Mittwoch den 8. August Ar 115 1906 MM Der Stern. Roman von Ulrich Frank. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Auf Wiedersehen, Fräulein Brandt." Als sie gegangen waren, stand er einen Augenblick wie nachdenklich da, dann warf er den Kopf mit einer hochmütigen Gebärde zurück. „So?!" Wieder sah er vor sich hin und zog, einer plötzlichen Eingebung folgend, sein Notizbuch heraus. Dann klingelte er, bestellte beim eintretenden Kellner einen Wagen und steckte eine Zigarette an. Noch einmal trat er vor den Spiegel, musterte sich, nahm einige Tropfen Parfüm auf sein Taschentuch und drückte es an die Stirn, Dann verließ er das Zimmer und ging hinunter. Der Portier öffnete den Wagenschlag. „Neustädtische Kirchstraße Nr. 11!" rief er einsteigend. Er fuhr zu Therese Strcitmann. * Gräfin Luise Giersdorf war eine sehr stolze Dame. Sie war nicht mehr jung, als sie dem Grafen Guido die Hand reichte. Und die aristokratische Gesellschaft war einigermaßen überrascht, als die Verlobung bekannt wurde. Man hatte sich schon daran gewöhnt, daß Luise von Barncwitz unvermählt bleiben würde. Sie hatte verschiedene Körbe ausgeteilt und immer so viel von ihrer Unabhängigkeit und Selbständigkeit gesprochen, daß man wirklich anfing daran zu glauben, das sehr reiche, aber nicht besonders schöne, hochmütige Mädchen würde nicht heiraten. Es fehlten ihr auch jene Vorzüge, die ein Weib begehrenswert machen. Grazie und Liebreiz, jene Liebenswürdigkeit und Weichheit, die den Frauen eine besondere Anziehungskraft verleihen. Sie war früh verwaist und hatte bei Verwandten gelebt, die, selbst wenig begütert, in ihr eine Quelle zur Verbesserung ihrer Verhältnisse sahen. Tas hatte sie schroff und mißtrauisch und unfroh gemacht. Tenn ihr scharfer Verstand ließ sie die Dinge erkennen und in ihrem wahren Lichte sehen. Sic war überzeugt, daß die Liebe und Freundlichkeit, die man ihr zeigte, nichk ihrer Person, sondern ihrem Vermögen galten. Das Gleiche nahm sie auch von den Bewerbern um ihre Hand an. Das machte sie nicht.gerade reizvoller und verführerischer. Und so kam es, daß, was vielleicht anfänglich nur in ihrem Mißtrauen wurzelte, schließlich zur Wahrheil wurde. Wer um Luise von Barnewitz warb, wurde als ein Mitgistjäger angesehen. Um so größer war das Erstaunen, als Graf Guido Giersdorf sich mit ihr verlobte. Es gab natürlich viel Klatsch und viel Kopfzerbrechen über die Heirat. Den wahren Sachverhalt wußte niemand. Tatsächlich hatte der Grast von einer Besuchsreise bei seiner Schwester, der Fürstin Testi, heimgekchrt, seine Verlobung bekanntgegeben. Er hatte seine Braut in Italien kennen gelernt. Als Gast einer seiner Schwester befreundeten Familie, die ebenso wie die Testis in Palauza, den Monat März in ihrer Villa in dem benachbarten Stresa verlebten. Es hätte einen Schimmer von Romantik auf dieses Bündnis werfen können, daß sie an den herrlichen italienischen Seen sich gefunden und dort unter heißerer Sonne das kalte, deutsche Mädchen dem Zauber der Liebe erlag. Ter Graf aber sowohl als seine Braut verzichteten auf den poetischen Schimmer einer Liebesgeschichte, die nicht existierte. Sie hatten zusammen eine Bootfahrt auf dem Lago maggiore gemacht, und als sie zurückkehrten, teilten sie den Testis und RovettaS, die unter den Palmen der Villa Helena zusammensaßen, die Tatsache mit. Kurze Zeit nachher fand die Hochzeit statt. In der kleinen Kirche zu Bernstadt wurden sie getraut. Nur die beiden Brüder, Graf Alfons und Karl Viktor, Fürst Testi und seine Gemahlin, Baron mtb Baronin Barncwitz, bei denen Luise früher gelebt hatte, Kantor Brandt und Frau und der alte Kreisphysikus Hübner waren zugegen. Man hatte mit Rücksicht auf die Gräfin-Mutter das so arrangiert. Sie war zu leidend, um eine anstrengende und geräuschvolle Festlichkeit mitmachen zu können. Die Braut war völlig einverstanden. Diese Reserve und gesellschaftliche Abgeschlossenheit entsprachen ihrem Geschmack. Und so gestaltete sich auch die Ehe. In vornehmster Form, aber fremd