1906 — M. 21 | 'MSiiWßÄ MWWA.ZfI B MMM ?wSWi\ ®JWj =Mm* r K-'| [fU.^vTRl •■1 iHlzjz > W Jem Waörett, Edlen, Schönen. Ein Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Tie immer ins volle wirtschaftende Macenatennatur Hammers verleugnete sich leinen Augenblick. Tie Pläne lagen da; aber auch an den Einzelheiten sollten nur künstlerische Hände mitwirken. Tie Statuen für den Wandelgang wurden bei sieben der ersten Bildhauer bestellt. Tie Mosaiken nach Zeichnungen Hammers wurden nach Venedig tn Auftrag gegeben. Tie Glasmalereien im Hauptsaal des Restaurants sollten durchaus erlesene Kunstwerke "sein. Für das Plafondbild wurde ein vielgenannter Wiener Meister gewonnen; für die Gemälde im Foyer, die Temp-rlspiele in Ephesus oarstellend, eine Münchener Berühmtheit. Aber alles das waren gewissermaßen nur Kleinigkeiten. Hammer hatte es sich in den Kopf gesetzt, in diesem Bau, an dem eine ganze Seele hing, etwas Vollendetes zu geben. Und )a war ihm nichts recht. Zwei Säulen des Portikus waren ertig gestellt worden; plötzlich gefiel Hammer die Farbe und die Aederung des Marmors nicht: die Säulen wurden zurückgestellt, und man verschrieb neues Gestein. Noch kostspieliger waren seine plötzlichen Eingebungen. Berndal sollte die Stoffe für Parkett- und Logensitze liefern. Wer Hammer fand alles ihm Borgelegte schauderhaft. Ta zeigte ihm Berndal den Rest eines eigentümlich gebleichten malvenfarbenen Velours. Ten fand Hammer entzückend. Doch es war nur ein Rest. Der Stoff stanunte aus einer Fabrik in -Oesterreich. Hammer reifte mir Berndal dorthin. Ter Bleichton war schwer zu erreichen und erforderte teure Versuche. Aber Hammer wollte gerade diesen Ton, nicht eine Nuance anders, und der Fabrikant versprach, sein möglichstes zu tun. Auf dem Rückwege besuchte Hammer in Wien ein paar Ateliers. Er fand da ein Erzbild, ein riesiges Medaillon mit Apoll und den Musen in Hochrelief, das ihn begeisterte. Er kaufte es für einen ungeheuren Preis unter der Bedingung, daß die Form vernichtet werden müsse. Es sollte den Wandelgang abschließen. Hammer hatte nie zu rechnen verstanden; er konnte es jetzt weniger denn je. Und wahrhaftig: er brauchte es auch nicht. Neue Gelder flössen ihm zu. Imhoff lief mit dem Klingelbeutel herum, und die Taschen öffneten sich. Tie Popularität Hammers war sichtlich im Steigen. Man glaubte an ihn unb sein Genie. Waldemar Henkel zog sich neidisch in die Einsamkeit zurück; er grollte dem Publikum, daß es diesen Faiseur bevorzugte; selbst der Hof wurde auf ihn aufmerksam: der Kaiser hatte Hammer gelegentlich zur Audienz befohlen. Hammer selbst lebte wie in beständigem Fieber. Sein Ruhegefühl war dahin. Er schlief nicht mehr wie sonst bis weit in den Vormittag hinein. Er war früh auf, schnauzte Genoveva an, wenn das Frühstück nicht rechtzeitig aus dem Tische stand, und fuhr dann aut den Bauplatz, Hier herrschte ein gewaltiges Leben. Der Winter war milde gewesen; man hatte fast durcharbeiten können. Aber alles ging Hammer zu langsam. Mehrfach war die Arbeiterzahl erhöht worden. Es wimmelte von Menschen auf dem großen Terrain. Die Mauern stiegen auf. Schon ließ sich die Gliederung der Fassade erkennen, die man mit pente- lischem Marmor belegte. Ein wirres Liniennetz von Eisen und Holz umkreuzte die Frontseite, und in ihm glitten Hunderte von Arbeitern auf und nieder. Tie Krahne und .Hebewerke ächzten; aus dem Jnnenhofe erscholl das Schnaufen einer großen Dampfmaschine; metallenes Wimmern klang durch die Luft und der gleichmäßige Stoß der Rammaschinen. Hier wälzte man ungeheure, viereckig behauene Granitblöcke heran; drüben meißelten die Steinmetze an einem Säulenknauf; die aufwärts gereckten Arme einer Karyatide lugten aus einer Hülle von Stroh und Leinwand hervor. Drähte glühten in offenen Kohlenpsaunen, Zyklopen schwangen mächtige Hämmer, Ziegelgestein wanderte von Hand zu Hand, eisern- Barren schwebten an festen Ketten empor. Kalkftaub trieb umher, und über den Körben mit glühenden Kohlen flimmerte die Luft. Mitten in dem Getriebe sah man immer den Baumeister, stets in blankem Zylinder, in fest anschließendem Paletot und grauen Handschuhen. In dieser Zeit der Rastlosigkeit waren die Nerven Hammers wie Spinniveben. Ties