Samstag den 11. August 1906 i> ZM y »VS Der Siern. Roman von Ulrich Frank. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Nun, sagte ich es nicht, Hans giebt iinmer Anregungen," wendete Karl Viktor sich zu Della. „Es scheint so," erwiderte sie etwas zerstreut. Tann aber ermannte sie sich und fügte hinzu: „Er hat recht, es ist ein gut Teil unseres Lebens, man muh es hüten." Graf Alfons hatte indessen mit seinem alten Lehrer ein lebhaftes Gespräch geführt über Bernstadter Gemcinde- angelegcnheiten und das Projekt eines neuen Kirchenbaues. Und als Graf Guido, seine Gattin am Arme, den Salon betrat, herrschte eine sehr gute Stimmung unter den Anwesenden. Adele wurde der Gräfin vorgestellt. Ein kalter, prüfender Blick fiel auf die junge Künstlerin. Eine sehr formelle, stolze Verbeugung war deren Antwort. Dann hatte man sich an der Tafel niedergelassen. • Die Kellner servierten Kaffee, Kognak nnd französische Liköre im kleinen Ecksalon neben dein Speisesaal. Die Herren hatten um die Erlaubnis gebeten, rauchen zu dürfen. So waren die Gräfin und Adele eine Weile allein geblieben. Tas Gespräch kam nicht recht in Gang. „Sie vertragen den Rauch wohl nicht, Ihrer Stimme wegen?" „Meine Stimme ist äußeren Einwirkungen nicht so leicht unterworfen, Frau Gräfin." „Das ist angenehm für eine Künstlerin, die doch gewiß viel in Herrengesellschaft verkehrt." „Das ist in jedem Fall angenehm. Mir aber besonders, weil ich es allerdings nicht liebe, wenn man die Männer, mit denen man gesellschaftlich zusammcntrifft, bei jedem Anlaß daran erinnern muß, daß sie auf Schwächen und Eigentümlichkeiten unseres Geschlechts Rücksicht zu nehmen haben —" „Sehr liebenswürdig von Ihnen. Dieser Grundsatz wirbt Ihnen gewiß viele Freunde unter den Männern." „Ich hoffe es." „Sie mußte sich sehr zrisammennehmen, um diesem unverkennbar feindlichen Tone gegenüber die Form zu wahren. Aber sie fühlte sich verletzt und gereizt. Was gab dieser Frau das Recht, in dieser wegwerfenden, halb verächtlichen halb spöttischen Weise zu ihr, zu sprechen? „Diesen Wunsch haben Künstlerinnen wohl immer, besonders wenn sie der Bühne angehören?" Tas war zu arg. Sie fühlte, daß sie diesen Angriff parieren mußte. „Und er ist durchaus berechtigt, Frau Gräfin. Denn Künstlerinnen bedürfen der Anregung, der großen erweiterten Horizonte, des Kontakts mit geistig Hochstehenden, mit schöpferischen starken Naturen, kurz mit allem, was ihnen kongenial ist, ihrer eigenen Bedeuinng, ihrer eigenen Begabung entspricht. Wo sollten sie dies unter Frauen finden, die leider zumeist noch engherzig, kleinlich und vor allem törieht sind?" Der Hieb saß. „Sie urteilen streng, mein Fräulein. Im allgemeinen führt man die Vorliebe der Theaterdamen für die Männer auf andere Motive, zurück." Keine Miene in ihrem harten, unbeweglichen Gesicht verriet den Aerger, der in ihr wühlte. Glatt, beinahe höflich klangen ihre Worte. Das gab auch Della die entsprechende Selbstbeherrschung, und auch ihr Ton war verbindlich, als sie antwortete: „Mag sein. Wer wollte das bestreiten? Doch gehören diese zumeist der Kategorie der Frauen an, wie sie im Durchschnitt sind: eitel, müßiggängerisch, verweichlicht, unselbständig und abhängig von Gunst und Laune des anderen Geschlechts. Ihre Sonderstelllmg mögen solche Theaterdamen dann leicht ausnützen, dieses andere Geschlecht sich besonders geneigt zu machen. Anch dazu sind ober gewisse Eigenschaften erforderlich: Schönheit, Witz, Liebenswürdigkeit, Anmut, Heiterkeit, Selbstgefühl ..." „Sagen Sie lieber Gefallsucht rind Unverfrorenheit." — „Auch das I Es wäre unaufrichtig, es zu leugnen. Aber jedenfalls hat viel dazu beigetragen, daß die Frauen, die geborgen sind in der Obhrit ihrer Familien, geschützt durch eine unangetastete Lebensstellung und vor