Ar. 10Z 1906 P B0f i H‘ ! 4 IS EWM'i ii ukMW M^i^WWMNA« ffiia ZN7M! Der Siern. Roman von Hirt ch F r a n k. Nachdruck s. (Fortsetzung.) „Also, Lncicchen, wie sah sie ans?" „Hat sie die Haare noch immer gefärbt?" „Rot sind sie, aber ich glaube nicht, daß sie sie färbt," bemerkte Fran Hiedler. „Sie sehen ganz echt aus, und der Teint und die ganze Persönlichkeit ... ich fand sie entzückend, und hatte nicht den Eindruck, daß sie zurechtgemacht sei." „Man sagt es aber doch," wendete eine Malerin hämisch ein. „Gott, man sagt viel, was nicht ivahr ist. Besonders über schöne Frauen." Fran Kapellmeister Hiedler, die ehemals Schauspielerin war und noch immer für sehr hübsch galt, erfreute sich nicht des besten Leumunds. Bedeutungsvolle Blicke wurden ausgetauscht. „Daun ist es schon besser, nicht schön zu sein." „Das ist nun Ansichtssache," erwiderte Frau Hiedler gereizt auf die boshafte Bemerkung der alten Jungfer. „Sie waren wohl auch in Ihrer Jugend dem nicht ausgesetzt." • Die Sache spitzte sich zu, die Situation wurde peinlich. Man kicherte und tuschelte sich kleine Malicen ins Ohr, als Fran Streitmann der armen Justizrätin zu Hilfe kam: „Sie wollten ja erzählen, ivas die Elton für Toilette hatte." „Ja, ja, ivas trug die Elton?" „Ein schwarzes, hohes Tüllkleid aus gebranntem Tüll, ganz leger gearbeitet; sehr duftig und luftig umfloß cs die hohe Gestalt und ließ jede Bewegung sichtbar werden." „Sie werden ja ganz poetisch, Frau Kapellmeister." „Das Schöne regt mich immer an." „Und was weiter?" rief Frau'Handtke hastig, um erneute Sticheleien unmöglich zu machen. „Lucie, vielleicht sprichst du auch ein Wort?" „Gott, Mama, alle Welt weiß doch, daß die Elton schön ist und sich gut kleidet. Da gibt's doch nichts Besonderes zu erzählen. Sie hatte übrigens 'ne weiße Straußenfederboa um, die sich jeder Mensch zu Weihnachten wünschen könnte." Alle lachten und die Justizrätin sagte: „Für weiße Straußenfederboas bist du zu einfach und bürgerlich, Lucie, das paßt für Künstlerinneu, für große Mondaines." „Ra, das hab' ich mir denken können! Della mal in so 'ner Boa zu sehen, mit großen Brillanten in den Ohren, das ist dein Ideal I Gleichgiltig zurückgelehnt in den Fauteuil, als kümmere sie die ganze Welt nicht, obwohl sie genau weiß, daß aller Augen auf sie gerichtet sind." „Gefeierte Künstlerinnen können sich das leisten . ." „Und manche andere auch, wenn sie auch nicht gefeiert sind", rief die Malerin boshaft, „sehr oft ist die Kunst nur ein Aushängeschild für ganz andere Zwecke." Frau Hiedler wurde blaß. „War sic allein?" suchte Iran Streitmann abzulenken. „Rein, der Wiltelsbach saß neben ihr." „Ach, natürlich. Er soll rasend verliebt in sie sein . . ." „Theresa und Lucie, wollt ihr nicht mit euren Wcih- nachtsarbeiten ins Wohnzimmer gehn, da seid ihr ungestört", sagte die Justizrätin. „Ach nein . . ." „Immer wenn's interessant ivird, schickt man uns weg", rief Theresa. Ein zurechtweisender Blick ihrer Mutter schüchterte sie ein. „Ra ja, Mama! Das ist auch wahr. Uebrigens wir gehen ja schon. Die Pantoffeln für Papa werden fertig werden, wenn ich auch nicht hören darf, wen der Wittelsbach jetzt liebt. Wir schwärmen nun mal alle für ihn, und es stickt sich gut beim Schwärmen." „Theresa ist ein Tollkopf", lachte Frau Hiedler und schlug die schönen Augen auf, über die Wittelsbach ihr einmal etwas Schmeichelhaftes gesagt hatte. Wenn die Damen hier es wüßten. Diese Vertreterinnen einer bürgerlichen Moral und Phi- listrosität, von der sie weit entfernt war. Sic kam nur her, weil ihr Mann es wünschte. Er hielt es vorteilhaft für seine Stellung, wenn seine Frau mit den sogenannten ehrbaren Kreisen