vibrierende Nervensystem stimmte alle Sinne feiner und reizbarer. Tie Leidenschaft zum Weibe wachte plötzlich in Hammer auf. Er war wütend über die Standhaftigkeit der kleinen Nina. Er wollte sich nicht lächerlich machen. Kam er auf das Bureau und fragte wie gelegentlich nach Nina, so hieß es, sie sei im Musikunterricht. Tie verwünschte Gesangsstunde machte die Kleine unsichtbar; man wurde ihrer nicht habhaft. Hammer kam auf alle möglichen Einfälle. Er schickte ihr Blumen, brachte ihr Geschenke von seinen Reisen mit,erwies ihr Aufmerksamkeiten, die nicht mißzuverstehen waren und die eine Dame von Welt hätte zurückweisen müssen. Wer die kleine Nina hatte keine gesellschaftlichen Skrupel; sie nahm alles an, freute sich darüber und schrieb jedesmal mit zierlicher Handschrift auf neu gekauftem, feinem Briefpapier eilten; hübschen Tankbrief an Hammer. Einmal, an einem Märzabend, ging Hammer in ziemlich später Stunde vom Bau nach Hause. Es war ihm angenehm, daß er keinen Wagen bestellt hatte. Es war wundervolle Luft, und es machte, ihm Spaß, die belebte Lindenpromenade hinabzuschlendern. Mancherlei Bekannte begegneten ihm und grüßten. Er grüßte zurück, ohne jemanden aufzuhalten. Aber als er den Prinzen Arenstein traf, blieb er unwillkürlich stehen und reichte ihm die Hand. Er hatte diesen liebenswürdigen Gentleman aufrichtig gern. Arenstein war auch nur auf der Bummeltour. „Wir haben heute über die Gebühr lange getagt," sagte er, „im Herrenhause, mein Lieber. Allerhand Dinge, über die man „Ah ja — die Nina Imhoff! „Ja, die. Ich plauderte ein bissel mit ihr, und Priestap falzte die Sache ernsthaft auf. Er war wild hinter dem Mädelchen her. Ist nichts aus der Amourschast ge- ivorden? , . .* Hammers Gesicht wurde unwillkürlich finster. „Ich ahne nicht, Durchlaucht", erividerte er kurz, „ich habe das Mädchen auch seit Monaten nicht gesehen. Uebrigens soll Priestap wieder zuruck sein." „Der Mensch interessiert mich", sagte der Prinz lebhaft; „ich habe niir seine Geschichte erzählen lassen: stofflich ein Roman und doch auch ein psychologisches Drama. Die Millionen seiner Mutter sind sein Unglück. Dazu kommt die schlechte Erziehung durch seine Stiefeltern. Es wäre vernünftiger geivesen, der alte Priestap hätte den Jungen ein paar Jahre lang zwischen seinen Margarinefässern arbeiten lassen, statt ihn zum Staatsbuuiinler heranzuziehen." „Und doch steckt viel Gutes in ihm", warf der Baumeister ein. „Es geht mir wie Ihnen, Durchlaucht. Ich habe viel Sympathien für Priestap — ganz abgesehen davon, daß im letzten Grunde er mir meinen Theaterbau ermöglicht hat. Er ist mehr Idealist als Lebenskünstler. Ich meine sogar, er steht dem Leben in völliger Naivität gegenüber. Er ist in vielen Dingen noch ein absolutes Kind." „Es ist schade um ihn. Ich halte ihn auch für nicht unbegabt; jedenfalls könnte er mehr sein als ein höchst unnützes Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Sie sollten sich seiner annehmen, Hammer. Es ist noch etwas aus ihm zu machen. Was für eine jämmerliche Rolle spielt er jetzt! Auf der Rennbahn lacht man über ihn und seine erheuchelte Sportpassion; in den Klubs spöttelt man über seinen merkwürdigen Adel; seit es durchgesickert ist, daß die Perettt seine Mutter, verkehren überhaupt nur noch wenige mit ihm." „Ich glaube, das war auch die Ursache für ihn, für einige Zeit auf Reisen zu gehen", sagte Hammer. „Im übrigen finde ich cs unrecht, daß man ihm der Perettt wegen den Rücken wendet." „Aber selbstverständlich, Baumeister! Und weil auch ich das als Unrecht empfinde, nehme ich ihn in Schutz, wo ich nur kann. Tie Rosalba so t viel besser gewesen sein, als man ihr nacherzählt; aber wäre sie selbst eine Dirne gewesen — was hätte der arme Bursche dafür gekonnt! . . , Es macht mir Spaß, zuweilen gegen die Mteingesessenheit der gesellschaftlichen Anschauung Front zu machen." „Sie können das wirksamer als unsereiner, Durchlaucht. Aus dem Munde eines Hohen Aristokraten klingt eine frei- geistige Kundgebung überzeugender als aus dem eines Bürgerlichen —" „Kann auch wie Koketterie klingen, Baumeister. Uebrigens will ich mich nicht loben. Ich- stecke noch tief in traditioneller Besangenheit. Nur heucheln kann ich nicht. Ich