der auch jch die Welt tauschen werde." Suse sagte kein Wort mehr. Die Zähne fest aufeinander gebissen, mit geballten Fäusten verließ sie das Zimmer. Ein fröstelndes Grauen ging mit ihr. Was würde nun aus ihr werden? Morgen um diese Zeit saß sie wohl schon iit dem armseligen Stübchen daheim und vor der Tür zum verlorenen Paradies würde ewig der Engel mit dem feurigen Schwerte stehen, ihr zornig den Eingang, verwehrend. Sie sank wie vernichtet in den Stuhl am Fenster und stierte entsetzt dort hinüber, wo der Bahnhof mit zahl- I reichen Dichtern durch die graue Tänimerung winkte und | Sweben ent Zug mit hellerleuchteten Fenstern vorüber- ^r fuhr m der Richtung nach L. - Ein Frostschauer schüttelte ihre Glieder. j Und plötzlich warf sich mit der vollen Wucht tief- I Unersten Schmerzes der Gedanke an die Trennung von dem Geliebten auf ihr Herz. | ... "Wtz' ach Fritz!" wimmerte sie leise. Konnte sie ihm überhaupt nocy einmal frei in die zärtlichen braunen Augen er sich nicht verächtlich von ihr wenden, von der Koketten, die ihr frevles, leichtsinniges Spiel mit Mannerherzen so weit getrieben, daß ihre Mädcheuehre in den Sturm, den sie aufgewühlt, mit hineingezogen wurde und darm verloren ging? Niemand würde da sein, sie stutzend zu umfangen, wenn sie schmachbeladen morgen diel es Haus verließ. ., Eine sinnlose folternde Angst ließ sie auffpringen und I ^.^s^rnden Fingern Lampe und Lichter entzünden. Im ^.nukeln erscheint alles Unangenehme noch schwerer, jedes | t=-U1I-Uwr^o-9??rer,r Ibder Schmerz uuüberwind- n'Jrn ’ Licht gab dem verzweifelten Mädchen halbwegs ote Fassung wieder. Ter ausgebreitete Ballstaat maynte sie daran, daß es Zeit war, sich zu sammeln, um I zu können* 1 em l^lndes, unbefangenes Gesicht zeigen . Sie begann die verweinten Äugest zu kühlen und als Sunde darauf Betty, im Bewußtsein ihrer Schuld dienstbeflißener beim je, erschien, verrieten nur noch I Nachmittags^^" W^mgen etwas von der Erregung des I Suse hatte in der kurzen Zeit schon allerlei Entschul- ^ungen für sich selbst gesunden und begonnen, die ganze I ^ocfie von der leichten eeite zu nehmen. Im Grunde war I ~ '227 ■-» Der Gefoppte wehrte lachend ab. .Laßt mich doch aus mit dem Quatsch. Wenn Ihr denkt, ich hätte nicht gern geküßt, so täuscht Ihr Euch gewaltig. Aber Trautendorf paßte hinter den Knüffen auf rote ein Schießhund." „ ,, Ja, er legt sich wieder mal höllisch ms 3eil9- „Kann er sie denn heiraten?" fragte der frischgebackene Zum Vogelschutz. Keder Naturfreund macht zu seinem dauern die Wahrnehmung, daß die Zahl,der nützlichen Singvogel immer mehr int Wnehmen begriffen ist: immer t""ter werden denn auch d Klagen über das Ueberhandnehmm des lästigen, schädlichen Um geziesers, von dem gerade unsere Ne,neu, munteren -sanier sch ernähren. Von neuem erheben sich immer kräftiger die Stufe nach einem internationalen Vogelschutzgesetz: besonders che Ti - schntzvereine erheben laut ihre 'Stimme gegen den Masienv^elfang in Italien, sowie gegen das Tragen von Vogelfedern auf Damem hüten: manche übereifrige Vogelschutzfreunde Mollen pch sogar verpflichten, keine Dame mit einem Federhtit zur Frau L» nehmen, auch gegen den Vogelfang und das Halten der Singvogel im Käfig wird lebhaft agitiert. Es gibt aber noch ganz andere!