und kühl. Als die Geschwister am Abend nach dem Hochzcitsdiner beisammen saßen — Graf Guido und seine Fran waren auf eins ihrer Güter in Pommern abgcreist, wo sic die erste Zeit ihrer Ehe verleben wollten — wendete Alfons sich au seine Schwester: „Du, sag 'mal, Helene, was hat nur Guido bestimmt, sich diese Barnewitz zu heiraten? Alle Welt mar paff, als das bekannt wurde. Jahrelang ging er als Junggeselle umher, ivas, nebenbei bemerkt, für einen MajoratS- hcrrn gerade nicht paßte, die hübschesten Mädchen hätt' er haben können, lustig und reich und jung und sonst noch was, und da fällt er auf diese kalte, gemessene, reife Dame 'rein, die längst hors concours war auf dem Heiratsmarkt? Was sagst du, Viki? Wie gefällt dir deine Schwägerin?" „Wenn sie ihm gefällt, dann wird sie uns auch gefallen. Und wenn sie ihn glücklich macht, dann werden wir sie auch lieben. Denn Guy verdient es, glücklich zu sein. Leicht hat er's nicht als Familienoberhaupt, und schon in jungen Jahren die ganze Last und Sorge der Verantwortung. Und gegen uns war er doch stets mehr als ein Bruder . . . ein Vater! Ich beneide ibn nicht um sein Erstgeburtsrecht, weiß der Himmel! Das sind Pflichten, auch wenn's am Besten nicht fehlt, und bei den heutigen Zuständen und agra- 458 rischen Nöten wird er wohl auch da nicht immer auf Rosen gewandelt sein." „Du glaubst doch nicht etwa, daß der Barnewitz Geld'— du, das wäre schauderhaft! Sag mal, Leuchen, du mußt das doch wissen, da unten passierte ja das Malheur!" „Pfui, Alfons! Sei nicht boshaft. Hoffentlich werden sie sehr glücklich werden. Kein Mensch hat ihm zugeredet oder die Heirat in einem falschen, lockenden Lichte gezeigt. Guy ist ein Mensch, der weiß, was er will, und tut, was er will. Luise war danials den ganzen Winter mit Rovettas zusammen. Erst in Neapel und Nom, im Frühjahr in Stresa. Sie hatte sie einige Jahre vorher in Sankt Moritz kennen gelernt und sich ihnen herzlicher angeschlossen, als es sonst ihre Art ist. Vielleicht weil die Rovettas Ausländer waren. Auch sind beide scharmant, voll Güte und Freundlichkeit und, da sie ganz allein sind, ein kinderloses, älteres Ehepaar, leicht geneigt, jemand entgegenzukommen. Das wird auf Luise gewirkt haben. Sie mag lange nicht mehr erlebt haben, daß man sich um sie bemühte. Und so nahm sie die Einladung au, mit ihnen einen Winter in Italien zu verbringen. Sie war ja unabhängig und konnte tun, was ihr beliebte. Als sie daun nach Stresa kamen, war es natürlich, daß wir sie bei uns sahen, denn mit Rovettas sind wir seit Jahren um diese Zeit immer zusammen. Unsere Villen sind kaum eine Stunde von einander entfernt. So kam es, daß sie sich begegneten, als Guy bei uns war. Er war etwas nervös damals und wollte ein bißchen ausspanuen. Als er von Mailand herüberkam, sah er schlecht aus und war sehr verstimmt. Es war gerade, als Della Brandt in der Scala ihr Debüt feierte." „Della?" „Adele Brandt?" Fast gleichzeitig riefen es beide Brüder aus. „Ja! Delta hatte mir versprochen, auch nach Paltanza zu kommen, sie mußte aber dann plötzlich abreisen. Weil man nach dem unerhörten Erfolge sie nach Nizza einlud, um dort vor der Königin von England zu fingen. Guy batte sie vor seiner Abreise noch gesprochen. Er war zwei Tage länger in Mailand geblieben als ich." „So?" „Ja, und was sagte er denn?" „Wenig! Eigentlich nichts. Ihr wißt wohl, viel Reden ist nicht seine Gewohnheit. In Pallanza und Stresa sprach man aber viel von Dellas Triumphen, und besonders der Vicomte bedauerte, daß sie nicht zu uns gekommen war. Er hätte die „Diva", wie er immer sagte, zu gern persönlich kennen gelernt." „Und Luise?" „Sie verriet wenig Interesse. Ich bitte euch, für die gehört eine Sängerin doch nur einer untergeordneten Gesellschaftsklasse an. Menschen zweiter oder dritter Ordnung." „Das aber kann sie mit Guido doch nicht zusauuuen- geführt haben?" „Chi lo sa?" „Sehr erbaut schien er auch nicht von diesen Künstlerkreisen. Er sprach ziemlich wegwerfend von jener Welt, der sie nun