1906 i® Wi 1 8 TW ||S ML ^WM^WW KKUWWr $;■ -Wk Mittellos« Mädchen. Roman von H. E h r h a r d t. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die schmutzigen Treppen, die geschmacklos gemalten Wände und Decken, von denen überall schon der Mörtel vbbröckelt, sind am Tage Ruths Entsetzen — sie vermag such nicht, sich mit den schmutznasigen Kindern des Hinterhauses abzugeben, wie Suse das mit Vorliebe tut, meil ihre frühreife Keckheit, ihre halb unbewußte Verdorbenheit sie köstlich amüsiert. Ruth wäre im stände, sich für einen Menschen völlig aufzuopfern, wenn es gälte, ihn an Leib oder Seele zu retten, aber darüber zu lachen, wenn ein vierjähriger Bengel auf eine liebevolle Frage mit einem gemeinen Schimpfwort erwiderte, das vermochte sie nicht. Sie paßte eigentlich nicht in die Großstadt mit diesen überempfindsamen, mimosenhaften Sinnen. Sie paßte überhaupt nicht in das moderne Leben. Das wurde ihr noch klarer, da ihr im Entree oben Walter sehr aufgeregt entgegenstürzte: „Du, der Major von Brockhaus ist mit seiner Frau drinnen — der aus dem Generalstabe mit breiten roten Streifen an den Hofen — famos", und aus der Tür Suses klingendes, übermütiges Lachen tönte, das deutlicher als Worte die freudige Erregung über den Besuch verriet. Ruths Brust dehnte sich in einer Art Beklemmung. Wie fern ihr das alles lag, diese Fähigkeit, sich zu freuen, den Augenblick zu genießen. Was erwartete sie von diesen jubelnd begrüßten Verwandten? Nichts? Die Geschwister vielleicht auch nichts, aber sie freuten sich doch, sie waren momentan glücklich. Langsam legte sie Hut und Jäckchen ab und trat, ohne anzullopfen ins Zimmer. Dem Besuch zu Ehren hatte Suse ■— ein seltener Luxus — die zweiarmige Gaskrone entzündet rind in ihrer hellen Beleuchtung stand Ruth nun schlank, groß und ernst, mit dem blassen, seelenvollen Gesicht einer jener tragischen Frauengestalten gleich, in denen Geschichte, Poesie und Kunst alle Phasen weiblichen Seekenschmerzes zu beschreiben und darzullellen pflegen. Sie war so schön, laß die beiden Besucher, die eben im Begriff gewesen waren, sich zu verabschieden, in Bewunderung sprachlos verharrten. Doch schon stürzte Suse lebhaft auf die Schwester zu und jubelte: „Wie schön, daß Du noch kommst, Brockhaus wollten gerade gehen, aber nun bleibt Ihr noch ein bißchen, nicht wahr?" Sie wandte sich der Cousine zu und hing sich an ihren Arm, „Ja, ja, Du bleibst noch." „Ich bitte herzlich darum I" sagte nun Ruth vortretend, warm die entgegengestreckie Hand Metas umschließend, die ihr einen Kuß auf den Mund drückte und auf den stattlichen Offizier an ihrer Seite weisend, stolz lächelnd meinte: „Ich wollte Dir doch auch gern meinen Mann vor- stellen. Er hätte Euch gern schon eher einmal ,Guten Tag' gesagt, aber ich hab'S nicht erlaubt, ich wollte die Freude, Erich rviederzrisehen, mit ihm gemeinsam genießen und da ich erst seit vierzehn Tagen hier bin, ging es nicht eher." Ruth, die den Major herzlich willkommen hieß, sah staunend die Veränderung, welche mit der mageren, blassen, kühlen Cousine vorgegangen war. Das ruhige Glück eines befriedigten Lebens hatte ihre störpcrsonnen gerundet, ihre fahle Gesichtsfarbe belebt, ihren matten Augen warmen Glanz verliehen. Sie hatte noch immer die gemessene Art, zu sprechen, aber in ihrer Stimme lag jetzt ein weicher, fast zärtlicher Klang, der besonders merkbar war, sobald sie sich mit ihren Worten an ihren Mann wandte. Daß dieser ebenfalls ein anderer geworden war, konnte nur Suse beurteilen. Er schien ihr um zehn Jahre verjüngt, jetzt wirklich zunk Verlieben, „wenn ich' den Fritz nicht hätte", dachte der! Leichtsinn, dabei war er heiter, gesprächig, voll liebens-! würdiger Aufmerksamkeit gegen die früher so kühl bei handelte Frau. Und wie nett er Suse über das erste peinliche Wiedersehen hiniveggeholfcn hatte. Weich bei der Begrüßung hatte er erklärt, mit dem steifen „Sie" würde erst gar nicht mehr angefangen, er heiße Max und „Tu" fürste — und Meta hatte lächelnd Beifall dazu genickt. Und wie geläufig ihnen beiden das vertraute „Tu" von den Lippen geglitten war, so ganz uud gar unbefangen, da jedes nun sein sicheres Muck im Herzen trug und bas Einst darüber vergaß. Ruth gegenüber kam die familiäre Anrede, die Mekaj natürlich