HME ^WMS- Mittwoch dm 16. Mak,«.., FM _ ©A) EggPgT» wSlI äSF“«ävZS'l !«M! MM MW iQSw Mittessose Mädchen. Roman von H. Ehrhardt. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ein Notpfennig, hat sie oft im stillen gedacht. Wer kann wissen, von welcher Seite die Not wieder einmal unerwartet ins Haus bricht? Wie die Summe sie jetzt lockt und anzieht. Sie würde ja vielleicht nicht genügen, aber in diesem Falle würde ihr Stolz nichts Verletzendes dabei finden, Tante Hertzberg um Hilfe zu bitten. Ihr mußte sie sich überhaupt anvertrauen, wollte sie ihren Entschluß zur Tat werden lassen. In ihrem Salon verkehrten Maler von berühmtem Namen, die der Geheimrätin zu Gefallen ihr gewiß eines Lehrmeisters wegen einen guten Rat geben würden. Aber wie würde sich ihr Studium mit ihren Pflichten als Hausfrau vereinen lassen? Wer sollte den kleinen Haushalt leite«, wer ihnen das Mittagessen kochen? Suse, die kaum ein paar Eier zu sieden verstand? Bergehoch wuchsen die Hindernisse vor ihr empor, versperrten ihr den Weg zum Glück. Eine dumpfe Resignation trat an die Stelle ihres emporgeflammten Hoffens. Sie räumte in apathischer Ruhe ihre Malereien zusammen und verschloß sie in den Tiefen einer Schrankschublade. Tann rollte sie noch die Nähmaschine unter die Hängelampe und begann in ein paar Beinkleider Walters einen Flicken einzusetzen. In das Schnurren des Rades klang von draußen das Geräusch eines sich, im Schloß drehenden Schlüssels — Suse kehrte von ihrem ersten Fluge in die großstädtische Geselligkeit zurück. Tas blonde Haar unter dem schwarzen Spitzenschleier zerzaust, mit glühenden Wangen und rotgeküßten Lippen trat sie ins? Zimmer. Beim Anblick der nähenden Schwester zuckte sie peinlich berührt zusammen. Ter Kontrast, war auch zu grell. Hier in Berlin, wo die Ausstattung der Zimmer in den vornehmen Stadtvierteln an sich schon eine luxuriöse ist, wirkte die Wohnung der Verwandten noch viel eleganter als in N. und die Sphäre von Glanz und Vornehmheit, die Suse eben verlassen und die ihr den oberflächlichen Sinn berauscht hatte, lieh ihr deutlrch wie nie die Armseligkeit ihrer Existenz vor Augen treten. Ter krankhafte Wunsch nach Reichtum und Wohlleben überfiel sie in dem Moment mit solcher Wucht, daß selbst die Erinnerung an Fritz Trautendorf, dessen Abschiedskuh noch, auf ihren Lippen brannte, daneben verblaßte. Sie flog auf die Schwester zu und kniete neben ihr nieder. „Oh, Ruth! Wer doch Geld hätte!" Sie schrie es fast aus, den blonden Kopf in dem Schoß per Ueberraschten bergend. Ruth löste mit einem trüben Lächeln die schwarzen Spitzen von den weichen Haarwellen. „Ist dies das einzige Resultat Deines heutigen Besuches, Sus?" fragte sie leise, Angst und Tadel zugleich in der weichen Stimme, „Tu bist doch sonst so genußfähig — hast Tn Dich denn nicht amüsiert?" „Oh, famos, himmlisch!" Suse hob den Kopf, ihre blauen Augen glänzten, „es waren nur zwei junge Ehepaare da und drei unverheiratete Offiziere — aber lustig waren wir — einer von den Ehemännern ist ja zum Schreien komisch — Couplets singt er Dir — man kann sich rein totlachen", sie hatte ihre tragische Aufwallung bereits vergessen und schwatzte nun flott orauf los, erzählte die Einzelheiten des Menus, beschrieb die Toiletten der Damen, „Tu, die Meta sah im schwarzen Spitzenkleide über weißer Seide mordsschick aus", verbreitete sich des längeren über die musikalischen Leistungen des einen Offiziers, mit dem sie vierhändig gespielt hatte, bis Ruth ihren Redeschwall unterbrach: „Wer hat Dich denn nach Haus gebracht? Max?" Ta wurde Suse glühendrot. „Nein!" antwortete sie, indem sie aufstehend au ihrem Kleide Spuren der staubigen Tiele abzuklopfen versuchte, „einer von dsen Offizieren hat mich, begleitet — Oberleutnant Trautendorf." Ruths Blick heftete sich ungläubig, zweifelnd auf die sichtlich verlegene Schwester. „Trautendorf?" fragte sie gleichsam tastend, dann jäh auffahrend faßte sie nach dem Arm Suses und fetzte atemlos, mit zitternder Stimme hinzu: „der Trautendorf aus N., Suse, derselbe? Ja, ich seh' Dir's an, daß er's ist, es fällt mir jetzt auch ein, daß Meta Dir neulich einen altert Bekannten für heute ankündigte — um Gottes mitten, Suse, das darf ja nicht sein, den durftest Tu nicht Wiedersehen." Eine solch angstvolle Erregung sprach aus ihren Worten, daß Suse von der Größe ihrer heimlichen Schuld zum ersten Male tief niedergedrückt wurde und beklommen meinte: „Aber warum dem: nicht, Ruth?" „Das fragst Tu noch? Ja, war es Dir denn nicht vor allen Dingen gräßlich peinlich und beschämend, einen Menschen wiederzusehen, der sich so gut wie verlobt mit Dir hatte und der Dich dann als seiner unwürdig aufgab?" Im Vollbewußtsein von Trautendorfs Liebe übersonnte ein Lächeln Suses' reizendes Gesichtchen. Sie schüttelte fast übermütig den Kopf. „Ach wo, an so was hab' ich gar nicht gedacht — wir haben uns beide toll gefreut, uns wiederzusehen, und er bat mich dann später um Verzeihung gebeten und durchs blicken lassen, daß er sich schnell von meiner Uufchuld überzeugt habe und daß er mich geheiratet hätte, wäre er nicht bei einem Bankkrach um sein ganzes Vermögen gekommen., — Und so lieb und nett war er, ach, Ruth, schade, daß Tu nicht mit warst, er hätte Dir auch, gefallen. Es ist ein Jammer, daß er ein armer Schlucker ist." Es war etwas wie schlecht verborgener Jubel in ihrer Stimme, der Ruth mißtrauisch machte. Eine neue Gefahr stieg da vor?, einer Seite auf, mit der sie nie mehr gerechnet 282 hatte. All ihr eigenes Wünschen, ihr Hoffen und Entsagen schien ihr nebensächlich. Sie dachte nur daran, daß in diesem Wiedersehen mit Trautendorf für Suse eine neue Enttäuschung, ja vielleicht Schlimmeres lauerte. „Suse!" sagte sie und in ihre glatte weiße Stirn grub sich plötzlich eine tiefe Sorgenfalte, die dem ganzen Gesicht etwas düsteres verlieh, „dies Wiedersehen ist ein Unglück für Dich. Glaubst Tu wirklich, der Gedanke an den armen Schlucker wird Dich gegen Tein eigenes Herz schützen können? Mir scheint überhaupt, Tu liebst ihn noch immer." Suses spitze Mausezähne bissen trotzig die volle Unterlippe. „Und wenn ichs täte —" Schon im Begriff, in dieser trotzigen Aufwallung der Schwester die ganze Wahrheit zu gestehen, besann sie sich eines Besseren. Ter Schlag würde die ahnungslose Ruth zu hart treffen, nachdem schon die Mitteilung dieses Wiedersehens sie so niedergeschmettert hatte. Auch gebot die Klugheit ihr, sich nicht zu verraten, sie ahnte instinktiv, daß ihres Glückes Ende dann nahe sei. Ruth und ein heimliches, aussichtsloses Liebesverhältnis dulden — das war eine Absurdität. So fügte die kleine Schauspielerin, während sie begann, sich die Bluse aufzuhaken, ein leichtes Gähnen markierend, lachend hinzu: „Aber ich tu's ja nicht, Ruth, hab' keine Bange — er gefällt mir noch immer sehr gut, aber er hat, wie gesagt, keinen roten Heller und ich", sie hatte unterdeß die Bluse nbgestreift und streckte nun sehnsüchtig die runden, lveißen Kinderarme in die Luft, „ich habe einen solchen Durst nach Reichtum in mir. Tu glaubst es ja gar nicht — es ist nicht bloß für mich — nein, ich möchte Euch alle retten aus der Misere, Euch alle reich und glücklich sehen", sie umschlang zärtlich den Hals der regungslos dasitzenden Schwester, „Tu könntest Tir wünschen, tvas Tu willst, Ruth." Tie Gebelaune des glücklichen Kindes floß gleich einem Rausch durch ihr verliebtes Herzchen. Ruth lehnte ihre kühle, blasse Wange gegen das glühende Gesicht der jungen Schwester. In dem Moment war nur Liebe üt ihr, warme, opferwillige Liebe für das junge, schöne, leichtsinnige Geschöpf neben sich, das im Kern doch gut war und kindlich reinen Sinnes. Und um ihr einen Beweis ihres liebenden Vertrauens zu geben, erzählte sie ihr flüsternd wie ein Geheimnis von den heißen Wünschen, die sie kurz vorher nach schwerem Kämpf begraben. Suse machte große Augen. Sie hatte eigentlich noch nie daran gedacht, daß RntH vielleicht baS: Zeug zu einer großen Malerin in sich trüge, sie hatte sich daran genügen lassen, daß Ruths Können ebenso weit reichte, wie ihre Kunst auf dem Klavier — nämlich, Geld zu verdienen. Tie Vorstellung, die Schwester in der Reihe derjenigen zu sehen, die für ein einziges Bild viele hundert Mark ein» strichen, berauschte ihren lebhaften Sinn und sie war ganz und gar nicht einverstanden mit Ruths Entsagungsplänen. Mit