Areitag den 12- HKLoöer M 'M M DWD W W 151 Zm Aanne des Heßeimmsses. Roman von H. v. Raesfeld. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) 13. Kapitel. Ein Lebensretter. Es war ein prächtiger Sommermorgen, der Himmel strahlte im klarsten heitersten Blau; goldenes Licht schwamm in der frischen, duftgcschwängerten Luft, -der Gesang zahlloser Vögel, das Rauschen frischer, saftgrüner Blätter, das leise Wogen des langen Grases im Winde, das sanfte Gemurmel des Flusses, der durch seine grünen Ufer dahinglitt: alles vereinigte sich zu einem wundervollen harmonischen Zusammeuklaug. Ein Morgen, wo das Leben doppelt schön und teuer, Kummer und Sorge etwas Unmögliches, Liebe, Hoffnung und Glück ringsum ausgcgossen scheinen. Am Ufer des Flusses befand sich eine Gruppe von drei jungen Männern, deren Aussehen ganz mit dem lieblichen Sommermorgen in Einklang stand. Ein hübsches, hcllge- sirichenes Boot lag vor ihnen am Stamm einer ins Wasser hineinwachsenden Weide befestigt. Halb saßen, halb lagen sie auf der grünen Uferböschung und genossen die Schönheit der Natur, dann und wann das Schweigen mit einigen Worten unterbrechend. Der Aelteste von ihnen, Noderick Pidgeon, stand auf dem Punkte, Cambridge zu verlassen und bei Ihrer Majestät Leibgarde einzutreten. Ihm zunächst saß der junge Lord St. Gilbert, der einzige Sohn und Erbe des edlen und einflußreichen Grafen Romsey von Downham. Lord St. Gilbert war gerade neunzehn Jahre, und alle Hoffnungen der Nomseys vereinigten sich auf ihn. Die Gräfin, eine niedliche, zarte Frau, hatte mehrere Kinder gehabt, die aber alle in zartem Alter gestorben waren, aus- genommen Balduin, der geliebte Sohn und Erbe. Was sein Leben den in ihn vernarrten Eltern wert war, war mit Worten nicht sobald zu beschreiben. Er war nicht sehr kräftig, dieser junge Erbe der gesamten Ramseys. Zwar war er hübsch, aber es war eine gewisse zierliche, mädchenhafte Schönheit. Seine Züge waren sehr regelmäßig; bei der geringsten Erregung kam und schwand die Farbe auf seinen Wangen, wie bei einem jungen Mädchen; blondes Haar lockte sich um den wohlgeformten Kopf. Sein größter Stolz war augenblicklich der flaumige blonde Sch- urrbart, der die zierlichen Lippen zu beschatten begann. Er war nervös und leicht erregbar; trotz aller Jugendlichkeit und Unerfahrenheit aber durch und durch Gentleman; nie sprach oder beging er irgend etwas Gemeines; er war edelmütig und ritterlich. Daß die Gräfin Romsey es je zugegeben, diesen vergötterten Sohn aus ihren Augen zu lassen, konnte niemand begreifen. Sie wußte selbst am besten, was es ihr gekostet und täglich kostete. Sie lebte und starb sozusagen täglich; aber in diesem Punkte war der Graf unerbittlich gewesen. „Der einzige Weg, einen Mann aus Balduin zu machen,* hatte er erklärt, „ist der, ihn auf die Schule, auf die Universität zu schicken; dort kommt er unter wackere männliche junge Burschen, und dann schon über seine Nervosität weg, die ihn andernfalls vollständig verderben würde." Und so halte die Gräfin, wenngleich mit vielen Tranen, nachgegeben. Wie sie ihren Jungen bat und beschwor, doch ja in allem vorsichtig zu sein, können sich Blutter allein denken; wie sie ihn an die Brust drückte und ihm immer wieder sagte, er sei ihr einziges, ihr alles, und sie müsse sterben, wenn ihm etwas widerfahren sollte. „Gewiß, ich würde sterben, Balduin. Ich bin nicht stark, und es würde mich töten. Denke immer daran, daß das Leben deiner Mutter an dem deinigen hängt." Im Laufe der Jahre und onf der Universität wurde er nach und nach natürlich stärker, ober dennoch war er bei weitem nicht so wie andere junge Männer in seinem Alter. An diesen« Morgen nun war Lord St. Gilbert mit Noderick Pidgeon und Werner Jefferies ausgegangen. Er mochte Werner sehr gern leiden