Mittwoch den 12. September 1906 MW 4 ! I M» NW Zm Banne des Heßeimnisses. Roman von H. v, Raesfeld. Nachdruck verboten. 1. Kapitel. Ein Geheimnis. Ein wundervoller Junitag neigt sich seinem Ende zu. Die Königin des Tages hüllt sich in purpurne Prachtgewänder, bevor sie zu Ruhe geht; rings auf Feld und Flur, auf Hain und Wiese fcnlt sich duftige Kühle und Frische; die Blumen neigen die Köpfchen und wollen schlafen; die Sänger des Tages verstummen einer nach dem andern; nur aus dem Jasmin-Gebüsch, dem betäubend süßer Duft entquillt, ertönt noch in vollen schmelzenden Tönen das Liebeslied der Nachtigall hinaus in die langsam nahende Dämmerung. Ein letzter goldener Lichtstrahl fällt in das weitgeöffnete Fenster int ersten Stock eines großen eilten Landhauses, das still und duftig zwischen hohen dunklen Bäumen liegt. Neugierig blickt er in das hohe, einfach, aber behaglich möblierte Gemach. Am Fenster sitzt eine Dame, gut gekleidet und anscheinend über dreißig Jahre alt. Die Züge waren früher einmal ziemlich hübsch gewesen und machten auch jetzt, namentlich im Dämmerlicht des scheidenden Tages, keinen unvorteilhaften Eindruck; aber viele feine Linien und Furchen hatten sich hineingegrabcn, die von vielen sorgenvollen Gedanken erzählten, und um den Mund lag ein ernster, trüber Zug. Es war nicht, was man ein liebenswürdiges Gesicht zu nennen pflegt; die Person, der cs gehörte, besaß keine liebenswürdigen Schwachheiten. Es war nicht das Gesicht einer Frau, die man ohne iveiteres mit offenem Herzen in der Stunde der Not oder Drangsal ausgesucht haben würde. Es war energisch, entschlossen und kräftig, voll Selbstvertrauen und Selbstbeherrschung, Ivie die Frau, der es gehörte, — wie Marian West selber. Tiefe Stille herrschte; nur eine kleine Standuhr tickte rastlos und einförmig irgendwo im Hintergründe des dunklen Gemaches. So still, so regungslos, so in Gedanken saß Marian West da, daß man sie für leblos hätte halten können, wäre nicht das sinnende klare Auge gewesen, das von Leben sprach. Die Schatten des Abends legten sich langsam über die langgestreckten grauen Felder draußen jenseits des Kreises hoher alter Bäume, die den Mühlenhof umgaben, und die Dämmerung wob dichter und dichter ihre Netze in den Kronen der Bäume. Bom Turm des benachbarten Städtchens Abbotsville drang schwach auf den Flügeln des lauen Abendwindes, der tiefe Schlag der Turmuhr herüber; , vereinzelte Sterne erglommen bereits am tiefdunklen Nacht- Himmel. Was mochte sie sinnen, die stille ruhige Gestalt dort am Fenster? — Ein leises bescheidenes Klopfen an der Tür und Marian West fuhr zusammen. Sie strich mit der Hand über die Stirn, wie um einen quälenden Gedanken zu verscheuchen, schritt dann zur Tür und öffnete. Ein rotwangiges ländliches Mädchen erschien mit der Lampe und meldete: „Der Herr Doktor ist soeben gekommen, Miß West." „Es ist gut, Jenny; bitten Sie ihn gleich hierher zu mir." Einen Augenblick später erschien Dr. Nurke selbst. Es war ein Mann von mittlerer Größe, mit leicht ergrautem, aber noch vollem dunklen Haar und einem Paar kluger Augen in einem Gesicht, worin Wohlivollen und Herzensgüte auf den ersten Blick zu lesen waren. „Guten abend, Miß West; Sic sehen, ich halte Wort. Nun, ivie geht es unserer Patientin heute?" „Guten abend, Doktor. Ich danke Ihnen, daß Sie so pünktlich sind. Bitte, nehmen Sie Platz. Einen Augenblick —" Mit diesen Worten schritt Marian in das anstoßende Vorzimmer und schloß die aus demselben zum Flur führende Tür sorgfältig ab, nachdem sie sich durch einen kurzen Blick ringsum davon überzeugt hatte, daß niemand darin zurückgeblieben tvar. Zurückkehrend schloß sie daun auch die aus dem Hauptgemache in das Vorzimmer führende Tür hinter sich. „Mrs. Folksworth ist nicht zugegen, wie ich sehe," begann der Arzt wieder, „ich hoffe, die Besserung hält doch an?" „Soviel ich beurteilen kann, gewiß," versetzte Marian. „Nur ihr