1806 Samstag den 13. MtoLer I A W MDWW B™ ZWUW« WMZPL WkWM ä O ÜZMA MMKMWW Im Banne des Keßeimnisses. Roman von H. v. Raesfeld. Nachdruck verboten' (Fortsetzung.) 14. Kapitel. Downha in. Worte können die Aufregung Lady Romseys nicht beschreiben, als sie von dem Unglück hörte, das ihrem einzigen Sohne widerfahren. „Ich wußte es — ich Habs immer gewußt, daß ihm in der Ferne etwas zustoßen würde", schluchzte sie gegen ihren Gemahl. „O, James, warum hast du ihn gehen lassen — hier wäre er sicher gewesen!" „Liebste Charlotte", versetzte der Graf ruhig, „sein Leben ist mir womöglieh teurer als dir; aber die Romseys müssen Männer sein, wie du weißt, und du wirst aus einem Knaben, der stets von der Mutter verhätsehelt wird, niemals einen Mann machen." „Männer hin, Männer her; ich muß jedenfalls sofort hin", versetzte die Gräfin. „Ich wollte, ich könnte einen Extra- zug bekommen." „Ter Erpreß wird uns schnell genug hinbringen. Hier, sieh doch, der Rektor sehreibt ja, es sei alle Gefahr vorüber." „O, nur zu denken", schrie Mylady wieder und rang die Hände, „daß er in Gefahr geschwebt hat, und ich nichts davon gewußt habe!" „Jeh bin neugierig, wer es wohl ist, der ihm das Leben gerettet hat?" bemerkte der Graf, um sie etwas abzulenken. „Werner Jefferies, schreibt der Rektor. Ich erinnere mich an keinen Jefferies in der Gesellschaft; du, Charlotte?" „Ganz gleich, wer und was er ist", erwiderte sie, „er hat meinem Jungen das Leben gerettet, und ich will ihn nach Balduin am liebsten auf der Welt haben. Denke nur, was wir ihm schulden! Hätte er unseren Knaben nicht gerettet, wo wären wir jetzt?" „Wenn wir noch heute nach Cambridge kommen wollen, Charlotte, so müssen wir sofort aufbrechen; und wenn wir dort sind, so gebe ich dir carte bl an ehe — du magst diesem Herrn Jefferies welche wunderbare Belohnung du willst gewähren." — Obgleich Lord St. Gilbert, wie der Rektor geschrieben, außer Gefahr war, so sah er doch sehr krank aus; so krank, daß die Gräfin beunruhigt wurde und durchaus darauf bestand, daß er unverzüglich mit nach Hause genommen werden sollte. „Du darfst es mir nickt abschlagen". sagte sie rum Grafen. „Wenn meinem Sohne jetzt noeh etwas hier zustieße,, würde ich nie wieder na eh Hause gehen." Lord Romsey war selbst besorgter, als er eingestehen wollte. „Gut, gut, alles für sein Bestes; Balduin soll selbst entscheiden, was ihm am meisten zusagt." „Ach, Vater", sagte der junge Erbe, „du mußt Werner Jefferies danken, daß ich überhaupt hier bin. Jeh bin wirk« lieh mit so knapper Rot davon gekommen, wie nur je einer. Noeh eine Minute länger im Wasser, und ich hätte euch nie wieder gesehen. Er verlor selbst fast das Leben bei dem Nersuehe, es mir zu retten." „Es gibt nichts", sagte Lady Romsey ernst und be« wegt, „das ich nicht tun möchte, um ihm meine Dankbarkeit zu beweisen. Ist er reich, Balduin?" Lord St. Gilbert lachte. „Nein, weit davon entfernt; er gewann ein Stipendium,- und darum ist er hier. Wie er mir sagt, hat er sein Glück in der Welt selbst zu machen." „Dann mag er es als gemacht betrachten", sagte Lady Romsey; und bevor sie noeh ausgesprochen, öffnete sich die Tür. Sie befanden sieh in Lord St. Gilberts Schlafzimmer, in dessen Privatwohnung; er hatte das Bett noch nicht verlassen können. „Ach," sagte er, „hier kommt er, Mutter, ihm verdanke ich mein Leben." Lady Romsey wandte sieh um und sah ein Gesicht und eine Gestalt vor sich, die sie nicht wieder vergaß — Züge, so schön und so edel, daß sie ihn ganz verdutzt und verwirrt an blickte. „Werner, komm einmal her," rief St. Gilbert vom Beite aus. „Ich habe dir oft von meiner Mutter erzählt, wie zärtlich sie mich liebt; sie wünscht dir zu danken, daß du mich vom Tode gerettet. Mutter, dies ist Werner Jefferies." Lady Romsey streckte