und halte die größte Bewunderung vor seinem Talent. „Ich wollte, ich iväre wie Sic," pflegte er zuweilen mit einem liefen Seufzer zu ihm zu sagen. „Ich sollte klug und anstellig sein und biu's nicht. Ich sollte stark sein und bin's nicht. Ich wünsche zu Gott, ich wäre wie Sie." Trotz des Unterschiedes in Rang und Lebensstellung waren sie große Freunde. Werners Genie, seine idealen Gedanken und Auffaffuncsen, sein edles Gemüt, feine. Vorliebe für alles Schöne und Gute übten einen großen Reiz und eine zauberische Anziehungskraft auf den jungen Erben aus. Werner saß emsig über seinen Büchern, als die beiden kamen und ihn für diesen einen Morgen mit hinauszukommen baten. Er konnte es nicht abschlagen. „Ich gehe bald fort, Jefferies", sagte Lord St. Gilbert, „Sie dürfen mir nicht nein sagen." „Und ich bin in zwei Tagen fort und will kein Nein an- nehmen," sagte Noderick Pidgeon. Werner gab demgegenüber seinen anfänglichen Widerstand auf und ging mit ihnen aus. Nichts wollte Roderick an diesem Morgen bester behagen, 598 als eine Ruderpartie auf dein Flusse. Lard St. Gilbert dagegen war nichts darum. „Ich weiß, Ihr werbet mich auslachen," sagte er schließlich, „dagegen bin ich indes abgehärtet; die Wahrheit ist, das Wasser macht mich nervös; ich fürchte mich stets mehr oder weniger davor." „Aber doch sicher nicht vor einem lachenden, sonnigen Flusse, ivie hier in diesem Fall. Hört nur, wie melodisch er murmelt und singt." „Zugestanden, aber er hat auch grausame Tiefen, kalte, grausame Tiefen. Es hilft nichts, daß du mir zuredest, Roderick; ich kann's nicht ändern." „Aber wenn ich an deiner Stelle wäre," sagte Roderick energisch, „so würde ich's ändern. Ich würde diese Nerven Zoll mn Zoll bekämpfen; sie sollten mir nie Meister über mich werden. Wenn du das nicht tust, so wirst du nie stark werden. Ich würde nicht so nachgeben, wie du es tust, St. Gilbert, wahrhaftig, nicht um die ganze Welt." Nach einigem weiteren Zureden, Necken, Bestürmen stieg Lord St. Gilbert endlich in das Boot. Roderick Pidgeon be- glückwünschte ihn zu seinem Entschluß; aber Werner, der sein blasses Gesicht sah, fühlte sich von der Gefahrlosigkeit des Wagnisses nicht so ganz überzeugt. Ein paar Minuten lang war es sehr vergnüglich. Die Sonne schien auf den Fluß und vergoldete die Fährte, die das Boot auf dem ruhigen Wasserspiegel hinterließ; das Wasser floß sanft murmelnd zwischen den grünen Ufern dahin, der Wind umflüsterte sie schmeichelnd und trug ihnen Düste aus den umliegenden Wiesen und Weiden zu. „Na," sagte Roderick, „bist du noch bange? —Ich sage dir, Balduin, alles, was dir fehlt, ist: mehr Entschluß und Willenskraft. Man hat dich mit dieser abgeschmackten Idee von Nervosität großgepäppelt, bis du natürlich glaubst, du könntest gar nichts mehr unternehmen. Ist dies denn nicht nett?—Jetzt wirft du mal ein Ruder nehmen, alter Freund. Wir werden noch einen regelrechten Ruderer ersten Ranges aus dir machen." Werner jedoch bemerkte, welche große Anstrengung Lord St. Gilbert machte, seine Erregung niederznkämpfen, und war heimlich besorgt. Wie es eigentlich kam, hätte keiner von ihnen jemals genau sagen können. Selbst Roderick Pidgeon konnte es sich ganz und gar nicht erklären. Sie nahmen später an, daß Lord St. Gilbert von einer plötzlichen nervösen Panik befallen worden sein müsse, die ihn veranlaßt habe, von einer Seite des Boots auf die andere zu springen, genug — einen Augenblick — dann sahen und hörten sie nichts mehr, das Boot schlug plötzlich und heftig um, und alle drei lagen im Wasser. "Während seines ganzen Lebens vergaß Werner Jefferies den schrecktiehen Schrei nicht, den Lord St. Gilbert ausstieß, Es war nur das eine Wort: „Mutter!", aber es schien die klare Sommerluft zu durchschneiden und bis zum blauen