Montag den 10. September Mr. 133 MH ift H8 M 1 Der SLern. Roman von Ulrich Frank. Nachdruck verboten. . (Schluß.) Es war am Nachmittag desselben Tages. Die junge Sängerin hatte ihre Rolle noch einmal durch- geschen. Sie tat dies immer ain Tage der Vorstellung, so oft sie auch die Partie schon gesungen hatte. Rus Anlaß der Frühjahrsparade war IhSätre par6 angesagt. Obwohl sie ihres Erfolges sicher sein konnte, war sie vor jedem Auftreten von jener Unruhe erfüllt, die wahrhaft ernste Künstler, die an sich selbst die höchsten Anforderungen stellen, stets aufs neue erfaßt. Die geheimnisvolle Wirkung, die aus der Berührung mit der Öeffentlichkeit ersteht, versetzte sie stets in eine Stimmung, die zwischen zager Bangigkeit und triumphierendem Selbstgefühl hin und her schwankte. Bald in mutigem Hochgefühl, bald im . furchtsamen Zweifeln, jetzt die Gewißheit des Sieges, dann die Augst vor dem Mißlingen — jene schwankenden, taumelnden Gefühle, die erst im entscheidenden Augenblick dem festen Willen gehorchen und dann zu höchster Konzentration sich sammeln. Wie oft hatte sie das erlebt l Immer wieder unterlag sie diesen wechselnden Empfindungen. Sie stand am Klavier, schlug noch einige Töne an rmd begleitete sie mit halber Stimme.. Darin schaute sie nachdenklich vor sich hin. Der Besuch ihrer Cousine hatte sie verstimmt. Mißmut und Bedauern kämpften in ihrem Herzen. Wie taktlos und ungebildet war Lucie ihr erschienen. Kleinlich rmd töricht. Mit schlecht verhehltem Neid hatte sie sich aufgespielt, erst als die Freundin der Gräfin Giersdorf niib ihre Vertraute, dann als die Aerinliche, Bedauernswerte, die auf das Wohlwollen der besser situierten Cousine rechnet — mehr als das, einen Anspruch erhebt. Jämmerlich wahrhaftig und so ohne innere Aufrichtigkeit rnrd Vornehmheit. Ein Unbehagen erfaßte sie. Und dieses Mädchen steht ihr nahe durch die Bande des Blutes. Scherl blickte sie sich in ihrem eigenen Zimmer um, als sei sie selbst fremd hier, als gebühre ihr der Luxus nicht, die Schönheit, die sie umgab. Hatte sie ihn nicht sich selbst geschaffen? Aber auch andere erringen ihn — leichter wie sie. Ohne ihn mit ihrem Herzblut zu bezahlen, mit unsäglichen Opfern, mit grenzenloser Arbeit und trauriger Entsagung. Ihre ganze Natur hatte sie ihrern Beruf dargebracht. Neigung, Gewohnheit und Erziehung hatten sie auf einen ganz anderen Weg gewiesen. Ein wehmütiges Lächeln umspielte ihre Lippen. Allch heute iiod), wo sie vor erreichten Zielen stand, war Ane unendliche Sehusllcht in ihrem Herzen nach den häuslichen, stillen Freuden, die sie im Eltcrnhause gekannt und die s>e niemals aus ihrer Seele verlieren lvürde. Nicht um allen Glanz und Prunk der Welt. Der mochte andere berauschen. Teresa Streitmann — die Gräfin Giersdorf l Es bedurfte nicht einmal des Talentes, eines großen Könnens, um das zu erreichen I Der künstlerische Nimbus tat's auch, die reizvolle, prickelndeAtmosphäre der Welt, der auch sie angehörte. Dieser Scheinweltl Ein heißer Zorn quoll in ihr auf! Wahrlich, cs verlohnte sich, als Stern am Himmel dieser Welt zu stehen. Dieser Welt miS Papier und Fetzen. Tiefe Bitterleit ivar in ihrer Seele. Nicht die große, gewaltige Kraft trägt uns empor . . . Piider und Schminke haben die gleiche Wirkung. Teresa Streitmann, diese hübsche, kokette Mittelmäßigkeit, nimmt den Platz ein, den einst die gütige, vornehme, alte Gräfin Giersdorf so würdig ausgefiillt hatte und selbst Gräfin Luise! Hatte sie nicht tausendmal recht, als sie mit adelsstolze» Verachtung von den Künstlerinnen sprach, die Stellungen tust geborenen Aristokratinnen usurpieren? Ein herbes, verstimmtes Lachen. Künstlerinnen! Was sich so nennt! Was unter diesem Namen ganz andere Absichten verfolgt und — ausführt. Und Alfons ivar ein so prächtiger Mensch! Wa? mag Karl Viktor dabei denken und — Guido? Arme»' Guido! Ein schwerer Seufzer stieg empor. Müde von den quälenden, peinigenden