allen Anfechtungen be- wahrt, neidvoll uird gehässig ihnen gegenüberstehen und die auf exponiertem Posten Stehenden allzu leicht ins Extrem treiben. Wer die Strenge rind Härte beobachtet, mit der Frauen sich gegen ihre Mitschwestern wenden, der begreift es, daß die Angegriffenen Zuflucht bei den Männern suchen. Und ist man erst ans dieseni Wege oder Abwege, ist man erst heranSgedrängt ans den Schranken, die Sitte und Ordnung errichtet, dann findet man sich schwer zurück." „Sie ... Sie haben viel Erfahrungen und darum viel Milde." Eine flanrmende Röte überzog Dellas Gesicht. „Ja, Fran Gräfin, in der Tat, ich habe vieles gesehen in de>r zwei Jahren, in denen ich der Bühne anzugehören das Glück habe. Und ich habe viel Milde, weil ich hoch- siehe, hoch über allem, was klein ist und niedrig. Das gibt mir die Nachsicht, den Fehlenden und Strauchelnden 466 — gegenüber, und die souveräne Verrichtung für Bosheit und 9?eit>." Ihre Stimme hatte sieh nun dach ein wenig gehoben, trotzdem hatte niemand, der die beiden Damen beisammen sah, vermuten können, daß hier heimlich vergiftete Geschosse uuiherflogen und dem Gespräeh einen verletzenden Inhalt gaben. Weder die Gräfin noch Adele hätten auch zu sagen vermocht, wie dies gekommen. Eine instinktive Feindseligkeit, vielleicht beiden unbewußt, war zum Ausbruch gekommen. Adele war empört. Alles in ihr zitterte und bebte von unterdrücktem Zorne. Sie fühlte, daß sie nicht lange mehr imstande sein würde, sich zu beherrschen. War das die Gastfreundschaft, die ihr geboten wurde? Die Gastfreuudschaft, die von den Giersdorfs in edelstem, bestem Sinne geübt wurde, so lange sie denken konnte? Was wollte diese fremde, verbitterte Frau unter ihnen? Graf Guido warf in diesem Augenbliek aus dem Rauchzimmer einen fast besorgten Blick auf die beiden Dauien, die scheinbar ruhig miteinander plauderten. „Armer Graf!" dachte sie, und nun begriff sie plötzlich diese geheime Feindschaft der andern. Wie im Fluge sah sie ihn, wie er in Dresden vor ihr gestanden hatte. „Armer Graf!" Hotte sie heute so stolz und kaltblütig die Angriffe seiner Frau zurückweisen können, wenn sie fein Anerbieten damals eingenommen hätte? Und dann sah sie den Grafen vor sich, wie er in Mailand in ihrem Zimmer im Hotel Milano zu ihr sprach. . . , Soeben trat er aus dem Rauchzimmer zu ihnen. „Armer Graf! Arme Gräfin!" Jetzt verstand sie die verbitterte Frau, und ein tiefes Mitleid erfüllte ihr grossmütiges Herz. Sie war wie umgewandelt. Sie verstand und verzieh. „Haben die Damen angenehm geplaudert?" fragte Alfons, der mit Dr. Hübner jetzt ebenfalls zu ihnen trat. „Das wage ich leider nicht zu behaupten," antwortete Della schnell. „Ich habe die Frau Gräfin mit prinzipiellen und ganz theoretischen Fragen aus dem Leben der Künstlerinnen unterhalten — ich fürchte, fast gelangweilt! Man ist zu sehr Partei dabei, um objektiv zu bleiben. Und Partei-Interesse ift der Tod jeder angenehmen Unterhaltung. Ich bedauere dies und hoffe, die Frau Gräfin wird entschuldigen." Mit einem nur dieser verständlichen Nachdruck hatte sie gesprochen. Und dann sah sie sie fragend an und las in igren Augen die Antwort, dass sie mit diesem stillschweigend geschlossenen Frieden einverstanden sei. Laut aber entgegnete die Gräfin: „In der Tat, man darf nie nach landläufigen Anschauungen Kreise und Dinge beurteilen, die man nicht tennf." Dabei stand sie auf und faßte mit der Hand nach der Stirn. Sie war totenbleich und ein Schwindelanfall schien sie zu erfassen. _ „Es ist zu heiß hier, Viktor, bitte, öffne ein Fenster", rief Dr. Hübner dem Hinzulretenden entgegen. Dann nahm. er ein Glas Wasser und reichte es der Gräfin. Sie sank auf den Stuhl zurück, von dem sie sieh erhoben hatte. „Es geht vorüber", lispelte sie. „Nachwirkung von