auch sofort gewünscht hatte, dem Major nicht ganz so glatt über die Lippen. „Sie ist verteufelt zugeknöpft", dachte er, „ein recht guter Dämpfer für den ToMopf Suse." Mer er freute sich doch von Herzen, daß die Misere des Kampfes ums Tas ein Suses Lebensmut nicht gebrochen hatte. Aus ihren blauen Augen funkelte noch, immer die unbesiegliche Jugendlust, die feste Hoffnung auf ein großes! Zukunftsglück. Was in seinen Kräften stand, ihr zu einem solcher! zu verhelfen, das sollte gewiß geschehen. Er fühlte sich doch in ihrer Schuld, wenn er auch nicht ahnte, wie sehr viel er nn ihr gutzumachen hatte. „Wir kamen heut noch mit einer besonderen Bitte zu Euch!" sagte jetzt Meta, liebenswürdig den eben verlassenen — 278 — Sofaplatz noch einmal einnehmende „Sonntag haben einige gute Bekannte sich bei uns zu Tisch angesagt und wenn es Euch Spaß machen würde —" „Wir möchten doch wohl danken, liebe Meta" fiel Ruth hastig mit sich jäh verschüttenden Zügen ein, „es ist sehr nett von Tir, an uns zu denken, aber die Trauer um unsere gute Mutter —" Eine kurze Stille folgte ihre« Worten, bei denen in Suses Augen langsam der strahlende Glanz erloschen war. Wie hilfesuchend irrten die blauen Sterne zu der Cousine herüber. Ein ermutigendes Lächeln kam zurück. Herzlich legte sich Fran von Brockhaus' schmale, elegant bekleidete Hand um die rauhgearbciteten Finger Ruths. „Soviel ich weiß, ruht Eure liebe Mutter schon über ein Jahr — und das will sie sicher nicht, daß Ihr ihretwegen Eure Jugend vertrauert. Im Leben muß auch das Vergnügen zu seinem Rechte konnuen, die Erholung — jedes Kloster sogar huldigt diesem Grundsatz — nicht wahr, Max? Und wir bitten Euch ja vorläufig zu keiner Gesellschaft — nur fünf bis sechs Menschen — Suse dürfte einen guten Bekannten darunter finden." Bei dem inneren Kampf, den ihre schönen Züge deutlich wiederspiegelten, entging Ruth die flammende Röte, welche das Antlitz der jungen Schwester bis unter die lichten Stirnlöckchen dunkel färbte. Auch Meta, mit der älteren Cousine beschäftigt, bemerkte die verräterische Verlegenheit Suses nicht. Nur der Major lächelte leise und sein prüfendes Auge zuckte blitzartig verstehend auf. Jhnt war es sofort klar, daß der kleine Racker um Trautendorfs Anwesenheit in Berlin zum mindesten wußte. „Bitte doch Ruth recht schön, Sus?" neckte er, „Tir seh tch's doch an der Nasenspitze au, daß Tu Sonntag gern —" „Wenn Suse gern will", unterbrach Ruth ihn, freundlich und gütig zu der Schwester hinübernickend, „so soll sie ruhig Eure 'liebenswürdige Einladung annehmeu — mir aber", sie umfaßte nun .ihrerseits Verzeihung erbittend, die Hand der anderen, „seid nicht böse, wenn ich nicht komme — lacht mich meinetwegen aus — aber ich fühle mich so alt schon und schwerfällig — ich Passe nicht in einen heiteren Kreis." „Ta müssen Ivtr wirklich lachen, liebe Ruth!" amüsierte sich der Major, während seine Frau ein mißbilligendes „Aber Ruth!" höre« ließ, „Tu scheinst Dich nie in dem Spiegel zu sehen — im übrigen, was müssen wir beiden dann sagen. Meta?" „Ihr seid innerlich jung geblieben!" wandte Ruth ein, indem ein schönes Rot nun langsam auch in ihre Wangen glitt. — „Sag' besser, wir sind erst jung geworden. Wir lvaren ja alte Menschen mit verknöcherten Herzen und blind — blind — zur rechten Zeit noch sind wir sehend geworden. Ja, ja, Suse, Wildfang, guck' mich nicht |o malitiös au — ich seh' jetzt ebenso viel Schönes und Lustiges in der Welt, wie Tu, und ich verstehe zu schätzen, was ich an Glück besitze." Sein warmer Blick, der den stahlharten Glanz seines grauen Auges jetzt oft verdrängte, traf das bewegte Antlitz seiner Frau und suchte dann ernst Ruths schwermütige Augen. „Betrüg' Dich nicht selbst um Deine Jugend, Ruth! Es rächt sich bitter. Verlorene Jähre lassen sich nie mehr ersetzen und es gibt nichjs Furchtbareres, als vor der unwiderruflich abgeschlossenen Vergangenheit zu stehen." „Ich sehe alles' ein! Ich will allmählich versuchen, miA herauszureißen, nur dieses eine Mal noch entschuldigt mich — ich bitte Euch," Etwas. Gequältes lag in ihrem raschen slehenden Aufblick, sodaß der Major sich beeilte, der ganzen Angelegenheit eine unbefangene Wendung zu geben. „Also dann für das nächste Mal!. Für Sonntag wollen wir mit unserer alten