1906 K: m iHmTA :7t' MiiLellole Mädchen. Roman von H. E h r Hard t. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Da sagte cr endlich neckend: „Nun ist's aber genug, mein SüßeS, Du weinst mir ja den ganzen Aermcl naß. Na, schnell, guck mich mal an." Unter Tränen lachend folgte sie seinem Wunsche. Im Laternenschein sah er deutlich das ungläubig-glückselige Leuchten der geliebten Blauaugen, das noch vom Weinen zuckende rote Mündchen. Nasch neigte er sich zu ihr herab und drückte einen flüchtigen Kuh auf die halb geöffneten Lippen. Er genügte, sie beide in einen Wonnerausch zu versetzen. „Hast Du mich denn noch lieb, Fritz?" jauchzte Suse, die erst allmählich zum Bewußtsein ihres Glückes kam und hing sich mit beiden Armen in den seinen. „Ich hab' Dich sehr, sehr lieb, Suse!" bestätigte er ernst. Sie verschluckte die Frage, die unwillkürlich in ihr anf- stieg, warum er sie dann damals im Stich gelassen habe, wenn cr ihr sogar heut noch gut sei. Sie hatte ein schlechtes Gewissen in diesem Punkt und schob ganz gern die Erörterung über denselben noch ein wenig hinaus. So fragte sie zunächst nur: „Wie kommst Du denn hierher, Liebster? Bist Du etwa nur auf der Durchreise?" Er schüttelte glücklich lachend den Kopf. „Nein, so bald wirst Du mich nicht wieder los, Liebling, ich bin auf drei Jahre zur Kriegsakademie kommandiert." Sie schlug in Hellem Jubel die Hände zusammen. „Ach, Fritz, wie mich das für Dich freut. Es war ja schon damals Dein Wunsch." Die Erinnerung an die Vergangenheit warf einen leichten Schatten über beide hin, den sie vergebens bekämpften. „Ich muß jetzt nach Haus!" flüsterte Suse befangen, „hier ist meine Tür." Er hielt sie am Arme fest. „Bleib' noch! Wir haben uns ja noch so viel zu sagen, so vieles o fzuklären — Suse, ich war mal sehr böse auf Dich und sehr unglücklich —" w 9tr.f$ werd' Dir schreiben!" stotterte das verwirrte Mäd- ' 'fsiher Angst befallen, „sag mir Deine Adresse — ich kann fetzt nicht länger bleiben, Ruth ist so streng, sie rechnet mir aenau die Feit nach, in der ich au Hause sein muß. Und da ich ihr doch nicht sagen darf —" setzte sie in halber Frage hinzu. Ec runzelte flüchtig die Brauen. „Nein, sage noch nichts, Sus', erst müssen wir beiden uns völlig ausgesprochen haben. Wann imb wo treff' ich Dich wieder, Lieb?" Eine tiefe Betrübnis huschte über ihre beweglichen Züge. „Das wird schwer halten, ich weiß wirklich nicht —" „Wo kamst Tu denn heut her, Süßes?" „Ich gebe Klavierstunden" sagte sie leise, „es geht uns sehr schlecht, Fritz, seit auch Mama tot ist." Er biß sich auf die Lippen. Seine Nasenflügel zuckten in verhaltenem Schmerz. „Mein armes Kleines!" Er war neben ihr in den matterhellten Hausflur ge- treten iuid legte nun zärtlich den Arm um ihre jungen Schulterii. „Komm, laß Dir den traurigen Zug um den Mund fortküssen — mir ist's auch nicht gut ergangen, ich erzähl' Dir davon das nächste Mal —" Er küßte immer wieder den rosigen Mund, der sich ihn« willig darbot und als sic sich endlich trennten, hatte er ihr das Versprechen abgeschmcichclt, daß sie nächsten Mittivoch ihre Klavierstunde um 2 Uhr absagcn und ihn an der Ecke der Potsdamerstraße treffen ivoltc, * Suse Meridies verlebte die folgenden Tage wie im Rausch. Der schäumende Becher ihres Glücks lief beständig über, was sich in plötzlichen ZärtlichkcitsauSbrüchen gegen die ältere Schwester und in tollen Neckereien der beiden Brüder offenbarte. Sie sprach wieder sehr viel von dem Glück, das ]ie sich doch noch erzwingen werde und trug eine Zuversicht und einen Uebermut zur Schau, der Ruth förmlich beängstigte. Am Montag erklärte sie, früh direkt von der Klavierstunde aus Tante Hertzberg einen Besuch abstatten zu wollen, schlüpfte zu diesem Zweck in ihren ältesten Rock und die abgetragene Winterjacke, stülpte die stark mitgenommene Pelzmütze aus das Blondhaar und machte sich in diesem schäbigen Aufzuge triumphierend hinter Ruths Rücken davon. Als sie nach drei Stunden (die