Migräne heute morgen", tröstete Alfons, „Sitzung dauerte für nervöse Damen viel zu lange dazu Sekt! Vertragen nichts Ungewohntes —" Er blickte auf Della. „Gnädiges Fräulein sehen auch ganz bleich aus." Diese stand etwas abseits neben ihrem verlegen und eingeschüchtert dreinschauenden Vater. Hochaufgerichtet! Tie Blicke der Gräfin zugewendet und dem Arzte, der sich mit sie bemühte. wor selbst einer Ohnmacht nahe, aber um nichts in der f*e seist eine Schwäche gezeigt. Mit aller Macht h'elt sie sich aufrecht. Sie fühlte, daß die Blicke des Grafen Guido auf ihr hafteten, daß nicht ein einziger seine Gattm traf. „In der Tat, es ist sehr heiß hier. Ich möchte in die frische Luft. Wenn die Herrschaften entschuldigen, würde ich mich empfehlen." Klar und vernehmlich kamen diese Worte. Der Graf verneigte sich zustimmend. Sie nahm den Arm ihres Vaters. Dieser schob sieh bis zur Gräfin nnd sagte treuherzig: „Ich wünsche der Frau Gräfin eine recht gute Besserung." Stumm verneigten die Damen sich voreinander. Nichts verriet, was zwischen ihnen vorgegangen war. „Hätten die Damen nicht allein lassen sollen", schnarrte Alfons. „Beim Plaudern unerträgliche Hitze nicht beachtet . . . immer zu eifrig bei der Sache?" „Ich bedauere den .kleinen Zwischenfall unendlich", wendete sich Graf Guido ihr zu . . . „und auf Wiederlehen, gnädiges Fräulein, auf Wiedersehen, Herr Kantor!" „Schönen Dank fürs genossenene Vergnügen", erwiderte dieser. „Adieu, Herr Graf!" Dann noch ein rasches Abschiednehmen von den anderen, sie waren draußen. Ein Atemzug hob ihre Brust. ,/51E)! Das tut wohl!" sprach sie halblaut vor sich hin. Slls sie sich in die Wagenecke zurücklehnte, trat ein Herr ins Portal. Sie glaubte, Wittelsbaeh zu erkennen und schloß die Augen. Der heutige Tag war reich an Ereignissen, überreich. Sie fühlte sich müde und sprach auf der kurzen Strecke nach ihrem Hotel kein Wort. In ihrem Innern aber tönte es wieder, was sie so ost in der letzten Stunde gedacht: armer Graf! Tas Gastspiel von Adele Brandt im königlichen Opernhaus zu Berlin war beendet. Sie hatte so hinreißend schön gesungen, so vollendet gespielt, daß ihr Auftreten sich sensationell gestaltete. Das Publikum brachte ihr begeisterte Ovationen und die Abschiedsvorstellung einen Triumph, wie man ihn ähnlich in Berlin noch nicht erlebt hatte. Es war, als wollte man beweisen, daß Berlin selbst der größten Künstlerfchaft erst die vollgültige Prägung leihe. Alles, was die Fama von den Erfolgen der Brandt schon hergetragen hatte, sollte überboten werden durch das, wa§ man ihr entgegenbrachte. Und es war viel. Sie selbst, an großen Enthusiasmus und überschwengliche Beifallsäußerungen gewöhnt, war wie betäubt. Das über» lieg alle Hoffnungen, alles, was sie bisher erlebt hatte. Es zog wie ein Freudenrausch, ein Entzücken durch das Haus. Erst immer wie ein Anhalten des Atems, wie eine Verzauberung, in der die Hörer gefangen waren, ein Sekunden währendes Schweigen, und dann brach der Jubel aus. Begeisterung und Veifallskuudgebungen, die das Publikum in eine außergewöhnliche Erregung versetzten und jene nervöse wie mit Elektrizität geladene Stimmung hervorriefen, die nur in der Hpperkultur der Großstädte möglich ist. Della Brandt! Das war das Ereignis des Tages. Der hellstrahlende Star am Kunsthimmel, die Sensation der Weltstadt. Die Zeitungen waren angefüttt mit ihrem Ruhm, und in vollständiger Elnstiminigkeit priesen sie die „göttliche Sängerin" bei der mir eines ihrer Gesangskunst ebenbürtig fei — jh^ darstellerischen Leistungen, lind dann wurde der Name Wittelsbach laut, des genialen Künstlers, der neben dem alten Maästro Ranzoni ihr Genie erkannt und ihre Aus- bildung geleitet hatte. Die fabelhaftesten Gerüchte tauchten auf. Wahrheit und Dichtung woben einen ganzen Leaenden- kranz um Adelens Haupt. Sie selbst erreichten diese eifrigen Histörchen nicht. Sie las die Zeitungen nie. Diese hätten ihr nur sagen können, was sie ohnedies wußte. 