kann nicht ja und Amen jagen, wenn alles in mir nein schreit. Aber ich gestehe: es platzt mir zuweilen eine Wahrheit heraus, die besser oder wenigstens praktischer unausgesprochen geblieben wäre. Man soll nicht alles sagen, was inan denkt. Auch dem gewöhnlichen Sterblichen tut diplomatische Ueberlcgung gut. Man braucht dabei nicht gleich seinen Charakter in die Brüche gehen zu lassen." „Charakter", seufzte Hammer. „Ich glaube, ich hab« gar keinen!" Arenstein lachte. „Seien Sie nicht allzu betrübt darüber; er kann auch zur Last werden. Wer keinen Charakter besitzt, ist kein Mensch, sondern eine Sache, sagt Chamfort. Aber er sagt Unsinn. Künstlernaturen fehlt fast immer die Charakterstrenge. Charakter haben, heißt Konsequenz besitzen. Tie mangelt den meisten Künstlern, weil in ihnen die Phantasie überwiegt, die sich lute ein unwirkliches Gewölk zwischen ihr Tun und oie tatsächliche Ordnung der Dinge schiebt. Nehmen Sie s nicht übel, daß ich das sage. Ich wollte, ich wäre an Ihrer Stelle. Ter Charakter ist angeboren; jedenfalls ruht er auf der Persönlichkeit, nicht aus der Begabung. Und er kann zuweilen recht unbequem sein. Hätte mir Gott ein leichtsinniges Künstterherz geschenkt, dann . . (Fortsetzung folgt.) sich nicht aufznregen braucht. Aber man kriegt doch Sehnsucht nach frischer Luft. Und dann liebe ich dies gedankenlose Ua,herschweifen zwischen fröhlich aiissehenden Leuten. Ist Ionen noch nicht ausgefallen, daß die Menschheit in den Abendstunden immer vergnügter aussieht, als am Tage?" „Gewiß," antwortete Hammer lachend, „der Tag gehört der Arbeit, und wer sollte nicht froh sein, wenn sie vorüber ist. Tie Arbeit gibt deui Gesicht Ernst, die Nasi Heiterkeit. Aber in Ihren Zügen find' ich sie nicht, Durchlaucht, Sie sind blaß >ino sehen abgespannt aus. Waren Sie krank?" „Doch nicht", entgegnete der Prinz. „Wenigstens nicht körperlich. Aber die gesunde Brust ist ja nicht allein Herrscherin über uns; mehr das, was drinnen schlägt." „Herzweh, Durchlaucht?" „Sagte ich ja, es war' nicht das richtige; sagte ich nein, auch nicht. Vielleicht ist Stimmungswechsel das Bezeichnendste. Es geht einem so manches verquer im Leben." „Ach, Durchlaucht, wem sagen Sie das! Drüben steigen die Mauern meines neuen Baues auf. Meine heißeste Sehnsucht wird dadurch zur Erfüllung gebracht, ein Traum langer Jahre. Man sollte meinen, das mich das glücklich macht. Aber es schürt meine innere Unzufriedenheit nur noch mehr. Ich könnte alles, was da steht, wieder herunter- reißeu und neu aufbauen lassen. Nicht einmal: zehnmal hintereinander — bis das Ganze so ist, wie ich es will und wünsche." „Vielleicht würden Sie niemals völlig zufrieden fein, Baumeister", entgegnete Arenstein. „Tas ist der Fluch des Künstlertums; der Genius strebt weiter und gibt sich nie genug. Warum heiraten Sie nicht? Tie Frage klingt ungeheuer banal. Aber sie ist ganz ernsthaft gestellt. Tie Ehe fettet Sie nicht und würde Ihren Höhenflug nicht hemmen. Sie würde nur einen ruhenden Pol für Sie bilden, ein Gegengeivicht zu Ihrer Rastlosigkeit." Hammer lächelte. „Ten Heiratsvorschlag habe ich auch kürzlich einem jungen Freunde gemacht, der in der Gefahr schwebt, im Großstadtsumpfe zu versinken. Tie Naturen sind verschieden, Turchlaucbt. Ich habe mir immer eingebildet, außerordentlich kühl dem Weiblichen gegenüber zu fein und bleiben zu können. Ich stehe am'Ausgang der Dreißig und wüßte wirklich nicht, daß mich einmal eine zärtliche Neigung heimgejucht hätte. Aber das kann plötzlich kommen —" „Gewiß", fiel der Prinz ein; „seien Sie vorsichtig, Baumeister. Gerade in anscheinend kühlen Naturen lodert die Leidenschaft zuweilen rasch auf." „Aber mit einer Leidenschaft heiratet man nicht, Durchlaucht." „Auch richtig; mag es wenigstens fein. Es ist wohl besser, man tritt gut temperiert in die Ehe, als mit flammendem Herzen. Tie Flammen verlöschen leicht." „Durchlaucht, Sie sind jo gütig int Raterteilen. Warum raten Sie sich nicht selber? Wollen Sie Zölibatär bleiben?" Der Pernz nickte. „Vielleicht kommt es so", sagte er. „Eigentlich dürfte es nicht. Der Walsnnger Besitz fleht auf meinen beiden Angen. Sterbe ich ohne Erben, so geht die Herrschaft an die belgischen Vettern über, die