Fir- nimnente emporzudringen. „Rette ihn, Werner!" schrie Roderick, „mein Arm ist verrenkt, ich kann ihn nicht gebranchen!" Es überstieg fast seine Kräfte, sich selbst ans Land zu bringen. Mehrere Male war er auf dem Punkte nnterzusinken, und schon wollte Werner ihm znr Hülfe kommen, als Roderick wieder laut aufschrie: „Kümmere dich nicht um mich, reite Balduin!" Als Pidgeon das Ufer endlich erreichte, brach er vor Schmerz in dem verwundeten Arm fast bewußtlos zusammen. Werner war ein ausgezeichneter Schwimmer. Mit wenigen kräftigen Stößen hatte er die Stelle wieder erreicht, wo Lord St. Gilbert untergegangen. Ach! es war keine Spur von ihm zu erblicken! „Er muß wieder in die Höhe kommen," dachte Werner und hielt sich in möglichster Nähe des verhängnisvollen Punktes. Aber die Augenblicke waren kostbar, und sie verflossen mit unheimlicher Geschwindigkeit, doch St. Gilbert kam nicht wieder an die Oberfläche des Wassers, „Himmel!" murmelte Werner verzweifelt, — „was soll ich tun — was kann ich tun?" Rasch entschlossen tauchte er dann an der Stelle, wo er den jungen Mann hatte sinken sehen, unter — die Strömung war glücklicherweise nicht sehr stark — und bekam zu seiner unendlichen Erleichterung etwas wie Kleidung zu fassen. Em weiterer Augenblick, und er tauchte mit dem Bewußtlosen wieder an die Oberfläche, dann aber begann die schreckliche Aufgabe, mit der schweren Bürde ans Land zu schwimmen. Die Anstrengung überstieg fast seine Kräfte, ober mit Aufbietung aller Willens- und Körperkraft und Geschicklichkeit erreichte et zuletzt doch das Land und legte den Beivußtlosen im Grase nieder. Er war nahezu halbtot vor Erschöpfung, verlor aber keinen Augenblick mit sich selbst. Schnell lockerte er St. Gilbert die Kleidung und legte ihm die Hand auf die Brust. Er lebte noch soeben; das Herz schlug sehr, schivach und langsam —■ noch eine weitere Minute im Wasser, und alle irdische Wissenschaft hätte ihn nicht mehr retten können. Werner tat alles, was er konnte; er versuchte, das Blut wieder in Umlauf und die Atmung in Tätigkeit zu setzen: ober die Aufgabe überstieg seine Kräfte. Er rief laut um Hilfe, und zwei Feldarbeiter kamen herbeigelaufen. „Dieser Herr ist beinahe ertrunken! Tragt ihn zu Smiles Haus, es ist hier ja wohl gleich nahe bei, aber vorsichtig!" „ . Schnell ging es über die Felder zu dem Bauernhause. Die Frau, flink und eilfertig, giiig, als sie erfuhr, um was es sich handele, voraus in das einzige Schlafzimmer, das das Häuschen anfzuweisen hatte, und half in jeder Weise. _ „Wer zuerst mit einem Arzt wieder hier zur Stelle ist, wandte sich Werner an die beiden Arbeiter, „erhält fünf Pfund von mir!" Er wußte, dies war ein Fall, wo er mit Gold um fick) (treuen durfte — im buchstäblichsten Sinne des Wortes — wenn es nur gelang, dies kostbare Leben zu retten. Während die Männer spornstreichs davoneilten, fuhr er fort, sein Bestes mit Reibungen und allen anderen Mitteln, die ihm nur einfielen, zu versuchen; indes ohne sonderlichen Erfolg. Das Resultat seines freigebigen Versprechens jedoch war, daß beide Arbeiter in ganz unglaublich kurzer Zeit zuriick- kehrten, — jeder mit einem Arzte. „Umso besser," sagte Werner erfreut, „jeder von Euch soll fünf Pfund erhalten." Die beiden Aerzte machten sich ans Werk. „Retten Sie ihn, wenn eben möglich!" beschwor Werner sie eindringlich. „Es ist der einzige Sohn des Grafen von Romsey; erst gestern sagte er mir noch, seine Mutter lebe nur für ihn und mit ihm l" Es war ein harter Kampf mit dem Tode —nichts, als die kleine, schwache Regung des Herzens gab ihnen einige Hoffnung. Inzwischen schickte Werner auch Roderick Pidgeon Hülfe, der sie gleichfalls bitter nötig hatte. Der beim Umschlagen von der scharfen Bootkante getroffene Arm war bedenklich geschwollen, man