M. 149 1866 M ZDZ WxM UM MKM MMZ Am Amme des Gel-emmisses. Roman von H. v. Raesfeld. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.') 12. Kapitel. Geschenke von unbekannter Hand. Das Wochenbläitchen von Fcrryhill enthielt in seiner nächsten Nummer eine kurze Notiz über die Prüfung für daS Stipendium, teilte mit, daß Werner Jefferies den Preis bekommen, sprach in warmen Ausdrücken von seinen Talenten und beglückwünschte den Stifter des Stipendiums zu der guten Verwendung, die dasselbe aller Wahrscheinlichkeit nach in diesem Falle finden werde. An einem hcllklaren Sommertage war Werner früh auf- gestanden; in zwei Tagen bereits sollte er nach dem Dorado seiner Wünsche, zur Universität nach Cambridge aufbrechen. Er war über alle Beschreibung glücklich und wunderte sich beim Anbruch dieses neuen, glücklichen Lebensabschnittes für ihn, luie die Welt nur so schön sein könne. Nie wor ihm die Sonne so strahlend erschienen; der Gesang der Vögel war voller Musik, die ganze Natur war in ihrer schönsten Stimmung, lind doch kam ihm an diesem Hellen Sommcr- inorgcn eine Art von halber Ungewißheit, wie er denn auf der Hochschule wohl fortkommen würde. Während er dies erwog, rollte ein schwerer Frachtwagen durch die Wallhcckcn, hielt vor dem Gartentürchen, und der Fuhrmann stieg ab. Er nahm mehrere schwere Kisten von dem Wagen, und Werner, dem nichts davon bewrißt, daß seine Mutter irgend welche Frachtgüter zu erwarten haben sollte, glaubte schon, daß irgend ein Mißverständnis vorliege. „Isis hier recht bei Mrs. Jefferies? fragte der Fuhrmann, und Werner erwiderte bejahend. „Dann sind diese Kisten hier alle für sic", sagte er, „und schwer genug ist der Kram." Ein flüchtiges ©tonnen, was wohl die Mutter gekauft haben könne, wovon er nichts wußte; aber dann eilte Werner mit der natürlichen Höflichkeit, die ihn stets auszeichnete, herbei, um dem keuchenden Manne zu helfen. Sein eigener Name stand auf den Kisten; sie waren gar nicht für seine Mutter, sondern sämtlich für ihn. Seine Wangen röteten sich, sein Herz schlug schneller. Was war darin? „Mutter?" rief er, hineinstürzend, „was bedeutet dies? Sieh — „Master Werner Jefferies"; wer hat mir dies geschickt?" Der Fuhrmann wurde bezahlt und fuhr davon: dann standen Mrs. Jefferies, Jack und Werner in stummem Erstaunen vor den drei großen schweren Kisten. „Offen damit", rief Jack; „vom Ansehen kriegen wir nicht heraus, was drin ist!" Er lief, holte Hammer und Zange und gmg ans Werl; noch einige Minuten, und der Deckel der ersten lag auf dem Flur. Sic war von Burns u. Nowland, London, und enthielt einen sehr hübschen Toiletten-Kasten, äußerst geschmack- voll mit jedem möglichen Gebrauchsgegenstand ausgestattet; ein ausgezeichnetes Schreibpult, ebenfalls elegant und reich ausgestattet, und weitere kleinere Gegenstände zum Gebrauch eines jungen Studierenden. Werner sah ernst und blaß aus. „Mein Gott, Mutter", fragte er; „wer hat mir dies geschickt?" „Wir werden es schon herausbekommen", versetzte sie und folgte gespannt Jacks Anstrengungen, die zweite Kiste zu öffnen. Diese Kiste, noch größer, als die erste, war von oben bis unten mit Büchern gefüllt. Sämtliche alten und neueren Klassiker, dabei jedes Hülfsbuch, das möglicherweise beim Studium derselben von Nutzen sein konnte, alles war vorhanden. Sie schienen bnehstäblieh fein Ende nehmen zu wollen; der Flur, die Tische, die Stühle, alles bedeckte sich int Nu mit Haufen von Büchern. „Das ist der schönste Anblick, den ich je gesehen", rief Werner