der noch ungebrochenen Energie und Zuversicht ihrer 19 Jahre griff sie die Idee von Ruths Malstudium auf und entwickelte mehr praktische Vernunft in ihren Vorschlägen, als die verständige, aber innerlich oft mutlose ältere Schwester. Tas Hauptbedenken Ruths war für sie sofort erledigt. Man würde oas Mittagessen eben aus einem Restaurant holen, gleich drei Häuser weiter wußte Suse von einem billigen Mittagstisch, 30 Pfennig für die Person. Zu diesem Zweck würde die „Schäfern" eben mittag noch einmal herankommen und auch gleich das ■ Geschirrwaschen hinterher übernehmen, damit Ruth keine Zeit dadurch verloren ging — die zehn Pfennige, die sie dafür mehr verlangen würde, brachte in der so gewonnenen Zeit Ruths Malerei für Tietzheim reichlich ein. „Oh, es wird brlilant gehen!" Suse war ganz Begeisterung, ganz Hoffen! Und von ihrer überschäumenden Kraft flutete ein belebender Strom zu Ruth hinüber. Sie sah aus ihrem dunklen Lebenswege fern ein Licht aufstrahlen, noch schemenhaft und unsicher, aber doch eine Leuchte der Hoffnung. Ein zitternder Schauer ging über ihren ganzen Körper. Sie war sich des schicksalsschweren Ernstes des Augenblicks voll bewußt, mit zagender Hand griff sie an die verschlossene Pforte des Glücks. Aber ihre Stimme klang Aar und fest, als sie aufstehend sagte: „Nun, so sei es! Mit Gottes Hilfe will ichs versuchen, ob ich höheren Zielen gewachsen bin — und wenn Tu mir beistehen willst, Sus —" „Gern, gern! Ich wiA auch gewiß mehr im Haushalt an greifen, Ruth —" Sie war heute in ih-rem Schuldbewußtfein um den Finger zu wickeln, die Mente Sus, und bereit, der älteren Schwester alles nur erdenkliche Liebe zu tun. Seit langem waren die beiden Schwestern nicht so eins gewesen, wie da sie sich heute zur Ruhe legten. Von Trautendorf wurde nicht mehr geredet, trotzdem das Schwatzen noch int Bett ein Weilchen fortgesetzt wurde. Aber sein' hübsches, braunes, durchtriebenes Lentnants- gesicht war doch das letzte Bild, das vor Suses schlafmüden Augen gaukelte, ehe Gott Morpheus sie in seine Arme nahm. 4. Eine innere Rastlosigkeit trieb Ruth am nächsten Morgen schon frühzeitig aus bett Federn. Sie kleidete sich möglichst geräuschlos an, um Suse nicht zu wecken, die noch fest schlief, den Schlaf sorgloser, unbekümmerter Jugend. Durch die beiseite gezogenen Vorhänge der Fenster war dem strahlenden Glanz des sonnigen Märzmorgens der volle Eintritt gestattet, auf der Straße regte sich schon das Leben der Großstadt, deutlich heraufklingend, aber die Schläferin blieb davon unberührt. Ruth wunderte sich von neuem über die junge Schwester, die nach dem atifregeuden Erlebnis des Vorabends so ruhig mit einem Lächeln um die roten Lippen bis in den hellen Tag hinein schlafen konnte. „Es geht eben nichts in die Tiefe bei ihr!" dachte sie und wüßte nicht, sollte sie die Schwester deshalb beneiden oder bedauern. Sie setzte sich an ihre Staffelei am Fenster, aber aus der Malerei wurde nicht viel, denn ihre Hand entbehrte der sonstigen Sicherheit. Es war Wegen acht' Uhr, die beiden Brüder waren längst nach Schule und Geschäft gewandert, die Schwestern allein, da klingelte es und der Briefträger brachte einen Stadtpostbrief. Eine Einladung der Geheimrätin zu einem letzten jour fixe, in dem sie ihre Kinder zum erftenmale in dem Kreise ihrer Bekannten bei sich sehen wollte. Sie drohte Ruth mit ihrer allerhöchsten Ungnade, falls sie nicht bei ihr erscheinen würde. Aber Ruth dachte diesmal an keine Absage. Ihr schien diese Einladung wie ein Schicksalswink. Ein wahres Fieber hatte sie ersaßt, sie konnte es kaum erwarten, bis sie den ersten Schritt aus dem Weg zum Ruhm tun durfte. Eine halbe Stunde vor der ihnen angegebenen Zeit ließen sie sich zwei Tage später bei der Geheimrätin melden. Sie bewohnte int ersten Stock eines vornehmen Mietshauses der Kantstraße vier Zimmer, von denen drei zum Empfang der Gäste im Weißen Glanz des elektrischen Lichts erstrahlten. Die Geheimrätin in heliotropfarbenem Seidenkleide, ein schwarzes Spitzenhäubchen auf dem weißen Haar, empfing das Schwesternpaar in ihrem eigentlichen Wohnzimmer mit lebhaften Freudenäußerungen. „Seht Ihr, das ist recht, das lob'ich