Adoptivtochter vorlieb nehmen." „Vorlieb nehmen!" schmollte Suse, sich der Neckerei innerlich freuend, denn sie war so gar nicht fürs Tragische und hatte den ernsten P-redigerton des Majors bereits hvchkomisch gefunden/ „daß ich mit noch komme, Vetter, wenn Tu mich so geringschätzig behandelst. Uebrigens, Tu bist wohl sehr fromm geworden jetzt, gehst oft in die Kirche —" „Warum v- „Mm, weil Tu so gut predigen kannst!" Y „Suse!" Ter Mahnruf der älteren Schwester ging in dem herzlichen Gelächter des Ehepaares unter. „Laß sie doch!" begütigte Meta leise. „Max nimmt ihr das nicht übel, es amüsiert ihn nur, es ist ja auch köstlich, ihr zuzuhören und zuzusehen. Wie alles an ihr glüht und lebt! So viel Frische und Kraft! Tas muß sich austoben." Ruth lächelte schwach. Mit der Cousine zugleich blickte sie zu Suse hinüber, die ihr neckendes Wortgeplänkel mit dem Major fortgesetzt hatte und soeben energisch erklärte: „Nee, nich' in die Hand! Tie kleinste Hütte ist nicht mein Ideal." Und in ihren blauen Augen lag schon ein Wiederschei« all des Glanzes und der Pracht, mit denen ihr Zukunstsschloß ausgestattet war. Eine qualvolle mit Neid gemischte Bitterkeit fraß sich in Ruths stolze Seele. Sie sah, wie alle Herzen der leichtlebigen, oberflächlichen Schwester zuflogen, wie selbst dis Frau, in deren Leben ihr Leichtsinn so schwere Stunden gebracht hatte, ihr lächelnd verzieh, wie man einem Kinde verzeiht, das ahnungslos ihrem Herzen eine schmerzende Wunde schlägt. Und Suse ivar doch kein Kind mehr. Wenn man erst neunzehn Jahre alt ist und des Daseins Schwere bereits gekostet hat, daun ist man nicht mehr Kind in dem Sinne, der dieses sorglose Tahinleben entschuldigen könnte, Suse wußte ganz gut, auf welch unsicherem Boden ihre Existenz stand — es brauchte nur eine schwere Krankheit zu kommen, die Ruth arbeitsunfähig machte und Suse zu ihrer Pflege unentbehrlich — dann mußten sie das Gnadenbrot der Verwandten essen. — Und daß es Suse nicht einmal bitter schmecken würde, wußte Ruth so genau, wie sie selbst sich dagegen empörte. Warum vermochte sie denn nicht, ihr Empfinden zu leichterem Fluge zu veranlassen, warum brauchte sie höhere edlere Ziele, uni sich über die Alltagsmisere erheben zu können? Ja, wenn sie in ihrer Malkunst etwas wirklich tüchtiges leisten würde, daun käme wohl auch noch einmal! für sie eine sorglose Zeit stillfreudigen Genießens — die Jugend, um die ein grausames Schicksal sie betrogen hatte. In ihrem Kopfe wirbelten noch immer, mühsam in den Hintergrund gedrängt, die Worte des fremden Malers. Wie eilte Brandfackel hineingeschleudert, Nahrung suchend und findend. Kaum, daß sie noch imstande war, ruhig und freundlich den sich verabschiedenden Verwandten das Geleit bis zur Treppe zu geben. Als sie mit der aufgeregt schwatzenden Suse iit das hellerleuchtete Zimmer zurückkain, ließ sie sich in einen Sessel fallen und barg ausweinend das Gesicht in den Händen. Suse war Ivie aus den Wolken gefallen. Ruth in Tränen? Was gab's nur da wieder? Ihr erster Gedanke galt der sonntäglichen Einladung, der womöglich eine Gefahr drohte. Man sollte sich nur aus etwas freuen in diesem Jammertale. Sie beruhigte sich rasch, als Ruth auf ihre ängstlich eindringlichen Fragen versicherte, daß nichts schlimmes vor-, gefallen, daß sie nur nervös und von dem iveiten Gauge wohl überanstrengt sei, es tue ihr gut, sich einmal auszuweinen. Tie Spannung ihres Innern lieft auch wirklich nach, die drängenden Gewalten ihrer Seele beruhigten sich-. Aber tief innen glühte noch der Funken weiter. An dem Abend, da Suse in einer schnell hergerichteten Bluse aus dem rotgefärbteit einstigen Brautkleide der Mutter bildhübsch und sreudezitterud nach der Kleiststraße zu Major von Brockhaus gefahren war, suchte Ruth all ihre Zeichnungen und Studien aus früheren Jahren zusammen und vertiefte sich in eine so eingehende, streng kritische Betrachtung derselben, daß die Zeit wie im Fluge verrann, ohne daß sie es gewahr wurde. Ihre Wangen brannten wie im Fieber, ihre Pulse gingen rasch. Tie alte Sehnsucht bemächtigte sich ihrer und gewann immer festere Gestaltung. Malerin werden, eine freie selbständige Persönlichkeit, besriedigt durch ihr Schassen, glücklich in der Kunst an sich, nach der pekuniären Seite