1 ©te fühlte ihren Erfolg, ihre Wirkung auf das Publikum. (Fortsetzung folgt.) — 467 — kranken bewahren, uuti ut erkannt wurde, kann cs schon ..... uutiC|ltul Mben, und um gesunde Kinder vor der Berührung mit keuch- hustenkranken zu bewahren, müßte man sie von jedem überhaupt hustenden Kinde entfernt halten, ohne schließlich auch hierdurch die absolute Sicherheit vor der Ansteckung zu haben, denn vielleicht kann auch angetrockneter Schleim, der von einem keuchhusten- iranken Kinde ausgehustet wurde, an irgend einem Gerät, welches nnem gesunden Kind in die Hände fällt, dieses infizieren. ^rr^Sand der Spielplätze, wenn er nicht intensiver Sonne ausgesetzt ist, dürste als Ansteckungsmöglichkeit eine größere Rolle !?«» als man bis jetzt ihni zutraut. Dazu kommt noch, daß frische Luft das beste Mittel ist, die Keuchhustenanfällc au Ljahl, zu vermindern, also sind die lleiuen Patienten nach Möglichkeit m die freie Statur zu bringen, eben dorthin, wo sich auch Gesunde ergehen. t . kann doch durch strengste Vermeidung einer ^Znfertlonsmoglichkeit eine Erkrankung vermieden werden, und dringend ist jede Berührung mit keuchhustenkranken Kindern anzuraten, wenn es sich um Säuglinge und Kinder unter drei Jahren, sowie um mit Tuberkulose behaftete Kiuder handelt. Weit die Ueoertraguug nicht ans heitere Entfernung erfolgt, aua) nicht durch gesunde Personen, die sich vor Berührung und Beschmutzung durch keuchhustenkranke frei hielten, so kann auch «t1 Jc?en ^ause durch strenge Abschließung der Gesunden eine Ansteckung derselben verhindert werden. ■ Zer Keuchhusten. Wie bei allen Infektionskrankheiten wechseln auch beim Keuchhusten Jahre mit wenigen Krankheitsfällen und Jahre mit gehäuftem Auftreten, auf mehrere Jahre der Riihe folgt ein Epidemiejahr. Wie die Mafern verhält sich auch der Keuchhusten: ist eine erhebliche Zahl von Kindern durchseucht, so erlischt scheinbar die Krankheit, um nach gewisser Pause sehr erheblich wieder aufzutreten. Keuchhusten ist ausnehmend ansteckend und, da die meisten Menscheil für das Keuchhustengift empfänglich sind, gehört er zu den häufigsten Kinderkrankheiten, aber auch Erwachsene und selbst alte Leute können an Keuchhusten erkranken, wenn sie die Krankheit noch nicht überstanden haben. Weil die meisten Menschen eben schon als Kinder den Keuchhusten durchgemacht habe», erkranken so wenige Erwachsene daran, denn ein einmaliges Ueberstehen schützt vor erneuter Ansteckung. Wohl über keine Erkrankung bestehen so viele irrtümliche Ansichten wie über den Keuchhusten und wirken sehr häufig schädlich. Erne Reihe von Umständen wirken zusammen, die Ansteckung zu erleichtern, andererseits einen Schutz vor der Ansteckung zuweilen illusorisch zu machen. Der Kenchhusteii ist wahrscheinlich schon ansteckend in dem Stadiuni der Erkrankung, wo er noch gar nicht erkannt werden kann. Ein Kind, das mit ans- gesprochenen Keuchhustenanfällen behaftet ist, kann man von andern fernhalten, und gesunde Kinder von der Berührung mit diesen “*i- aber bis dieses Kind als kcuchhustenkrank cs schon eine Menge Spielgefährten angesteckt Bei Schulkindern erfolgt meistens die Ansteckung bevor der Keuchhusten als solcher erkannt ist, selbstverständlich darf ein öN^itenkrankes Kind nicht in die Schule, aber in den meisten galten wird es vorher schon einige seiner Kameraden infiziert haben. ,, —kr Keuchhusten tritt bei verschiedenen Epidemien verschieden stark auf, bei der>elben Epidemie gibt es gleichfalls leichte und schwere Salle. Im allgememcn wird der Keuchhusten meh- als CI*tG I?n9toicnge imi) unangenehme Krankheit denn als eine