mir! Ihr gehört unter Menschen. So hübsch wie Ihr beide seid, es mär' ein Jammer, solltet Ihr unbesehen verblühen. Nun, Kleinchen!" sie liebkoste Suses weiche Wange, „wie hast Du Dich neulich bei Meta amüsiert? Sehr gut? Nun ja, ich hab' oa so was läuten hören von einem alten Verehrer! Sieh'mal an, man wird ja sehr rot. ' Da bin ich doch neugierig, tute das Kerlchen ausschaut — er kommt nämlich auch heut —" „Ach, Tantchen, es ist ja wieder nichts, er hat doch kein Geld." „Na, wenn Du so vergnügt dabei lachst, wird Dir's wohl nit zu nahe gehen — ich hab' einen steinreichen Ober- Regierungsrat für Dich in peito — aber Du mußt fehr klug sein, nm sein Hagestolzentum brechen zu können." Suses Augen sprühten tausend Schelmenblitze. „Machen wir alles, Tanting!" Dann überließ sie Ruth das Feld und begann neugierig in den Zimmern herumzustöbern, die viel altertümliche Raritäten und alte interessante Familienbilder beherbergten. Unter» deß schüttete Ruth der Greisin ihr übervolles Herz aus. Wie sie im voraus gewußt, war Frau von Hertzberg geradezu begeistert von ihrem Entschluß, der ihr die innere Kraft und 283 Energie, die sie bei Ruth in letzter Zeit zu vermissen begonnen, als noch vorhanden zeigte. Sie war glücklich, Ruth mitteilen zu können, daß sich unter ihren Besucher,: sicher zwei bekannte Maler befinden würden, die zwar selbst nicht unter- richteten, von denen aber auf einen guten Ratschlag und eine Empfehlung zu rechnen war. (Fortsetzung folgt.) Die KniWickkung der Kirschblüte?) Bon R. H. Francs. Man hat in dem Heidelberger botanischen Garten das Blühen der Kirschbäume auf das allergenaueste erforscht und dabei gefunden, daß es sich in ziemlicher Unabhängigkeit von den Launen des Wetters abspielt. Diese Tatsache ist so bemerkenswert und allen Mltagserfahrungen so widersprechend, daß ich nicht umhin kann, sie ausführlicher zu schildern. Nach diesen Untersuchungen, die neuerdings von anderer Seite ihre Bestätigung fanden, zerfällt die Entwicklung der Blütenknospen der Kirsche in zwei streng geschiedene Perioden, zwischen denen. die Winterruhe liegt. Nur dauert diese nicht so lange wie die blattlose Zeit des Baumes, die man für gewöhnlich als die Ruhezeit der Vegetation ansieht. In Heidelberg währt die „entwicklungslose Zeit" nur von Ende Oktober bis Anfang Februar. Die erste Wachstumspcriode der Blüten beginnt schon lange, bevor wir Menschen sic veranlassen würden, wenn wir das Blühen der Bäume zu dirigieren hätten. Kein Hausvater ist so voraussichtig wie die Natur. Noch bevor sich die Blüten des Jahres 1906 entfalten, legt sic schon jene des Jahres 1907 an! In aller Verborgenheit im heimlichsten Winkel der Knospen reift da die Blüte als zarte Wulst heran, mehrt Zelle um Zelle, verschiebt und ordnet ihre Bausteine so lange, bis sie etwa im Juli auch dem unbewaffneten Auge als feines Kelchlein erkennbar wird, als stecknadelkopfgroßes Schüsselcken, in dessen Grund wieder kleine Wülste aussprießcn. Zarte Köpfchen erheben sich, hauchdünne Blättlein breiten sich schützend darüber, und im wohlgeborgenen Zentrum wölbt sich langsam das „süße Geheimnis" der zukünftigen Blume, die Knospe, die schon den zur Befruchtung heranreifenden Samen in sich birgt. Diese sachten Regungen und Entfaltungen dauern den ganzen Sommer über, -Lis spät in den Herbst hinein. Noch lange, nachdem die Mequi- noktialstürme das letzte verdorrte Blatt vom Baume gerissen haben und er wie tot dasteht, sind in ihm tausend und abertausend Knospen rastlos tätig, das Blütenfest des kommenden Frühlings vorzubereiten. Die Natur denkt im Herbste wahrlich nicht ans Sterben, wie wir Kurzsichtigen so lange glaubten; unerschöpflich entquillt ihr Leben und Lebenslust, und dort, wo wir Ruhe und Tod zu sehen vermeinen, ist es nur die beklagenswerte Beschränktheit unseres Blickes, welche uns irreführt. Nirgends sieht man dies so deutlich, wie an der angeblichen Winterruhe der Knospen. Ende Oktober erstarren sie und erwachen erst wieder durch die matten Küsse der Februarsonne. So spiegelt -es uns das Auge vor. Aber in Wirklichkeit hat die Knospe trotz Schnee und Kälte nicht geruht. Ungeheure Wandlungen haben sich an ihr vollzogen; es