1906 äJjTpjW *Ä hO MS £•; Der Stern. Roman von Ulrich Frank. Nachdruck verboten. „ (Fortsepung.) * „Es i|t scharmant, daß da mich noch heute aufsuchst." Sie ließ sie gar nicht zu Worte kommen. „Ganz licbcns- iviirdig von dir. Ich kann mir ivohl denken, wie sehr du in Anspruch genommen bist durch Deltas Auftreten und wie aufgeregt du und deine liebe Mama." „Heuchlerin!" dachte Graf Alfons, der, etwas scitivärts stehend, das Ende dieser Begrüßungsszene abivartcte. „Und daß du mir bald den ersten Abend schenkst." Endlich konnte Lucie etwas erwidern. „Es trifft sich gut, Theresa, denke dir: ich bin heute frei, Mama will sich zeitig zur Ruhe legen, und Della und mein Onkel sind zum Diner bei den Giersdorfs." „Das ist ja herrlich I So kannst du mir Gesellschaft leisten und ich werde nicht allein fein heute abend." Ein kleiner, ärgerlicher Blick traf Alfons. „Sie werden bei dem Diner wohl auch nicht fehlen, Herr Graf? Du erlaubst, Lucie, Graf Alfons von Giersdorf, Fräulein Lucie Handtke." „Sehr erfreut, mein gnädiges Fräulein." Er verneigte sich in militärischer Haltung und wendete sich dann zu Theresa: „Allergnädigstes Fräulein gestatten, daß ich mich verabschiede. Muß in der Tat zum Familiendiner ins Palast-Hotel. Mein Bruder und meine Frau erwarten mich . . . habe in angenehmem Geplauder hier beinahe die Zeit vergessen." Sein Blick richtete sich auf die auf dem Kaminsims stehende Uhr aus altsächsischem Porzellan, die eine Schäfergruppe darstellte. „Wahrhaft. . bald sieben Uhr! Muß eilen . . . Pardon, meine Gnädige, Ttnerstunde erfordert Pünktlichkeit." „Fordert jeder Dienst, Herr Graf." Ihre Stimme klang ein wenig verdrießlich und pikiert. Della Brandt war zum Diner beim Grafen imb der Gräfin Giersdorf, dachte Theresa. Die Gräflich Giersdorf- fchen Tiners, die sie kannte, waren anderer Natur. „Adieu, Herr Graf! Beaucoup de plaisir et bon appetit." „Adieu, mein allergnädigstes Fräulein. Auf Wiedersehen !" Mit einer Verbeugung vor Lucie hatte er das Zimmer verlassen. Man hörte ihn draußen den Säbel umschnallen. Theresa blickte einen Moment wie überlegend ihm nach. Tann schnippte sie mit den Fingern und wendete sich rasch zu Lucie. „Tie Grafen Giersdorf verkehren wohl nur init Künstlern?" fragte diese. „Es scheint jo!"- « Eine tiefe Zornesfalte auf der Stirn, die Augen in unheimlichem Feuer lodernd, schritt Adalbert Wittelsbach in seinem Zimmer auf und nieder. Tie geballte Faust umschloß ein zerdrücktes Papier. Es war ein Brief, den er vor einer Viertelstunde von Adele erhalten hatte. Tie Ant- wort auf seine Mitteilung von seiner Ankunft. Nur wenige Zeilen enthielt das Schreiben. Mit bebender Hand hatte sie diese aufs Papier geworfen, als sie, vom Schlummer erwacht, seinen Brief erhalten hatte. Zugleich mit einem! anderen vom Grafen Guido Giersdorf, in dem er sie bat, mit ihrem Vater heute wie in früheren Jahren in der gemeinsamen Heimat an einem ganz intimen Familiendiner teilzunehmen. Er hätte vom Herrn Kantor, der ihnen vorausgereist sei, gehört, daß sie ebenfalls schon gestern in Berlin eintreffen werde. Seine Frau werde sich freuen, sie kennen zu lernen, seine Brüder Alfons und Karl Viktor rind ihr gemeinsamer Jugendfreund Tr. Hübner, sie wieder- zusehen. Sonst sei niemand zugegen, nur der engste Fa-? milienkreis, dem sie ja durch lange Jahre auch angehört