Gemütszustand macht mir Sorge. Es ist, als ob eine schwere Wolke auf ihrer Seele laste; sie sitzt stundenlang, starrt aus dem Fenster hinaus ins Freie und zeigt eine solche Geistesabwesenheit und Gleichgiltigkeit gegen ihre ganze Umgebung, daß ich ernstlich besorgt biu. Meinen Sie nicht, eine Luftveränderung würde hier wohltätig einwirken? Dieses einförmige Leben kann einen Gesunden schwermütig machen, wie viel' mehr eine kaum von schwerem Krankenlager Erstandene, die zudem noch durch alles, was sie umgiebt, an eine trübe und kummervolle Vergangenheit erinnert wird. Sie sagten doch bei Ihrem letzten Besuche selbst, wenn die Besserung in dieser Weise anhielte, würde unserer Abreise in längstens einer Woche nichts im Wege stehen." Der Arzt räusperte sich. „Sie sind doch bis jetzt nicht wieder auf diese Vergangenheit zurückgekommen, Miß West?" fragte er langsam. 534 ,9?cin, mit keiner Silbe; ich habe Ihre Weisung«^ in dieser Hinsicht nicht vergessen." „Sie haben anch keinen Versuch gemacht, näheres von ihr zn erfahren, sie zu bewegen, Ihnen alles anzuvertrauen?" „Nein," erwiderte Marian leise und beschattete die Augen mit der Hand, „obwohl jede Faser meines Herzens Nk-rnach verlangt, Klarheit zu haben. Ich gäbe ein Jahr «-— was sage ich, ein Jahr? — zehn Jahre meines Lebens gäbe ich darum, wenn Evelyn nur vertrauen wollte. Ach, Sie wissen es nicht, können es nicht begreifen, was dies für mich ist. Evelyn ist mein einziges, mein alles, der Mittelpunkt meines Lebens. Ich bin siebzehn Jahre älter wie sie; ich war die älteste einer großen Familie, sie die jüngste, — sie sind alle tot, außer uns beiden — Vater, Mutter, Brüder, Schwestern — alle, außer uns beiden. Evelyn war erst vier Jahre alt, als meine Mutter starb und sie mir auf dem Sterbebette als heiliges Vermächtnis anvertraute. Seit Jahren habe ich sie geliebt und bin von ihr wiedergeliebt worden. Ihn, den ich liebte, habe ich abgewiesen, weil ich mich nicht von der kleinen Evelyn trennen wollte. Mein ganzes Leben habe ich ihr aufgeopfert. Und nun dies! — Ach, mein Gott, daß es doch alles ein wüster Traum wäre, wie ich oft meine!" Sie bedeckte das Gesicht mit den Händen. „Liebe Miß West," sprach der Arzt tröstend, „beruhigen Sie sich. Es hat keinen Zweck, diesen Gedanken Raum zu geben; weisen Sie sie weit von sich. Ihre Schwester wird Ihnen zweifellos seiner Zeit über alles Klarheit geben." Marian erhob den Kopf. „Nicht, daß ich etwas Unehrenhaftes von meiner Schwester befürchtete, Doktor," sprach sie stolz, obwohl ihre Stimme noch zitterte, „aber dies vollständige Dunkel über alles, das ist es, was mich bedrückt und ängstigt. Wie konnte sie mich so hintergehen; warum sowohl ihre Liebe, wie ihre Heirat vor mir verbergen, wo ich ihr doch Mutter und Schwester zugleich gewesen und ihr vollstes Vertrauen besaß? — Hätten wir nicht hier in Abbotsville unsere Heimreise nach London unterbrechen müssen, hätte ich nicht gerade Sie gefunden und hätten Sie sich nicht so äußerst gütig unserer angenommen — mein Gott, ich mag gar nicht daran denken, was anderenfalls das Ende geivesen wäre!" „Was ich getan, war lediglich meine Schuldigkeit als Arzt und Mensch, Miß West," erwiderte Dr. Rucke einfach; „Sie würden mich verpflichten, wenn Sie diesen Punkt nicht wieder berühren wollten." „Ach, ich kann dem Himmel nie genug danken, daß wir in Ihnen einen solchen Freund gefunden," erwiderte Marian leise. Eine kurze Pause entstand. Der Arzt blickte ernst und nachdenklich vor sich hin. „Und sie ist noch immer des Glaubens, ihr Kind sei tot? Sie haben ihr noch nicht gesagt, daß es lebt?" fragte er plötzlich unvermittelt. „Nein, noch nicht," versetzte sie rasch. „Ich will noch warten, bis sowohl ihr Körper, wie ihr Gemüt kräftiger geworden sind. Sie werden sich erinnern, daß Sie es selbst für besser hielten, sie einstweilen in diesem Glauben zu lassen." „Und welche Anordnungen haben Sie hinsichtlich des