Gedanken, hat« sie sich in einen Fauteuil niedergelassen, der zwischen den. Klavier und dem Kamin stand. Armer Guido! Mit seinem Lebensglttck hatte er bezahlen müssen, was der andere m tändelndem Spiel sich eroberte. , Fa, wenn Della Brandt eine Komödiantin gewesen wäre imd nicht eine echte Künstlerin! Wenn ihr dieses stolze Bewußtsein wenigstens Glück gegeben hätte. Glück 1 Wiederum seufzte sie und sah trübe vor sich nieder. Sie hatte nicht bemerkt, daß Dr. Hübner in das Zniuner getreten war. Geräuschlos war er cingetreten mit dem Rechts des Freundes und Hausarztes, der nicht erst gemeldet zu werden braucht. r Erst als er dicht vor ihr stand, gewahrte sie rhn. «Hans, du?" 530 — Ein leises Erschrecken lag in ihrem Ausruf. „Habe ich dich erschreckt?" fragte er und drückte einen Kutz auf die ihm dargereichte Hand. „Ich mar in Gedanken!" „Fröhlichen, hoffentlich! Du singst heute abend. Vor einem Parkett von Königen . . ." scherzte er. „Es sind viele fremde Fürstlichkeiten da!" Sie blickte ihn zerstreut an, als hätte sie seine Worte nicht gehört. „Was hast du, Della?" Ec sah sie prüfend an. Im Zimmer herrschte ein silbernes Licht, das voin Park her sich durch die mit Spihenvorhängen verschleierten Fenster eindrängke. Eine Beleuchtung, wie sie dem Frühlingstage eigen, der durch lichtes, spärliches Laub schüchtern hindurchlugt, weil es ihm noch an intensiver, sonnendurchglühter Kraft gebricht . . . weich und sanft! „Du darfst dich deinen Stimmungen nicht so willenlos hingeben." Die Strenge des Arztes klang aus seinen Worten. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Della!" Er hatte sie emporgeriffen und an sich gezogen. Und sie flüchtete sich in seine Arme, als müßte sie dort Schuh finden vor der Bedrängnis ihrer Seele. Und dann küßte er die Tränen von ihren Wangen. Immer leidenschaftlicher und heißer wurden seine Küsse, feine Liebkosungen, und sie duldete es mit seligein Entzücken. Das war die Antwort auf ihre Frage nach dem Glück! Er hatte es gebracht. Wie lange schon hatte diese Sehnsucht in ihr gelebt? Wie lange war das Begehren in ihm erwacht? Sie hätten es beide nicht zu sagen gewußt. Er hatte geglaubt, sie nicht dem Glanz und Reiz ihrer Künstlerlaufbahn entreißen zu dürfen und ihrer großen Kunst, und sie? . . Nun, sie glaubte, daß dem stolzen, gelehrten Mann eine Bühnenkünstlerin nicht anstünde! — Darüber käme wohl die Aristokratie hinaus, nicht die Wissenschaft. Und so gingen sie nebeneinander her, sahen sich oft, sprachen von allem Möglichen und schwiegen von dem, was in ihrer Seele brannte. Aber stärker als kluges Wägen und 'lleberlegen ist der Augenblick. Der rechte Augenblick! Sie sahen sich jetzt in die Augen und — lachten. „Della!" „Hansl" „Aber warum — warum sprachst du nicht?" „Die Sterne, die begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht," neckte er. x Sie hielt ihm den Mund zu. „Und du hättest mich immer dort oben gelassen? Nur in geborgtem Lichte leben, voll kalten Glanzes und Schimmers?" sagte sie mit zärtlichem Vorwurf. „Hans, Hans! Bis ich in meiner eigenen Herrlichkeit erfroren wäre, so ohne inneres Feuer und lebenspendende Wärme!" Er schloß ihren Mund mit einem langen, glühenden Kusse. Sie atmete schwer und lehnte wie betäubt in seinen Armen. Als sie aus ihrem Liebesrausch sich wieder zur Wirklichkeit zurückfand, sagte sie errötend: „Und — Hans Hübner, mein gestrenger Herr, btt ... . du liebst mich wirklich?" „Wirklich!" jubelte er. Er hatte sich auf den Fauteuil niedergelassen, den sie vorher eingenommen hatte, und sie kauerte auf dem Teppich zu seinen Füßen. „Aber du, mein Herz? Della! du?!" Sie schmiegte sich an ihn und flüsterte mit zaghafter Stimme: „Und meine Kunst?" „Ich fürchte sie nicht! Jetzt nicht! Wer dürfte sich vermessen, dich ihr zu entziehen? Bleibe für alle ein Stern, kür mich bist du die Sonne!" Es hatte leise an die Tür gepocht. Sie erhob sich, nachdem sie wie in