beide Hände aus; Tränen blinkten ihr in den Augen. „Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll," sagte sie. „Indem Sie meinem Sohne das Leben gereitet, haben Sie es aueh mir gereitet. Sie müssen mir vergeben, wenn ich mehr nicht sage, nicht sagen kann." Und Charlotte, Gräfin Romsey, eine der stolzesten Damen Englands, schluchzte laut auf. Werner drückte einen ehrfurchtsvollen Kuß auf ihre Hände. „Verehrte, teure Lady," sagte er, „Sie beschämen und überwältiaen mich mit solchen Worten. Alles in allem 602 war ich, wie Sie wissen, doch nur ein Werkzeug in Gottes Hand." Daun trat der Graf herbei und schüttelte ihiu warm die Hand. „Es geht mir wie Lady Romsey," sagte er. „Meine Gefühle liegen über alle Worte hinaus; aber von jetzt an bis in alle Zukunft dürfen Sie mich betrachten, wie Balduin es tut — als ob Sie nicht eigener Sohn waren." — Der Earl und seine Gemahlin fanden beide wunderbares Gefallen an dein jungen Helden. Lady Romsey sagte sich, sie habe nie ein Gesicht gesehen, worin Schönheit, idealer ©hm, Verstand und Geistestiefe in so vollkommener Weise zu einem harmonischen Ganzen vereinigt gewesen. Auch sein Benehmen entzückte sie; cS war so anmutig, so ungezwungen und doch feingebildet, so frei von jeder Affektiertheit. „Eins ist ganz sicher," sagte Mylady, „er mag arm sein, aber er hat zweifellos sein Leben in guter Gesellschaft gelebt. Er könnte seiner Erscheinung und seinem Benehmen nach wenigstens ein Aristokrat sein." Der Earl war ebenfalls nicht weniger entzückt. Werner's Ruf an der Universität war's, was ihm besonders gefiel; seine tapfere, offene, edelmütige Natur, seine festen idealen Grundsätze, die Beredsamkeit, die ihm die Natur verliehen; die gewöhnlichsten Gegenstände ivnrden in poetischer fesselnder Weise von ihm behandelt. „Solch einen Sohn hätte ich haben mögen," sagte er sich; „der Ruhm der Romseys würde sich in solchen Händen, bei solchem Geiste verbreitet haben." Werner konnte, die Einladung, mit nach Downham zu kommen, nicht abschlagen. Lord St. Gilbert weigerte sich, ohne ihn zu gehen, und der Earl drängte ihn so ernstlich, daß es nicht möglich war, nein zu sagen. „Ich würde nicht so darauf bestehen, wenn Sie noch weitere Ehren hier an der Universität zu gewinnen hätten," sagte er, „aber das ist nicht der Fall. Ich höre von meinem Sohne, daß Sie sehr bald von hier fort und eine HanSlehrer- stellc zu suchen beabsichtigen. Geben Sie diesen Gedanken auf; Ihre Zukunft soll meine Sorge sein." Doch Werner sah zweifelhaft drein, und Lord Romsey las das Zögern auf seinem Gesichte. „Nun, sagen Sie mir," fuhr er fort, „welcher Zweifel drückt Ihr Gemüt? — Ich sehe, Sie haben etwas derartiges." „Ich möchte nicht gern undankbar erscheinen," versetzte Werner, „und ich empfinde Ihre Güte tief, aber —" „Ja," sagte der Earl lächelnd, „ich möchte dies „aber" verstehen." „Sie werden mir also verzeihen, wenn ich offen heraus spreche. Mylord, ich bin kein Gentleman von Geburt; mein Vater war ein armer Mann, ein Bahnwärter, der auf der Eisenbahn verunglückte. Meine Mutter ist eine einfache, häusliche Frau vom Lande, die von der kleinen, ihr bewilligten Pension lebt. Meine Heimat ist durchaus bescheiden, ja, sehr arm. Ich habe keine Zukunft, keine großartigen Verbindungen irgend welcher Art; und es scheint mir, daß ich inmitten der Pracht und des Reichtums auf Downham nicht an meinem Platze sein würde. Ich werde schwer arbeiten müssen, und das Leben in c-iner solchen Atmosphäre des Luxus würde vielleicht meiner Arbeitslust und Schaffensfreudigkeit wenig förderlich sein." „Das ist Ihr einziger Einwand?" fragte her Earl. „Ja. Es ist äußerst gütig von Ihnen, mir Ihre Freundschaft anzubieten, aber der Abstand zwischen uns ist zu groß." Lord Romsey streckte ihm die Hand entgegen. „Wissen