gefährliche anzesch.n aber, die Erf. Yrung betätigt diese Ansicht «'Zt, den jüngsten Lebensjahren ist der Kcuchhusten am meisten s» d@ ,dLenyti° Kmdern mit. schwerer Rachitis. Gefährlich ist der Keuchhusten auch durch Hmzutreten anderer Krankheiten spe- » f db^^rigen- Eine sorgfältige Ucberwachung keuchhusten- kran.kcr Kinder ist durchaus notwendig, Fieber verlangt stets Zuziehung , des Arztes, denn es zeigt an, daß der Verlauf ein ®obc!lb ^er charakteristische Husten da ist, und damit auch der Laie die Diagnose Keuchhusten mit Sicherheit M1,6" kann, wird huusig der Keuchhusten ohne Befragen eines Arztes auf eigene Hand kuriert, eine Menge unfehlbarer Mittel S“"6» ra m den Zeitungen angepriesen und alle guten Bekannten beeilen sich mit ihren Erfahrungen und Mittelchen zu Solange es sich um einfache Hausmittel handelt läß! mUte? «ftpbf^..man um schweres Geld die Reklarne- befraaeil '^Etn E "ch deren Wert beim Arzte auk^ hm wm eine wirklich heilende Einwirkung ,^!^,den.Keuchhusten hat, gibt es Nicht, sondern nur solche Mittel be??abkü»en"' Sna'r06”' Astn Falle die Dauer der Krank- in ^n' ??c1 verschiedene sein und im gegebenen Falle ist einmal dieses, das andere Mal jenes zn verordnen re nach den begleitenden Umständen. Auch die DiätetU die Lebensweise, Lustgcnich, Spazieren gehen und dergl. läßt' sich Mnsr*1 Bogen ein für allemal festlegcn, da sprechen Stände^s^^»"""^e',WittWung, Jahreszeit und andere Um- stande. oft em gewichtiges Wort mit. Aber eines ist doch m Luftwechsel soll den Keuchhusten heilen ^und SdiW k \ Fehler begangen. Der Luft- wechsel ist durch bloßen Ortswechsel meist nicht erreicht. Auch mt cm Keuchhusten doch zum Ausbruch, wenn auch sofort ^?^^^llen der Diagnose ein Luftwechsel vorgenommen wurde. Ein Ortswechsel aus entern rauhen Klima in ein mildes gleichmäßiges, wird stets wohltuende Folgen haben, aber nur wenn eben die Kinder stunden- und tagelang im Freien zubringen können und die Wohnungsverhältnisse derart sind, daß auch hier jede Erkältungsgefahr vermieden wird. Ein mildes südliches Klima wird nichts nützen, wenn mit demselben der Aufenthalt in I kalten, lange unbewohnt gewesenen, nicht heizbaren Hotelzimmern I verbunden, ist. . Niemals aber soll man reisen, ohne vorher genaue Sicherheit über die Unterkunst eingcholt zu haben, dazu gehört, daß man dem Wirt mitteilt: es kommen Keuchhusten- I n ‘eL sonst kann es sich ereignen, daß nach der Ankunft beim ersten Hnsteuanfall der weitere Aufenthalt versagt wird. Unsere I « ^erfrischen und Bäder betonen in ihren Prospekten, daß I ^ubukrankc Kinder nicht aufgenommen toerben und ihre Ruckreye höflich aber bestimmt verlangt wird; und man kann ihnen nicht Unrecht geben Es ist also stets das Beste, zunächst I den Verlauf des Keuchhustens zu Hause in den geordneten Verhältnissen abzuwarten und erst später zur Erholung des Kranken ! le ", der Jahreszeit und den Verhältnissen einen entsprechen- den Aufenthalt im Süden oder an der See folgen zu lassen I Man kann m Bezug auf die Schonung der Kinder nach Keuchhusten lieber etwas ängstlicher sein, als nach dem Aufhörcn der charakteristischen Hustcnanfälle die Kinder schon als gesund zu betrachten. Die Eigenart dcr Keuchhnstcncrkraukuiig bringt cs nut sich, daß die widersprechendsten Ansichten bestehen. Beim gewöhnlichen. Keuchhusten ist das Kind nur während der Anfalle krank, rn der Zwischenzeit ist es gesund; diese Beobachtung I wag zu der Auffassung geführt haben, daß der Keuchhusten eine I ijnjirtigc Augewohiihcit fei, die durch die Rute kuriert wird. Allerdings gelingt es nicht selten, Keuchhustenanfälle durch Droh- | imgen, durch Slbleukung der Aufmerksamkeit dcr Kinder nicht zum Ausbruch kommen zu lassen, und manche Kinder verfallen von selbst auf . allerlei Mittel, durch welche