1906 t Mi ffWSSMRMMjZ aTnäyn E Jem Wahren, Edlen, Schönen. Ein Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Da in diesem Augenblick der dicke Giesecke an die beiden herantrat, so hielt es Imhoff sür zweckmäßig, den Ton zu ändern. „Mahlzeit, lieber Herr Kollege," sagte er freundschaftlich, „setzen Sie sich ein bischen zu uns ... da kommt der Diener mit den Kognaks ... ich bitte noch um einen Kognak, Verehrtester . . . Na, lieber Giesecke, nun plaudern Sie uns mal Ihre Geheimniffe aus. Womit fangen Sie an?" Der dicke Herr setzte sich vorsichtig auf einen vergoldeten, etwas zart konstruierten Stuhl und kniff pfiffig die Augen zusammen. „Das sage ich nicht," meinte er, „aber Sie werden was erleben, meine Herren . . . Wenn die Oper nicht gefällt: nur schlagen ein!" „Etwas Ernstes natürlich?" fragte Pricstap. „Versteht sich, Herr Baron. Ein großes Drama — von einem Unbekannten —" „Ach herrsch," krähte Imhoff, „schon fault" „Wie können Sie solchen Unsinn reden, Kollege," sagte der Direktor ärgerlich. „Namen ziehen heutzutage nicht mehr —" „Namen ziehen immer —" • „Das bestreite ich. Das Meisterwerk eines Anfängers findet dieselbe Aufnahme wie das eines berühmten Mannes. Und verschaffen wir einem Unbekannten den ersten Ruhm, so fällt naturgemäß ein Strahlcnbündel auch auf uns zurück. Ich spreche nicht viel, lieber Imhoff; ich renommiere nicht, wie Ihr von der Oper." „Merci. Also Sie beginnen mit einer veritablen Premiere. Und Hann?" „Dann folgt der Doppel-Faust." „Aber, Liebster, den bereitet Carolus Dieckhoff ja auch vor l" „Was geht uns das an?!" Imhoff schüttelte den Kopf. „Total verrückt," murmelte er, und laut fragte er: „Wer soll denn den Faust spielen?" „Semper natürlich." Imhoff pruschte. „Lassen Sie den den Affen in der Hexenküche spielen, Giesecke, aber nicht den Faust!" rief er. „Herr von Priestap, dieser Semper ist eine Ruine; kein Organ mehr, keine Haltung — nichts I Und das Gretchen, Giesecke?" Ägg hatte sich verärgert erhoben. sagte ex. „Na", meinte Imhoff, „da freu' ich mich auf die Krii^ titeit. Das kann gut werden." Gericke ging, ohne noch ein Wort zu sagen, davon, ,Was soll ich mich mit diesem Idioten zanken', dachte er, Priestap fragte, wie inan sich die Verteilung von Oper? und Schauspiel gedacht habe. Imhoff erläuterte das: vier^ mal in der Woche Oper, dreimal Schauspiel; aber an den Operntagen Mittwochs und Sonntags klassische Nachmittage Vorstellungen zu ermäßigten Preisen. „Wir müssen sehen,^ wie sich das Ganze entwickelt", sagte er. „Ein Haus für beide Künste gab es bisher noch nicht. Auch auf eine zweckmäßige Ausnüyung, nicht Abnützung" — er lachte — „des Personals muß Bedacht genommen werden. An den Schaum spieltagen arrangieren wir vielleicht Konzert-Matineen oder dergleichen. Tas wird sich alles finden. Wenn nur erst der Stein int Rollen ist. Ich kann Ihnen sagen, ich brenne' darauf. Ich fiebre der Eröffnung entgegen. . ." Im ersten Salon stand Hammer, von einem Kreis von Damen und Herren umgeben, und wurde bewundert. AnitN Berndal hatte ihren Autographenfächer mit und bat um einen Namenszug — „bitte, bitte, bitte, lieber guter Herr Baumeister — vielleicht auch noch ein Sprüchelchen dazu... Zu dem Sprüchelchen war Hammer nicht aufgelegt; aber den Namenszug gab er her. Eine feiste Madame zog ihm die Moosrose aus dem Knopfloch und nahm sie mit schämigem Lächeln an sich. Hammer fühlte, daß ihm eine Migräne bevorstand. Er befand sich in seltsamer Stimmung. Seit Jahren verkehrte er in Gesellschaften, in denen es genau so oder doch ganz ähnlich zuging wie hier; oberflächlickb heiter, zuweilen mit