beschaffte einen Wagen und brachte den Verletzten, nachdem er in der Hütte die notwendigste ärztliche Hülfe erhalten, nach Hause. Werner blieb bei Lord St. Gilbert zurück. Aber es dauerte lange, ehe der junge Erbe die Augen wieder öffnete oder überhaupt ein Lebenszeichen von sich gab; und dann erklärten beide Aerzte, es würde eine schwierige Aufgabe sein, ihn ganz wjebcr durchzubringen. Es dauerte einige Tage, ehe er aus der Hütte nach der Stadt geschafft werden konnte. Roderick Pidgeon erklärte feierlich, Zeit seines Lebens werde er keinen nervösen Menschen wieder mit aufs Wasser nehmen. (Fortsetzung folgt.) Minz Louis Aerdinand von Wreußen, Bor 100 Jahren hat ein genialer Sproß des Hohen- zoklernhauses auf dem Schlachtfelds, von Saalfeld den Heldentod fürs Vaterland gefunden. Prinz Loms Ferdmauo hat für die Deutschen ein besonderes Interesse dadurch, 599 daß er Jahre seines Lebens daran setzte, den Plan eines preußisch-österreichischen Bundes zugleich gegen Osten und Westen zu verwirklichen. Erst nahezu 70 Jahre später war es unserem Altreichskanzler Bismarck vergönnt, den jener Idee ähnlichen mitteleuropäischen Bund, der für die Politik unserer Tage so große Bedeutung gewonnen hat, ab- znschließen. Mr unser Hessenlaud wendet sich die Aufmerksamkeit auf das Leben dieses Prinzen, weil er au" jetzt hessischem Boden in den Kämpfen gegen die Franzosen verschiedene Proben seines Heldenmutes und seiner Tapferkeit ablegte. Prinz Louis Ferdinand war am 18. November 1772 zu Berlin geboren. Er war ein Neffe Friedrichs des Großen. Der Tradition des Hohenzollernhauses gemäß ergriff er die militärische Laufbahn. Jeder Gemeine war ihm ein Kamerad, zu gleichen Gefahren und Ehren mit ihm berufen. Daß er Rang nnd Stand als etwas Zufälliges ansehe und vor allem den Menschen- achten wollte, bezeigte er durch Wort und Tat. Zn seinem Oheim sagte er einst: „Ich muß jetzt ei» bißchen der Prinz sein, die Leute wollen es durchaus so haben." Im Jahre 1792 beteiligte er sich als Oberst au dem Feldzüge gegen Frankreich, allein dieser bot keine bedeutende Gefechte, der junge ungeduldige Krieger fand keine Gelegenheit zu persönlicher Tat. Um so stürmischer warf sich sein leidenschaftliches Gemüt auf die Zerstreuungen, wie sie ihm während des Wiuteraufenthaltes in Frankfurt a. M. mit seinen Lustbarkeiten geboten wurden. Goethe erzählt uns in launiger Weise von mehreren Begegnissen, die er mit dem geistreichen Prinzen hatte. Die Liebe zur Tonkunst überwog jede andere Leidenschaft. Am Klavier war er ein Meister. Bekannt ist, daß er in einem Konzerte, das der Künstler in Frankfurt gab, eine Sonate spielte. Alles strömte herbei, den Prinzen zu hören. Der Erfolg war glänzend. In dem folgenden Jahre war es ihm bei der Belagerung der von den Franzosen besetzten Festung Mainz vergönnt, sich auszuzeichneu. Gelegentlich eines Ausfalls stand Prinz Lonis an der Spitze zweier Jnfanterieregi- menter und trieb den Feind mit großem Verluste zurück. Mit dem Degen in der Faust stürmte er seinen Leuten voran; in vier Gefechten bei den Zahlbacher Höhen und bet Wegenan blieb er siegreich, einen verwundeten Oester- retcher trug er mit Lebensgefahr aus dem dichten Kugelregen. Endlich wurde er bei Erstürmung einer feindlichen Schanze durch einen Kartätschenschuß schwer verwundet. König Friedrich Wilhelm II. ehrte den tapferen Prinzen ourch die Ernennung zum Generalmajor. Ebenso zeichnete er sich 1794 in der Pfalz aus. Mit sechs Kompagnien des Regiments uxomberg entschied er den Sieg bei Edesheim Die Nachricht von bem im Frühjahre 1795 in Basel mit den Franzosen unterzeichneten Frieden erfüllte ihn mit lebhaftem Unwillen, tote er schon vorher über die lässige Art der Kriegführung auf preußischer Seite sich mit großer Unzufriedenheit geäußert