ZZU Tra aber stritten heftig miteinander, wer heute bett glänzendstes Sieg errungen. Es war klar, daß sich die von der stngendeu Kunst ein wenig blamiert hatten; doch reckte stA dafür bto reiaensrohe Terpsichore und erhob Leier und Stäbchen, und, Kalliope, Euterpe, Melpomene, Erato, Thalia und PoM hymnia schalten sie dafür, weil sie sich über dre Gebnhr hervortat, und meiuten, auch ihre Zett werdetoimneu. Apoll hörte schweigend zu; der große Musaget ließ ferne. Mädchen streiten, und erst, als es ihm zti viel wurde, nahm er Allo an die Hand, die Ruhmverkündende, die auf un- vergängliche Tafeln schreibt, und sagte: „Die hat gesiegt . . 13. Graf Frehlinghaus hatte seine Prinzessin nach ihrem kleinen Palais in der Wilhelmstraße gebracht. ^Ste ivar übellaunig, daß Hamtner es mit untertanigstenr ^ant'e ab- gelehiit hatte, bei ihr den Tee zu nehnten, iuid eiitlreß ihren 5eo sm ar schall schon am Wagetischlag. ° Das kränkte den Grafen. Er schickte den Wagen fort iind ging zu Fuß tiach Hause. Inmitten des frohen Nacht- trubels auf den Straßen kam er sich ungeheuer allem vor Allerhand Gedanken, denen er sonst gern wehrw, stiegen in ihm auf iuid krallten sich wie mit schar en Fangen m ein Hirn. Es war wahr: er liebte bett höfischen Dienst, der seiner Natur zusagte, diese Mischung von Sklave und gebietendem Herrn, das Bücken und das Befehlen, den Lakaiendienst und das gewichtige Anordnen. Er hatte gern zuqegrisfeu, als man ihm ans Umwegen die Srellung bet der Prinzessin anbot. Aber sie sollte docy nur das Schwungbrett für ihn sein, er wollte weiterkoninren. Und er sah ein: das ivar hier nicht möglich. Die Verstimmung zwischen dem Prinzessinnenpalais und dem kaiserlichen Hoflager vertiefte sich iitlmer mehr. Mali mußte der Prinzessin an-i gebeutet haben, daß man es nicht ungerwsehen wurde, wenn sie sich ein paar Jahre lang von Berlin fernhielte, denn sie sprach schon von ihrem sommerlichen, Aufenthalte m den Bergen und. am Gardasee und von einem Winter M Eavvten. Das aber paßte Frehlinghaus durchaus Nicht. Er hatte keine Lust, mit der alten Schall (wahrhaftig, er verstieg sich in Gedanken zu dieser respektlosen Titulatur^ von Land zu Land zu reisen imd sich ihr zu Liebe dch Nerven zu ruinieren und den Magen 31t verderb em ^nn sie war iiicht nur launenhaft, sondern atich geizig. Wahrend Frehlinghaus bei reichen Kommerzienräten für Waisenyaus- bautem Heimstätten und derlei schnorren, gehen mußte, um ihrer Sehnsucht nach Popularität zu genügen, kontrollierte sie die Menüs, sah dem Koch auf die Finger und zankte !nit dem Tafeldecker iiber den Verbrauch mt Servietten. 58oe allem sagte sich der Graf, daß sein Wunsch, an, den aroßetl Hof zu kommen, nie in Erfüllung gehen wurde, wenn er noch länger bei der Prinzessin aushielt. Weri wobin inzwischen?! Eine Beschäftigung muhte er,haben. Er' dachte gllen Ernstes daran, sehnen Dienst zu quittierest Asm Wahren, Hdlen, Schönen. : Ein Großstadtroman von Fedor v. Zabeltitz. (Nachdruck verbalen.) (Fortsetzung.) Es würde mir auch gleich sein, wenn das jemand sagte," erwiderte Agnes lächelnd, „nur Du dürstest es nicht und ich selber. Aber für Genoveva bin ich trotzdem. Sie steht fehr stattlich aus i,nd wird uns Ehre machen. Und sie verdient es auch, denn ich habe wohl gehört, wie sie mit gewaltigem Lungcnauswand „Urbano" schrie, als alles int Hause den Baumeister zu sehen verlangte. Das klang sehr pikant, ließ aus allerlei schließen und erweckte die Neugier noch mehr. Wäre Dein Bruder nicht abkommandicrt, so würden wir ihn um seine Begleitung bitten; aber ich meine, Genoveva tuis ^Das ivar nun große Seligkeit für die Landgräfiu, gemischt mit viel verlegenetil Gehaben. Es überkam sw erne gewaltige Scheu, als man in eit, elegantes, lichlstrahlendes Restaurant eintrat, imb wieder schwoll ihr das Herz, al» sie an den Tischen ein Tuscheln und Flüstern harte, „xxu ist ja Hammer . . . der Baumeister Hammer" . . und aller Augen folgten den Dreien. Auch Agnes freute srch heimlich: es hat doch manches für sich, berühmt gUfein... Man fand in einer Nische noch erneu hübschen ^lah, mtd nun sollte Genoveva sagen, tvas sie am liebstenaße. Sie zierte sich sehr und aß dann mtt