habe. Er brauche ihr das wohl hoffentlich nicht erst ins Gedächtnis zu rufen, damit sie seine herzliche und einfache Einladung so annehme, wie er sie ergehen lasse, in alter, guter Freundschaft. Ein Senfzer hatte sich auf ihre Lippen gedrängt, als sie diese Zeilen las. „Armer Guido", dachte sie, „lieber, armer Guido!" Und dann seufzte sie wieder und eine trübe Wolke lag auf ihrem Antlitz. Sie war sofort entschlossen, die Einladung anzunehmen. Hie hatte keinen Grund, diese Freundschaft zurückzuweisen. Ter, den sie etwa hätte haben können, war durch die Form der Einladung hinfällig geworden. Und außerdem war sie um des Vaters willen den Giersdorfs Rücksichten schuldig. Auch erinnerte sie sich in dtcseni Augenblicke dankbaren Herzens ihrer Kindheit und Mädchenzeit, die. so innig zusatnmenhing mit dem Schlosse und seinen Bewohnern. Was später kam? Tas ivar das Leben mit seinen unsäglichen Irrungen und Wirrungen. Tas Lebcir, das auch solche Briefe brachte. Aengstlich beinahe hatte sie noch einmal das Schreiben Wittelsbachs überflogen. Tann beantwortete sie beide. Die Antwort hatte beim Grafen Guido ein Gefühl wehmütiger Befriedigung: hervorgerufen. Wittelsbach hatte die seine in nervösem Zorn zerknüllt, ivar in höchster Erregung im Zimmer umhergerannt und glättete jetzt das Papier, um sie aufs neue zu lesen: „Verehrter und lieber Meister und Freund! Tie Künde von Ihrem Eintreffen hat mich in höchstes Erstaunen versetzt. Ich heiße Sie willkommen, da Sie hier sind — um meinetwillen! Ich werde Sie nnil 6 Uhr persönlich begrüßen und Ihnen meinen Vater vorstellen, der ebenfalls hergekommen ist, um meinem Auftreten beizüwohnen. Wir speisen um 7 Uhr beim Grafen Giersdorf; da er in demselben Hotel wohnt wie Sie, werden: 450 wir vorher bei Ihnen vorsprechen. In steter, unveränderter Dankbarkeit Ihre Della." „Sie entschlüpft mir, will mir entschlüpfen/ murmelte er ingrimmig vor sich hin. „Dieser Brief, so kalt und gemessen — kein Ton, kein Echo meines heißen Werbens . . . Sollte ich die Macht über sie verloren haben? Sollte diese Macht sich wirlich nur auf ihre künstlerische Seele erstrecken? Lächerlich , . . Unmöglich! Ich war so sicher, daß, wenn es so weit sein würde, wenn ich wollen würde, ich mir die Hand auszustrecken brauche, um sie an mich zu reißen. Ist sie anders wie andere Weiber? Anders? Sensitiver, empfänglicher, nervöser von diesen tausend Vibrationen, die die Kunst in ihr wachrnft. Phantasievoller, seelentiefer, reizbarer — und sie sollte sich mir versagen?" Er lachte höhnisch auf. „Sie, die durch mich ist! Wahnsinn! Und nun wird sie kommen, fein und manierlich mit dem Papa . . . Lachhaft, wahrhaftig. Schüchtern vielleicht, wie damals in den ersten Wochen, bis ich sie sicher gemacht, bis sie mir vertraute, bis ich sie beherrschte. Und mit den Giersdorfs wird sic dann speisen! Der arme Narr bleibt draußen — ha, ha, ha! Der arnie Narr! Wer das glaubte, Wittelsbach? Von dir! Denk einmal, Adalbert! Das glaubst du selber nicht. Zum armen Narren will sic dich machen, dich, der sich ein —• König fühlt." Sein Antlitz war verzerrt und das wilde Aufzucken seiner Glieder machte einen häßlichen Eindruck. Dann warf er sich in einen Fauteuil, und mit wirren Blicken um sich schauend, griff er mit den Händen in die Luft und rief: ,Wo ist die Krone? Wo ist die Krone?" Die