1906 W m BS ■1;’. aTJlaM kVTß-WKkG M j IAtmSsM M V ' Jem Maßrm, Gdlsn, Schönen. Ein Großstadtromair von Fedor ü. Zabeltitz. (Nachdruck verbaten.) (Fortsetzung.) Es kamen die Gäste: viele unserer Bekannten. Da mar Herr Josef Berndal mit Frau Anita, das hübsche dümmliche Gesichtchen strahlend, denn im Vorflur hatte Prinz Arcnstein sie wieder erkannt und ihr bte Hand geküßt; Herr von Serben mit spiegelblank polierter Glatze rind Orden, am Arm seine lange hagere, resigniert und glücklos aussehendc Frau; Konsul Werner mit gesträubtem Schnurrbart und den: Glas im rechten Auge, der bei allen Antiquaren bekannte Sammler seltener französischer Erotika, ein feiner Kenner gefährlicher Pamphlete mit einer Unschuldsmiene; Arigo Rafatzli mit der dunklen Stirnlocke, Hönde in den Hosentaschen, einen gequält pessimistischen Zug um den Mund; der dicke Giesecke, schon wieder heftig transpirierend, das gelbe Haar kammartig gesträubt, im Knopfloch ein buntes Etwas, das bcdciitend erschien, aber nur die anhaltische Medaille für Kunst und Wissenschaft war. Nun kam der Kultusminister; Fridolin Meyer verbeugte sich tiefer und stellte seine Hausdame vor. „Es ist mir eine besondere Freude," sagte diese. Sie wiederholte das auch den: Polizeipräsidenten und Herrn von Elgersburg, dem Zensor, der mit großer Verbindlichkeit über alle Schwierigkeiten seines Amtes hinweg zu lächeln pflegte: ein scharmanter Mann. Jetzt flutete eine neue Welle von Gästen in das Zimmer. Graf Frehlinghaus, sich die graublondcn Favoris glättend, mit Gräfin Freda und ihrem Vetter, dem Prinzen Arenstcin. Ein Generalstabsoffizier, ein Feuerwehrleutnant, soivie ein schmucker Pasewalker Kürassier folgten: drei verschiedene Uniformen ; dann ivieder eine Woge schwarzer Fräcke und lichter Damenroben. Mit dem Justizrat Brandes, dem Syndikus Les Prinz Ferdinand-Theaters, trat Herr von Priestap ein, der sich merkwürdig verändert hatte: das Gesicht ivar wie seraphisch geworden, bildschön mit den unheimlich großen gold- gefleckten Augen und krankhaft gleich dem Antlitz eines Visionärs. Claudius Imhoff erschien mit ziemlich mürrischen Zügen; er fand es pöbelhaft, daß er allein geladen worden war, ohne seine Frau. War das erhört! Er hatte absagen wollen; er titulierte Fridolin Meyer einen „infamen Juden- protz"; er war mit anfallsweise Antisemit und *it Zeiten ein begeisterter Verfechter des konfessionellen Frie-. .3 und sehr eingenommen für eine Ausgleichung der Rassengegensätze. Drei Tage lang hatte er gewütet und dann zn seiner Frau gesagt: „Laura, ich gehe dennoch hin. Es ist ein Pflichtbesuch. Jeder Mensch hat Pflichten. Man muß auch die unangenehmen mit in den Kauf nehmen . . .* Mit besonderer Auszeichnung wurde selbstverständlich der Baumeister Hammer in Empfang genommen. Geheimrat Meyer umarmte ihn; es sah so aus, als ob er ihm einen Kuß geben wolle. Aber cs geschah nicht; es blieb bei der stürmischen Begrüßung. „Liebe Camelia," sagte er zu seiner Schwester, „unser illüstrer Ehrengast — Baumeister Hammer" . . . „Es ist mir eine besondere Freude," erwiderte die gelbe Base und knixte tief. Dann raste Herr Fridolin mit Hammer umher, ihn dem Kultusminister und dem Polizeipräsidenten zu präsentieren und mit dein und jenem aus der Gesellschaft näher bekannt zu machen. Die Gäste verteilten sich in den drei Salons, in denen ein wohnlicher Luxus sich mit Geschmack und Feincnipfinden vereinte. Vielleicht war in der Beleuchtung etivas zu viel getan worden; überall, an der Kassettierung der Decken, an den Wänden, in Winkeln und Ecken blitzten die elektrischen Lichter auf. Es gab kein trauliches, von lauem Dämmer erfülltes Plätzchen in diesen Gemächern. Aber die schönen Gemälde und Skulpturen und der Reichtum der übrigen Ausstattung wurden durch die Helle gehoben. Die