-Nittel des Vogelschutzes, die tn ihren Wirkungen durchaus geeigmt sind, dem Abnehmen der lieblichen sanger entgegen zu treten, Mittel, die allenthalben bei unsl angewandt, bald dazu fuhren müßten, Flur und Feld, Garten und Aue zu beleven nut ganzen Scharen der nützlichsten Singvögel. . „ Es ist ja richtig, daß die Italiener im Herbste unsere Singvögel massenhaft wegfangen, aber das war schon so vor Leutnant naw.^jli^ Kleiner!" wurde ihm erwidert, „ich schmeck auch noch nicht die Verlobungsbowle." „Vorsicht, Kinder! Still! Da ist sie. (Fortsetzung folgt.) so daß nur noch Schwarzamseln, Spähen und B-uchsistkenin den städtischen Anlagen zu sehen und zu hören sind. Der Buchfink ist stärker und widerstandsfähiger als viele andere, der freche Spatz baut sein Nest sicherer, und ein Unkraut vergeht Nickt. Die Schwarzamsel gehört in den Wald, woher sie auch gekommen ist,' und wenn ihrer weiteren Verbreitung nicht bald Einhalt geboten wird, so wird das für die kleinen Sänger, die mcht Höhlenbrüter sind, sowie für dm Obst- und Gartenbau von großem Schaden sein. Es werden ja auch die «patzen dort, wo sie "allzu zahlreich sind, weggeschossen, von Zeit zn Zett aus Kvsten der Gemeinden dezimiert, eine Maßregel, die der Aier* schntzvcreiuler, der nm grünen Tische vom praktischen Leben oft recht wenig versteht, wahrscheinlich auch verwirft, die aber unser Nutzen gebieterisch fordert. . Im Interesse des erforderlichen Vogelschutzes hegt e» ferner, daß die Jäger eifrig dafür besorgt sind, die Zahl der gefährlichen Würger o de r N eun tö t e r zn vermmderu, die tu manchen Gegenden, wo auswärtige Nimrode die Jagd gepach.et haoen, ohne sie in der richtigen Weise anshiubm, stark nberhand- nefonen; ebenso darf der Jäger in seinem Revier ouch hüt Elster- ober Rabeimest aufkommen lassen, wie er auch die verwilderten Katzen und alles sonstige Raubzeug wegschiesten sollte. Es wäre deshalb empfehlenswert, wenn die Gemeinden die ^agd nur an Ortseingesessene verpachten würden. Daneben darf keineswegs aber die S chn l e ihre Pflickt unb Schuldigkeit versäumen; denn sie kann durch Belehrung und Ermahnung wesentlich znm Vogel- und Tierschutz beitragen. Zu unserer Jugendzeit bestand in Rheinhessen m vielenDörfern der strenge Gebrauch, dast im sommer au Sonntagen kerne Kinoer alleiii vvrs Dorf gehen durften, und das Ware auch heute nock, besonders int Interesse der kleinen Vogelwelt, em sehr empfehlenswertes Mittel. Der Gegner solcher strenge sehe heb nur einmal Montags die Verwüstungm an, die die liebe .•öugeuhmt einem Sonntag nachmittag beim «pielen m einem seinen, Wald et)en angericktet hat, vielleicht weniger ans Bosheit und Zer- flörungslnst, als aus Unwissenheit, Leichtsinn mck Mntwillen. I Zum Schliisfe will ich noch! em wichtiges Mittel zur Er- ausgedehnte Kultur des Bodens fast gänzlich verschwinden laßt I bieten. Dies wurde schon oft angeregt, aber selten lM matt Ein ickwunaliafter Vogelkaug und -Handel feit Heinnck des I damit einen wirklichen Erfolg erhielt. Nun hat tu erfreuiicner Winklers Ketten könnte den Bestand der Vogelwelt in Dentichland I Weise die Königliche Eisenbahn-Bauabteilung m Wiesbaden