Uhr auf dem Kaminsims begann zu schlagen. Ein feines, nietallisches Klingen. JSr zählte: „Eins, zwei — drei . . ." Lang ausholende ’ Schläge und dann rascher in «beschleunigtem Tick-Tack: Eins, zwei, drei, vier, fünf. „Drei Viertel nach fünf! Sie können gleich da sein." Er sprang empor, eilte in das nebenan liegende Zimmer, warf den Rack von sich und tauchte den Kopf in ein Becken mit kaltem Wasser. Ach I" Wieder und wieder ließ er die kalte Flut über sein Antlitz laufen. So, das erfrischt und macht nüchtern. Hirngespinste, Adalbert! Torheit! Noch halten mir die Spröde mit tausend feinen Fäden und starken, ja, furchtbar starken, die nicht so leicht reißen. Zn viel von mir habe ich ihr gegeben." Er war vor den Spiegel getreten und machte Toilette. Seine Züge hatten sich geglättet. Nur ein Anhauch von Schmerz lag darüber, der seinem scharf ausgeprägten, bedeutenden Antlitz etwas Weiches gab. Er verstand sich auf die Kunst der Mimik, der große Menschendarsteller. Mit feinstem Verständnis ordnete er seinen Anzug, und als wenige Minuten nach sechs Uhr Herr Kantor Brandt und Fräulein Della Brandt bei ihm gemeldet wurden, sahen sie sich einem liebenswürdigen Herrn gegenüber, der sie aufs herzlichste begrüßte. Nichts verriet den Kampf, der kurz vorher in ihm getobt hatte. In tadelloser Haltung, ein väterlicher Freund, saß er ihnen gegenüber und leitete das Gespräch in die herkömmlichen Bahnen. „Wie ich mich freue, endlich den Vater meiner liebsten Schülerin kennen zu lernen, Herr Kantor . . ." „Unb ich erst! Della schrieb uns von Ihnen . . . und wie Sie sich ihrer angenommen haben, und was sie Ihnen verdanke . . . von Dresden ans, besonders anfangs ... da hieß es immer: Herr Wiitelsbach . . . und mein Lehrer * • • und mein Meister I » . . Und auch meine Schwägerin Hannchen wußte nicht genug von Ihrer Anteilnahme und Güte zu erzählen, und wie Sie jedes Honorar ablehnten . ." (Fortsetzung folgt.) Mtz. ' (Von Museumsdirektor Professor I. B. Keune.) Metz ist eine sehr alte Stadt. Ihre Anfänge reichen W in vorrömische Zeit zurück, d. y. bis in jene Zeit, da zwischen Rhein und Atlantischem Meer noch die Gallier Herren waren. Allerdings wissen wir von dem gallischen Metz mit Bestimmtheit nicht mehr als seinen Namen „Divo- duron". Es war dies die Stadt des gallischen Stammes der Mediomatriker, von dem der spätere Name „Mettis", jetzt „Metz" sich herleitet. Unter römischer Herrschaft (nach 52 vor Chr.) wurde das ausgedehnte Gebiet der Medio- niatriker unter Abtrennung des östlichen Teiles in eine Gemeinde (civitas) verwandel!; Sitz der Gemeindeverwaltung war Divodurum Mediomatricorum, Metz. Zur Gemeinde zählten zahlreiche Dörfer, von denen wir sehr beachtenswerte Reste haben, zum kleinen Teil auch die Namen kennen. Die Stadt selbst besaß prächtige Baudenkmäler, lieber der Erde stehen nur noch als beredtes Zeugnis entschwundener Tage die stolzen Ueberbleibsel der Wasserleitung, welche Quellwasser von Gvrze her 23 Km. weit der Stadt zuführte und bei Ars und Jony-aux-Arches die Mosel überbrückte. Nach einer Inschrift, welche das Museum verwahrt, ist dieses großartige Bauwerk ein dankbares Geschenk städtischer Würdenträger. Von anderen gemeinnützigen Anlagen und Prachtbauten zeugen Denkmäler und Baureste, welche gleichfalls im Museum jetzt ausgestellt sind. Um das Jahr 