Kleinen getroffen?" „Mrs. Jefferies, die Frau, die Sie mir empfahlen, wird sich seiner für die nächsten Monate annehmen. Ich dachte, meine Schwester mit in einen Badeort zu nehmen, wo sie sich hoffentlich bald ganz erholen wird. Inzwischen werde ich der Pflegerin regelmäßig eine Summe senden, die auch verwöhnte Ansprüche als sehr reichlich bemeffen betrachten müssen. Es wird an nichts fehlen, dafür werde ich sorgen." „Und dann?" fragte der Doktor. „Dann", fuhr sie halb ungeduldig fort, „wenn meine Schwester sich wieder völlig erholt hat und ich ihr die Mitteilung ohne Nachteil für sie machen kann, werde ich mich weiter entschließen können; vielleicht das Kind nebst Pflegerin zu uns zu nehmen" Der Arzt schwieg eine Weile. „Sie können sich denken, Miß West", begann er dann langsam, „daß nicht müßige Neugier es ist, was mich dazu veranlaßt, in dieser Weise zu fragen. Es will mir scheinen, daß Sie in Ihrer Sorge und Liebe für Ihre einzige Schwester etwas zu weit gehen und zwar zum Nachteile dieses armen Kleinen. Sie wissen, Miß West, die Sorge für ein Kind ist eine Pflicht, die der Himmel einer jeden Mutter auferlegt, und die sich nicht leichthin beiseite schieben läßt." „Ich weiß, ich weiß", gab sie zurück, „aber Sie können beruhigt sein. Möge Gott gegen mich verfahren, wie ich gegen seine Gebote handle. „Nichts, was Geld erkaufen kann, soll dem Kleinen mangeln." „Kein Gold kann die Liebe und Sorge einer Mutter ersetzen", erwiderte der Arzt trübe und ernst. Eine feine Falte zeigte sich zwischen MarianS Brauen. „Aber bedenken Sie doch, Doktor, welch außerordentliche Umstände hier zusammentreffen k Unmöglich können wir das Kind jetzt mit uns heim nehmen; bedenken Sie doch, was das hieße! Bis jetzt hat keiner unserer Bekannten auch nur eine Ahnung, daß Evelyn geheiratet hat; selbst mir gegenüber verweigert sie alle und jede Auskunft über diesen Punkt; alles, was wir aus ihren Fieber-Phantasien haben schließen können — und auch das kaum mit Bestimmtheit — ist, daß der Elende, der ihr jugendliches, unerfahrenes Herz bethört und sie zu dieser übereilten und höchst unglückseligen Heirat überredet haben muß, nicht mehr lebt. Was soll die Welt, was die Gesellschaft unserer Kreise zu einem solchen Fall sagen? Evelyns ganze Zukunft wäre dann unrettbar vernichtet. Nein, nein", fuhr sie erregter fort, „selbst wenn ich das Geheimnis meiner Schwester erführe, und wenn alles offen zu Tage läge, so würde sie das nicht vor dem Achselzucken der Welt schützen. Soll denn ihr schönes junges Haupt für den Rest des Lebens sich in Kummer und Neue verbergen müssen? Erst achtzehn, und das ganze Leben schon für sie vorüber? Warum ihr nicht die Aussicht eröffnen, ihre Uebereilung wieder gut zu machen? Begünstigen uns ja die Umstände dabei so außerordentlich, daß man fast sagen konnte, es soll so sein. Alles hat sich hier in Abbotsville abgesvielt, wo ivir fremd sind und uns — abgesehen von Ihnen, Mrs. Ford und der Pflegerin — niemand näher kennt. Es kann also menschlichem Ermessen nach nie etwas davon ans Licht kommen; und erholt sich meine arme Schwester, so kann sie ihren Platz in der Gesellschaft wieder einnehmen, vielleicht später noch glücklich roerbeit, während sie andernfalls, bei Bekanntwerden dieser unglücklichen Heirat, günstigstenfalls die Blüte ihrer Jugend und ihr ganzes Leben einsam vertrauern müßte." Sie hatte lebhaft, aber mit leiser, klarer Stimme gesprochen und hielt jetzt hochaufatmend inne. Dr. 9.inte heftete seinen ernsten Blick wieder auf sie. „Ich kann nicht alle Ihre Aeußerungen, die Ihnen die blinde Liebe zu Ihrer Schwester eingibt, billigen, Miß West", sagte er langsam, „dennoch glaube ich, daß ich Ihnen vertrauen darf. Sie haben sich als so hingebende Schwester, so ruhig, gefühlvoll und tapfer in dieser schwierigen. Lage gezeigt, daß ich überzeugt bin, es wird Ihnen ganz und gar nicht möglich sein, ein kleines und gänzlich hülfloses