Geschwister saßen schon beim Mittagbrot) zurückkehrte, führte sie vor allen Dingen einen wahren Indianer-Freudentanz auf, dem endlich die Mitteilung folgte, daß Tante Hcrtzbcrg ihr als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk heut ein vollständiges Kostüm, Rock, Bluse und Jacke gespendet und daß sie selbst sich aus eigenen Mitteln einen neuen Hut gekauft habe. — 266 „Na, es war höchste Zeit!" warf Heinz spöttisch lächelnd ein, „hab' Dich man nicht so — die Olle merkt so was ja gar nicht an ihren, Geldbeutel — sie wird sich wohl nicht zn arg angestrengt haberr." „Schweig!" schrie Ruth empört auf, „Du bist noch viel zu jung, um in solchem Tone von einer alten Frau zu reden, die uns nur Gutes und Liebes erwiesen hat — im übrigen müßte es unser Stolz verbieten, daß wir bei gesunden Gliedern zu anderen Leuten betteln gehen, mögen die es auch tausendmal im Uebersluß haben." Während Heinz von der Schroffheit ihres Auftretens momentan cingeschüchtcrt schwieg, brauste Suse auf: „Ich habe gar nicht gebettelt. Tante hat mich gebeten, eine Besorgung mit ihr zu machen und im Laden hat sie dann ein Kleid für mich verlangt. Sollte ich da vielleicht vor allen Leuten erklären, ich brauche keins oder ich ließe mir keins schenken? — Nee, is nicht, um den Hals bin ich ihr gefallen und hab sie halb tot geküßt. Aber da klingelts, das ist sicher der Bote aus dem Geschäft." Wie ein Sturmwind fegte sie aus der Tür und kam gleich darauf strahlend mit ihren Schätzen zurück. Ruth stand machtlos vor der vollendeten Tatsache — sie sagte kein Wort mehr. In diesem Punkte kämpfte sie vergebens, das wurde ihr stündlich klarer, sie mußte sich zufrieden geben, daß Suse wenigstens ihre Klckbierstunden ernst nahm und zur Zufriedenheit der verschiedenen Eltern ausführte. Sie erhob auch keinen Einspruch, als Suse Mittwoch nach Tisch ihre neuen Sachen zum ersten Male anzog, aber als das junge Mädchen in ihrem Schuldbewußtsein etivas verlegen und hastig sich von ihr verabschiedete, blieb sie doch sehr nachdenklich und bekümmert zurück. Suse ivar im Grunde eine viel zu offene, impulsive Natur, als daß sie geschickt genug verborgen hätte, daß irgend eine Umwälzung sich in ihrem Leben vollzog oder wenigstens vorbereitete. „Suse wird am schwersten zu hüten sein!" Daß ihr auch gerade wieder die Worte des Vaters einfallen mußten. Entsetzliche Schreckbilder knüpften sich daran und Ruth drückte verzweifelt die Hände an die pochenden Schläfen. „Nur das nicht, lieber Gott, nur das nicht!" betete sie in beklenunender Angst, während ihre fleißige Hand mechanisch fast den Pinsel über die Leinwand führte. Unterdeß wanderte Suse mit federnden Schritten ihrem Ziel zu, das Herz hännnernd vor seliger Erwartung. Vorübergehende blieben stehen und sahen der schlanken, graziösen Mädchengestalt wohlgefällig nach. Das billige schwarze Kostüm mit den: kurzen losen Jäckchen kleidete sie vorzüglich und unter dem schwarzen, flachen, breitrandigen Jilzhut leuchtete ihr hellblondes Haar, ihr rosiges Gesichtchen, über die Trauer triumphierend, die sie trug. Fritz Trautendorf wartete bereits ungeduldig an der bezeichneten Straßenecke. Er hatte ein dunkles Zivil angelegt, um weniger aufzufallen und amüsierte sich köstlich über ihr erstauntes Gesichtchen. Sie hatte ihn noch nie in Zivil gesehen und wäre beinahe an ihm vorübergelaufcn. Entzückt begrüßte er sie mit einem Händedruck. War sie doch ganz so reizend wie in vergangenen Tagen, nachdem sie, wie er wohl sah, sorgfältig Toilette gemacht hatte. Und wie die großen blauen Kinderaugen ihn anstrahlten! Und diese Grübchen in den Wangen bei ihrem zärtlichen, verschämten Lächeln. Nein, es gab für ihn wahrhaftig kein zweites, so süßes Geschöpf auf der Welt, er konnte nicht von ihr lassen. Arm in Arm gingen sie, ein paar innige Begrüßungs- wortc tauschend, die Potsdamer Straße entlang. Vor der Tür einer Konditorei machte der junge Offizier Halt. „Komm hier herein, Liebling!" forderte er Suse