1806 kr p KuttTlMti WW^M J3iiiiT 111 !>MHMd?AWWHl °'!j [pILniSs Mäs ilfläTrSws-F? li! i tov TW Zm Banne des Geheimnisses. Roman von H. v. Raesfeld. Nachdruck Verboteck. (Fortsetzung.) „Genuß, Herz, ich will es dir sagen. Du erinnerst dich des fatalen Unglücksfalls, der hier vorgekommen, nicht wahr? Wie gerade vor dein Feste jener unglückliche Jack Jefferies tot aufgesnnden wurde ■— ermordet, wie cs heißt — nicht wahr?" „Ja, ich weiß das", flüsterte sic, „aber Mortimer, ivas hat das mit mir zu tun? Es tat mir sehr leid, aber —" „Hör zu, Eve. Unser Polizei-Inspektor, Elliot, ließ aus London einen Geheimpolizisten kommen ■— Mordtaten müssen bestraft werden — und dieser Mann, der in der bestimmten Abficht kam, den Verbrecher zu entdecken, ist seitdem immer hier auf Kenninghall gewesen." „Urb das hast du mir nie gesagt?" ivarf sie ein. „Weshalb, mein Liebling? Warum dich belästigen? Man sagte mir, die Tatsache der verhaßten Anwesenheit dieses Menschen werde besser nicht erwähnt, deshalb sagte ich nichts darüber. Es ist mir im Traum nicht eingefallen, dich mit.einer solchen unangenehmen Mitteilung zu behelligen." „Es wäre vielleicht besser gewesen", murmelten die blassen Lippen kaum hörbar. Lord Wayne fuhr fort: „Dieser Geheimpolizist, der als der schlaueste seiner Art gerühmt wird, hat sich schließlich als ein fürchterlicher Tölpel und Stümper entpuppt, denn sein Verdacht — o, Evelyn, mein Weib, verzeih mir, daß ich solches sagen muß, hasse nach nicht dcsivegen — sein Verdacht ist auf dich gefallen!" Ihre Arme lösten sich von seinem Nacken — ihr schönes Gesicht wurde starr und schrecklich in seinem Entsetzen. Sie erhob sich langsam und stand aufrecht vor ihm, unnennbares Entsetzen i» jedem Zuge. „Mich haben sie im Verdacht?" keuchte sie hervor, „mich? Und warum? sag mir warum, Mortimer?" Doch es war nicht so leicht zu sagen. Zum crstenmale fiel es ihm wieder ein, wie furchtbar diese Beweise waren. „Du mußt tapfer und stark sein, mein Liebling", begann er zögernd. „Ich bin überzeugt, du kannst alles aufklären, was sich jetzt noch merkwürdig und unklar anläßt. Also du fragst mich, warum man dich im Verdacht hat. Zunächst — erinnerst du dich des goldenen Armbands mit Smaragden, das ich dir an demselben Abende gab?" Ein plötzlicher Schrei entfloh ihren blassen Lippen, und der Schrei sagte ihm, daß sie seit jener Stunde bis jetzt nicht wieder an das Kleinod gedacht hatte, „Man hat es an derselben Stelle, wo der Mord begangen. worden, gefunden, von feuchter Erde beschmutzt und mit Blut befleckt", setzte er langsam hinzu. Keine Antwort, nur ein leises, herzzerreißendes Stöhnen, das sich wie unwillkürlich ihren Lippen entrang. „Ich weiß, dü kannst erklären, wie das Kleinod dorthin gekommen ist", fuhr er eifrig fort. „Es braucht nur ein paar Worte von dir, Eve, um alles klipp und klar z» machen." Doch die Stimme, die ihm aniwortete, war ganz und gar nicht die, die er an Evelyn kannte, es war ein schrecklicher Klang voll Qual und Weh. „Sag mir, was sonst noch? Welche Beweise sonst noch? Welcher Grund zum Verdacht? Laß mich nicht warten, Mortimer, die Aufregung bringt mich um!" „An demselben so verhängnisvollen Abende trugst du eine Toilette ■— ein perlgraues Seidenkleid — und dieser Mensch, mit höllischer List, hat seinen Weg in dein Zimmer gefunden, Eve, und dort das Kleid entdeckt, — o, mein Sieb* ling, mein Liebling — vollständig mit Blut befleckt!" Blässer noch und starrer wurde das schöne Antlitz, schrecklicher noch der verzwciflungsvolle Bliek in den dunkelblauen Augen. „Was weiter?" flüsterte sie. „In der Brieftasche des Ermordeten haben sie einen Fetzen Papier gesunden, Evelyn, worauf von seiner eigenen Hand geschrieben steht: „— — Lady