begeistert; doch Jack ließ mir ein verächtliches Lachen hören. . . Die dritte Kiste war mit feiner Leincnwa;che und sonstigen Gebrauchsartikeln gefüllt; cs fchlte nichts, abcr auch gar nichts, was nur eine sorgsame Mutter einem auf Jahre von Hause Scheidenden mitgibt. „Tas sicht doch wenigstens nach was aus!" rief Jack. „Sich, hicr ist eine kleine silberne Uhr und ein Dutzend seidene Taschentücher; wenn ich mir schon was wünschen sollte, so möchte ich das lieber haben, als alle verrückten Bücher, die jemals gedruckt ivordcn sind." Auf dem Boden dieser, der letzten Kiste, lag eine schöne grünseidene Börse. Jack griff gierig danach und hielt st- empor; sie enthielt zehn Goldstücke und eine weiße Karte. „Ha, endlich!" rief Werner; „jetzt werden wir ja er- fahren, von wem cs kommt!" Laut las er folgende, in schöner, kühngeschwungener Handschrift gehaltenen Zeilen: Ein Geschenk für Werner Jefferies von jemand, dem der" Erfolg seiner Prüfung recht wohl gefallen; von je- monb, der — wenn seine Hochschul-Laufbahn ebenso er- folgreieh sein sollte — weitere Sendungen machen wirb. 594 lassen. (Fortsetzung folgt.) 4. Wrotch be3 Vierten deutschen Bbstinententazes gegen die deutschen akademischen Trinksitten. Elberfeld-Barmen, 6. Okt. Gegenüber den deutschen akademischen Trmksitten bekennt sich der Vierte deutsche Abstinententag mrt rücksichtsloser Entschiedenheit zu derselben Auffassung, dre sm Februar 190» iit dem Aufrufe des „Berems abstmenter Juristen des deutschen Sprachgebietes" zum Ausdruck gekommen ist. Der „Vierte deutsche Abstrnententag macht sich die Gedanke,r jenes Ausrufs zu eigen, erweitert s,e und erklärt darnach dies: Wer der Wahrheit die Ehre geben will, der muß bekennen: Die akademisch gebildeten Männer tragen an dem Alkoholelend in Deutschland die schwerste Schuld. Was m den höheren Kreisen der Gesellschaft nicht nur geduldet sondern mit pietätvoller Zärtlichkeit gehegt und gepflegt wird beeilen sich die unteren Klassen nachzuahmen und zu übertreffen. Die schwersten Formen der Alkoholverderbin^ in Deutschland wurzeln in der Verblendung und in, der Furchtsamkeit der höheren sozialen Schichten; diese besitzen nicht die Erkenntnis und nicht den Mu!, die Dmge beim rechten Namen zu neunen und unwürdige Zustande ut ihrer eigenen Mitte auszurotten. ,. „ „ „ , Daß die höheren Gesellschaftskreise diese Erleuntnis und diesen Mut bisher nicht gefunden haben, dafür trifft wiederum die Verantwortung eine besondere Gruppe unter ihnen, eben die akademisch Gebildeten. Denn die auf dem Trinkzwanae beruhenden. Trinksitten oes Universttats- lebens, dwien die Männer dieses Staiides wahrend ihrer Studienzeit fast ausnahmslos gehuldigt und die sie vielfach in ihr Päteres Leben mit hinübergenommen haben, erzeugen durch bas berechtigte soziale Ansehen ihrer Frager eine verderbliche Suggestion aus andere Kreise und verhindern viele, das Wesen der Alkoholgefahr richtig zu Dw" akademischen Trinksitten vergiften einen großen Teil derer, aus denen sich unsere geistige Elite bildensoft, und wirken durch das böse Beispiel auf dw anderen Sta verderbenbringend ein, zunächst auf die Stmcheft).- Felchen sozialen Schicht und sodann auch auf die andere Vevolkeruug. Wer studiert hat, der sollte fähig sein, aus den Hoh,n deutschen Geistes zu leben, der sollte seinen oeulschen e>oil!