auf, „wir trinken im Hinterzimmer eine Tasse Kaffee, um diese Zeit sind wir vor jeder Störung sicher. Was wir uns zu ?agen haben, verhandelt sich besser im geschlossenen Raum." Die freudige Röte ihres Gesichts wich einer leichten Bläffe. Unwillkürlich drückte sie sich fester an ihn, als fürchte sie ihn zu verlieren. „Ja, ich habe Dir viel zu beichten!" gestand sie kleinlaut und folgte ihm willig die Stufen^ zur Ladentür hinauf. Ein leises gerührtes Lächeln spielte um seine Mundwinkel unter dem flotten schwarzen Bärtchen. In ihm war ja längst kein Zweifeln mehr an ihrer Liebe, keine Furcht vor ihrer Beichte. Aber er fand sie so herzig in ihrer heimlichen Angst, in der Ueberzeugung von ihrer großen Schuld, daß er sie gern noch ein Weilchen zappeln ließ. In der kleinen Konditors waren sie wirklich die einzigen Gäste. Das ältliche Ladenfräulein brachte rasch die bestellte Schokolade mit Schlagsahne für das Süßmäulchen Suse und den Kaffee für den „Herrn Leutnant", natürlich auch Kuchen dazu und verschwand dann von der Bildfläche. Das Liebespärchen war allein. „Mach ein bischen den Hut ab, Schatz!" bat Trautendorf und nachdem sie errötend seinem Wunsche willfahrt hatte, zog er sie stürmisch neben sich anf das kleine Sofa. „Du, in eurer Konditorei gibts massig baisers!" Seine dunklen Augen blitzten sie verliebt an, aber fast ängstlich wich sie ihm aus. „Nein, laß mich, Fritz — erst mußt Du alles wissen, vielleicht magst Du mir dann gar keinen Kuß mehr geben." Es kam ganz kläglich aus dem rosigen Munde, so daß er sie trotz ihres Widerstrebens zärtlich umfaßte und an sich drückte. „Ach, Du kleines, dummes Mädel! Hast Du denn wirklich ein so schlechtes Gewiffen?" Sie nickte nachdrücklich. „Ach, Fritz!" ein tiefer, seufzender Atemzug folgte, „ich bin ja so kokett gewesen damals in N., ganz unverzeihlich kokett, obgleich ich mir nichts böses dabei dachte — es machte mir Spaß, daß man mir die Cour schnitt, aber", sie barg ihr heißes Gesichtchen an seiner Schulter, „daß ich einen anderen lieb haben könnte, als Dich, das ist mir gar nicht in den Sinn gekommen — ich Habs doch schon damals gewußt, als Du beim Zapfenstreich vor mir auf dein Fensterbrett saßest, daß ich nur Dich lieben würde — immer immer —" Sie hatte zuletzt leise, wie träumerisch gesprochen, mit einem wunderbar innigen Klang in der Stimme, der dem lauschenden Manne bis ins Herz drang. „Mein Süßes!" flüsterte er bewegt, das gesenkte blonde Köpfchen am Kinn emporhebend, „für das Wort mußt Du einen Kuß kriegen, da hilft kein Sträuben." „Nicht, Fritz, hör doch erst —" Seine Lippen, die sich auf ihren weichen Mund drückten, erstickten ihre stammelnde Abwehr. So schnell kam sie nicht wieder zu Worte. Wie hatte er sich nach jenem Ball in N. darauf gefreut, diese süßen, roten Lippen nach Herzenslust küssen zu können und wie endlos lange hatte er auf die Erfüllung dieses Wunsches warten müssen. Ein Geräusch im Laden veranlaßte ihn endlich, sie freizugeben und sie benutzte rasch die Gelegenheit, um hervorzusprudeln : „Du bist abscheulich, ich hab dir noch immer nicht gebeichtet und Du weißt doch, wie gern ichs los sein möchte und immer hinderst Du mich daran." Aufsteigende Tränen netzten ihre goldigen Wimpern. Das konnte er gar nicht mit ansehen. „Maus, quäl Dich nicht länger", beschwichtigte er, sie von neuem an sich ziehend, „ich bin ja ein Barbar, daß ich Dich so lange in Angst ließ — ich weiß doch alles." Ungläubiges Erstaunen malte sich auf ihrem reizenden, erhitzten Gesichtchen. „Fritz, Du wußtest —" „Daß Hauptmann von Brockhaus sich rasend in Dich verliebt hatte, kleine, kokette Suse, daß er Dirs gesagt und Dich im Stall geküßt hat." Ihre kalten, zitternden Hände klammerten sich um seine Rechte, während sie ihr Antlitz zu ihm emporrichtete. (Fortsetzung folgt.) 