Diener öffneten die Tür zum Speisesaal; die Herren schallten noch einmal auf ihre Tischführkarten und versicherten sich dann ihrer Damen. Der Gastgeber führte die Gräfin Frehlinghaus; auf ihrer rechten Seite saß Heros Arcnstein. Hammer thronte in einsamer Größe am Kopfende des Tisches. Das machte ihn verlegen; aber Fridolin Meyer hatte es so gewünscht; er hatte gern seine besonderen Ideen und der heutige Abend sollte eine besondere Ehrung für den Baumeister sein. Alles wies darauf hin. Hammers Stuhl war bekränzt; über ihm, an der Querwand, hing das Künstlerwappen, gleichfalls von Girlanden umgeben. Die Tafel war ein Blütenhain, und aus der Blumenfülle leuchtete das, Gold und Silber der Aufsätze und der helle Glanz des Kristalls hervor. Hinter den Stühlen der Gäste glitt der Schwarm der Diener auf und ab, alle in gleichmäßiger Livree; ein Haushofmeister dirigierte. Die Tischkarten enthielten zugleich das Menu, das mit Suppe von Schwalbennestern begann und auf mancherlei Etappen wie Forellen, Lammrücken ä lDrloff, Languste ä la Banderbilt und getrüffelten Puten zum gute» Ende des Desserts führte. „Gott bewahre", flüsterte sich Hammer selber zu, als sein Auge die Reihe der Weine überflog K Schloßabzüge wie den 1869er Cos d'Estournel, einen Hauti Brion aus dem Glücksjahre achtundsiebzig, ein Forster Freundstück von fünfundsiebzig und den Clicquot von vierundachtzig zusammen mit dem unbezahlbaren Pommery vom gleichen Jahre. Hammer beschloß, bet einer Sorte zu verbleiben; er wollte sich selbst zu Ehren nicht bett Wagen verderben SS und mein ist. Darinnen liegt er auf weinrotem Samt, rmd zuweilen nehme ich ihn heraus und unterhalte mich Mit ihm. Zuweilen schwinge ich ihn durch die Luft und lasse ihn flattern und denke Jahre zurück: so flatterte der blaue Schleier von Deine,n Hut, als wir durch die Bisinger Eichen ritten, im Frühling unseres Lebens, und der Fink sang." u hast Dich ausgesöhnt mit Deinem Geschick und willst es tragen. Da bist Du stärker als ich. Trotzdem: auch das .Leid bringt Süße. Ich wäre nach wie vor zu Dir gekommen; aber es häuften sich in letzter Zeit allerhand anzügliche Bemerkungen Deines Gatten, und sie hießen mich vorsichtig sein. Ich scheue ihn nicht, wenn Du es so willst. Doch unnütz zwischen Euch treten, das wäre törichter Fürwitz .. (Fortsetzung folgt.) Kiue Wikpferdjagd auf dem Wami.) Von Marinestabsarzt a. D. Dr. L. Sander. (Schluß.) Wenn auch tms Jüngeren das linglück nicht groß schien, der Kommandant machte doch ein ärgerliches Gesicht, und gerade zur rechten Zeit tönte mit den ersten Strahlen der ausgehenden Sonne über das breite, vor uns liegende see-, artige Becken des Wami das Schnauben einer, gleichfalls mit dem Frühstück beschäftigten Kibokofamilie*) herüber. Ta beeilten wir natürlich unser Frühstück, und so schnell und geräuschlos als angängig hievten wir die Anker, ließen uns vom Tampfboot in Schlepp nehmen und fuhren tliög- lichst in Deckung den Stroin hinauf. Still wie ein Spiegel, in purpurnem Blitzen das Licht der Frühsonne zurückwerfend, lag die weite Ausbuchtung des Wami vor uns, ringum umschlossen von Manglebusch, und Schilf, mit rotblühendem Lotos geschmückt. Uns gerade gegenüber eine Fiederpalme, über und über bedeckt mit den int leisen Morgenwind schaukelnden Nestern des Goldwebers, die wie mächtige Birnen von den zierlichen Blatt- rippen herabhingen. Hin und wieder flogen die goldgelben, munter zwitschernden Bögelchen, ungestört durch eine dicht neben ihrem Siedelbaum aus das Land gezogene Dau und deren schwarze Mannschaft, die fröstelnd um ein mächtiges Feuer herumhockte. Jetzt rundeten wir die Spitze- die uns bisher die Be- hemote verdeckt hatte, und nun sahen wir die mächtigen Häupter von Vater, Mutter und Kind, wie sie schmatzend und prustend die