auch schon den Fürstentitel geschnappt haben." „Na, sehen Sie", lächle Hammer; „da wäre es also mir vernünftig und zweckdienlich, wenn Sie schleunigst in die Ehe steigen wollten." „Das wäre es schon, lieber Baumeister. Aber dazu gehören immer zwei. Die ich kriegen kann, ungefähr drei Dutzend, die in Frage kommen würden, die will ich nicht; und die ich haben möchte, kriege ich nicht . . . Sagen Sie, Baumeister, was macht eigentlich der kleine Priestap? Den hab' ich ewig lange nicht gesehen, auch nicht bei den letzten Rennen. Steckt er nicht mehr in Berlin?" „Er war in Paris und an der Riviera, soviel ich weiß." „Mit seinem Liebchen oder seist!?" „Welches Liebchen, Durchlaucht? Ich kenne mich in seinem weiblichen Anhang nicht aus." „Er hat mir einmal sein Herz ausgefchüitet. Wissen Sie, am Tage der Grundsteinlegung, da ivar auch eine niedliche Soubrette mit bei Dressel, das Töchterchen Ihres Aller- welts-FaktotumS —" 82 — 83 Speziesse Kygiene der OelstesarSelt (tum Beamten, Lehrer«, Schriftstellern, Kaufleuten). Bon Dr. Otto Gotthilf. (Nachdruck verboten.) Den Menschen macht vergnügt und froh Unendlich selten das Bureau, Es ist vielmehr fast allemal Genau das Gegenteil der Fall. (Edm. von Hacken.) Bon Jahr zu Jahr mehren sich Bücher und Statistiken über Gewerbehygiene, über die Berufskrankheiten der Industrie- und Eelverbearbeiter. Staat, Gemeinden und Großindustrielle wetteifern, bei diesen Arbeiten die aus ihrer Tätigkeit entstehenden Eesundheitschädigungen zu beseitigen oder ihnen vorzubeugen. Wahrlich ein edles Streben! Wer leider hat man bisher noch gänzlich die ebenso wichtige Aufgabe versäumt, die Berussi- krankheiten der Geistesarbeiter (im weitesten Sinne des Wortes) zu verringern oder zu verhüten. Und doch mehrt sich die Zahl gerade dieser Berufsklasse zusehend. Das Heer der Beamten ist bedeutend gewachsen; die zunehmende Bevölkerung braucht immer mehr Lehrer; der größere Bildungstrieb vergrößert die Zahl der Schriftsteller auf jedem Wissensgebiet; Handel und Gewerbe fesseln Millionen Angestellter an die enge Burcaustube. Sie alle leiden mehr oder weniger an Eigentümlichkeiten und Sci-ädlichkeiten ihres Berufes, der, gerade weil er so einseitig, andauernd, ohne Abwechslung mit andersartiger Beschäftigung betrieben wird, allmählich nicht nur dem Gang, der Haltung und Physiognomie seinen Stempel ausdrückt, sondern auch auf Gesundheit, Konstitution, Lebensdauer, bestimmend einwirkt. Krank- heits- und Todesstatistiken beweisen das. — Während das Uebermaß körperlicher Arbeit sich alsbald durch Ermüdung, schnellen Herzschlag, heftige Respiration und Schweißausbruch warnend bemerkbar macht, ist das Maß geistiger Arbeit schwer zu begrenzen, da sie zeitweilig einer fast unermeßlichen Steigerung fähig ist, ohne augenblickliche Uebernrüdung hcrvor- zurufcn. Darin liegt eine sehr große Gefahr; denn auch sie zehrt nm Körperstoff, besonders an der Nervenkrast. „Wer aber mehr von seinen Nervenkräften ausgibt, als er einnimmt, der ist aus der schiefen Ebene angelangt, die zur Erschöpfung führt, und wird gesundheitlich bankerott, auch wenn er ein Millionär wäre", sagt sehr treffend Dr. Paul Marö in dem unlängst (bei Krüger u. Cie. in Leipzig) erschienenen Büchlein: „Hygiene des Geistes". Daher bei vielen eifrigen Geistesarbeitern die spätere gänzliche Erschlaffung und Ermattung, welche allmählich zu nervöser Reizbarkeit führt und das traurige Krankheitsbild der Neurasthenie entstehen läßt. Beethoven hat dies an sich selbst erfahren, und iagt darüber: „Meine Organisation ist so nervös, daß mich eine Kleinigkeit aus dem glücklichsten Zustande in den unglücklichsten versetzt." Meist noch schneller und merkbarer stellen sich bei den Bureaumenichen Unterleibsbeschwerden ein. Die beim langen Sitzen zusammengepreßten Organe und Adern (Pfortadern) daselbst führen in der Regel zu Verdauungsstörungen und Blutstockungen, bereit weitere Folge ein ganzes Heer von Krankheiten ist. Zunächst tritt das Gesühl von Völle, Schwere, Druck im Magen und Darm aus; es entsteht Ausstößen und Gasbildung, später Stuhlver- stopjung. Die Blutstauungen im ganzen Psortadersystem bewirken Hämorrhoiden, Stauungen in Leber, Niere, Galle, was oft schwere