Wayne, wenn Sie nicht kommen, werden Sie es bereuen, so lange wie--" Das sind die sogenannten Beweise. Ich glaube fein Wort davon ; aber du, mein Liebling, mußt, um diese Kerle zu« frieden zu stellen, die Sache aufklären und auf ihr Nichts zurückführen." Bis zu seinem Tode vergaß Lord Wayne nicht, was jetzt folgte. Sie schlug die Arme mit einem schrecklichen Schrei über ihrenr Haupte zusammen, warf sich auf den Boden zu seinen Füßen hin und verbarg ihr Gesicht au der Erde. „Gott, o Gott", hörte er sie stöhnen, „endlich ist eS gekommen l" Er starrte völlig fassungslos, keines Wortes mächtig, auf die auSgcstreckte Gestalt, deren Gesicht vollständig in den Massen des reichen, goldenen Haares begraben lag« 64, Kapitel. Heldenmütige Liebe. Lord Wayne hob seine Gemahlin nicht auf, er Ivar wie gelähmt, eine schreckliche Angst überfiel ihn. War dies die Art und Weise, wie unschuldige Frauen eine so schmachvolle Anklage aufnehmen? Er hatte ge- glaubt, sie würde sich turinhoch in beleidigtem Stolze über ihn erheben. Er hatte einen Entrüstungs-, einen Wutausbruch erwartet, und da lag sie nun, und krümmte sich zu seinen Füßen. Er sah Marian an, sie ihn, und die beiden, die die niedergesunkene Fran da am Boden so zärtlich liebten und alles für sie getan Hütten, waren in diesem Augenblicke vollständig rat- und hilflos. »Marian", begann Lord Wayne endlich, »kannst du mir dies erklären?" Aber auch sie wandle sich bei seinen Worten ab und schauderte. „Mortimer", sprach jetzt eine leise, klagende Stimme zu seinen Füßen, „ich — ich bin nicht schuldig. Meine Hände sind rein voni Blute, rein von Mord, wie deine eigenen. Ich bin unschuldig, aber — an dem Abend, wo er zu Tode kam, war ich dort am Türchen bei ihm". „Du, Evelyn — bei ih m?" „Jawohl", versetzte sie verzweiflnngsvoll, „an jenem Abende, wo du vielleicht glaubtest, ich schliefe, stahl ich mich aus dem Hause und traf ihn am eisernen Türchen, am Ende der Lindenallee". „Ich kann's nicht glauben!" rief Lord Wayne. „Du, mein Weib — einen fremden jungen Menschen treffenk Evelyn, du bist von Sinnen, du träumst!" „Nein, nein, keins von beiden". „Evelyn hat mit keinem Wort die Unwahrheit gesagt, sie träumt nicht", sagte Miß West trübe, „glaub' mir, Mortimer." „Ich — ich bin hingegangen, um ihn zu treffen, Mortimer, er verlangte mich zu sprechen, und schrieb mir, ich solle kommen. Ich dachte mir nichts BöscS dabei. Ich hatte keinen Gedanken an Mord oder an Tod. Ich sprach mit ihm, und ich erinnere mich auch, das Armband an meinem Arme gesehen zu haben, als ich dort stand." „Weiter", sagte Lord Wayne, „nm's Himmelswillen, Verheimliche mir nichts, Evelyn." „Ich weiß nicht, wie lange ich dort gewesen, denn die Zeit verging wie ein schrecklicher Traum, und ich sprach gerade von jemandem, der mir lieb und teuer ist, als durch die stille, sternklare Nacht der fötal! eines in meiner Nähe abgefeuerteu Schusses drang. Ehe ich noch Zeit hatte, Mich umzudrehen, oder einen Hilferuf auszustoßen, schiert mich das warme Blut schon zu überrieseln, und er siel tot gegen mich! Wenn ich wieder an diesen Augenblick in seinem ganzen Grattsen und Entsetzen denke, — ist es mir gerade, als ob auch ich stürbe!" „Und dann?" forschte Lord Wayne angstvoll. „Dann", fuhr sie fort, „kniete ich neben ihm nieder Und hob seinen Kopf in die Höhe. Ich sah an seinem Gesichte, was vorgefallen, er war da bereits tot." „Und du hast nichts gehört? Hast keinen Anhaltspunkt? Hast niemanden gesehen?" „Nein", erwiderte sie. „Ehe der Schuh fiel, stand ich da in Schrecken und Entsetzen über das, was er sagte, nachher dachte ich an nichts mehr." ' „Das Armband ist dir dann vorn Arni gefallen?" „Ich glaube wohl", erwiderte sie mit verzweifelter Ruhe; „ich