angehören würde. Im ganzen aber war er schweigsam, und dann nach vierzehn Tagen ungefähr überraschten sie uns mit der Verlobung." „Merkwürdig I" „Und wie waren sie miteinander?" „Ungefähr so, wie ihr sie heute gesehen habt. Feierlich, in vollendetster Lebensform. Aber kühl ..." „Kühl bis ans Herz hinan . . . puh, mir schaudert," tief Alfons aus (Fortsetzung folgt.) Wie der Kaiser spricht. Läßt man die Gestalten aller Herrscher der Weltgeschichte an seinem Auge vorüberziehen, so wäre bis auf den heutigen Tag keiner unter ihnen zu finden, der so häufig wie Kaiser Wilhelm II. die Macht des Wortes bei jedem ihm aehörig erscheinenden Anlasse dazu benutzt hätte, den Gedanken Ausdruck zu geben, die ihn bewegen, und seine Stellung klarzulegen zu den Fragen, die unsere Zeit er- füUen. Und man weiß, daß es kaum irgend ein Gebiet der Betätigung menschlicher Kräfte gibt, das nicht des Kaisers' Interesse erregte, und zu dem er nicht Stellung genommen hätte. Die Reden des Kaisers lassen sich schon zu stattlichen Bänden vereinigen, und viele sind darunter, die, sobald sie ins Land drangen, die lebhaftesten Kommentare hervor- riefen und den Widerstreit der Meinungen, die Gegensätze der Parteien schärfer als sonst zutage treten ließen. Eine kritische Würdigung der Persönlichkeit Kaiser Wilhelms II. zu bieten, tote sie sich in seinen Reden gekennzeichnet, und znmal der Wandlungen, die seine Anschauungen, wie die eines jeden mit der Zeit fortschreitenden Mannes, erfahren haben, — das ist nicht der Zweck dieser Zeilen. Hier soll vielmehr nur einnial in Umrissen zu schildern versucht werden, wie die rednerischen Manifestationen des Kaisers sozusagen rein technisch zustande kommen und in die Welt -Hinaustreten. Der Kaiser spricht gut, — das weiß jeder, der ihn hörte. Er besitzt die Fähigkeiten des geborenen Redners: ein ohne Aufwand der Stimme weithin vernehmbares Organ, die Gabe, Ton und Akzent dem Anlasse und der Hörerschaft anzupassen, und das Talent, mühelos zu improvisieren. Der Kaiser spricht auch bei laugen Reden jeden Satz fließend durch. Danu macht er meist eine Pause, uicht etwa um den' Faden wieder zu gewinnen, der ihm nie entfällt, sondern um das Gesprochene wirken zu lassen. Er verbessert sich fast nie, findet mit Sicherheit das treffende Wort, und die Beispiele sind selten, daß er selbst bei wichtigen politischen Anlässen ein geschriebenes Konzept benutzt. Der Schwung feiner bisweilen bis zum Pathos gesteigerten Redeweise hat oft gerade diejenigen seiner Ansprachen als Eingeburtgen des Augenblicks erscheinen lassen, wie z. B. die bedeutungsvolle Aachener Rede, die das Produkt langer Vorberatungen und immer wiederholten Gedankenaustausches zwischen dem Monarchen und seinen Staatsmännern gewesen waren. In vielen Fällen, wo der oberste verantwortliche Beamte des Reiches nachher im Parlamente erklärte, daß er die verfassungsmäßige Verantwortung für Aenßernngen des Kaisers übernehme, und wo mau meinte, diese Erklärung käme ein wenig post festum, waren die Ratgeber der Krone an der Feststellung des Wortlautes der Kaiserrede vorher aktiv beteiligt gewesen. Es ist ja ein allbeliebtes Schlagwort, das bald das Jubiläum 20jährigen Bestehens feiern könnte, von der „impulsiven Natur" des Kaisers zu sprechen. Die Wenigsten wissen eben, wie sehr dem Kaiser die Gabe zu eigen ist, feine ganze Denkkraft jeweilig auf den Gegenstand ein» zuschränken, der ihn beschäftigt. Man hat den Kaiser Napoleon einen „Stnndensparer" genannt, — man könnte den gleichen Ausdruck auf Wilhelm II. anwenden, der bei den Grenzen, die den Kräften des Menschen gezogen sind, gewiß außer stände wäre, ein so ungeheuer weites Feld der Tätigkeit zu bewältigen, ohne ein genau festgesetztes und innegehaltenes Tagesprogramm und die Konzentration auf jede einzelne Nummer dieses Programms. So erfüllt der Kaiser, wenn er öffentlich spricht, den Gegenstand seiner Rede so ausschließlich, daß deren wohlvorbereiteter Text lebendig genug aus feinem Munde dringt, um ebensosehr den