Organerkrankungen hervorruft. Werden diese mannigfachen Unter» leibsstürungcn des Stubenkitzers nicht durch hygienische Maßregeln beseitigt, so wird die ganze Persönlichkeit derartig davon beeinflußt, daß allmählich das Charakterbild des sich selbst uno den Seinen zu Leide lebenden bureaukratischen Hypochonders entsteht. Frühzeitig muß man daher diesen Unterleibsstockungen aller Art vorbeugen. Dies geschieht durch Selbstmassage und Gymnastik. Morgens im Bett massiert und knetet man mit den Händen den Unterleib und seinen Inhalt. Das wirkt höchst vvrteilhast auf Fortbewegung des Speisebreies, peristaltische Bewegungen des Darmes. Blutverteilung und Blutmischung. Dazu kommt nachher am offenen Fenster (schlimmsten Falles auf dem Wege zum Bureau) energische Atmungsgymnastik. Man gehe nicht zu schnell und atme langsam möglichst tief ein und aus; beim Ausatmen zieht man den Unterleib ein, beim Einatmen weitet man ihn aus. Die kräftig arbeitende Lunge wirkt dabei wie eine mächtige Säugpumpe, welche das Blut mit Gewalt durch die Adern treibt. Schnell stellt sich wohlige Wärme im ganzen Körper ein. Das langsam fließende Blut in den kalten Extremitäten, das stauende Venenblut in den Unterleibsorganen; alles wird mitgcrissen tn den rasch strömenden BlutkreiNauf. Nachmittags, oder abends vor dem Essen, wird dann energische Körpergymnastik vorgenom- men, bestehend hauptsächlich in: Rumpsbeugen vor- und rückwärts (10 bis 30 mal). Niederlassen in Kniebeuge (5 bis 25), Knie Strecken und Beugen nach vorn und hinten (je 5 bis 10 mal), Knie hoch heben (je 5 bis 20 mal), Rumpfkreisen (5 bis 20 mal). Das. ist für alle inneren Organe des Unterleibes und die erschlafften äußeren Bauchmuskeln von außerordentlich günstigem Einfluß. Hieraus möge man noch bei offenem Fenster einige Minuten recht tief atmen, damit die nötige Menge sauerstoffhaltiger Lust in' die Lungen einströmt und alle mit Köhlensäure verunreinigte Lust aus dem Körper entfernt wird. Denn bei sitzender Lebensweise atmet der Mensch nur ganz oberslächlich und unvollkommen. Und doch ist gerade die Lust (nicht Speise, oder Trank) das Erste und Letzte, bei Geburt und Lebensende, was der Mensch braucht; der Sauerstoff ist das Lebenselixier, der Sauerstoff bildet gleichsam die Dampfkraft, welche unsere Lebensmaschine treibt. Also: ost recht tief atmen! — Die meisten Geistesarbeiter essen und trinken mehr als ihnen gut ist. Zwar klagen sie vielfach über ihren schlechten Magen und dostcrn fortwährend daran herum, aber doch essen sie im allgemeinen viel schwer verdauliche Speisen. „Was dem Grobschmied bekommt, hält der Schneider nicht aus." Gerade bei sitzender, bewegungsloser Lebensweise darf man nur leichtverdauliche Kost genießen. Uebrigens ist es ganz gut, wenn der Magen nicht alles verträgt, sondern immer mal durch Schmerzen vor dem „Zuviel des Guten" warnt. Denn Vielesser und Vieltrinker verkürzen mutwillig ihr Leben; ihre Gefäße füllen sich zu reichlich mit Blut, die Zellen werden verstopft, die inneren Organe gedrückt; solche Personen werden schwerfällig, asthmatisch, die geringste Bewegung setzt sie außer Atem; sie sterben vor der Zeit o m Schlag-Stickfluß oder an Arterienverkalkung. Man esse nahrhaft, jedoch wenig: gute Suppen, leicht verdauliche Gemüse und Fleisch, Eier und Eierspeisen. Aber Vorsicht mit Hülsenfrüchten, Sauerkraut, fettem Fleisch oder Wurst. Ihrem Magen tvidmen die Stubeufitzer bedeutend mehr Aufmerksamkeit als ihren Füßen. „Kopf kühl, Füße warm!" sollte als erste hygienische Regel in jedem Bureau augeschrieben stehen. Die meisten Zimmer find überheizt; die hitzestr,.hienden Lampen befinden sich zu dicht an oder über den Köpfen; der Fußboden, ohne Decken, ist oft sehr kalt; daher: heißer Kopf und kalte Füße. Zur Abhilfe versehe man die Füße zunächst mit künstlichen Wärmequellen, als da sind: Filzschuhe, Einlegesohlen, stets trockene (oft gewechselte) Strümpfe, Wärmest scheu. Dann sorge man für ständiges Durchwärmen mit der inneren Hauptheizleitung: dem Blutkreislauf. Durch häufige Bewegung muß die Zirkulation beförbert, das Blut in den Füßen rasch erneuert werden. 