267 Uetzer Sinnestäuschungen hlaubcrt im Prometheus Oberstabsarzt Dr. ^cHiioald und kommt dabei zu dein Schlüsse, daß häufig als Sinnestäuschung angesehen werde was tatsächlich eine reine BerMudestäuMng sei.. Em ebenso drastisches wie leicht faßliches Verspiel sei hier nneder- 0CSC9hn 6. November zog der König von Spanien in Berlin ein, voran eine Abteilung Kürassiere, daun die Wagen mit den Fürstlichkeiten und dem Gefolge und zruu sckluß wieder Kürassiere. Schon am 8. November wurde im Wintergarten dieser Einzug des Königs Alfons kinematographisch vorgeführt. Es war alles in schönster Ordnung arif den Bildern, die Kürassiere trabten voran, die Wagen rollten dahin, und hinterher sprengten wieder die Berittenen. Aber eines war über die Maßen verwunderlich. Während alles flott vorwärts ging, drehten sich die Räder an den Wagen sämtlich rückwärts, so da« man unwillkürlich das Gefühl hatte, im nächsten Moment mußten dw Räder samt ihren Achsen von den Wagenkästeil losreißen und die Wagenkasten zu Bodeil stürzen. Das Ganze zog langsam genug am Auge vorbei, nm sich zweifelsfrei davon zu überzeugen, daß die Rader sich tatsächlich nach rückwärts drehten, und daß nicht, etwa em bloßer Irrtum vorlag. Ich war von dieser Erscheinung so srappiert, dass ich mir gleich danach auf der Straße die ersten Wagen genau daraufhin ansah, wie sich ihre Räder drehten. Aber die drehten sich alle, wie cs sein mußte, Nach vorwärts, wo der Wagen hin- fuhr. Ich lvill noch erwähnen, daß die kinematographifchen Räder ihre Rückwärtsdrehung ausfallend langsam aussuhrten, viel langsamer, als das Tempo der Pferde und Reiter war. Zunächst fehlte mir jede Erklärungsmöglimkeit für bicic paradoxe Erscheinung. Man hätte ja daran denken können, das Filmbild sei verkehrt iit den Apparat ge>chobcu worden. Aber dMin nuißte einfach der ganze Festzug ließ, nach der entgegen- ü ei (‘Uten ©fite öewegeu. konnten nicht bie 9i(ibet bet eigen «Hein die verkehrte Richtung einschlagen. Auch andere Deutiings- versnche versagten vollkommen. , , n, . Zufällig fah ich nun einige Tage spater eine andere Ausnahme dieses Einzuges an anderer Stelle. Aus dieser Projektion boten die Räder der Wagen luieberum eine Ueberraschung, aber eine völlig andere. Sie drehten sich nämlich weder richtig noch • falsch, sondern überhaupt gar nickt. Sie standen still und führten nur manchmal eine ganz geringe, schwankende Bewegung nach vor- oder rückwärts Mts. Das sah iioch sonderbarer und un- Legreiflicher aus', als das Rückwärtsrvllen der Rader. Eck schien, als ob eine unsichtbare Macht die Räder festhielte, und dabei doch nickt kräftig genug wäre, das' Borwärtsgehen der Wagen selbst zu hemmen. ,, , , .,, Dieser ziveite paradoxe Borgaiig ist nun wohl ziemlich leickt einer Erklärung zugänglich und vermag dann vielleickt auch über das erste Paradoxon Licht zu verbreiten. Mali muß bei der Erklärung vor allen Dingen zwei Momente ins Auge fassen. Erstens: eine kinematographlschd Aufnahme besteht aus einer fortlaufenden Reihe von Momentaufnahmen, die schnell auseinander folgen; wir wollen beispielsweise au- nehmen, daß in einer Sekunde zehn Momentaufnahmen gemacht ivurdcu Ziveitens ist zu berücksichtigen, daß jedes Wagenrad aus einer Anzahl von Speichen besteht, von denen eine genau ime die andere aussieht, so daß sie ohne iveiteres Nicht von einander unterschieden werden können. , r , . In der Regel wird es sich ja n an wohl so tresfen, daß bet jeder der zehn Momentausnahmen, die auf cme «ekünde entfallen, der Speichensteru der Räder eine etwas andere Stellung ' einnimmt, alsl bei der vorhergehenden Wisnahme. Dann erscheinen auch in der Reproduktion die Räder rollend. ES kann sich aber nun auck einmal ereignen, bab bei der ersten von den zehn Aufnahmen die oberste Speiche genau senkrecht nach oben steht, daß bann bei der zweiten Ausnahme sich das Rad inzwischen so weit gedreht hat, daß die zweite s-pciche gerade ilach oben steht, bei der brüten Ausnahme die brüte Speiche nsw. Wie werden bie Räder sich nun auf der kinemato- graphischen Wiedergabe verl-alten?^ Mi jeder der,zehn Aufnahmen ftcTyt eilte ©iieidye gendu iidd) oben, otibftc.'