einem Schuß Frivolität oder Zynismus; immer wurde viel Wert auf die materielle Bewirtung gelegt. Aber heute erschien ihm alles unsäglich schal. Er hätte gewünscht, unter feinen Arbeitern bleiben zu können. Er fragte sich unwillkürlich selbst, ob er nicht wohl sei. Ihm war, als fiebere er. Sein Puls ging stark, und er spürte ein zuckendes Klopfen in . der rechten Schläfe. Er dachte schon daran, sich von dein Gastgeber zu verabschieden und bann sich unauffällig zu empfehlen, als der Kultusminister zu ihm herantrat und ihn in ein Gespräch zog. — Prinz Arenstein hatte seine Cousine aus dem Gesicht verloren. Er suchte nach ihr. „Wo ist Deine Frau, Eugen?" fragte er Frehlinghaus, der mit dem Polizeipräsidenten und Herrn von Serben sprach. „Ich weiß es nicht", antwortete der Graf kurz und fügte mit raschem Aufblicken hinzu: „Ich glaube, sie . . Doch da richtete der Polizeipräsident eine Frage an ihn, und er wandte sich, ohne den Satz zu beenden, an diesen zurück. Heros ging weiter, blieb hie und da vor einem Gemäldd oder einer Bronze stehen, schaute auch einmal in ein auf- liegendes Buch hinein, ließ aber dabei den Blick rastlos umherfliegen. Es war doch merkwürdig: wo steckte denn Freda?! — Die halblaut geführte Tischunterhaltung mit — 106 ihren zitternden Fragen und Geständnissen zwischen Suppe uud Braten hatte ihn eigentümlich erregt. Gewiß, er hatte den intimeren Verkehr tnt Hause Frehlinghaus geflissentlich fallen lassen. Es war ein herber Schmerz für ihn; es war ein Auslöschen Hellen Lichtes. Aber er fürchtete Unannehmlichkeiten für Freda. Frehlinghaus war nicht zu trauen. Dieser schleimglatte Hofmensch lebte zwar in einer gewissen Scheu vor ihm und respektierte seine verwandtschaftliche Ehrlichkeit; doch das konnte sich ändern. Seiner innersten Natur nach Ivar er ent rüder Geselle; er war auch eifersüchtig auf beit Schatz, den er hütete. Da zog Aren- stein sich langsam zurück. Es war das beste. Es gab keine Aussichten für ihn und keine Hoffnungen. Nie hatte er Freda von seiner Liebe gesprochen. Wer hundertmal hatte die Unterhaltung Grenzen des Empfindens gestreift uud Töne angeschlagen, die das Herz verstehen mußte, die wie ein Choral klangen und wie ein Hoheslied. Doch sie wollte nicht. Sie liebten sich beide, und jeder wußte es. Warum zerriß sie nicht die Fessel ihrer unwürdigen Ehe? Sie konnte im besten Falle nur eilte eisige Gleichgiltigkeit gegen ihren Mann empfinden; vielleicht auch haßte sie ihn. Und doch wollte sie nicht. . . Nun hatte sie gebeten, er möge wiederkommen wie früher, als Gespiele der Kindheit, als Vetter und guter Freund. Es gab keine Bitte, die er ihr nicht erfüllt haben würde. Er hatte auch ein unsägliches Mitleid mit ihr. Es tvar schrecklich, daß dieses lebensfrohe, heitere Geschöpf au einen Mann gekettet sein mußte, der in jeder Schwingung seines Empfindens ihr Gegenteil war: ein finsterer Puritaner, Schranzenuatur auf der einen, harter Tyrann auf der anderen Seite. Heros kannte das Hofleben zur Genüge. Er liebte es nicht. Wer er hatte Freunde unter den höfischen Chargen: glänzende Ehrenmänner, die auch unter der Huld ihrer Herren und Herrinnen das Eigenste ihres Wesens zu wahren wußten. Frehlinghaus war also kein Typus. Menschen wie er laufen in allen Gesellschaftsschichten umher, uud wo sie hinkommeu, verstummt das Lachen, und der Frohsinn flüchtet. Auch in Freda löschte der Mann mählich! alles, was lachender Sonnenschein in ihr gewesen. Heros fand sie sehr verändert. Vergebens lugte er nach einem Schelmen- blrck aus ihrem Auge, nach den lustigen Reflexen inr Grün der Pupille, den Glanzlichtern