-- qenossen ein Führer sein zum Ideal. Wie viele aber vegetieren nicht nach vollbrachtem Studium dahin in trog- loser Mittelmäßigkeit! Der Bierkultus, aus dem die oeuftchv liocbsÄule heute noch ein Evangelium macyt, ha-, nnzatzlig wiele in'^der empfänglichsten,Zett des Lebens demetmgen Stumpfsinn geweiht, hat sw sur alle Zeiten z,l od ^^We^studie?t^hat, der sollte voranleuchten an körperlicher Kraft und Schönheit, an Frische und an Lebens-, und Opfergaben eines von Reue und Vorwürfen gepenngtcn Gewissens waren — daß die Iran, die ihn als vernnnftloses Kind ans den Armen seiner Mutter genommen, jetzt ihr Möglichstes tat, die Stelle seiner Mutter auszufüllen — wie ganz anders würde er sie dann betrachtet haben! Merkivürdig genug, aber ein solcher Gedanke oder Zweifel war ihm nieiuals aufgcstiegen. Er hatte sich selbst sehr oft Vorwürfe gemacht, indem er glaubte, seine Liebe zu Kate Jefferies fei' nicht so zärtlich und anhänglich, wie es die Liebe eines Sohnes zu einer Mutter sein sollte; aber kein Zweifel, kein Argivohn, ob sie auch wirklich seine Mutter sei, kam ihm je in den Sinn. . So flössen die Jahre ruhig und gleichmagig dahm, und ivenn der Vorhang das nächste Mal wieder über unserer Erzählung aufgeht, finden wir Werner in seinen, zwanzigsten Lebensjahre und gerade im Begriff, die Hochschule zu vcr- oerzichtete er gern. „Das wird nur als Taschengeld dienen", sagte er, uns dann lachte er wieder, sein behagliches, ruhiges Lachen in dem Gedanken, wie viel mehr ihm, wenn seine Plane glückten, diese selbe Quelle liefern sollte. — Die folgende Woche reiste Werner Jefferies nach Eam- bridge ab. ' . „Der Traum meines Lebens geht in Erfüllung; komm, sei nicht traurig, Mutter", sagte er fröhlich, als Kate Jefferies ihm Lebeivohl sagte. „Ich glaube, niemand war je so glücklich; niemand hatte je so glänzende Aussichten, wie dem 533cvnct»n Tränen verdunkelten Kale Jefferies die Augen; aber er ivuhte nichts von den Gedanken, die sie bewegten, er verließ die Heimat, die nie wieder seine Hemmt sein sollte, mit vor Hoffnung uiid Freude strahlenden Zügen, leichtem Herzen und dankerfüllter Seele. — Wir wollen seine Universitäts-Laufbahn nicht schritt vor Schritt verfolgen — cs genügt zu sagen, daß er die höchsten Ehren» die zu erringen, auch gewann. Er war sehr beliebt, einfach seiner ivunderbaren Talente ivegen. Die Professoren waren erstaunt und entzückt; namentlich seine Verse riefen uneingeschränktes Lob hervor. Die Berichte, die an Doktor Cloth gelangten, waren ganz ausgezeichnet. Kurz und gut, Werner Jefferies' Hochschul-Laufbahn ivar ein vollständiger Erfolg. r Er blieb fünf Jahre in Cambridge, und zedes ^ahr wiederholten sich die anonymen Geschenke; die Bücher änderten sich in ihrem Charakter, je nachdem und je weiter er in seinen Studien vorrüekte. So kam eS, daß er auf der llniversität ebenso gut über alles verfügte als seine Kollegen, deren Angehörige reiche Mittel besäßen. _ Er wunderte sich sehr, iver ivohl dieser ungenaiinte^Wohltäter sei, kam aber schließlich zu dem Schlüsse, es müsse doch Sir Collingbourne sein. Sir Collingbourne hatte sich bei seiner Prüfung so sehr für ihn interessiert und ihm gesagt, daß er stets an ihn denken werde; und doch schien es eigentlich merkwürdig, daß er nie schrieb, ihn nie besuchte, sondern jmß das einzige Zeichen eines andauernden Interesses die Kisten mit ihrem wertvollen Inhalt waren. Ach, hätte er nur gewußt, daß es nur die Friedens- Artt der zweiten öffentlichen Hauptversammlung des deutschen Abstmententages führte eine Demonstration der akademischen Abstinenten (Aerzte, Juristen, Pastoren und Philologen) nach Ansprachen von Vertretern demvwr Fakultäten zu folgender Protestre;o1urwn des