^>t)etcf)ieii)ielfuitgeit kommen überhaupt nicht Vor. Da eine Speiche genau wie die andere aussieht, kann das Ange nicht entscheiden, ob es immer die erste Speiche ist, bie genau nach oben steht, oder eine der folgendem In allen Einzelbildern sieht das Auge stets.eine Speiche — und, wie es ännimmt, dieselbe Speiche, da dem Auge ja keinerlei Hinweis auf einen Wechsel der Speichen geboten wird —■ genau nach oben gerichtet und schließt logischerweise daraus, daß das Rad also ruhig stehen müsse. Da bie Geschwmdigteü der Wagen nun leicht einmal eine spur wechselt. Versteht man auch, wie bie Räder zeitweise ein leichtes Schwanken nach Voroder rückwärts zeigen konnten. , . Drehen sich die Räder nun noch etwas langsamer, als m dem eben gewählten Beispiele, so wird bei der ersten Mfnahme bie erste Speiche gerade uack oben zeigen. Bei der zweiten Unß- nahme ist die zlveite Speiche Nock nicht ganz nach oben gelangt, also noch ein bißchen gegen die erste Speiche zuruck geblieben. Bei der dritten SknfnahMe ist die dritte speiche wieder gegen die zweite zurückgeblieben usw. Mi der Reproduktion erhalt nun das Ange, das ja die einzelnen speichen nicht, von einander unter» scheiden und numerieren kann, den Eindruck, daß die Speiche, die sich oben befindet, stets bie erste sei, bei jeher folgenden Ansuahnie aber ein Stück zurück versetzt sei, und baburch entsteht dann fcmfequentertoeife bie Vorstellung, baß mit dem allmählichen Rückwärtswanbern der ersten Speiche auch bas ganze Rad sich langsam rückwärts drehe, wie dies ja tatsächlich tm Wintergarten zu sehen war. , „ , ,. , . Der unsinnige Fehler liegt also auch hier weder au dem Apparat, noch an dem Auge, sondern ganz^alleiu wiederum an unserem Verstände. Der Verstand sagt, die speiche, bie ick oben sehe, ist stets die erste, denn ich sehe ja nichts davon, daß eine andere an ihre Stelle tritt. Tatsächlich, ist aber be, dem ichembar ruhenden Rade die oberste Speiche in jtfmcllem Wechsel die erste, zweite, dritte usw. Da dies dem Berstand aber durch das Ange nicht sinnfällig gemacht wird, kommt er gar nicht auf bte^bce, daß bie Speiche fortwährend eine andere ist. Da eine speiche wie die andere aussieht, erklärt der Verstand einsach, es ist immer dieselbe, und wenn es immer dieselbe ist, muß das Rad natürlich ruhig stehen oder im anderen Falle sich sogar rückwärts drehen. Wären die einzelnen Speichen deutlich von einander unterscheidbar gemacht worden, indem z. B. jede zweite speiche mit weißen Rosen umwunden wurde, so hatte der Verstand nicht in diese Täuschung verfallen können. . EI liegt also auch hier einfach eine Verstandestauschiing vor. Für die Dilettattteutznhne. Es kommt bald wieder die Zeit des heftigen TheaterjpieienS im Kränzchen, sagen ivir: „Thalia", seit einige Herren aus der Liedertafel beigetreteu sind, geht es tote geschmiert. _ A>e Herren sind jung, die Damen auch, wie nett ist.es da, em „Volksstück mit Gesang und Tanz" in fünf Akten aufzumhren, namem- ich. bii auch der dicke Zigarrenhändler, der bekannte Herr Lehmann von bet Ecke, fleißig mit macht, welcher immer ro koimsth ist, daß bas Publikum gleich lacht, toenn er nur die Nase zur Türe hereinsteckt, unb weil ihn ^ch. alle kennen. Nun, baA muß man sagen, das Kvänzchen „Thalia iü ein rühriger Bcr- ein, man unterhält sich ba gut, immer neue stucke, manckmta. sind sie geradezu rührend, und fast,immer schon. Wenn wir nun den Blick aus den Verem „Melpomene lenken, entrollt sich uns ein anderes Bild. Zuerst mn Leseverem, der alle vierzehn Tage eine ältere ober neuere Dichtung mit bet- teilten Rollen las, ist er auf Betreiben bey neuen Vorstandes in einen Aufsühruiigsverein umgewandelt worden, und erplaiüd uickls Geringeres, als eine Austuhrung der „Weber von Girhart Hauptmann. Leider hat sich dieser Plan zMckuagen, denn die Schwierigkeiten waren doch zu groß, und die Buhne für die, Menge Menschen zu klein. Die Mitglieder, durch das lange Hmziehcn mißnintig