hin aller Sorgen' enthoben. Aber wie das erreichen? „Nur ein halbes Jahr tüchtigen Unterrichts und sie sticht manchen von uns aus!" Tie Wärte, von der sympathischen, klangvollen Männert stimme geMochen, schwirren ihr in den Ohren gleich einer 279 Verheißung. Sie hatte immer mit vielen Jahren ernsten Studiums als mit einer nie zu erreichenden Möglichkeit gerechnet — aber nur ein halbes Jahr? Sie hatte 200 Mark von ihrem Verdienst zurücklegen können in diesem Jahre angestrengtester Arbeit. (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte der deutschen Zeitung. Die letzte Jahrhundertwende lenkte auf den mannigfachsten Gebieten die Blicke der Forscher zurück. Es drängte ^ste, Abrechnung zu halten über das, was bisher menschliches -streben und Weben, menschliches Wollen und Vollbringen geleistet — die Külturergebnisse auf den Generalnenner zu bringen und aufzuzeigen, wie die gegenwärtigen Zustände geschichtlich bedingt, wie sich ihr Ablauf ju dem heute vorliegenden Ergebnis hin int ganzen und einzelnen gestaltet hat. So entstanden Kunst- und Literaturgeschichten in beängstigender Zahl. Und wenn auch in Deutschland, wo man viel lieber dieses oder jenes ü b e r die Großen und Größten liest, als daß man ihre Werke selbst vornimmt, die Nachfrage nach orientierenden Büchern für die verschiedenartigsten Zweige wissenschastlicher und ästhetischer Forschung stets sehr groß gewesen ist, so wurde das Bedürfnis durch die Verlagsbuchhandlungen doch weit überboten. Zu dem Brauchbaren und Vorzüglichen indessen, das diese 'Flut deutscher Verlagserscheinungen um die Jahrhundertsscheide gezeitigt hat, darf matt das fleißige dreibändige Werk „Geschichte dess deutschen Zeitungswesens von beit ersten Anfängen bis zur Wiederaufrichtung des deutschen Reiches" von Ludwig Salomon rechnen, das im Verlage der Schulzeschen Hosbuchhandlung in Oldenburg nach« dem Erscheinen des dritten Bandes jetzt vollständig vorliegt. Man konnte mit großem Recht häufig Verwunderung darüber äußern hören, daß sich bisher niemand daran gemacht hat, die historische Entwicklung der Presse, dieses wichtigen Kültnrfaktors in der Gegenwart, aufzuzeigen und damit einen bedeutsamen Beitrag zur neueren Geschichte und neuesten Kultur- und Gesellschastsgeschichte zu liefern. Auch konnte man darüber erstaunt sein, daß an unseren Universitäten über den Werdegang des Zeitungswesens, über die Entwicklung der Schriftstellerei, ja wenn man will, der Bnchschreibeknnst so gut wie nichts verlautete und höchstens hier und da einmal ein einstündiges Publikum angekündigt wurde. Dieser Mangel an systematischen Forschungen auf einem so wichtigen Gebiet zur Kenntnis und Erkenntnis unseres Kultnrverlauss muß im wesentlichen ans die verschwindend geringen wissenschaftlichen Vorarbeiten und auf die schwierige Beschaffung des in Hunderten von Staats- und Privatbibliotheken, in Archiven und Liebhabersammlungen verstreuten Materials zurückgeführt werden, das für manche Zeitperiode nock dazu von erschreckender Dürftigkeit ist. Um so größere Anerkennung und Bewunderung ist daher Ludwig Salomon zu zollen, der nach fast fünfundzwanzig- jährigen Separatstudien nunmehr die Ergebnisse seiner gewissenhaften Forscherarbeit in einem dreibändigen großen Werk dar- gestellt hat. Die moderne Zeitung ist von Geburt aus eine Deich che — ein Kind der Reformation, der Renaissance, der allgemeinen Wiedergeburt freiheitlichen Geistes, des erwachenden Individualismus, des allmählich sich entwickelnden Kultus der Persönlichkeit. Kaisertum und Papsttum sanken in Trümmer. Eine neue Zeit brach herein, getragen von bedeutenden, kampffrohen und energiestarken Männern, die kühn das Alte und Morsche nieder- rissen und eine allgemeine Zersetzung und Umbildung aller sozialen und knltnrellen Verhältnisse herbeiführten. Diese Menschen, die sich in den verschiedenen Zentren zu gemeinsamer Külturarbeit zusammenfanden, brauchten aber Mittel und Wege, um sich gegenseitig von dem Fortschritt ihres Tuns zu überzeugen, um über neue und erfolgreiche Maßnahmen zur Fortführung der reformatorischen Aufgaben mit einander in Verbindung zu treten. Dazu bedurste es nun nicht nur der Wirksamkeit durch Tat und mündliches Wort. Auch die Schrift mußte mithelfen, um die neuen Ideen in