Fühlung halte. Das war gut in der sittenstrengen Stadt, lind die Justizrätin Handtke lud sic ein, weil cs ihr klug erschien, zu dem Hause eines Kapellmeisters gute Bcziehmigen zu unterhalten. Seit ihre Nichte sich zur Sängerin ansbildctc, hielt sie sich gewissermaßen für verpflichtet, mit den musikalischen Kreisen int Verkehr zu sein. Bei Hicdlcrs traf sic immer interessante Menschen und fand weitere Anknüpfungen, die sie für ihre Nichte glaubte aus- nutzen zu können. Diese ahnte natürlich nichts von den Absichten ihrer praktischen Tante. Für sie war das Studium eine große und heilige Aufgabe. Hohe künstlerische Ziele zu erreichen, war sie auserkoren, und sie fühlte, daß sie mit nimmer ermüdenden Kräften darauf zuschreiten müsse, daß der regste Eifer, der tiefste Ernst aufzuwenden seien, um dahin zu gelangen. Schon nach den ersten Stunden bei Rciuzoni war sie sich dessen bewußt geworden. Mit dem tändelnden, leichten Spiel war's vorüber, mit dem sie bisher ihre Stimme behandelt hatte. Singen, sich selbst zur Lust undi 406 Freude oder um die Eltern zu erheitern, den Freunden eine niigeucljuie Zerstreuung zu gewähren, in Tönen aus- ströpten zu lassen, was das junge Herz bewegte, das durfte nicht mehr sein. Seit man die außergewöhnliche Schön- Ijeit und Größe ihrer Stimme erkannt hatte, gehörte diese nicht mehr ihr selbst. Der Welt war sie sie schuldig, der ganzen Welt und der Kunst. Sie hatte das einsehen gelernt. Da es nun einmal sein sollte und mußte, so widmete sie sich mit voller Hingabe ihren Studien. Die Tante erzählte ihren Gästen soeben, wie fleißig ihre Nichte Della sei und daß sie es eigentlich geluefeu, die sie entdeckt habe. „Ick bitte Sie, meine Damen, Sie können sich denken, Bernstadt ist ein Nest, aber schön gelegen. In Schlesien, mitten im Gebirge. Im Sommer ganz besonders reizend. Und nun bat meine Schwester, die an den dortigen Kantor und Lehrer verheiratet ist, wir sollen doch einmal hin- kommen, ich und Lueie, es war vor zwei Jahren, nach dem Tode meines seligen Mannes." „Bitte! Fran Rätin, erzählen Sie doch weiter", sagte Frau Streitmann und nahm ein Sandtörtchen, das sie mit schnalzender Zunge verkostete, „es ist so interessant, über den Entwicklungsgang und die Vorgeschichte einer Künstlerin etwas zu höreu." „Und eine große Künstlerin wird Delta sicher werden. Das habe ich damals gleich zu meinem Schwager gesagt. Ich nahm nämlich die Einladung meiner Schwester nach Bernstadt an und fuhr mit Lueie hin. Es war ein prächtiger Sommer. Das kleine Oertchen mit seiner Ruhe, so recht gemacht für trauernde .Herzen. Lueie fand an Della eine gute Gefährtin, und um mich waren Schwager und Schwester in herzlicher Liebe bemüht. Es sind so gute, schlichte Menschen", fügte sie ein wenig herablassend, hinzu, „und die Einfachheit ihrer Sitten und Gewohnheiten tat mir wohl." „Wie merkwürdig, daß Ihre Schwester den Kantor einer kleinen Landgemeinde geheiratet hat, während Sie selbst, Iran Justizrätin, in so hoher gesellschaftlicher Stellung lebe»?' glaubte Iran Heiter zwischen Kompliment und Anzüglichkeit bemerken zu müssen. „Dabei ist doch nichts Merkwürdiges", sagte die Kapellmeisterin. „Es machen doch nicht alle Menschen gleiche Partien, und es gibt ja auch Mädchen, die gar nicht heiraten." Frau Direktor Streitmann, die gutmütig und behäbig den Spott der Malerin über diese Aeußerung fürchtete, sagte mit breiter Stimme: „Wir wollen doch unsere liebe Wirtin nicht immer mit Zwischenfragen unterbrechen, sonst bekommen wir die Geschichte nickt mehr zu hören heut', und das wäre schade; aber eins muß ich noch vorher fragen — die wundervollen Sandtörtchen . . . delikat. Nehmen Sie rohe oder gekochte Eier dazu und verrühren Sie die Butter zur Sahne oder zerlassen Sie sie?" Sie schob wieder eines der Törtchen in den Münd, „das Rezept müssen Sie mir geben. Woher haben Sie es nur? Niemand in ganz Dresden bäckt solchen Sandteig." „Ich habe es von meiner Schwester. Es ist die Masse, die zu den Bröckeln des schlesischen Streu ßelkuchens verwendet wird." „Ach, von der Fran Kantorin? Ja, aber . . . Wieso ist sie denn eigentlich wirklich nach Bernstadt gekommen?" 