hatte. Der Prinz ging mit seinem Regimente nach Magdeburg und beschäftigte sich mit militärwissenschaftlichen Studien. Doch nahm er die folgenden 10 Jahre seinen Aufenthalt an den verschiedensten Orten, bald finden wir rhn in Hamburg, in Wien und in Berlin. Hier trat er Kvvßen Staatsmännern und Führern jener Zeit näher, k icH°' 'ube'g, Scharnhorst, Klausewitz usw. In diesen Jeit lmichfe der Gedanke auf, dem immer drückender msbn?nen U.ebergewicht Frankreichs einen Bund Preußens ■ ^ntgegenzusetzen, der auch dem Eingreifen eror0^aT|^en Angelegenheiten Schranken £uljeii sollte. Der Plan etnes mitteleuropäischen Bundes mit Feuer ergriffen. Wiederholt er selbst nach Wien, entwickelte den Gedanken einer Allmnz und empfahl die Sendung eines Erzherzogs nach Aber Friedrich Wilhelm III., durch das franzoseu- ^1?^ermm Haugwitz dazu veranlaßt, zauderte. Aer suhlte sich ourch das Mißlingen seiner Bestreb- ungeu sehr unglücklich, der Ablehnung seiner Ratschläge das Verderben zu, das 1805 und 1806 über Deutschland herembrach. Im Dezember 1805 kam die Nach- ^-t von dem Abschlüsse eines Vertrags mit Frankreich und die Verfügung von der Demobilisierung der preußischen Armee. Grollend darüber blieb der Prinz von Berlin fern und suchte Zerstreuung in Jagdvergnügnngen in der Nähe Magdeburgs. Erst im folgenden Sommer gelang es in Berlin einer Vereinigung angesehener patriotischer Männer, eine Aenderung in der preußischen Politik und einen Wechsel m den leitenden Persönlichkeiten hervorzurufen. Die Willkür und Falschheit Napoleons mußten endlich den Ausbruch des Krieges herbeiführen. Die Aussicht auf den nahen Kampf hob des Prinzen Stimmung, die Unsicherheit in der Leitung der Armee erfüllte ihn mit Besorgnis. Die Franzosen rückten von Bamberg aus nach dem Saaletale vor. Prinz Louis hatte den Oberbefehl über die Vor- trnppen des Korps Hohenlohe übernommen und stand mit etwa 6000 Mann an der oberen Saale in der Nähe von Saalfeld; Fürst Hohenlohe stand weiter unterhalb bei Rudolstadt, von ihm erwartete der Prinz Hilfe. Im Vertrauen darauf und weil Prinz Louis die Wichtigkeit des Uebergaugs über die Saale an dem Punkte bei Saalfeld mit richtigem Blick erkannte, ließ er sich mit dem etwa viermal stärkeren Feind in ein Gefecht ein, in dem er fünf Stunden lang Widerstand leistete. Obschon die versprochene Hilfe ausblieb, zeigte der Prinz Ruhe und Kaltblütigkeit. Auch sein persönliches Eingreifen konnte das Geschick der Schlacht nicht wenden. Zu der Uebermacht kam noch die überlegene Fechtweise, das Tiraillieren, der Franzosen. Im Getümmel des Rückzugs wurde der Prinz mit fortgerissen. Um nicht gefangen zu werden, mußte er über einen Zaun setzen. Sein sonst vortreffliches Pferd blieb mit dem einen Fuße hängen, ein feindlicher Husar sprengte heran und hieb dem Prinzen in den Hinterkopf. Die Aufforderung, sich zu ergeben, beantwortete er durch einen Säbelhieb; da empfing er einen Stich durch die Brust, er sank vom Pferde und fiel jetzt in die Hände der nach- sprengenden Husaren, die ihn mit Säbelhieben zerfleischten. Mit 13 Hieb- und Stichwunden bedeckt, fand man später seinen Leichnam, nackt und ausgeplündert. Er wurde in die herzogliche Gruft nach Saalfeld, im Winter 1811' nach Berlin übergeführt und im Dom beigesetzt. Der Tod des Prinzen, auf dessen feuriges und entschlossenes Wesen die Armee mit Vertrauen geblickt hatte, übte auf die Truppen einen entmutigenden Eindruck; man ahnte jetzt den bösen Ausgang des Krieges, wie er vier Tage später in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstädt erfolgte. Hätte er die Erhebung des Jahres 1813 erleben können, so wäre ihm freilich ein großes Los zugefallen; selbst ein französischer Schriftsteller meint, daß er die Lorbeeren Blüchers geteilt haben würde. Dicht an