weitere Kteise zu tragen. Und nicht so sehr dickleibige Bücher, deren Herstellung damals noch verhältnismäßig lange Zeit in Anspruch nahm und deren Verbreitung bei dem teuren. Preise und der Scheu _ der großen Menge vor langatmigen Auseinandersetzungen nur äußerst gering war, sondern die kurze, schnell fertige und schnell verbreitete Tagesnotiz mußte in den Dienst der Aufklärung, des Austauschens von Welt- und menschheitbewegenden Ideen und Nachrichten benutzt werden. _ Hierzu bediente man sich zunächst der Briefe. Schreiben bedeutender Männer wurden nicht nur an einzelne Personen, sondern gleich an mehrere Gesinnungsgenossen in den verschiedensten Städten gerichtet, die sie dann wiederum in ihrem Freundesund Bekanntenkreise zirkulieren ließen. Diese Blätter nannte man schon im 16. Jahrhundert „Leitungen", was soviel wie Nettigkeiten, neue Nachrichten und zwar gleich von vornherein mit Vorliebe politische Neuigkeiten bedeutete, sodaß diese Bezeichnung für den Embryo nnserer modernen Tagespreise schon denselben begrifflichen Inhalt wie heute hat — eben die kollektive Bedeutung einer zusammensassenden Darstellung verschiedener politischer Einzelnachirichten. Wenn auch diese „Zeitungen" oder „Neuen Zeitungen", die sämtlich in lateinischer, als der damals allen Gebildeten durchaus geläufigen Sprache abgesaßt waren, die bedeutendsten und solßescküversten Nachrichten und Neuigkeiten schon ziemlich vollständig zu verzeichnen sich bemühten, so stand die Art und Weise der Nachrichtengebung doch noch auf sehr niedriger Stufe. Von redaktioneller Tätigkeit ist kaum etwas zu spüren. Die einzelnen Tatsachen-Berichte wurden vom Schreiber ebenso form- wie kritiklos hintereinander aufgezählt und nur sehr selten ringt sich in einer Art von Kommentar so etwas wie eine eigene Meinung durch, wird so etwas wie ein politisches Urteil, je nachdem in protestantischer oder katholischer Färbung, laut. Während diese Zeitungen lange Zeit hindurch nur Handschriftlich verbreitet und dazu von, armen Stn- bentcn für einen Hungerlohn kopiert wurden, sah man M bei wichtigen Äiilässen, die einen längeren Bericht und möglichst weite Verbreitung notwendig machten, bald veranlaßt, auch für solche Tagesnachrichten die eben erfundene Druckerpresse in Anspruch zu nehmen. Das wesentliche Charakteristikum der modernen Zeitung, das regelmäßige Erscheinen zu bestimmten Zeiten, haben diese Nachrichten der ersten Periode im allgemeinen noch nicht. Diese Kennzeichen finden wir erst in den sog. „Rclatione n" des ausgehenden 16. Jahrhunderts, die nur halbjährig, teilweise sogar nur ganzjährig, d. h. stets zur Frankfurter Buchhändlermesse im Frühjahr und Herbst, erschienen und in ziemlich umfangreichen Heften die Ereignisse der verstossenen Zeit zusammen- saßten. Der Grund zur Einführung dieser sogen. Meß-Relationen, die sämtlich gedruckt und zwar durchweg in deutscher Sprache abgesaßt waren, lag hauptsächlich darin, daß vielen Lesern die gedrängte Kürze der geschriebenen Zeitungen nicht mehr genügte. Diese Zeitschriften, so möchte mau sie fast nennen, deren bedeutendste in Köln und Frankfurt und zwar teilweise sogar mit Buchschmuck, unter Beigabe von erläuternden KUpfern und Karten, herauskamen, unterschieden fick'-, außer durch eine größere Ausführlichkeit, int ganzen Ton, in Ansdrncksweise und Anordnung nur wenig von bett bisher handschriftlich hergestellten SBlättent.. Im Gegenteil: sie waren womöglich noch nüchterner, trockener und uninteressanter abgefaßt, als jene und brachten ebenfalls nichts weiter als eine lose aneinander gereihte Kette mehr oder weniger wichtiger Begebenheiten. Je mehr nun aber bei der großen Menge, dem Zuge der Zeit folgend, das Interesse an den öffentlichen Geschehnissen und an ihrer Bedeutung für Gegenwart und Zukunft wuchs, je weniger konnten die nur alle Semester erscheinenden Rel«- tionen hinreichen. So treffen wir denn bald im 17. JahrhnndeÄ ans allwöchentlich znr Verteilung gelangende Zeitungen. Als ihre Herausgeber zeichneten gewöhnlich die betreffenden 93-uap drucken, hin und wieder aber auch die Postmeister, die natürlich vielfach die einlaufenden Neuigkeiten zuerst erftihren. Tas Aeußere dieser politischen Wochenberichte hat mit, unseren heutigen Zeitungen noch wenig gemein. Sie