300 wurde die zurückgegangene Stadt befestigt und zugleich erheblich verkleinert. Im Jahre 451 aber haben die Hunnen sie eingeäschert. Doch erstand Metz bald aus der Asche zu neuer Blüte unter fränkischer Herrschaft: seit 511 war es Hauptstadt und Königssitz des merowingischen Teilreiches Äustrasien. Aus dieser Zeit stammen die von S. Majestät dem Kaiser dem Museum der Stadt Metz überwiesenen Bestandteile einer Steinschranke und Bildwerk aus St. Peter auf der Zitadelle, denen kein deutsches Museum etwa Gleiches zur Seite zu stellen vermag. Seit Teilung des karolingischen Reiches (870 n. Chr.) gehörte Metz — mit kurzer Unterbrechung im 10. Jahrhundert — bis 1552 zum deutschen Reich; doch war die Bevölkerung nach wie vor romanisch, ihre Sprache französisch. Vertreter des Kaisers und deutschen Königs war der Graf, dessen Rechte aber im Verlaufe des 10. Jahrhunderts auf den Bischof übergingen, welcher bereits früher einen maßgebenden Einfluß auf die Geschicke der Stadt ausgeübt hatte. „Bischofstadt" blieb Metz bis zur Wende des 13. zum 14. Jahrhundert, denn seit 1300 fielen die bischöflichen Rechte nach und nach an die „Paraiges" genannten Genossenschaften des städtischen Adels, denen nunmehr die Wahl der städtischen . Behörden, wie des maitre-echevin, d. i. Schöffenmeisters. (Bürgermeisters), zustand. Hiermit war die Umwandlung in eine Reichsstadt mit aristokratischem Gepräge vollzogen. Die Bischöfe aber haben seitdem ihren Sitz nach'Vie an der Seille verlegt. Das mittelalterliche Metz war eine reiche Stadt mit lebhaftem Handelsverkehr. Deutsche Kaiser haben.in dieser ihrer Stadt geweilt und glanzende Reichstage abgehalten; von Kaiser Karl IV. ist auf einem solchen Tag zu Metz im Jahre 1356 das Reichsgesetz erlassen, welches unter dem Namen der „Goldenen Bulle" bekannt ist. Ten Wohlstand der Stadt bekunden — trotz aller Umwälzungen und Verheerungen — noch zahlreiche Bau- und Kunstdenkmäler. Hervorgehoben seien nur der im 10. Jahrhundert n. Chr. in Elfenbein geschnitzte einstmalige Schmuck eines Buch? deckels, der einzige Rest einer hervorragenden zu Metz geübten Kunst, welcher hier verblieben und im Museum ausgestellt ist, während die anderen Erzeugnisse dieser Metzer Schnitzkunlst jetzt in alle Winde zerstreut und verschollen sind, ferner eine ebenfalls im Museum geborgene bemalte Zimmerdecke aus Holz, mit welcher zu Anfang des 13. Jahrhunderts zwei aneinanderstoßende Räume eines jetzt zur städtischen höheren Töchterschule gehörigen Hauses ausgestattet waren; von weltlichen Bauwerken das Deutsche Tor, dessen erste, ins 13. Jahrhundert fallende Anlage cm lo. Jahrhundert zu einer Burg mit doppeltem Tor und Binnenhof erweitert wurde (jetzt im Besitz der Stadt und zur Aufnahme einer geschichtlichen Sammlung bestimmt), weiter das Hotel S. Livier (jetzige städtische Mädchen-Mittelschule) auf der höchsten Erhebung des Stadtgeländes in der Trinitarierstraße, ein befestigter Edelsitz gotischen, teilweise noch romanischen Stils; von kirchlichen dOAA^ett Templerkapelle auf der Zitadelle, ein gegen 1200 n. Chr. ausgeführter achteckiger Bau mit vorgelegtent Chor, und vor allem die seit Mitte des 13. Jahrhunderts am Ersatz eines älteren Banes erstandene Kathedrale, eine 451 bewundernswerte Schöpfung der gotischen Kunst, wenn auch ihre Türme unvollendet geblieben sind. Gotischer