großem Llppettt alles, was ihr vorgesetzt totirbe, trank aucy ihr Gla» „Lmampa und bekam schließlich ganz kleine Augen, wahrend llgne» und Hammer mit frohem Herzen darüber plaudertet,, tote sie sich die Zuktmft ausgestalteu wollten. stur aleichen Zeit wurde im Kurfurstensaal de» Prrnz Ferdinand-Theaters die Verlobung Priest^apsgefeiert.lliich dabei floß der Champagner; Harry und N na aßen eng nebeneinander, und er dachte, daß nun stul versayrems Leben doch noch in rechte Geleise ^lnlenkm konnte, und s träumte von einem wunderschönen Hochzeitstteide. we,tz Ailas mit Spitzen am Mieder und emem PerlengestMen Devant. Imhoff hielt eme feilte, wohl durchoachw Rede, porulierte stark, ivar aber doch etwas stUler als sonst, denn es beschäftigte sein Sinnen, was er,um Gotteswillen nur seiner ersten und zweiwn Frau aufangen sollle, um nicht Rebellion in der dritten zu erwecken. muwi-ben Oberhalb der Restaurationssale aber wär e» inzwischen still und dunkel geworden. Reiheilweise erlchchen die Me trischen Lichter. Im Wandelgange leuchtete noch das Weiß. der sieben Statuen; aus der Buhne herrschte tiefesr Schnritzen, der Zuschauer raum ver;ank m Düsternis. Aber vor dem großen Erzmedaillon wurde es lebendlg. Da sprmlg Apollo beheude zur Erde und half seinen Musen aus der Bronze. Sie tvaren alle da, alle neun, nur Urania halt sich zurück, weil sie hier nichts zu sagen hatte. Tie anderen und sich so lange seiner geliebten Genealogie mit Eifer in die Arme zn werfen, bis sich vielleicht ein passender Posten in der Umgebung der Allerhöchsten Herrschaften für ihn fand. Er war in greulicher Stimmung. Er überlegte, Ivie beruhigend das sein müsse, wenn er nun nach Hause käme, bei flackerndem Kaminfeuer den Tisch gedeckt fände und seinem Weibchen das Herz ausschütten, mit ihr beplauderu könnte, was werden solle, und was am besten zu tun sei . . . Es strich wie ein Heister Wind durch seine Seele. Die Entfremdung stieg zwischen ihm und Freda, das spürte er wohl. Sie stieg gleich einer Mauer von Eisschollen, und es wehte fröstelnd zwischen den beiden. Er hatte sie geheiratet, weil ihre geschlossene Krone seiner törichten Eitelkeit schmeichelte; er liebte sie auch auf seine Art, soweit sein in Selbstsucht verknöchertes Herz der Liebe fähig war. Er bildete sich ein, gut an ihr zu tun, wenn er sie „sich erziehe"; daß er sie gar nicht verstand, daß sein brutaler Egoismus und seine unsagbar kleinliche Engherzigkeit ihr fröhliches Gemüt und ihr harmlos natürliches Empfinden hart abstoßeu mußte, das wußte er nicht und würde es auch nie zugegeben haben. Nachträglich tat es ihm doch leid, daß er ihr heute verweigert hatte, der Eröffnung des Prinz Ferdinand- Theaters beizuwohnen. Sie wollte in irgend einem Logenwinkel still sitzen bleiben. Aber er fürchtete ein Zusammentreffen mit Heros, fürchtete auch, die Prinzessin könne sie sehen und spitze Bemerkungen machen. Er hatte genug davon. Er kannte die mokante Art seiner gnädigsten Herrin; seil Freda sich einmal in ihrer Gegenwart sehr ungeniert über den Unterschied zwischen Frömmigkeit und Frömmelei geäußert hatte, war die Gattin des Hofmar- fthalls offiziell und offiziös bei ihr in Ungnade gefallen. Frehlinghaus hatte seiner Frau damals eine wütende Szene über ihre „unerhörte Taktlosigkeit" gemacht; sie hatte sie ruhig vorübergehen lassen und war über die Ungnade glücklich. Der Graf war vor feinem Hause angelangt. Ein leichtes Frösteln überschlich ihn. Oben erwartete ihn nur der Kinn- I Verdiener. Seine Frau schlief gewöhnlich schon, wenn er des ! Abends heimkehrte — oder aber die Zofe mußte dies dem Kammerdiener zur Berichterstattung an den Herrn Grafen Melden. Seine Eifersucht war immer noch wach> wenn er sich auch selbst sagte, daß sie grundlos sei. In einer häß- Men Aufwallung hatte er einmal Befehl gegeben, Freda heimlich zu überwacheu; selbst ihre Korrespondenz kontrollierte er. Aber er fand nichts, was seinen Argwohn hatte erregen können. Und dennoch traute er Freda nicht. Daß sie seelisch so ein ganz anderes Leben führte als er: das war es, was ihn beständig auf der Hut sein liest..., Der Portier erwartete ihn und gab das Signal für den Kammerdiener. Der