1 vi (Fortsetzung folgt.) 157 Jage korsischer Mauömölder. Erinnerungen an Korsika. Nach eigenen Erlebnissen ausgezeichnet von Adolf T i c m a n n, (Nachdruck erwünscht.) (Fortsetzung.) Hat nun Dame Faggianelli dem H. etwas vorgelogen, tim Geld zn machen, oder hat pp. H. die pp. Faggianelli resp. den Sohn bewogen, jene Aussage zu machen. Interessant ist, daß einmal Mutter und Sohn besprochen haben, sie müßten sich trennen, da die Mutter den Sohn nicht ernähren könnte, worauf letzterer geantwortet hätte, er werde schon Wege finden, seinen Unterhalt anfzubringen. Nach drei Monaten meldete sich Dame Annoneiade Faggia- neUi beim Gericht und erzählte, sie wäre zu ihrem Beichtvater beichten gegangen und hätte diesem gestanden, daß ie im Januar' die Unwahrheit gesagt hätte. Dieser hätte hr zugeredet, ihr Gewissen zu erleichtern, und so sagte le denn aus, daß sie mich um 9 Uhr vormittags am 30. Dezember den Direktor M. ans der Salariostraße hätte verfolgen sehen. Sie fügte hinzu, ihr Sohn und zwei Hirtinnen hätten gesehen, wie ich den Berg herabgekommen wäre. Diese beiden Hirtinnen, die sie mit Namen nannte, wurden wochenlang von der Polizei gesucht und nicht gefunden. Endlich fand man sie doch, und sie sagten aus, daß sie mich nicht gesehen hätten. Doch nun kommt die Apotheose des Feenstückes, iuie sich Advokat Decori ausdrückte. Dame Faggianelli hatte verschiedentlich versucht, als sie gehört halte, daß der Sohn des Ermordeten zu den Verhandlungen wieder nach Ajaccio gekommen war, diesen im Hotel de France in Ajaccio zu sprechen, da sie ihm Wichtiges mitzuteilen hätte. Da der Sohn des Direktors nicht korsisch versteht, wies er Dame Faggianelli an das Saalfräulein Anna Munch. Ihr, wie auch ' später vor dem Gerichtshöfe, erzählte Dame Faggianelli, es wären zu ihr zwei seingekleidete Herren gekommen und hätten ihr 3000 Fr. geboten, wenn sie zugunsten des Angeklagten aussagte. Sie wird nun gefragt, wann die betreffenden Herren bei ihr gewesen seien. Antwort: „Ich weiß das nicht mehr." Stach vielem Hin- und Herreden zur Auffrischung ihres Gedächtnisses erinnert sie sich, daß der Besuch in den April gefallen wäre. Meine Brüder waren aber im Februar und Juni in Korsika. Da sie mich, den sie nur an.s der Entfernung gesehen halte, nach fünf Monaten wieder erkannt hätte, müßte sie auch die beschreiben können, die mit ihr Auge in Auge gesprochen hätten. Nach längerem Zögern kommt sie mit einer Beschreibung heraus, die gar nicht paßt, denn ich Bitt klein, meine Brüder sind groß, ich habe noch volles Haupthaar, meine Brüder haben kcins mehr aufzuweisen. Als meine Brüder ihr gezeigt werden, erkennt sie diese nicht wieder. Als mein Verteidiger Dame Annouciadc fragt, zu welchem Zwecke sie den Sohu auf- gesncht hätte, ist ihre Verlegenheit noch größer. Und eine solche Zengin, deren Meineid handgreiflich war, hat man nicht sofort verhaftet! Ja, man hat ans die Aussagen solcher Personen 20 000 Fr. Gerichtskosten anfgewandp um die Ehre eines unbescholtenen Preußen zn vernichten, für den Schulprofessoren, Pastoren, Rechtsanwälte, Gerichtsräte ihre Hand jederzeit ins Feuer gelegt hätte. Dieser 13jährige Bube Faggianelli nahm meinem