stummer Dankbarkeit seine Hand mit ihren Lippen berührt hatte. Das Mädchen trat ein und meldete: „Gnädiges Fräulein, es wird Zeit, in die Oper zu fahren." „Bereiten Sie alles vor, Anna. Ich komme sogleich." Als die Tür sich hinter der Dienerin geschloflen, eilte sie hastig zum Fenster, riß es weit auf und sang mit jauchzender Stimme: „Winterstürme wichen dem Wonnemond .. . Seine hohe Gestalt überragte sie um Haupteslänge. Sie lehnte den Kopf an seine Schulter und er deutete mit der Hand nach dem Himmel. In seiner abendlichen Bläue strahlte ein erster Stern auf! Etwas von den Mkzm. Nach einem Vortrage, gehalten im Frauenvereine vom roten Kreuz in Ludwigshafen am Rhein von Dr. Karl Briegleb in Worms. Sonderabdruck aus „Werde Gesund" Nr. 7 u. 8, 1906. Wenn wir an einem schönen Sommertage einen Spaziergang durch die grünenden Fluren machen, so fällt unser Blick vor allem auf die in wechselnden Gestalten vor unsere Augen tretenden Gebilde des Pflanzenreiches; die Blumen mit ihren lebhaften Farben und ihrem ost köstlichen, würzigen Dufte fesseln uns, und gerne sammeln wir einen Strauß, um uns auch später zu Hause noch an dem schönen Anblicke zu erfreuen. Wenden wir unsere Schritte weiter in den nahen Wald, so werden wir, wenn wir dem mit üppigem Moose überkleideten oder mit altem Blattwerke oder Nadeln überdeckten Boden unsere Aufmerksamkeit zuwenden, auch gewahr, wie es dort in allen Farben leuchtet, bald gelb, bald feurig rot, bald in blendendem Weiß, hier wieder grün, dort blau ober bräunlich. Sind das auch Blumen für einen Strauß? Nein. Sind es Pflanzen?, Ja. Pflanzliche Gebilde sind es, die Pilze oder Schwämme, die uns, besonders wenn der Boden genügend Feuchtigkeit hat, ost in ungeheuerer Anzahl in den mannigfachsten Formen und Färbungen entgegentreten. Gestatten Sie nun, daß ich Sie in den folgenden Ausführungen, soweit Sie sich nicht selbst schon mit diesen wunderbaren Naturformen bekannt gemacht haben, etwas genauer einführe in die Kenntnis der Schwämme oder Pilze, wie sie bei uns in unseren Wäldern und geringer an Zahl auch auf Wiesen, in ©arten und Feldern Vorkommen. Wenn wir zunächst die Frage aufwerfen, wohin im Pflanzenreiche die Pilze einzureihen sind, so erscheint es wohl angebracht, erst noch einen Blick auf die Blumen zu werfen, die wir im Strauße mit nach Hause nahmen. An einer solchen Pflanze unterscheiden wir die Wurzel, den aufstrebenden Stengel, der an seinen Verzweigungen die daran sich Entwickelnden grünen Blätter und die schließlich auftretenden farbigen Blüten trägt. Die Blüten, die unser Atige am meisten erfreuen, tragen in sich Staubfäden und Stempel, Organe, deren Aufgabe es ist, für die Erhaltung der Art zu sorgen, den Samen Heranzubilden, aus dem wieder eine neue Pflanze derselben Art hervorgehen kann. Die neue Pflanze ist schon in jedem Samenkorne im Keime angelegt, wie Sie das leicht an einer Bohlte sehen können. Wenn Sie diese nach Abzug der Schale etwas drücken, zerfällt sie in zwei Hälften, zwischen denen der kleine Keim sitzt. Alle diese Pflanzen, Bei denen in dieser Meise der Samen ausgebildet erscheint, bilden eine sehr grobe Gruppe, die in der Botanik als Phanerogamen bezeichnet wird. Ihnen gegenüber steht die andere große Gruppe der Kryptogamen, und zu diesen gehören unsere Pilze. Ihre Samen, die nicht so offen gebildet werden, wie wir dies z. B. bei der soeben betrachtenden Bohne verfolgen können, werden Sporen genannt. Die Sporen müssen Sie sich als winzig kleine Kügelchen vorstellen, die man einzeln nur mit dem Vergrößerungsglase zu erlernten imstande ist, die man . aber in ihrer Gesamtheit bei manchen Pilzen als einen feinen, diesen entfliegenden Statch deutlich wahrnehmen kann. Der Hauptunterschied bei den Sporen gegenüber den ©amen der Phanerogamen ist der, daß sie nicht wie wir es bei diesen gesehen haben, einen vorgebildeten Keim in sich tragen. Jener vorgebildete Keim ist weiter