m nickt^vermindern ^st das E Verschwinden der, sichren einem Ausschreiben' den Anfang gemacht, indemtze »r die Be- Brnfftntfen führte’ rapide zur Wnahme der Zahl der Singvogel. I Pflanzung der Böschungen am neuen Hauptbahnhose zu ^>es 8 Hecken und Rainern der Gemarkung £’ben nm Angebote ersucht für »/yfeS verschwenden, weil der Boden durch dm gesteigerten Fleiß der Weidensetzlinge und anderer geeigneter Baume Was m Wtes- Menschen bis auf den kleinsten Winkel kultiviert und bebaut buben möglich ist, kann nirgends ausge chloi m s/m fs b wird- fein Eckchen mehr verbleibt ungestört den Singvögeln, I daher immer eine dankenswerte Aufgabe der TierschNtzverem, alle Nist- und Brutstätten werden ihnen entzogen. , , sowie der landwirtschaftlichen und Obst- "«d Gartenbauveieine, In unserer Jugendzeit hatten wir oft Gelegenheit, an entern sjH in diesem Punkte mit dm Eismbahnbehordm M 5&neMett einzigen Hause L0--30 Schwalbennester zu zähleim heute aber | iU fefeen, Anregung zu geben und mit Daad anzNlegm zur all. ist^ein einziges Schwalbennest am Hanse eine Seltenheit im gemeinen Bepflanzung der Eisenbahndämme und BoMngen m Tmrfp • im Entsteben begriffen, werden sie herimtergestoßen, I ber Nähe der Städte und Dörfer, wo sich Wasser findet, vas Q? SfeinT SSreinigungbe" Hauses und seiner Um- U Vögeln zugänglich ist. An solche.iStellenwerderisichdie aebiina stattfindet- was seit des alten Tobias Zeiten Nicht ge- I Vögel gerne ansiedeln, und wenn dann dn Jager das A mi z g, scheut wurde, das wM man heute nickt mehr dulden. Marder-, Wiesel, die verwilderte Kätze, Würger K. tvegsch-eßt, E Eine große Gefahr für unsere befiederten Sauger liegt in I da werden sie dauernd bleiben unb bald für ben Dbfh-unb ®art . ber sta'keu Vermehrung, in dem Ueberhandnehmen der Haus- | hau von größtem Nutzen fein durch die Vertilgung von sch k a tz e Die kleiiien Vögel, denen die Natur alle Waffen versagt lWert Infekten und deren Larven und Eier; s^ w rden aber hat die nur in raschen Davonflieaen Sckntz und Rettung finden auch zur Freude jedes Naturfreundes die ganze Gegmd belebest vor ihren Feinden müssen sorgsam geschützt werden vor dm durch ihr fröhliches Konzert im grünen Laubdache ■3iuetge. Katzen wie nicht minder auch vor ihren Feinden aus dem eigenen So müssen alle Faktoren zusammenhelfen, da m werde ba b Vogelgeschleckt Der Garten- und Vogclfrmnb futtert tm Winter | die vielen Magen über die Abnahme der Singvögel- vermummen, tone tiiebHnge, damit sie nicht Not leiden in der bitteren Kälte; ltnb hierzu fei durch diesen kleinen Beitrag aufs neue Anregung im Frühjahre aber bietet er ihnen, samt den ans dem Süden gegeben! ------------ heimgekehrten Sängern, soweit sie Höhlenbrüter siiid, in den | Nistkästen sichere Brutstätten: bald aber smd die Voglem mit Ehescheidung. MWMPSWKM 88» fei» Ä G.