Eindruck einer Eingebung des Augenblicks zu erwecken, wie wenn der Kaiser in Wirklichkeit spontan und ohne Präparation zum Worte greift. Ganz verschieden klingt die Tonart des Kaisers, je nachdem er zu seinen Offizieren bei der Kritik ober im geselligen Zusammensein spricht, ob er einen fremden Souverän an der Galatafel im königlichen Schloß willkommen heißt, ob' er in der Thronrede den gesetzgebenden Körperschaften die Richtschnur seiner Politik darlegt — oder ob er an Bord eines Schiffes dessen Besatzung nach seemännischem Brauche das Wort Gottes mitteilt. Der Stimmklang des Kaisers hat, seiner Erziehung gemäß, etwas vom militärischen Kommandoton an sich. Jede einzelne Silbe kommt klar und scharf artikuliert heraus, und es ist natürlich, daß da, wo der Kaiser als oberster Kriegsherr spricht, diese Färb- uug feiner Sprechart am meisten hervortritt. , Bei den Begegnungen mit fremden Fürsten kommt der Kaiser oft in die Lage, sich einer ausländischen Sprache zu bedienen. Daß er die englische wie ein Engländer handhabt, ist kein Wunder, da seine Mutter, die Kaiserin 459 Friedrich, ihre Kinder gleichzeitig englisch und deutsch er» erziehen ließ, und die Geschwister des Kaisers noch heute unter einander ost ganz von selbst in die englische Sprache ulten. Vollständige Beherrschung des Französischen gehört a ganz selbstverständlich zu dem Lernpensum aller Fürsten- ohne. Aber der Kaiser hat die besten Kenner der französi-- chen Sprache, so u. a. den Akademiker Jules Simon, durch eine Kenntnis des intimen gallischen Sprachgeistes und einer modernsten Ausdrucksmittel überrascht. Auch das Italienische ist dem Kaiser geläufig, und vom Russischen hat er soviel gelernt, um bei seinen Anwesenheiten in Petersburg fehlerfrei zu den Truppen zu sprechen, deren Chef er ist. Bei den meisten Reden politischen Charakters ist es der Kaiser selbst, der erst ihren Gedankengang entwirft, um dann an der Hand dieses Entwurfes mit dem leitenden Staatsmanne über die weitere Ausarbeitung Beratung zu halten. Nur bei der Thronrede ist der Hergang ein anderer. Ein Geheimrat fertigt nach den Weisungen des Kanzlers das Brouillon an und legt es ihm vor; der Kanzler ändert, streicht, fügt hinzu, und unterbreitet das Ergebnis dem Monarchen. Und nun greift der Kaiser seinerseits zum Bleistift, fordert über diesen oder jenen Punkt vielleicht noch nähere Auskunft, und so vergehen mehrere Tage, bis die Reinschrift hergestellt ist. Die kleinsten Nuancen, Wendungen, wie „korrekte" oder „freundschaftliche" Beziehungen, werden genau erwogen, nnd während der Grundton für den Teil der Thronreden, der die innere Politik betrifft, gewöhnlich von vornherein festgelegt werden kann, wird vielleicht bei der Besprechung der auswärtigen Politik noch in letzter Stunde sozusagen „ein anderer Ton in die Musik" gelegt. Weit weniger häufig, als anderen Rednern begegnet es dem Kaiser, daß er sich im Worte vergreift, — „entgleist", wie man ja wohl zu sagen pflegt. Hin und wieder trifft indessen wohl auch ihn ein kleines Mißgeschick, solcher Art, wie z. B. in Bonn bei dem Kommers des Prenßen- korps, wo er es „eine unerhörte Ehre"*) für das Korps nannte, daß seine Gemahlin, die Kaiserin, den tafelnden Studenten von einer Loge aus zusah. Aber wenn es nun gestattet fein soll, ein kurzes Urteil über den Kaiser als Stilisten zu fällen, so mag gesagt werden, daß sich ihm das Wort im Munde glücklicher darznbieten scheint, als unter der Feder. Gebraucht doch der Kaiser oftmals in telegraphischen Mitteilungen die. Inversion der Satzbildung, die sich vor dem Richterstuhle der Grammatik nicht rechtfertigen läßt. Nur zwei Beispiele hierfür. Am 6. September 1902 telegraphierte der Kaiser nach dem Tode Rudolf Virchows an dessen Witwe: „Die Kunde von dem Hinscheiden Ihres Gatten hat mich mit aufrichtiger Teilnahme erfüllt und spreche ich Ihnen und den Ihrigen mein wärmstes Beileid zu dem schweren Verluste aus." — Dem Geschäftsinhaber der Diskonto-Gesellschaft ging am 9. Dezember 1903 die Depesche