Rechtsanwalt Decori gegenüber bei seinem Verhöre eine- solche Stellung au, daß letzterer bemerkte: „Der Bursche will mir wohl noch drohen", und als ivir am Abend nach meiner Freisprechung in einem Cafe Platz nahmen, drängte er sich heran, sodaß Rechtsanwalt Decori den Beugel durch Geheimpolizisten entfernen ließ. Basiiancr Knaben haben ihn daun wenigstens gehörig durchgeprügelt. (Fortsetzung folgt.) . ..... Die Geschichte der Wertagsöirchsiarrdkung Gmil Msth in Aießtn. Am 15. Juli d. I. find 30 Jahre vergangen, seitdem Herr Otto Roth, der jetzige Inhaber, das Geschäft übernahm. Aus diesem Anlaß dürften nachstehende Mittcil- ungeu über den bedeutenden Verlag vielen unserer Leser willkommen sein. Die Verlagsbuchhandlung Emil Roth würde im ^ahre 1822 durch. B. C. Ferb er zunächst als Sortimentsbuchhand- lüttg gegründet. Nach Ferbers 1844 erfolgtem Tode trat Hessen Witwe Dorothea Ferber geb. L'Mlemand, 1846 in eheliche Verbindung mit Emil Roth aus Weißenburg a. Sand tu Bayern. Dieser leitete das Geschäft unter der Firma „Ferbersche Un i v ers it ä t s b u ch h an d lun g (Emtl R o t h)" weiter. Durch den Anfang 1860 erworbenen Verlag von Alexander Pabst und Karl Wilhelm Leske in Darmstadt lenkte er in den Uebergang seines Sortiments- zum Verlagsgeschäft ein. Einen ferneren erweiterten Aufschwung erfuhr die Geschäftsfirina durch ihre in den 1860er Jahren vollzogene Verbindung mit zwei Gelehrten von bedeuteiwem Ruf, nämlich mit den Herren Professoren Jak. Molescyoir in Zürich, später in Rom, und Geh. Jnstizrat Professo Dr. v. Schulte in Bonn, deren Werke in jener Seit em berechtigtes Ansehen genossen. Bis zum Jahre 1864 puP-t Emil Roth das Doppelgeschäft: Sortiments- und Slerlags- buchhandlung weiter; von da ab übertrug er ersteres seuu> Stiefsohn Wilhelm Ferber in Gießen, während die Verlags buchhaudlung von ihm unter der speziellen Firma „Eim 407 N o t h" weitergesührt und immer vielseitiger ausgebaut wurde. Ms Emil Roth im Jahre 1876 aus dem Leben schied, toar seine Firma im Verlagsbuchhandel weit über die Grenzen des Großherzogtums Hessen hinaus zu riihm- lichem Ansehen imb hervorragender Bedeutung gelangt. . Jni genannten Jahre ging das Geschäft von „(Smit Roth" auf desseu einzigen Sohn Otto Roth über, der die Firma des Vaters beibehielt. Inzwischen hatte die neue Zeit, namentlich durch die Wiederausrichtung des Deutschen Reiches, durch die veränderte Stellung der Einzelstaaten zum Gesamtvaterlande, durch die einschneidenden Reformen in der Gesetzgebung, in der Kreis- und Gemeindeverwaltung, in der Verwa'l- tung und Umgestaltung des Unterrichtsweseus auch au den Ver'lagsbuchhandel nene und erhöhte Anforderungen gestellt; es galt, mit sicherem Blick auf dem Gebiete der Literatur die Lücken zu erkennen, welche sich bei dem Ueber- gauge in die neue Zeit auf dem Felde der Belehrung und des Unterrichts mit Bezugnahme auf die veränderten politischen und sozialen Verhältnisse eingestellt hatten. JUs- besondere waren in den 1870er Jahren die Errungenschaften des hessischen Schulverlages, bezw. die literarischen Unternehmungen für den Unterricht, auf ein Minimum herabgeschmolzen. Ms daher im Jahre 1874 mit Einführung des neuen Schulgesetzes auch das Bedürfnis nach zeitgemäßen Unterrichtsmitteln für die hessischen Volksschulen eintrat, war das neugebildete Großh. Ministeriuni des Innern und der Justiz, Abteilung für Schulangelegen- heiten, genötigt, bei dein gänzlichen Mängel an geeigneten hessischen Schulbüchern auf preußische, sächsische und andere außerhessische Verlagsbuchhandlungen für den Bezug von Lehrmitteln für die hessischen Volksschulen hinzuweisen. Die Summe, welche damals und in