Avstinenttu- tages, die in einer gut besuchten Versammlung Annahme „Ich muß eine gute Fee zur Patin gehabt haben", „Unsinn", rief Jack; „Sw Collingbourne istsl Ich horst, vie er dich prahlte, gerade als ob sonst niemand vorher auf ine Frage geantwortet hätte." ..... „Daran habe ich nicht gedacht. Natürlich, e-> i|t etv Collingbourne. Ob ich ihm nicht schreiben und danken muß, Mutter?" r ,r f r. Nein", erwiderte sie langsam; „ich glaube nicht. Cr vill es offenbar nicht haben, sonst hätte er diese Sachen mch »hne Namen geschickt. Es wäre i» diesem Fall also mcht angebracht, cS ihm gegenüber zu erwähnen." Und plötzlich blickte Jack Jefferies seine Mutter an, und -benso plötzlich sah sic ihn an und las Argivohn und Zweifel m seinen Äugen, lind eine tiefe, sichere Ueberzeugung kam Jack daß Sir Collingbourne ganz und gar nichts bannt zu um habe, daß vielmehr seine Mutter ivisse, wer die Kisten Hm", sagte er dann ruhig; „ich glaiibe doch nicht, daß rs Sir Collingbourne ist; hat aber keine Not — wir werden schon dahinter kommen." Werner drängte seinem Bruder die Halste be» Wihalm jeder Kiste auf. „Es ist nicht recht, Jack, daß ich dies alles haben soll und du nichts; nimm die Hälfte, und ich bin zu- ivicbcn. „Es ist vieles in dieser Welt nicht recht", sagte Jack philosophisch. „Ich werde nichts anrühren, Werner; mir gehört davon nichts." Nachher jedoch, als seine Mutter hmausgegangen und sie beide nochmals alles genau durchmusterten, nahm Jack doch fünf von den zehn in der Börse enthaltenen Goldstücken an, desgleichen ein paar seidene Taschentücher. Auf Bücher 595 sreude. Denn wenigen Volksgenossen ward, wie ihm, die Mnße geboten, in der Zeit stärkster Entwicklung den Körper yt stahlen und zn veredeln: Auch in der Erfüllung der Wehrpflicht sollte er daher einen anderen als den gewöhnlichen Platz einnehmen. Wie viele aber haben durch den Trinkzwang des Universitätslebens den Keim zn dauernde«! Siechtum erworben! Wie viele noch gar nicht alte Akademiker gehen umher, aufgeschwemmt und verunstaltet, buchend unter der Last des Bierfettes, grämlich und aller Lebensfreude bar, ein Spott anderer Stände. Wie viele von ihnen sind lebende Ruinen geworden, weil sic als junge Studenten in wahlloser geschlechtlicher Gier, wie die Alkoholmengen der Studentenkneipen sie erzeugen, einer geschlechtskranken Prostituierten sich hingegeben haben, einem geschlechtskranken Opfer der „doppelten Moral", die — in ihrer ganzen Roheit auch ihrerseits wieder wesentlich bedingt durch die Alkoholisierung unserer Bevölkerung und besonders ihrer geistigen Führer, der akademischen Kreise — unser Leben zumeist beherrscht. Bei wie vielen Akademikern tritt nicht vollends jenes Siechtum, diese körperliche Verkommenheit so unmittelbar ans, daß schon ihre Wehrfähigkeit bedenklich geschwächt, wo nicht gar vernichtet wird! Wer studiert hat, der sollte vorbildlich sein in gerader, furchtloser und männlicher Gesinnung. Jahrelang hatte er Zeit, mit den Geistern der Besten und Tapfersten zu verkehren, die die Geschichte der Menschheit gekannt hat. In solchem Umgänge sollte und konnte er fremd geworden sein der Menschenfurcht und knechtischem Geiste. Wie viele frühere Studenten aber sehen wir nicht im Berufe der elendsten und verächtlichsten Streberci verfallen, dem ewigen Bücken vor den Vorgesetzten, dem unausgesetzten Schielen nach Beförderung, dem Kriechen nach oben und dem Treten nach unten! Wo lernten fie das? In der Knechtschaft des akademischen Trinkzwanges, dem ihr blühendstes Alter