stand schon oben vor der geöffneten Entreetür und hatte das elektrische Licht aufgedreht. Frehl- linghaus faßte an seinen Zylinder, „'n Abend, Elstermann. Was neues?" „'fehlen, nein, Herr Graf." „Frau Gräfin schon im Bette?", Elstermann schaute bei dieser Frage erstaunt auf. Er unsicher. „Verzeihung, Herr Graf", sagte er; „gnädigste tfiau Gräfin sind ja doch zu Durchlaucht der Frau MnzessrnMutter gefahren —" „Was?!" schrie Frehlinghaus -auf. Er bist sich auf die Zunge. Er Ivar sehr blaß geworden. „Schließ' ab", sagte er, „und komm' mit . . ." Er ging in fein Zimmer, zündele Uch mechanisch eine Zigarette an und warf sich vor dem Kamin in einen Fauteuil. „Wann sind die Frau Gräfin hbgereist, Elstermann?" „Um acht Uhr, Herr Graf.", „Mit vielem Gepäck?" . . „Mit dem großen englischen Koffer und einigem Haud- tzepack, Herr Graf." „Schläft die Zofe schon?" »Tie Anna ist uiitgefahreu, Herr Graf." Y und nun kommen die Bürger der kleinen Städte von den Honoratioren bis zu den Handwerkern daran, nur für die Arbeiter hat er etwas übrig. Die herabzieheude Tendenz gegen das Bürger- tmn geht durch das ganze Buch, Hilligcnlei erscheint in mancher Beziehung als ein Seitenstück zu Seidwyla und als ein „schwarzes"' Seitenstück; denn bei der Darstellung der Leute aus Scldwyla überwiegt der Humor. Ich will das durch eine Reihe von Zitaten Nachweisen. Da heißt es im siebenten Kapitel: „Alle Hilligenleier sprechen vor lauter Wichtigkeit mit gehobenen Schultern und verengter Kehle"; da wird ein Bild von dem Zeitungsherausgeber! des Ortes entworfen — er soll sich für seine Anzeigen mit Eiern, Butter, Ferkeln, Kiuderkleiderii bezahlen lassen —, das zu den wirklichen Verhältnissen auch der kleinsten schleswig-holsteinischen Stadt keineswegs stimmt. Gewiß, die kleinen Lokalzeitungen in Deutschland lassen manches zu wünschen übrig, aber wenn Frenssen von „Verlogenheit und llnfinn" reden und auf ihren „Patriotismus, ihre Windbeuteleien, ihre Ueberschwtznglichkeiten" schelten läßt, so tut er doch Unrecht: Sie sind immer noch besser als die großstädtischen Sensationsblätter, da sie sich eben doch meist auf das bloße Nachrichtenbringcn beschränken und für die „Sensationen" nicht allzuviel Raum haben. Tas bißchen ungeschickter Hurrapatriotismus, das bisweilen vorkommt, hat die ruhigen! Leute dort im Norden bisher auch noch keineswegs verdorben., Natürlich kommt daun auch der Bürgermeister von Hilligcnlei daran, der als schöner Trottel hingestellt wird — im besonderen wird sein schöner, weicher Schnurrbart ausgenutzt, und als seine Herrlichkeit zusammenkracht, da ruft er aus: Schneid' mir den Bart ab, schneid' mir beit Bart ab! — „Er hatte wohl das Gefühl", erläutert Frenssen, „dast er au seinem Bart als an seiner Eitelkeit zugrunde gegangen War." Ist das nicht durchaus künstlich? Wie die Dinge jetzt überall in Deutschland liegen, muß auch der Bürgermeister einer kleinen Stadt tüchtig arbeiten, er kann sich gar nicht mehr gegen den Fortschritt stemmen; in der Tat sind auch die kleinen schleswig-holsteinischen Städte vielfach! musterhaft geleitet. Und es ist Leben in ihnen, seit 1870 sind ganze neue Stadtviertel entstanden, Handel, Verkehr, Industrie ruhen durchweg auf gesundem Boden, nämlich auf dem der großartigen schleswig-hvlstemischen Landwirtschaft; wenn ein«: mal ein Krach vorkommt, so zeugt das eben nur davon, daß dex. — 161 Lauf bet Welt ewig derselbe bleibt. Ich' fahre feit mm zwanzig Jahren fast jedes Iaht von Hamburg aus durch schleSwig-hol- steinisches Land und behaupte, daß der äußere Fortschritt dort Oben, Wie im übrigen Deutschland, mit den Händen zu greifen ist. Frenssen sieht alles schwatz: Die Hilligenleier Jünglinge sind entweder durch wildes Meipenleben körperlich heruntergekommen! oder sie sind Phantasten, oder sie sinnen auf Geldheiraten, die Alten sitzen am Biertisch und erzählen faule Anekdoten, womit sie die Jugend verderben; die Jungfrauen bekommen infolgedessen Teilte Männer, ihre Kinder schlafen in ihrem Schoß, wie Freufsen sich ausdrückt, die bürgerliche Sitte, die große Mörderin, mordet ihnen die Jugend. Daun wird von einem Domklub berichtet, wo Geschichten von Hausmäusen erzählt werden