erinnere mich nicht, ich bemerkte es nicht, ich habe es nicht vermißt. Als ich sah, daß er tot war, bin ich, glaube ich, vor Angst uitd Entsetzen ganz von Sinnen gekommen. Ich weiß noch, daß ich durch bte Lindenallee lief, ich weiß auch noch, daß ich nach heißem Wasser geklingelt habe, um mir oie fürchterlichen Fleckeit von beit Händen zu waschen. Mortimer, ich habe keinen Augenblick daran gedacht, daß alles dieses als Beweis gegen mich sich erheben könnte, ich, hatte nur solches Grausen vor diesen Flecken." „Meine arme Evelyn", sagte er sanft, „es ist sürchter- Dlch I" ,/D, ich war sicher von Sinnen", fuhr sie leise fort, „die ganze lange Nacht hindurch war ein einziges Grausen, der einzige klare Gedanke, den ich hatte, war der, daß diese furchtbaren Flecken von meinen Händen müßten. Mehr rann ich dir nicht sagen, Mortimer." „Warum hast du mir nicht vertraut, Evelyn? Als du tns Haus zurückkamst und wußtest, daß ein Mord begangen war, warunt bist du da! nicht gleich zu mir gekommen? Ich hätte gewußt, was zu geschehen hatte. Ich hätte dir die ganze Qual dieses schrecklichen Verdachtes ersparen können. Warum nur hast du inir nicht vertraut?" „Ich wagte es nicht", stöhnte sie; ,/ich war von Sinnen, Mortimer, ach, ich wagte es nicht. Es handelte sich um ein Geheimnis, und wenn ich dir gesagt hätte, daß ich ihn getroffen, so hätte ich auch sagen müssen, warum."- „Und weil du mir nun dein Geheimnis nicht hast anvertrauen wollen, Evelyn, wird es jetzt die ganze Welt erfahren. Um dich von dem Verdachte zu reinigen, lvirst du angeben müssen, wie du dich aus meinem Hause geschlichen hast, um diesen Menschen zu treffen; und um deine Aitgaben als wahr hinzustellen, wirst du auch sagen müssen, warum du das getan hast. O, mein Weib, warum hast du mir kein Vertrauen geschenkt?" Ihre einzige Antwort war ein solcher Strom von leidenschaftlichen Tränen, daß ihm das Herz schier dabei brach. „Evelyn", sagte er, hob sie sanft empor und küßte ihr die rieselnden Tränen von den Wangen, „ich kenne dein Geheimnis! Du bist eine Heldin, mein Liebling — eine wahre Heldin. Du hast mit diesem jungen Manne verhandelt/um deine Schwester zu schirmen und zu schützen. Steh auf, süßes Weib, sei guten Muts! Du brauchst nicht zit weinen, brauchst dich nicht zu schämen. Dit hast dich selbst für deine Schwester geopfert, und sie hat das Opfer angenommen. Er hielt sie in seinen Armen, driickte sie innig an sich, küßte ihr Gesicht, die gesenkten Augenlider, unter denen dicke Tränen hervorquollen, und wandte sich baust blitzenden Auges an Marian West. „Marian", sagte er ernst und finster, „ich will dich nicht tadeln, aber — war es wohlgetan oder rücksichtsvoll gehandelt, die ganze Bürde deiner Schuld aus dies geliebte Haupt fallen zu lassen? Ich kenne dem Geheimnis/ Marian! Es ist mir mitgeteilt worden von den Beamten.: Ich weiß, daß du seit Jahren — die Mutter dieses jungest Mannes bist, den wir als Werner Jefferies kennen. Nein, Evelyn, sei still, zittere nicht, du Süße! — Du hast cs nie an Liebe oder Pflichterfüllung gegen deine Schwester fehlen lassen; sie hat gefehlt darin, daß sie dies, die Last ihres Geheimnisses, auf dich hat fallen lassen." Ein leiser Schrei von Lady Waynes blassen zitternden Lippen. Marian West erhob frei den Blick zu Lord Waynes zürnenden Mienen. Selbstverleugnung und Heldenmut sprachen aus jedem Zuge ihres Gesichts. „Still, still, Evelyn", sagte sie: „dein Mann hat das Recht, mich zu tabeln; tritt nicht dazwischen; laß ihn zu mir sprechen, wie er will." „Es ist jetzt kein Geheimnis mehr", sagte Lord Wayne, „wenigstens für mich nicht. Ich verstehe jetzt die ganze Geschichte. Jener unglückliche Mensch hätte die Sachs berciusbekommen und versuchte nun