sic einen drohenden Anfall unterdrücken. Andererseits kann die Umgebung durch ihr I verhalten dazu beitragen, die Anfälle hervorzurufen ober zu vermehren, wenn sie die Kinder darauf aufmerksam macht: jetzt kommt ein Anfall! ängstlich den Kopf hält ober sonst Avwehr- maßrcgcln irgend welcher Art ergreift. Daraus ergibt sich die schwere Aufgabe für die Pfleger keuchhustenkranker Kinder: auf der ernen Seite sorgfältige Ausschaltung aller Schädlichkeiten, also eine gewisse Aeugstlichkeit, andererseits dem Kranken gegenüber cme gewisse Sorglosigkeit und zuversichtliche Ruhe: also ä; B. Sorge für reichlich frische Luft und Bewegung im Freien emerfeit8 und andererseits Vermeidung jeder Erkältungsgefahr; reichliche kräftige Kost, aber keine llcberfiitternng; Spielen im tyreicn, aber ilicht Tollen; Abhärtung, aber keine übertriebene. Schonen aber kein Verzärteln. Den rechten Mittelweg zu siiidcn, I darin liegt häufig die Kunst; und in vielen Fällen gelingt dres eben doch nur durch die ärztliche lkeberwachung, durch welche rechtzeitig nach der einen oder anderen Richtung eingreifende Verhaltungsmaßregeln gegeben werden. Die deutsche Pompadour. Unter dem etwas protzigen Titel „A German Pompa- dour' hat die englische Schriftstellerin Marie Hay ein Buch erscheinen lassen. Die „deutsche Pompadour", die Frau Hat, uns vorstellt, ist Wilhelmine v. Graevenitz, Lnnd- hofmeisterm von Württemberg. Diese Frau, deren Lebensgeschichte bis jetzt wenig bekannt war, war die Geliebte des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg (um 1720), und hatte aus das Leben des Herzogs wie auf die Ge- schichte des Herzogtums einen bedeutenden Einfluß. Die junge Wilhelmine war eine sehr hübsche, sehr romantische und sehr abenteuerliche kleine Mecklenburgerin. Als ganz junges Mädchen entfloh sie mit Herrn Gabriel, ihrem Musiklehrer, aus dem väterlichen Schlosse. Ihr Weg führte sie nach Stuttgart, und sie hatte die Ehre, vor dem Hofe in La Fontaines Komödie „La Coupe cnchantee" zu spielen. Herzog Eberhard verliebte sich sofort in die Kleine und beschloß, ihr noch am selben Abend seine Liebe zu erklären. Er forderte das junge Mädchen auf, mit ihm „beim Schein des Mondes zu promenieren". Sie nahm die Einladung an und spielte als gewitzte Abenteuerin, die sie war, dem verliebten Fürsten gegenüber die Kokotte. Eberhard Ludwig war so verliebt, daß er nichts Vernünftiges sprechen konnte, was immer ein Zeichen übergroßer Liebe ist. Als er die Geliebte verließ, sagte er nur: „Auf Wiedersehen, Philo- mele!" Und Wilhelmine wurde kühner und antwortete: „Aus Wiedersehen, mein Dichter!" . . . Tas zweite Zusammen- treffen der beiden jungen Leute ist noch viel romantischer. Eines Tages hatte sich Wilhelmine mit kluger Absicht im Walde verirrt und sang in ihrer Slot eine damals sehr beliebte Arie von Lulli, in welcher ein Verliebter sein Liebchen also anschmachtet: „Dichter Wald, wehr ab der Sonne Schein, Für mich kannst niemals du zu dunkel sein. — 468 — Ich fühle im Herzen Verzweiflung und Schmerzen, Weil ich nicht mehr sehe mein Liebchen, o wehe!" Plötzlich tauchte der Herzog auf. Neues Liebesgeplänkel, jetn endlich reellere Liebesrundgebungen — Umarmungen, Wsse — folgten. Die Sache hatte aber einen Haken: der Herzog war verheiratet! Doch wer wird sich daran stoßen! Eberhard Ludwig ernannte Wilhelmine zur Ehrendame (lucus a non lncendo!) der Herzogin und beging für sie tausend Dummheiten. Wegen der schönen Augen des Fräuleins v. Graevenitz verließ er ruhig sein Heer, das gegen den Marschall v. Villars kämpfte. Nach dem Rückzüge des Marschalls richtete die Mutter des Herzogs an ihren Sohn nachstehenden Brief: „Mein Sohn! Wie ich das Land von der französischen Geißel befreit habe, erwarte ich, daß Sie das Land von der Geißel und Plage