Sie auch", sagte er, „daß Sie der edelste und wackerste junge Mann sind, den ich seit langem kennen gelernt? Ich achte Sie mehr denn je, und Sie gefallen mir tausendmal besser. Sie sind ehrenhaft und wahr — Ihnen gab die Natur einen , Adelsbries mit, und deshalb ehrt mich Ihre Freundschaft. Es tut mir nur leid, daß Ihr Vater tot ist und ich ihm nicht sagen kann, was ich von seinem Sohne halte." — Von der Stunde an hatte Werner Jefferies keinen aufrichtigeren Freund als den Earl von Romsey. Als der Graf später den Vorfall seiner Gemahlin erzählte, fügte er bei: „Wenige wären so freimütig gewesen. Fast alle Menschen, Männer wie Frauen, die ich kennen gelernt, versuchten sich als etwas Höheres hinzustellen, die Tatsachen und sich selbst im besten Lichte erscheinen zu lassen. Unser früherer Hofmeister z. B., Mr. Braintree, — hätte er in diesem Falle nicht gesagt: Mein Vater bekleidete eine Stellung bei der Eisenbahn, und es so einem überlassen, sich irgend etwas zwischen einem Eisenbahndirektions-Präsidenten und dem Vorsteher einer bedeutenden Station vorzustellen? — Aber in dieser einfachen, ungeschminkten Angabe: Mein Vater war ein armer Alaun, ein Bahnwärter, liegt für mich der Reiz der Offenheit und Ehrlichkeit." „Man hätte wenigstens glauben können, sein Vater wäre ein Fürst gewesen", gab Lady Romsey nachdenklich zurück. — Somit war es abgemacht, daß Werner mit ihnen nach Downham geben würde. „Sie dürfen nicht daran denken, uns zu verlassen, bis Balduin wieder wohlauf und kräftig ist", sagte Lady Romsey, „dann beabsichtigen ivir ins Ausland zu gehen. Er muß auf den Kontinent gehen, und ich hoffe, daß Sie dann mit uns gehen werden. Nachdem können ivir immer noch an Ihre Zukunft denken." Was konnte er sagen? Sie hatten von ihm Besitz ergriffen, als ob er ihr eigenes Kind gewesen wäre. Sie nahmen feinen Anstoß an seiner Armut, seiner geringen Herkunft, seinen ländlichen Verwandten und Bekannten. Er konnte tim, was er wollte, ihre Hochschätzung für ihn verringerte sich nicht. Und so überließ sich Werner, jung, lebens- und schönheitsdurstig wie er war, dem Glück der Stunde, und überließ es der Zukunft, für sich selbst zu sorgen. Lady Nom- seys Güte endete hiermit aber nicht. Sie wandte Kate Jefferies viele nützliche und wertvolle Geschenke zu und erbot sich, Jack, dem Bruder — wie sie glaubte — des jungen Helden, dem sie das Leben ihres Sohnes verdankte, auf jede ihr mögliche Art und Weise behiflich zu sein. Doch Jack hatte sich vorläufig noch nicht dafür entschlossen, in irgend einem bestimmten Lebensberufe tätig zu sein. „Der beste Beruf, den ich vorläufig kenne", sagte er zu seiner Mutter, „ist der, dem Sohne irgend eines Grafen oder Lord das Leben zu retten; es ist der leichteste Weg, in der Welt voran zu kommen." „Vielleicht hättest du es nicht ganz so eilig gehabt, ins Wasser zu springen", versetzte seine Mutter. „Stimmt", sagte Jack offenherzig; „etwas Leichteres wie das wäre mir allerdings lieber gewesen. Du kannst Ihrer gräflichen Gnaden schreiben, Mutter, die Sache vorläufig noch anstehen zu lassen, bis ich mich entschieden habe." — • Eines sonnigen Morgens verließ die ganze Gesellschaft Cambridge und begab sich nach Downham. Man reiste langsam, denn Lord St. Gilbert war noch längst nicht wieder gekräftigt. Die Aerzte hielten es für zweifelhaft, daß er sich schon bald wieder erholen werde; die nervöse Erschütterung war zu stark gewesen. Jedesmal, wenn er einschlief, erwachte er alsbald mit lautem Geschrei wieder - er machte das Ec- trinken, das tiefer und tiefer Sinken in dem kalten Wasser, wieder von neuem durch. Einzig und allein Werner konnte ihn dann beruhigen; seine Anwesenheit, seine muntere Unterhaltung, seine heitere Laune waren von schier unschätzbarem Werte für den jungen r* 'wm —■ „Ha", rief St. < . als der Wagen endlich vordem stattlichen Portale von ^ownham auffuhr, „hier ist meine liebe alte Heimat endlich wieder I Ach, Werner, wärst du nicht gewesen, ich hätte sie nie wiedergesehen l" (Fortsetzung folgt.) 