ist etwas vorgegangen, für das uns noch das richtige Verständnis fehlt. Wir können es erst an den Folgen erkennen und nur als innere Wandlung bezeichnen. Wie wenn das Kuösplein ein seelentiefcr Mensch wäre, der durch innere Erlebnisse zu einem anderen Wesen wird. In einer Periode scheinbarer Verhärtung und Untätigkeit formt cs sich um, und nur dadurch wird es befähigt zu neuem Leben. Wkenasy, derjenige Botaniker, der die Kirschblüte zuerst untersuchte, sagt, aus seinen Versuchen gehe „deutlich hervor, daß die Blütenknospen der Kirsche zwischen Ende Oktober und Ende Dezember «ine Aendcrung in ihrer Beschaffenheit erleiden, die sich nicht in einer Gewichts- und Größenzunahme der Teile, sondern nur in dem verschiedenen Verhalten zu höheren Temperaturgraden zu erkennen gibt. Es liegt nahe, anzunehmen, daß diese Aenber- ung chemischer Natur ist." Was berechtigte ihn zu dieser überraschenden Erklärung? Welche Tatsache verrät die angebliche innere Wandlung? Wir hörten es schon, eine Aendcrung in dem Einflüsse der Temperatur auf die Dlütenentwicklung. Sie zeigt sich darin, daß wir ruhende ■otoetge der Kirsche im November oder anfangs Dezember ver- gebuch in das Warmhaus bringen. Sie schlagen nicht aus. Wohl aver geschieht dies nach Weihnachten. Nach der hohen Zeit der geheimnisvollen Zwölfernächte ist ein großer Teil der heimischen Pflanzenwelt wie verwaiidelt. Baldurs Geburt, die Wintersonuenwende, brachte ihnen wirklich die Auferstehung. Von da ab brauchen sie nur noch günstige Temperatur, damit Mute und Blatt rasch, mit zauberhafter Schnelligkeit, sich ent» *) Wie man sich spielend mit allen Vorgängen int Leben der Pflanzen und mit diesen selbst vertraut machen kann, lernen wir am besten aus Francos prächtigem Werke „Das Leben der Pflanze", welches z. Zt. int Verlag des „Kosmos, Gesellschaft der Natur- freunde", Stuttgart, in Lieferungen ä 1 Mk. erscheint. Wir geben hier eine kleine Probe von der anregenden Darstellungs- weise des Berfassers. faltet. Mer vor Weihnachten könnte es noch so warm sein, sie bleiben leblos und harren ruhig der inneren Wandlung, die ihnen nicht vvtt der Wärme, sotidern von der Zeit kommt. Bon den ersten wärmeren Tagen des Nachwinters an beginnt dagegen für die Kirschblüte eine Zeit der gewaltigsten Entwicklung. Die Blüten wachsen an Größe und Masse anfangs! langsam, später schneller, zum Schluß mit erstaunlicher Geschwindigkeit. In den letzten 6 bis 10 Tagen vor ihrer Entfaltung verdoppeln sie ihr Gelvicht; in den letzten Tagen ivird. eine federleichte Kirschblüte täglich um ‘/so Gramm schwerer. Das macht bei den 200 000 Blüten, die ein nur mittelgroßer Kirschbaum hat, eine kolossale Arbeitsleistung aus. Alle diese Tatsachen bringen uns aber dem Verständnis des Lebens um einen gewaltigen Schritt näher; die Poesie des Früht- lings erhält durch 'beit Gelehrten eine solche Folie des Wissens, daß jeder Kirschbaum für den Wissenden ein ergreifend ernstes Erlebnis wird, weil er uns au die tiefsten Tiefen des Seins mahnt. In dem lieblichen Zauber des Frühlingsblütenmeeres tritt uns wuchtig und schwer das' Lebensrätsel entgegen. Vorläufig hat es die Gestalt, daß die Pflanzen innere Fähigkeiten besitzen, welche sie teilweise in der Entwicklung unabhängig machen von den Einflüssen der Temperatur. Wir sehen deutlich, daß_ die Sommertemperatur die Entwicklung der Kirschblüte gar nickt beeinflußt. Wer auch während der Frühliugsentwicklung vermögcii Schwankungelt der Temperatur den Verlauf des Wachstumstempos nickt zu ändern. Die Blüten entwickeln sich int März stets rascher als im Februar, und es ist dabei gleichgiltig, ob der März wärmer ist als der Februar oder nicht. Nur auf den Gesamtverlauf der Müteu- bilduug hat die Temperatur Einfluß, und ein nasses, dabei warmes Frühjahr sieht die Gegenden früher im Blüten;chmucke prangen, als ein kaltes und trockenes. Ganz besonders aber gibt sich die teilweise Unabhängigkeit der Lebenserscheinungen von der Temperatur dadurch zu erkennen, daß vom Oktober an die Knöspenentfaltuug ruht, mag nun ein herrlicher Spätherbst die Sommerwärme wieber auf Wochen zurückrufen, oder ein Früh- tointei' uns um dieses späte Glück der