ihrer anmutvollen Heiterkeit. Flog einmal ein Lächeln über ihr Gesicht, dann erschien zwar noch immer das Grübchen auf der rechten Wange, und i tnt runden Kinn markierte sich eine winzige Senkung, wie der Eindruck einer Nagelspur; aber die kleinen Amorettennester wollten zu dem Ausdruck des Lächelns so gar nicht passen. Es ging immer die Wehmut mit und etwas Müdes I und Zaches. Es soll anders werden, sagte sich Heros. Ich will sie I wieder lachen lehren. Will verstecken, was mir das Herz bewegt, und nichts sein, bin ich bei ihr, als die alte lustige Kumpanei. Will ihr Schnurren und Schnickschnack erzählen und sie auch wie ehemals iu die Theater begleiten und zurück auf die Sonnenseite führen — soweit es geht. Sie soll wieder lachen lernen . . . . Nun hatte er auch das nächste Zimmer durchschritten, einen Blick auf einen tanzenden Faun geworfen, dessen Marmorleib aus einer Palmengruppe hervorleuchtete, und stand jetzt am Eingang des Wintergartens. Hinter dem Grün horte er das Plätschern eines Springbrunnens — und plötzlich sah er etwas Rotes schimmern. »Schwante mir'g doch", sagte er, nähertretend; „es blinkte wie Frührot, und ich dachte an einen hübschen Dheatereffekt, an bengalische Sonnen oder dergleichen und derwetlen^ ist es Dein Glorienschein. Hast Dtt Dich ab- stchtltch in dieses Mlanzenlaboraiorium zurückgezogen?" „Stent", sagte die Gräfin, „doch mehr aus Neugterde; und auch aus einem gewissen Ruhebedürfnis nach dem Tosen der Tafel. Mit einem Ohr lauschte ich Deiner, und an das andere schlug die Brandung der allgemeinen Unter- haltung; das hat mich ein bissel angestrengt. Hier herrscht wahrhafttger Treibhausfriedeu; hier blühen auch schon die Rosen^ Und es scheint unentdecktes Land zu sein." _ ''^n den Salons treibt mau noch mit dem Baumeister Kultus, und wer fielt an dem Sport nicht beteiligt, sitzt | int Rauchztmmer. Wte gefällt Dir die Gesellschaft?" Er stand vor Freda, die zwischen dunklem Grün, von Palmenkronen überschattet, auf einem Rohrstuhl saß. „Gut", entgegnete sie; „ober soll ich lieber .nicht gut' I sagen. Ich habe wenig beobachtet, habe auch wenig Sinn für Beobachtung. Es scheint mir. als seien die Geladenen in großem Maße geriittelt worden; als sei es ein stark gemischtes Völkchen." Heros nickte lachend. „So ist es. Ich finde das ganz- interessant. Kunst und Mäcenatentum; nur die augusteische Sonne fehlt. Ein Krämer und ein Minister; ein verlodderter Komödiant und einer aus dem Gothaer; Frau Jsaaksohn und eine Prinzessin von Geblüt; sogar ein Zensor und ein Feuerwehrleutnant. Es ist ganz hübsch; es regt an. Aber daß Eugen sich hierhergewagt hat---mir ist immer, als stände noch irgend ein Donnerwetter bevor . . ." „Eugen ist, abgesehen von Eurer Theatergeschichte, mit dem Geheimrat auch sonst noch geschäftlich liiert. Er hat übrigens genug räsouniert, daß er hermußte. Erst wollt« er für mich absagen. Ich gehöre nicht hierher, meinte er, und es folgten allerhand niedliche Spitzen. Wer mir machte die Sache nun einmal Spaß, und da erklärte ich; ich will. Einem festen Entschluß gegenüber gibt er gewöhnlich nach. Ich hätte vielleicht nicht so ans 'meinem Willen bestanden, hätte die Musterung mich nicht gereizt: ich hoff« wahrscheinlich — Dich hier ztt treffen." „A!" fuhr Arenstein heftig auf. Er biß sich auf die Lippen und tippte mit der Spitze seines Lackstiefels nervös auf das rotgesprenkelte Koralleumoos, das den Boden bedeckte. „So. . . das sagte er! Mio wahrhaftig eifersüchs« tig . . . Und, Freda — Tu fürchtest nicht, daß diese Eifersucht noch an Nahrung gewinnen wird, wenn —" „Wenn Du mich