natürlich, möglichst viel herauszuschlagen. Wahrscheinlich glückte es ihm bei dir nicht, Marian; er entschloß sich demnach, es bei deiner Schwester zu versuchen." Es erhob sich kaum ein Kampf in Marians edler Seele/ als sie diese ungerechten Anschuldigungen vernahm. Sie hatte die Liebe ihres Lebens der geliebten Schwester geopfert; es verschlug wenig, wenn sie nun auch noch West guten Namen zum Opfer brachte. Sie sah Lord Wayne würdevoll und frei an. „Ich leugne es nicht, Mortimer", sagte sie ernst. „Ich gestehe, es war wegen dieses so unseligen Geheimnisses, daß Evelyn, meine Schwester, draußen mit Jach Jefferies zusammengetroffen ist und verhandelt hat," ' v 65. Kapitel. / ■-? ■ Der letzte Versuch Lord Wayne war über die Maßen entrüstet. Er Ivar zornig, daß er nicht einmal bemerkte, daß seine Gattist schwer und bewußtlos in seinen Armen ruhte, und daß oas schöne Gesicht, das er noch mit den Lippen berührte, blaß und kalt Ivie der Tod ivar. „Du hättest mir vertratieir sollen, Marian", sagte er finster. „Selbstverständlich habe ich keine Rechte, weder verwandtschaftliche, noch sonstige, über dich; aber eS war Unrecht von dir, mir dies Geheimnis zu verbergen." Er verstand die ruhige Würde Wes Wesens sticht/ als sie jetzt erwiderte: m „Ja, ich habe Unrecht getan, Mortimer, niemand fühlt das bitterer, wie gerade ich. Sieh', Evelyn ist ohnmächtig geworden. Leg sie auf ihr Lager. Sie ist. nicht stark genug für solche Austritte, wie diese." Sie wollte ihm behülflich fein, doch er wandte sich mit seiner Last von ihr ab, als ob er die schwesterliche Berührung nicht mehr dulden wolle. Er legte Evelyn nieder und strich das Haar aus dem blassen Gesicht zurück. „Ich will dir keine Vorwürfe machen, Marian;'aber sie glaubte so durchaus, so ganz und gar an dich, daß der Verlust dieses Glaubens für sie ungefähr gleichbedeutend gewesen sein muß mit dem Verlust ihres Lebens." Marian, die Geduldige, erlviderte nichts. Sie dankte Gott in ihrem Herzen und hoffte mit glühender Inbrunst, es möge ihr vergönnt sein, alle Folgen der Torheit ihrer Schwester auf sich zu nehmen, so lange sie lebte, denn Lord Wayne selbst hatte keinerlei Verdacht aus seine Gattin, das sah sie sehr deutlich, O, wenn dieser Irrtum nur von Dauer war, und Evelyn den Rest ihres Lebens frei von Kummer, Schmach und Tadel verbringen konnte! Es war eine Szene, des Pinsels des Künstlers würdig; die schöne, ohnmächtig und wie tot daliegende Frau, die dariiber gebeugte Gestalt ihrer Schwester, so voll Liebe, Güte, Aufopferung und Heldenmut; und neben der Ohu- mächtigen der stattliche, stolze Gemahl, der am liebsten mit seinen zornigen Blicken die Schwester aus der Nähe der Bewußtlosen verbannt hätte. Als Marian sie beriihren, die weißen Lippen mit innigem Kuß wieder ins Leben zurückrufen wollte, winkte er ihr halb ungeduldig ab. „Marian", sagte er ernst, „in Anbetracht, daß ich der Mann deiner Schwester bin, daß du unter -meinem Dache geweilt hast, wie eine der Meinigen, daß die Ehre meines Namens und meines Geschlechtes gewissermaßen auch dir anvertraut gewesen sind — habe ich ein Recht, dich zu ersuchen, nnr mitzuteilen, was wahres an dieser Geschichte ist." „Du hast alles Recht", erwiderte sie leise, „mich alles Zn fragen, was du willst." „Also sag' mir, ist diese Geschichte wahr?'