zu: „Die Meldung von dem Hinscheiden des Geh. Kommerzienrats Adolf von Hansemann hat mich mit aufrichtiger Teilnahme erfüllt und spreche ich Ihnen zu diesem schweren Verluste mein Beileid aus." Auch die Worte: „derselbe, dieselbe, dasselbe" verschmäht der Kaiser nicht, gegen die die besten unserer Spr-ach- gelehrten und Sprachkünstler einen glücklich e n K a m p f u n t e r n o m m e n h a b e n, so z. B., wenn er am 3. Februar 1905 S. K. H. u n s er e m Gr o ß h er z o g von Hessen zu seiner Vermählung drahtete: ,'stch sende Dir und der Großherzogin meine herzlichsten Wünsche, aufrichtig bedauernd, dieselben nicht selbst überbringen zu können." . . Zber so sind wir, trotz des guten Vorsatzes, doch auf dce Bahn ^der Kritik geglitten. Wir wollen sie verlassen, zum Schluffe, zu erwähnen, daß der Kaiser auch im ^llltagsleben gern und lebhaft spricht: mit seiner Gemahlin, fetnenjltuberit und mit jedem, den er seines Umgangs eljrt. Bet den Vorträgen, die ihm dienstlich gehalten werden, ergibt sich oft eine Eilige Umkehrung der Rollen: der Vortragende schweigt und der Kaiser spricht. Es ist, als ob ihn ein inneres Bedürfnis treibt, jede Stunde semes Daseins zum Wirken, zum Einsetzen seiner Person auszunutzen. Und daß der Kaiser selbst wohl weiß, wie nahe die Gefahr liegt, im freien Wort die Grenze des Gewollten *) Die offizielle Wiedergabe lautet nachher: „beispiellose". zu überschreiten, das bezeugt ein Ausspruch von ihm, der ihn vielen in einem anderen Lichte zeigen mag, als sie ihn zu sehen gewöhnt sind. Es war vor wenigen Jähren auf dem Sommerschlosse eines mitteldeutschen Bundesfürsten, des Abends nach der Tafel, und die Runde der Anwesenden beim Glase Bier und der Zigarre war ein- ganz kleine. Irgendwie kam die Unterhaltung auf philosophische Themata allgemeiner Art, — und man sprach von dem Gefühl der Reue. Da sagte der Kaiser, der au der Konversation in der ungezwungensten Weise, teilnahm: auch ihm sei die Empfindung der Reue nicht fremd, und manchmal habe ihm schon das Bewußtsein schlaflose nächtliche Stunden bereitet, in einer des Tages gehaltenen Rede nicht das Maß des Jühalts und des Ausdrucks gewahrt zu haben, das er sich zuvor gesetzt hatte. . . . Mainz in französischer Beleuchtung. Jules Huret widmet im „Figaro" einen Artikel dem „goldene^ Mainz". Schon am Anfang seines Artikels beginnt Huret für Mainz zu schwärmen, da ihn die Stadt in vielen Beziehungen an Frankreich erinnert. Vor allem impomert es ihm, daß in Mainz saft jedernuum etwas Französisch spricht. Auch findet er im Mainzer Dialekt viele Worte, die er direkt auf französischen Ursprung zurückführt. So „lafor" (lavoir), „reul" (melle), „rendigaas" (prenez garde) »sw. „Wo ich Hinblicke, sehe ich französische Worte", schreibt er weiter. „Hier: Spediteur, bort Spedition, ober eu gros, en detail." Dann behauptet Huret, das; die Hessen für die Preußen nicht viel Zärtlichkeit (tendresse) besitzen. Sie erkennen wohl an, daß sie den Preußen viel verdanken, aber im übrigen schwärmen sie mehr für die Oesterreicher. (?) Was den Charakter beS Mainzers betrifft, so^glaubt Huret feststellen zu können, daß zehn Mainzer mehr S p e k t a k e l m a ch e n, als h u n d e r t F r a >r k s uw t e r. Als galanter Franzose hat er aber für die Mainzer Damenwelt nur Artigkeiten übrig. Er vergleicht die Mainzerin mit der Pariserin uub findet, daß die beiden Rassen in vielem übereinstimmen, ein Kompliment, das die Mainzerinnen wohl zu schätzen ivisseii werden, da es a>is einem Pariser Munde kommt. Du Stadt selbst beurteilt Huret als eine Luxus- und Arbeitsstadt. Ein Mainzer hat z>i ihm gesagt: „Wenn wir zu Preußeii gehörten, würde Mainz uort) viel industrieller sein." Nachdem Huret dann die Persönlichkeit des Großherzogs Liidivig geschildert hat, geht er auf das gesellige und kommerzielle Sebeu der Stadt näher ein. -Die „Mainzer Liedertafel" hat ihin besonders impo- niert, nnd was den kaufmäimischen Geist des Mainzers bezw. bei Deutschen überhaupt betrifft, so behauptet