unterworfen war! Wer mit 20 Jahren gelernt hat, auf Befehl eines anderen sich mit Bier anzufüllen, bis er es wieder erbrechen muß, der hat damit oft genug das Opfer des Intellekts und den Kadavergehorsam für alle Zeiten gelernt. Er mußte eine Unwürdigkeit dulden, gegen die schon der rein körperliche Stolz des Jünglings mit aller Macht sich auflehnte; der Stolz ist ihm gewaltsam gebrochen worden, er hat gelernt, daß cs nicht gut tut, stolz zu sein. Durch die akademischen Trinksitten schädigen die höheren Stände das Gesamtleben der Nation in einer Weise, wie es kein anderes germanisches Volk heute auch nur annähernd noch zu erleiden hat. Es ist Heuchelei schlimmster Art, sich über die Trunksucht der Arbeiter zu entrüsten, solange das Vorbild dieser Trunksucht, die akademische Trinksitte, Duldung genießt. Durch die akademischen Trinksitten seiner höheren Stände wird das deutsche Volk verhindert, in der Welt völlig zu dem Platze aufzusteigen, ans den es Anspruch hat. Die akademischen Trinksitten kosten uns ein Kapital von Achtung im Auslande. Nicht etwa nur bei Russen, Spaniern, Italiener!! und Franzosen, nein hauptsächlich gerade da, wo es vor allen: darauf ankommt, bei den Germanen des Nordens und des Westens, den Skandinaviern, Engländern und Nordamerikanern. Wie sehen denn diese unsere Brüder es an, daß das deutsche Volk im Leben der Träger seiner Bildung ein Ding duldet, wie die akademischen Trinksitten? Bestenfalls vielleicht ab und zu mit der fröhlichen Neugier, womit wir Tänze von Negern oder Hottentotten ansehen; meist aber mit grimmiger hochmütiger Verachtung für die Brndernation, die so frevelhaft ihre beste Intelligenz verwüsten läßt. Dann aber sind auch, um nur ein Weiteres hervorzuheben, die akademischen Trinksitten mehr als alles andere verantwortlich für Deutschlands koloniale Mißerfolge: Wer in seiner akademischen Jugend dem deutschen akademischen Trinkzwange unterworden gewesen ist, dem ist in der Regel unfähig geworden, ein Anit in den Kolonien erfolgreich zu verwalten; weder körperlich, noch geistig, noch moralisch ist er mehr den erhöhten Anforderungen gewachsen, die dort an ihn gestellt werden. Es ist beinahe wunderbar, daß die akademischen Trinksitten immer noch bestehen; denn allen Großen und Edlen, das unsere Zeit bewegt, schlagen sie ins Gesicht und kein vernünftiger Mann wird heute noch den Versuch machen, sie ernsthaft zu verteidigen. Menn sich solche Zustände tatsächlich noch immer fort-: erhalten, so ist das nur mit zwei Gründen zu erklären: Einmal mit dem Gesetz der Trägheit, das sich hier darin äußert, daß jeder „Fuchs" inmier wieder „Burschen" findet, die ihn in diese Mysterien einführen. Und sodann damit, daß ein junger Mensch zwischen achtzehn und zwanzig Jahren sehr selten Kraft, Selbständigkeit und Selbstgefühl genug findet, um, entgegen einem moralischen Zwange allerschärfster Art, seiner besseren Erkenntnis folgend, eiim fach zu erklären: Das will ich nicht, ein freier Mann läßt sich nicht zwingen, auf Befehl anderer sich mit Bier voll- zugießen. Ehre dein deutschen Kronprinzen, der bekanntlich in Bonn diesen Mut gefunden hat, wie wenige aber unter den heutigen deutschen Studenten besitzen dieses Rückgrat! Es kommt aber noch hinzu, daß in den melften' Fällen für den Fuchs schon vor seinem Eintritt in das! Leben der Hochschule das wahre Wesen der akademische!: Trinksitten durch einen Schleier falscher Poesie verdeckt worden ist. Den Schleier haben Unkenntnis, Rührseligkeit und Furcht, die Wahrheit zu