j g @H8' Samstag dLn 6. ch6iWr ' 'V- 8 I MKW arapraas MMWMi ■nr riFi mMEI *IhwI1s piranj^l ■ Im Manne des Geheimnisses. Vornan von H. v. Raesfeld. Nachdruck verboten!..' (Fortsetzung.)! ' 10, Kapitel. Die Unterredung. t Es war neun durch, als Marian West in den grünen Weg cinbog, der gttm Wallhccken-Hüuschen führte. Sie hatte sich sehr einfach gekleidet, ganz und gar nicht wie sonst, und dicht verschleiert, sodaß sie nicht erkannt werden konnte, außerdem die Vorsicht gebraucht, bis zmn Einbruch der Dunkelheit zu warten, sodaß ein ihr zufällig Begegnender sie überhaupt nicht erkennen konnte. Es gab keine nur mögliche Vorsichtsmaßregel, die sie nicht angewandt hätte. Ihre ersten Worte an Kate Jefferies waren: „Sind sic ganz allein? Sind die Knaben fort?" „Es ist niemand hier", versetzte Kate; „und niemand kann herein. Ich habe die Tür verriegelt." „Das ist gut", sagte Marian, .„und nun möchte ich Sic der Vorsicht halber ersuchen, alles Ccremonicll und jede Höflichkeit bei Seite zu legen und mich immer ohne Namensnennung anzusprechen; man kann nie vorsichtig genug sein; es könnte jemand vorbei oder an die Tür kommen, während wir hier sprechen, und mein Name ist wohlbekannt." „Ich will daran denken", sagte Kate Jefferies. Marian West nahm einen Stuhl und setzte sich Mrs. Jefferies gegenüber, sie knöpfte ihren Mantel los uüd band ihre Hutbänder auf, schlug aber den Schleier nicht in die Höhe. „Nun also, begann sie, „von diesem Jungen. Ihr Brief hat mir gefallen. Es freut mich, so gute Nachrichten von ihm zu hören." „Es ist einer der nettsten Jungen, die ich je gesehen", sagte Kate, „sehr hübsch und wirklich sehr anstellig. Ich fürchte, er hat einen zu anschlägigen Kopf. Sie werden nie einen Kaufmann oder so was aus ihm machen, er schreibt Gedichte". „Schreibt Gedichte!" wiederholte Miß West, „beste Frau!" „Ja, und Dr. Cloth sagt, er wäre ein Genie", fuhr Kate fort, augenscheinlich sehr unsicher, wie diese Mitteilung wohl ausgenommen werden würde. „Immer schlimmer", sagte Marian. „Ich möchte so sehr gern, daß Sie ihn einmal sähen; ersieht aus wie ein junger Prinz." Aber Marians Gesicht bedeckte sich unter dem Schleier mit Schamröte. „Ich habe ihn seit dem Tage, wo ich ihn Ihnen in den Arm legte, nicht wieder gesehen", sagte sie dann nach einer Pause nachdenklich. „9?cin, der arme, kleine, nette Kerl!" „Aber", unterbrach Marian, „er ist doch glücklich und zufrieden, nicht wahr? Sie sind gut gegen ihn, des bin ich sicher; und er weiß doch nichts, argwöhnt nichts." „Nein", war die ernste Entgegnung. „Er nennt mich Mutter. Ich bin sehr freundlich und gut mit ihm; aber jedermann kann sehen, daß es keiner von uns ist, und obgleich er bei uns groß gezogen ist, so glaube ich doch nichts daß das Kind sich ganz zu Hause fühlt." „Aber er hat doch nie etwas anderes gekannt? Er hat kein anderes Leben, keine andere Umgebung gekannt?" sagte Marian eifrig. i. „Nein, Madame; aber der Geschmack ist verschieden, und seiner ist offenbar mit ihm auf die Welt gekommen". „Sie meinen also, sein feines Wesen sei angeboren", sagte Miß West; und Kate erwiderte liebenswürdig lächelnd: „Ja, ja, das ist genau das, was ich sagen wollte, aber ich konnte das nicht so bringen." „Sic haben sorgfältig Wort gehalten und Abbotsville nicht wieder erwähnt, seit Sic dort abreisten?" „Kein mal mehr", versetzte sie. Dann saß Marian West eine Zeit lang grübelnd und nachdenklich da. „Kate Jefferies", sagte sie endlich, die Zeit ist gekommen, ivo ich Ihnen mehr vertrauen muß, als ich einst tun zu müssen glaubte. Ich weiß nicht, was Sic von mir denken werden, wenn Sie alles erfahren; das aber ist gewiß, ich habe in bester Absicht gehandelt." Sie seufzte lief und sah ins verglimmende Küchenfeuer; vielleicht bedrückte sie die Last des so lange Jahre gehüteten Geheimnisses. „Von meiner Schwester will