und der Witz „Unsere Zukuust liegt im Wasser" umgeht, natürlich auch Zoten erzählt werden. Die Handwerker werden folgendermaßen charakterisiert: „Wenn Du etwas bei ihm (bem Tischler) bestellst, so bekommst Du im besten Fall nach einigen Monaten etwas anderes, als was Du gewollt hasste — „es ist nichts mit den Handwerkern, es sitzt kein Vorwärtswollen in ihnen" — „wenn ihnen einmal die ganze Möglichkeit ihres jämmerlichen Lebens dumpf dämmert, dann berufen sie eine Sitzung der Schweinegilde oder der Totenznnst und fahren gar wild gegeneinander an intb beleidigen sich." Neben dem überall vorhandenen Menschlichen, Allznmeuschlichcn übersieht Frenssen die wirklich wirksamen Mäste: Ich stamme ans diesem schleswig-holsteinischen Handwerkerstand (Wie Frenssen selbst übrigens auch), und ich kann nicht anders, als der Wahrheit gemäß sagen, daß mir von Jugend auf eine Menge strebsamer, tüchtiger Männer in ihm entgegengetreten sind. Und die jetzige junge Generation ist vielleicht die tüchtigste von allen, hat allerdings schwer zn kämpfen. „Das ist die Bürgerschaft von Hilligen- lei! Eine Herde von Narren und giitmütigen Schlafmützen", lautet es bei Frenssen. Selbst die Arbeiter, die „am ehesten stolze, wache Menschen sein könnten, denn sie haben ein Hohes, ideales Ziel", kriegen ihr Teil ab: „In keinem Stand ist mehr Neid, als unter den Arbeitern." Ich zweifle natürlich nicht, daß das, Was Frenssen gibt, die Eindrücke seiner langjährigen Seelsorgerschaft sind, aber daß er diese Eindrücke erhielt, lag, so behaupte ich, nicht bloß an den Verhältnissen, sondern -auch vor allem an ihm. lieber seine Stellung zu den sogenannten Honoratioren mag ich kaum reden: Den „Narren von Bürger- . meister" haben wir schon gehabt, aber da ist noch ein Amtsrichter, „der sich den ganzen Tag von Morgen bis Abend, ja selbst in der Unterhose, gegenwärtig hielt, daß er Reserve-Offizier war" (dieses Reserve-Offizier-Lächerlichmachen stand doch eigentlich vor ■etwa zwanzig Jahren auf dem Gipfel der Mode, siehe Sudermanns „Ehre"), da ist ein erster Amtsrichter, „der sich jeden Abend volltrauk und sein schönes und hohes Amt verlodderte", da ist ein Arzt, „der seit seinem Examen niemals wieder in ein Buch seines Faches hinein gesehen hatte, ein ganz unbegabter, geistloser Mensch, aber mit einem sichern Maul", und der ganze Domklub treibt natürlich mit kindischen Stiftungen wie Bechern, Sammelbüchsen Asw. dummes Zeug. Nun weiß auch ich recht wohl, daß es solche Gebildete in Deutschland gibt, und will mich keineswegs zum Verteidiger des Stammtisches an und für sich aufwerfen, aber typisch sind der versoffene Amtsrichter und der maulfertige faule Arzt in Deutschland doch, Gott sei Dank, noch nicht, und es gibt doch auch Stammtische genug, wo nicht getrunken und gezotet, sondern nach guter deutscher Weise gemütlich geredet und oft auch Tieferes behandelt wird. Frenssen läßt in seinem Märchen den lieben Gott sagen: „Es ist ein Geguark und Geauüse mit den Menschen! Sie quarken und qnäfen und richten und richten. Sie sind unglaubliche Besserwisser und Nörgelpeter!" — Frenssens eigenes Bild von Hilligenlei aber beruht in der Hauptsache eben an' fNörgelpeterei und Schlimmerem. — Ganz genau stimmen denn auch seine politischen Ansehaunngen zu dem Zerrbilde, das er vom Bürgertum gibt. „Diese gewaltige wirtschaftliche Wandlung in diesen dreißig Jahren! Ostelbien zieht nach Berlin, Hamburg und Westfalen. Huuderttausende ziehen mit ihren Frauen und lieben Kindern von der Heimat fort, wo der Himmel weit ist und der Wind übers grüne Land weht, darum, weil sie in elender Landlosigkeit und Unterdrückung gehalten werden." Frenssen sollte sich einmal bei einem gewissen Wilhelm Hentschel, der ein Buch „Varuna" geschrieben und aus seinem eigenen Gut Koloni- sationsvcrsuche gemacht hat, erkundigen, was in der Tat die Motive der Landflucht sind. Vielleicht könnte ihm auch die Ausiedluugs^ Wmimssron über manches ein Licht aufstecken. Daß er das Polen- ium des Ostens unterschiedslos mit dem Deutschtum znsammen- tvcrst, sei nur so nebenbei bemerkt. „Es geht, wie alle hundert Bahre , heißt es dann weiter, „eine Zeit der Unruhe durchs Bolt, em