nichts, als die spätere Pflanze int Kleinen. Ziehen wir eine solche durch weitere Entwickelung des Keimes entstandene Pflanze aus dem Boden, so sehen wir daran die faserige Wurzel. Ziehen wir einen Pilz vorsichtig aus der Erde, so sehen wir Häufig am unteren Ende des Stiles ebenfalls wurzelartige Fasern hängen, aber nur ein Unkundiger kann behaupten, er habe den Pilz mit. seiner Wurzel ans der Erde genommen. Wir dürfen eben die Schwämme durchaus nicht in dieser Weise mit den andern uns genau bekannten und uns alltäglich vor Augen kommenden Pflanzen vergleichen. Dre Entwickelnngs- Md Gestaltenlehre zeigt uns vielmehr, daß hier 531 tie Dinge ganz anders liegen. Der Pilz ist namltch nicht dm eigentliche Pflanze, die eigentliche Pflanze ruht unter der Erdoberfläche, unfern Blicken verborgen. Wenn eine Pilzspore, also das vorhin geschilderte kleine Kügelchen, vom Winde oder durch irgend eine aridere Vermittelung nach einer Stelle gebracht wird, die für ihre Weiterentwicklung günstig ist, so beginnt fte, sich nach einer Seite hin auszudehrien, sie wächst zu einem Faden aus. Von diesem Faden wachsen seitlich wieder andere Fäden ab, die sich durch weiteres Wachstum immer mehr verzweigen, sie verfilzen und verflechten sich, und so entsteht unter dem Erdboden, innerhalb eiires Stückes von faulem Holze, unter der Rinde eines abgestorbenen oder auch noch lebenden Baumstrunkes und dergl. ein mehr oder minder weitmaschiges, netzartiges Geflecht, das man als Pilzlager, mit den botanischen Namen Mycelium, bezeichnet. Dieses Mycelium ist die eigentliche Pflanze. An ihm bilden sich nach einiger Zeit knöpfchenartige Verdickungen, die sich dann nach oben strecken. Beim weiteren Wachstume entwickeln sie sich dann je nach den verschiedenen Arten in den mannigfachsten Formen, die uns, nachdem sie die Oberfläche durchbrochen haben schließlich als diejenigen Gebilde erscheinen, die uns als Pilze oder Schwämme bekannt sind. Erst mit ihrem Sichtbarwerden können wir natürlich tvissen, daß hier unter der Erde eine Pflanze entstanden ist, die weitere Teile nach oben entsandt hat. Es fragt sich nun, welche Bedeutung haben diese Teile für die Pflanze oder in welchem Verhältnisse stehen die Pilze zum Pilzlager, zum Mycelium? Der Botaniker bezeichnet sie uns als Fruchtkörper, Fruchtträger, weil sie dazu bestimmt sind, die Heilt en Fortpflanzungskörperchen, die wir als Sporen bereits kennen, in großen Mengen heranzubilden und kurze Zeit in sich zu bergen. Ist die Sporenbildung vollendet, sind die Sporen reif, so fallen sie «a us, tropfen mit sich bildender Flüssigkeit, mit schleimartiger Gallerte, ab oder verfliegen in Staubwolken, und dann hat auch der Pilz seine Bestimmung als Fruchtkörper erfüllt. Zeigte er bis zu diesem Zeitpunkte eine gewisse Derbheit, fühlt er sich fest, prall an, so wird er nun welk, weich, er fühlt sich teigig an, der Stiel, der vorher straff und fest war, welkt meistens auch ab und von dem vorher unser Auge erfreuenden Gebilde bleibt nichts übrig, als eine uns an- ek?lnde, faulende Masse, die sich nach und nach in ein Nichts auslöst. Es wird Sie zunächst - interessieren, zu erfahren, wie und wo an dem fertigen Schwamme die Sporen gebildet werden. Doch bevor wir dieser Frage näher treten, möchte ich noch einiges nachholen. Sie hiben vorhin gehört, daß die Spore sich dann weiter zum Mycelium entfaltet, wenn sie auf eine ihrer Entwickelung förderliche Stelle gelangt. Auch hier erblicken wir einen Gegensatz zum Samen, dessen Keimung und Weiterentwicklung bei genügender Feuchtigkeit und Wärme überall im Erdboden vor sich geht. Die junge Pflanze zieht dann aus dem Erdreiche ihre Nahrung. Anders ist das bei den Pilzen. Diese, also zunächst ihr Mycelgeflecht, gedeihen nur da, wo Stoffe in Fäulnis übergehen. Namentlich günstig hiefür sind tierische Auswurfstoffe, aber auch abgestorbene Teile von Pflanzen. Die bei der Fäulnis entstehenden Produkte