603 Die Vornamen, die Kosenamen, die Spitznamen/ Eine Plauderei von Panl A. Kirsi ein. In einer alten, längst verschollenen Berliner Posse lief, einmal ein Mann umher, der ein geheimnisvolles Leiden trug. Niemand wusste, was es eigentlich war. Fragte man ihn, so schüttelte er melancholisch den Kopf und sagte: „Eigentlich ist's nichts, und eigentlich wieder ist es alles. Aber helfen kann mir kein Mensch!" Mit dieser rätselhaften Antwort machte er seine ganze Umgebung rebellisch, denn sonst war er kerngesund, war heiter und guter Dinge, war sehr wohlhabend, und hatte — der Dichter der Posse hob es ganz besonders hervor — auch absolut nichts zn tun. Nur die einzige Sache war ihm störend für sein ganzes Leben. Aber erst, als man ihn eines Mordes beschuldigte, kam er mit der Erklärung heraus. „Ich kranke an meinem — — Namen", sagte er voll Trauer. „Ich heiße Amadeus; jeder sagt: Aha, wie Mozart! . . . und ich bin so unmusikalisch, daß ich ein Kindergebrüll nicht von einem Glockengeläute unterscheiden kann." Ist das an und für sich auch ein wenig übertrieben, so wird doch kein vernünftiger Mensch in Abrede stellen, daß mit der Namengebung ein erheblicher Mißbrauch getrieben wird, und die wenigsten Menschen dabei bedenken, daß so ein Name nicht, wie ein Hemd alle Jahre gewechselt werden kann, sondern fürs ganze Leben hasten bleibt. Der Hauptgrund für diese — na sagen wir gelinde: Unbedachtsamkeit liegt fteilich in der Eitelkeit der Eltern und Verwandten. Hat sich so ein kleines Wurm mit Aufbietung seiner ganzen Kraft zum Leben durchgerungen, dann soll es auch einen ganz außergewöhnlich schönen Namen erhalten, ganz gleich, ob der zu feinem Wesen, zu feiner Stellung ober zu seinem Berufe paßt. Daher kommt es denn, daß plötzlich eine Waschfrau Jolanthe heißt und ein Müllkutscher Waldemar, das; ein Siegfried mit krummen Beinen durchs Dasein wallt und eine Agathe, zu deutsch die „Gute", von 60 Jahren 44 wegen der bösesten Dinge int Zuchthaus sitzt. Manche Eltern müssen sreilich auch ihren Geist und ihren Witz bei der Namengebung spielen lassen. So heißt plötzlich fo'n Mädel Ursula Ulrich, nur weil die Eltern die Initialen „11 U" so furchtbar entzückend finden. Oder Johannes Johannes, Iveil man sich dabei so angenehm die Zunge zerbricht. Es. kommt ihtten eben weniger daraus an, einen passenden Namen zu finden, als einen originellen, weil der besser behalten wird. Das ist manchmal recht gut, namentlich wenn aus dem Kinde mal ein Künstler wird, meist aber gibt es nur zu Neckereien Anlaß, die gerade einem Kinde nicht besonders angenehm sind. Die Zuerteilung der Vornamen wird in anderer Hinsicht wieder sehr von den Namen der Welt- und Ta g es b erühm check en beeinflußt. Nie entstanden z. B. mehr Wilhelm, Friedrich, Otto und Hellmuth, als nach dem Kriege 70/71. Nach der Geburt des zweiten Kaifersohnes wurde „Eitel" modern, nach Hauptmanns literarischen Erfolgen „Gerhard" — und jetzt nach der Vermählung des Kronprinzen ist es Cäcilie. Diese Neigung ist ja im gewissen Sinne zu begreifen, aber sie führt andererseits' auch wieder zu jener Unbedachtheit, die einmal später im Leben nicht angenehm wirkt. Unwillkürlich muß man gerade bei dem Namen Cäcilie jenes Witzboldes gebenfeit, der da meinte: Alles im Leben ist zn verstehen, nur wie eine Mutter, die mit der Zunge anstößt, ihre einzige Tochter „Cäcilie" nennen kann, ist nicht zu verstehen. Es ist ganz klar, daß sich aus diesen „gesuchten" Vornamen die größere Fülle der „Kosenamen" ergibt. Meist stammen sie ja noch