Fieber, aber ein Fieber zur Genesung. Altes und Fanles wnd^ im fiebernden Blut verzehrt und ausgeschieden. Neues und starkes und Frisches will werden. ES geht wieder ein «ebnen durch unser Volk, die drei gewaltigen Mächte, die es aus sich lelbst erzeugt, die Obrigkeit, die Religion und die Sitte, W veriungen. Es geht ein Wille und Wunsch durchs Volk, zur Natur zu kommen: zu einer schlichten, schönen Religion, zur sozialen Gerechtigkeit, zn einem einfachen, edlen, germanischen Menschentum. Und sieh: die Verjüngung und Erneuerung hat schon anaesetzt. Hier und da arbeiten und jubeln schon neue Krjafte. Viele Tausende sagen, sie sehen schon heiliges Land. Wie wird ist der Bibel geforscht! Wie Mrfer rührt sich die Re- gkerustg l Wie wehest di« Föhnen bet Arbeiter! Welch ein Lebest ist Kunst und Erziehung! Aber es ist doch nich ein schweres Wühlen und Wirren. Und es packt einen zuweilen die Angst, daß wir doch den neuen Weg und das neue, schöne Land der Zukunft nicht finden, und das Suchen wieder aufgeben und in dest alten, starren Formen bleiben. Und wenn das geschähe, wäre es mit uns und unserer Zukunft vorbei." Ich bitte diese Sätze genau anzusehen, sie sind nämlich alle weiter nichts als Phrasen. „Wie tapfer rührt sich die Regierung, wie wehen die Fahnen der Arbeiter!" Schon die Zusammenstellung! Weiß Frenssen denn nicht, daß unsere Regierung auch aus den Kreisen hervorgeht, die den armen Ostelbiern fein Land geben und die am Stammtisch nach seiner Ansicht nur Zoten reißen? Woher stammt denn dies tapfere Rühren? Und die Fahnen der Arbeiter? Wahrscheinlich läßt sie der Neid wehen, die Frenssen bei ihnen konstatiert. Und das Leben in Kunst und Erziehung? Ja, experimentiert wird genug, und wortreiche Schwärmer gibt'Zi auch in Unmasse, aber dabei ist nicht einmal das deutsche Theater deutsch, die dekadente und unsittliche Literatur ist ärger als zu irgend einer früheren Zeit (denn früher war mau wohl auch frivol und gemein, jetzt aber ist man pervers!), und die Volkskraft nimmt von Jahr zu Jahr nachweislich ab. Es geht ein Sehnen und Suchen durch unsere Zeit, ganz gewiß, aber sich selbst, sein Deutschtum will unser Volk wiederfinden, das ihm durch eben die Möchte, mit denen Frenssen sympathisiert, verdorben ober verleumdet worden ist. Die alten starren Formen, wen genieren sie denn noch? Daß der deutsche Geist aus unserem Leben entschwuiideir ist, das ist das Schlimme — Frenssen und seinesgleichen werden ihn aber schwerlich wiederbringen, sie sind internationale Europäer, und mögen sie zehnmal vom einfachen, edlen, germanischen Menschentum reden. Man kann ganz einfach sagen, Frenssen ist Naumanuianer, genau so ideenlos und genau so konfus, wie der Meister selbst — ich habe dessen „Demokratie und Kaisertum" neuerdings genau studiert und weiß, waS ich sage (will aber hier natürlich nicht gegen den immerhin ehrlichen Politiker, an den ich auch selbst vor Jahren geglaubt habe, Stimmung machen). Da wird der Heldenmut unserer westafrikanischen Stieger gepriesen — aber das deutsche Bürgertum Narren und Schlafmützen und die Adligen Unterdrücker gescholten usw. usw. nach beliebter Manier. Sehr deutlich wird die Unklarheit Frenssens besonders auch auf sittlichem Gebiete: Er ist ein mächtiger Vorkämpfer der durch das falsche Christentum unterdrückten Sinnlichkeit, der gesunden und starken natürlich, überall in seinem Buche regen sich die weiblichen „Glieder" wieder in ihrer ganzen Schönheit. Aufrichtigj gestanden, mir ist sehr unheimlich dabei zu Mute, obschon ich nicht eben prüde bin. Ich habe mir die Charakteristik der weiß* sich en Gestalten Frenssens bis hierher aufgespart. Es sind zwei Schwestern, Anna und Hemke Boje, die da hauptsächlich in Betracht kommen, beides Vollnaturen, Edelblut nach des Dichters! Darstellung. Wer Anna Boje laßt sich in ein Verchaltnis mit einem (völlig im Dunkel bleibenden) verheirateten Mamie ein, der sein Liebesgestöndnis durch das Wort: „Weißt du, daß ich durch dein Kleid deine süßen Glieder sehe" einleitet, und dann geht es sieben niiheisige, nein, heilige Wochen, sagt Frenssen, Weiter, und die geheime Liebe zu Pe Ontjes wird dadurch nicht weiter gestört, er wird