sagen, um eine Wirklichkeit gewoben, die schon in einigen ihrer rein äußeren Formen außergewöhnlich häßlich ist; wenigstens weist die Geschichte aller Kulturvölker wohl nur eine Erscheinung mit gleich abstoßenden Begleitumständen auf: die bekannten Gast- mähler der römischen Kaiserzeit. ^Dort füllte man sich bekanntlich bis an den Hals init Speise, reizte sich dann zum Erbrechen und aß weiter. Zn ganz demselben zwingen die deutschen akademischen Trinksitten den ihnen unterworfene!: Studenten, mit dem einzigen Unterschiede, daß das, was hier erst eingefüllt, dann erbrochen und in neuer Auflage nochmals eingefüllt wird, nicht die Speise, sondern das Bier ist. Besitzen doch nicht selten die dem Kultns des studentischen Trinkzwanges geweihten Räumlichkeiten' nebenan eigene Vorrichtungen, zu dem Zwecke, das Bier dahinein erbrechen zu können. Diesen Schleier falscher Poesie den akademischen Trinksitten vom Leibe zu reißen, dazu denkt der „Vierte deutsche Abstinententag" durch diese feine öffentliche Erklärung ein gutes Stück beizutragen. Er weiß, daß er damit der überwältigende:: Mehrheit des Deutschen Volkes aller Stände aus der Seele spricht, der überwältigenden Mehrheit, die in der Fortdauer der unglaublichen deutschen akademischen Trinksitten eines der schlimmsten Hindernisse gesunder nationaler Entwicklung sieht. Indem sich der Vierte deutsche Abstinententag zum Herold dieser Gesinnung macht, nimmt er für die deutschen Abstinenten ausdrücklich eine Ehre in Anspruch: Rücksichtsloser und offener Kampf gegen die deutschen akademischen Trinksitten ist bisher nur von den deutschen Abstinenten geführt worden, keine andere foziale Bewegung und vor allem keine Mäßigkeitsbewegung hat es jemals gewagt, an diesen schlimmsten nationalen Krebsschaden rücksichtslos das Messer anzusetzen. Weil wir deutschen Abstinenten für unser Volk und Vaterland eine große machtvolle Zukunft wollen, darum! rufen wir: Nieder mit den akademischen Trinksitten! Zncker Salz als Förderer der Arbeitskraft. Bon Dr. Paul W i n t e r. Nachdruck verboten. Der Zucker ist ein Nahrungsmittel, welches geeignet ist, die durch Ermüdung erschöpfte Muskelenergie wieder zu heben, die Arbeitsleistung des Menschen zu vermehren. Der französische Forscher Eh. Föro hat nun aber durch zahlreiche Versuche festgestellt, daß Äer Zucker ebenso lute andere Reizmittel (Alkohol, Cola), nach der Steigerung der Arbeitskraft eine um so schneller cintretende Ermüdung bewirkt. Schon beim Genuß von 30 Gr. (ungefähr 6—7 Stück Würfelzucker) war dieser Erfolg deutlich nachweisbar. Je größer die genossene Zuckermenge war, um so mehr erhöhte sich zwar die Leistungsfähigkeit, um so rascher jedoch trat auch eine Abnahme derselben, eine Erschlaffung der Kräfte ein. Daher ist die Anwendnng des Zuckers nur ber kurz dauernder Arbeit oder Muskelanstrengung zn empfehlen, bei längerer aber beschleunigt er die Ermüdung. Günstig wirkt der nervenanregende Einfluß des Zuckers beim üblichen Genuß von süßen Speisen am Schlüsse der Mahlzeiten, wodurcy bic BerdauungSnerven angeregt, die Verdauung begünstigt und das mit derselben verbundene Ermüdungsgefühl verschleiert wird. Auch regt der Zucker direkt die Absonderung des Magensaftes an und unterstüüt dadurch, daß er sich teilweise im Verdanungsapparate in Milch- und Buttersäu re verwandelte, die Verdauung der eiweißartigen, der eisen- und kalkhaltigen Nahrungsmittel. Aber zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit, z. B. auf Märschen und bemr Berakteigen, möge man ihi: nur dann anwenden, wenn man die 596 -- 3, Einen Dperettenfoinpo* nisten. Gitterrätsel. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben b b b b, c c, Redaktion: Ernst Sek. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Icken Universitäts-Buch- und Steindrrlckeret. N. Lange, Gieße«. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilder-Nütsels in voriger Nummer: Rast' ich, so rost' ich. d d d d, e e e c e c e c o e e, g’ g1, h h, i i, 1 1 1 h n n n n n n, r r r r r, s, 11 derart einzutragen, daß die senkrechten und wage- rechtenNeihen gleichlautend Folgendes ergeben: 1. Siißschmeckcnde Früchte. 2. Beliebten Märchen- dichter. Bücher und Schriften- (Besprechung einzelner Werke Vorbehalten. Rücksendung findet in keinem Falle statt.) . Roda Roda, Adelige Geschichten. K eme Bibliothek Band 86. Verlag von Albert Langen m München (Brosch. 1 Mk.) Guy de Maupassant, Fräulein Cocotte Novellen. Umschlagzeichnung von R. Wilke. Kleine Bibllothek Band 89. Verlag voii Mbert Langen m München (Brosch. 1 Mk.) Lieber Simvlizissimus. Hundert Anekdoten. Vierte Folge. Umschlagzeichnung von O. Giilbranson. Kleine Bibliothek Band 85. Verlag von Albert Langen rn München. (Brosch, 1 Mk) Sacher-Ma so ch, Polnische Geschichten. Breslau, Schlesische Verlagsanstalt v. S. Schottländer. — Siegbert S al ter. Anekdoten aus dem Leben berühmter Männer. Bd. 1: H e i n r i ch Heine (1.20 Mk.). Dieses Merkchen stellt einen Versuch dar, die Anekdoten-Literatur ans eine höhere Sticke zu heben. Die von Geist, Humor und Satire sprühenden Episoden aus dem Leben Heines sind hier wie die blitzenden VevMrTeAtSS. I Glieder einer Perlenschnur zu einer Art anekdotischer Biographie . m « . .... g | aneinandergereiht und wohl geeignet, dem Leser auch den Alenschen, * Achtmal per h eirare t. Aus Netvyorr lvird uns ^eine nä^ei. ,lt brillfleil. Manche boshafte Unart des ungezogenen berichtet: Eine Frau Le Page hat soeben zum achtenmal 1 Lieblings der Grazien scheint uns in der hier dargebotenen Dar- aebciratet Fünf von ihren früheren Ehegemahlen leben stellung in milderem Lichte, sodaß bei dem Leser der Wunsch Er- uoüi und haben dem neuer. Glücklichen ermutigende Tele- fünunarai.r are pe > csi^.son-Wakeman- | Prior.) Dieses Buch verdient unbedingte Empiehlung. Es ist für und führte den Namen Frau ^vses ^oynsvn-»ure««»» i L m„ner sich in die Seele des Kindes zu versetzen rmd Saunders-Powers. Auch dieser Gemahl ging bald Mit dem I wivb jeber, der der Jugend Anregung zu Spielen gewähren will, Tode ab. Sie heiratete bann nacheinander einen Kaufmann, I ' au=‘ biefe Sammlung zurückgreckeu. Denn sie bringt nur beeilten Hotelier, einen Uhrmacher und etnen Privatier; natur- I chährtes und ans dem Leben erlauschtes. Einen bcsoiiderS breiten lich fiel zwischen je zwei aufeinanderfolgende Manner eine 1 9tainn untei; ben 240 Nummern nehmen die gesundheitsiordernden Ebescheiduna des Ehescheiduiigsgertchts. So war ihr Name I Bewegungsspiele im Freien ein. Für 6—16jährige Kinder, iur den schließlich zu der beträchtlichen Dimension angewachsen-Frau I kleinsten Garteiiraum rote' für den größten Tummelplatz,^,st pCe‘9’ Siam Sitton-^ netes in guter Auswahl zu finden. Daß im letzten Ter des Buches neuefter Mann Le Page, ist ein Eng- sich eine sehr reichhaltige Sammlung von teilweise uralten Kinder- ley-Erowther. J ® A vorderhand I reiqen findet, wobei der Sammler aus allen Gauen der deutschen lander,, und die setzt 39 ^ahre alte Mau ist voroeryano u hübschesten ausgewählt bat, wird das Buch