ich nicht sprechen," sagte sie dann. „Sie nannten sie Mrs. Folksworth. Sie können sie noch so nennen, wenn Sie wollen. Ihr Geheimnis gehört ihr allein. Ich war ihr nächstes und liebstes auf der Welt, und doch habe ich es nie erfahren. Ich kann cs Ihnen also nicht sagen; ich weiß nicht, mit wem sie verheiratet war, nicht, warum alles ein solches Geheimnis bleiben mußte; alles, was ich weiß, ist, was vorficl." Und wieder saß Miß West einige Augenblicke schweigsam da und beobachtete die glimmenden Funken. „Wie Sie wissen," begann sie wieder, „war meine Schwester damals gefährlich krank, so daß wir nicht mehr für ihr Leben hofften; ihre fixe Idee war, daß ihr Kind tot sei, hatte sie es doch nie gesehen, gehört oder es sich vorstellen können. Sie war so "krank, daß ich fürchtete, diesen Eindruck 586 Ist er anstellig und klug?" - ®cv ganze Stolz einer Muller strahlte ans ihren Zeigen, als sie schnell antwortete: „Gewiß; aber so ganz anders wie Werner." r f Marian niekle zerstreut und fuhr fort: „Hch habe micy unter der Hand über Dr. Cloths Institut erkimdigt und horte, daß es zioei Stipendien an dieser Anstalt gibt. Wenn Werner eines bekonunen u>id daraiifhiir zur Universität gehen könnte, so wäre das etwas Großes für ihn, und zugleich könnten die Leute danir iricht mehr so arg darüber sprechen. In beut Falle werde ich ihm anonym alles schicken, was er auf der Hochschule nötig hat. Denken Sie daran, Kate, ei- soll ihm an nichts fehlen. Ich habe ein großes Vermögen, wie Sie wissen, und ich würde cs ganz und gar darauf verwenden, daß das Geheimnis meiner Schwester gewahrt und für den Knaben gesorgt wkrh. Nun habe ich alles ge- Eiu neues Schesielbuch. Briefe hervorragender Menschen gelten mit Recht als interessante Dokumente für die Beurteilung chrer Mer^ iaiier Im Verlage von Georg Merseburger m Leipzig SfcFSl 3»M wi< ► Sch-N« x>- -R Karl Schwanttz. (Nebst Briesen der Mutter schessrls.) 1845—1886. Meis Mk.. 4.—< ■ > ■ ** -n zerstören; ivirklich, ich fürchtete, ihr zu sagen, das Kind | lebe, so sehr war ihr ganzes Gemüt von der Tatsache semes Todes erfüllt und durchdrungen. Ich iveiß," fuhr Nuß West I schneller fort, „daß Sie mich tadeln werden^ aber cs gefchah, I um sic zu retten, und ich tats — Gott iveiß es m bester | Absicht. Die Wahrheit ist also, meine Schwester, weiß nicht, I daß ihr Sohn lebt — und sie darf es auch nie erfahren. । Sie hören das, Kate? Es wäre sicherer Tod für sie, und vielleicht für mehr als für sic allein." | Kate Jefferies behäbiges Gesicht war blaß geworden. „Ich darf Ihnen sagen," fuhr Miß West fort, „daß sie | setzt eine große Dame ist, daß sie einen Gemahl hat, der sie liebt, und Kinder, auf die jede Mutter stolz wäre. Wenn I sie dies jemals erführe, Kate, sie würde verrückt oder stürbe. Wir haben ihr Geheimnis nun diese langen Jahre her be- wahrt — wir müssen es ferner bewahren." „Armer, lieber kleiner Werner," sagte Kate mit Tranen i in den Augen. | „Aber er ist doch glücklich und zufrieden," unterbrach Marian schnell, „er hat alles, ivas er braucht, und ich iverde natürlich für ihn sorgen, besser, ivie selbst seine Mutter es 1 könnte." ■ , „Eine Mutter in der Welt und am Leben zu haben I und es nicht zu wissen, sie nie zu sehen, sie nie sprechen zu I hören, scheint mir doch sehr hart." r I „Er wird sie nicht vermissen, weil er sie nie gekannt hat," versetzte sic. „Es soll ihm an nichts fehlen. Hsih ivill 1 ihn in den Stand setzen, jedem Berufe, den er erwählt, zu I folgen; er soll nie in Verlegenheit kommen, und wenn er etwas alter ist, ivill ich einige Staatspapiere, die ich habe, I zu Gelbe machen, unb ihm durch meinen Rechtsbeistand, dem ich vertrauen kann, eine jährliche Rente von dreihiindert Pfund auswersen, so daß er sorgenfrei leben kann." „Ich sehe nicht ein, wie das alles noch gehen soll", sagte । Kate nachdenklich." „Wir