geworden, grollen dem Vorstand, nnd der weiß nicht reckt mehr, was beginnen. Die „Thalia" aber triumphiert und nimmt täglich zu an Alter, Mitgliedern unb Ansehen vor der Nun wäre es aber doch schade, toenn gerade der Verein eingehen sollte, der das Theaterspielen nicht um seiner leibst willen, mit der Kunst als Borwand, betreiben will, souoern als ein Mittel, tiefer in den Geist der R i chtu n g einzu- dringen. Es fehlt ihm nicht an Fleiß, an gutem Willen, es stylt an Einsicht in seine Kräfte. Unb dock liegt das Brauchbare jur ihn sozusagen auf der Straße, und wenn maus naher befielst, gehört cs zum besten und allerbesten unserer Literatur. ®aritnt soll der „Melpomene" zum Beispiel nicht „Minna von Baruhelm gelingen? Das Stück ist freilich lang und die Rollen lernen und mieten sich nicht so leicht, aber man braucht es ja auch nicht zu übereilen, denn nicht in der Aufführung, sondern in oer Vorbereitung liegt der Gewinn. Von Goethe konnte man .Geschwister" reckt wohl aufführcn, auch find sie kurz. Vcar Schiller ist „Wallensteins Lagers .schon von manchem Gymnasium trefflich gegeben worden, bie Kostüme sind in jedem der za.st- reichcii großstädtiscken Leih -.Institute zu haben. Kleist- ,^o'i- brochener Krug" ist sehr schwierig, aber nickst unmöglich, wenn nur einer den Torfrichter Adam gut darzustellen weiß. tragische Seitenstück ur „Minna von Barnhelin" ergäbe Hebbels „Maria Magdalena" - gewiß, das ist eene große Aufgabe, aber äußere Schwierigkeiten gibt es da kaum. Dir zweialtige Michelangelo" Hebbels Paßt am besten m einen Kirnst- oder Knn st- lerverein aber er hat hübsche Volksszeneu nnd interessiert durch feine Gestalteii die Gebildeten aller Klassen. Von Otto Ludwig kann man das artige Reimlustspiel „Hanns tyrei (m ber geh Wen Dresdener Bearbeitung) geben — es frielt un alten Ammera — und warunl nicht auch den „Erbjorster ? Ein Wald mit Fels und Brücke findet sich dock unter den Dekorationen ichon vor, schwieriger freilich ist der Darsteller fnr dre Titelrolle zu beschaffen. An guten Lustspielen haben wir ja leider Mangel,, doch sind Freitags „Journalisten erst einmal zu versuchen, ehr man ie kopfschüttelnd beiseite legt. Sodann emPfieUt stck Banern- felhs Zweiakter „Das Tagebuch" des wundervollen Dialoge» wegen, a'ich Jordans „Durchs Ohr" ist sicher für Dilcttautenziingeu mcht zu schwer es' verlangt nämlick flüssige Rebe in Versen. Von neueren Stücken werden wir bie des blutsverwandten Srmdeus nicht a8 ungesund oder dergleickstn einfach verachten dürfen, Ibsen wird mit feinen „Stützen der Gefeilscht tch i»s allem auch mist — 268 — ,s<1«er bewegten Komödie „@iit Volksfeind" dis Gemüter kräftig erregen, am „Volksfeind" freilich muß ein Regietalent Mitarbeiten, sonst geht die große Volksversammlung im dritten Akt in die Brüche. Bon Björnson verlangt das „Fallissement" zwei gute Darsteller, sonst ist es nicht schwer. Brauchbare Einakter neueren Schlages, freilich dichterisch ohne tieferen Belang, findet man bei Lienhard („Der Fremde"), bei Fulda nnt> bei Dreyer, bei diesem unter seinen älteren Sachen. So, das itmrc doch eigentlich Stoff genug für nufere „Mel- pomenc". Aufs Versuchen konimts natürlich auch hier an wie überall. Geliugts auch einmal nicht, so ists kein großes Unglück. Hingebende gemeinsame Beschäftigung mit guter Kunst, wo das die Hauptsache ist, — und es ist freilich eine Hauptsache —, da kommt die innere Befriedigung, die Freude am Werk ganz voic selbst. Die Lorbeeren der „Thalia" sind so billig tote die Brombeeren, der Kranz aber, den die Kunst verleiht, läßt sich nicht im Zeitvertreib anl Straßenrand zusammenpflücken, er muß herzhaft erstiegen werden. Neber Erziehung.