Kind ins Unrecht zu setzen, es seines natürlichen Anrechtes auf Mutterliebe und Muttersorge zu berauben. Ich habe Ihnen noch nicht gesagt, daß ich auf meinem Herwege in der Ripleyftraße bei Mrs. Jefferies war. Der Kleine gedeiht prächtig; ich habe selten ein gesunderes und schöneres Kind gesehen. Atich nach ihrer Abreise werde ich nicht verfehlen, von Zeit zu Zeit nachzusehen, und mich überzeugen, daß es an nichts mangelt, wenngleich Mrs. Jefferies in jeder Beziehung zuverlässig ist." „Ich danke Ihnen, Doktor, für Ihre Freundlichkeit", erwiderte Marian West mit einem tiefen Atemzuge. „Sie dürfen überzeugt sein, daß ich mein Wort halte. Und nun, da Sie mein feierliches Versprechen gehört haben, verlange ich das Ihrige." Sie betrachtete ihn bei diesen Worten gespannt; ihr Antlitz wurde blaß und die Augen trübe. „Ich verlange von 535 Ihnen Ihr Wort als Ehrenmann unb Christ, baß über bie Angelegenheit, bie wir als bas Geheimnis meiner armen Schwester betrachten müssen, nie ein Wort über ihre Lippen kömmt/ (Fortsetzung folgt.) Etwas von den Mlzen. Nach einem Vortrage, gehalten im Frauenvereine vom roten Kreuz in Ludwigshafen am Rhein von Dr. Karl B r i e g l e b in Worms. Sonderabdruck aus „Werde Gesund" Nr. 7 u. 8, 1906. (Schluß.) Die Sie wohl am meisten interessierende Frage ist nun: nach welchen Kennzeichen oder Merkmalen läßt sich entscheiden, ob ein Pilz eßbar oder giftig ist? Da gibt es nun seit alten Zeiten eine Menge kluger Regeln, die alle das Gemeinsame haben, daß sie samt und sonders nichts taugen. Gerade in den letzten Jahren sind wieder in den Zeitungen eine Menge von Vergiftungen, die sich in Deutschland ereignet haben, gemeldet worden und an solche Mitteilungen schließen die Blätter gewöhnlich ihre Weisheit, mit der sie den Menschen helfen wollen, an. Wenn solche Lehren auch von gar keiner Bedeutung sind, so sollen sie doch der Vollständigkeit halber hier erwähnt werden. Zunächst sollen alle lebhaft gefärbten Pilze giftig sein, namentlich die roten. Nun ist gerade ein prachtvoll rot gefärbter, der Kaiserling, ein vorzüglicher Speisepilz, der schon von den alten Römern als Leckerbissen geschätzt wurde. Außerdem gehören noch andere recht lebhaft rot gefärbte, sowie auch gelbe und blaue Schwämme zu den eßbaren. Mit den Farben ist es also nichts. Aber wenn sie beim Durchschneiden oder Zerbrechen die Farbe ändern, dann sind die Pilze giftig, namentlich wenn sie blau werden. Doch auch gerade wieder einige gute Speisepilze zeigen derartige Farbenveränderung im hohen Maße. Beinr Kornblumenröhrling läuft das weiße Fleisch beim Bruch oder Anschnitt sofort prachtvoll kornblumenblau an unb die sauber weißen Röhren zeigen schon beim leisesten Drucke dieses wirklich herrliche Blau. Der Hexenpilz, ebenfalls ein Röhrling, den man ja schon seines Namens wegen nicht zu verspeisen traut, zeigt beim Bruch ein gelbes Fleisch. Aber kaum haben wir das feststellen können, so beginnt vor unseren Angen rasch bie Umwandlung, in ein tiefes Dunkelblau, das nach längerer Zeit wieder einer gelblichen Färbung Platz macht. Hexenröhrling und Kornblumenpilz sind aber beide ungefährliche Speisepilze. Auch beim Ueberbrühen mit heißem Wasser, beim Zugießen von Essig zur Zubereitung von schmackhaftem Pilzsalat verändern einige wohlschmeckende Speisepilze, so der Sammetfußkrämpling, die Farbe. Wso auch mit diesem Merknial ist es nichts. Aber etwas muß doch stimmen. Da erzählt dann eine kluge Hausftau, die zwar selber nie Pilze zubcrcitet hat, sie habe von ihrer Großmutter gehört, man solle mit den Pilzen einen silbernen Löffel kochen. Wenn der glänzend bleibe, darin könne man das Gericht, verspeisen, laufe, er an, dann seien die Pilze giftig. Auch eine Zwiebel, die mitgekocht wird, soll derartige Warnungszeichen geben. Nun,, auch , dies sind keine Ausschlag gebenden Merknrale,, ebensowenig, wie noch Diele andere, die angegeben werden, die ich aber ihrer