« ÄSS will, lasse sie nicht in fremde Gärten laufen, er beUlte sie daheim , I Wukungen Men, bene katholischen Kirche entbehrt. den städtischen Anlagen fast so zahlreich zu sehen ist, wie die I ber^ir«tete, f J Richtschnur des Lebens bient, hat auch Spatzen auf dem Lande, sie ist ein gefährlicher Räuber, bei I Sittengesetz, das wn j Mio ton genügt Aber ihre Tochter Iwwwsä Äwssft I m&rtWSSJÄ?d°->- 228 DaS Mädchen steht vor der ersten Kommunion. Da wird auch die Mutter von dem Drange ergriffen, sich lvieder Gott zu nähern, und ihr schlummernder Glaube erwacht durch den des Kindes. In ihrer Seelenpein nimmt sie zum greisen Pater Ewrard, einem würdigen Oratorianer, Zuflucht. Statt Trostes empfängt sie die Gewißheit, das; von der Kirche ihre erste Ehe noch immer als die allein giltige betrachtet wird. Einen Konflikt zwischen ihrem 23 jährigen Sohn erster Ehe und dessen Stiefvater betrachtet sie als unmittelbare Strafe für das „sündige" Bündnis. Lucien will eine Studeictin heiraten, die sich 'in freier Liebe einem Manne hingegeben hat und von diesem verraten worden ist. Darras sträubt sich 'im Einverständnis mit seiner Gattin gegen diese Mißheirat. Lucien, der so weit geht, mit einem solchen Verhältnis das seiner Eltern zu vergleichen, hält an der — übrigens edlen —■ Geliebten fest und löst sich Äon der Familie los. . In diese Kämpfe fällt der Tod von Gabrielles erstem Gemahl. Sie hofft, das; Darras seht mit ihr zum Traualtar gehen werde. Mer er fürchtet, durch eine nachträgliche kirchliche Trauung den Anschein zu erwecken, als ob seiner bisherigen Ehe die Volke Legitimität gefehlt habe, nnd dadurch seine Tochter zu beschimpfen. Die verzweifelte Frau flieht mit Jeaune aus dem Hause des Gatten, kehrt jedoch auf den Rat des Oratorianers in den „Kerker" zurück. Selbst wenn sich Darras später ans Mitleid entschließen sollte, ihr nachzugeben — das Glück ihres Heims bleibt unter allen Umständen vernichtet. Dieser Abschluß, der keine Lösung bringt, wird als Halbheit empfunden. Ein Ende mit Schrecken wäre besser gewesen, als ein Schrecken ohne Ende. Mer letzteren wollte der Dichter wohl niit Absicht als die Wirkung des Ehescheidungsgesetzes hinstellen. Es kann hier nicht auf die sozial-ethische Frage als solche, sondern nur auf die künstlerische Gestaltung des Problems ein- aegaugen werden. Ihre Schwäche 'liegt in der Verquickung der Gewissengeschichte Gabrielles mit Luciens Liebeshandcl. Die Spannung zwischen Stiefsohn und Stiefvater hätte ebenso scharf sein können, auch wenn Darras mit ihr durch den Segen des Priesters, nicht bloß auf dem Standesamte verbunden gewesen wäre. Gegen die zweite Ehe in jeder Form und unter allen Unlständen will aber Bourget doch lvohl nicht zu Felde ziehen. Der Don, den er anschlägt, ist durchaus würdig. Logische Klarheit nimmt die Stelle der Phantasie ein. Die Gefühle und Gedanken der handelnden Personen werden zergliedert, und die Reflexionen dehnen sich über weite Strecken des Büches aus. Die Uebersetzung ist recht verständig und geiwmbt. Vermischtes. * Woraus b e st e h e n die eßbaren V o g e l n e st e r? Ueber die Frage herrschen, wie der „Prometheus" schreibt, verschiedene Ansichten. Die Salanganen — es sind vorzugsweise zivei Arten, der Labet (Collocalia nidifica Gray) und der Lintjih (Collo- calia fueifuga seu escnlenta) — bauen ihre löffelartigen Nester an steilen Felswänden oder in Höhlen an den Küsten der ostindischen Inseln, besonders an der Südküste Javas. Die in den Handel gebrachten Nester gleichen etwa dein Viertel einer Eischale, sind 2—3 Zentimeter hoch, 5—7 Zentimeter breit