nach tote vor in harmloser Weis« besuchst? Nein, das fürchte ich nicht. Notabene, Heros, ich fürchte nichts an ihm; ich fürchte ihn überhaupt nicht. Ich sage wieder: ich will! Ich will, daß es bei uuserer alten Freundschaft 6Iet6e,. . ." Und plötzlich wurde ihre Stimm« weicher. „Mein Gott, Heros", fuhr sie fort, „Tu weißt, daß ich mir vorgenommen habe, bei ihm auszuhalten, bis . . . solange ich viermag . . . solange meine Kraft ausk reicht — o lieber Gott, daß ich doch stark bleiben könnte!" Und in rasender Hast stieß sie hervor: „Ich bin kein Weist/ das ihrem Manne davonläuft, weil es ihr nicht mehr gefällt bei ihm! Ich habe diese Che gewollt! Ich und ich und! ich bin immer der schuldige Teil! . . . Ich kann mich auch nicht zu eurer modernen Weltanschauung aufschtoingen. Ich stand vor dem Mtare mit ihm. Ich habe ihm Treue geschworen. Ich beuge mich vor dem Sakrament. Ich bleibe t Wer ich kann nur aushalten, wenn ich auch ihm gegenüber stark bin. Mein Wille gilt auch. Den setz' ich dem seinen entgegen. Sklavin werde ich nicht. Meine Freiheit will ich gewahrt haben, so — so lange ich sein ehrliches! Weib bin! . . ." Sie hatte das nur geflüstert, mit rasch aneiuauder gereihten, übersprudelnden Worten. Es hörte keiner außer! dem, der es hören sollte. Die Gesellschaft bewegte sich in den vorderen Zimmern; selbst in dem Gemach, das tut! den Wintergarten stieß, weilte kein Mensch. Die Fontän« plätscherte schwermütig; Blätter uud Blüten ruhten regungslos in der dicken, feuchten Luft; auch die beiden Seidenäffchen, deren Käfig die Fächerpalmen, Kallas und Arau- carien säst verdeckten, saßen still und eng beieinauder tut bi rührten sich nicht und schauten verängstigt mit den klugen, glänzenden Aeugelchen zu den fremden Menschen hinüber.' (Fortsetzung folgt.) Die Cinwohrrerzahleu der Orte des Kreises Gießen iu den Jahren 1880 uud 1905. Den Ergebnissen der letzten Volkszählung vom I.^Dezember 1905 wurden bei der Veröffentlichung nur die Zahlen vom Jahre 1900 gegenübergestellt und in Vergleich damit gesetzt. In eiuent solch verhältnismäßig kleinen Zeiträume beruht jedoch sehr ost die Bevölkerungsbewegung kleinerer Orte mehr aus Zusälligkeiten, während man in einem Zeiträume von einem Vierteljahrhundert schon viel eher einen sicheren Maßstab gewinnen und Rückschlüsse aus dis Ursachen der Zu- und Abnahme der Bevölkerung machen kann. So könnte z. B. die Geburtsziffer an einem kleinen Orte in zwei oder mehreren Jahren verhältnismäßig groß, die Sterblichkeitsziffer dagegen sehr gering sein; dies würde eine Bevölkerungszunahme verursachen. Es könnte aber auch das Gegenteil der Fall sein und dadurch eine Verminderung ' ■ Einwohnerzahl hervor» gerufen werden. Bei einer Vergleichung der BevölkerunaSzahlen von 1880 und 1905 sehen wir, daß die Orte, deren Bewohner hauptsächlich Ackerbau treiben, säst sämtlich in ihrer Einwohnerzahl zurückge- gangen, oder nur eine geringe Zunahme aufweisen; besonders ist — 1Ö7 dies in den Orten der Fall, die ungünstige Verkehrsverhältnisse haben, also wett von der Bahn entfernt sind. Stark vermehrt hat sich die Bevölkerung in den Orten, die in der Rühe von Gießen liegen. Nur einige machen davon eine Ausnahme. So hat Großen- Bnseck nur eine geringe Zunahme, Alten-Buseck und Steinbach sogar eine Abnahme zu verzeichnen, was bei den beiden letzteren wohl durch die nicht sehr günstigen Verkehrsverhältnisse bedingt ist. lieber 100 pCt. ist die Einwohnerzahl von Trais-Horloff und Winnerod gestiegen, wa§ wohl bei ersterem der Grube Friedrich daselbst zii danken ist. Zur genaueren Orientierung lassen wir eine Üebersicht