kamen meist noch in Bucy-- svrm, d. h. in Quartformat, und zwar immer noch mit einem schwulstigen, mindestens ganzseitigen Titel heraus und bestanden auch in dieser Periode noch ausschließlich aus ziemlich willkürlich aneinandergereihten faktischen Mitteilungen und orientierenden Referaten ohne jeden Parteistandpunkt oder persönliche Nnance seitens des Herausgebers oder Redakteurs. Dazu fehlte es den leitenden Persönlichkeiten dieser Blätter infolge einer sehr peinlichen, von Universität oder Stadtrat ausgeübten Zensur an W- wegungIfreiheit; aber es mangelte ihnen auch an der nötigen Einsicht, an allgemeiner und politisch-historischer Bildung und an persönlicher Energie, um einen regen Meinungsaustausch über Staats- iind Genteindeangelegenheiten in die Wege ztt leiten. Und so kommt cs denn, daß in den Zeitungen jener Zeit von den großen Umwälzungen im letzten Drittel des' 17. Jahrhunderts unter der Aegide des französischen Sonnenkönigs nicht tzas mindeste zu spüren ist. Und dennoch waren die Zeitungen cmch damals oder, man möchte fast sagen, schon damals für die weites-n Bevölkerungskreise das einzige Bildnngs- und BindungsmitNl unter den verschiedenen Kasten und dürfen als solche nicht unterschätzt werden. Schon das 17. Jahrnndert brachte uns die erste täglich erscheinende Zeitung, die in Leipzig von ^imo- theils Ritzsch vom 1. Jannar 1660 ab herausgegebenen „Neu einlanfenden Nachrichten von KMegs-- und Welthändeln" und auch das erste regelrechte Korrespondent-Bureau, das em hochgebildeter Kunsthändler namens Philip Steinhofer in Augsburg gründet«, und das nicht nur Zeitungen sondern auch eine Anzahl purstes und andere Bevorzugte in regelmäßigen oder unregelmäßigen Zwischenräumen mit Neuigkeiten politischen und anderen tMhalts ' Im allgemeinen war aber auch im Zeitalter Friedrichs deS Großen von einem freien Fortschritt aus dem wichtigen Gebiet« des Zeitungswesens so gut wie keine Rede. Wenn auch die Ereignisse des nordamerikanischen Befreiungskampfes und .wer der französischen Revolution die Gemüter in Europa tote niemals vorher erhitzten und die Erörterungen politischer Tagessragen in den Vordergrund drängten, so war durch den Druck einer drakonischen Zensur von alldem in den Tagesolättern toemg ober nichts zu bemerken. „ r, „ Ganz trostlos wurde die Lage der deutschen Presse redoch erst unter dem Drucke der französischen Fremdherrschaft. Napoleon — 280 -<• »oitnte es mit stetem Erfolg wagen, den Zeitungen aller deutschen Territorien ihren Stoff und die Art seiner Behandlung willkürlich vorzusckreiben. Gewöhnlich gestattete der Machthaber nur die Berichte, die der unter der strengen Zensur der Negierung stehende „Moniteur" veröffentlichte. Und wehe dem Herausgeber, der sich in seinem Matte den geringsten Kommentar gestattete! Mancher deutsche Redakteur hatte selbständige Memungs- üußcrungen in diesen Schreckenssahren mit schwerem Kerker zu büßen. Nach Eintreffen der Siegeshachricht von -eipzig ging dann glücklicher Weise auch jene traurige Zeit zu Ende. Die Zeit- ungen atmeten auf, verloren aber noch einmal wieder ihre Selbständigkeit. Mit den berüchtigten Karlsbader Beschlüssen brach die Reaktion von allen Seiten tzerem und suchte mrt brutaler Faust alle Regungen des vaterländischen Geistes nieder- zuschlagen. Tiefbetrübt begruben die Patrioten alle ihre Hoffnungen. „Ich weiß nickt", klagte Arnim ut einem Briefe an Wilhelm Grimm, „ob e» mein wundes Gefühl ist, das mir die Grillen macht; aber je näher, ruhiger und sicherer ich das innere Leben der Staaten sehe, so lauter ruft es m mir, daß eine harte Zeit des Zwanges, der Willkür und Nachlasng- keit über uns eindringt, daß. ich nirgends einen wahren Zusammenhalt gegen die Torheiten der (Hardenbergschen) Regierung und nirgends die Einleitung zu besserer Verfassung sehen kann. Und Prinz Wilhelm von Preußen, der nachmalige Begründer des neuen deutschen Reiches, schrieb in einem vertraulichen Briefe an den General v. Natznier: „Hatte die Nation amw 1813 gewutzh daß von einer damals zu erlangenden und wirklich erreichten -stufe de« Glanzes, Ruhmes und Ansehens nichts als die Erinnerung und keine Realität übrig bleiben würde, wer hätte damals wohl alles aufgeopfert solchen Resultates halber? Es ist dies eine