und etwa 10 Gramm schwer; sie bestehen ans einer der weißen Hausenblase ähnlichen, harten und spröden Masse, die sich durch Kochen in eine zähe Gallerte von fadenc oder schwach salzigem Geschinack auflöst. Für die Chinesen sind die indischen Vogelnester die feinste und darmn acich nm teuersten bezahlte — ein einziges Nest der besten Qualität kostet in Hongkong über 2 Mark, in Europa etwa 4—6 Mark — Delikatesse. Die Chinesen weichen die Nester zunächst ein, geben sie dann mit einem selten Kapaunen oder einer Ente in einen fest verschlossenen Topf und lassen sie bei gelindem Feuer 24 Stunden lang kochen. Die Japaner kochen sie zu einein schleimigen Brei, den sie mit Zucker vermengen und kalt genießen. Europäische Feinschmecker lassen sie, in düiiiie Streifen zerfchnitten, mit stark geivürzter Fleischbrühe kochen; sie gelten als stark stimulierend, welche Wirkung jedoch zum Teil ivohl den Geivürzen zukommen dürste. Die Nester sollen mm nach der einen Ansicht von den Salanganen zum größten Teil aus den verschiedenen MeereSalgen mit Hilfe ihres Speichels aufgebaut werden, während ste nach der Ansicht anderer (Marshall) nur aus dem klebrigen Speichel bestehen, welcher aus zahlreichen Drüsen in der Mund- und Rachenhöhle von den Tierchen abgesondert ivird. Durcki eingehende Unter- suchcingen, ivelche Proseffor Dr. I. König (Münster) in Gemeinschaft ncit I. Bettels in der Zeitschrift für Untersuchung der Nahrungsund Genußinittel 1905, Band 10, Heft 8, bekannt gibt, wurde nunmehr festgestestt, daß in beit Vogelnestern 50—60 Prozent dem Muein nahestehende Stickstoffsubstanz imb nur etwa 15—20 Prozent Kohlehydrate enthalten sind. Ihre Zusammensetzung weicht daher vollkommen von derjenigen der Meeresalgen und der daraus her- gestellten Produkte (z. B. Agar-Agar) ab, sodaß mit Sicherheit an- zunehmen ist, daß die eßbaren Vogelnester mir ein Erzeugnis des Speichels der Seeschwakben bilden. „ >,:Iushobung der Frauen zum Militär verlangt allen Ernstes der 'Schriftsteller Hans Eschelbach in einer „In die Kaserne mit der Frau!" betitelten Broschüre. Wenn man — fo ;agt er dem 'Staate das Recht zuerkennt, ohne Ansehen von, Person und Stellung jeden gesunden jungen Mann zwei, drei und unter Umstanden mehr Jahre ganz für seine Dienste m Anspruch zu nehmen, dann steht ihm dieses Recht auch der Frau gegenüber zu. Gestüt darauf verlangt er, daß, wie der Mann für den Krieg, die Frau zwangsweise vom Staate zu ersprießlicher, bürgerlicher Tätigkeit für den Frieden erzogen werden solle. Zil diesem Zwecke sei die Dienstpflicht aller Frauen zu proklainieren. Mehnlich tvie die männlichen Soldaten sollest me zum Dienste heranzuziehenden Mädchen ausgelvst werden. Kürzer als' zwei Jahre möchte der Herr Eschelbach die Dienstzeit der Frauen nicht bemessen wissen. Die erforderlichen „Kasernen", waren zunächst nur in größeren Städten einzurichten; die Orga- iliiatioir des Dienstes wäre ganz ähnlich wie beim Militär; auch müßten die Mädchen während ihrer Dienstzeit Uniformen tragen. Ob auch- Hosen, tvird leider nicht verraten. Die Ausbildung hätte ftch u. a. auf folgende Zweige zu erstrecken: Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Turnen, Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen/ Kochen und alle dabei Vorkommendm Arbeiten, ferner Schneid dern, Putzen, Servieren, Waschen, Migeln, Flicken, 'Stopfen, Nähen, Krankenpflege, Kinderernährung nnd -Pflege u. a. m. Hans Eschelbach strebt damit — ob bewußt oder unbewußt, sei &$iiigei'tel(t — die Bildung einer Elite-Küchendragoner- und MädchenfüralleÄ-TruPpe zu Fuß an, deren Reservisten später wahrscheinlich all die Klagen der Hausfrauen über „unsere Dienstboten" ganz aus der Welt schaffen würden. Bedacht hat aber dieser Schwärmer fürs weibliche Militär sicherlich nicht, daß vorerst durch die notwendige Aüfangsrekrutierung ein ganz gewaltiger Dienstboten-Mangel sich fühlbar machen müßte, nicht für die Hausfrauen, sondern auch für die männlichen Soldaten . . . Nun, die Herren Kriegsminister werden sich den Vorschlag ja wohl erst noch reiflich überlegen; inzwischen aber hat Hans Eschelbach die Lacher noch auf seiner Seite, denn den unfreiwilligen Humor der Sache wird niemand verkennen. Gesundheitspflege. — Was können wir tun, um die Muskeln un-- seres Kindes zu stärken? Man halte es zu regelmäßiger Leibesübung an, welche ein wohltätiges Gegengewicht gegen die starke nnd anhaltende Arbeit des Geistes, wie sie die Schule verlangt, bildet. Zudem muß unser Kind in der Schule täglich mehrere Stunden hintereinander ruhig sitzen, meist in gezwungener, nachteiliger Körperhaltung. Deshalb soll die häus-i liche Pflege alles aufbieten, um diese Nachteile auszugleuhen, indem sie das Kind zur Bewegung im Freien und zum Spiele anhält, namentlich zum Ballspiel. Von hohem Werte für die Gesundheit unseres Kindes ist besonders das Schwimmen. Es veranlaßt die Tätigkeit aller Muskeln des Körpers, daneben aber auch eine kräftige Ausdehnung des Brustkorbes, während die Wirbelsäule gerade gerichtet wird. Gleich günstige Wirkung auf die Gesundheit des Knaben wie des Mädchens hat das Schlittschuhlaufen, wenn es mit richtigem Maße betrieben wird. Es gibt dem jugendlicheir Körper edle Haltung und verleiht ihm eine gewisse Anmut der Bewegungen; dabei bewirkt es eine ausgiebige Erweiterung des Brustkorbes, durch welche die Lungen gestärkt werden. Eingegangene Bücher. Bayer, Dr. Heinrich, „Die Menstruation in ihrer Beziehung zur Couceptioussähigkeit". Straßburg 1906. Verlag von Schlesier und Schweikhardt. B j ö r n s v u, Björnstjerne, „Der Redakteur". Schauspiel in vier Akten. Einzige berechtigte Uebersetzung von Cläre Greverns Mjöen. Preis 2 Mk. München 1906. Verlag Von Albert Laugen. „T a g e b u ch einer anderen Verlorenen." Auch von einer Toten, Nach dem Originalmanuskript herausgegeben Von Rudolf Felseck. 3 Mk. (Leipzig, Walther Fiedler.) Magisches Quadrat. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben ABBBBEEEEEINN BRR derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeulen: 1. Eine Naturerscheinung. 2. Ein Getränk. 3. Stadt in der Schweiz. 4. Mädchennamen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Hofen — Eic£)e — Ischl — Nebel — Beiher — Illinois — Cicero — Heine — Veilchen — Orten — Neisse — Serbien — YcooU — Beit — E(be — Lero; Heinrich von Sybel. Redaklwn: Ernst Heß. — RotalionSdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.