der Einwohnerzahlen von 1880 und 1905 folgen; die Zu-, bezw. Abnahme ist in Prozenten auSgedrückt. Gemeinden 1880 1905 Zunahme Abnahme % % Albach 371 361 — 2,7 Mendorf a. d. Lahn 520 719 88,2 — Mendorf a. d. Lumda 1120 1125 0,45 — Allertshausen 246 266 8,1 —— Alten-Buseck 1258 1188 —— 5,2 Annerod 514 575 11,8 Bellersheim 586 635 8,3 —— Beltershaiii 980 310 — 5,0 Bersrod 372 389 4,6 — Bettenhausen 417 354 15,1 Beuern 999 1061 6,2 •— Birklar 448 486 9,7 —— Burkhardsfelden 591 721 22,0 —- Climbach 224 252 12,5 — Daubringen 614 807 31,4 —— Dori-Gill 403 402 — 0,25 Eberstadt mit Arnsburg 530 552 4,1 — Ettingshausen 609 568 — 6,7 Garbenteich 674 814 22,8 — Geilshausen 466 467 0,24 —— Gießen 17 928 28 910 61,2 -—“ Göbelnrod 220 247 12,2 — Großen-Bufeck 1638 1697 3,6 —— Großen-Linden 1288 1916 54,2 Grünberg 2 259 2165 —— 4,2 Grüningen 774 733 — 5,3 Harbach 357 398 11,5 —— Hattenrod 392 426 8,7 *— Hansen 853 518 46,7 — Heuchelheim 1779 2 391 34,3 —- Holzheim 1186 1168 1,5 Hungen 1850 1523 12,8 —- Inheiden 346 389 12,7 — Kesselbach 402 441 9,7 Klein-Linden 895 164 83,3 —— Langd 620 573 — 7,5 Laug-Göns 1467 1629 11 — Langsdorf 931 915 1,6 Lauter 426 412 —— 3,3 Leihgestern 1028 1864 32,6 —- Lieh 2 568 2 621 2 —— Lindenstruth 802 357 18,2 i-—• Lollar 1265 2 012 59,9 —— Londorf 791 879 11,1 Lumda 341 386 13,2 —— Mainzlar 451 509 12,3 —— Münster 329 299 9,1 Mufchenheim 703 091 — 1,7 Rieder-Bessingen 348 313 — 10 Nonuenroth 351 354 0,9 — Obbornhofen 568 618 8,8 — Ober-Bessingen 404 349 — 13,6 Ober-Hörgern 337 352 4,4 —-- Odenhausen 804 315 3,6 Oppenrod 303 312 2,9 — Queckborn 597 555 — 7 Rabertshausen 184 194 5,4 Reinhardshain 290 301 3,8 —— Reiskirchen 675 841 24,6 ■— Rodheim 843 330 — 3,8 Rödgen 600 694 15,6 —- Röthges 277 264 — 4,7 Ruddingshausen 680 736 6,8 Ruttershausen 879 428 15,5 —- Saasen 474 500 5,4 Stangenrod 308 308 0 0 Staufenberg 609 729 19,7 —— Steinbach 1019 1016 — 0,8 Steinheim 485 515 6J5 —- Stockhausen 159 148 6,8 Trais-Horloff 255 512 100,8 Trais a. d. Lumda 1064 1166 9,2 —— Trohe 155 198 27,7 —- Utphe 506 557 10 Villingen 936 990 5,7 — Watzenborn-Steinberg 1421 1909 34,3 •**- Weickartshain 886 897 18,1 —— Gemeinden 1880 1905 Zunahme °/o Abnahm^ 0/ 10 Weitershain Wieseck Winnerod 471 2304 30 524 2877 63 11,2 24,8 HO — Kreis Gießen 69949 88627 27 Are Kukimelle Bedeutung der Messe lautete das Thema, über welches Chefredakteur Hugo Jacobi- Müuchen kürzlich in der „Bereinigung für staatÄmssenfchastliche Fortbildung" in Berlin einen Vortrag hielt. Eruleiteud wies! ^acobi darauf hin, wie in unseren Tagen die Presse Handeln und Wollen, Empfinden und Denken der Gesamtheit durchdnngt und Wie es keinerlei Verhältnisse des geistigen und wirt,chast- lichen Lebens gibt, die sie nicht beständig beeinflußte. Man darf heute Nn Bedeuten tragen, dies Aute auch rnr »Ze!der Um- versität auszusprecheii, wenn auch ^rade Re WstsEaft lauge acit der Presse treinb gegenüber geitanden hat. Aber ganz zu Unrecht Unter ben Vertretern der Presse sind die geschichtlichen Namen der führenden Männer zn finden. Anw sollte die Wiprn- ickait bcdeulen, daß die Eriorschung der ^Geschichte und des Wesens der Presse eine sehr lohnende wissenschaftliche Aufgabe ist. Aber auch ohne die Unterstützung der Wissenschaft hat die ~ebre vvn der Presse sich das Bürgerrecht tn der.Wsssensch^t erworben. Das liegt an ihrer WirkuugLkrast. Was sich durch- fefcen will bedarf der Publizität, und ohne Pubuz.mr gwr es keine Publizität. Nicht bloß die Verzeichnung uuo Verbreit- una der Geschehnisse ist nämlich die Aufgabe der Presse, sondern auch die Meldungen zu