Kunst verdankt auch das schöne Portal des alten Hospitals St. Nikolaus (am Ausgang der Brunnen- und Lasallestraße) seine Entstehung. Einige bemerkenswerte Bauten sind ferner aus dem 16. Jahrhundert, der Zeit der Renaissance, noch erhalten, wie das Hinterhaus Goldschmiedstraße 33 (Be- fihpr ftprr fötiiTtnPT) Im April des Jahres 1552 wurde die Stadt Metz, welche damals — einschließlich der Vorstädte — 60 000 Einwohner zählte, nebst dem zugehörigen Landgebiet (pays Messin) von den Franzosen besetzt. Ein im selben Jahre 1552 von Kaiser Karl V. gemachter Versuch, die Reichsstadt wieder zu erobern, ist gescheitert: die Belagerung mußte mit der Jahreswende aufgegeben werden. Und so verblieb denn Frankreich im Besitze der Stadt bis 1870, nachdem es inzwischen durch den Westfälischen Frieden 1648 in seinem Besitz endgiltig bestätigt worden war. Um eine wirksame Verteidigung der 1552 noch wenig starken Feste Metz vorzubereiten, hatte deren Verteidiger, Herzog Franz von Guise, die Vororte dem Erdboden gleichmachen lassen, darunter auch die ausgedehnte, im südlichen Vorgelände der Stadt, der alten Flur „Sablon" gelegene und nach ihren kirchlichen Anlagen „Ad Basilicas" benannte Vorstadt. Dem Schicksal der Vernichtung verfiel daher auch die berühmte Abtei S. Arnulf, die nach der Stadt, in einen anderen Klosterban (jetzige Kriegsschule mit Allgemeinem Militärkasino) verlegt ward. Auch wurden innerhalb der Befestigung durch Herstellung eines breiten Verbindungsweges hinter der Ringmauer zahlreiche Gebäude niedergerissen und insbesondere ein ganzer Stadtteil, zu dem das (kürzlich verschwundene) St. Barbara- Tor mit seiner denkwürdigen, jetzt vom Museum verwahrten Aufschrift*) den Zugang bildete, niedergelegt, um eine rückwärtige Verteidigungslinie zu schaffen (Retranchement Guise). Auf dem Gelände, wo einstmals dieser verkehrreiche Stadtteil sich ausdehnte, ist später das Arsenal entstanden. Dieser erheblichen Verkürzung der Stadt folgte bald eme weitere durch Anlage der Zitadelle (1556—1562), die sich über den noch heute „Zitadelle" benannten Stadtteil nebst der anstoßenden Esvlanade und Kaiser Wilhelm- Platz erstreckte und erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts wieder aufgelassen ist. Ueberhaupt ist erst seit der Besitznahme Frankreichs Metz zu dem großen Waffenplatz aus- gebaut, als welcher es allbekannt und genannt ist. Diese Verstärkung der Festung Metz geschah auf Kosten der bürgerlichen Stadt und hatte für diese neben der hervorgehobenen Einbuße an bebautem Gelände auch einen erheblichen Rückgang der Bevölkerungszifser int Gefolge. Denn gegen Ende des 16. Jahrhunderts zählte man nur mehr 20 000 Bürger in der Stadt, von denen die Hälfte dazu noch aus Frankreich zugewandert war. Besonders rührig wurde die Besestigung von Metz im 18. Jahrhundert betrieben, als nach dem Tode des berühmten Festungsbaunteisters Vauban (f 1707) sein Schüler und Nachsolger Cormontaigne die von jenem schon geplanten vorgeschobenen Werke ansführte (Moselfort 1728 ff.; die Anlage dieser Festungsbauten erfolgte unter dem Gouverneur Belle-Jsle, auf dessen unmittelbare Veranlassung auch andere große Veränderungen des inneren Stadtbildes zurückgehen. Denn aus militärischen Gründen, jedoch auf Kosten der Stadt, sind durch ihn zahlreiche enge Straßen verbreitert, Plätze