dienen den Pilzen unmittelbar als Nahrung, aus dem Boden können sie nach Art der Wurzelpflanzen keine nährenden Stoffe gewinnen. Auch eine andere Weise der Ernährung geht den Pilzen ab. Die mit Blättern versehenen Pflanzen verdanken ihre grüne Farbe den massenhaft in ihnen angehäuften grünen Körnchen, die man als Chlorophyll oder Blattgrün bezeichnet und die bei der Ernährung insofern eine wichtige Rolle spielen, als sie die aus der Luft aufgenommenen Stosfe in einer sür das Pflanzenwachstum erforderlichen Weise umwandeln, assimilieren. Das ist beim Pilze auch nicht der Fall, er besitzt kein Blattgrün, und wenn es auch welche mit grüner Farbe gibt, so rührt dies von ganz anderen Farbstoffen her. Der Pilz ist also ein Fäulnisbewohner und in manchen, verhältnismäßig seltenen Arten auch ein echter Schmarotzer, indem sich sein Mycelium auf gesunden Pflanzenteilen, namentlich Wurzeln, ansiedelt und diesen, natürlich zu deren Schaden, ihre Säfte entzieht. Im Folgenden wollen wir uns zunächst einmal die einzelnen Formen ansehen, unter denen die Pilze gewöhnlich aufzutreten pflegen. Dabei möchte ich noch bemerken, daß ich bei diesem Vorträge nicht von jenen kleinsten Lebewesen spreche, wie sie als Krankheitserreger, als Hefepilze, als Verursacher von Blattkrankheiten und dgl. vorkommen, sondern nur diejenigen Arten, die man auch als Schwämme bezeichnet, die meist schon durch ihre Größe in die Augen fallen, die man, wenn sie ungiftig sind, zum großen Teile genießen kann, wenn giftig, zu vermeiden lernen muß. Diese allein sollen besprochen werden. , Da wollen wir zunächst die Form etwas genauer betrachten, wie sie bei den Hut- oder Schirmpilzen am weitesten verbreitet vorkommt. As ziemlich allgemein bekannten Vertreter können wir den Champignon zum Muster nehmen. An einem vollständig ausgebildeten Champignon unterscheiden wir den Schirm oder Hut, wonach die ganze Gruppe ihren Namen hat, und den mehr oder weniger lang gestreckten Stiel. Ist der Pilz noch jung, eben erst aus der Erde herausgekommen, so können wir die Unterseite des Hutes vorerst nicht genau betrachten. Es zieht sich nämlich von seinem Rande nach dem Stiele za eine zarte Haut, die als Schleier bezeichnet wird. Dieser zerreißt beim weiteren Wachstume, kurze Fetzen bleiben noch eine Zeitlang am Hutrände hängen, während am Stiele gewöhnlich ein als Ring bezeichneter Rest hasten bleibt, der in manchen Fällen mit dem Stiele in keiner festen Verbindung steht und sich auf- und abschieben läßt. Für gewisse Pilzarten ist dies ein Kennzeichen. Nachdem so der Schleier geschwunden ist, können wir uns sie Unterfläche genauer ansehen. Wir bemerken hier eine sehr große Zahl dichtgedrängter, meist scharfrandiger, papierdünner Blättchen, wie die Speichen eines Rades angeordnet, die man als Lamellen oder Blätter bezeichnet. Pilze, die sie auftveisen, heißen Blätterpilze. An diesen Blättern werden zu Milliarden die Sporen gebildet und ausgeschieden. Obwohl diese, wie schon erwähnt, mikroskopisch klein sind, können Sie sich ihre ungeheure Anzahl dort deutlich wahrnehmbar machen. An einem noch frischen Champignon schneiden Sie den Stiel ab und legen den Hut mit den Lamellen nach unten auf eine Glasplatte. Am andern Tage schon können Sie unter dem Pilze die von UM ausgefallene Sporenmasse vorfinden, ein schokoladebraunes, trockenes Pulver, das in seiner Auflagerung auf dem Glase genau die strahlige Anordnung der Lamellen oder Blätter wiedergibt. Die Farbe der Sporen ist natürlich auch nach den Pilzarten verschieden. Nicht alle Pilze sind Blätterpilze, auch haben nicht alle, wie der Champigtwn, einen Schleier und einen später als dessen Rest zurückbleibenden Ring. Sehen wir uns von einem andern ziemlich bekannten Schwamme, von dem Steinpilze, die Unterseite des Hutes an, so erblicken wir eine ungeheure Menge seiner, durch schmale Zwischenwände von einander getrennter Löchelchen, sogenannter