- Bist du die Mutter dieses jungen Mannes?" „Ich kann dir darauf nicht antworten", versetzte sie. (Fortsetzung folgt.) Der Bezirk Wodyeim an her Wleöer. M (Schluß.) -Im 10. und 11. Jahrhundert gehörte wohl das ganze hier besprochene Gebiet zur Herrschaft, daun Grafschaft Gleiberg. Gleiberg selbst ist um 911 erbaut von Otto, dem Bruder des Königs Kvurad I. von Franken, und spielte als Sitz eines der mächtigsten Grafengeschlechter lange eine gewichtige Rolle. Sein Gebiet zerfiel bei dem Aussterben dieses Hauses (Ende des 12. Jahrhunderts), hierbei kam der größere Teil des jetzigen Bezirks Rodheim in den Besitz der Grafen von Solms, und zwar an die 1226 gegründete Linie Solms-Königsberg. Es würde hier zu weit führen, die Geschichte der Zugehörigkeit der einzelnen Dörfer zum Hause Solms und der verschiedenen Verträge mit Hessen näher auszusühren. Nachdem Königsberg mit dem Hof Haina, Frankenbach, Waldgirmes, Naunheim bereits 1350 an Hessen verkauft waren, wurden sie doch erst 1629 definitiv an Hessen abgetreten und bildeten mit Hermannstein das Amt Königsberg, welches 1821 aufgehoben und zum Amt Gießen geschlagen wurde. Crumbach ist seit alten Zeiten zum Amt Blankenstein zugeteilt. Rodheim (Bieber) und Fellingshausen gehörte seit dem lAussterben des Hauses Gleiberg zu dem „Gemeinen Land an der Lahn" und befand sich in gemeinsamem Besitz der Herren von Mehrenberg, welche von Nassau-Weilburg beerbt wurden, und der Pfalzgrafen von Tüoiugen, welche ihre Rechte an den Landgrafen von Hessen 1265 verkauften. Dieser gemeinsame Besitzstand zwischen Hessen und Weilburg wurde durch einen Teilungsvertrag 1585 aufgehoben und Rodhetm mit Fellingshausen fielen an Hessen, welchem sie gleich dem ganzen Bezirk Rodheim bis 1866 angehörten. Wir müssen es uns leider versagen, das Näheren darzulegen, wie unser kleiner Bezirk an saft allen Kriegen, von welchen Westdeutschland im Laufe der deutschen Geschichte heimgesncht ward, hat Anteil nehmen Missen, oft unter schrecklichen Verheerungen und Drangsalen: von jener Zeit an, wo die Hunnen unter Attila (ca. 450) sengend und mordend durch unsere Gegend nach dem Rhein zU zogen, bis in die Zeiten der Revolutions- und Befreiungs- kriege (1792 bis 1815), wo zum letzten Mal große Heere bet Wetzlar in blutigen Treffen zusammenstießen. Besonders erwähnt seien nur die heißen Reiterschlach-i ten in der Gegend von Wetzlar und besonders bei Hermaun- ftein im 14. Jahrhundert, als Landgraf Otto von Hessen den Erzbischof voll Mainz am Linsenberg besiegte (1328) und etwa 50 Jahre später Landgraf Hermann der Gelehrte gegen die Ritter stritt, welche sich in den „Bund der Sterner" (seit 1371) und darnach in den „Bund der Gesellen der alten Winne" (seit 1375) zusammengeschlossen hatten. Damals baute der Landgraf die Burg Hermannstein und in ihrer Nähe stießen die Heere zusammen. Welchen Schaden aber das Land weithin zu leiden hatten, besagt eine alte Reimchronik r / „Wider die Landgrafen entstund Auch durch die von Nassau ein Bund, „Gesellen von der alten Minne" Ihr Name >var: sie hatten im Sinne, Dem Fürsten zu verheeren das Land, Weil die durch Kans brachten z>ir Hand Derdori (Driedori), von eim zu Nassau gut Des Settern das verdrießen thut. Grai Johann mit seinen Bundsgesellen Vor Wehflar thät mit Schaden fällen Der Laudgräflichen Reiter viel; In, Land trieben ein wüstes Spiel. Im Amt Gießen und Blankenstein, Königsberg, Marburg, Herrnannsteiit, Kälbern, Lohr, Biedeneap, Deutphe (Dautphe) In, Hüttenberg geschah manch Weh, Und ivo man sonst noch mehr könnt im Land Den Nassauern thun Widerstand. Auch der dreißigjährige Krieg brachte über unsere Gegend besondere Verheerungett; bald waren es Spanier und Oesterreicher, bald Schweden und Hessen, bald alle zu- Smimen, welche unsere Dörfer durchzogen und verheertem ls 1632 Gustav-Aoolf in Wetzlar lag, als 1635 und 1636 die kaiserlichen Feldherren mit ihren zuchtlosen Heeren durchzogen, als 1646 Gleiberg und 1647 Königsberg belagert und zusammengeschossen wurde — da mag unser Land furchtbares geduldet haben. Die Einwohner von Rodheim und Umgegend flüchteten sich auf den Gleiberg, dann nach Gießen, die