saftigen Wasserpflanzen ästen, ociß ihnen der grüne Saft stromweise aus den uugeschlachteit Mäulern troff. Aber sie scheinen schon die Bekanntschaft des lveißen Mannes gemacht und nicht eben Gefallen an ihm gefunden zu haben. Denn kaum kamen wir in Sicht, da tauchte auch schon der Bulle und die Kuh mit lautem Schnauben unter. Nur das Kalb klotzte uns noch eine kurze Weile dumm und *) Kibolv, der Negernusdruck für Nilpferd. „lind der Fink sang", wiederholte Freda träumerisch, „und damals war Frühling. Lieber Heros, die Zeit ist um. Damals nannte ich Dich nicht Heros, sondern nitr mein Held. Wir standen im Zeichen der Ritterlichkeit und des Mmnewerbens, lasen die,Ahnen' und Felix Dahn und waren Kinder. Aber glückliche Kinder, ich gestehe es zu. Ich weiß «och den Tag, als sei es gestern gewesen, wo ich den Stretfen vom Schleier abriß, und Du bargst ihn unter der Weste und ließest Dich auf ein Knie, trotzdenr es feucht war im Mose und Tein Pantalon perlgrau,^ und schwurst mir Urtreu — ach, mit wie schönen Worten! Solche Wendungen und Dir eigen geblieben; aber wenig mehr." „Freda, es schadet nichts, daß Tein-Ton scherzend wird und auch spöttisch; nur vergib, daß ich ilicht darauf ein» gehe. Es klingt auch mehr daraus als ein gefälliger Spott, und ich kenne Deine Stimme. Was tnir geblieben ist von früher und wieviel von Gutetn und Schlechtem, ich weiß es wahrhaftig nicht. Ich spüre nur eins im tiefsten Herzen: eine gallige Bitternis über die Weltvrdnung, die so ungerecht verteilt, daß sie den einen erstickt im Glück, und er Verdient es nicht, und den attdern läßt sie einsam werden, der mit dem Höchsten und Tiefsten rang, um zur Erkenntnis 3" kommen. Freda, ich hätte gewünscht, der Walsunger wäre ani Leben geblieben und schante auf einen Reigen blühender Sohne; da wäre mir der Schmerz des Zuspät erspart geblieben . . .vielleicht auch Dir", setzte er leiser hinzu. -ött solchen großen Gesellschaften, in denen die Unterhaltung auf und nieder schwirrt wie das Branden der See , ..udscmsen im Walde, achtet man nicht aitf ziveier Gespräch. Alan kann intim werden, ohne daß der Nachbar es merkt. Nur muß die konventionelle Maske das Antlitz decken, und man darf nicht flüstern. So lächelten auch Heros und Freda und sprachen weiter, halblaut freilich nur, aber es machte doch den Eindruck, als plauderten fte em Luftiges vom letzteit Lawn-Tentiis-Turnier üt Hom- ourg oder der Nordlandsreise des gräflichen Ehepaares. Heros", sagte die Gräfin, „es ging auch tnir so: ? erfuhr, daß Tu der Erbe des Walsunger geworden W,. da rtß etwas in meinem Herzen; und da stieg auch furchtbaren Bitternis in mir auf, von der Du sprachst, von dem verzweifelten Hadern mit dem Geschick, es ist dennoch ungerecht. Ich habe mir allein mein bereitet; ich bin schuld daran, daß alles so kam. sehnte mich m die Welt; ich wollte nicht in das klösterliche Stift wie die Schwestern; ich hörte zu viel auf die Mukter, die wie eme Mutter redete. Meine Jugend ließ Mich töricht sein. Ich hätte ausharren sollen. hi» leckte sich sanft über i „Schilt Dich nicht, Freda. Du warst noch zu jung. Und' Lektüre des Menüs. Es war em Pflichd- I ist weiß nicht, wie alles gekommen wäre, hättest Du den o;CJer?,f ' dber es schien doch, er ließ sich I Mut des Widerstandes gehabt. Ich kenne Deine Mutter. Du ^^"lbennester schauten freilich unheimlich I hättest auch auf ihre Liebe verzichten müssen. Aber was! tu..?, |ff)ntc(ttuit ifjm and) ttidjtj dvch tat er (o, afö I riifen tyir hie ^ScraaTtacnficit h)adi * WliL mirifpn intv 1111K genügten sie gerade seiuent Alltagsbedürfnis. Am meisten Ma sprachst D^nicht zuerst davoti?" ° Monierte ihm die Weinkarte. Er beschloß, keine @Jtte 5 WrÄffiX ab und nickte vorubergehen zu lassen; zit Ehren dieses Tages konnte man „Ja. Doch anders