Poren. Das sind weiter nichts, als die Ausmündungen feiner Röhrchen, in denen bei dieser, Gruppe, den Röhrenpilzen, die Sporen gebildet werden. Auf einem von der Oberfläche des Hutes nach der Unterseite durchgeführten Schnitte können Sie sich diese Röhrchen in der Längsbildung deutlich anschaulich machen. Sie werden bei fortschreitendem Wachstume bei manchen Arten sehr weit, z. B. bei dem Kuhröhrling, wo sie, von unten betrachtet, fast den Bienenwaben mit ihren sechseckigen Zellen ähnlich sehen. Andere Pilze haben statt der Blätter oder Röhren nach unten gehende Stacheln mit fernen Ausmündungen, auf alle weiteren Formen des Futters, so nennt man auch diese die Sporen tragenden Gebilde, können wir hier nicht näher eingehen. , ' k Eine von den Hutpilzen ganz abweichende Gestalt haben dir Boviste oder Stäublinge, sie sehen einer Birne oder Flasche ähnlich, der Kartoffelbovist, ein Giftschwamm, hat die Gestalt und oft das Aussehen einer Kartoffel mit rissiger Schale. Die Boviste bilden die Sporen in ungeheurer Anzahl im Innern^' wenn sie reif sind, platzt die derbe, oft lederartige Schale meist oben in der Mitte, und aus dem so entstandenen Loche entleeren sich die Sporen als eine gelbbraune Staubwolke. Dieses Spvren- pulver haben die Imker ftüher benutzt, um beim Arbeiten an den Stöcken die Bienen zu betäuben. Wieder andere Pilze sehen aus wie Keulen oder, wenn sie sich verzweigen, wie Korallenstöcke oder Hirschgeweihe, es ist dies die Gruppe der Keulenoder Korallenpilze, auch Hahnenkämme genannt, andere wieder haben Becherform. Bei den Morcheln hat der Hut die Form eines Kugel oder eines spitzen Kegels, dabei ist die ganze Oberfläche mit Falten und grubigen Vertiefungen versehen. , Noch andere Pilze bestehen aus einer schmierigen, gallertartigen, hin unh her schwappenden Masse. Es ist kaum möglich, die verschiedenartigsten, ost ganz merkwürdigen und seltsamen Formen, unter denen die Pilze sich zeigen, zu beschreiben. Wenn Sie bei Ihren Spaziergängen ein achtsames Auge auf all dies haben, so werden Sie Gelegenheit finden, den ungemeinen Formen- und Farbenreichtum zu bewundern. Der Mensch ist aber nicht nur geneigt, immer nur das Schöne und Prächtige an den Naturerscheinungen zu bewundern, sondern auch stets bereit zur praktischen Verwertung. Da liegt bei den schönen Pilzen die Frage nahe: Kann man die essen? Doch beherrscht gerade bei den Pilzen auch wieder die Angst die Gemüter und die Tatsache, daß es giftige Schwämme gibt, hält auch wieder vom Genüsse ab. Daher verkommen alljährlich in unfein Wäldern unausgenützt ungeheure Mengen billiger Nahrungsstoffe, die auch vielen Leuten eine Erwerbsquelle bieten könnten. Zu Ihrer Beruhigung. kann ich Ihnen sagen, daß eigentlich verhältnismäßig wenige Pilze giftig sind, recht viele dagegen eßbar. Zwischen beiden Gruppen stehen solche, deren Genuß zwar nichts schaden würde, die man aber doch nicht verspeisen wird, weil sie sich durch einen bitteren Geschmack auszeichnen, beim Essen im Halse ein Kratzen verursachen usw. Wir bezeichnen sie daher nicht als giftig, aber als ungenießbar. Dahin gehören auch solche, die wegen ihrer zähen, lederigeii oder holzigen Beschaffenheit sich nicht zum Genüsse eignen. Hierher gehörende Pilze sind aber mitunter doch vep-i wertbar, so der Zunderschwamm. (Schluß folgt.) Die Kömgin des Eisens. Ein Pariser Schriftsteller, Jacques Landau, so schreM man dem „B. D." aus Paris, hat es sich nicht verdrießen lassen, die weite Fahrt von ber französischen Hauptstadt - sM - bis nach Essen eigens zu dem Zwecke zurückzulegen, um Fräulein Berta Krupp, die er, sehr schwungvoll, die „Kö- nigin des Eisens" („La Reine du Fer") nennt, einem Interview aus Anlaß ihrer bald bevorstehenden Verheiratung mit dem Legationsrate von Bohlen und Halbach zu unterwerfen. Was ihm Fräulein Krupp eigentlich für weltbewegende Geheimnisse euthiillen sollte, verrät uns Monsieur Landau freilich