besonders so zufrieden mit ihm, daß ste alle anderen Namen auf- s^rtvoll machen, gegeben hat und sich kurzweg Fran Le Page nennt. * Keine unglücklichen Ehen, keine Scheidungen mehr! Jawohl, meine Damen und Herren, dre Sache ist fabelhaft einfach, nichts tote ein Rechenexempel. Und Sachsen ist das Land, in dem ein kühner Mann lebt, der dieses funkelnagelneue Heiratsrezept am eigenen Leibe erproben will. Eine Leipziger Zeitung bringt folgende Annonce: „Die Grundbedingung für eme harmonischeEhe | bellen, ist gegenseitige Ergänzungsfähigkeit der Gatten m seelischer, s geistiger und körperlicher Beziehung, Die Persönlichkeit de^ ergänzeiiden Teiles läßt sich auf Grund kosmischer Gesetze im voraus nach dem Geburtsdatum bestimmeu. Für die Vereinigung eines am 24. Oktober^ 1873 geborenen Herrn mit einer am 25. November 1875, 22. November 18 <8, 27. November 1883 oder 23. November 1886 geborenen Dame treffen vorstehende ideale Voraussetzungen zu. Ledige, gebildete, an genannten Daten geborene Damen sind ersucht, eine beglaubigte Abschrift der Geburtsurkunde nut Angabe der Tageszeit der Geburt einzusenden." Wie einfach ist doch nach diesem Rezept das Heiraten! Da gibt es feine Qual der Wahl mehr. Nur eines könnte Sorge niachen — welche der vier Damen ist nun die unbedingt richtige? Oder will der Himmel — denn der Einsender hat doch wohl das Horoskop befragt — die Vielweiberei befürworten? Nur eines ist fatal dabei — nun darf sich keine Dame mehr einen Rechenfehler bei der Angabe ihres Alters zu schulden kommen lassen! * Männliche und w eidliche Heiratsklubs. Die jungen Männer von Sterling im Staate Illinois wollen sich von den jungen Mädchen nicht beschämert lassen. Diese gründeten vor einiger Zeit einen Heiratsklub, und nun haben die jungen Leute sich zu einem ähnlichen Verein zusammengeschlossen. Der Zweck des Vereins ist, die Heiraten zu fördern und dem jungen angehenden Ehemann jgute Ratschläge zu erteilen. Bereits 20 junge Leute sind Mihnnhettben Kräfte noch einmal zu einer kurzen Mehrarbeit I beigetreten, diejelbe Zahl Mitglieder zahlt auch der ivetb- nn vörnen will I liehe „Matrimonial-Help-Club". Während es den weiblichen Merkwürdigerweise übt das Salz einen ähnlichen Einfluß I Klubmitgliedern aber vor allem darum zu tun ist, einen ans,' was ebenfalls Dr. Fßrs durch zahlreiche Versuche: bewiesen i Wann zu erhalten, wird der männliche Heiratsklub sein hat. Das Kochsalz ist ein für den Lebensprozeß unentbehrliches I Hauptaugenmerk auf die Prüfung der Bewerberinnen legen. Element und findet sich in ?Ucn Geweben unseres Körpers m einer demnach wird sestgestellt, ob bie junge Dame kochen, nähen, Gesamtmenge von etw° «n halb ; Je« . J B(tden und einen Haushalt führen kann. Wird sie „zu rungsmittel schon Salz .enthaen,muß €ÄiSrtt leicht" befunden, d. y. stellt man fest, daß sie Vergnügen WM''übt es Egenden Einsluß auf die ^Arbeitsleistung ans, und Putz den häuslichen Pflichten vorzieht so kommt sic bewtrkt aber bann 9eine schnellere, vorzeitige Ermüdung. Also | auf die „schwarze Liste" und kein Mitglied des Klubs darf Zucker und Salz vermögen ebenso wenig rote Alkohol und alle sie heiraten. , _____ anderen Reizmittel die nach Arbeit sich emstellende Ermüdung I TTT" Ätt beseitigen. Arbeit ohne Ermüdung ist em noch ungelöstes LstekKSkseySS. Rätsel. Sie treiben die ermatteten Kräfte zwar zu einer letzten f.iv.pit Mebrleistuna an, wie die Peitsche das Zugtier, dann aber muß Ruhe und Erholung folgen. Die Natur läßt sich durch kein Mittel meistern.