200 bis 300 mal „marsch, marsch, auf der Stelle" in einem abgelegenen Orte kann Jeder zur sofortigen Erivärmung der Füße vornehmen. Beim längeren Sitzen darf man die Füße nicht übereinander schlagen, denn in den geknickten und gedrückten Knieen wird der Blutumlaus sehr erschwert. Gehen, Bergsteigen, Radfahren, Schlittschuhlaufen, Tanzen sind Haupthilfsmittel zur Erzeugung warmer Füße. Für die Erwärmung des ganzen Körpers ist besonders geeignet Frottieren der Haut, verbunden mit einem Luftbade. Am besten nimmt man dies im Freien, wo das nicht möglich ist, im Zimmer bei offenem Fenster. Dreimal wöchentlich ein Luftbad, mit tüchtigem Reiben der Haut am Anfang und Schluß, H oder Keulenübungen während der ganzen Dauer gewöhnt ixn Körper an selbsttätige Wärrneregnlierung und bildet daher das zuverlässigste Verfahren zur maßvollen. Abhärtung. Selbst frostige, blutarme, schtvächliche Personen können sich unbeschadet dies Na- turheilmittel zu nutze machen. Denn im Luftüade verliert der Körper weit weniger Wärme, als im Wasserbade, weil Lust die Wärme etwa 25 mal schlechter leitet als das Wasser. Für den Bureauarbeiter bildet die Lust einen nertienanregenben Reiz, der von der Hautobersläche aus sowohl öttlich als auch in die Tiefe auf den ganzen Körper einwirkt und dadurch beiträgt zur Erhöhung der Lebensbetatigung, zur Ausscheidung der schädlichen Kohlensäure und der giftigen Stoffwechsclprodukte. Die Haut wird durch die häufige direkte Berührung mit der Luft v w- traut mit derselben und geübt im Gebrauch ihrer Schul gegen Abkühlung, nämlich der Eng- und Weitstellnng ihres G , apparates. Bei frostigem windigem Wetter wirkt auch ein längerer Spaziergang im beschleunigten Tempo wie ein Luftbad; die an- dringende Luft von kalter Temperatur regt die Nerven an und bewirkt ein wohliges Wärmegefühl. Das erfrischt Geist und Gemüt, stählt Herz und Sinn. Ueberhaupt trägt Körperbewegung am sichersten dazu bei, die Nachteile des Bureaulebens hintan- zuhalten, Gesundheitsschädiguugen vorzubeugen und, wenn solche erfolgt, sie auszugleichen. „Wer hätte nicht an sich selbst nach ausgiebiger Körperbewegung das Gefühl von Wohlbehagen erfahren, die Schaffenslust, die Schaffenskraft, den leichten Fluß der Gedanken, die geistige Frische, Erquickung und Erstarkung?" schreibt Dr. Mars in dem oben erwähnten Buche „Hygiene des Geistes". Wer Zeit und Geld hat, möge im Sommer auch für einige Wochen einen Ortswechsel vornehmen, in eine Sommerfrische gehen. Das ist namentlich den Nervösen sehr anzuraten. „Die Umgebung, welche dich krank gemacht, kann dich nicht wieder gesund machen", sagt schon Hippokrates. Gerade für viele Burean- arbeiter ist es von großem Vorteil, immer mal herauszukommen aus der einförmigen, schablonenmäßigen Beschäftigung, in anderer Umgebung und unter anderen Menschen neue Eindrücke zu bekommen zur Erfrischung des Geistes. t „ Wohl bieten auch Vergnügungen, sowie städtische und staatliche politische Betätigung reichliche Abwechslung im ewigen Berufseinerlei. Aber das sind gefährliche Spielzeuge. Wer sich ihnen widmet, wird ost ganz in ihren Bann gezogen, opfert Erholung, 84 Schlaf und Gesundheit. Häufige Vergnügungen bis tu die Nacht hinein morden den glicderstärkcnden Schlaf, zumal wenn man morgens wieder pünktlich bei der Arbeit sein muß. Auch Politik zehrt an der Gesundheit. Dr. Auerbach machte in der „Berliner Klinik" darauf aufmerksam, daß nach ärztlicher Beobachtung Kaufleute in der Regel erst dann anfingen, über nervöse Beschwerden zit klagen, als sie sich neben ihrer Berufsarbeit allzusehr der Politik znwandten, an Versammlungen itnd Diskussionen teilnahmen, zuweilen auch J-lugschriftcn verfaßten nsw. Diese oft mit Verkürzung des Schlafes, vermehrtem Alkohvlgenuß, Aerger und Aufregungen verbundene Tätigkeit nehme in hohem, Maße die Nervenkräfte in Anspruch. Also widme man sich nicht zu sehr der £ olle ein s vermeintlichen Volksbeglückers. Ruhe i.nv Schlaf bedarf der geistige Arbeiter noch mehr als der körperliche. Auch muß der Schlaf tief und fest sein; nur dann schafft er vollständigen Kräfteersatz, so daß man am nächsten Morgen erwacht mit Wohlbehagen und neuem Kraftvorrat für die Arbeit des TageS. Auch nächtliches Schaffen ist gesundheitsschädlich. Einen besonderen Uebelstand bildet dabei das leicht zu stände kommende Fortarbeiten