*) Tas Erziehungsweseu gehört zn den wichtigsten Problemen des öffentlichen und privaten Lebens. Nicht bloß der enge Kreis der Fainilie, auch die größte Gemeinschaft eines Volkes — der Staat ist an diesenr Probleme stark interessiert. Tausende von Abhandlungen und Hunderte von Schriften, die alljährlich in allen Kulturländern über Erziehungsfragen erscheinen, sind der beste Beweis für die Bedeutung dieser Frage. Dieses Anschwellen der pädagogischen Literatur macht es sogar dem Fachmanne unmöglich, alles zn lesen, was über dieseil Gegenstand geschrieben wird, lind doch darf man nit diesen Erscheinungen nicht gleichgiltig vor- nbergehen, denn sie enthalten einen Gedankenschatz, der es verdient, gelesen, geprüft und beherzigt zu werden. Bon den berufsmäßigen Lehrern und Erziehern unserer Kinder wird zwar eine mehr oder weniger genaue Kenntnis der pädagogischen Grundprobleme verlangt. Von den Eltern dagegen, I die doch die allererste und wichtigste Erziehung ihrer Kinder zu leiten haben, wird überhaupt kein Nachweis gefordert, das; I sie sich die Kenntnisse angeeignet haben, die als 'Voraussetzung einer vernünftigen Erziehung angesehen werden müssen. , Und das wäre doch teilte unberechtigte Forderung, die man an jeden stellen müßte, sobald er im Begriffe steht, eine Ehe zu schließen. Jeder Beruf will erlernt werde)!. Für viele wird sogar mit Recht ein Befähigungsnachweis verlangt, bevor man zur Ausübung desselben zugelässen wird. Für den Beruf, den die Eltern als Erzieher ihrer Kinder auszuüben haben, wird aber von keiner Seite ein Befähigungsnachweis erwartet, lind doch ist das Erziehen der Kinder weder eilt leichter noch gleichgiltiger Beruf! I Man hat sich zn sehr daran gewöhnt, nur in den Beschäftigungen I eine berufliche Tätigkeit zu sehen, wo ein Entgelt für diese Tätig- I keit verlangt wird. Was umsonst, ohne Lohn getan wird, das I wird nicht mehr als Berufstätigkeit betrachtet. Daher mag es I auch kommeu, daß die Eltern von einem Befähigungsnachweise in I Erziehungsfragen befreit sind. Aber sehr mit Unrecht und nicht bloß zum Schaden der eigenen Kinder, sondern auch der Gesamtheit. Das wichtigste Moment int Leben der Familie ist die Erziehung der Kinder, es ist der heiligste, verantwortungsvollste und schwierigste Beruf, den die Eltern zu erfüllen haben. Welche Vor- vereitungen treffen nun die Eltern, um diesem Berufe gerecht zu werden? Fast gar keine. Alle anderen Fragen werden beim Eingehen einer Ehe sehr gettau in Erwägung gezogen. Für die materielle Erhaltung der Familie wird Sorge getragen, der Mann hat einen Erwerb, die Iran lernt die häusliche Wirtschaft führen, die Eltern schicken sogar ihre Töchter in eine Kochschule, damit sie diese Kunst erlernen. Mit welcher Wichtigkeit werden nicht da die Kochrezepte behandelt! Aber niemanden fällt es ein, die jungen Leute zn befragen, wie sie sich für ihren Beruf als Erzieher ihrer Kinder vorbereitet haben. Wir glauben, daß diese Frage von keiner unlergeordneten I Bedeutung ist-, und daß sie zumindestens mit demselben Eifer behandelt zu werden verdient, tuic z. B. die Toilettenfrage ber Braut oder die Einrichtung der neuen Wohnung. Mit welchem Ernst werden nicht da die Schneider, Tapezierer und Dekorateure konsultiert, aber tote, man sein Kind erziehen wird und soll, darüber wird auch kein Wort verloren. Sobald sich die Kleinen einstellen, werden sie eben erzogen. Einer langen Vorbereitung bedarf es da nicht, höchstens daß eine sehr erfahrene Hebeamme und ein tüchtiger Arzt rechtzeitig zugezogen werden. Für die Erstlingswäsche sorgen ja bekanntlich die guten Großmütter. Aber Wie ein Kind geleitet werden soll, damit es dereinst ein ganzer Mensch und ein nützliches Glied der Gemeinschaft wird, darüber I * ) Aus dem Vorwort des bei Otto Tobies, Hannover er- I schiene neu Buches „lieber Erziehung, Leitsätze für Eltern und I Lehrer, ausgewählt und herausgegeben von Dr. Julius Reiner." « denken nur die Allerwenigsten rechtzeitig nach. Man verläßt sich größtenteils aus seine eigenen Erfahrungen, die man als Kind gemacht hat. Man erzieht seine Kinder nach demselben Rezept, tote man selbst erzogen wurde. JU diesem System liegt eben das liebel. Die Eltern begehen daun an ihren Kindern dieselben Fehler, die einst an