ans der Zeit, wo das Kind tastend nach seinen ersten Lauten sucht, und deshalb auch seinen eigenen Namen verdreht. Begeistert wiederholt der Kreis der Erwachsenen dies ^stammel, und so hört man zu seinem größten Erstaunen dann große Menschen noch Lule statt Ludwig, Matsch statt Maria, Neene statt Helene, Tutt statt Kurt usw. usw. neunen, und so unangenehm es auch, manchem bei ruhiger Ueberlegung Hirt gen mag, „die Gewohnheit hat es ihm zu einer leichten Sache gemacht"! Ihm — und seinen Leidensgefährten ebenfalls. Freilich — mancher kriegt auch seinen Kosenamen, der ihn wie ein Schatten durchs Leben begleitet, schon vorher, und zwar ans eigener Machtvollkommenheit der Eltern. Jedes Kind ist natürlich ein „Baby"; manches aber bleibt es auch, wenn es längst schon verheiratet ist, und selber so etwas hat, was man im Ueberschwang der Gefühle nicht anders bezeichnen kann. Aber damit ist die Rubrik, noch lange nicht erschöpft. Die -r £Iftn&et nicht nur Kosenamen, sie verdreht auch die ge- wohnltchen und hangt ihnen Endungen an, die das Aussehen der Namen völlig verändern. Liegt ein Mädel „mittig" in semen Kissen, muß es unweigerlich „Nutte" heißen. Ist es sauber und zierlich, sozusagen wie ans dem Laden, wird es „Puppe" genannt, und so noch weiter „Fratz, Schnupps, Kleinchen, Deibel, Hundevieh usw." Und dann Maxel, Friedelchen, Pauleken, Jörgl und tausend andere Variationen. Nur so konnte es kommen, daß eine Mutter ihre drei Kuder einmal vorstellte: Das ist Theresl (der Esel), das ist der Andresl (der andr' Esel) und das ist .Agnesl (Äch'n Esel). Von, hier bis zu den richtigen Spitznamen ist's nicht gar zu weit. Sie aber , entspringen gewiß nicht der Liebe und Zärtlich- reit. Die Bosheit gab sie ein, und oft sind sie so wunderbar geprägt, daß man den Aufwand von Scharfsinn für eine besserte Sache wünschte. Auch sie entstammen oft schon den Kinderjahren, und es ist bezeichnend, daß sie dort ganz sicher den Charakter festlegen. Wer wüßte nicht, was für schöne Eigenschaften hinter „Bock", hinter „Schmierfink", hinter „Prinzessin" usw. zu suchen sind? Daß das Leben die Reihe der Spitznamen erweitert, ist klar. Fast so klar wie der Umstand, daß schließlich die meisten nicht mehr zu ihrem Träger passen wollen. Ganz sicher aber würden sie stark von der Bildfläche verschwinden, wenn die Eltern bei der Taufe mehr auf den Charakter und namentlich auf den Kreis, auf die Lebensstnfe Rücksicht nehmen wollten, in der ein Mensch anscheinend heranwachsen wird. Wenn sie sich bei der Namensgebung einer größeren Einfachheit befleißigten und auch die phonetische Wirkung beachteten. Ist doch oft schon der Familienname so, daß er zu mancherlei Aergernis Anlaß gibt. Erst kürzlich kam ein Herr aufs Polizeipräsidium und bat, seinen Namen ändern zu dürfen. „Wie heißen Sie denn?" fragte der Beamte. — „Wilhelm Zieh". —■ „Na hören Sie, der Name ist doch recht hübsch!" — „Gewiß, gewiß. Aber sehen Sie, ich habe ein großes Geschäft. Alle Augenblicke werde ich ans Telephon gerufen, und wenn ich mich dann melde: „Hier Zietz!", dann sagt jeder einzige: „Na, daun machen Sie doch's Fenster zu, wenn's bei Ihnen zieht!" Das ist auf die Dauer! sehr unangenehm. Auch „Anna Will" und „Martha Teetz" bilden nicht gerade ein Geschenk vom Himmel. Deshalb solle man aber auch die Glücklichen, die einen schönen Familiennamen haben, nicht durch das Danaergeschenk eines ausgefallenen Vornamens für das ganze Leben schimpsieren. Denn heutzutage ist der Name wirklich nicht mehr „Schall und Rauch". Er empfiehlt oft einen ganzen. Menschen. ___________ BelenchtungstechniL. Dauerbrand-, Iandus- und Regina-Lamp eck. Nachdruck verboten. Bekanntlich rührt die Leuchtkraft unserer gewöhnlichen Bogenlampen nur zum kleinen Teil von dem zwischen den beiden Kohlenspitzen