iiiüssen unS in dieser Beziehung em wenig ans das Kapitel der Zufälle verlassen," versetzte Miß West. „st,ch glaube, Sie meinen, die Leute würden neugierig werben, da sie glauben, es sei Ihr eigener Sohn, unb würden sich^ver- wundern und darüber aushälten, wie Sie dies und biw für ihn leisten könnten?" „Ja, das meine ich; sie sprechen schon letzt darüber, daß ich ihn auf Dr. Cloths Schule schicke. Mein eigener Sohn ist auch oft neugierig; er verwundert sich oft, ivarum Werner das und das bekommt und er nicht." Miß West sah ungeduldig auf. , „ , „Ich habe Ihnen gesagt, daß Geld keine Rolle für mich spielt — die Bewahrung meines Geheimnisses ist alles. Lassen Sie Ihren Sohn alles haben, ivas er nötig hat, ich komme dafür auf; aber iratürlich so, daß er nicht anders weiß, am daß Sie für ihn sorgen. Wenn die Zeit für mich kommt, ihm zu helfen, so werde ich es tun, so daß keine Verantwortlichkeit auf Ihnen lastet." ~ „Ich möchte auch iiicht gern, daß xyiet argwöhnisch würde und miet) mit Fragen quälte," sagte Kate JesscrieS. „Gewiß nicht. Wenn Sie mir sagen wollten, welchen Lebensberuf Ihr Sohn erwählt, so werde ich für ihn sorgen. von Trauer und Stolz. „Kate", sagte sie leise, „ich habe nuch getauscht Lagen Sie ihm nie etwas dagegen. Der Knabe ist ein Dichter und ein Genie. Ich — ich möchte ihn wohl sehen, ohne daß er es gewahr wird, wenn eS geht." , , Kate Jefferies schlich sich leise in bie kleine Kammer; beide Knaben schliefen fest. „Sie können ihn sehen", sagte sie ziirückkehrend, „ganz ohne Gefahr." ' ( Marian West ging sachte in das Znnmerchen. Er lag da, die goldbraunen Locken auf dem Kissen, das schone Gesicht vom Schlnminer gerötet, die süßen Lippen halb geöffnet, die eine Hand, weiß nnb schlank, wie bie eines jungen Prinzen, lag auf der Bettdecke. Als Marian so auf ihn blickte, fliegen ihr bie Tränen in bie Augen. Kam ihr eine Erinnerung an beit anderen Sohn ihrer Schwester, der ans seinem. Daunenkissen lag und schlief, >n dem dem Erben von Kenninghall zugeiviescnen fürstlichen Schlafgemache? Sah sie, wie das schöne Gesicht ihrer Schwester sich über diesen andern Sohn neigte, wie sie ihn liebkoste und ihm zärtliche Worte zuflüsterte? , Es mußte wohl so gcivesen sein, denn sie wandte sich mit schwerem Herzen ab, und nicht mehr zii unterdrückende Tränen rollten zu Boden. „Ist er nicht schön?" fragte Kate stolz, als sie ivieder in der kleinen Küche standen. „Zu schön und zii begabt, um namenlos durch die Welt zu gehen", erwiderte sie trübe. „Leben Sie wohl, Kate. Tun Sie getreulich Ihre Pflicht, und ich will S,e anständig belohnen dafür, daß Sie unser Geheimnis wahren. I (Fortsetzung folgt) recielt, weshalb ich gekommen. Vergessen Sie nicht, daß mir Ihre Treue verpfändet ist. Sie müssen eher des Todes sterben, als sich unser Geheimnis entreißen lassen wollen, So tapfer, starkmütig und voll Selbstvertrauen sah sie aus, daß von dem in ihren Augen leuchtenden Geiste etwas auf Kate Jefferies überging. , „Ich bin Ihnen bis jetzt so treu wie Gold gewißen , sagte sie, „und ich ivill Ihnen treu sein, bis ich sterbe." , „Ich glaube Ihnen", sagte Marian West und druck e die braune, schwielige Hand in der ihren. „Es war eine gute Stilnde, die Sie mir zugeführt." . , Sie sind sehr gut gegen mich gewesen , fuhr Kats Jefferies dankbar fort. „Mein nettes Häuschen, mein ruhiges, gemächliches Leben und die ganze gute Erziehung meines Sohnes, alles verdanke ich Ihnen." Miß West erhob sich von ihrem Sitze. „Ich muß gehen", sagte sie; „es wird spat. Kate, ich möchte wohl etwas sehen, was der Junge geschrieben har, einige von seinen Gedichten, ehe ich gehe. Es ist ja natiir- lich alles Unsinn, und Sie müssen ihn nicht darin ermutigen, aber ich möchte sie doch 'mal gern sehen." . .. Ich will seine Schreibbücher holen", sagte Kate dienst- fertig, „sie sind