auch genommen. Da sitzt dann Ann« Boje, „die das stille, edle Gesicht hatte und die schönen reinen Augen", und badet sich und freut sich ihres Körpers und. ist guter Dinge: „Wem bin ich Rechenschaft schuldig über das, was ich mit meinem Leib gemacht Habe? Habe ich ihn eruiebrltgt? Habe ich ihn schmutzig gemacht? Habe ich etwas Unnatürliches oder Unreines getan? Ich bin darob guter Dinge." Und volle vier Seiten lang wird beschrieben, was' sie tut und denkt und was sie dann anzieht, das Unterhemd und das Leinenhemd und das Leibchen u|nb die zwei Paar Beinkleider. . . Hol's der Teufel, mir fällt dabei der selige Clauren ein, und ich glaube kaum, daß wir apif diesem Wege je zum einfachen, edlen, ger- manischen Menschentum gelangen. Heiuke Boje wird zwischen zwei Liebhaber, die sie beide liebt gestellt, und wenn es auch ohne eigentliches Verfehlen abgeht, es ist doch eine für mein Gefühl abscheuliche „Mnschelei" mit Küssen und „der arme, liebe, der süße Mensch" da, die einem zuletzt geradezu eklig wird. Andere mögen anders empfinden. Jedenfalls schwört Frenssen zu dem modernen Evangelium, das da sagt: „Folge der Natur, d. h. deinem Fleische! Fällst du, so hast du recht getan." Früher hieß es: „Bezwinge dein Fleisch! Fällst du aber doch, so werden wir dich nach Kräften entschuldigen, dich nicht ohne weiteres! verdammen." Ich meine, das alte Evangelium wäre für uns immer noch gut genug. Bartels' Schlußurteil lautet: Doch, ich wiederhole es, die Abrechnung mit dem „Reformator" Frenssen überlasse ich andern, ich habe es nur mit dem! Dichter zu tun — und der Hat mir nie imponieren können. Es werden ja viele, die meine Kritik lesen, sagen: Ja, es ist aber! doch viel Schönes in seinen Büchern. Gewiß, ich bestreite es nicht: Man backt in meiner Heimat ein Weißbrot mit Rosinen, und Rosinen sind eine schöne Sache — was helfen sie mir aber, wenn das Brot selber nichts taugt? Und das Brot taugt nichts bei Frenssen, ganz abgesehen davon, daß die Rosinen vielfach zuletzt eben auch nicht seine Rosinen sind, sondern zum Teil 152 — den Weingärten anderer Leute, zum größeren und besseren Teil unseren: Volkstum entstammen, unmittelbar, meine ich, ohne dichterisch wiedergeboren. zu sein. Es wird, das ist meine feste Uebcrzeugung, eine Zeit kommen, wo mau in Deutschland ungefähr so über Frenssen urteilt, wie man es seht über Julius Wolff tut, der ja auch eine schöne Schilderung^abe besitzt, und mit den: er als Talent im Kern verwandt ist (vgl. übrigens einige Geständnisse in beit „Drei Getreuen"). Auch die geistige Persönlichkeit Frenssens wird dann meines Erachtens nicht besser wegkommen als der Dichter. Vermischtes. * ßiit Verein gegen das Lebendigbegraben- werden b c st e h t i n L o n d o n und hat neulich seine 9. Jahresversammlung abgehalten. Der dabei erstattete Bericht kennzeichnet das vergangene Jahr als das erfolgreichste der Vereinigung, nicht nur durch erhebliche Zunahme der Mitglieder, sondern auch durch eine Bereicherung der vom Verein unterhaltenen Bibliothek. Die Gesellschaft ist u. a. bestrebt, in allen Teilen des Reiches Aerzte für ihre Interessen zu gewinnen. Ein Geistlicher stellte den Antrag, die neue Regierung um Verbesserung der Bestettüngsgesetze zu ersuchen, dantit eine vollständige Sicherheit gegen die Gefahr eines vorzeitigen Begräbnisses geschaffen tvürdc. Er erzählte dabei, daß er selbst als Beispiel einer zufälligen Rettung vom Lebendigbegrabenwerden dienen könnte. Er rvar als Kind 2y» Tage als tot betrachtet und bereits in einen Sarg gelegt worden, als seine Amme zufällig eine Bewegung seiner Hand sah, worauf ein Arzt gerufen und erfolgreich Wiederbelebungsversuche gemacht wurden. Erst vor zwei Jahren sei außerdem in seiner eigenen Gemeinde ein Grab geöffnet und nachgewiesen worden, daß der Betreffende leben big begraben gewesen war. Nach der Lage der Gebeine konnte ermittelt werden, daß die Person sich gegen den Sargdeckel gestemmt nnd sich bar.it auf die linke Seite gelegt hatte. Die vorgeschlagene Resolution wurde von ärztlicher Leite unterstützt und angenommen. Selbstverständlich wurde auch über Mittel zur Verhütung des vorzeitigen Begräbnisses und seiner Folget: gesprochen, z. B. über die Möglichkeit, im Sarge eine Vorrichtung anznbringen, die eine Glocke im Raum des Wächters in Bewegung setzen würde. Merkwürdigerweise wurde dagegen eingewenbet, „daß der Wächter vielleicht aus Furcht sterben wurde, wenn die Glocke plötzlich ertönte." Uebrigcns sind jetzt in Stockholm etwa 50 Personen zusammengetreten, um eine ähnliche Gesellschaft auch für Schweden zu begründen. “ Das g csündeste Gemüse ist nach uraltem Glauben der Kohl. Schon bei den Schriftstellern des Altertums finden sich zahlreiche Lobpreisungen ans ihn. Der alte Cato nennt ihn das erste unter allen Gemüsen, weil er die Verdauung fördere, gut für den Magen und stets günstig für die Gesundheit sei. Von dieser Autorität stammt auch das folgende Rezept „Wenn Du einem Gastmahl volle Ehre antuu willst, so iß so viel Kohl, wie Du willst, bevor Du Dich zu Tisch setzest; daun nach dem Essen iß noch etwa fünf Blatt in Essig, Du wirst Dich daun so wohl fühlen, als wenn Du nichts zu Dir genommen hättest, und Du wirst so viel trinken können, wie Du magst." Gerade diese sonderbare Eigenschaft der Trunkenheit vorzudcugen oder sie zu bekämpfen, wird dem Kohl von allen Acrzten und Philosophen des Altertums nachgerühmt und noch heute vielfach geglaubt. Auch der Zyniker Diogenes soll in seiner Tonne hauptsächlich von Kohl gelebt haben. Wenn es uns heute nicht sehr appetitlich erscheint, so war es doch ein besonderer Ausdruck der Wertschätzung, wenn die alten Griechen glaubten, der Kohl sei göttlichen Ursprungs, nämlich aus dem Schweiß des Zeus entstanden. Sogar die röntischcn Kaiser, die doch in einem unerhörten Luxus lebten, waren gegen eine schmackhafte Kohlsuppe nicht unempfindlich. Damit aber waren die Lugenden des Kohls noch lange nicht crschövst, sondern auch eigentlich medizinische Eigenschaften wurden ihm nachgcsagt, nnd zwar schon von Pythagoras an. Die Väter der Heilkunde, Hippokratcs nnd Galen, verordneten gekochten Kohl gegen Durchfall und Dysenterie. Cato, der ein erbitterter Feind aller Aerzte war, kurierte als sein eigener Hausarzt ohne Unterschied alle Krankheiten mit Kohl, nnd seine Hausgenossen sollen dadurch zum mindesten nicht kränker geworden sein. Nach Plinius war der Kohl jahrhundertelang die einzige Arznei, die den Römern bekannt war. Noch die berühmte Arzneischule von Salerno lehrte, daß der Kohl durch seinen Saft erschlaffend und durch sein Gewebe zusammenziehend wirke. Damit nicht genug, zieht sich eine ähnliche Bewertung des Kohl- gemüscs bis in die neueste Zeit hinein. So sind mehrere Fälle von Wassersucht und Skorbut in der ärztlichen Literatur erwähnt worden, die durch Kohl geheilt sein sollen. Alle möglichen Krankheiten werden außerdem genannt, gegen die entweder der bloße Saft des Kohls oder irgend welche Abkochungen von Nutzen sein sollen, z. B. fressende Geschwülste, Aussatz, Warzen, Blascustkine, verschiedene Entzündungen, wie das Milchsieber junger Frauen, Vrustkrankheiten, Gicht, Rheumatismus, Ausschlag bei Säuglingen usw. Die chemische Untersuchung des Kohls scheint seine besondere Stellung unter den Gemüsen zu bestätigen, denn er enthält nicht nur mehr Stickstoff, sondern oncl). eine ziemlich große Menge mehr oder weniger zuckerhaltigen Saftes, der in Wasser und Alkohol löslich ist, Pflauzcnetwciß und Stärke, ferner Kalisalze, kalk- und magnesiahaltige Phosphate, Eisen- und Manganoxyd, endlich Schwefel, der im Wasser beim Kochen des Kohls den bekannten starken Geruch mitteilt, übrigens auch für die Entstehung von Gasen in den Gedärmen verantwortlich zu machen ist. Auch die modernen Pharmakopöcn haben den Kohl daher nicht auSgeschaltet, sondern erwähnen den Gebrauch seines Safts und eines daraus durch Beimischung von Zucker bereiteten Sirups. Man stellt auch Marmelade und Gelee aus Rotkohl her, von dem man sich gute Dienste bei Asthma, Luftröhrenkatarrh, sogar bei Lungenschwindsucht und auch bei Harnkrankheiten verspricht. Am besten begründet dürfte die Wirkung des Kohls gegen Skorbut sein, und zwar soll gegen diese Krankheit auch schon der Genuß von Sauerkohl gute Dienste leisten. * Was will der Dürerbnnd? „Eine gesunde bodenwüchsige Kultur, deren Erscheinung