Wertlosigkeit wegen nicht alle anführen möchte. Nur eins noch will ich erwähnen: Pilze, die beim Aufdrechen einen Milchsaft absondern, wie wir dies vom Löwenzahn her ja wohl alle kennen, sollen giftig sein. Auch unter diesen, den sogenannten Milchlingen, sind recht gute Speisepilze an- zutreffen. In einer Zeitung las ich kürzlich, daß man die Prlze roh versuchen solle. Die gut schmeckenden seien eßbar, . . andern giftig. Das stimmt nun auch nicht, es gibt recht giftige Schwämme, die roh 'versucht, einen guten Geschmack zeigen. „ , Sicher warten Sie nun Alle mit Spannung darauf, daß ich Jynen endlich ein sicheres Merkmal anaebe, wonach Sie giftige Pilze und eßbare gut von einander unterscheiden können. Ich will Sie aber jetzt, nicht länger Hinhalten, sonderir Ihnen nur kurz sagen, daß, es ein solches Merkmal durchaus nicht gibt und daß es auch in keiner Weise aufgestellt werden kanii. Um sich vor dem Essen giftiger Pilze zu hüten, kann man sich nur auf das eine verlassen, man muß jede einzelne in Betracht kommende Pilzart so genau nach ihrem Aussehen und nach ihren einzelnen Unter- scherdungsmerrmslen kennen lernen, daß man schon beim Einsammeln genau, angeben kann: dieser Pilz ist eßbar, jener ist giftig, wieder ein anderer ist ungenießbar. Giftige Pilze, un- genießbare und solche, bei denen man immer noch zweifelhaft ist, nimmt man am besten schon gar nicht mit nach Hause. Man muß daber natürlich auch die Namen der Pilze kennen lernen. Alle diese erforderlichen Kenntnisse können Sie sich indessen uicht in einem kurzen Vorträge verschaffen, es bedarf dazu wiederholter Belehrung durch einen mit der Sache Vertrauten oder man muß sich in Büchern mit guten Wbildungen Rat holen. Unter, den zur Zeit zu habenden Michern ist nur das eine Werk: „Führer für Pilzfreunde" von Edmund Michael*) den weitestgehenden An- *) 3 Bände ä .6 Mk. Verlag Förster u. Borries, Zwickau. forderungen genügend. In keinem andern Buche sind die Pilze in ihren Formen und Farben so sprechend naturgetreu wiedergegeben, und durch die beigefügte Beschreibung werden die Abbildungen in trefflicher Weise erläutert. Der Verfasser dieser Bücher hat in seiner Heimat, im Vogtlande, durch Pilzausstellungen die Kenntnis der Pilze sehr gefördert, sodaß dort einfache Leute aus dem Volke mit Sicherheit 20—30 eßbare Arten zu erkennen imstande sind. Die Pilzvergiftungen stimmen nach der Ansicht von Michael hauptsächlich durch 5 Giftpilze zustande. Es sind dies: Knollenblätterpilz, Gistreizker, Schwefelkopf, Speitäubling und Kartoffelbovist. Es sind dies Pilze, die bei uns in allen Wäldern vorkommen, die aber eigentlich mt besonderen Merkmalen leicht zu erkennen sind. Der überaus giftige Knollenblätterpilz, auch Gistwulstlmg genannt, soll mitunter für den Champignon gehalten werden. Wenn man sich aber merkt, daß der Champignon nie weiße Blätter hat, während der Gist- wulstling solche aufweist, so ist durch diese Kenntnisse eine so verhängnisvolle Verwechslung ausgeschlossen. Es gift also, sich immer auch die Unterseite, das Futter des Pilzes anznsehen. Uebri- gens kommen Vergiftungen auch nach dem Genüsse eßbarer Pilze vor. Gerade so, wie sich in der Wurst in seltenen Fallen ein verderbliches Gift entwickelt, kommt ein solches auch in eßbaren Pilzen unter gewissen Umständen zur Ausbildung und es folgten so auf den Genuß ganz bestimmt eßbarer Pilze schon sehr bedrohliche Krankheitscrscheinungen, ja selbst der Tod. Ein Freund von mir war nach dem Genüsse von Champignons lebensgefährlich erkrankt. Vor derartigen Vergiftungen kann man sich aber sehr- leicht hüten, denn sie kommen nur durch verdorbene Ware zustande. Die sehr wasserhaltigen Schwämme sind nämlich leicht dem Verderben ausgesetzt und es muß daher als Regel ausgestellt werden, immer nur ganz frische, unverdächtig aussehende Schwämme zu verspeisen unb beim Putzen schon alte, bereits erweichte, wegzuwerfen. An warmen Tagen