der Straße bet dem Dorfe Wölsdorf, eine Stunde unterhalb von Saalfeld, befindet sich ein Denkmal von Gußeisen mit der einfachen Inschrift: „Hier fiel kämpfend für fein Vaterland Prinz Ludwig von Preußen". Dies Denkmal hat die Prinzessin Luise von Preußen ihrem geliebten, in der Blüte der Jahre gefallenen Brnder 1823 errichten lassen. Adolf Bergheimer. HohenzolleLttsprossL» linker Hand. Die 100. Wiederkehr des Tages, an dem Prinz Lonis Ferdinand von Prcußcit int Vorpostcngesechte von Saatfeld den Heldentod fand, hat vielfach Veranlassung gegeben, nicht nur der ritterlichen Gestalt dieses Prinzen zu gedenken, den Clausewitz den „preußischen Alcibiades" genannt hat, sondern auch daran zu erinnern, daß noch Nachkommen Louis Ferdinands am Leben fütb und daß zu ihnen einer der Dichter Deutschlands, Ernst von Wildeubruch, gehört. Der Verbindung des Priu- zen Louis Ferdinand mit Henriette Fromm, einem jungen Mädchen aus guter Blirgerfamilie, waren zwei Kinder entsprossen, ein Sohn und eilte Tochter. Beide nahm nach des Prinzen ^.ode seine . Schwester, die Fürstin Luise Radziwill, zu sich, und Friedrich Wilhelm III. verlieh ihnen 1810 den adligen Namen „von Wildeubruch". Die Tochter, Blauka von Wildenbruch, wurde Hofdame ihrer Tante Radziwill und starb 1887 als Witwe des Majors a. D. Friedrich v. Roeder. Der Sohn, Ludwig von Wildeubruch, war bei seinem 1874 erfolgten Tode preußischen Generalleutnant a. D. und Gesandter in Konstantinopel gewesen; der Dichter der „Quitzows" und der „Haubenlerche" Zst sein Sohn. Wildeubruch, ein Gut bei Greifenhagen in Pommern, war Eigentum des Prinzen Louis Ferdinand und hatte schon früher einmal der Benennung eines Hohenzollemsprossen gedient. Friedrich der Große uobilitierte einen Sohn des Markgrafen Heinrich Friedrich von Brandenburg-Schwedt 1776 als von „Wilden- bruch"; der Nobilitierte stand als Fähnrich im 1. Bataillon Garde und das Diplom verzeichnet als den Grund der Auszeichnung den Vermerk: „wegen Diensteifers". Dieser erste Wildenbruch starb ohne Nachkommen. Aber es gibt noch eine Reihe von Familien in Deutschland, die ihre Herkunft auf die Verbindung zur linken Hand eines Mitgliedes der Dynastie Hohen- zollern zuriicksühren. Da find, um zunächst der morganatischen Ehen zu gedenken, die Grafen von In gen heim, die vom — 600 Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nuuuner: r t e c 1 n c h h s t e 1 i n d b B e e r D e n g e r r D e n 1 1 ! i n n g E B Er d b e e Magisches Zahlenqnadrat. 'Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehenden Quadrats 134 245 238 viermal derart eingetragen werden, das, die Summe der Zahlen tu lebet der senkrechten, magerechten und Diagonalrethen ftetv ve trägt. Auflösung in nächster Nummer. stark von sogenannten Umwandlungsprodukten abhängen, nach höheren Temperaturen zu verschieben. Wie dem auch sei: Heuslersche Legierungen haben für unsere Erkenntnis von: Wesen den Magnetismus die größte Bedeutung und sind auf diesem Gebiete nach ^rof. Rieckes Ausspruch die „wichtigste Entdeckung seit Farad Felix Jentzsch. LLtsNarrsches. — Leben und Lehre des Buddha. Bon Professor Richard Pischel. Mit einer Tafel. („Aus Natur:und GMes- welt". Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 109. Händchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (VI u. 127 S.) 8. Preis geb. 1.25 Ml. — Keine Religion ist öfter, mit dem Christentum verglichen worden als der Buddhismus, und kerne hat deshalb ein verschiedenere Beurteilung erfahren als diese. Die emen suchen auf seine Kosten das Christentum zu verherrlichen, andere dies durch ihn herabzudrücketr. So wird allen, die sich em objektives Bild der jedenfalls nach dem Christentum am höchsten stehenden Religion machen wollen, die Darstellung willkommen sein, die Professor