letzten Herbsttage bringen. Ale Weiöerhtrrschast in Amerika. Von Dr. Otto Schmidt-Gibickeitsels-Berlin. Die Verkünderin und Vorkämpferin des Frauenrechtsgcdankeus in Amerika, Fräulein Susan B. Anthony, ist kürzlich in Rochester im Alter von 86 Jahren verstorben. Sie ist auch deutschen Frauen von dem vor zwei Jahren in Berlin stattgehabten Fraucnkougresse her bekannt. Man entsinnt sich wohl noch mit recht gemischten Empfindungen jener Stunde, als sie von der Fürstin Bülow und anderen deutschen Ministerfrauen sich den Hof schneiden ließ, während sie im Arbeitsstuhle des Fürsten Bismarck es sich bequem machte. Auf den ersten Blick erscheint es merkwürdig, daß die Forderung der Gleichberechtigung der Geschlechter ihre schärfste Ausprägung und weiteste Verbreitung in germanischen Völkern, bei den Anglo-Amerikanern, Engländern, Skandinaven gefunden hat. Man sollte meinen, daß weibliche Rassen und Völker, wie Romanen, Slaven, diesem Gedanken eher und leichter zugänglich wären. Es ist jedoch nicht zu vergessen, daß bei den männlichen Völkern und Rassen naturgemäß nicht nur die Männer, sondern eben auch die Frauen leiblich und geistig stärker geartet sind, und daß eine etwaige Entartung, Vertrottelung des Mannes infolge übermäßigen Alkoholgenusses' oder großstädtischer lieber» kultur, wie das ja auf Skandinavien, England, Nordamerika zutrifft, leicht das Stärkeverhältnis der beiden Geschlechter nm» kehren kann. Bei den Skandinaven mag noch dazu kommen, daß sie seit etwa 100 Jahren keinen Krieg mehr kennen und — wie in diesem männlichsten aller Berufe — in der Männlichkeit überhaupt wohl etwas aus der Hebung gekommen sind. Für die Entnervung der Anglo-Amerikaner ist das deutlichste Zeugnis die Tatsache, daß jene neumodische Großstadtkrankheit der Neurasthenie von den Aerzteu zuerst in Nordamerika entdeckt und benannt worden ist. Ihre Ursache ist übermäßige Geschäftigkeit unb Unruhe, die wieder in der unersättlichen Erwerbsgier und maßlosen Ueberschätzung des Geldes ihre Ursacke haben. Ist so die Entstehung und Verbreitung des Gleichberechtigungsgedankens gerade bei jenen germanischen Völkern leicht zu erklären, so braucht über den Gedanken an sich, über feine Unsinnigkeit und Gcmeinschädlichkcit kaum noch ein Wort gesagt zu werden. Jeder halbwegs lebenskluge Mann und jede halbwegs lebensklnge Frau kann darüber niemals auch nur den geringsten Zweifel hegen. Hat man je schon gehört, daß in einem Kompagniegeschäft ein Gesellschafter dem andern Wettbewerb macht? Warum also durchaus nur in der Firma: Mann und Komp.? Darauf läuft nämlich schließlich das Streben nach Gleichberechtigung zwischen Mann und Weib hinaus. Beide Vertreter des Menschenthpus, die sonst aufeinander angewiesen find, weil sie sich gegenseitig ergänzen, treten dann einander im wirtschaftlichen und politischen Kampfe feindlich gegenüber. Aller Reiz und alle Anmut des Weibes verschwindet und macht einer unausstehlichen Altjüngferlichkeit ober einer garstigen Zuwiderhastigkeit Platz. Der eigentliche Beruf bes Weibes, Heiraten, Kinbergebären unb diese anfzüerziehen, wirb vernachlässigt oder meist ganz auf« 284 gegeben. Volk und Rasse entartet und verschwindet bald gänzlich vom Erdboden. Bon diesem Schicksal ist dass Anglo-Amerikanertum nicht mehr weit entfernt. Die bullige, auch politische Gleichberechtigung von Mann und Weib, das letzte Ziel der Frauenbewegung, ist zwar erst in.hier Bundesstaaten erreicht, aber überall gibt es schon weibliche Merzte, Advokaten, Pfarrer, Bahnwärter usw. usw. Unsereins fragt sich kopfschüttelnd, warum die Männer dort sich das ruhig gefallen lassen mid nickt schon längst mit einem heiligen Kreuzdonnerwetter drein gefahren sind. Die Neurasthenie der Männer must dort entsetzliche Fortschritte gemacht haben! Es kommt aber noch toller. Mit der Gleichberechtigung sind nämlich die klügsten unter den dortigen Misses und Mistresses gar nicht zufrieden; für sie ist dieser Gedanke — was ja auch gar nicht weiter wunderbar ist — ein überwundener Standpunkt. Sie wollen nur diejenigen Rechte, die ihnen gerade passen und die übrigen Rechte samt den dazu gehörigen Pflichten großmütig den Männern überlassen, wenn