ihnen begangen wurden. Das Nebel pflanzt sich auf diese Weise im verstärkten Maße, von Generation zu Generation fort. Eine genaue Kenntnis der grundlegenden Erziehungsfragen müßte zur Voraussetzung einer jeden Eheschließung gemacht werden. Wie viel Sorgen würden die Eltern sich und den Kindern ersparen, wie viel Zank und Streit würde ans dem Eheleben verbannt werden, wenn man über die Erziehung der Kinder besser unterrichtet wäre, als es in den meisten Fällen noch immer zn sein pflegt. Es gehört ja nicht zu den Seltenheiten, daß die Eltern in ihrem Erztehungssystem sich gegenseitig bekämpfen, daß der Vater erlaubt, was die Mutter verbietet, und worüber der eine eilt nachsichtiges Auge hat, der andere in Zorn und Zank gerät. Nicht nur die Eltern, auch die Kinder leiden unter einem solchen Erziehungssystem. Die Erziehung ist eine Kunst, sie will und muß gelernt werden. Keinem Vater und keiner Mutter, keinem Lehrer und keinem Erzieher dürfen die Erziehimgsprobleme fremd bleiben. Hausmusik. — A n t o n Rn bin st ein nimmt in Nr. 13 und 14 der Neue n Musik-Zeitung das Wort. Tagebuchblätter sind's, von einer Schülerin liebevoll ausgezeichnet und bewahrt, die uns den großen Klaviermeister in greifbarer Gestalt vor Angen bringen. Nicht nur für die Persönlichkeit Rubiusteius und für seine Art, Unterricht zu geben, sind die Aenßerungen interessant und wichtig, auch seine Ansichten über die großen deutschen Komponisten enthalten ungemein Fesselndes und Belehrendes. Einzig ist es z. B.» iuie Rubinstein sich über Schubert ausspricht. Beethoven nimmt natürlich auch bei ihm den ersten Platz ein. Aus dem übrigen reichhaltigen und gediegenen Inhalte heben wir hervor: Anastasius Grün und die Musik, Richard Batkas Monatsplauderer, die Fortsetzung der so gemeinverständlich ge- ichriebenen Tonsatzlehre und die biographischen Skizzen von Künstlern und Künstlerimteu mit Porträts. Neben Berichten über Ur- aufführungett und einer Menge feuilletonistischer und aktueller Beiträge sei noch ein sehr beachtenswerter Aussatz des bekannten Musikschriftstellers Paul Marsop erwähnt, der gegen das Agentenwesen die Gründung einer „Genossenschaft ausübender deutscher Musiker" empfiehlt. Marsop hat sich bekanntlich in neuerer Zeit um die Förderung der sozialen Musikerfrage sehr verdient gemacht. In der Musikbeilage finden wir ein Lied im Volkston, den zweiten Satz einer Violinsonate von Tartini, die Klavierbearbeitung eines Menuetts von Gluck und ein Lied des früheren Kantors an der Dresdener Kreuzkirche, Oskar Wermann Für all das, was die in so gediegen populärer Weise geleitete Neue Musik-Zeitung in Wort, Ton und Bild bietet, ist der Preis von 1.50 Mark fürs Vierteljahr (6 Nummern) in der Tat sehr gering zu nennen. Probenummern versendet kostenlos der Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart. * Herr Meanly: „Wie ich sehe, trügt inan die Kleider in diesem Jahre länger." — Frau Meanly (entrüstet): „Nun, wer sie noch länger als ich trägt,. muß sie sich schon aus Eisenblech machen lassen!" * Iohnnie: „Was sieht da aus der Warnungstafel, Mutter?" — Mutter: „Hunden ist der Zutritt verboten." — I o h n n i e: „Aber die Hunde können doch nicht lesen. Wie können sie es beim da wissen?" _____________ Silbenrätsel. Nachdruck verboten. au, cf, der, du, dy, ec, 11, kn, ka, Io, nach, ni, o, ta, tns. Aus vorstehenden Silben, und Buchstaben sollen fünf Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten »ach oben gelesen, den Namen eines außereuropäischen Hasenplatzes ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter der Reihe nach Folgendes: 1. Ausländischen Ziervogel. 2. Figur aus Sch ller's „Wallenstein". 3. Stadt in der Rheinprovinz. 4. Slavischen Dichter. 5. Römischen Geschichtsschreiber. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer: NELKE E S A U LAR K U E Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlaa der Brülil'ichen Univerkitäts-Biick- und Stelndruckerei. R. Vanne. Gießen.