Pischel, auf Grund der neuesten Quellen veröffentlicht. Das Bändchen gibt nach einer Uebersrcht über die Zustände Indiens zur Zeit des Buddha eme Darstellung von dessen Leben, wobei besonders die Aehnlichkeitcn Mit den Evangelien und die Frage der Möglichkeit der liebeltragung budihiul- scher Erzählungen auf Jesus erörtert werden. Danach erfahrt Buddhas Stellung zu Staat und Kirche zu den Kasten, den philosophischen Systemen, den Gottern des Volkes, Buddhas Lehrweise, die sich vielfach tu Gleichnissen, Fabeln und Märchen bewegte, sowie Buddhas Lehre eme eingehende Darstellung. Bei dieser werden die „vier edlen Wahrheiten", die „Formel vom Kausalnexus und der populärste Begrisf des „Nirvaua" erörtert.. Eine Darstellung der Ethik des Buddhismus stellt fest, daß dieser wie Christentum die Liebe als Kardinaltugend aufstellt und daß seine Gebote vielfach sich mit denen des Christentums berühren Schließlich werden Gemeinde und Kultus, die Konzile, das Monchs.vesen und der Reliquiendienst geschildert. ebenso mhaltretche wie interessante Bändchen kann so auf das beste empfohlen werden. König Friedrich Wilhelm II. und dem schonen Hoffraulein Amalie Elisabeth von Boß abstammen: undda ist, au i seinem Schlosse Domanze in Schlesien lebend, der 86 tahrlge Graf Gustav von Brandenburg, früher deutscher Gesandter m Brüssel, der letzte Cmkel des Königs FnedrichWilhelm H. und 1 der Gräfin Sofie Juliane Dönhoff, die der Monarch sich nach dem Tode der Gräfin Jugenheim, dem Beispiele des Landgrafen Philipp von Hessen folgend, neben seiner rechtmäßigen Gemahlin, der.Königin, antrauen ließ. Der morganatischen Che des Prmzen Adalbert von Preußen mit der lieblichen Tanzertn Therese ElSler entsprang nur ein Sohn, der wie seine Mutter den frei- , herrlichen Namen „von Barnim" trug, und am 12. ^uh 1860 unverheiratet starb. Die Grafen von H o Y e n a u tzr i alter r Graf Wilhelm Hohenau, als General a la suite des Kaisers emer der elegantesten Kavaliere des Berliner Hofes ist, sind söhne des Prinzen Albrecht-Vater von Prcugen, ans der zweiten (standes- ungleichen) Ehe die dieser jüngste Bruder Kaiser Wilhelms11. mit dem Fräulein Rosalie von Ranch schloß. Nahe Verwandt- schaft^verbindet die Familien von B r illw itz und von W alden- bnrg den Herren von Wildenbruch. Die Prillwitz spielten am Hofe des Kaisers Wilhelm I. eme beträchtliche Rolle, - tftmt Georgine von Prillwitz war eine der durch ihr gestlMaitliches Auftreten berühmten „drei Schwestern", geborenen Gräfinnen Moltke, stand aber der Gräfin Danckelmann und der Gräfin Perponcher an Reiz der äußeren Erscheinung naa). ^hr Gatte, der Kammerherr und frühere Gardekürassier-Offizicr Ludwig von Prillwitz war ein Sohn des Prinzen August von Preußen, Bruders des Prinzen Louis Ferdinand. Und vom Prinzen August stammen auch die in Schlesien begüterten Herren bon Waldenburg aM Die Familie von Iägersfeld, von der cm Zweig m Arkans«. in Amerika lebt, haben zum Ahnherrn einen svhn des Markgrafen Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwcdr, Georg Wilhelm Jägersfeld, der 1786 den preußischen Adel ermelt. Die in Preußen, Bayern und Oesterreich zahlreich bestehenden Freiherren von F al ck en ha ns en sehen ihren Stammvater m dem 1757 verstorbenen Markgrafen Karl Friedrich Wilhelm zu Brandenburg-Ansbach. Die Freiherren von Stoltzenberg stnd Abkömmlinge des Markgrafen Heinrich von Brandenburg-Schwedt, und die Freiherren von Kotz au verdanken iyren Ursprung dem Bunde des Markgrafen Georg Albert von Brandenburg-Culm- bach mit Regina Lutz, deK Töchterlein des Amtmanns Johann Peter Lutz: sie sind jetzt meist in Bayern zu Hanse. Erloschen im Mannesstamme ist die Nachkommenschaft der Grafen Lichten au, der Favoritin Friedrich Wilhelms II.; das Grabmal ihres im Kindesalter