als Du, Heros. Ich bin über die Bitter- , Ij Wi^i^^" ^ugen verderben. — I feit hinweg; ich fühle den Stachel noch, aber er schmerzt Cousine, und tote ergeht e» ihr? | nicht mehr so wie einst. Ich denke viel an das, was zu- ’ Nachbarin, rückliegt, und freue minder weichen Stimmung die e^ »Nem, Freda, das ist es nicht, lieber die Jahre, da „Wäre er das, so würde auch der Götzendienst aus sein, «sau noch welle Rosen nufhob und einen Spitzenfetzen und den ich mit ihm treibe. Nein, Freda, der Zauber lebt em zerbrochenes Facherstuck und eine Kotillondekvration noch und wirkt stärker als je. Ich weile ungern in Wal- evr' r r !Pa3t^ je^ent LsfH^n vorzog, bin ich freilich hinaus, j jungen. Es gibt da Flecke, die an die Bisinger Heide erinnern. Ich habe m den Rarttatenkasteu meuter Jugend manche I an den Eichenwald und an die Trift unten am See. lind Dutnmhett geworfen und das Ganze dem Feuer geopfert. I dann fliegen meine Gedanken, und es wird mir wirklich r^te2L rl'^«?« Gewebes bewahre ich doch noch. I wieder der alte Frühling mit den brechenden Knospen und jL9 ”'e. tict .l «Pr.t9c« ’ das gehörte auch uicht dazu. I dem Finkenschlag und den Ritten durch Grün und durch HeU'grum gewesen, und dem Schleier gelbe Felder und der Rast an der Quelle oder der Buch- Min r,■,,»(?Akwh»fr,11 ■A£rr Fkttfchist geworden. ^ch habe I tnng. Wer die Erinnerung hat doch mehr Weh als Glück. EbentiMr m-h*?uö glanzendem | Tu klagst mich au, daß ich so lauge nicht bei Dir gewesen! und iltoin Wappen, das dem \ ich sei Dir fremd geworden. Freda, ich fühle ja doch, daß Du und ment ift - nicht anders willst. Meine Lippe hat nie ein Wort gesprochen, das Tu als eine Aufforderung betrachten könntest. Dein — Dein Los zt! wechseln. Aber mein Blick muß Tip mehr gesagt haben." „Er sagte mir alles, und ich wich ihm nicht ans. Doch auch mein Auge sprach und hat die Antwort gegeben." „Ich habe sie verstanden. Dein Auge sagte nein. Du — VS erstaunt an, bis es, offenbar durch einen mütterlichen Puff Unter Wasser über die Sachlage belehrt, eilfertig tvie ein gescholtenes Kind, auch seinerseits unter Wasser verschwand. Für einen sicheren Schuß waren wir noch, zu weit ab gewesen, und so ließen wir denn alle drei untertauchen, Vhne Dampf zu machen, obwohl wir in heftigem Jagdfieber unsere Büchsen an die Backe gerissen hatten. So ein Nilpferd zeigt im Wasser nicht viel mehr als Augen, Ohren und Nüstern. Die Kugel muß in dem kaum fußlangen Kopfteil zwischen Auge und Ohr sitzen, soll sie wirksam sein, und da verbietet sich ein Schuß auf werte Entfernung von selbst. Tie Dampfpinasse wird nun zurückgelassen, und geräuschlos treiben uns die Riemen der anderen Boote den Strom aufwärts. So gleiten wir unr eine zweite, in den wirrdungsreichen Fluß vorspringende Landzunge, rmd in der weiter: Brrcht verstreut erblicken wir mindestens zwanzig Häupter des edlerr Wildes. Noch sind sie 400 bis 500 Meter ab, aber das Jagdfieber hat uns ergriffen, mir schlägt das Herz- bis zunr Halse, sodaß die zitternde Hand kaum die Biichse halten kann. Aber da kracht eh: Schuß aus des Kommandanten Buchse ur:d ihm nach läßt jeder seine Kugel fliegen, daß das Wasser auffliegt, wie von: Hagelschauer gepeitscht. Und die Nilpferde? Unbeschädigt waren sie blitzschnell uutergetaucht und entzogen sich durch eilige Flucht rrnter Wasser dem Bereiche unserer Büchsen. Wir in der vermutlichen Richtung hinter ihnen her. Bald hier, bald dort taucht sekundenlang ein Haupt oder auch nur der Atemstrahl auf, und wieder Und wieder krachen die Büchsen mit stets gleichem Mißerfolg, bis unseren Ruderern die Luft ausgeht. Es war auch Zeit, denn die Aufregung war allgemach eine so allgemeine geworden, daß wir Insassen der Boote uns gegenseitig aufs höchste gefährdeten. Tie Nilpferde aber waren verschwunden, als