darf man die gemachte Ausbeute nicht lange Zeit auf einander geschichtet stehen lassen, werden die Pilze nicht 'sofort für den Verbrauch hergerichtet, so müssen sie an einem kühlen Orte ansgebreitet werden, denn unter dem Einfluß der Wärme kann sich sehr leicht und rasch Zersetzung einstellen. Mso am besten reinigt und putzt man die Pilze gleich nach der Heimkehr vom Sammeln, mißfaroig aussehende Teile, namentlich gedrücktes oder welkes Futter, schmierige Oberhaut, werden entfernt, das Gute, wozu auch der srifch und saftig aussehende Stiel gehören kann, wird in kleine Stückchen geschnitten, diese werden gewaschen, mit ein wenig Salz bestreut, und in eine Mtropffchüsfel weggestellt. Sollen die Pilze erst am andern Tage verspeist werden, so geht man am sichersten, wenn man sie am selben Tage noch herrichtet oder sie wenigstens mit kochendem Wasser kräftig überbrüht. Alle diese VorsichtS- inaßregeln sind bei sehr heißer Witterung natürlich in.'.rhöhtem Grade erforderlich. Im übrigen lohnt es sich auch, schon deshalb die Pilze noch am selben Tage zurecht zu machen, weil die Maden der Pilzfliege, die in ihnen meist voni Stiele aufsteigen, über Nacht ihr Zerstörungswerk so weit getrieben haben können, daß wenig mehr zum Verspeisen übrig bleibt. Beim Sammeln sollte man daher schon daraus achten, madige Schwämme gleich zu erkennen und vom Mitnehmeu ganz ausschließen. Haben wir uns aber einmal eine sichere Kenntnis der eßbaren Pilze verschafft, wissen wir erst mit Bestimmtheit zu sagen, ob der eben von uns aufgefundene Pilz eßbar oder giftig ist, so können wir unter Beobachtung aller zuletzt erwähnten Vorsichtsmaßregeln die Pilze oder Schwämme auch ruhig und unbesorgt dem 'Schatze unserer alltäglichen Nahrungsmittel einverleiben, zumal sie meist nicht nur recht wohlschmeckend sind, sondern auch eine reichlich nahrhafte Speise abgeben. Nahrhaft sind sie durch ihren besonders hohen Gehalt an Eiweiß. Nach diesem bewertet stehen die Pilze im Range gleich hinter dein Fleische, neben den Hülsensrüchten und über den Getreidearten. Außerdem macht sie der reiche Gehalt an Nährsalzen unb Zuckerstoffen als Nährmittel besonders wertvoll. Ich möchte in diesem Vortrage Ihr Gedächtnis nicht mit Zahlenreihen und Tabellen beschweren und will hier nur noch ausführen, daß der Eiweißgehalt um so größer ist, je jünger die Pilze sind, daß ferner das Fleisch des Hutes reiner an Eiweiß ist, als die meist mehr faserige Substanz des Stieles. Sonach ist festgestellt, daß die Hüte junger Pilze am reichsten an Eiweißstoffen sind: je jünger die Pilze, desto zarter und wohlschmeckender sind sie außerdem auch. Was nun die Verdaulichkeit anlangt, so hat man gefunden, daß trotz des hohen Stickstoffgehaltes bei den üblichen Zubereitungsweisen nur annahrend die Hälfte des im Eiweiß des Pilzes gebundenen Stickstoffs verdaut wird, indessen kann die Verdaulichkeit leicht noch bedeutend erhöht werden, wenn man einem zu- zubercitcnden Pilzgerichte eine Messerspitze doppelt-kohlensauren Natrons zusetzt. Mit diesem Hinweise betrete ich nun ein Gebiet, auf dem meine verehrten Zuhörerinnen mehr zu Hause sind, als ich, bas Gebiet der Kochkunst. Trotzdem darf ich mir wohl noch erlauben, auch hier kurz einige Anweisungen anzufügen, bie sich bei bei Verwertung der Pilze als praktisch erwiesen haben. Nochmals rufe ich den Gi'undsatz in Ihr Gedächtnis zurück, nur möglichst frische Pilze in der Küche zu verwenden; um so größere Vorsicht, je wärmer die Jahreszeit. Will man die Pilze nicht frisch verwenden, so kann man sie auch in Dauerware verwandeln, sie konservieren. Dies geschieht entweder, indem man 536 sie, trt kleinere Stückchen zerschnitten, trocknet oder indem man sie in Büchsen oder Gläsern einmacht. Das Einmachen kann nach bekannten Vorschriften in Essig geschehen oder durch Einkochen, Sterilisieren. Zu letzterem Verfahren empfiehlt es sich am meisten, sich des Weckscheit oder eines auf demselben Prinzipe beruhenden Sterilisierapparates zu bedienen. Für alle derartige Zubereitungsweisen finden Sie in dem ersten Bande des Mrchael- schen Werkes genauere Vorschriften. , , Indem ich nun zum Schlüsse komme, möchte ich noch die Hoffnung aussprecheu, daß recht viele von Ihnen nach dem heutigen Vortrage die Anregung mit nach Hause nehmen, sich auch ferner mit den schönen Gebilden der so vielseitig formenden Natur, mit den Pilzen, zu beschäftigen. Ich bin überzeugt, wenn Sie xs tun, werden Sie sicher Ihre Freude daran haben. vermischtss. * li e B e r Begräbnis prunk macht Wilhelm Bode- Weimar in einem längeren „Vom Luxus" überschriebenen Aufsatz des „K u n st wart s" beachtenswerte Bemerkungen ; er schreibt: „Der Gärtner und seine Gehülsten sind brave, sympathische Leute; ihnen einen Vorteil zuzuwenden, scheint allemal angebracht zu sein; aber es macht doch einen großen Unterschied, ob wir ihre Arbeit zu Tand rind Spiel oder zu einem dauernden Werk benutzen. Man Lenke an unsere Begräbnisse: sogar diese ernstesten Feiern hat ein ethisch verwildertes Geschlecht in Prunksachen verwandelt! Selbst wenn die Majestät des Todes vor uns tritt, besinnen wir uns zuerst auf unsere Protzenpflichten. Müssen wir einen Kranz schicken? Wie teuer muß er seiu? Oder ist wohl ein Palmenzweig unerläßlich? Es entsteht bei jedem Begräbnis in „guter" Familie eine Ueberschivemmung von Kränzen, Palmen und Schleifen, die vorher in den Schaufenstern der Blumenläden zur Schau ausgestellt waren; die Philister zählen sie, wie sie die Telegramme bei einer Hochzeit oder die Glückwunschkarten bei der Konfirmation ihres Töchterleins zählen; man sagt sich gar nicht, daß der Tote unmöglich so viele Freunde haben konnte, tvie hier Trauerzeichen eingebracht wurden. Das Zeug wird dann aus und hinter dem Leichenwagen einhergefahren und getragen; in ein paar Tagen fängt es an zu faulen, und bald findet man von den Spenden nur noch so geringe Spuren, wie sie den Resten der Trauer in den Herzen ihrer Absender manchmal entsprechen. Diese eigenartige Bezeugung unserer Betrübnis kostet bei manchen Beerdigungen Tausende, ja Zehntausende von Mark; die Gärtner verdienen dabei, im übrigen bleibt nur ein bescheidener Beitrag zum Düngerhaufen. Mit demselben Gelde, das der Kranz kostet, kann ich auch einen Obstbaum pflanzen oder eine Reihe Stachelbeeren oder Johannisbeeren setzen lassen. 'Da. verdient der Gärtner ebenfalls, zugleich entstehen und bleiben wirkliche Güter, die mich bereichern, auch einigen anderen nützlich und angenehm sind und noch meinen Nachkommen Freude bereiten. Es ist kein großer Beitrag zum Wohlstand des Landes, aber es ist ein Beitrag; das ausgegebene Geld ist nicht verschwendet, sondern nützlich verwendet; es ist vorteilhaft umgewandelt. Roch besseren Dienst leistet das Geld oft, wenn wir es nicht für uns, sondern für die Allgemeinheit ausgeben. Eine Dorfgemeinde besitzt an einem Berghange zwischen zwei Straßen einen Streifen Land, aus dein jetzt wilde Blumen stehen und sieben hohe Pappeln wachseil. Die Bauern wollten diesen Streifen Landes rationeller ausnützen, also die Pappeln abschlagen, denn sie bedachten oder fühlten nicht, daß just diese Gruppe, hochragender Bäuine ihre Landschaft sehr verschönerte. Einer meiner Freunde hörte rechtzeitig davon; er pachtete diese siebeil Pappeln der Gemeinde um ein Billiges ab, rettete das Landschaftsbild und befriedigte doch auch die Bauern, die bar Geld sehen wollten. So köimten wir oft mit geringen Kosten auch neue Bäume pflanzen lassen, die nach zehn Jahren dem Wanderer Schatten und dem Singvogel eütcit Nistplatz bieten; und wenn sich die Freunde des verstorbenen Herrn Müller zusammentäten, so könnten sie statt der Palmenzweige sogar eine Baumgruppe an dem Wege, wo er am liebsten ging, schaffen und eine Ballk darunter Nlit der Inschrift versehen: „Müllers Ruh — gestiftet von seinen Freunden". * Schulhumor. (Selbsterlebtes, mitgeteilt vou einer Lehrerin.) Frage: „Was sagte denn wohl Jairus Töchterlein zu dem Herrn Jesus, als es auferweckt worden war?" Antwort: „Guten Morgen!" — Frage: „Was hätte Eva der Schlange sagen Missen, als' diese ihr den Apfel anbot?" Antwort: „Sie hätte sagen müssen: Ich will erst mal mit meinem Mann darüber sprechen; das tut Mutti immer!" — Frage: „Warum wurden Adam und 'Eva aus dem Paradiese getrieben?" Antwort: „Sie waren denk lieben Gott zu sehr in die Aeppel gegangen!" — Frage: „Warum hatte wohl der liebe Gott den' einen Baum mitten in den Garten gepflanzt?" Ant- wort: „Ec wollte das Beste für sich behalten." — Frage: „Was erblickte Abraham hinter sichln der Hecke?" Antwort: „Abraham sah> eine Witwe mit ihren Hörnern in der Hecke hängen." — Frage: „Was wollten Maria und Josef ut Jerusalem?" Antwort: „Sie wollten da Sedan feiern." — Frage: „Was antwortete der Herr Jesus der Mutter Märta, als diese ihm sagte: Sie haben keinen Wein mehr?" Antwort: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen; er wollte wahrhaftig nicht vom Tisch aufstehen deshalb!"') — Die Berliner Fr au enbew'e g un g Marschiert ohne Zweifel in der vordersten Reihe. Aus diesem Grunde treten aber auch bei ihr die Fehler und Auswüchse ant schnellsten und markantesten zutage, und eine Schilderung dieser Auswüchse darf darum innerhalb der massenhaften Frauenbewegungsliteratur unserer Tage auf Beachtung rechnen, zumal wenn sie von einer so gut orientierten Autorin stammt, wie Fräulein Dr. Ella Mensch, unserer früheren Darmstädter Mitarbeiterin, die vor eilt paar Jähren in Berlin einen größeren Wirkungskreis gefunden hat. Gerade weil die Verfasserin selbst überzeugte Frauenrechtlerin ist und in der Berliner Frauenbewegung brüt steht, wird ihre kritische Auseinandersetzung mit der Berliner Frauenbewegung, resp. die teilweise sehr scharfe und urwüchsige Schilderung ihrer Schattenseiten Interesse erregen. Um von dem Inhalt des Büchleins einen Begriff zu geben, seien nur einige Titelüberschriften angeführt: Briefe moderner Törinnen — Unklare Schwärmgeister — Die Friedensfanatskertn — Die Bereinswühlerin — Die Modestudentin — Die Vortragsdilettantin —• Die alte Jungfer und ihre Neubelebung — Hexensabbath in der Literatur — Liebeszigeunertum in der Lyrik — Neurotiker — Tas 3. Geschlecht — Die Geistlichkeit und die Frauen tc. rc. Dr. Ella Mensch's Buch betitelt sich „Bilderstürmer in der Berliner Frauenbewegung" (Preis 1 Mk.) und ist im Verlag von Hermann Seemann Nächst, Berlin NW. 87, erschienen. — Kunstgewerbliche Fragen sind durch die große alldeutsche Ausstellung in Dresden ins Rollen gebracht. Aber noch immer tut es gut, auch unter dem Vergangenen Umschau zu halten. Zur rechten Zeit kommt da ein reich illustrierter Aufsatz, mit dem Jarno Jessen in Heft 22 der „Modernen Kunst (Verlag von Rich. Bong, Berlin W. 57. Preis des Heftes 60 Pf.), einen Streifzug in das reiche Gebiet des „Altfranzösischen Kunstgewerbes" unternimmt. Eine Reihe „Schlesischer Magnatensitze" läßt in demselben Heft Graf Chlodwig zu Sayn-Wittgen- stein an unseren Augen in Bild und Wort vorüberziehen. Liebenswürdig plaudert Dora Duncker von den „Wiener Frühlingsausstellungen"; Dr. Kurt Erler widmet Henrik Ibsen einen Nachruf. , j •, , Gitterrätfel. In die Felder neben- ---—,--—।—-—-— stehender Figur sind die __I___■__I__Buchstaben a' a a a a a, b 5 b, dddddd, eeee, g; j _ ‘ _ g, h h, iiiiiiii, 11, nunnnn, rrrr, uu --—-—1 — -—-—;--derart einzutragen, daß die senkrechten und tvagerechten -------------Reihen gleichlautend Folgendes ergeben: __’ _____ __________ 1. Einen Teil Europas. :|j 2. Stadt in Schottland. 3. Fluß in Sibirien. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Äraz — Hz — Seine — Tinte — Anfter — Vernet — Niere — Iris — Erna — Ratte — Inn — Tratte — Zeisig; Gustav Nieritz. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gieße«»