verstorbenen Sohnes, des Grasen Alexander von der Marck in der Dorotheenstädtstchen Kirche zu Berlin ist eins der vollendetsten Werke von Johann Gottsried Schadows Meisterhand; in weiblicher Linie sind indesien noch Nachkommen der Gräfin Lichtenau vorhanden und mit den oben erwähnten Grasen Jngenheim verschmolzen. Früh erlosch auch, tote zum Schluß erwähnt sein mag, in männlicher Folge eine Familie ,v Carlo Witz", die der Markgraf Karl zu Brandenburg- Schwedt und eine Regina Wilke begründeten. Der 1744 von Friedrich dem Großen nobilitierte Sohn starb kinderlos, seine einzige Schwester vermählte sich einem Grasen Schonburg, dem Adjutanten ihres markgräflichen Vaters. — Das sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die lebenden, und die verichwun- denen Seitenzweige des preußischen Königsstammes. Magnetische Legierungen. Nachdruck perboten. Schon seit den ältesten Zeiten ist Eisen als magnetisch bekannt, Sagen und Erzählungen von Magnetbergen und geheimnisvollen magnetischen Krästen sinden sich bei allen Völiern. , Daß es auch andere, wenn auch nur wenige, Stoi,e gibt, die m beträchtlichem Grade magnetisch sind, ist wenig bekannt geworden — Seit der Entdeckung des Elektromagnetismus durch Oerstedt (1820\ d. h. des engen Zusammenhanges zwischen Elektrizität und Magnetismus, hat man natürlich alle Elemente bez. ihrer magnetischen Eigenschaften einer ganz genauen Untersuchung unterzogen, aber größere Magnetisierbarkeit außer bei Elsen nur noch bei Nickel und Kobalt gesunden. , Wenn die Elemente selbst nicht magnetisch sind, war bei irgend welchen Legierungen erst recht, keine Magnetisierbarkeit zu erwarten. Doch überraschender Weise fand vor Ws Jahren Heusler Legierungen, die an Magnetisierbarkeit durchaus nut Nickel und Kobalt rivalisieren können — und zwar aus an sich ganz unmagnctischen Metallen, nämlich Kupfer, Aluminium und Mangan. , . . _ ,,L Nach dem Franzosen H. Guillaume, der m der Zeitichrift L'industrie Electrique bereits eine Theorie dieser Erscheinung aufgestellt hat, soll das Kupfer darin nur eine ganz nebensächliche Bedeutung haben. Der eigentlich magnetisch wirksame Bestandteil soll danach das Mangan sein, dessen eigener Magnetismus aber nur bei tiefen Temperaturen in Erscheinung treten soll. Aluminium hat nun nach Guillaume die Eigenschaft, die Schmelztemperatur einer Legierung in die Höhe zu treiben und damit auch das Wirkungsgebiet der magnetischen Eigenschaften, die VermLsMe». * Professoren der Grazie. Ein neuer Frauenberuf, der Kraft, Gesundheit, Schönheit verleiht und em jährliches Einkommen von 5000 Mark sichert, ist in London entstanden. Es ist der Beruf eines weiblichen Lehrers, der durch Gymnastik und Ausbildung des Körpers Anmut und Eeleganz verleiht, der Berus eines „Professors der Grazie". Die Damen der Gesellschaft wisten, daß nur Sport und Turnen jene Elastizität, irische und Leichtigkeit verschafft, die der Engländer vor allem an der Frau, liebr. Darum besteht eine große Nachfrage nach solchen Lehrerinnen, und es hat sich ein eigenes Institut gebildet, das Damen , rn dieser Wissenschaft der Körperkultur ansbildet. Zwei Jahre smo mindestens nötig, um in Theorie und Praxis recht ordentlich ausgebildet zu werden. Die jungen Damen, die alle Prusungen bestanden und durch alle Lehrstunden mit Erfolg hindnrw gegangen sind, erscheinen nun als so reizende und anmutige Wesen, daß sie selbst zum Preise ihres Unterrichts den besten Anlaß bieten und die schönste Empfehlung der neuen Grazienlehre darste.llen. * Zweideutig. Herr: „Aber, Fräulein Anm, Sie ignorieren mich konsequent; Sie halten mich wohl für einen rechten Dumm- kopf?" Fräulein: „Ach nein, ich beurteile niemand nach seinem Aenßerell!" Redaktion: Ernst Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«.