wären sie nie vorhanden gewesen. Sie verstehen die Kunst, unter Wasser zu schwimmen, so ausgezeichnet, daß auch nicht das leiseste Wirbelchen ihren Weg verrät. So mögen sic denn unter uns lveggetaucht und stromab gegangen fein, ohne daß wir es merkten. Jedenfalls waren wir für diesmal die Gefoppten. Tie mitgenommenen Eingeborenen versicherten uns zu in Trost, daß weiter stromauf, .wo die Steppe beginne, gewaltige Herden Antilopen, Giraffen und Zebras weideten, daß sich in den Uferbäumen große Banden von Affen tummelten und der Fluß von Federvieh aller Art wimmle. Wir vertrauten ihnen und fuhren weiter den sich mehr und mehr verengenden Fluß hinauf. Mangrovewald und die wilde Oelpalme säumte zunächst die schlickigen Ufer, und Scharen junger Haie, kenntlich an der dreieckigen Rückenflosse, die spannenlang aus dem Wasser hervorragt, standen in den Buchten nahe dem Ufer, wo die Strömung träger lief. Bon den angeblich so zahlreichen gefiederten Bewohnern aber sahen wir zunächst nur Weberfinken, Tauben, Strandlänfer und Jägerlieste. Zwar belebten die in den buntesten Farben prangenden Webervögelchen und die über dem Wasser rüttelnden, metallisch glänzenden Lieste auf das angenehmste das trübe tzwün des Mangrovenwaldes und entzückten das Auge des Naturfreundes. Aber für den Jäger boten sie nichts erfreuliches; denn unser Sinn war auf Höheres gestellt, und wir fürchteten durch einen Schuß aus das bunte Gelichter das stolze Wild, das wir schon als sichere Beute betrachteten, unnütz zu vergrämen. Allmählich hob sich das Ufer, immer kürzer wurden die Bogen und Windungen des Flusses, schärfer trat die ausgehöhlte Stoßfeite gegenüber der flachen Ablagerungs- seite des Stromes hervor. Und mit der Erhöhung der Ufer vollzog sich auch ein Wechsel in der Pflanzen- und Tierwelt. Zuerst verschwanden der Schlick und die Mangroven, niedere Fächerpalmen, Mimosen, Akazien und hochstämmige Laubbäume traten an ihre Stelle, dazwischen Lichtungen und Blößen mit hartem, mannshohem Grase. Dre Bäume und niederen Strandbüsche waren durchwebt und überdeckt von Schlingpflanzen und prächtig blühenden Orchideen. Reicher und prächtiger, auch für das Jägerherz, wurde auch das Tierleben: rosenrote Flamingos standen fischend im flachen Wasser, weiße und schwarze Ibisse saßen auf trockenen Aesten oder Stammen über der klarer werdenden Flut, dazwischen die wunderbar zarten, weißen Edelreiher, und ihre rauheren, grauen Brüder und Vettern, und begrüßten uns mit mißtönigem Geschrei. Hoch oben vuf den Wipfeln der Urwaldriefen spähten mächtige Geier und Adler nach Raub aus, längs der Ufer strichen Sichel- fchnäbel und Brachschnepfen hin. Im Gezweig tummelten sich die munteren, gewandten Scharen der kleinen Meerkatzen, die Tombili, und über uns und um uns gaukelten Hunderte von bunten, prächtig gefärbten Faltern. Ein entzückendes Landschaftsbild und dabei eine Fülle von Wild, das uns sonst wohl eines Schusses wert gewesen wäre. Wir aber waren wie der törichte Mann des Märchens, der den Spatzen in der Hand fliegen läßt, um nach der Taube auf dem Dache zu greifen. Wir waren nun einmal aus das Großwild erpicht und achteten der bescheidenen Jagdbeute nicht, die uns sicher gewesen iväre. lind fast schien es, als ob unsere Hoffnung berechtigt gewesen, unsere freiwillige Entsagung mit Erfolg gefrönt werden sollte. Tenn als wir wieder einmal eine der weiteinspringenden Ecken rundeten, da stand in voller Größe, eben im Begriff, aus dem Wasser zu treten, den einen Borderfuß schon erhoben, um ihn auf den ins Urwaiddickicht führenden, tief eingetretenen Pfad zu fetzen, ein mächtiges Nilpferd vor uns! Nicht schießen! befiehlt der Kommandant. Schnell wird das Tinghh gelöst, der Kommandant und Signor Marquesini springen mit abgestochener Büchse