wichtige, aber schmerzlich zu beantwortende Frage. Nur ut Sachsen-Weimar war die Preßfreiheit gewährt worden. Im übrigen -Deutschland sahen die Zeitungen ihre Existenz durch nichts gesichert. Es herrschte in betreff der Pretzverhältnisse die größte Bei diesen Preßverhältnissen während der Jahre 1814—1819 mußten sich die preußischen Zeitungen von Fall zu Fall zurecht finden, so gut es ging. Es kam in jeher Provinz, ja m jeder Stadt darauf an, wie sich dort die Behörden augenblicklich zu den Zeitungen stellten, ferner, ob von früher her gewisse Freiheiten noch nachwirkten, und ganz besonders: wes Geistes Kind der Herausgeber einer Zeitung war. Das zeigte sich hauptsächlich bei den Zeitungen am Rhein, vvr allem aber bei dem „Rheinischen Merkur" in Koblenz, den Joseph Görres gleich init dem Beginn des Jahres 1814 mit einem Wagemute, den wir noch heute bewundern müssen, herauszugeben begann. Am 23. ^anuar 1814 erschien das erste Matt. Es wurde mit einer Darlegung der allgemeinen politischen Verhältnisse und mit der energischen Betonung eröffnet, daß die „Völkerschaften am linken Rhemufer von jeher dem deutscken Stamme angehört hatten und auch herzlich wünschten, von Deutschland wieder ausgenommen zu werden. Hieran schloß sich ein Ueberblick über den „stand uer Armeen um die Hälfte des Jänners", der fortgesetzt wurde, und für den der Herausgeber alsbald aus dem Felde viele direkte, wertvolle Mitteilungen erhielt. Weiterhin folgten „Uebersichten der neuesten Zeitereignisse", in denen die Kämpfe ut gtantfurt und die Einnahme von Paris in lebendiger Weise geschildert wurden. Als dann aber die Nachricht von der Aodcmkung Napo- leons und seiner Verbannung nach Elba eintraf, da ergriff den Herausgeber des „Rheinischen Merkurs" eine so ungestüme Freude, daß die simplen „Uebersichten" zur Würdigung ^dieses großen Ereignisses bei weitem nicht ausreichten. Hier mußte et« weithin schallender Jubelruf erhoben werden, und mit aristophanischem Humor schrieb Görres eine Proklamation Napoleons au die Volker Europas, eine groteske Verhöhnung des Gestürzten, in der noch einmal das Bild des einst so Gesürchteten, ins Ungeheuerliche verzerrt, gleichsam als gigantische Schattenftgur an die Wand geworfen wurde, ein Meisterstück politischer Satire. Aber auch des tapferen Görres Stimme wurde bald zum Schweigen gebracht. Die Knebelung der Presse sollte noch über 30 Jahre anbauenu Erst mit der Abschaffung der Zensur und der sogenannten Preßfreiheit nach dem Jahre 1848 waren die Bedingungen zu der ungeahnten Entwicklung des gesamten Zeitungswesens gegeben. Hente gilt die Presse als Herd der öffentlichen Meinung, als Großmacht auf allen Gebieten der Politik, Kunst und Kultur und als vornehmstes Mldungsmittel des Volkes. Dr. C. H. — Kulturgeschichte. Werden und Vergehen im Volkerlcben. Von A. v. Schweiger, Lerchenfeld. Mit mehreren hundert Abbildungen im Texte und 40 Tafeln. In 40 Lieferungen zum Preise von ä, 50 Pf. Erschienen sind bisher Lieferungen 1 bis 10. (A. Hartlebens Verlag in Wien und Leipzig.! — Mit Einschluß der Lieferungen 6 bis 10 dieses Werkes erhält man nun einen Ueberblick über den ganzen sogenannten „alten Orient": Syrien, Palästina, Assyrien, Babylonien, Iran und tllein- asten, ausschließlich Armeniens. In den durch eine große Anzahl Abbildungen unterstützten Stoff können wir hier leider nicht eingehen. Die Art, wie der Verfasser die großen Kulturströmungen in bezug auf ihren geistigen, sittlichen und materiellen Inhalt zusammenfaßt, ist fesselnd und anregend. Besonders eingehend sind die geistigen Kulturgüter der Hebräer und Perser behandelt. Der Vortrag erhebt sich vielfach zu kraftvoller plastischer Gestaltung, wie beispielsweise in den Abschnitten über Moses, die Propheten, Zarathustra und das armenische Geistesleben. Ueber die alten Völker Kleinasiens weiß der Verfasser eine Menge interessanter Dinge zu sagen. Unter den Abbildungen sind zu erwähnen der salomonische und herodianische Tempel (nach Modellen des verstorbenen Bau- rateS Schick), die großartigen Bauten der Achämeniden und die Skulpturwerke aus der Sasanidenzeit. Der fließende Vortrag macht das Studium so schwerer Themata wie beispielsweise des „Avcsta", des „Wendidad", der Phclewischriften (Dinkard, Bundehesch),' zu