verarbeite!, und Anregungen zu Neuen« daraus abzuleiteii Die Presse meditiert, kritisiert, räsoniert. Die Zeitung ist ein Kind der Buchdruckerkunst. Ansätze dazu gab es freilich schon lange zuvor. Sie gehen auf Assyrien, Bavylon, Rom zurück Auch der neutestamentücheu Briefe ist hier zu aedenkem Jin 14. und 15. Jahrhundert beginnt der Botendienst, ^ie Sammlung von Nachrichten und ihre Vervielfältigung. Im 16. Jahrhundert konimt der Brauch auf, dem Privatbrief eine sur die Allgemeinheit bestimmten Beilage mit Nachrichten beizule^en. Eure andere Quelle der Zeitung bilden dre Flugblätter. 4.ne Zit - gestaltung des Zeitungswesens in der Folge wurzelt in zweierlei, in' der Buchdruckerkunst und in deni Postwesen. Es kommen Märkte für das Nachrichtenwesen zustande, vor allem in Venedig- Bekannt ist der Quellenwert der venetianischen GesandtschafA- berichte. Aber auch die Kaufleute unterhielten m Venedig Nach- richtcnbureaus. Ein anberer solcher Markt,!mr rn dtürilberg. Die Fugger gaben eine Zeitung MM Pre,,e von 4 Kreuzern aus. Eigentümlich ist, daß diese geschriebenen Zeitungen stch hlev und da noch erhalten haben, als gedruckte Zeitungen lchon lange einaeftihrt waren. Für die Bearbeitung der Zeitungen und damit für"ihren Bestand war die Ausbildung deS Verkehrswesens wichtig. Hier war besonders die Herstellung emes regelmäßigen Botendienstes mit bestimmten Botenwagen durch die Mufleute von grundlegender Bedeutung. Spater wurde die Post die Fordern hxs Zeituugsweseus. Die Postmeister wurden an manchen Orten Zeitungsherausgeber. Es kam vor, daß eine. Zeckiing ehtgmg’, Wenn ihr Herausgeber sein Postmeisteramt verlor. Der Aufsticg des Zeitmigswesens ist in seinen Hauptepochen durch die großen Stufen der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung bestimmt. Ein aiideres wurde das Zeitungswesen nach dem dreiMglahngen Kriege. Neue Impulse fommen durch bie Befreiungskriege, g^ wattige Aitregungen vom Jahre 1848 intb eine neue Zeit brach nach dem deutsch-französischen Kriege an. Mit der Entwicklung wuchs der kulturelle Einfluß der Presst, ganz besonders je mehr neben der objektiven Verzeichnung des Neuen vom Lage das Räsonement an Platz und Bedeutung Warnt. Es wäre ungemein lohnend, diese Entwicklung historiscy zu verfolgen, Die Darstellung würbe einen guten Teil einer "Enzyklopädie des Zeitungswesens" ausmachen, die uns leider noch fehlt. In der Geschichte dieser Entwicklung ivürde sich der Wandel widerspiegeln, 'welche die hervorstechenden Interessen der Nation durchgemacht haben. Zum Beispiel wie die ästhetischen Interessen von den theologischen abgelvst würben; tote bann der konstitutionelle Gedanke die Gemüter beschäftigte, tmb dann daN Nationalitats- Prinzip, und wie heute rnuerpontilche und sozmlpolttische riraaen ganz im Vordergründe stehen. , Aii den letzteren zeigt sich der enge innere Zusammenhang zwischen dem Leben der Nation und den Zeitungen Durch bie Einführung des allgemeinen Stimmrechts sind^die breiten Schichten ben allgemeinen Interessen Angeführt worden; sie haben mit Einfluß aus die ^staltung der Dinge gewonnen. Der Publizist muß daraum auch auf sw zu wirken suchen. Sein Wirkungskreis wird immer großer. Eine ft’Oke davon ist, daß in den breitesten Schichten em ganz allgemeines Jntevesse für bie Tagesereignisse besteht. Wie viele von den kleinen Leuten wußten vor 25 Jahren ^was voii Japan, und jetzt konnten sie nicht genug davon erfalwen. DaKVerlangen, jegliches von Bedeutung ohne Verzug zu erfahren, ist ins Unermeßliche gewachsen, und dieses Verlangen lutrb dank der Ausbildung der Technik und der überaus großen