hinein, des Kommandanten Gigsteurer wriggt das Bootchen lautlos vorwärts, und alles späht in höchster Aufregung nach dem immer noch bewegungslosen Nilpferd. Näher und näher chleicht sich das Boot von rückwärts in Deckung heran, äst gleichzeitig krachen die Büchsen der beiden Schützen m Boote, unmittelbar darnach folgt dröhnend eine Salve aus unserer Barkasse. Klatschend schlagen die Kugeln in die gewaltige Scheibe, das Nilpferd aber steht wie aus Erz gegossen, kein Schweiß entströmt den Wundlöchern! Noch näher, bis auf wenige Schritte, kommt das Tinghh heran, noch einmal dieselbe Kanonade, das Nilpferd aber rückt nnd rührt sich ebensowenig als zuvor! Und des Rätsels Lösung? Es war eben schon tot, gefällt von der heimtückisch verborgenen Lanzenspitze, die schwarze, mit den Gewohnheiten ihres Wildes vertraute Jäger in einen schweren Block gefügt hatten, der so über dem Austrittswechsel aufgehaugeu ivar, daß der Fuß des Tieres selbst den Halt auslösen und das schwere Eisen das Genick bis auf das Mark durchbohren mußte. Das Halsmark ivar quer durchschnitten, und der Tod mußte so unmittelbar eiugetreten fein, daß augenblickliche Starre die Glieder in der ■ Lage hielt, die sie beim Herunterfallen des Eisens gerade innegehabt hatten! So waren wir getäuscht worden und hatten allesamt das Tier noch für lebend gehalten! Doch nicht genug damit. Wir hofften wenigstens, uns Teile dieses Nilpferdes, Kopf, Zähne nnd Haut, letztere um Stöcke und Reitpeitschen daraus zu verfertigen, erwerben zu können, und gingen deshalb in der Nähe zu Lande. Als aber gegen Mittag die Jäger kamen, da dachten sie nicht daran, sich aus solchen Handel mit uns einzulasseu. Sie hofften wohl, ihr Wild anderweit besser verwerten zu können oder wußten den Wert des Geldes — denn wir hatten natürlich nur solches und keine Tauschwaren mit — noch nicht zu schätzen. Kurz und gut, wir mußten zusehen, !vie sie das Nilpferd richtig „ausschlachteten", nnd konnten nicht einmal weg, weil mit der Ebbe das Wasser weggefallen war und unsere Boote festsaßen. In meinem Aerger schoß ich nun doch noch einen Goldweber, und dieser spatzeugroße, goldig gefiederte Vogel war schließlich das ganze Ergebnis unserer Nilpferdjagd und ich damit Jagdkönig! Bedeutung und Ursprung unserer Tagesnameu. Studie von R. Zettler-Mieming. (Nachdruck verboten.) Wenn wir leichthin die Namen unserer Tage aussprechen, so denken wohl die allerwenigsten von uns daran, was diese Namen eigentlich bedeuten und besagen wollen, ja es wissen überhaupt die allerwenigsten, daß diese Namen eine gewisse Bedeutung haben und nicht nur einfache an sich bedeutungslose Sprachlaute bilden. Für die meisten ist Montag der Montag, Dienstag der Dienstag usw. und sie verstehen darunter eben die beiden genannten Wochentage, so gut wie unter jedem andern Wort das Ding, das es benennt. Die Namen unserer Wochentage haben nun aber einen tieferen Sinn und deuten in ihren zu ihrem heutigen Klange verschmolzenen Sprachlauten meist auf Begriffe ans der Heidenzeit unserer Vorfahren zurück. Da haben wir zuerst den Sonntag als den ersten Tag der Woche. Hier sagt schon der Sprüchlaut unschwer jedevt ■ÜAüUUl s UiW i i I ickl MW - 100 - Laien, bnß, wie es auch tatsächlich der Fall ist, das Wort Sonntag tn?n Sonnentag kommt, tote es atlch nach dem lateinischen dies solis, Sonnentag, richtig ist, da dieser dies solis von den alten Römern als unter der Herrschaft der Sonne als eines der sieben Planeten stehend gedacht wurde, nach denen, einschließlich Sonne und Mond, gegen Ende der vorchristlichen Zeit bei den Römern die einzelnen Wochentage benannt tvurdcn, welchem Modus trotz des heidnischen Beigeschmackes sich später auch die Christen nicht entziehen konnten. Bon den Römern ging diese Wochenrechnung auch zu den alten