Ihrer Sünde befreien werden. Kehren Sie nach Stuttgart zurück und tun Sie Ihre Pflicht als Gatte, als Vater, als Sohn und als christlicher Fürst. Sie werden Ihrer Mutter den Frieden wiedergeben. Magdalene Sybille, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, Herzogin-Witwe von Württemberg. Diese Graevenitz ist eine —! Ich könnte Beweise haben, wenn ich sie geben wollte; ich bitte Sie, mir zu glauben, daß sie Ihre Gunst nicht verdient!" Herzog Eberhard wollte aber nicht Vernunft annehmen und heiratete die junge Wilhelmine, natürlich morganatisch. Er heiratete sie sogar zweimal und machte sie zur wirklichen Herrin von Württemberg. Schließlich aber jagte er sie davon, und das ist das Ende der schönen Wilhelmine und des schönen Buches. Vermischtes. * Ein wertvoller Zuchtwidder. Für fehlerfreie Zuchttiere werden bekanntlich die höchsten Preise gezahlt. Man erinnere sich der für Flying Fox, des englischen Rennpferdes, welches in französischen Besitz überging, gezahlten Summe von % Millionen und anderer verhältnismäßig hohen Summen, die sowohl für erstklassige Pferde, aber auch Rinder usw. auf jeder Ausstellung gezahlt werden. Namentlich in England, wo die Haustiere in hervorragenden Qualitäten gezüchtet werden, gehören hohe Tierpreise zu den alltäglichen. Der Lincoln Widder beispielsweise erzielte einen Preis von 29 000 Mark. Das Tier ist vollkommen fehlerfrei, es vertritt eine Rasse, die wegen ihrer feinen Wolle sich besonderer Wertschätzung erfreut. Züchter des stattlichen Widders ist Mr. Henry Dudding in Great Grimsby. * Wachsendes Eisen. Es ist eine bekannte Erscheinung, so schreibt der Prometheus, daß die Metalle, wenn sie mehrmals hoch erhitzt und wieder abgekühlt werden, schließlich ihre ursprünglichen Dimensionen nicht wieder annehmen, ein Umstand, der z. B. bei Metallpyrometern, bei denen die Ausdehnung eines Metallstückes als Maßstab für die Temperatur dient, zu Störungen und Ungenauigkeiten Veranlassung gibt und eine öftere Korrektur erforderlich macht. Neuerdings hat nun das gcanklin-Jnstitut dem Erfinder eines Verfahrens, das unter usnutzung dieser Erscheinung ein wirUich-es „Wachsen" des Eisens erzielt, eine goldene Medaille verliehen. Das Verfahren besteht lediglich in mehrfacher Erhitzung und Abkühlung des betreffenden Eisenstückes unter Einhaltung bestimmter. Temperaturen, über deren Höhe Näheres noch nicht mitgeteilt wird. Die Resultate des Verfahrens sollen außerordentliche fein; die Ausdehnung eines Eisenbarrens soll bis zu 46 Prozent betragen, wobei sein Gewicht völlig unverändert bleibt, während seine Struktur infolge der gänzlich veränderten Lagerung der Molecüle naturgemäß eine andere ist als die eines gewöhnlichen Eisens gleicher Qualität und Herkunft. Welche praktische Anwendungen das Verfahren wird finden können, bleibt abzuwarten. * Ueber koloniale Eingeborene »Politik mit besonderer Bezugnahme auf O st a f r i k a schreibt Dr. Ernst Erd- mannsdörsfer in dem 22. Hefte der illustrierten Zeitschrift „Ueber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) unter anderm folgendes: Die Hauptaufstandsgefahr ist weniger in den angestammten Häuptlingen zu erblicken, wie man vielfach glaubt, als besonders in den entlassenen Askari, die nicht unsere Stärke, sondern unsere Schwäche kennen gelernt haben. Bei den vielen Versetzungen weiß jeder Rekrut nach drei Monaten, daß es nur zwölf Kompagnien und wenige Polizeiabteilungen von knapp zweitausend Mann sind, die sechs Millionen auf einem doppelt so großen Raume wie Deutschland im Zaum halten glen. Er kennt den Sicherungsdienst, die Signale und die arschordnung und weiß ganz genau, in welchem Augenblick man sich niederzuwerfen und zum Schüsse zu erheben hat. Unsere Politik hat den Häuptlingen und Sultanen ihre Macht