Beivohner im Lahntal wohl nach Wetzlar; 1636 wurde die Kirche zu Naunheim von den Kaiserlichen, 1646 die von Waldgirmes von den Schweden geplündert. Zu dem allen kam 1635 bis 1637 die schreckliche Pest, welche kein Dorf unserer Gegend verschonte. In jenem Kriege ist wohl auch dicusi Dorf Hustede (Hausstadt) untergegangen, welches in einer Urkunde von 1358 erwähnt wird und an welches, noch jetzt die Hausstädter Mühle bei Waldgirmes erinnert. Nicht unerwähnt lassen dürfen wir die schweren Lasten, welche unser ganzer Bezirk im siebenjährigen Krieg, vor allem im Winter 1759/60 zu tragen hatte. Nachdem bereits in fimheren Kriegen jener Zeit (vor allem 1745) unsere Gegend, besonders um Wetzlar bis Waldgirmes von Kriegs-» lärm erfüllt und von Kriegslasten bedrückt war, bildete dieselbe im Winter 1759/60 während 4 Monate den Schauplatz des sich von Hermannstein über Naunheim, Wald-, girrnes hinter dem Vetzberg und Gleiberg her bis nach Lollar hinziehenden Winterquartiers der im Bund mit Friedrich dem Großen unter dem Oberbefehl des Herzogs Ferdinand von Braunschweig stehenden sog. alliierten Armee der Engländer, Hannoveraner, Braunschweiger, Hessen-, Kasseler usw. Die feindlichen Franzosen standen zwischen Gießen und Wetzlar. In Krofdorf war das Hauptquartier; des Herzogs, in Rodheim das der Engländer (ein englischer General Elliot liegt iw der Kirche zu Rodheim begraben). Noch heute find starke Schanzen in den umliegenden Wäl- dern wohlerhalten zu sehen, welche damals von Graf Wil-, Helm von Bückeburg zum Schutz des Lagers angelegt wurden. Es ließen sich über diese Zeit der Drangsal fiir unsere Gegend manche interessante Schilderungen hier anfügech doch wir müssen abbrechen. Es war eine schwere Zeit für alle Gemeinden, welche anhielt bis 1762, als der Friede von Fontainebleau Erleichterung brachte. Was die Kirchengeschichte unseres Bezirks betrifft, so ist zunächst unentschieden, ob das Christentum von Mainz aus durch die Wetterau oder von der Lahn her, wo her Dietkirchen der Triersche Mönch Lubentius predigte, in 716 Walde gelegen, ist noch jetzt und ist ein Heliebter Ausflugsort von Gießen aus. nufere Gegend kann Letzteres ist wahrscheinlicher. Jedenfalls gehörten bis üt die Reformationszeit hinein sämtliche Pfarreien zum Erzbistum Trier und zwar zunr Archi- diakonat Dietkirchen (bei Limburg) und Dekanat Wetzlar. In Hermannstein befand sich Ende des 15. Jahrhunderts eine sogenannte „Beginenklause", wohin sich fromme Frauen zu gemeinsamen religiösen Uebungen zuriickzogen. In der alten 1739 abgebrochenen Kirche zu Siaunheim befand sich ein großer Altarschran? mit den geschnitzten Bildnissen der 14 Nothclfer, von welchen das noch jetzt erhaltene Bild der St. Anna wundertätig gewesen sein soll und das Ziel vieler Wallfahrer war. Die Reformation wurde ungefähr gleichzeitig mit Hessen in den Gemeinden des Bezirks eingeführt und zwar etwa 1526. In einzelnen großen Höfen betrieben früher verhältnismäßig viele Mennoniten bedeutende Landwirtschaft; die meisten (wie Hof Straßbach, der Betzberger Hof usw.) sind in andere Hände übergegangen,' Hof Bubenrod, mit seiner Gemarkung reizend im Walde gelegen, ist noch jetzt m der Hand von Mennoniten Ter eiserne Landgraf. Kulturgeschichtlicher Roman ans dem 14. Jahrhundert von R Franke. (Verlag von Emil Roth in Gießen. Preis broschiert 3 Mark, in elegantem Leinenband 4 Mark.) Trotz seiner reichen und bewegten geschichtlichen Vergangenheit hat Hessen verhältnismäßig wenig historische Romane aufzuweisen, die auf Bedeutung Anspruch machen können, und von den imnierhin zahlreichen Schriftstellern, die sich auf diesem Gebiet versucht haben, hat fast nur Heinrich Brand in weiteren Kreisen Beachtung und größere Anerkennung