Germanen über, nur daß diese bei der Benennung der einzelnen Tage die fremden Götter zum Teil durch ihre einheimischen ersetzten, wie wir weiter unten sehen werden. ' c Sodann kommt der Montag. Auch hier ist der Ursprung deS Namens noch nicht schwer zu erkennen, denn Montag bedeutet eigentlich Mondtag, Tag des Mondes, und ist in allen germanischen Sprachen dem entsprechend. Int Althochdeutschen hieß er manintac, mittelhochdeutsch mäntne, englisch heute noch mondah, schwedisch mandag, dänisch maudag. Die Benenuung ist nicht ursprünglich, sondern bei der Annahme der oben be- sprochenen römischen Woche dem „dies lu.nae", Mondtag,, nachgebildet. Bei den Slaven ist der Montag eigentlich der erste Wochentag und heißt z. B. russisch pouedselnik, d. h. der Wöchentliche. Dienstag, der dritte Wochentag, lateinisch dies Martis, Tag des Mars, althochdeutsch diestag, mittelhochdeutsch zistac, bedeutet den Tag des altdeutschen Ktiegsgottes Zio oder Zin, der dem römischen Kriegsgotte Mars, nachdem er ursprünglich bettannt, entspricht, formell aber mit deut griechischen Zeus (Dios) zusammenhängt. Manche Etymologen leiten Dienstag auch von Ding oder Thing, d. h. Gericht ab, da dies der Gerichtstag bei den alten Germanen war; doch dürste diese Ableitung von Ding, Gericht, zn verwerfen sein, obgleich in ttiederdeutschen Urkunden und im Niederländischen (Plattdeutschen) die Form dingstag vor- kommt. In Altbayern geigelt sich vom 13. Jahrhundert an die Formen Eritag, Erchtag, Erichtag usw., welche mit einer zweiten Benennung des oben erwähnten altdeutschen Ktiegsgottes Eor, Ear oder Er zusarmnenhängen. Das Dialektwort für Erchtag heißt ja noch heute auf dem Lande „Jrta". Der Mittwoch, nach germanisch-romanischer Zählungsweise der vierte Wochentag, ist der einzige, der nicht einer mythologischen Beziehung, sondern einem abstrakten Zählungsprinzip feinen Namen verdankt, denn sprachlich kann das Wort Mittwoch natürlich nicht von der lateinischen Bezeichnung dieses Tages als dies Mercurii, Merkttrstag. stammen, von welch letzterer aber das heutige französische mercredi kommt. Unser heutiges Wort Mittwoch kommt von der mittelhochdeutschen Bezeichnung dieses Tages als Mittawecha. Uebrigens deuten die Bezeichnungen des Mittwochs in allen übrigen germanischen Sprach- stümmen sämtlich auf eine Beziehung dieses Tages zu dem altdeutscheii Göttervater Wodan oder Odin, wie das angelsächsische Wödanes day, daS holländische Woensdag, das flämische Goens- dag, das westfälische Godensdag, das altnordische Odhinsdagr (Wodans- oder Odinstag) und das dänische Onsdag deutlich dartun. An den altdeutschen Wodans- oder Odinstag erinnert ja noch heute der englische Name des Mittwoch Wednesday. Die Bezeichnung Mittwoch hat sich wahrscheinlich ans der Sprache der Slaven hereingedrängt, welche die Woche mit dem Montag beginnen, diesen als erften, Dienstag als zweiten, Donnerstag als vierten, Freitag als fünften, den Mittwoch aber als die Mitte (Sreda) bezeichnen. Der Name Donnerstag bekundet wieder eine rein mythologische Beziehung dieses Wochentages in von römischer auf altdeutsche Mythologie übertragener Bedeutung. Der Donnerstag, dies Jovis, (Jupitertag) der alten Römer, wurde beit alten Germanen zum Donarstag, wovon unser heutiges Wort Donnerstag. Dieser Tag war dem altdeutschen Donnergotte Donar heilig, der mit dem altnordischen Thor identisch ist. Donnerstag heißt also Donars- oder Thürs-Tag und Von Thorstag stamntt das heutige englische Thttrsday für Donnerstag. Die Eigenschaft des Donnerstags als fünfter Wochentag klingt noch heute aus seiner volkstümlichen Bezeichnung als Pfinztag oder Pinztag heraus, die Vom griechischen Pente, d. h. fünf, kommt, so daß also Pfinztag gleich Fünft-Tag bedeutet. Der Freitag, der sechste Wochentag, dies