im schrank vorn nn Flur. „ „ Baid kam sie mit einem Pack Hefte in der Hand zurua, schlug eins davon auf und reichte es Miß West. Das war sein erstes", sagte sie. „Ich glaube, _ Sie hätten ihn leiden mögen, wenn Sie ihn bloß ge,egen hätten, wie er mir's vorlas, so stolz, so scheu, so schon sah Ct ^Marian West las das Gedicht. Es war das in Worte gekleidete Abcndlicd des Vögelchens — voll sonniger stpmi- Frühiichkeit und -Schönheit. Als sie es las kam «n merkwürdiger Zug über ihr Gesicht - eine seltsame Mischung 587 Der briefliche Verkehr zwischen den beiden, die sich aus der Universität Heidelberg kennen kernten, um dann fürs Leben Freunde zu bleiben, hat über 40 Jahre, bis zum Tode Scheffels, gedauert. Schwanitz überlebte den Freund unr 17 Jahre, und in seinem Nachlaß fanden sich die vorliegenden Briefe. Was Scheffel an den in der Oeffentlichkeit wenig hervorgetretenen, stillen und schlichten Schwanitz fesselte, das war dessen einfach-treuherzige, zuverlässige, mannhafte Art. Wie tiefherzig er ihm zugetan war und das ganze Leben über verblieb, das geht aus mehr als einer Stelle der gemüt- mtb geistvollen, vielfach hochinteressanten Briefe hervor. So schreibt Scheffel — nm nur einige Stellen anzuführen — am 22. März 1846 von Berlin aus, wohin er zu weiterem Studium von Heidelberg gezogen, an den damals in Jena studierenden Freund. „. . . Mir war's wahrhaftig auch llicht leicht ums Herz, als wir in Zwätzen Abschied von einander nahmen -- Dein trüber Blick und Dein Händedruck habeu mir Vieles gesagt, was ich so bald nicht vergessen werde, ich war fast beschämt, so viel Lieb' und Treue bei Dir gefunden zu haben — und hab' mir -tut Stillen angelobt, derselben immer wert zu bleiben, und, wie es auch später komme» mag, mein möglichstes zu tun, um ein braver Kerl zu feilt, dann ist alles gut. Wenn es je einmal schief mit mir gehen sollte, so schreib mir einen recht gewaltigen Brandbrief und erinnere mich an unseren Freundesverkehr — das soll mich wieder auf den rechten Weg bringen." Und am 14. März 1847 berichtet er von Heidelberg aus dem bereits ins Philisterium zurückgetretenen Schwanitz: Gestern habe ich zuni letzten Male als deutscher Student auf den Kollegienbänken gesessen — Gute Nacht, Frühling! Desto wärmer aber werd' ich die Erinnerungen pflegen, je dürrer die Kandidatenzeit ist: und Du siehst mitten drin, wie ein Heiligenbild in einer Mauernische, mit Ephen umzogen..." Aus Säckingen, dem er später zu Ruhm verhelfen sollte, schreibt er am 21. Juli 1851: „. . . Daß mir unter dem wenigen Unwandelbaren, was ich aus dem Schiffbruch der Zeit gerettet habe, auch die unverbrüchliche Liebe zu Dir geblieben ist, dessen darfst Du Dich versichert halten. Das Ephen von Heidelberg und Jena hat unsere Herzen fest zusammen gerankt und wird nicht verdorren, so lange sie selber schlagen..." Mit den Worten: „Ach wenn ich dich doch immer bei mir hätte" verabschiedete sich der durch mancherlei Schicksale schwer geprüfte und schon lebensmüde Scheffel von dem Freund bei dessen Besuch in Karlsruhe im August 1885. Es war das letzte Mal, daß sich die Freunde sahen. Am 9. April 1886 schloß Scheffel die Augen für immer. In solch innigem Verhältnis stand Scheffel zu dem Männe, an den diese Briefe gerichtet sind. Was Wunder, daß er ihnen vieles anvertraute, was er, der im Verkehr so Zurückhaltende, fast Mädchenhaft-scheue, sonst gegen niemand aussprach. Wir erfahren aus ihnen über sein Sinnen und Denken, sein Leben und Schaffen, Lieben und Leiden soviel des Neuen und Eigenartigen, wie noch aus keiner der bisher erschienenen Scheffel-Publikationen. Und immer — in allen Wirren und unter den schwersten Schicksalsschlägen, worunter der Verlust seiner Schwester und Eltern und die furchtbare Katastrophe seiner Ueberarbeitung, die ihn nahe an den Wahnsinn führte, vielleicht noch