überspringenden sog. Davyschen Lichtbogen her; der weitaus größere Teil stammt von den Kohlenspitzen selbst, die infolge des Stromdurchganges glühend werden. Ihre hohe Temperatur bringt es dabei mit sich, daß die Kohlen mit großer Lebhaftigkeit verbrennen. Dieser Vorgang erzeugt zwar einen leuchteuden Mantel glühender Kohlensäure um die Spitzen herum, bringt aber diesem kleinen Vorteil gegenüber den viel größeren Nachteil mit sich, daß die Kohlen schnell , verbraucht werden, — bei der gebräuchlichen Dicke der Stäbe ein Stück von etwa 20 Millimeter pro Stunde. Man sucht daher den Vorgang der Verbrennung einzuschränken, teils auf 'chemischem Wege, teils dadurch, daß man den Sauer-. stoff der Luft, ohne den ja bekanntlich keine Verbrennung unterhalten werden kann, möglichst entfernt. Zuerst suchte dies die Firma Fr. Krupp dadurch zu erreichen, daß sie die Kohlen mit Natriumwolframat tränkte; es wird damit bewirkt, daß sie erst bei der Temperatur! des Bogens selbst, d. h. bei 2......3000 Grad, verbrennen, nicht mehr, wie früher, schon bei Weißglut. Dies ist zwar schon ein bedeutender Fortschritt, insofern die Stäbe jetzt nur direkt an der Spitze selbst verbrennen, nicht mehr schon .in einigen Zentimetern Abstand, — eine wirksame Abhilfe brachten aber erst die Dauerbrandlampen, die, wie ja schon ihr Name besagt, ein viel sparsameres Brennen ermöglichten. Ingenieur Hardtmuth brachte als erster an der oberen Kohle einen isolierenden Ring an, der den im Bogen erhitzten Sauerstoff verhinderte, längns der Kohlen aufsteigen und diese verbrennen zu können. Das beste auf diesem Gebiete stellen" wohl augenblicklich die Jandus- und Reginalampen vor, die sich nur durch geringfügige konstruktive Einzelheiten von einander unterscheiden. Der wesentliche Bestandteil beider ist ein die Kohlenspitzen umschließender Glasbehälter, sodaß diese nur durch eine oder mehrere ganz kleine Oeffnungen mit der Außenwelt in Verbindung stehen. Die starke Erhitzung im Bogen treibt nun einen sehr großen Teil der. Luft aus dem Behälter heraus, sodaß dicht an den Spitzen eine starke Verdünnung entsteht. Infolgedessen können die Kohlen natürlich fast gar nicht verbrennen. Außerdem kann man dem Bogen eine größere Länge geben, was wiederum seine Temperatur ein wenig erhöht und die Verdünnung weiter treibt. Ein weiterer Vorteil erwächst daraus, daß trotz des längeren Lichtbogens an der positiven Kohle ein kleinerer 604 Krater als gewöhnlich entsteht. Zur Würdigung dieser Tatsache müssen wir jedoch weiter ausholen. Es ist ja bekannt, daß die positive Kohle doppelt so schnell verbrennt, wie die negative. Um daher ein gleichmäßiges Nachschieben der Stäbe zu ermöglichen, pflegt man für die positive Kohle einen doppelt so großen Querschnitt AN nehmen. Ferner ist auch bekannt, daß an der positiven Kohle sich eine Vertiefung, der sog. Krater, ausbildet, der natürlich besonders hell strahlt, sein Licht aber nur unter einem ganz bestimmten Oeffnungskegel aussendet, gewöhnlich etwa 110 Grad; d. h. einfacher gesagt, der Krater strahlt vornehmlich nur nach einer Seite. Man Pflegt daher die positive Kohle nach oben zu nehmen, um das Licht des Kraters nach unten zit erhalten, wenn es sich um die Beleuchtung von Straßen, Plätzen, Schaufenstern handelt. Sollen dagegen Zeichensäle, Arbeitsräume usw. erhellt werden, nimmt man die positive Kohle unten. Der Krater strahlt dann sein Licht nach oben an die Decke, von !vo es diffus zerstreut, also für das Auge viel angenehmer, wieder yerunterkomint. Man sieht aus diesen Beispielen, daß man die Lampen in einer gewissen Höhe aufhängen muß, sollen sie nicht gerade unter sich, sondern auch noch seitwärts einen beträchtlichen Teil des Raumes erleuchten. Wird nun, wie bei der Rcginalampe, der Krater sehr klein, so strahlt er auch seitlich ziemlich viel Licht aus; das von ihm ausgesandte Strahlenbündel verbreitet sich, und die Lampe kann viel niedriger aufgehängt werden, was natürlich wieder zur Vergrößerung der Helligkeit beiträgt. Infolge aller dieser Eigenschaften brennt die Regina- lampe recht ökonomisch. Sie verbraucht nur 1,075 Watt Pro Normalkerze, gegen. 