von Tranmgedankcn an den in später Stunde fertig gestellten Aufgaben. Diese halb- bewußte.Traumarbeit ist sehr angreifend, wie Jeder am Morgen nach einer derart verbrachten Nacht fühlt. Richtige Abwechslung und Abmessung von Schlafen, nnd Wachen, von Erholung und Arbeit, Körperruhe und Körperbewegung: darin besteht im allgemeinen die eigentliche Gesundheitspflege. Weil aber die Berufe mit sitzender Lebensweise noch ganz speziellen Schädigungen ausgesetzt sind, so müssen ihre Inhaber, wie Beamte, Lehrer, Schriftsteller, Buchhalter, noch die besonderen, in dieser Abhandlung geschilderten Maßnahmen ergreifen. Dann werden sie ihren Körper und Geist lange arbeitskräftig erhalten, werden verschont bleiben von vielen Leiden und Krankheiten, werden sich bewahren vor frühzeitiger Altersschwäche und endlichem Siechtum. Wenn ein solcher Preis zu erringen ist. wer wollte da nicht gern dem hygienischen Schlendrian entsagen und auch einige liebgewordene, aber schädliche Gewohnheiten auf dem Mare der Göttin Hygiea opfern?! Heimats- und Volkskunde. ** Ein B im s st ein regen in der Urzeit. Arif der ganzen Strecke von der Eifel guer über den Westerwald hinüber bis zum^hohen Vogelsberg findet man in der Erde an geschützten Stellen Sande, die in ihrer Zujammensctzung ganz dem Bimsstein gleichen und zweifellos vulkanischen Ursprungs sind. Schon Dechen hatte darauf hingcwicjen, batz sie einem Ausbruch in der Nähe des Laacher Sees entstammen müßten; in neuerer Zeit suchte Augolbis die Ausbruchsstelle auf dem Westerwald. Nun hat ein tüchtiger Geologe, Oberförster Behlen in Haiger, gestützt auf eigene Forschungen, die Frage noch einmal ges-rüft nnd überzeugend nnchgewiesen, daß die sämtlichen Bims^-Sande einem Ausbruch des „Krufter Ofens" entstammen, eines alten Kraters zwischen Laacher See und Rhein. Die cmporqeworfeuen Bimsstein- ncassen wurden von einem orkanartigen Weststurm nach Osten geführt und fielen teils hinter den Bergen nieder, wo der Wind scme Gewalt verlor, teils aber auch da, wo der Sturm die Aschenwolken gegen steile Bergwände trieb. Auf dem Westerwald relen große Massen in niedriges Nadelholz, bedeckten und ver- ohlten dasselbe vollständig; die verkühlten Bäumchen lassen rch in den Sandlagern noch deutlich erkennen. Es ist Behlen auch gelungen, die Zeit sicher zu bestimmen, in welcher dieser gewaltige Ausbruch erfolgte. Unter dem Bimssteinsand und auf dem sogenannten Löß-Lehm liegen namentlich hier und da Knochenreste, und es sind Ueberrcste von Tieren, tvelche heute den hohen Norden bewohnen, R.n.i.r, Halsbandlemming, Schnee- huhn. Das beweist unwiderleglich, daß der Ausbruch auf dem Höhepunkt der Eiszeit erfolgte, wo diese nordischen Tiere auf uusern Mittelgebirgen lebten. Daß um diese Zeit schon der Mensch m Deutschland lebte, es wenigstens von Süden her auf Jagdzügen be, uni teerst durch die Funde am Schwcizerbilb und anderen Stellen m der süMeiz außer Zweifel gestellt. Es kamt also der Mensch recht wohl Zeuge der vulkanischen Ausbrüche am Laacher See gewesen sem. Behlen schätzt die seitdem verflossene Zeit auf etwa 8000 Jahre. Dr. K o bell. Annft LVisserrfchafL. , T ^>.,ivier und die Kunst. Bis vor kürzer Zeit haben unsere Künstler den Farben und den Formen des Winters kaum Beachtung geschenkt. Durch den um sich greifenden Winter- y??rLul den Bergländern ist nunmehr auch das Verhältnis der Künstler zu den Herrlichkeiten des Winters ein anderes und zum ersti. schon recht enges geworden. Wir haben auf den letzt- zahrrgen großen Kunstausstellungen manches Gemälde entdeckt, eindrucksvollen, gewaltigen Begriff von der nnbe- SEbuchen Pracht der Natur im Winterkleide gibt. Auch unsere Kumlphotographen haben sich, manchmal mit großem Erfolge, an die Losung der neuen, durch den Winter gestellten Aufgaben heran- was auf diesem Gebiete geleistet ist, ist seit Zähren durcy die vorbtldlich illustrierte Deutsche Akpenzeituitg fortlaufend eitlem sehr großen Leserkreise gezeigt wordett. Die vier letzten uns vorliegenden Hefte dieses Blattes reden mit ihren ausgezeichneten Text- und Bilderbeiträgen wiederum eine io eindringliche Sprache für den Winter und die Winterfreuden, daß sie füglich als die weitaus wirkungsvollste Propaganda