Beneris, d. h. Venustag der Römer, ist nach der altgermanischen Göttin Freia, der Gemahlin Wodans benannt, die, wie die römische Göttin Venus, die. Göttin der Liebe war. Daher auch noch unser deutsches Wort „freien". Freitag bedeutet also Freiatag und war dieser Göttin heilig. Der Sonnabend oder Vorabend des Sonntags, süddeutsch Samstag, der siebente Wochentag, hieß bei den Römern als dem Planeten Saturn heiliger Tag dies Saturnt und hiervon stammt noch heute das englische Saturday. So weit he der Vergangenheit liegt die Namenswurzel unserer heutigen Wochentage zurück. Das Busecker Tal. In den Familienblättern des „Gieß, Anz." vom 19. Januar über die Gebietsvergrößermig Hessen-Darmstadts in Oberhessen 1806 ist das in nächster Nähe gelegene Vusecker Tal, bestehend ans den Ortschasten Alten- und Großen-Buseck, Albach, Bersrod Beuern, Burkhardsfelden, Oppenrod, Reiskirchen und Rödgen nicht angeführt. Dasselbe war durch 20 Grenzsteine gegen Hessen-Darmstadt und Kassel, Solins-Lich und das Rabenauische Territorium abgegrenzt. Trohe ivar nach Aussterben der Familie von Trohe, welche zur Ganerbschaft des Busecker Tals gehört hatte, schon früher an Hessen gesallen. Das Busecker Tal war unmittelbares Kaiserliches Reichslehen der Vierer und Ganerben. Die seit dem 12. Jahrhundert dauernden Streitigkeiten mit den Landgraten von Hessen wurden am 19. Januar 1725 durch ein Reich-Hof-Rats Gutachten entschieden, welches die Bestätigung Ihrer Kaiserlichen Majestät erhielt. Die zwei wichtigsten Stellen lauten: 1. „Jhro Kaiserliche Majestät (erteilen) dem Fürstlichen Hause Hessen-Darmstadt, auf derhalbeii beschehenes gehorsamstes Ansuchen, Commissionem Caesaream perpetuam der- gestalten, daß selbiges Fürstliches Haus, Vierer und Gan- Erben mit dem unmittelbaren Kaiserlichen Reichst eh en, mit dem Bnsecker Tal fürhin von Fällen zu Fällen, nomine Cacsareo investire. 2. Mithin im Hess. Haupt-Lehens-Bries mit besonderer Bemerkung des Busecker Tals cum annexis, mit eingerichtet werde." Bis 1806 belehnte der Landgraf von Hessen nun die Vierer und Ganerben, als Stellvertreter des Kaisers, mit dem unmitiel- baren Kaiserl. Reichslehen des Busecker Tals. In Großen-Buseck war die Patrimonialgerichtsbarkeit der Ganerbschaft. — Die Vierer und Ganerben hatten das Recht, die schwarzgelbe Fahne zu hissen. Tie Abteilung der aus Justiz und Polizei-Verwaltung sich beziehenden patrimomalgerichtSherrlichen Gerechtsame im Busecker Tal erfolgte erst 1827, Für diese Abtretung zahlte Hessen den Freiherrn von Buseck eine jährliche Rente, welche 1902 abgeiöst wurde. Die sonstigen Gerechtsame als Zehnter, Jagd re. re. wurden im Laufe des vorigen Jahrhunderts abgelöst, ausgenommen ist nur die Fischereigerechtigkeit, welche noch den Freiherren von Buseck zusteht. Gießen. , Otto Frhr. von Buseck. * Er: „Da fahren die HighflyerS in ihrem neuen 16pserdigen Auto. Wie ich höre, leben sie weit über ihre Verhältnisse." — Sie: „Das stimmt. Alan hat mir erzählt, daß sie sogar über dis Verhältnisse leben, in denen sie sich gern befinden möchten!" Himigsprymenade. Nachdruck verboten. Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weiss mit einander verbinden, daß man — wie der König auf dem Schachbrett — stelS von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht. Auflösung in nächster Nummer. glück nicht zeit ist wenn den um sen ver gerne es fitip das laut und im Hel schwin den nur ver gute solche nennt de aber wahre bergen treu niß man die halten sremi mit ver des geheim vom bösen uns für bedächt' freun das vor fern sinne gern des walten theil Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummer! Ein jeder gibt den Wert sich selbst. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Stemdrnckereh R. Lange, Gieße«, se in m de Zi IUI ---!—