1,75 Watt bei gewöhnlichen Bogenlampen. Endlich kann sie auch an höhere Spannungen wie diese angeschlossen werden. Alle diese Vorteile gehen natürlich verloren, sowie Luft von Zimmertemperatur in das Glasgefäß um die Spitzen eindringen kann. Felix Jentzsch. Die Zigarette Ser Hose. „ Die Zeiten wandeln sich und die Menschen mit ihnen. Am Hofe der alten Königin Viktoria von England war das Rauchen in jeder Form auf das strengste verpönt. Das mußte der bekannte und verwöhnte Porträtmaler der eleganten Welt, Heinrich von Angeli eines Tages, da er der Gast der Königin in Windsvr war und sich nach der Tafel, sorglos, wie nun einmal die Künstler sind, „Jemen Tobak" anzündete, in unliebsamer Weise erfahren. Die Königin ließ ihn durch einen Kammerherrn ersuchen, wie man auf gut Deutsch sagt, das „Lokal zu verlassen". Seitdem hat das Rauchen längst Hoffähigkeit erlangt. Die meisten Monarchen Europas sind leidenschaftliche Raucher. Davon ist schon oft erzählt worden. Man weiß, daß Kaiser Wilhelm II. sich eine besondere Sorte von Zigaretten Herstellen läßt, deren einzelnes Stück 15 Pfennige kostet, und datz midj eigene Zigarren der hervorragendsten Qualität für ihn angesertigt werden. Man weiß, daß König Edward VII. von England sich tagsüber nicht fünf Minuten lang von seiner gewohnten schweren Import trennt, und daß Kaiser Franz Josef von Oesterreich ein leidenschaftlicher Freund einer guten, kunstfertig in Brand gesetzten Virginia ist. Aber es ist gewiß weniger bekannt, daß auch die Herrscherfrauen mehr und mehr Geschmack am Nikotin finden. Das kam jüngst zutage, als die Polizei in London einen Zigarettenhändler auf- sorderte, nachzuweisen, mit welcher Berechtigung er sich Hoflieferant der Königin-Witwe von Italien nenne. Der Fabrikant holte seine Bucher herbei und sie bezeugten, daß er tatsächlich die Ehre habe, den Bedarf an Zigaretten der Königin Margherita, der Mutter Viktor Emanuels III., zu decken, — und zwar, der Zahl nach zu urteilen, einen recht erheblichen Bedarf. Die Witive des Königs Humbert gehört zu den sogenannten „Kettenrauchern", die ecne erlöschende Zigarette erst weglegen, nachdem sie eilte fcifttje angezündet haben. So tut es auch die Kaiserin-Mütter von Rußland, Maria Feodorowna, bereit Zigaretten stark parfü- sthert und mit der Hand gerollt werden. Die Königin-Witwe Marie Christine von Spanien, einfach und streng in ihrer sonstigen Lebensweise, ist doch eine leidenschaftliche Liebhaberin der Zigarette, verschmäht aber, das scharfe hispanische Kraut zu Gunsten des türkischen. Sie begegnet sich in dieser Neigung mit .,err* , des Nachbarreiches Spaniens, der schönen und stattlichen Königin Marie-AmÄie von Portugal, der die Zigarette lreue Begleiterin ist. Und selbst Carmen ^8^"' Rumäniens feinsinnige Königin, liebt es, sich in den bläu- ttctien Dunst der Zigarette zu hüllen, wenn sie am Schreibtische sitzt und schwärmt und dichtet. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Br Vermischtes, * Fritz Friedmann. Der berühmte Strafrechts-Anwalt, der hinreißend beredte Verteidiger Fritz Friedmann, dessen Ein- komnten in seiner Glanzzeit jährlich nach dem Urteil seines Substituten, Assessor L., 400 000 Mark, betrug, macht wieder von sich reden. Der geniale, seinem tollen Leben dereinst zum Opfer gefallene Berliner Anivalt, der selbst auf der Anklage- bank Platz nehmen mußte, als seines Glückes Stern im Erlöschen war, wird in den Annoncen eines „Internationalen Advokaten- bureau's Hasselot für Rechts-, Handels- und Patentsachen" als Leiter der deutschen Abteilung jenes Pariser Instituts genannt. Zu wünschen wäre es, daß diese Stellung dem ruhelosen Unglücklichen, den sein Genie und seine geniale Zügellosigkeit die Dornenlaufbahn des Landflüchtigen führte, den Hafen gewährt, in dem das Hasten seines Lebens vor Anker gehen kann. War doch mit dem Sinken seines Glückssternes ein fast völliges Erlöschen seines Augenlichtes verbunden! ---er. * Zur Geschichte der H e i r a t s g e s u ch e. Heiratsgesuche auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der Zeitungsanzeige sind in unseren Tagen zu einem gewissen Bedürfnis geworden und erfreuen sich der geheimen Begünstigung aller zukünftigen^ Schwiegermütter und der Väter von mehr als sechs bis sieben Töchtern. Selbst Jungfrauen von angenehmem Aeußercn und Witwen mit und ohne Kinder benutzen heute dieses Mittel bei der Jagd um den Ehering. Daß die Männerwelt sich dieser Vermittelung in ausgedehntem Maße bedient, darf als allgemein bekannt angenommen werden. Solche Heirntsgesuche durch die Zeitung sind aber schon alt; jedenfalls bediente man sich schon vor mehr a ls 120 Jahren der Zeitungen zur Heirats- vermittelmig. In einer Hamburger Zeitung vom Jahre 1783 fand ich folgendes Inserat : „Es wird dem Pnblieo hiermit bekannt gemacht, und vorzüglich den sämtlichen Amtsrichtern, daß der Amtsrichter F. I. Lambrech, zum Amte Trittau, unweit Hamburg, wegen Schwäche seines Körpers, sich mit seiner Frau zur zur Ruhe begeben will, und seine leibliche Tochter, seinen Amts- richterdienst, nebst Land und Wiesen, an ein tüchtiges Subjekt, welches feine Tochter heiratet, zu übertragen geneigt ist. Liebhaber können sich dieserhalb, um fernere Conditiones einzuholen, beim Amtsrichter Hennings adressieren. — Hamburg, 3. September 1783." * Weise Mahnung. Direktor (die Abschiedsrede an die Abiturienten schließend): ,^Da Sie jetzt hinaus in das akademische Leben treten, Jo hüten eie sich vor allen Sausgesellschaften; SSiertrinfcn macht dumm, denken Sie an midj!" Für die Hausfrau. ;— Soeben erschien im Verlag von W. Barnbeck in Kassel ein Kochbnch für vegetarische Küche von Anna Barnbeck. Diese Sammlung von nahezu 300 Anweisungen wird von mancher Hausfrau zumal in diesen Tagen der Teuerung als willkommenes Nächschlagebuch begrüßt werden. Einen besonderen Vorzug bietet das Werkchen dadurch, daß die Kochanweisungen in einer Form gegeben sind, welche für jedermann als leicht und schnell verständlich bezeichnet werden müssen. Alle schwierigen Zusammensetzungen, alle Speisen, welche sich vermöge ihrer Art nur in größeren Küchen unter Mitwirkung zahlreicher Hilfskräfte wirklich zweckentsprechend Herstellen lassen, sind unberücksichtigt geblieben. Dagegen ist alles aufgenommen, was unter der Bezeichnung „kräftige H a u s m a n n s k o st", sowohl einfacher wie feinerer Art, mit gutem Recht geführt werden kann. Insbesondere ist Wert darauf gelegt, die Anweisungen so zn geben, daß diese nicht nur leicht, sondern auch aus denkbar billigste Art auszuführen sind. Außerdem bieten sie Erleichterung beim lieber gang von der gemischten zur Pflanzenkost.. Zu diesem Zweck sind eilte Anzahl Speisezettel für Sommer und Winter angehängt. Der Preis des Kochbuches ist 1.20 Mark. Ergäuzuugsrätsel« Nachdruck verboten. P . ob .. g . e. t e . . io . i, d .. i. n .. S .. h d .. M .. n b ,. ä . r . n .. ß: B.. d .. . r . ei. r .. h . B .. i. n .., B .. in G .. i. ß .. r.. h . r S . h .. ß. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des magischen Zahlenquadrats in voriger Nummer: 15 |134 338(245 245(338 134,15 134] 15 245(338 338(245 15 [134 'schen Universttäts-Bnch- und Steindrnckeret. R. Lange, Dieb«.