einem Vergnügen. — Korfiz Holm, Th oinas Kerkhoven. Roman. Deckenzeichnung von Th. Th. Heine. Preis flexibel in Leinen gebunden mit Ocffner 5 Mk. Verlag von Albert Langen in München. — Korfiz Holm hat in diesem Roman zum erstenmal seine ganze Kraft und seinen ganzen künstlerischen Ernst in einem groß angelegten Werke konzentriert. Was seine kleineren Werke auszeichnete: ein guter, knapper, reiner Stil und die Fähigkeit, eine Gestalt mit wenig Strichen zum Greifen lebendig bin« znstellen, — diese Vorzüge bewährt er auch hier. Daneben aber überrascht es, wie Holm gleich in seinem ersten Roman die Technik dieser Dichtungsgattung beherrscht. Er versteht es, eine Fabel auszubauen und in stetig fortschreitendem Zuge, in mächtiger Steigerung sortzusühren. — Holm gibt uns die Geschichte des künstlerisch empfindenden jungen Menschen unserer Zeit dem die Skepsis gegen sich selber die Kraft zu starkem künstlerischem Schaffen lähmt, der als Mensch im ewigen Kampfe mit sich selbst ist und dadurch der naiven LebeuSrobustheit des Weibes unterliegt, daS er sich zur Frau genommen hat. Dadurch gelaugt er auf dem tiefsten Punkte seines Daseins an, doch ermannt und bescheidet er sich, er sucht fein Selbst in harter Arbeit um sein Brot, findet eS aber erst in der Einsamkeit. Eie läßt seine Straft zum Leben und zum eignen Schassen erstarken, und er erlangt, als ein ganzer, auf sich selbst gestellter Mann, in der Liebe der Jugendgeliebten das Glück seines Lebens. — Uni die Haupt- gcstalten gruppiert sich eine Reihe köstlich beobachteter Episodensignreii, die, meist humoristisch gesehen, den Roman mit einer belebenden Frische erfüllen. Im Mittelpunkte des zweiten Buches, daS in München spielt, steht die Geschichte von der Gründung eines Theaters, die Holm Gelegenheit gibt, uns Typen aus Künstler-, Literaten- und Schauspielerkreisen in humoristisch-satirischer Zeichnung vorzuführen. — „Thomas Kerkhoven" offenbart sich als ein Werk voll künstlerischen Temperaments — stark in der Liebe, im Haß, in der Verachtung — und ist erfüllt von einer liefen inneren Beseelung. Auch ein gutes Stück Heimatkunst gibt uns der Dichter darin. Tas erste und dritte Buch spielen in seiner baltischen Heimat, dm deutsch-russischen Ostseeproviuzeu, Heimatkuust empfangen wir hier aber in noch höherem Sinne: kann man doch auch von einer Heimat der Seele sprechen. Einer, der heimgefunden hat zu sich selbst, spricht aus diesem Buche zu uns. Das gibt dem Werke seinen erfreulichen, ernsten, aus festen Füßen stehenden Optimismus, einen Optimismus der aus Resignation erwachsen ist und dennoch voll Kraft ist und voll einer heißen, männlichen Liebe zum Leben um seiner selbst willen. VeVmi?Htes. Blaues Brot. Unter dem Brotgetreide des Kaukasus ist die scabiosettahnliche Cephaiaria Syriaca ein so weitverbreitetes. Unkraut, daß der Weizen durchweg bis zu 2 Prozent Cepha- lariensarneu entljält. Wie alle spezifischen Getreid-untruiuter (Mohn, Kornrade, Kornblume, Rittersporn, Adams) ist auch dieses Unkraut einjährig und bringt reichlich Samen von bläulicher Farbe. Dieselben euthalteii, toie der kaukasische Weizen, etwa 16 Prozent Eiweiß, das Mehl aber läßt sich nicht,für sich allein verbacken, wohl aber mit Getreidemehl. Eine Beimischung von i/2 Prozent Cephalarienmchl macht aber den Brotteig bereits bläulich, 1 Proz. bereits deutlich blau. Diese Wirkung beruht indessen nicht auf einem direkten Farbstoff, sondern rührt nach Knpeis von der Zersetzung eines in den Samen enthaltenen Bitterstoffes und der Gerbstoffe in denselben her, auch wird das Boot nicht in der Rinde, sondern nur in der Krume blau. Die Bevölkerung des Kaukasus bevorzugt das blaue Brot vor dem weißen, und da die Samen gänzlich ungiftig smd, wird itaturliw auch nichts zur Vertilgung des Unkrautes getan. Riitssl. Nacksdruck verboten. Mit „a" ist es ein nützlich Instrument, Mit „u" es jeder sein eigen nennt. (Auflösung in nächster Nummer.f Auflösung des ErgänzungBrätsels in voriger Nummer: Großer Menscheii Werke zu sehii'n. Schlägt einen nieder, Doch erhebt es auch wieder, Daß so etwas durch Menschen gescheh'». , Rnckeri. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeret. R. Lange, Gießen. t i 1 ü J 1 t s 1 1 1 ( i j 1 i i i ( I i 1 t < ( i ß t i i s i < 1 $