genommen und ihnen dafür die beschwerlichsten Pflichten auferlegt. Statt sie noch mehr zu unterdrücken, würde sich im Gegenteil eine Erweiterung ihrer Machtbefugnisse empfehlen. Diese Machtlosigkeit wird von manchen Häuptlingen so tief empfunden, daß, wo früher blutige Fehden um die Thronfolge stattfanden, jetzt hin und wieder schon Thronflucht eintritt. „Als ich erfuhr", so erzählt ein alter Afrikaner in seinen Erinnerungen, „daß mein farbiger Diener eigentlich ein kleiner Dorfhäuptling von der Küste sei, drückte ich meine Verwunderung aus, daß er die dienende Stellung seiner angestammten Würde vorziehe. ,Herr,' antwortete er in der drastischen Sprache des Negers, ,lieber will ich eine Ziege sein als ein Jumbe. Alle Woche wird man gemahnt, die Steuern beizutreiben, alle Monate muß man aufs Bezirksamt, um sich wegen seiner Faulheit schelten zu lassen. Schlägt ein Mann im Dorfe den andern tot, so ist der Jumbe schuld, wenn der Verbrecher nicht ergriffen werden kann. Laufen die Leute vor dem Steuererheber weg und der Jumbe bleibt, so wird sein Vieh beschlagnahmt. Teilt ihr Saaten für neue Kulturen aus, so muß der Jumbe die Hacke in die Hand nehmen. Denn wer täte es sonst? Wer gehorcht mir denn noch, seitdem ich nicht mehr strafen kann?'" Es wird hierzu bemerkt, daß dieser Jumbe von Haus aus ein wohlhabender Mann ist, bald vierzig Jahre zählt und an Umsicht, Fleiß, Nüchternheit, Ehrlichkeit und Herzensbildung einen Jdealneger darstellt. Lrreeerrrswes. — Rechtsanwalt Dr. I. Werthauer ist einer der populärsten Berliner Verteidiger. Besonders in alle Gebieten des Großstädtischen Schwindlertums dürfte wohl kaum einer durch seinen Beruf so tiefe Einblicke getan haben, wie Dr. Werthauer. Einer der neuesten Bände der von Hans Ostwald herausgegebenen Kollektion „Großstadt-Dokumente", der Band „Berliner Schwindel" ist von Werthauer bearbeitet worden. Werthauer beginnt sein Buch mit der relativ harmlosesten Sorte von Schwindlern, nämlich mit den sogenannten „Ringneppern" und führt uns dann in packenden Einzelschilderungen durch die Gebiete des Kautions-, Vermittelungs-, Heirats-, Annoncen-, Kredit- und Wechselschwindels, um zuletzt den Bauschwindel in einer wohl bis heute noch nie dagewesenen umfassenden Darstellung zu beleuchten. Werthauers Buch liest sich wie ein spannender Roman, sein Wert liegt aber darin, daß alles, jede Type und jeder Vorgang dem Leben abgelauscht ist. — Was wir vom Mo nde wissen, Entwicklung und heutiger Stand der Monderforschung. Mit 66 Abbildungen. Von PH. Fauth (Hermann Hillger Verlag, Berlin W. 9). Preis brosch. 1.50 Mk. — Die Neigung der gebildeten Welt ist seit einigen Jahren in zunehmendem Maße den naturwissenfchaftlichen Forschungen zugewandt. Kann es doch auch kaum etwas Interessanteres geben, als die Fortschritte zu verfolgen, die gerade auf diesem Gebiete von Jahr zu Jahr gemacht werden. Ein besonderes Interesse dürfte daher der vorliegende Band in den weitesten Kreisen finden, da es darin ein erprobter Fachmann, der sich während 21 Jahren fast ausschließlich diesem Spezialfache widmet und Tausende neuer Formen der Mondplastik entdeckt hat, unternimmt, alles das in Wort und Bild vorzuführen, was wir von dem treuen Begleiter unserer Erde wissen. Die Schilderung ist nicht in trockenem Gelehrtentone gehalten, sondern fesselnd und spannend. Ganz besonderer Wert ist auch auf die Illustrierung, ohne die ein Buch über den Mond fast undenkbar ist, gelegt; die Auswahl derselben nach allerbesten Vorlagen ist eine sehr gewissenhafte und reichhallige, die Wiedergabe derselben äußerst scharf. Wir können das Buch allen Naturfreunden bestens empfehlen. Kreuzrätsel. (Nachdruck verboten.) Auflösung in nächster In die Feider nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a ä, b,