der Folge den: hessischen Buchgewerbe (Verlag und Sortiment, Buchdruck, Buchbinderei ufw.) verloren ging, rcsp. in das Ausland floß, war sehr hoch. Eine ähnliche Tatsache hat sich in dieser unverhältnismäßigen Ausdehnung in keinem andere:: deutschen Staate gezeigt. Die Einführung der norddeutschen Schulbücher im Groß- Herzogtum Hessen war jedoch auch nach der didaktischen Seite hin nicht glücklich. Schon nach kurzem Gebrauch zeigten sich allerlei damit verbundene Mißstände und Un- zuträglichkeiten, und ans der Mitte des hessischen Lehrer- stanöes gab sich in erster Linie das lebhafte Verlangen kund nach Beschaffung eines Lesebuchs für die hessische Volksschule, welches, weit entfernt von einseitigem, überwundenem Partilularismus, den historischen Verhältnissen desHessen- landes Rechnung tragen, die heimatlichen Anschauungen ergänzen und berichtigen und den Anschluß an das große Gesamtvaterlaud in Bild und Wort Pflegen sollte. Diese Stimmung gab dem Inhaber der Firma Emil Roth die Anregung, mit praktischen hessischen Volksschulmännern in Verbindung zu treten und den Plan zu entwerfen zu einen: den: amtlichen Lehrplan eicksprechenden Lesebuch, das die Verfasser mit dem Erscheinen einer „Hessischen Fibel" einleiteten. Diese liegt heute in der 36. Auslage, deren jede in 10 000 Exemplaren erschien, vor. Hieran reihte sich in aufsteigender Folge Pas „Hessische L e s e b u ch", das in vier Ausgaben (A, B, C, D) in einer Reihe von Auflagen, jetzt in neuester Rechtschreibillig, in saft allen Schulen des Großherzogtums in segensreichen Gebrauch genommen ist. Die pädagogische Presse des Jü- und Auslandes hat den hessischen Lesebüchern sowohl nach der pädagogischen Seite hin, wie auch wegen ihrer vorzüglichen 'Ausstattung einstimmig ihre Anerkennung entgegengebracht i:ub sie als mustergültig unb den besten Leistungen auf biefem Gebiete als gleichwertig bezeichnet. Als Schlußstein haben bic Verfasser bes hessischen Lesebuchs noch bas „Hessische Lesebuch für Fortbildung s s ch ulen" bearbeitet. Dies Buch ist von acht deutschen Schulmiuisterien zur Einführung empfohlen worden, liegt bereits in 3. Auflage vor und genießt eine beachtens- werte Verbreitung in Hessen wie im Übrigen Deutschland. Für außerhessische Schulen wurden einige Lesestücke, die speziell für hessische Kinder bestimmt sind, weggelnsfeu und durch solche von allgemeinem Interesse ersetzt und dadurch das „Deutsche Lesebuch" geschaffen, das ebenfalls allseitige Anerkennung gefunden hat und sogar in verschiedenen deutschen Schulen des Auslandes eingeführt ist. Einen gleich glücklichen Griff tgt die Emil Rothsche Verlagsbuchhandlung mit der gründlichen Umarbeitung des schon von dem Gründer des Verlagsgeschäfts erworbenen „Niepothscheu Rechenbuches", das bereits in 19. resp. 23. Auflage in zwei Ausgaben (A und B) erschienen ist. Ein vortreffliches Werk, das nach den Urteilen pädagogischer Fachn:änner den besten Rechenbüchern, welche die deutsche Schulliteratnr aufweise, zur Seite steht. Auch diesen: Werke dient noch als Schlußstein das „Rechenbuch für Fortbildungsschulen", das zugleich einen Wegweiser darbietet zur Einführung in die soziale Reichsgesetzgebung. Um ihre:: Schulbuchverlag, soweit er sich auf die Unterrichtsgegenstände der Volksschule bezieht, vollständig auszugestalten, trat der Verleger Otto Roth noch mit einen: nach den neuesten Forderungen der wissenschaftlichen Pädagogik bearbeiteten „Re alten buch" auf de:: Plan. Ter vortreffliche Lehrstoff des Buches, der sich auf sieben einzelne Hefte verteilt und durch zirka 400 Illustrationen belebt ist, wird in so ansprechender und musterhafter Weise dar- geboten, daß das Werk