diese ihnen dafür nur die völlige, uneingeschränkte Herrschaft und Selbstbestimmung überlassen. Und die sonst so „smarten" Uankees scheinen auf dieses eigenartige Geschäft wirklich eingegangen zu sein. Man sagt nämlich, die Uankees heiraten nicht, sondern werden geheiratet, wenn sie nämlich sehr, sehr viel Geld von ihren Vätern geerbt oder in bald mehr, bald weniger anrüchigen Geschäften „gemacht" haben. Es gewährt einen hochkomiscken Anblick, einen solchen Mann, der geheiratet werden soll oder muß, in der ehrfnrchtgebietenden Nähe seiner Göttin zu beobachten. Daher geht denn auch in Amerika Heiraten, Sichsckeidenlassen und Wiederverheiraten mit demselben oder mit anderen Männern so oft und so geschwind vor sich, daß sick die Beteiligten wie verhext Vorkommen. Auch läßt sich eine echte, amerikanische Ehegattin höchstens auf die Geburt eines einzigen Kindes ein, und vielen ist selbst das noch zu viel. Man sieht: die Weiberherrschaft steht dort in der schönsten, duftigsten Blüte. Uns Europäern und namentlich uns Deutschen könnte es ja recht sein, wenn ans diese Weise das Anglo-Amerikanertum bald gänzlich vom Erdboden verschwände. Es ist uns wirtschaftlich und politisch spinnefeind und mit seinen vielen häßlichen Auswüchsen auf geistig-sittlichem Gebiete die schlimmste Entartung der germanischen Raffe, die man sich vorstellen kann. Um so merkwürdiger must es erscheinen, warum bei uns so vielfach, sogar in maßgebenden Kreisen, der Amerikanismus als Vorbild hingestellt, und sogar von nicht wenigen nachgeahmt wird. Als Susan B. Anthony in Berlin drei Tage lang regierte, schienen selbst hochgestellte Männer den unbefangenen Blick verloren zu haben. Im Reichstage erklärte freilich s. Zt. Graf Posadowsky, die Pflicht internationaler Höflichkeit habe geboten, die Teilnehmerinnen an dem Damenkongresse zuvorkommend zu empfangen. Die Pflicht der Höflichkeit in hohen Ehren, namentlich gegen unsere lieben Frauen! Aber gebietet etwa die Höflichkeit, die nicht minder internationale Sozialdemokratie von Ministerfrauen int Reichskanzlerpalais bewillkommnen zu lassen? Oder sind die Bestrebungen der Sozialdemokratie weniger gemeingefährlich, als die der Vorkämpferinnen für politische Weiberwirtschaft und Weiberherrschaft? Literarisches. — Paul Ernst — Ritter Lanva 1, Lustspiel in drei Aufzügen. Im Insel-Verlag Leipzig 1906. Geheftet 2 Mark. I Paul Ernst hat sich nickt nur als Romailschriftsteller (Der I schmale Weg zum Glück) und Novellist, sondern auck auf dem I Gebiete, der ernsten (Demetrios) wie der heiteren (Nacht in Flo- I renz) dramatischen Kunst einen Namen gemacht. Aber nicht als I ein Dichter, der nach Augenblicks-Erfolgen hascht und mit dem Tagesbeifall sich bescheidet. Er ringt und strebt weiter nach dem Schaffen bleibender Werke. Hiervon zeugt wiederum fein jüngstes Lustspiel: Ritter Lauval. Die Buchausgabe, in der Ausstattung des Insel-Verlags, wird gewiß seinen Freunden willkommen sein und bereit Kreis vermehren. — Gusta v H e r r m an ns Schauspie 1 „D er Tri - urnph des Mannes", das nach seiner erfolgreichen Uraufführung im Leipziger Schanspielhause von einer größeren Anzahl Bühnen zur Aufführung angenommen wurde, ist jetzt als Buch in nmgearbeiteter vieraktiger Form im Insel-Verlage erschienen. Preis geh. 2 Mk. •— M a 11 eus Malefiearum, Der H e x e n h a m m e r. Verfaßt von den beiden Inquisitoren Jakob Sprenger und Heinrich Jnstitoris. Zum ersten Mal ins Deutsche übertragen und ein- gelcitet von I. W. R. Schmidt. 3 Teile. Erster Teil. 47 und 216 Seiten. Broschiert 6 Mark. Verlag von H. Barsdorf in Berlin W. 30. — Daß ein kulturgeschichtlich so wichtiges Buch wie der Hexenhammer seit 1489 bis heute, keine deutsche Ueber- tragung gefunden hat, liegt zweifellos daran, daß man erst letzt begonnen hat, den Hexenglauben, die Geschickte des Teufels und verwandte Gebiete wissenschaftlich zu erforschen. Sv will denn auch diese erste deutsche Uebersetzung des Hexenhammers denen zu Hilfe kommen, die sich mit der Geschichte des Aber- I glaubens befassen, und den überreichen Stoff in bequemerer Form benutzen möchten. Aber sie will auch zugleich eine Art Ehrenrettung sein. Die