Huret, daß darin bü Nachkommen Werlhers siegreiche Konkurrenten der englischen Nativii geworben seien. Ja, der Delitsche sei noch mehr Kaufmann geworden, als ber Engländer. Huret stellt bann noch Vergleiche zwischen ber Administration der deutschen uub französischen Städte an, die sehr zu Gunsteir der deutschen Bürgermeister uub anderen deutschen städtischen Beamten ausfallen. „In Deutschland," schreibt Huret, „ist ein Bürgermeister für alles verantwortlich. Uub wenn ihm von oben em Vorwurf wegen ungenügender Straßenreinignng geiiiacht ivird, so bart er nicht wie ein französischer „wairs" antworten : Ja, ich kann bie Straßen doch nicht selber kehren! Ans diesem Pflichtgefühl beruht aber auch das Vertrauen, das das deutsche Volk feinet Obrigkeit entgegenbringt." Vom Selbstmord in Japan. Der Selbstmord steht im Lande der Kirschbäume auf bev Tagesordnung und ist auch bei den Frauen unverhältnismäßig häufig. Gewöhnlich ist die Ursache des Selbstmordes bei Frauen in Japan unglückliche Liebe oder häusliches Unglück. Im letzten Falle spielt die Schwiegermutter eine ganz besondere Rolle. Die Frau ist der Mutter ihres Gatten unbegrenzten Gehorsam schuldig und sie zieht oft den Tod einer unausgesetzt harten Behandlung vor. Der Selbstmord aus unglücklicher Liebe wird oft von 6eiben Teilen gemeinsam begangen, ja diese Art von Doppelselbstmord ist so zum Brauch geworden, daß die japanische Sprache ein eigenes Wort dafür Hat: Shinjn. Der orthodoxe Hergang bei diesem Shinjn ist folgender: Ein junger Mann und ein Mädchen, die sich lieben, aber aus irgend einem Grunde nicht heiraten können, beschließen, mit einander zu sterben. Sie lassen sich beide Kleider von demselben Stoff nnd derselben hellen Farbe machen und gehen an einen Fluh oder ans Meer; dann füllen sie die großen Aermeltaschen ihrer Kleider mit Steinen, binden sich mit einem Gürtel zusammen nnd springen ins Wasser. Ein Brief, den sie im Kleide tragen, gibt über die Ursachen der Tat Auskunft. Von Zeit zu Zeit fjmtfeit sich solche Fälle fast epidemisch, so daß die Regierung sich genötigt sieht, selbst den bloßen Versuch für strafbar zu erklären. Wenn ein Mädchen allein stirbt, so wählt es ebenfalls meist den Tod durch Ertrinken: es springt in einen Fluß, einen See, oder aber, und zwar am häufigsten, in einen Brunnen. Bei Männern wechselt die Todesart mehr; zurzeit spielt der Revolver eine große Rolle. Fast noch beliebter ist es, sich auf die Schienen zu legen und den Kopf durch einen Eifenbahnzng abtrennen zn lassen. Seit vor 460 - etlichen Jahren ein lebensüberdrüssiger Jüngling sich tn den 160 Meter hohen Kegon-Wasserfalt bei Nikko stürzte, fand er viele Nachahmer. Es wurde das eine Zeitlang geradezu Mode unter neurasthenischen oder blasierten Studenten. Offenbar schien diese Todesart in ihren Augen interessaut. Nachdem indessen die Presse nur herben Tadel und Spott für solche Torheit hatte und nachdem am Wassersall selbst eine Inschrift in ähnlichem Sinne angebracht war, wurden diese Selbstmorde seltener. Aber ein erfinderischer Junge hatte eine noch großartigere Idee. Er erklomm den 2500 Meter hohen Vulkan Äsama und stürzte sich in den feurigen Riesenschlund. Auch das wirkte psychisch ansteckend; denn bald darauf hörte man von einem zweiten Fall. Vermischtes. * Ein obrigkeitliches Verbot gegen die Zeitungsente. Ein Dokument des Rates der Freien Reichsstadt Frankfurt, das vor ca. 160 Jahren am 16. Februar 1745 erlassen wurde, lautet: Obenerwähntes Dekret war ein „Verbot Unbesonnenheiten und Unwahrheiten in den Zeitungen einzurücken, oder satyrische und injuriöse Tractaten zu verbreiten" und lautete: „NAchdem einem Hoch-Edlen und Hochweisen Rat des Heil. Reichs Freyen Stadt Franckfurt am Mahn, einige Zeit hero sehr verdrüßlich und höchst ärgerlich vorgekommen, daß nicht allein verschiedentlich in denen ordentlichen Zeitungen aller- ley utibesonnene auch ohnerfindliche Dinge eingerucket werden, sondern auch, aller dagegen mehrmals vorgekehrtcr Conficationcn und