nicht das Schlimmste waren — erweist er sich als der aufrechte, mannhafte, seinem Freunde treu ergebene Gesell, als der er uns von seinem ersten Schreiben an erscheint. Ein schönes Ehrenzeugnis stellen diese Briefe Scheffels Charakter aus, und wir gewinnen aus ihnen den Menschen lieb. Ein Störendes und Schwerlastendes in seinem Leben, die T r a g i k s e i n e r Ehe, wird freilich nur leicht an- gedeutet. Rücksicht auf den Sohn und noch lebende Ber- ivandte von Scheffels Gattin wird wohl der zu ehrende Grund sein, daß hier die Quelle spärlich fließt. Umsomehr Einblick gewähren uns die Briefe in sein Leben und Treiben während der Studienjahre, dann in sein späteres Schaffen und Kämpfen und schließlich auch — besonders mit Hilfe der Briefe von Scheffels Mutter an Schwanitz — in seine gjoit erwähnte, durch ungeheure Ueberanstrengung (bei den orstudien zum Ekkehart) herbeigeführte Leidenszeit. Hier wird maic Vieles bisher Unbekannte nicht ohne Bewegung lesen. Wie grausam doch, das Geschick den Humor diesess Dichters wieder zu vernichteu verstand! — Alles in allein ein Buch für den Weihnachtstisch der deutschen Familie. G eo r g B ö t t i ch e r. Die Universität Aberdeen. Die Festlichkeiten zur Feier des vierhundertfährigcn Bestandes der Universität Aberdeen erreichten am 27. September ihren Höhepunkt in der Anwesenheit des Königs, der das neue Universitäts- gebäude eröffnete, und in dem großen Festbankett, das für 2400 Gäste gedeckt war. Biele Fremde, darunter auch deutsche Gäste ivaren mtivesend. Die UniversitätAberdeen ist demAlter nach die dritte der schottischen Universitäten, da St. Andrews nahezu 500 Jahre und Glasgow mehr als 450 Jahre alt ist. Dafür aber besaß Aberdeen mehr als 250 Jahre lang zivei Universitäten. Dir älteste >var der sogenannte „King's College", das von William Elphinstone, Bischof von Aberdeen, auf Grund einer im Jahre 1494 bis 1495 erlangten päpstlichen Bulle gegründet ivuroe und sei e Vorlesungen im Jahre 1505 eröffnete. Die Universität gab Unterricht in Theologie, in gemeinem und kanonischem Recht, in Medizin und in freien Künsten und befaß stiitungsgemäß „alle Rechte und Privilegien in Bezug aus akademische Grade, ivie sie von den Universitäten zu Paris und Bologna ausgeübt werden". Diese Universität war die erste in Großbritannien, an der Medizin vorge- trngen ivurde. Die Reformation und die Weigerung der alten Universität, sich dem neuen Zeitgeiste anzubequemen, führten irr. Jahre 1593 zur Gründung einer zweiten Universität, des „Atarischal College", gegründet mit Erlaubnis des schottischen Parlaments von George Keith, dem filmten Carl Marischal. Zwischen den beiden Universitäten, den Lehrern soivohl wie den Schülern, gab es natürlich fortwährend Streit und Kampf. In alten Schottland bewegenden politischen und religiösen Fragen standen sie immer auf entgegengesetzten Seilen. 1641 wurden sie allerdings zeitweise unter dein Titel „König Kurl-Universität" vereinigt, aber nach der Union von Schottland und England gingen die beiden Universitäten abermals auseinander. Es ivar erst 1853, daß beide wieder zur Universität Aberdeen verbunden wurden. Jur Gegensatz zu den englischen Hochschulen haben die schottischen immer einen gewissen demokratischen Charakter getragen, und der Verbreitung der Volksschulbildung bis in die euilegendsten Dorf- iveiler entsprach gleichzeitig eine Einrichtung der Universitäten, die es selbst dein Sohn des HochlaudschäferS oder Fabrikarbeiters ermöglichte, Hochschulbildung zu erhalte». In dieser innigen Ver- bindung aller Zweige des nationalen Unterrichtswesen liegt die Bedeutung und Stärke der schottischen Hochschulen und Aberdeen steht da 'im vordersten Range. Namentlich in den englischen Kolonien findet inan eine erstaunliche Menge von Schotten in hervorragenden Stellungen, die sich mit Hilfe ihrer