Aufwendungen der Zeitungen auch befriedigt. Die Schnelligkeit und die All- InllslXl Imlvl zli’U/n/ni'l rfl iU ’i/I V /!!A i. i i t \ ~.l j'lii 11 irn ; r' a a i\ ri • h m uTrrt rT<^^»ä8 — 108 — gem’einljeit des Nachrichteilverkehrs haben den Nachteil, daß fte hier und da mißbraucht werden. Um besonderer Interessen wüten tverden falsche Nachrichten verbreitet. Auch die Politik ist hier hier nicht von Schuld frei. Auch darf das nicht verkannt tverdeii, daß der telegraphische Nachrichtendieilst auf die Tages- schriftstelleret einen nachteiligen Einfluß ausgeübt hat. Das Ueberhandnehmen der Telegramme, mit ihrem kurzen und vielfach zurecht gemachten Svnderstil drängt den gut geschriebenen Artikel des Schriftstellers zurück. Man kommt auf das zurück, Was int Sinne der Zeit am Ellde des 18. Jahrhunderts Cotta vorschwebte: die Zeitung soll nichts Subjektives, nur Tatsächliches bringen. Vielleicht hängt mit diesen Dmgen zusammen, daßsnaucher politische Schriftsteller sich auf die Wochenschrift zurncl- zicht. Eine sehr anfechtbare Frucht des Depeschendienstes smd falsche Wortbilduiigen wie „Attentäter", „Kajserhoch"., Mau darf zugcben, daß Auswüchse bestehen, aber man muß sagen, daß die Presse es sich auf das ernsteste angelegen sein laßt, sie aus- zurotten, wo sie sich zeigen: überdies' trägt chte fortschreitende Kultur das Korrektiv gegen sie in sich. Em besonderes Hauptstuck ist die Abhängigkeit der Presse von der Gesetzgebung Wohl smd die Kautionspflicht und die Anzeigenbesteuernng aufgehoben; aber unser Preßrecht beschränkt sich immer iioch iiur auf gewerblichen Verhältnisse der Presse und läßt ihre imkeren, geistigen, noch außer acht. Günstig Hai sich hingegen die Gesetzgebung der Presse im Bereiche des Verkehrs erwiese«. Post. und Telegraph haben die Zeitungen eindringlich gefördert, billiges Porto für Drucksachen, die Ausgestaltung des Zeitnngspostdienstes, des deutschen und des internationalen, kommen in Betracht. Der Aufschwung ist auch hier nur ein Zeichen dafür, wie die Zeitung allseitig als Külturmittel anerkannt wird. Uebrigens kontmen die historischen und lebhaften Beziehungen zwischen ZeitungÄ- und Post- tvesen dahin zum Ausdruck, daß Bezeichntmgen wie „Post", „Bote", „Kurier", „Postillon" in Zeitungstiteln gang und gäbe sind. Nach den Zeitungen ein Wort über den Journalisten. Nufere Zeitungen haben etwas Unpersönliches an sich. Der Zeitungsschreiber tritt ganz gegenüber der Zeitung zurück. Das hängt damit zusammen, daß es deutsche Art ist, für die Sache zu wirken und dabei sich selbst in den Hintergrund zu stellen, und das tut der Journalist, obwohl sein Beruf schwer und ungemein verantwortlich ist. Es irrt nämlich derjenige aufs schwerste, der sich nach Frehtags „Journalisten" ein Bild von den heutigen Journalisten macht. Wer in den Tag hineinleben will, findet reinen Platz in der Journalistik unserer Tage. Sie verlangt einen ganzen Mann. Schon die Technik des Zeitungswesens erheischt strenge Arbeit und viel Geschick und Erfahrung. Nun und nimmer ist die Zeitung jetzt ein Nothafen für gescheiterte Existenzen. Sein viel zitiertes' Wort von den Journalisten als Leuten, die ihren Beruf verfehlt haben, hat Bismarck in der Koikfliktszeit iit einem Augenblick der Verstimmung ausgesprochen. Er hat sich in Lothar Bucher und Hermann Wagner aus dem Journalistenstand Gehilfen genommen, die sich ihm aufs beste bewährt haben. Aber er selbst ist, wie wir ja wisset«, wenn es not tat, Journalist gewesen, und zwar war er ein großer Journalist. Uns gilt auch das Wort des Kaisers Wilhelm II., daß die Leiter der Presse den