gefunden. Deshalb freuen wir uns umsonrehr, unsere Leser auf ein Buch aufnierksam umchen zu können, daS weit über die hessischen Stam- mesgrenzen hinaus Anspruch auf Beachtung erheben darf und das gerade rechtzeitig genug erscheint, um als willkomme- nes Weihnachtsgeschenk Verwendung finden zu können. „Der eiserne Landgraf", welcher der Feder des auf andern schriftstellerischen Gebieten nicht unbekmmten Pfarrers Francke in Kassel entstammt, führt uns mitten in die Zeit, in der die damals noch Keine und vielfach von fremden Ländergebieten durchsetzte Landgrafschaft Hessen im ersten Jahrhundert ihres selbständigen Bestehens mit idem Erzbischof von Mainz um ihre politische Selbständigkeit führen mußte. Der damalige Kampf aste dazu,. daß Hessen seine selbständige Stellung behauptete weiter befestigte und legte zu seinem Teil den Grund zu dem weiteren Kampf, in dem des eisernen Landgrafen großer Nachkomme. Philipp zu der staatlichen Befreiung von Mainz auch die kirchliche, die geistige Befreiung von Mainz und den ihm wesensverwandten kirchlichen Gewalten hiuzufügen konnte. Auf verhältnismäßig kleinem Raum und fast nicht beachtet von den Geschichtsfchretbem der deutschen Gesamtgeschichte spielte sich dieser Kampf ab, aber er verliert dadurch nichts von seiner allgemeinen historischen Bedeutung und gerade die Begrenztheit der in Frage stimmenden Verhältnisse hat es dem Verfasser unseres Buches ermöglicht, mehr, als es bei größeren historischen Ereignissen der Fall sein kamt, uns die Verhältnisse und Per- foneit jener Zeitepoche menschlich näher zu rücken. Menschen von Fleisch und Blut, nicht abstrakte Nachbildungen von solchen, treten in dem Buche uns vor Augen, wodurch uns das Buch auch für das tiefere. Verständnis jener Zeit und der sie be- ^bgenden Kräfte mehr zu bieten vermag, als manches gute Geschichtswerk. Die historischen Vorgänge, die den äußeren Rahmen der lebensvollen Erzählung bilden, sind treu und gewissenhaft geschildert, ohne daß deshalb die Schilderung trocken und lang- tveilig wird. Das hat der Verfasser außer durch sein großes schrtftstelleriscyes Talent dadurch erreicht, daß er die allgemeinen für das Verständnis jener Zeitverhältnisse in Betracht kommenden politischen und historischen Gesichtspunkte in einer Einleit- rmg vorausgeschickt hat. So setzt denn die Erzählung gleich in anschaulicher und belebter Schilderung ein. Die WirtShausszene in der „güldenen Traube" der guten Stadt Gießen, mit der das Buch anhebt, ist so recht geeignet, uils in den (Rist jener! unruhigen Zeit zu verfetzen und die sich anschließende Schilderung der für Hessen siegreichen Schlacht am Linsenberge zwischen Gießen und Wetzlar schließt sich an Anschaulichkeit dem Hauff- scheu Liechtenstein würdig an. Es würde zu weit führen, allen einzelnen Phasen der Erzählung hier zu folgen, nur soviel sei erwähnt, daß sie mit dem glücklichen Ende der hessisch-mainzi- ichen Fehde schließt, die nach dem Geiste jener Zeit mit der Grundsteinlegung zu einem Kirchenbau gefeiert wird. In dieser rast zwei Jahrzehnte lang andauernden Zeit lernen wir eine ^euge Leute kennen, die uns des Verfassers lebens- und liebevolle Schilderung wert und lieb macht: so z. B. den eifenten Landgrafen selber, seine hochsinuige Gemahlin, ihren von dem romantischen Schimmer der ^aage umwobenen Sohn Otto (der Schütz), wackere Cdelleute und tüchtige Bürger. Drei anmutige Liebescpisoden ranken sich in liebenswürdiger Weise um die Schilderung deA Waffenlärmes und der höfig-pvlitischen Jn- trigueil. Das' alles vereinigt sich zu einem lebenswahren Kulturbild, das unser Interesse in hohem Maße zu fesseln vermag. Das Buch, das auch der reiferen Jugend viel wertvolles und .anregendes bietet, wird sicher feinen Weg machen. E. H. Vermischtes. * Das neue „Landes-Museum in Darmstadt", das dieser Tage feierlich eröffnet worden ist, gehört unbestreitbar zu den bedeutendsten Bauwerken der letzten Jahre. Das Aeußere dieses imposanten Gebäudes, schon seit längerer Zeit fertig gestellt, gab Hoffnungen auch in der inneren Einrichtung den feinen Geschmack seines Erbauers, Prof. Alfred Messels, eines geborenen Darnlstädters', vorzufiuden. Und in der Tat, das Gebotene übertrifft alle Erwartungen. Messel hat hier, wie er seinerzeit mit dem „Warenhaus Wertheim" den Typus des ,,w- dernen Kaufhauses festgestellt hat, wieder eilt vorbildliches Werk geschaffen. In ihrer Nebersichtlichkeit dürfte die innere Anlage des Darmstädter Landes-Museums wohl von keiner bestehenden Sammlung übertroffen werden; dabei sind die einzelnen Ausstellungsräume von intimster Wirkung. Man fühlt, daß selbst das geringste Detail von einem bedeutenden Künstler geschaffen wurde, dem cs aber fern lag, mit feiner Persönlichkeit zum Schaden der aus'gestellteu Kunstwerke besonders heroorzutreteu. Rechtzeitig zur Eröffnung dieses bedeutenden Werkes ist in der bestbekannten Darmstädter Kunstzeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration" (Verlagsanstalt Alexander Kvch-Darmstadt. Einzelpreis dieses Heftes mit 76 Abbildungen 2.50 Mark.) im Dezember- Heft eine umfassende Publikation darüber erschienen. Wir verweisen hier nachdrücklich auf diese Veröffentlichung, denn sie gibt in ca. 30 tadellosen Abbildungen die ganze Anlage und alle in Betracht kommenden Einzelheiten vortrefflich wieder. Auch der weitere Inhalt dieses Dezember-Heftes der „Deutschen Kunst und Dekoration" (Plastiken, Zeichnungen, Architekturen, Gold- und Silberschmiedearbeiten, Spitzen und vieles Ändere) ist künstlerisch so bedeutend, daß man dieser anregenden Zeitschrift pur immer mehr Freunde wünschen kamt. Kunst. —: HanfstaenglS Pigmentdrucke nach Originalen alter Meister. Bildgröße ca. 19X25 Ctm., 1 Mk. das Blatt. München, Franz Hanfstaengl. Seit man angefangen hat, die unermeßlichen Schätze der alten und neuen Kunst zu erschließen und durch photographische Reproduktionen aller Welt zugänglich zu macheit, erfreuen sich Hanfstaengls Kunstblätter! der regsten Nachfrage. Die vorzüglich ausgeführten billigen Pigmentdrucke, die je nach der Tonwirkung deI Gemäldes in verschiedenfarbigen Nüancierungen hergcstellt werden, ermöglichen, hör den Originalen empfangene Eindrücke wieder aufzufrischen und ihre eigentümlichen Schönheiten neu erstehen zu lassen. Sie sind für jeden, der sich in diesem Sinne mit Bildern beschäftigt, unentbehrlich. Der Hanfstaenglschc Pigmeutdrttck ist ein auf der Höhe moderner Reproduktionstechnik stehendes, wertvolles und anregendes Anschauungsmittel für die häusliche Kuustpflege. Er vermittelt uns den Genuß an Werken der größten Meister wie Rembrandt, Richens, Hals, Tizian, Belazgtiez, Murilla rc., auch neuerer wie Corot it. ai. Silbenrätsel. Nachdruck verboten. ac, her, ch, lieb, da, e, e, eil, fei, lio, 11, nie, men, gen, nf, ra, rel, ri, rtt, sehe, se, spi, Tai, ta, te, tns. Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein Naturprodukt bezeichnen, dessen Erscheinen von Vielen mit Freuden begrüßt wird. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgendes: 1. Afrikanisches Reich. 2, Lockspeise beim Vogelsang. 8. Insel in der Ostsee. 4. Gefeierte Künstlerin. 5. Einen Fanatiker. 6. Heilmittel. 7. Berg im Jsargcbirge. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung deö Rätsels in voriger Nuimnerr Tod, Kopf. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und «erlna der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Sletndruckeret. R. Lange, Stetze«.