Obrigkeitlicher Verordnungen ohnerachtet, demwch mittelst anderer zuni Vorschein kommenden gedruckten Wochenblättern und dergleichen Dingen, allerley satyrische, größtenteils abgeschmackte, und bloß um eines geringen Profits der Verfasser und Drucker halber, ohnbesonnener Weise, öffters sogar dem schuldigsten Respekt und unterthänigster Devotion grosser Potentaten und gecrön- ter Häupter zu nahe trettende kleine Piecen in das Publicum sträfflich diivulgiret werden, die so gar meisten theils auf einem offenbaren Ungrund oder blossen Vermuthun'gen beruhen; Mso läfset in Krafft dieses gedruckten Edicts und offenen Anschlags vorbesagter ein Hoch-Edler und Hochweiser Rath alle hiesigen Zeitungsverleger, Buchdrucker und zumahlen diejenigen Gängler, so mit allerley kleinen Tractätlein und dergleichen gedruckten Blättern in der Stadt herum gehen, überhaupt auch alle und jede Dero Bürgere,. Beysassen und Einwohnern, wohlmeynend und ernstlich erinnern, sich dessen allen, wie vorstehet, bey Vermeydung ernsthasfter Obrigkeitlicher ohnseUbarer Bestraffung zu enthalten, und sich deren keines zu Schulen kommen zu lassen. Geschlossen bey Raths, Dienstags, den 16 ten Februarii, 1745. * Chinesische Studenten. In Japan studieren zurzeit 8000 chinesische Studenten und von diesen nahezu 98 v. H. allein in Tokio. Daß das zu unhaltbaren Verhältnissen führen mußte, liegt auf der Hand. Die japanische Regierung, der sonst die Invasion aus politischen Gründen nicht grade unangenehm ist, mußte zum Schutz der eigenen Studenten nolens volens Maßregeln treffen, die den Chinesen so unbequem schienen, daß ein Teil von ihnen streikte und grollend in die Heimat zurückkehrte. Diese Maßregeln sind in erster Linie wissenschaftlicher, dann aber auch disziplinärer Art gewesen, da die jungen Herren in erotischer Hinsicht bedenklich über die Stränge schlugen. Immerhin sind kaum mehr als 500 Chinesen wieder sortgewandert. Aber unter, den Zurückgebliebenen ist nun eine politische, rein nationale Gärung , ausgebrochen, die sie in drei Parteien gespalten hat und die Gastfreundschaft der Japaner auf eine harte Probe stellt. _ Es scheint allerdings, daß der Massenzufluß die Hochflut bereits überschritten hat, denn die Chinesen können wissenschaftlich kaum auf die Kosten kommen, da in Tokio mcht ausreichend Dozenten vorhanden sind, die in chinesischer Sprache unterrichten könnten, und die Erlernung des Japanischen immerhin eine Zeit erfordert, die sich bei deni verhältnismäßig kurzen Aufenthalt in Tokio kaum abstoßen läßt. * Soll man nach dem Essen ruhen? Die einen sa^en ja, die anderen nein. Jene Berufen sich auf das föet« Mbl der Tiere, die nach erfolgter Sättigung alle Viere von sich strecken, diese meinen dagegen, daß der Schlaf die Verdauung beeinttüchtigt, dadurch weiterhin den Appetit stört und di« Neigung zum Schlagfluß befördert. Die letztere Anschauung muß tedenfalls schon recht alt sein, wie das lateinische Sprichwort kehrt; Post coenam stabis seu paffus mille meabis, zu Deutsch: ^ach dem Essen sollst Du stehen oder tausend Schritte gehen". Auch steht dies Sprichwort im „Götz von Berlichingen" jedenfalls an der rechten Stelle, wenn es vom Dr. Olearius dem dicken Äbt von Fulda als Ratschlag geboten wird, wozu Liebetraut bemerkt: „Wahrhaftig, das Sitzen ist Ihnen nicht gesund. Sie "fegen Noch einen Schlagfluß", woraus der Abt sich dann auch wirklich „aufhebt", wie Goethe bedeutungsvoll vorschreibt. Schließ- Uch aber kann nur die wissenschaftliche Untersuchung einwandfrei feststellen, wer von den beiden Parteien recht hat. Dr. Schule aus Freiburg hat auf chemischem Wege einen sicheren Schluß herbeizufuhren versucht. Zwei Personen mit ganz gesundem wcagen wurde der Mageninhalt einige Stunden nach der Mahlzeit wieder entnommen, nachdenk eine geschlafen, die andere nur eine geringfügige Ruhe genossen hatte. Die Prüfung des Mageninhalts veranlaßte Dr. Schule zu der Angabe, daß der Schlaf nach der Mahlzeit immer die Wirkung hat, die Beweglichkeit des Magens abzuschwächen