Hauber, Horst und And. haben in z T recht drastischer Form für den Hexenhammer und Hexenglauben die katholische Kirche verantwortlich zu machen gesucht und keine Gelegenheit versäumt, derselben eins zu versetzen. Das ist einseitig, ungerecht und unhistorisch! Denn der Hexenglaube war damals, wie Taeitus sagen würde, faeculum und ward von Katholiken und Protestanten redlich geteilt, wie denn ja auck Luther stark im Teufelsglauben war: es ist eben jeder, auch der größte, ein Sohn seiner Zeit und seines Landes! Der erste Teil des Hexenhammers, der zugleich die Uebersetzung der „Hexen- | bulle", das „Gutachten der Kölner Universität" und das „Bor- | wort der Verfasser" enthält, handelt über dreierlei: was zur j Hexentat gehört, nämlich der Teufel, die Hexe und die göttliche i Zulassung. Häufig wird die graue Theorie durch Beispiele aus I der Praxis unterbrochen, Erlebnisse und Abenteuer von Hexen, I bie z. T. recht amüsant sind, berichtet. Für beit Forscher inter- I eifanter sind bie Ideen, bie da über den Ursprung der Hexerei, bas Bündnis mit bent Teufel, den Hexensabbat und viele andere | einschlägige Fragen entwickelt werden. Der zweite und dritte Teil sollen in Kürze Nachfolgen. Vermischtes. * Der Liebesroman einer mecklenburgischen Prinzessin und eines englischen Herzogs wird in bie Erinnerung gerufen durch den Tod eines Mitgliedes der Fa- I milie der Herzöge von Roxburghe. Der eigentliche Name dieses Herzoghaitses, dessen jetziges Haupt den verblichenen Glanz seines Geschlecktes durch die Heirat mit der millionenreichen Amerikanerin Miß May Goelet ordentlich aufgefrischt hat, ist Ines-Ker, und es führt seine Abkunft auf 'einen gewissen John Ker zurück, der schon 1357 urkundlich erwähnt wird. Der Herzogstitel stammt aus dem Jahre 1707, und sein dritter Träger war der Held jenes eben erwähnten Romans mit einer deutschen Fürstentochter. Dieser Herzog John von Roxburghe war nicht nur mit Walter Scott nahe befreundet, sondern selbst ein kluger und geschmackvoller Schriftsteller und Gelehrter. Er zog fick zur großen lieber» i raschnug der vornehmen Welt plötzllck in die Einsamkeit seines | schottischen Landsitzes Floors Castle zurück, um hier nur seinen I Büchern und Studien zu leben und die schmerzliche Enttäuschung j zu überwinden, die ihm ividerfahren war. Auf einer seiner häufigen Reifen hatte er auch den Strelitzer Hof besucht und zwischen ihm und der ältesten Tochter des regierenden Herzogs Karl, der Prinzessin Christiane, war eine leidenschaftliche Neigung entstanden. Der mecklenburgische Souverän war aufgeklärt genug, um sich zu sagen, daß ein englischer Herzog mit einem Jahres- einkommen, wie es nicht viele deutsche Potentaten aufzuweisen I hatten, keine unstandesgemäße Partie für eine deutsche Prinzessin aus kleinem Hause sei. Und er gab gern seine Einwilligung zu diesem Liebesbunde. Aber da bewarb sich ganz unvermutet kein Geringerer als der König von England selbst, Georg III., um die Hand von Christianens jüngerer, erst 16 jähriger Schwester Charlotte. Ein so glänzender Antrag konnte natürlich nickt aus- geschlagen werden. Aber ebenso unmöglich erschien es, daß nun die älteste Tochter des Herzogs Gattin, eines Untertanen des Gemahls der jüngeren werden könnte. So machte, wie so oft, die unerbittliche Staatsraison einen Strick durch die Hoffnungen zweier Liebender. Sie blieben einander auch nach der Trennung treu. Die Prinzessin Christiane schlug jede andere Werbung aus und starb 1794, fast 60 Jahre alt, unvermählt. Der Herzog von Roxburghe überlebte sie nm acht Jahre, und es mag erwähnt fein, baß beim Verkaufe feiner Bibliothek nach feinem Tode für die erste Ausgabe von Boccaccios „Decamerone" vom Herzoge von Marlborough die Summe von 2260 Pfund Sterling, also 45 200 Mark, gezahlt wurde, — der höchste Preis, den bis dahin je ein Buch erzielte. Bilderrätsel. Nachdruck verboten. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummert Zunge, Zange. - Redaktion: Ernst Hrß. — Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'schen Universitäts-Buck- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen« i s £ i r r c l < j 6 i i r d t s S 6 b s C d 5 h Z 8 r z 5 2