auf diesem Gebiete bezeichnet werden müssen. Beispielsweise nennen wir: Winterbilder aus dem Riesengebirge von Dr F Kuhfahl, Dresden (Heft 18,15. Dez. 1905, und Heft 21, 1 Febr Rodelsport im Halltal von Alice Czelechowsky, Hall i Tb' (Heft 19, 1. Jan.); Ein neues Skigebiet in den bayerischen Bor- bergen von Dr E. P Meinecke, München (Heft 19, 1. Januar); Aus deut südlichen Schwarzwalde voit Henry Hoek, Freiburg i. B. (Heft 20, 15 Jan ); Eine Skitour nach dem Pas de Cheoille von Paul König (Heft 20, 15. Jan.); Eine Wintertour auf den Hochfelln tron Hansi Andry (Heft 21, 1. Febr.). Folgende Kunstblätter verdienen ebenfalls hervorgehoben zu werden: „Winter- nwrgen" von Dr. Kuhfahl (Heft 18); „Die Große Schneegrube (Riesengebirge) bet Abendbeleuchtung" (Heft 18), von Dr. Kuhsahl: «Bergwald ttn Winter" nach einem Gemälde voit Arthur Thiele, Hohenschäftlarn (Heft 19); „Sonnentag im Winter nach einem Cemalde von Eugene Stolitza, Ananieff, (Heft 19); „Wintev- tche Fohtinacht" von Jos. Kaiser (Heft 20); „Herzvgenhorn (Schwarzwald) von Norden" von Henry Hoek, l.Heft 20); Am Kleinen Teiche" und Der westliche Riesengebirgskamm" von ~e. Kuhfahl, (Heft 21). Auch die Beilage „Verkehr und Sport"' dolumenttert, baß die Deutsche Alpettzeitutiq sämtlichen Erscheinungen des Wintersports gerecht wird und damit auf dem Gebiete der Wintersports-Publizistik die führende Stellung bewahrt. Für reden Wtntersportler, ebenso wie für jeden Wintersrischler ist die Deutscye Alpenzeitung ein zuverlässiger Ratgeber und uneutbehr- ltcyer Freund. — Z tir E r r i ch t u n g e i n es D en km a lS i ti r H e i n rich v. Kletst in seiner Vaterstadt Frankfurt a. d. O. fordert ein Komitee namhafter detitfcher Männer auf. Im November 1911 w>rd ein Jahrhundert vergangen sein, seit der große Dichterpatrtot sich miS Berziveifltnig über die Schmach des Vatertandes und seine bittere Lebensnot am Wannsee den Tod gab. Bis dahin tvtrd hoffentlich der Nationalstnn der Deutschen es ermöglicht haben daß em würdiges Tcnlmat sich in der alten Oberstadt erhebt, in der auch em anderer Dichter desselben Namens, Ewald v. Kleist, sein Grab gestmden hat. Es ist ja nicht zu verwunderu, wenn sich vielfach heule in Deiitschland eine Tenkmalsmüdigkeit gellend tnacht, tvo selbst Größen zweiten tmd drillen Ranges oder Männer der Vorzeit, deren Erinnerung in unserer Zeit gänzlich verblaßt war, in ihren Valerstädlen ober Wirtnngvsläucn durch Teukmäler geehrt ivordeu sind. Aber in solcher Zeit muß es tim so mehr ausialleit, daß ein so kerndeutfcher, den, Vewußlfein der Gegenwart so nahestehender Dichter wie Heinrich v. Kleist, der größte nachklassische deutsche Dramatiker uud jedenfalls der nationalste von ihnen allen, noch nirgends iin deutschen Baterlande ein Denkmal besitzt, von dem weltverlorenen Stein auf seinem Grabhügel, der Stätte seines unglücklichen Todes, am Wannsee, abgeseben. Nun, der Stuf ist ergangen, möge er Widerhall finden in deutschen Herzen. Beiträge iverden erbeten an das Bankhaus L. Aiende, Frankfurt a. d. O. Kommt einmal die Stunde, wo der Teutjche sein Vaterland mit dein Schwcrle verteidigen muß, dann wird er sich in der Erinnerung an Heinrich v. Kleist zum heiligen Stampfe stärken und der sthn ungvoilen Verse gedenken, nut denen Gustav Schüler Kleist crnrust: Sprenge deiner Grabstatt Wände, Brich hervor, frei, ivild und kühn, Wie ein Adler durchs Gelände, Dein der Sonne Flanunenvrände Sieghaft aus den Augen sprüh'n! Stärk' tm§, wenn wir niedersinken. Mächtig mit der Hermannsschlacht, Laß die allen Schwerter blinken, Laß die allen Feuer winken Zuckend durch die schwerste Nacht! Steig' hernieder, Geist der Breite, Kleist, du Bruder, frei uud stark, Alter Braudenburger Leite, Deutschlands Eckart, starr in Treue, Großer Sohn der sandige« Mark, Logogrrph. Nachdruck verboten. Mit „3” bin ich aus Eisen oder Bein,., 9)iit „L" dürst' ich als Fluß bekannt sein. m. Auflösung in nächster Numnter. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummert' Ebeitopf — Hllersdort — 6al!» — Klisenglimmenfchiefei? «■ ^ahrtinA — Zimmct — 5d)heumon; Eugen Zintgrasf. eüa.uon. Ernst Heß, Rotationsdruck uud Verlag der Brühl'schen UntverstlätS-Bitch- und Stetndruckeret. N. Lanae, Gießen«