sich schnell, nicht allein in den hessischen, sondern auch in vielen außerhessischen Volksschulen eingeführt hat. Füge:: wir noch an, daß der Rothsche Verlag auch in der Kartographie in der jüngsten Zeit große Ausdehnung gewonnen hat und besonders in bei: Schulwandkarten des Prof. Wämser (Hessen, Deutschland, Europa), in den Haud- karten und Kreiskarten desselben Autors, hervorragende kartographische Leistungen aufweist unb en blich noch ein sehr empfehlenswertes Werkchen in „D ölls Lieber- sammlung", sowie Kleins Biblischer Geschichte besitzt, so bürfen wir sagen, baß bie Verlagsbuch- handlung Emil Roth sämtliche Unterrichtsgegenstände, welche das hessische Volksschulgesetz vorschreibt, mit 'Ausnahme von Turnen und Zeichnen, in anerkannt vorzüglicher Weise vertritt und mit Recht auf den Namen eines „hessischen" Schulbuchverlags Anspruch machen darf. Tie beste Anerkennung für die Tüchtigkeit gerade des Pädagogischen Verlags wurde der Firma Emil Roth auf der Weltausstellung in St. Louis durch bie Zuerkennung ber Goldenen unb der Silbernen Medaille für Pädagogik, Schulbuch und Lehrmittel zuteil, ein Beweis, daß die Schulbücher der Firma Roth in ber gesamten Schulbuchliteratur zu be:: besten gehören müssen. — Die Verlagsbuchhandlung Emil Roth wird nicht mit Unrecht als hessische Verlagsbuchhandlung par excellenee angesehen, weil ihr Inhaber alle literarischen Unternehmungen, welche darauf gerichtet sind, neben ber Begeisterung für bas große Vaterlanb bie Liebe zur engeren Heimat, bie Treue zum angestammten Fürstenhaus, bie Anhänglichkeit an hessisches Lanb unb hessische Leute wachzuhalten mit ausgesprochener Vorliebe unterstützt und zum Mittelpunkt seiner Verlagsunternehmungen genracht.hat. Der Verlagskatalog weist eine stattliche Reihe von Verlagswerken auf, bie sich ohne Hervorkehrung eines einseitigen Partikularismus in milder Form in den Dienst der Pflege unb der Erhaltung ber Gefühle für Heimat unb Vaterland stellen und denen seitens des hessischen Volkes allzeit eine außerordentlich freundliche Beachtung zuteil geworden ist. Von größeren Unternehmungen bes Verlags seien noch angeführt: die hervorragenden Verlagserscheinungen ber Jurisprudenz unb ber Staatswissenschaft, bie weit über bas deutsche Reich hinaus ihre Erfolge gefunden haben, so bie „Fuchsbergersche:: Entscheidungen", bie rechtswissenschaftlichen Werke bes berühmten Univerfitäts- prosessors Geh. Justizrat Gareis, bie Lehrbücher bes Kirchenrechtslehrers von Schulte unb in neuerer Zeit bie Er- scheinungen des bekannten Nationalökonomen Prof. Dr. Biermer. Ferner auf dem Gebiet ber Medizin und Naturwissenschaft bie Werke eines Moleschott, Ludwig Büchner, Eckharb unb Kehrer, bie ben: Verlage bei: Namen einer bedeutenden Verlagsbuchhandlung im deutschen Buchhandel verschafft haben. Neben der Wissenschaft ist auch bie schöne Literatur" nicht zn kurz gekommen, wie bie Gedichte des Waldpfarrers Knodt, das Goethebrevier des Prof. Heinemann, Schlägers. Schillerworte, die vaterländischen Romane von Bechtels* Heimer, Becker und Bnxbanm zur Genüge dartun. Aber auch in den deutschen Familien ist der Verlag von Emil Roth durch seine Jugendschriften gern gesehen; hat doch kaü:n ein Jugendbuch sich einen solchen Famen gemacht 408 — der edlen Sache des Feuerlöschwesens in vorzüglicher Weise Vermischtss. Auflösung in nächster - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm UnwersilätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, ®,e6flU Redaktion: Ernst Hetz. wie das auf Gitterrätsel. Nachdruck verboten. , «MtPtt Spiritisten am Zarenhüfe bald ebenso unterrichtet sein wie scheinschnlidts „Im Forsthaus Falkenhorsund neuen «p bie beäykürzlich verstorbenen, vorausgesetzt,. daß IU,.r „ .xft'in tfntftM. aber aut gepflegter *ulLU\........ neuen Vertrauten, tote er lernet« In die Felder neben« stehender Figur sind oie Buchstaben a a a a a, c c, d d, e e e o, gg S & h h h, i i i i, 11, n n, 1 r r r r r, s s a s, t t 11, w w derart einzutragen, daß die senkrechten m>° ivagerechten Rethen gleich lautend Folgendes ergeben. I. Angesehene Körper« schuft. 2. Ort in den Rhent« landett. 3. Provinz in Kaukasien, . Nummer. der Zar nicht vorzieht, seinen neuen Vertrauten, tote er seiner- ,e;t i„it Mr Philipp tat, ettte gewisse Zett auf Reisen zu schicken, nichtsdestoweniger jedoch den lebhaftesten Verkehr mit ihm zu «Erhalten.^ beutfd)i, der Zeitschrift des Deutschen Sprachvereins finden toir folgende Mahnung: -Me Reisezett hat Üfiuujwim’ i SR„ ra.xMtnlheH hierbeit IN heil -STI[ nähre 1904 gliederte der Besitzer Otto Roth seinem Verlage eilte Neugründung au, die, wiederum dem MH* scheu Schulwesen dienend, die weitgehendste Beachtung auf sim senkte die .hessische 8 eh r in rttel an st a l t . Welch glücklicher, zeitgemäße Griff diese Gründung bedeutete, zeigt das schnelle Aufblühen der Lehrmittelanstatt. Sie umfaßt jetzt 10 Ausstellungsräume für eine perma- nente Lehrmittelausstellung und darf sichm ihrem Aufbau und ihrer Ausstattung denvedeutendsten Lehrmrttest anstalten Deutschlands an bte Sette stellen. Die Lehrer schäft des Großherzogtums bringt dem Unternehmen volle Sympathie entgegen, sodaß demselben in kurzer Zett eine Schere Zukunft geschaffen werden konnte. , „ r, Verlagsbuchhandlung sowohl wie Lehrmittelanstalt haben sich unter dem jetzigen Besitzer zu solcher V^detlt- ung entwickelt, daß der Historiker, der ettte Kulturgeschichte des Großherzogtums Hessen schreiben wollte, beide Institute . den Faktoren hinzurechnen müßte die wesentlich^ zu , der geistigen Entwicklung des Landes mit haben beitragen helfen. Mode. Unter bett zahlreichen vorhandenen Mptwnblättern nimmt ttnftreitia die im Verlage von Franz Lipperheide, Berlm, erscheinende Zeitung „Die Mo den wett" den hervorragendsten Platz ein. In alle modernen Sprachen übersetzt, ist sie litt wahren Sinne des Wortes ein Weltblatt, das überall da, wo bte Fran eilten praktischen, guten Ratgeber braucht, zu finden ft. De soeben erschienene Nr. 19 bietet in ihrem reichen Inhalte w chmackvol e Toiletten jeber Art, mit all bem unentbehrlichen Ben werk, das jede Toilette noch besonders elegant erscheinen laßt Den Kindern ist ein besonderer Teil gewidmet, ebenso den besten' Handarbeiten. Klare textliche Erlänterungeit, wie zahb reiche Schnitte und Mustervorzelchnungen erletchtertt das Nach- arbeiten jeglicher Vorlage auch jur ungeübte Hande. Em unter baltutigsblatt, in dessen Spalten auch die Leserinnen mit dankens wertet?Beiträgen zu Worte kommen, sorgt für mteresfantc- Lektüre. Ein farbiges Modenpanorama liegt der Nilmmet ebenfall b- . Trotz dieses reichen Inhaltes, ist der vterteliahrltche Wonne menispreis von 1.25 Mk. so minimal, das; bte fett 186a bestehend Modemvelt jeber Dame auf bas wärmste empfohlen werden kamt. _____________ Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Hosen, Rosen. * Ein neuer Spiritist am Zaren Hose. Zar Nikolaus II. ist ein großer Anhänger bes Spiritismus sowie der metaphysischen Wissenschaften, treibt ttboch feine et übten zumeist ganz allein oder nur m Gegenwart^der Zarin Alexandra, während zu bett spiritistischen Sitzungen nur wenige Personen aus bet nächsten Umgebung bes Zaren hlitzu- gezogen werden, betten er absolutes Vertrauen schenkt. Ilm aber jederzeit einen sachverständigen spirtttstnckM Berater für den Zaren bei