Universität aus ganz Keinen Anfängen emporgearbeitet hoben. Doch fehlt es Aberdeen auch nicht etn großen Namen der Wissenschaft, die aus seinem Schoße hervorgegängen sind. In neuerer Zeit sind der große Physiker Clerk Maxivell ii»d der Philosoph Alexander Bai» zu erwähnen, weiter zurück der Romanschriftsteller und Historiker Smolett und der gelehrte Bischof und Geschichtsschreiber Burnet. Die iteneii Gebäude, die gestern vorn König eröffnet wurden,, sind hauptsächlich für Labaratorien und Hörsäle bestimmt und haben ungefähr 250 000 Pfund gekostet, ivovou ein bemerkenswerter großer Teil von Privatleuten beigesteuert ivurde. Als Material diente vorwiegend Granit, der Stil ist die englische Gotik der Tudorzeit. Neben diesem modernen Neilbatt bleibt das alte massive Gebäude von Kings College mit seiner schönen alten, mit wunderbarer Holz- täselei gezierten Kapelle bestehen. lieber das uom Universitätskanzler Lord Strathcona gegebene Festmahl, das einen K o st e n a u f iv a i> d von 200 000 M k. verursacht Hal, wird folgendes berichtet: D,e Beraustaltuiig lag in den Händen der Londoüer Lyons u. Co. Ein Sonderzug war erforderlich, um die Ta>elrequisiten von London zu bringen, die ein Gewicht von 1000 Zentner hatten. Es befanden sich darunter 64 000 Gabeln, Messer und Lössel; 12 000 Gläser, 24 000 Teller, 4000 Schüsseln, 1900 Blumenvafcn und außerdem auch 5000 Flaschen Champagner, Sherry, Portwein, Rheinivein, Bordeaux- uiid Bur- gtmderweine und 800 Flasche i Liköre. 3009 Hauaiinazigarren und nahezu 10 000 Zigaretten wurden auch mitgeführt. —-—--» . Oktober! : Von Richard Staben. Nachdruck verbotest.. Die neue Wohnung. EZ ivar wirklich nicht mehr auszuhalten geivesen in der alten Wohnung. Der Geizkragen von Hausivirt hatte sich schließlich sogar geweigert, die Küche ivieder Herrichten zu lassen, trotzdeut in ihr allerhand Ungeziefer täglich eine Unmenge Schiveinsurter Grün vertilgte, ohne daran zu Grunde zu gehen. Dieser Giftkonsum mußte in einem Neubau unbedingt aushören, der auch all die übrigen Mängel nickst ailsiveisen konnte, mit denen die alte Wohnung so reichlich ausgeftaitet war. , So hielt also die Familie Schrotmaiin heileren Genilltes ihren Einzug in den Neubau, trotzdem die Unbequemlichkeiten des Umzuges noch jedem einzelnen Familienmitgliede arg im Magen lagen. — 588 Die Wemlese. Ein verspäteter Gewitterguß hatte den schweren Boden gründlich ausgcweicht. Ani einem Feldivege, der unkern der Gleise der Süddahn zu beit südlichen Nachbarorten der Hauptstadt iuhrte, hastete mühsam ein junger Bursche dahin, da er bei jedem Schritt im Lehmboden ausglitt und einzusiuken drohie. Ter Rucksack hing ihm schwer auf deut Rücken und der Regen hatte die Spielhahn- sedcr seines Hutes, die sonst gar keck in die Welt zu streben pflegte, arg mitgenommen. Ganz geheuer war deut Weidingcr-Franzl auch nicht zu Mut, denn er wußte nicht-, welchen Empfang er ivohl zu Hause finden wiirde. Er hatte ja geschrieben, daß er mit der Eisenbahn kommen würde, aber da hatte er gestern noch einige Partien „Schnäpselt" mitgemacht und dabei hatten ihm scme Partner die lebten paar Kronen abgenommen, so daß es nicht mehr auss Fahrgeld gelangt halte. So mußte er stolz zu Fuß seinen Entzug halten ... , „Jessas, der Franzl," hatte seine Mutter ausgerufen, als erden Hof betreten hatte. Der Franzl," hatte ihn der alte Wetdmger von oben ins rutiett gemustert, „na — all's was recht is: schaust mir nit aus als wcnn's in der-Fremd zu woas gebracht hätt'si, aber kommst grad recht zur Weinlcs', doa ivern's alle Hand gebraucht. Aitt derer Schlamperei und dem Sumsen ist's oaber vorbei für ewige Zeiten." Und nun hatte-es saure Wochen gegeben und noch kein einziges frohes Fest. Das war dem Franzl sehr unwillkommen gewesen, denn so ein scharfer „Sumfer" ging ihm doch über alles.. Aber da er wußte, daß .nach dieser Richtung mit dem Vater nicht z>i spaßen war, hielt er hübsch still niis in der Hoffimng, daß er nächsten. Sonntag das Versälimte wohl nachholen werde. Diese Hoffnung täuschte ihn otid) nicht, denn der Sonntag brachte die erste Kostprobe des „Heurigen". Ter Most halte liebliche Blume, schmeckte süfsig und floß „ivie Oel". Franzl fühlte sich ganz in seinem Element und erzählte Wunderdinge, von seinen Reifen, so daß ihm die Dorfbewohner staunend zuhörten. "lud) sein Vater staunte mib knurrte ingrimmig vor sich hin: „Schön gewirtschaft't hat er mit mein' Geld. Dös i den Franzl nock) mal in die Welt ziehen laß, dös gibt's nit mehr. Ter niiiß dahoam bleiben imb heiraten." Am nächsten Morgen erwachte Franzl mit einem so „dahmischen" Die Treppen zur neuen Wohnung waren nämlich „provisorisch noch mit Brettern beschlagen und die Treppenge ander fehlten überhaupt noch gänzlich. So ivas kam aber schließlich bet jebem Neu- Weniger angenehm war cS schon, als sich in der ersten Nacht von der Decke des Schlafzimmers ein Stuck von dem schlecht ange- aipstcn Sluck loslöste und mit Tonnergepolter neben dem Bett bc^ tlcinen Emil niederstürzte, der darob ein großes Geheulethob und sich weigerte weiter zu fchlafen, weil er sich vor Gespenster fürchtete/ Es bedurfte der ganzen Ueberrediingskunst des guten Muttchens, um den „lieben Sohn" mich nur einigermaßen wieder zli t Cg(l^8sg^tter» rjc; §ert Schrotmann, als er Mittags hungrig nach" Sause kam, „da ist ja wohl die Milch übergelausen, dieser Geruch versetzt einem ja ordentlich den Atem. Wer hat denn da wieder einmal nicht ausgepaßt?" . ~ . , , „Hat sich was mit Auspassen», wehklagte seine Frau, da hab ich mich den ganzen Vormittag abgeplagt und abgehetzt, aber ich kriege die Kochmaschine nicht in Gang. Als ich zum ^opterineister schickte, ließ der mir sagen, das könne wohl vorkonunen, denn <• ct„> sei nur eine provisorische Maschine . . . ." So so," knurrte Herr Schrotmaiin, „na daiin gib mir vor- läufia mal ein Glas Wasser, ich habe Durst." Wasser — Wasser?" dehnte die Frau, „vom Brunnen kannst dii niclchcs kriegen, aber ich rveiß nicht, ob das gerade sehr bekömmlich sein wird." ■ , r , r , „WaS schickst du denn erst zum Bruunen runter, gib doch ivelches aus der Leitung," tadelte Herr Schrotmann. . „’ne Leitung ist allerdings vorhanden, aber die sunktiomert noch nicht" die ist mir provisorisch," erklärte seine Frau. „Na, da laß doch Minna mal den HauShnlter holen, tch will mit dem tucocn der Leitung sprechen," befahl Herr Schrolmann. Minna kam atemlos ivieder heraufgekeucht: Der Haushalter läßt melden, die Wasserleitung ging ihn gar nichts an. Er ist nur provisorisch angestellt, bis der Neubau fertig sein wird. Außerdem seh' ich nur das Elend in diesem Neubau nicht »tehr langer mit an- wäre ich doch bei einem Haar die provisorische Treppe ruutergestürzt und dabei hätte ich mir sicher provisorisch Hals und Beine gebrochen." . .. ~, Als abends die Gasleituna komplett versagte und Herr Schrot- manu beim Zubettgehen im Scheine der Nachtlampe einen med- lichen Schiinmelpilz erblickte, der aus der Wand neben feinem Bett hervorzukriegen schien, blieb er noch ein Viertelstündchen wach und schrieb den/ Hauswirt einen Brief, in welchem er erklärte, daß er mit seiner Familie provisorisch in einem Hotel auf Kosten des Hauswirts Wohnung nehmen werde, solange, bis atis dem provisorischen ein definitiver Neubau geworden sei. Kopf, daß er das Fenster seiner Schlafstube für ein Scheunentor ansah. Der Heurige lag ihm noch so stark in den Gliedern, daß seine Denkfähigkeit vollkoniinen ausgeschaltet zu sein schien. Und zum Ueberfluß erschien auch noch der „Alle" aus der Bildfläche, int Sonntagsstaat, die Familienringe an den Fingern. „Franzl," erklärte er in jenem Tone, der keinen Widerspruch vertrug, „pack' dich