kommandierenden Generalen gleich zu stellen sind. Jeder echte Journalist muß An Stück Gottes-Giradcntum in sich tragen; er muß von Jdealeti erfüllt sein, seinem Berufe innig anhängen. Aber nicht genug daran: zum Journalist gehört Talent; zum Talent «nutz sich Fleiß, Kenntnis, Hingebung, Selbstverleugnung und ein scharfer Blick gesellen. Darum kann nicht Vorsicht genug bei der Rekrutierung zum Journalistenberuf walten. Humor deZ Auslandes. * Flossy: „Ich habe heute abend Ehampagner getrunken und fürchte, er ist mir zu Kopf gestiegen." — Pansy: „Nun, Liebste, dann kannst du dir doch schmeicheln, daß du jetzt wenigstens etwas darin hast." * „Nun, mein Freund", sagte der Stabsarzt zu einem Patienten, der längere Zeit auf schmale Diät gesetzt worden war, „wie geht es Ihnen?" — „Bedeutend besser Herr Stabsarzt." — „Könnten Sie heute wohl ein Hühnchen vertragen?" — „O ja, Herr Stabsarzt." — „Womit möchten Sie es denn gern gestillt haben?" — „Mit einem zweiten Hühnchen, bitte", entgegnete der hungrige Patient. E m p f i u d l i ch. Dienst m ä d ch e n, zum Sanitätsrat: „Herr Rat möchten sofort zur Gnädigen kommen, die hat vom Lachsessen geträumt, und Lachs vertragt sie absolut nicht!" Heinrich Heines letzter Traum, Vision: „Abschied von den Frauen". (Auf das Gemälde von Franz Kuppka.) Lange stand ich vor dem Bilde, Hab's mit Andacht angeschaut, Lange, bis es in dem Tiefsten Meiner Seele mir vertraut. Selber wie in Traum versunken Sprach mein Äug' dem deinen zu, Der, ein ew'ger Friedensengel, Träumet süß die letzte Ruh'. Denn ja nimmer kannst du schlafen: Wenn auch bald das Auge bricht, Führt dich, ob der Tod schon rufet, Fantasie zu ew'gem Licht. Bald erlöset von den Leiden, Winkt sie dir ins bess're Land, Läßt von denen Abschied nehmen Dich, die dir dein Leid gesandt; Denen, die des Lebens Wonne, Denen, die dein höchstes Glück, Die dir oft nach trüben Stunden Gaben Sonnenschein zurück. Frauen, ja, euch galt sein Leben, Euch sein Lieben und sein Lied; Euch war stets sein Herz gewogen, Bis er aus dem Leben schied. Ihr wart all sein Trauern, Schmerzen, Süße Wesen, leichtes Blut. Schnell gebt's Mündchen ihr zum Küssen, Sprecht von Liebe schön und gut; Dock), wie auch die Aeuglein funkeln, Selig schwärmend übergehn, Launig, wie int März die Stürme, Eures Herzens Stürme wehn. Und so naht ihr euch denn wieder Heut' zum allerletzten Mal Demutvoll dem kranken Sänger In der stillen Todesqual; Schön geziert mit Lorbeer«, Palmen, Mit der Rose dufl'gent Kranz Und dem trauten Buch der Lieder In der Jugend goldnem Glanz; Bietet ihm des Abschieds Grüße, Lindert ihm sein letztes Leid, Schmückt die Stirne ihm mit Blumen, Die die Liebe ihm geweiht. Von der Fürstin zur Geringsten Alle weilet ihr um ihn, Alle die in schönsten Weisen Ließ jein Sang vorüberziehn. Und auch er, nicht eher kann er Trennen sich von dieser Welt, Bis den letzten Abschiedsgruß ihr Ihm, den letzten Dank bestellt. Und so tasten seine Hände Denn nach Euch so sehnsuchtsvoll; Unter Träumen, süßen Bildern Er hinüber wandern soll. Selbst der Vöglein traute Scharen, Wie im jungen Lenzesblühn, Singen ihm voin Minnezauber, Goldne Lotosblumen glühn. Doch — im Dunkeln schwebend flieh« dis Schatten — und sein Auge bricht. ES geleitet ihn der Tod zu Ew'gem Frieden, ew'gem Licht. ___________ Adolf Metz. Bilderrätsel. Nachdruck verboten. Auflösung in nächster Nummer. .9 Auflösung des Scherz-Rätsels in voriger Nummert Nähmaschinen, Besen — Chinese (mit dem Zopf), Redaktion: Trust Hetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untversttäts-Buch- und Stetndruckeret, R. Lange. Ttetzea,