der Hand zu haben, werden Fachmänner an den Zarenhof berufen, und wenn der betreffende sptrtttft nach em- gehender Prüfung in jeder Beziehung für gut befunden wird, dann wird er der Vertraute des Zaren, und tu lewelligen PalaiS untergebracht, das der Zar bewohitt. Der letzte Spiritist war Mr. Philipp. Nach seinem kürzlich erfolgten Tode , wat man gezwungen, sich nach einem neuen Spiritisten umzusehen, mW es scheint jetzt, daß ein gewisser Dr. Papins den Vorzug, .genießen wird, bett freigeworbenen Posten zu bet leiden. Wenigstens pflegt bet Palastkommanbant, General D. F. Ttepow, bereits seit mehreren Tagen sehr lebhafte Unterrebungen mit diesem jetzt im Schloß zu Neu-Peterhof weilenden Spirtttüen. Wenn inan bedenkt, welchen enormen Einfluß der letzte Hof- spiritist, Mr. Philipp auf bett Zaren Nikolaus und den Gang der Regierungsängelegenheiten in Rußland hatte, dann wird, es nicht tormdernehmen, daß das neuerliche Austauchen einev Spiritisten am Zarenhose eine gewisse Beunruhiguiig unter bin Hof- beamten hervorruft, ba diejenige Hofpartei * ’Ä schätzendes Machtmittel tn die Hand, bekommt, dw den spintlsti- schen Beratet des Zaren für sich getvlnnt. Interessant ist, dap bet iemeifioe iritift zumeist inkognito IN der nächsten Nahe ms Z^ren weitt°wi? überhaupt der Pawstkommanbant bie Aufgabe hat, dafür zu sorgen, baß bie Tätigkeit des Hoffpirttlften unb sem Verkehr mit dem Zaren selbst vor beit Hofleamten geheim gehalten wirb. Doch nm Hofe bes Zaren Ntkolatm II. ist es, zumal jetzt, mit der Geheimhaltung nicht, sonberltch gut bestellt, und so darf matt erwarten, baß man über bte Tätigkeit des WWW An gu gepflegter Zwei« des Verlages, lvelcher der persönlichen Vorliebe be,’ ' Bitzers enflPEg, ist der bereits sechs , Nnnimern um- fassende Führerverlag „R o t h s i l l n stete t t e r In ) > L., r;rß s[e ßeut $ er (aq zngefügte Oden tu aldg tu p P e zweig, Pädagogik und Schnlbuchet, hat sich Der -mag oeaonnw- Mausziehen in bte herrliche Alpenwelt, auch WW u*» *«*' •*** «*•» M ®ie stattliche Reihe der Berlagstinterneytnungen gibt Kiemen, ? bet Lanbessptache aber nur int Notfälle, wenn sie und mit Recht darf sie sich als dav erste und größte r'^en vaoe tu? t Lanbessptache gerabebrecht: es wat dies laasinstitiit des Großherzogtums Hessen bezeichnet . I bahnsch u o Sprachverein und seine Zeitschrift noch nicht : 10 St Jahre 1902 erwarb der Besitzer Otto Roth die die Zett als zitter sm «wir^ mir noch nicht das Gewissen , Bereits im 20. Jährgatige flehende „Hessische Feuer- | hatten. Später und nahezu seit Grui.dung des Ler- wek>r zeitung" imb vereinigte sich unter der Firma ? e|n^ meine Anliegen in den Gasthofen mtd tm Verkehr V-tlaa der Hessischen Feüerwehrzeitung (Kindt & Roth) it und Eisenbahn grundsätzlich stets m deutscher Sprache MMWMWW MMMSWZ der edlen Sache des Feuerlöschwesens tu vorzüglicher Wmse dort in ö emo v Angabe seines Wohnortes in Klammern das bient. ......... .... M Ä. MM W.L *•» N» bÄ'US nötig schien, das Land zu bezeichnen, m dem bte grobe Stadt mit mehr als 30 000 Einwohnern. liegt, konnte er doch m Deutschland" oder „int Deutschen Reiche" sagen, wies hattt der Wirt ober etwa bie Ortsbehörbe ebensogut verstanden. Wollte der Schreiber etwa attdeuten, daß er nicht allem von wett her sei, sondern auch das Französische verstehe? . Wte klein. Ha te er doch au das Wort gedacht, das einst Heinrich v. Ttettschke ausgesprochen: „Die deutsche Zukunft wird davon abhangen, ’ ‘ viel Menschen dereinst auf der Erde deutsch reden. Denn ist gewiß wahr, und dabei kommt es auf den elnzttnen, jeden einzelnen an. Darum sprecht deutsch! i < i t 1 j t i c t i k c s i 8 l i i i 1 t S c 8 b