nicht. Wer der Bericht, den sein Blatt von seiner Expedition bringt, ist doch in mancher Hinsicht unterhaltend genug — besonders an seinen ernstesten Stellen —, nm ein wenig davon hier wiederzugeben. Manche amerikanische Erbin mag reicher sein, als die älteste Tochter Friedrich Krupps, des Kanonenkönigs/ so meint der Pariser Journalist, keine einzige auf der ganzen Welt aber verfügt lute sie über ein wirkliches Reich, über ein Heer von Untertanen. Es ist, wenn man in Essen anlangt, als befinde man sich in einem eignen deutschen Bundesstaate. Fräulein Berta Krupp herrscht darin als ungekrönte Fürstin, imb Herr v. Bohlen und Halbach ist ausersehen, ihr „Prinzgemahl" zu werden. Sie hat eine Leibgarde: die 3000 Mann, die mit der 'Aufrechterhaltung der Ordnung in ihren ungeheuren Besitzungen betraut sind, und sie hat ihr Ministerium: das Direktorium der Kruppschen Werke. Ja, sie hat sogar ein eigenes- Feuerwehrkorps, dessen Uniformen Kaiser Wilhelm II. selbst gezeichnet hat — so versichert der Pariser Kollege wenigstens. In Essen fällt ihm im Gegensätze zu dem alten, pietätvoll wie einst das Rothschild-Haus in Frankfurt a. M. in Stand gehaltenen, höchst bescheidene Heim (eine „Hütte", schreibt Jacques Landau) das mächtige bronzene Denkmal Alfred Krupps auf, und die Inschrift des Sockels: „Edel sei der Mensch, hilfreich! Und gut", entzieht ihm den pathetischen Ausruf: „O, welche Ironie, der Kanonenkönig, der seine Reichtümer dem Kriege, dem Gemetzel, dem blutigen Wahnsinn verdankte, — als Prediger der Menschenliebe und Güte." Fräulein Berta Krupp ist übrigens schwerer zu interviewen als der Zar oder gar der Deutsche Kaiser. Auf Station Hügel, zu der von dem bescheidentlich „Villa" genannten Schlosse direkt eilte mächtige, schmiedeeiserne Tür führt, durch die die Kruppsche Familie unmittelbar an ihren Sonderzug treten kann, wendet sich der Pariser zunächst an den Bahnhofsvorsteher und fragt ihn, wie er wohl am besten zu Fräulein Krupp kommen könne. Der aber ist über! die Kühnheit solchen Unterfangens derart verblüfft, daß er ihm nur den Rat zu geben vermag, schleunigst nach Paris zurückzukehven. Trotzdem gelingt es ihm, — und fünf Minuten später steht er im Garten der Villa Hügel vor der jungen Erbin und ihrer „Hofdame", Madame Brandt. Fräulein Krupp hat ihm wohl eine „Audienz" bewilligt, — doch ein Interview schlägt sie ihm zunächst ab. Schließlich erzählt sie ihm dennoch allerlei. Daß sie wie ihr Vater es liebe, fern von der großen, lauten Welt zu leben, und daß amerikanische Blätter ihr ganz erdichtete Aeußerungen in den Mund gelegt hätten. Daß sie nur die Eigentümerin der Werke sei nach bent Willen ihres Vaters, der sie nicht nach seinen! Tode zersplittert wissen wollte, baß bie Leitung aber auch nach ihrer Heirat dem Direktorium verbleiben unb sie selbst sich zusammen mit ihrem Manne nur bett gemeinnützigen Einrichtungen, besonders in Friedrichshos, Alfredhof, Altenhof und dem Krankenheime „Kaiserin Auguste Viktoria" widmen werde. Das betrachte sie als die Aufgabe ihres Lebens. — Damit ist, so schließt der Franzose seinen Bericht, meine Audienz zu Ende. Und der Zug bringt mich nach Essen zurück, mich und eilte Schar Kruppscher Arbeiter, die von ihrem „Kasino" kommen und nach einem angenehm verbrachten Ruhetage neu gestärkt zur Arbeit zurückkehren. Touristik. Eine Festgabe zur Generalversammlung des D. u. Oe. Alpen Vereins in Leipzig (7. bis 8. September) legt uns die Deutsche Alpenzeitung mit ihrem 1. Septemberheft (Preis Mk. 1.