und gleichzeitig die Entwicklung von Magensäure zu steigern. Die einfache Ruhe in wagerechter Lage ohne Schlaf vermehrt dagegen die Tätigkeit des Magens ohne Zunahme der Magensäure. Daraus würde man schließen, daß es vorteilhaft ist, sich nach dem Mahl ausznstrecken, daß es aber nicht nötig ist, wirklich zu schlafen. Der Schlaf wird insbesondere von Personen zu vermeiden sein, die einen erweiterten Magen besitzen oder schon mit einem Ueberschuß von Magen- fäure zu schaffen haben. (B. B. C.) * Der Handschuh als Toiletten -Necessaire. Es ist noch nicht lange her, daß ein Pariser Juwelier — einer von denen, die die Macht haben, eine Mode zum Gesetze zn erheben — es als unerläßlich für jede schöne Frau erklärte, wenn sie in Gesellschaft ginge, in ihrem Handschuh ein winziges Spiegelchen aus Silber oder Gold zu bergen, das ihr dazu dienen sollte, sich unbemerkt durch einen schnellen Blick hin und wieder davon zu überzeugen, ob nichts an ihrem Kostüme deraugiert sei, ob ihre Coiffure nicht die Fasson verloren habe und ob sie etwa die Röte ihres erhitzten Teints durch einen leichten Puderhauch abtönen müsse. Es scheint nun, als sei der Handschuh überhaupt bestimmt, sich zu einer Art von Toiletten- Necessaire en mininhire auszubilden. Denn in diesem Winter ist der Handschuh auch als der Behälter eines jedenfalls weniger entbehrlichen und nützlicheren Toiletten-Requisits in die Mode gekommen, — des Taschentuchs nämlich. Und zwar nicht nur in Paris. Auch in London und auch in Berlin fabriziert man jetzt eine Sorte winziger, ans durchsichtigem Battiste hergestellter Taschentücher, die ein schmaler, aber um so kostbarerer Spitzenrand umsäumt, und die, zusammengefaltet, ganz bequem in dem Handschuh selbst der kleinsten und zierlichsten Hand Platz finden können. Es liegt auf der Hand — der Ausdruck paßt hier einmal wörtlich — daß diese neue Mode viele Bequemlichkeiten bietet. Bisher waren Ball-Toilette und Taschentücher Begriffe, die sich so ziemlich gegenseittg ausschlossen, woraus dann leicht manche Verlegenheit entstand. Fetzt ist das Rätsel aus praktische und graziöse Art gelöst worden. Und es ist daher kein Wunder, daß das „Taschentuch im Handschuh" anfängt, sich als Brauch nicht nur in den Ständen einznbürgern, die das Privileg des Mode-Raffinements besitzen. Für die Küche. — M a n g o r, A. M., Das E i n m a ch e n von Früchten und G e m ü f e u. Hannover, Verlag von Otto Tobies. Preis geb. Mk. 1.80 — Das Buch ist von Therese Lorck nach der dänischen Originalausgabe unter Anpassung an deutsche Verhältnisse übersetzt. Großer, schöner, klarer Druck und gutes Papier zeichnen dieses Buch schon äußerlich vorteilhaft aus. Es bietet in, volkstümlicher Schreibweise über das Einmachen von Früchten im allgemeinen, über Gefäße und Geräte, über das Auibewahren des Eingemachten u. s. w. eine übersichtlich geordnete Auswahl erprobter Rezepte, die jeder Hausfrau willkommene Fingerzeige geben. Für die Brauchbarkeit des Buches bürgen auch gewiß die 33 Auf- 1 eigen, die es bei unseren nordischen Nachbarn, deren Kochkunst ja als vorzüglich bekannt ist, erlebt hat. Werst eÜ-Rätsel. Nachdruck verboten.. Man juche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Weizengarbe — Lochbeitel — Balsam — Eitelkeit — Kriegslist — Dienstag — Heugabel — Sammctweste — Solothurn — Gntsverwalter — Rieseugebirge. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Wesel, Wiesel. Auflösung des Preisrätsels in Nr. 109 der Familiendlätter: O selig, o selig, ein Kind noch zu sein! Von den 124 Einsendern richtiger Lösungen erhalten Preise: 1. Frau Amalie Wetzell, Laubach: „Münchener A l m a n a ch." 2. Sanitätssergeant Finkernagel, hier, Walltorstraße: „Deutsches Land und Volk." 3. Lehrer Pracht, Homberg a. d. Ohm: zwei Bände „Aus Natur und G e i st e s w e l t." Die Preise können gegen Vorzeigung der Abonnementquittung in der Geschäfts st eile des „Gießener Anzeigers" in Empfang genommen werden. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen,