1006 U K i i'- I N V 'A. MW ■ SS ■hJM' ri- «0 WmW MD W^WK wl!» 5 ^=^»<11 I ■ , werben,"' rief Bassist, schon an der Tür; „ich habe die tiefste A»s- oehmiiig nach unten, ich werde mich beim Vorstand der Ge- nosimschatt beschweren„Ich empfehle mich," sagte das Fraulein und ging. J Eine halbe Minute lang herrichte Ruhe in dein Bureau. „Dio mio," stöhnte Nafasli. „Es ist um auf die Wände zu klettern," meinte Herr von Seebeu. Aber >zinhosf lächelte. Er dachte an seine neue An- standsdame. 9. Hammer hatte nur einen gewaltigen Feind: das' war der Hofbaumeister Waldemar Henkel. Henkel hielt eines IageS emen Vortrag über „Stileinheit und Stilbefangenheit in der Architektur", in dem er Hammer heftig angriff und seine Baukunst eine Wirrung von dem guten Geschmack nannte. Da _ dieser Vortrag im Auszuge von den meisten Zeitungen wiedergegeben worden war, so beschloß Hammer, zu antworten. Er tat dies gleichfalls in Form eines Vor- trags, war aber anständig genug, die Persönlichkeit des Angreifenden dabei ganz ans dem Spiele zu lassen. Er begnügte sich damit, einen Ueberblick über die Entwicklung der Architektur im letzten ^ahrhundert zu geben und feine eigene Stellung zu den tektonischen Kunstfragen als einen Sieg der Sehnsucht zu präzisieren, sich aus den Fesseln der Stilgesichtspunkte zu goldener Freiheit durchzuringen. ~tefe Sehnsucht war da, als man sich aus den letzten Strudeln der Rokvkokuust zur antiken Fvrmenwelt hiu- nberrettete. Sie wurde stärker, je fester der griechische Klassizismus Fuß faßte; schon Garnier und Poelaert hielten in ihren Prachtbauten der Pariser Oper und des Brüsseler Justizpalastes nicht mehr an der „hellenistischen Offenbarung" fest, sondern gaben freieren künstlerischen cknschauungen Raum. Dieselbe Sehnsucht nach lebendiger Knust schuf als Gegenströmung zu dem griechischen Idealismus die romaiitische Bewegung, die Ren-Gotik, und ließ auch andere Stile wieder auftauchen: die italienische Re- naissanee, die Spätrenaissanee, Barock, Zopf und Empire. Es war ein Spiel mit den Stilarten, weniger aus mechanischer Nachahmungssucht, ais ans dem Bestreben heraus, neues zu geben, wenn es auch nur eine Wiederholung von Vergessenem war. Tie wachsende Sehnsucht zur Befreiung vom Schema mußte schließlich zum Bruch mit dem historischen Stile, mit der Ueberlieferung führen. Tie Tradition ist Befangenheit; die Loslösung ans ihren Banden bringt die Freiheit. Die alte fcunft kannte keinen Unterschied in der Anwendung ihrer Mittel; sie lebte in Formenstarrheit. Tie neue sucht die Bauten ihrer Bestimmung nach architektonisch zu charakterisieren; sie schafft für ein Fürstenschloß erhabene Majestät, gibt einem Landhause trauliche Ruhe, baut der ernsten Kunst einen Tempel und der heiteren Muse ein Heim voll Anmut und Grazie. Man will hinaus aus der Stilbesangenheit in eine fessellose, sich nur dem Sonder- bedürfnisse frei unpassende künstlerische Formengebung... Ter Vortrag sand grogen Beifall und bei der Kritik sehr verschiedene Beurteilung. Sehr zufrieden war Imhoff: dieser Vortrag, ein „Bekenntilis des Meisters", war wieder einmal eine glänzende Reklame. Und merkwürdig genug: die brauchte man. Merkwürdig genug: der große Bau wuchs eben erst aus den Fundamenten hervor, auf halb geschenktem Areal, und schon wurden die Gelder knapp. Prinz Arenstein sollte recht behalten, ........... .. (Fortsetzung folgt.) '/-• jst RI Aer deutsch? Anuer. Ein Charakterbild von W. L e n n e nt a it n in der „Staatsh. Ztg.". Der Charakter des deutschen Bauern im allgemeinen ist durch Geschichte und soziale Stellung desselben gebildet worden. In die Geschichte tritt der Bauer als solcher, als die Hofgenossen- schnst. sich die Anerkennung der Grundherren erworben hatte, als die Masse derGrundholden sich als einheitlichen Stand fühlten. Der Bauer jener Zeit ist durchaus arbeitstüchtig und schollenstolz, fromm und treu, selbstbewußt und freiheitsliebend. Seine Freiheitsliebe konnte sich zwar, da er seiner persönlichen Freiheit durch die Folgeerscheinung seiner Unterwerfung unter die Franken mehr oder weniger beraubt war, nur in dem Bestreben äußern, eigene Gerichtsbarkeit und Dorsverwaltung zu besitzen. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts stieg dann bnS Bewußtsein des eigenen Wertes immer mehr, da von allen Seiten seine Unentbehrlichkeit gefühlt wurde, die er sich wiederum insofern zunutze machte, als er sich zu möglichst großer, sozialer, politischer, ja wiederum fast persönlicher Freiheit durchrang, wozu nicht wenig die Gründung neuer Städte und Klöster und der neue Stand der Ritter beitrugen. — , Naturgemäß mußte der Bauer, der seinen Nutznießern nur tmniet.. 5DhtteI. zum Zweck, war. an Wert verlieren, sobald .<#. 79 feilte Külturaufgabe der Kolonisation gelöst hatte, sobald man seiner Dienste en irrt tat konnte. Das geschah im Westen gegen Anfang des 14. Jahrhunderts, als der Boden durchweg in festen Händen Mar, die Städte den ärm eren Einwanderer zum Proletariat verdammten, die Produktenwerte infolge besserer Zufuhren und Verbindungen sanken und die Bauernhöfe selbst mangels Unterkommens ihrer Abkömmlinge vielfach geteilt wurden. Der Bauer wurde arm, die herrschaftlichen Anforderungen an ihn aber wieder höher; so wurde er geknechtet und unterdrückt, ja so tief erniedrigt, daß seine Abhängigkeitsstelluug in manchen Distrikten an Sklaverei grenzte. Doch hat das nunmehrige Gebundenseiu an die Scholle — die Freizügigkeit wurd den Insassen genommen ।— durch Jahrhunderte hindurch seine große Liebe zur Heimat, fein zähes Festhalten a m Alten, Hergebrachten, sein zum Teil berechtigtes Mißtraueu gegen alles Neue und auch wohl die Treue zu seinem Oberhaupte in ihm großgezogen, die einzigen Vorteile, die diese traurigen Jahrhunderte ihm gebracht haben. Durch die niedere soziale Stellung jedoch und durch seine völlige Verrohung durch den Bauern- und den Dreißigjährigen Krieg wurde alles Menschliche der Außenwelt gegenüber in ihm erstickt: wurde er von den Städtern und Grundherren doch fast dem Vieh gleichgestellt. Sein Mißtrauen gegen die anderen Stände, sein zugeknöpftes Wesen, ebenso seine Filzigkeit, seine teilweise Sittenlosigkeit, sein Dünkel, es dem Ritter gleichzutun, und seine Arbeitslässigkeit dürsten im Mittelalter in ihm großgezogen worden sein und, da er von Gerichtsbarkeit und Dorfvenvaltung ausgeschlossen wurde, sein Aufgehen in Kleinigkeitskrämerei, das Verschwinden der besseren und Auftauchen niederer Gewohnheiten: die Völlerei bei Kirch- weihen, Taufen und Hochzeiten, feine Rauf- und Prozeßsucht! Der Hang zum Aberglauben mußte, da dem Bauern jegliche geistige Nahrung fehlte, sich weit ausbreiten, obwohl gerade er ein Zeugnis für den tief-religiösen Zug des Bauern ist. Jedoch haben sich diese minder guten Eigenschaften des Bauern mit Beginn der Aufklärung schon zum Teil und toeitei seit Anfang des 19. Jahrhunderts nach den Steirischen Reformen wesentlich gebessert; ein Teil derselben aber scheint sich erhalten und wie eine schmutzige Decke über das im Grunde reine Gewand der Bauernseele gelegt zu haben. Doch darf man wohl sagen, daß der Bauerncharakter sich in den letzten 100 Jahren in durchaus aufsteigender Linie entwickelt hat. Der Bauer ist im großen und ganzen selbständiger und sel b st b ewu ß t e r, wo hl- hab end er und einsichtiger geworden, denn in seinen besten Zeiten des 11., 12. nrib auch noch 13. Jahrhunderts. Das sind die Charakterzüge, die den Bauer im allgemeinen kennzeichnen, hinzn treten die durch Stammesärt und Landwirtschaft bedingten. Auf all die einzelnen Gaue kann ich hier natürlich nicht eingehen, das würde zu weit führen, nur die besonders unterschiedlichen Merkmale möchte ich heranziehen. — Da sind zunächst große Wesensverschiedenheiten zwischen norddeutschen und mitteldeutschen Bauern, besonders niedersächsischen und thüringischen. Der anmutige Wechsel zwischen Berg und Tal, zwischen Höhen- und Flußlandschaft, mußte in den südlicheren Landesteilen zwischen Elbe und Weser manches Starre und Trotzige paralysieren, während der Norden mit seinen Nebeln und grauen Tagen, seiner strengen und herben Landschaft, seinen weiten Heiden und stillen Mooren den Hang zur Verschlossenheit noch verstärkte. Hier nährte die Landschaft bie alte Äauernkraft, dort zehrte sie an ihr. Die .wilden FreiheiMämpfe der Stedinger, Wurster Buren und der Dithmarschen, deren Widerstandskraft allerdings auch noch durch die steten Kämpfe mit Meer und Sturm gestählt war, sind ein beredtes Zeugnis für dieselbe. — Die Thüringer aber sind in den Bauernkriegen die kraftlosesten gewesen. Hieran trägt jedoch auch die Kleinstaaterei Schuld, sie sog die Kraft des Landes zugunsten des höfischen Lebens auf. — Die Anmut der lieblichen Täler aber bildete in den Bewohnern jene Leichtlebigkeit und Fröhlichkeit und Liebe zur Musik ans, die sie mit den rheinischen Landsleuten teilen, vielleicht daß diese sogar noch eine Dosis Redseligkeit und Keckheit mehr erhalten haben. Der Bauer des Vogels'oerges Ivie in der Eifel dagegen wird von dem Ernste der Landschaft und der Schwere des. Tagewerks zu stark beeinflußt; er ist schweigsam und gemessen. — Den Thüringern ver- wandt sind die Schlesier, da ihr Land fast durchweg von Thü- ringern kolonisiert wurde. Aus demselben Grunde zeigen Mecklenburger, Pommeraner, Hannoveraner und Westfalen gewisse gemeinsame Merkmale. Gerade in den östlichen Provinzen, wo bte Hörigkeit die strengsten Formen aunahm und sich in den Bauern, erne gewisse Arbeitslässigkeit und Weichgiltigkeit zeigte, I , btefe Eigenschaften noch nicht völlig ausgestorben; doch haben fte sich zur Langsamkeit und einer besonderen Art von Schwerfälligkeit gemildert, und merkwürdig, als ob in den vergangenen Jahrhunderten aller tiefe Gemütssinn in ihnen Zinsen und Zmseszmsen getragen habe: der Mecklenburger besitzt den goldigsten! Humor. Biel wird hierzu auch die Vev- mxngung mit slawischem Blut beigetrageu haben. Der lebenst- tsbhe Onta Bräslg und der besonnene Havermaun sind die klassischen Vertreter dieser beiden Spezies. Ihre niedersächsischen Verwandten rot Westen besitzen diesen behaglichen Frohsinn nicht, «ce find schweigsam, und sagen nicht mehr, als durchaus not- wendig ist, und mit ihnen der Friese, und dieser — wieder im schroffen Gegensatz zu dyn sonnigen Thüringer — non cantcft. — In, den niedersächsischen Länderrt westlich der Elbe sind die hörigen Bauern selbst in ihrer schlimmsten Periode niemals mit Skorpionen gezüchtigt worden; deshalb blieb das ganze Gebiet auch von beit Stürmen der Bauernkriege verschont. So verharrte in seinen Bauern aber auch der ungebrochene Stolz Der tzerrenstolz der Dithmarschen ist ja bekannt. Er sieht geringschätzig auf den Geestbewohner herab; doch „toi sind van de Geest!" sagt er und wirft sich in die Brust. Ueberhaupt der Geestbauer, der Heidjer! Ter kärgliche Boden nötigt ihn zu n i m m e r m ü d e m F l e i ß e, zu ä u ß erst er P f l i ch t e r s ü l l- u n g. So wird dem Bauer erworben Geld und Gut zum Gradmesser für die Tüchtigkeit und den Fleiß seines Besitzers. Besonderer körperlicher Ktaft bedarf der Heidebodeii im Gegensatz zu den GebirgSäckern Oberbayerus oder der Alpenländer ja nicht. Die überschäumeude Naturkraft fehlt dem Heidjer, in ihm ist alles gedämpft — still und ruhig wie bie blau ver- dämmernben Hügelketten seiner Heide. — In den Bergländern aber sind wiederum sprühende Kraft und wilde Juchzer, die dem, Charakter der Landschaft harmonisch sich anschließenden seelischen Ausflüsse seiner Bewohner. — Doch gibt es auch innerhalb des niedersächsischen Stammes große Verschiedenheiten. Die beiden Extreme bilden Hannoveraner und Westfale. Dieser besitzt den Superlativ des Sachsenstolzes: „Mein Geschlecht ist älter als alle Königreiche!" sagte einst ein westfälischer Hofschulze einem durchreisenden höheren Verwaltungsbeamten. Auch ist er der Aufrichtigste; seine Aufrichtigkeit geht bekanntlich bis zur Grobheit. Seine Verschlossenheit den Fremden gegenüber steigert sich bis zur Feindseligkeit. Der Hannoveraner dagegen ist galant und höflich. Und wollte ich nun noch bie gemeinsamen Bauerntugeuben aller Niebersachseu aufzählen, die sie sogar ganz allein für sieh in Anspruch nehmen, so wären dies: Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit und schlichte Treuherzigkeit. Ja, diese kann in ihrer Naivität so weit gehen, daß sich einst in Ärambostel zwei Bauern hartnäckig um dcu Besitz einer wertvollen Grenzeiche stritten. Keiner wollte sie als sein Eigentum anerkennen und jeder Versuch des eilten, sie dem andern zuzusprechen, wurde vvu diesem als Beleidigung aufgefaßt. Mit dieser kleinen Anekdote möchte ich die Aufzeichnungen schließen; sie geben, in großen Umrissen zwar, ein ziemlich getreues Charakterbild des deutschen Bauern. Wir sehen, er ist eine durchaus Achtung gebietende Erscheinung, mag er nun Nord- ober Süddeutscher sein; Vorzüge und Mängel wird man bei jedem Stamme sestsetzen können. Er zeigt in der Neuzeit ein freudiges Bestreben zur Veredelung s e i n e s I ch; mag auch manches Glied von der städtischen Kultur zerfressen werden, seine Hauptmasse ist ein Faktor geworden, bettln deutschen Geistesleben eine Rolle spielt und genügend Macht besitzt, wohl beachtet zu werden So wollen auch wir über ihn nicht geringschätzig die Achsel zucken, sondern ihn ehren als den treuesten Träger und Erben deutscher Kultur uud d e u t s ch e r A r t. Ein neues Jagdivild in Deutschland. Reh, Hase und Rebhuhn sind bie deutschen Jagdliere, tvelche überall, teilweise in großen Mengen, Vorkommen und bereit Nutzen beit Schaden, welchen sie verursachen, bedeutend überwiegt. Sie bedürfen keiner Pflege, liefern durch ihr Fleisch große Werte für die Bolkseruührung und sind demnach mit Recht als Nutzwild zu bezeichnen. Neben diesen drei Wildarten kommt in Schlesien auf den dortigen Herrschaften in großer Menge der Fasan vor. Wild im eigentlichen Sinne ist er jedoch nicht, weil er zahm aufgezogen wird und dadurch mehr Kosten verursacht, als Nutzen gewährt. Er dient dazu, auf beit dortigen großen Jagden die Zahl deS erlegten Wildes ttmlichst hoch zu bringen; man kann ihn deshalb nur als Luxuswild bezeichnen. Seit 50 Jahren hat die Fasauenzucht in Böhmen, dem Heimat- lande des Fasans, eine ganz andere Richtung angenommen, man zieht die Fusanen dort nicht mehr künstlich aus, sondern überläßt sie in der Freiheit sich selbst; nur im Winter bebürf-n sie der Fütterung. Dadurch ist der Fasan dort zu einem Nutzwi.de geworden und vermehrt sich sogar besser, als bei zahmer Aufzucht. Der Fasan ist heutzutage in Böhmen genau so ein Jagdtier wie das Rebhuhn und von gleicher Widerstandskraft gegen die Unbilden des Winters. Seit zwanzig Jahren sind in Deutschland vielfach Versuche mit Einbürgerung des Fasans gemacht worden, die jedoch meist sehl schlugen, weil als Zuchttiere Fasane von z-ahmer Aufzucht verwendet wurden. Vor 12 Jahren machte der Wnigl. Oberförster a. D. Nitzschs zu Dresden aus Grund in Böhmen gesammelter Erfahrungen darauf aufmerksam, daß die einzig rationelle Methode zur Gründung eiueS Fafauengeheges die Aussetzung wilder Zuchttiere wäre und daß bie böhmischen Fasanen als solche die besten seien, weil dort vom Dezember ab bie Fasanen nicht mehr geschossen, sonbern nur gefangen werden und eS somit ein leichtes ist, die zur Zucht geeigneten Tiere auszusucheu. Oberförster Ritzsche hat dann mit einer großen Anzahl böhmischer Domänen Verträge abgeschlossen, wonach diese sich verpflichten, ZuchÄ- .fasanen an die v?n ihm aufgegebenen Besteller sofort nach dem Abfangen abzusendcn. Der Fasan wird dadurch nur 2—3 Tage seiner Freiheit beraubt und findet sie nach so kurzer Frist in den deutschen Wäldern wieder. Später als im Januar kann der böhmische Fasan nicht bezogen werden, weil der Fang vom 1. Februar ab gesetzlich Verbote ist. Alles, lvas zur Einbürgerung des Fasans zu wissen nötig ist, hat Herr Nitzsche in einer Broschüre: „Anleitung zur wilden Fasauenzucht" zusammengestellt. Das Vorgehen des Oberförsters Nitzsche hat großen Anklang gefunden. Nach den von ihm alljährlich veröffentlichten Berichten waren bis Weihnachten 1905 durch ihn 21210 böhmische Zuchtfasaneil fast ausschließlich nach Deutschland (kleine Mengen gingen nach Rußland und Dänemark), in 1606 verschiedenen Posten versendet worden. Die Sendungen gingen nach allen Teilen des Deutschen Reiches, meist jedoch nach Norddeutschland. Die Bezieher waren vorwiegend Rittergutsbesitzer, städtische Jäger sind nur in verschwindender Menge vertreten. Der, Erfolg war fast überall befriedigend, vielfach ausgezeichnet. Die Fälle, in welchen die übliche Zahl von 12 Znchtfasanen (3 Hähne, 9 Hennen) ausgesetzt wurden und schon nach wenigen Jahren eine ansehnliche Zahl von Fasanen bei der Jagd zum Wschluß kamen, zählen nach vielen Hunderten. Als Beleg für die außerordentliche Härte der böhmischen Fasanen möge folgendes Beispiel dienen: Die Herrschaft Kulliua in Esthland, hoch oben int' Norden der russischen Ostseeprovinzen unter 59 V3 Grad nördl. Breite gelegen, bezog im Januar 1901 20 lebende Fasanen, von denen zwei auf dem Transport verendeten. Die Fasanen hatten von Böhmen aus einen Weg von 2200 Kilometern zurückzulegen. Trotz der denkbar ungünstigen klimatischen Verhältnisse war der Stamm von 18 Stück im Herbst 1905 bereits auf 150 Stück angewachsen. Wer von der Familie Mozart lebt noch? Von Friedrich Ser ft (Elberfeld).*) Gelegentlich der Erinnerungsfeiern am 150. Geburtstage Mozarts tauchte vielfach die Frage auf: Wer von der Familie Mozart lebt noch? — Die Beantwortung dürfte gerade in diesem Zeitpunkte, da die Allgemeinheit ein erhöhtes Interesse an dem „göttlichen" Meister genommen, besonders willkommen sein. Direkte Nachkommen des Tondichters gibt es nicht mehr. Seine Ehe ' mit Konstanze von Weber, einer Verwandten Karl Marias von . Weber, des „Freischütz"-Komponiften, war mit sieben Kindern > gesegnet, von denen aber fünf schon bald nach der Geburt starben. Zwei Söhne haben bett Vater überlebt; Kvrl starb in bedeutungsloser Beamtenstellung in Mailand im Jahre 1858. Auch sein Bruder Wolfgang Amadeus hinterließ keine Kinder, als er 1844 in Karlsbad starb; er war — entgegen anderer Mitteilung — ein geschützter Musiker und Tondichter, der leider der Sohn eines berühmten Vaters war. Mozarts Gattin, Konstanze, . heiratete spater den dänischen Etatsrat von Nissen, der bereits 1826 starb und die beinahe vollendete umfangreiche Biographie Mozarts zurückließ. Konstanze starb in Salzburg 1842. Mozart hatte eine Schwester, sein vielgeliebtes „Nannerl", Maria Anna, die 1784, also zwei Jahre nach ihres Bruders I Hochzeit, den Reichssreiherrn von Sonnenburg heiratete. Nachdem I sie 1801 verwitwet und 1825 erblindet war, starb sie 1829 in I Salzburg, wo sie hochangesehen und zeitweise als Musiklehrerin | tätig war. Mit ihrer Schwägerin Konstanze hatte sie nie auf j gutem Fuße gestanden und später jebeit Verkehr mit ihr abge- I > vrochen. Sie hatte drei Kinder, der Sohn Leopold hinterließ | eine Tochter Henriette, die 1890 in der Irrenanstalt „Feldhof" .bei Graz starb. Sie war vermählt mit Franz Forsch ter, von ihren Kindern starb der Sohu Gustav 1878, die Tochter Bertha (geboren 1844h lebte noch 1901 in der vorgenannten Irrenanstalt. Sie wäre der eiuzige Nachkvm m e aus Mozarts engstem Familienkreise. Auffallend ist, daß sie wie ihre Mutter dem Irrsinn verfiel. Um noch lebende Träger des Namens Mozarts zu finden, .müssen wir uns nach Augsburg, der Heimat Leopoft) Mozarts (unseres Meisters Vaters) wenden. Den umfassenden Forschungen Von Dr. Adolf Buff, dem j Augsburger Stadtarchivar, ist es gelungen, nachzuweisen, daß | Die weitverbreitete Familie Mozart, soweit der Zweig unseres I 'Tonmeisters in Betracht kommt, von einem ans Pfersee an der I Wertach nach Augsburg im Jahre 1635 eingewanderten M a u r c r | David Mozart stammt. — Zu bemerken ist aber, daß eine | mibere Familie Mozart in Augsburg, die, soweit bis jetzt die I Nachforschungen ergeben, mit diesem David Mozart nicht ver- I . O*’'. von dem Maler Antoni Mozart abstammt. Er war | n Augsburg geboren und genoß als Künstler guten Ruf, | Gemälde von ihm sind noch erhalten. Im übrigen war diese I o-nmiüe gut bürgerlich, während David Mozart, dessen Söhne ! und Enkel, wie ihr Vater, Maurer waren, in kärglichen Verhält- | Ml en lebte Die andere Familie, die uns nicht iveiter interessiert, I p® sie nicht mit Meister Wolfgang verwandt ist, tvauderle noch | *) Dem bekannten Mozart-Biographen. Die Red. » 80 im 17. Jahrhundert aus. Hingegen ist seit 1740 ein starker Zuzug von Mozartm ans der Umgebung nach Migsburg zu konstatieren, deren Nachkommen heute noch in Augsburg leben, aber mit dem Meister nicht verwandt sind. Sie siiid alle geringen Standes. Von jenem Ur-Urgroßvater Mozarts, von dem Maurer David' Mozart, sind ebenfalls Nachkommen vorhanden. Am nächsten verwandt mit dem Meister sind die noch lebenden Nachkommen seiner beiden Oheime Ignaz und Moys. Diejenigen des letzteren tragen aber nicht mehr den Namen Mozart; sie stammen nämlich von dem vielgenannten „Bäsle" ab, für das einst der luftige Wolfgang schwärmte, das er aber nicht heiratete, da ihn unterdessen Konstanze mit ihrem Reiz bestrickt. Sie starb 50 Jahre nach dem Ungetreuen, im Jahre 1841 in Bayreuth. Ihre Enkelkinder leben heute noch; sie heißen Pumpel und sind Näherinnen, bezw. Buchbinder und Nachtwächter. | , Auch vom Onkel Ignaz leben noch Nachkommen, und diese I heißen noch Mozart. In der Mozartfatnilie wandte man sich I später vom Maurergewerbe ab und zog die Buchbinderei vor. I Der einzige, der sich emporschwang, war Ser Vater Wolfgangs.' | Er war bekanntlich Hofkapellmeister in Salzburg; diese Würde in SSien zu erlangen, war dem großen Sohn nicht möglich, der | erst in den letzten Tagen seines Lebens Domkapellmeister wurde. Die Nachkommen jenes Ignaz Mozart waren Buchbinder, einer der letzten Friseur und der letzte Erwachsene war der Bahnhofdienev Kvrl Mozart, der 1898 in Augsburg starb. Seine sieben unmündigen Kinder sind die lebenden Träger des Namens Mozart ans des Meisters engerer Familie, mit der er oft und gern im Verkehr war. Während man in diesen Tagen ihren berühmten Verwandten, | der wahrlich bitter genug die Not des Lebens zu kosten bekam, ' in der ganzen Weit preist, leben die kleinen Mozarte in Augsburg wahrscheinlich selbst in dürftigsten Verhältnissen. Sinngedichte von Ludwig Fulda. Bedaure keinen Schwärmer l Ihn macht nicht Annut ärmer; Vom Mondessilber, vom Sonnengold Bezieht er seinen festen Sold. Las; dir nicht böser Buben Unfugstiftung Ursache sein zum eignen Krankheitsfalle; Nein, lächle, Freund, und schone deine Galier Verbitterung ist eine Selbstvergiftung. Es ist ein Nachteil für den Geist, Daß er sich ohne Masken weist. Indes einherschleicht die Verdummung In tausendfältiger Vermummung. Wer will aufs Glück von außen warten, Ist wie ein Mann, der harrt und späht, Ob Rosen sprießen in seinem Garten, Die niemals er gesät. Junge Recken, seht euch vor! Mancher Heros Fiel durch Eros; Keiner kam durch ihn empor. Ach, das Häuflein der Glücklichen schiene Merklich noch zusammengeschmolzen, Wären nicht die Starken und Stolzen, Die da leiden mit strahlender Miene. (9111 einen Backfis ch.) Warum dem großen Bühnensprecher Dein junges Herz zu Füßen sank? Berauscht vom starken Göttertrank Verhimmelst du — den Becher. Silbenrätsel. der, do, e, ei, f, f, fer, gal, glim, ich, ko, la, lers, liier, inet, men, nähr, neu, p, r, schie, een, al, tuig, zim. AnS vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, den Namen eines Afrikaforschers ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgendes: 1. Berg in Westfalen. 2. Schlesischen Ort. 8. Negervolk in Afrika. 4. Ein Gestein. 5. Etwas Unentbehrliches für lebende Wesen» 6. Ein Gewürz. 7. Katzenartiges Raubtier. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Scherz-Rätsels in voriger Nummer: Miras: der Spitzname lautet „Gur ken-Mid as", entstanden durch Versetzung der Buchstaben des Wortes „D e m a s k i r u n g“. Redaktion: Ernst Heb. ~ Rotationsdruck und Verlaa der B r ü h l'schen Nnwerstläls-Buch- und ©teinbructeret. R. Lange. Gießen.