—, Kr. 1.20) auf bett Tisch. Dieses Heft ist wiederum an Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit im Text — sowohl wie im Jllustrationsteil eine Musterleistung ersten Ranges. Das alpine Arbeitsgebiet der Alpen- veremssektion Leipzig wird in den Aufsätzen „Die Lenk- jöchlhutte und ihr Gebiet" von Ingenieur K. Jaksche, Leipzig, und „Auf südlichen Grenzpfaden" von Th. Girm-Hoch- berg geschildert. Zahlreiche Textbilder und zwei farbige Kunstblätter („Die Lenkjöchlhütte" von Otto Barth, „Die Mandronhütte" von E. T. Compton) sind besonders wertvolle Beigaben dazu. Der diesjährige Festort, die Stadt Leipzig, ist von Volkmar Müller, Leipzig, behandelt. Eineit sehr bevorzugten Platz nimmt dann die Sächsische Schweiz in diesem Sonderheft ein. Der vorzügliche Kenner dieses Gebietes, Dr. G. Kühfahl, 'Dresden, liefert prächtige Text- und Bilderbeiträge. Dr. W. Fischer beschreibt „Eine Ueber- schreitung des Bloßstockes", Joj.Ostermaier, Dresden, macht uns vertraut mit der „Flora der Sächsischen Schweiz". Eine kunsthistorische Betrachtung über „Alpine Landschaften aus verschiedener Zeit" bietet uns Dr. E. W. Bredt, München. Dieser Aufsatz hat hochaktuellen Wert deswegen, weil jetzt, zum erstenmal überhaupt, eine eigene Ausstellung „Tas Hochgebirge und seine künstlerische Darstellung" in Leipzig veranstaltet ist und von dort aus eine Wanderung durch die größten Städte Deutschlands machen wird. Ebenso anregend ist die Darstellung „Gliederung und Formenschön- yeit der Alpen" von H. Habeuicht, Gotha. 'Auch die poetischen Beiträge, von Künstlern feinsinnig umrahmt, sind nicht zu vergessen. Endlich kommen wir ans die Beilage „Verkehr und Sport". Sie bietet so Vieles, Neues, Interessantes, daß man ihr auch allein eine eigene Besprechung widmen könnte. Wir müssen uns jedoch beschränken auf die Nennung der Aufsätze: „Die Wocheinerbahu" von Hauns Barth; „Die Ausstellung des Tiroler Künstlerbuudes in Innsbruck" von I. M. Eglofs; „Der Skisport auf dem Feldberg tut Schwarzwald"; „Kultur und Alpen". Die Rubriken: „Alpine Wege und Hütten", „Alpine und Touristenvereine", „Wintersport", „Verkehr, Unterkunft und Verpflegung", „Kur- und Badeorte, Sommerfrischen usw.", „Besprechungen", „Verschiedenes" geben Zeugnis von einer vorzüglichen Redaktion. Gesundheitspflege. Chronisch kalte Füße, Wesen, Wirkung, Verhütung und Heilung. Von Dr. Orlob (30 Pfg.). Verlag von Edmund Demme, Leipzig. Bei der für die Gesundheit höchst wichtigen Blutverteilimg im Körper kommt den Füßen eine große Bedeutung zu. Die Ursache der unter den Kulturmenschen leider so sehr verbreiteten chronisch und ebenso uitangenehmen kalten Füße ist keineswegs bloß die Folge ungenügender Fußpflege, sondern kommt von innen. Zur Heilung, beziehungsweise Verhütung des immer eine mehr oder minder allgemeine Ge- sunbheitsstöritng aitzeigeitden Uebels genügt deshalb in der Regel durchaus nicht die Anwendung bloßer äußerer Mittel, es treten vielmehr, wie uns das Büchlein lehrt, eine größere Anzahl verschiedener Faktoren in die Erscheinung, welche feinten zu lernen jedermann bestrebt sein muß, der mit diesem folgenschweren Leiden zu kämpfen hat, um es in zweckentsprechender Weise beseitigen zu können. Druckfehler-Berichtigungen. In dem Ariikel „Sedantag und Schulfeier" sind zwei sinnentstellende Druckkehler enthalten: Es must heißen aus S. 522, Zeile 17 von unten: „So ist geistiger Bann die psychische Erscheinung" u. s. w., ferner aus S. 524, Zeile 5 von unten: „daß sie einem flüchtigen Auge als i d e a l l o 8 erscheinen". Arithmogriph. 1 10 5 11 Stadt in Steiermark. 2 11 lyrischer Dichter. 8 9 8 7 9 Fluß in Frankreich. 4 8 7 4 9 viel gebrauchte Flüssigkeit. 5 2 3 4 9 10 schmackhaftes Tier. 6 9 10 7 9 4 französischer Maler. 7 8 9 10 9 wichtiges Organ. 8 10 8 3 griechische Gottheit. 9 10 7 5 weiblicher Vorname. 10 5 4 4 9 schädliches Tier. 8 7 7 ein Fluß. 4 10 5 4 4 9 kaufmännische Bezeichnung. 11 9 8 3 8 1 muntrer Vogel. Die Anfangsbuchstaben der gesundenen Wörter sollen den Namen eines Jugendschriftstellers ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Königspromenade in voriger Nummert Trag' ein Herz, den Freuden offen, Doch zum Leioenskampf bereit; Lern' tut Mißgeschicke hoffen, Denk' des Sturms bei heitrer Zeit. SaliS. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dietz««-