z'samm. Ich mach' dem G'schwaudter einen Besuch und du beglei'st mich. Mit der Theres unterhälst du dich eine Weil', ich werd' mit dem G'schwandter reden und dann ist die G'schicht fertig, — die Theres ist deine Braut." „Meine Braut?" staunte Franzl. Er wollte gegen diese Art von Brautiverbung protestieren, aber er verfügte heute auch ilicht über einen Funken von Energie, der Heurige hatte ihn vollkommen willenlos gemacht. So trottete er gehorsanr neben seinem Vater zum G'schwandter, lächelte Fräulein Theres verständnislos an, sagte mehrercntale „ja" und wurde dafür von seinem Vater auf dem Heimweg belobt: „Na, dös ist ganga wie g'schmiert. Hätt' mir's selber nit so leicht vorgestellt. Aber da du dich so brav gehalten hast, Franzl, gratulier ich dir hiermit zu deiner Verlobung." Franzl sand kein Wort der Erwiderung. Wie traumverloren wankte er neben seinem Vater her: eine solche Wirkung hätte er dem Heurigen wirklich nicht zugetraut I — M eher s G-roßes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Jllustrationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) — Wir freuen uns, unfern Lesern heute wiederum einen neuen, den 14. Band vom „Großen Meyer" anzeigen zu können, der damit schon bis zum Stichwort „Ohmgeld" gediehen ist. Auch dem jüngsten Band ist die bereits bei seinen Vorgängern oft und gern hervorgehobene außerordentliche Sorgfalt in der Auswahl und Abfassung der Artikel, ihre meisterhafte Gruppierung, die Prägnanz der Ausdrucksweise und die geradezu glänzende Illustrierung in ganz hervorragender Weise eigen. Das zeigen uns z. V. die gerade in diesem Band stark vertretenen Artikel Aus dem Gebiet der Länder- und Städtekunde. Wir verweisen hier nur auf die eingehenden Monographien von München und Newhork sowie auf die umfangreichen Abhandlungen über die Niederlande mit ihren Kolonien, über Nordamerika, das Norddeutsche Tiefland und Norwegen — sämtlich mit erweiterten oder ganz neuen Karten und Plänen. Fragen von allgemeinem, gewerblichem und volkswirtschaftlichem Interesse behandeln sachgemäß die Artikel Möbel, Mode, Monopol, Münzwesen, Nahrungsmittel (mit einer tabellarischen und graphischen Darstellung ihrer chemischen Zusammensetzung), Nerven, Normalarbeitstag, Nutzhölzer, Obstbau und Obstverwertung. Durchaus in ob ent sind die durch instruktive Abbildungen veranschaulichten Artikel Motorboote und Motorwagen. Als eine willkommene Neuerung begrüßen wir die Uebersicht der wichtigsten naturwissenschaftlichen Entdeckungen, und nicht unerwähnt bleiben sollen ferner die farbenprächtigen Tafeln der nearitischen und neotropischen Fauna sowie zwei sehr wohlgelungene Porträttafeln von bedeutenden Naturforschern aller Zeiten bis ans Haeckel. Damit kommen wir auf das biographisch-historische Gebiet, auf dem wir wohl- geluugenen Abschnitten über Moltke, Mozart, Mulden, Munkacsi, Nansen, Napoleon begegnen. Erwähnen wir noch, daß aus der Rechtspraxis Begriffe wie Moratorium, Mündelsicherheit, Musterschutz, Nachlaßansprüche, Nachlaßregulierung, Nachlaßverwaltung, Namensänderung, Nießbrauch, Oeffentlichkeit eine sehr durchsichtige Behandlung erfahren haben, so glauben wir in ausreichendem! Maße die erschöpfende Vielseitigkeit des neuesten Bandes an- gedeutet zu haben, der sich mit 72 bunten und schwarzen Tafeln, 16 Karten und. Plänen und 3 Beilagen würdig an seine Vorgänger anreiht, ______________ Arrthmogrrph. Nachdruck verboten- Ginen schönen Edelstein. 1 2 2 5 niederländischer Bildhauer. 2 112 landwirtschaftliches Gerät. 3 14 5 ein Tier. 4 2 3 5 Werkzeug. 2 5 4 2 deutscher Strom. 5 3 4 2 5 5 2 ein Insekt. 1 2 3 4 2 5 lyrischer Dichter. (Auflösung in nächster Nummer.? Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: X Ruben, Rubin. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen Universitäts-Buch- und Steindrtlckerei, R. Lange, Gießen.