wahr, klar nnd erfreulich ausdrücke, was ist, und eben durch ihre fiitter- und schminkelose Wahrhaftigkeit beständig nach- prnsen lasse, ob das, was ist, auch gut ist." Das ist mit wenig Worten tatsächlich das Programm einer jeden gesundgerichtetcn ästhetischen Kultur. Mit diesem Satz beginnt die neue Werbeschrift, die der Dürcrbund jüngst heransgab und die jedermann unentgeltlich von: Schatzuteister und Geschäftsführer beS Bundes, Verlagsbuchhändler Georg D. W. Callwey, München, auf Wunsch gesyndt erhält. Hören wir noch etwas weiter: „Der Dürerbund" — fein Gründer und Leiter ist bekanntlich Ferdinand AvenariuS, der Knustwartherausgeber — „ist ein Erzeugnis nnd eine Bereinigung wirkender Kräfte int Kulturleben der Gegenwart. Das Endziel aller Kultur, den Einzelmenschen innerhalb und mit Hilfe des Gemeinschaftslebens harmonisch zu entwickeln, gab ihm das Leben. An vielen Orten nnd aus vielen Wünschen erwuchs das Gefühl für seine Notwendigkeit, und nun haben die zurückliegenden wenigen Arbeitsjahre Erfahrungen genug eingebracht, wie groß diese Notwendigkeit ist. An unzähligen Punkten nnd auf unzähligen Wegen setzt die Entwicklung des ästhetischen Inhalts in unserem Volksleben ein, und all dieses Verlangen gibt den: Dürerbunde die Aufgaben. Von tatbereiten Einzelnen aus in breitere Kreise nnd so in die Gesamtheit hineinwirken ein Mehrer der besten Güter im Kleinen und im Großen, ordnen, fördern befriedigen, das Gute, das die Eigenhilfe des Einzelnei: fand, an Biel weitergeben, das alles ist der Sinn der Arbeit des DürerbundeS." Die Schrift berichtet weiter von den Aufgaben nnd Arbeiten des Bundes und seinen erfreulichen Erfolgen, von seinem Vorstand, dem die besten unserer Geistesarbeiter angehören, von feiner Organisation nnd der schon mit einer Mark jährlich zu erwerbenden Mitgliedschaft. Wir empfehlen unseren Lesern warm, an der guten Sache des Dürerbundes Anteil zu nehmen. Boshaft. F r e n n d i n, zur alten Jungfer, welche sich verlobt hat: „Na das Eine steht fest, an Deiner Seite wird Dein zukünftiger Gatte ein recht ruhiges Leben haben!" — Alte Jungfer: „Wie habe ich das zu verstehen?(" — Freundin: „Nun, in erster Linie braucht ihn keine Eifersucht zu quälen!" LiteNKVisches. — Dr. phil. Arthur Ploch, Grabbes Stellung in der deutschen Literatur. 224 Seiten. Preis broschiert 2 Mk. Verlag von K. G. Th. Scheffer in Leipzig. — Selbstanzeige des Verfassers (der übrigens, so viel wir wissen, ein Hesse ist und als Feuilleton-Redakteur an der Saale- Zeitung in Halle wirkt): Ich habe mich bemüht, auf Grund bisher unbeachtet gelassener Bücher und Zeitschriften früherer Jahrzehnte die Lücken im Lebensbild: Grabbes auszufüllen und seine literarische Physiognomie deutlicher zu machen. Die Aufhellung der Beziehungen Jmntermanns zu Grabbe habe ich mir angelegen fein lassen. Die Stellung, die die Jung- deutschen dem Dichter gegenüber eiitnahmen, ist eingehend von mir untersucht worden. Ebenso habe ich dem Verhältnis Grabbes zum Sturn: und Drang und seiner Einwirkung auf die moderne Literatnrbewegnng einen Abschnitt gewidmet. Ein psychologisches Porträt von Grabbe zu liefern lag mir fern. Ich habe es für wichtiger gehalten, seine dramatische Produktion einer Kritik zu unterziehen, um dadurch den neumodischen Grabbeenthusiasmus einbäntmen zu helfen. Auch ohne für Grabbe zu schwärmen, kann man doch in diesem excentrle man der deutschen Literatur eilte dichterische Erscheinung sehen, mit der sich zu beschäftigen immer lohnend bleiben wird. DaS letzte Wort über Grabbe wird nicht der Literaturforscher, sondern der Arzt zu sprechen haben. Logvgrrph. (Nachdruck «erboten.)' . , Wenn att schönen Frühlingstagen Dich die Pflicht gefangen hält, Wünschst du wohl, ich könnt' dich tragen In die weite, weite Well. Doch wenn meine beiden Enden Du mir abgeschnilten hast, Wirst du wohl dich von mir wenden, Denn nun bin ich dir verhaßt. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Kreuzrätsels in vor. Nr,r H W G- u e o n i t Hund s tage Weis s 1 i n g Gottl e u b a a i u g n b e g a Redaktion: Ernst £>eß- — Rotationsdruck und Verlaa der 33 r ü Ei Pichen Universitäts-Buck- und Steindruckerei. R, Lange, Dießen.