und Straßen, wie die Belle-Jslestraße, die Gartenstraße, die Asfeldstraße, die Chatillonstraße usw, neugeschassen. Diese Verbesserungen der Verkehrswege innerhalb der Stadt, denen allerdings das altertümliche Gepräge der Straßen zum Opfer fiel, hatten auch Neubauten im Stil der französischen Spätrenaissance nach Plänen von Blonde! und anderen zur Folge. Dahin gehören das 1738 begonnene Theater (Hotel des Speetacles), das seit 1766 erbaute Stadthaus, welches die eine Langseite einer ent» stechenden, Wtzt teilweise verschwundenen architektonischen Umrahmung des neugeschaffenen Paradeplatzes bildete, der 1776 begonnene heutige „Justizpalast", der seine Bestimmung, dem Gouverneur der Stadt Metz und der zugehörigen Landestetle als würdiger Ersatz für dessen früheren Wohn- und Amtssitz zu dienen, nicht mehr erfüllt hat, sowie die vor die gothischen Bauten der Kathedrale und S. Vincenz . . *) I" französischer Sprache: „Wenn wir Frieden haben drinnen, haben wir Frieden draußen^. gesetzten Portale, von" denen das erstere neuerdings einem gotischen Portal Matz gemacht hat. Die Revolution, durch welche (Ende 1789) Metz zur Hauptstadt des neugeschaffenen Moseldepartements wurde, brachte der Stadt die nämlichen Veränderungen, wie ganz Frankreich. Infolge der damals erfolgten Einziehung der Kirchengüter dienen heute viele vorher kirchliche Gebäude weltlichen Zwecken. Nach dem Jahre 1866 wurde die Festung durch Anlage weit vorgeschobener Forts (St. Quentin, Plappeville, St. Julien u. a.) gesichert, doch als Frankreich 1870 Preußen den Krieg erklärte, waren die geplanten Werke teilweise überhaupt noch nicht begonnen. Der vollständige Ausbau und die Verstärkung dieses Fortgürtels blieb dem deutschen Reiche Vorbehalten, welchem Metz dank den kriegerischen Erfolgen des deutschen Heeres*) durch den Frankfurter Friedensvertrag 1871 zufiel. Metz ist seitdem Hauptstadt des Bezirkes Lothringen der Reichslande Elsaß-Lothringen. Die Auswanderung einheimischer Familien ist inzwischen durch Zuwanderung, insbesondere aus Altdeutschland, ausgewogen. Während aber in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg alles auf Verstärkung des Waffenplatzes sich zuspitzte, der heute neben Berlin die größte Besatzung im Reiche hat (an 25 000 Mann) ist seit einigen Jahren frisches Leben auch in die Entwicklung der bürgerlichen Stadt gekommen, nachdem Seine Majestät der Kaiser die Ausgabe der Stadtbefestigung verfügt hat. Große Umwälzungen der nächsten Umgebung von Metz waren die Folge: die Stadtumwallung nebst den im Süden vorgefchobenen Werken haben neuen Straßenzügen ■ und Bauanlagen Platz gemacht. Andere gründliche Umgestaltungen des Stadtbildes sind durch die Umwandlung der Kopfstation Metz in eine durchgehende Eisenbahnlinie mit neuen Bahnhofanlagen veranlaßt. Die Einebnung der Stadtbefestigung verdanken die — inzwischen dem Ausbau näher geführte — Ringstraße sowie das int Stil der deutschen Renaissance in beherrschender Lage an der Südwestecke der „Zitadelle" erbaute Generalkommando ihre Entstehung. Doch auch in der inneren Stadt sind in den letzten Jahren beachtenswerte Bauten erstanden. Zu nennen sind, neben der älteren, 1875—1881 in gotischem Stil erbauten evangelischen Garnisonkirche an der Belle-Jslestraße, die neue evangelische Stadtkirche, am Thaterplatz in romanischem Stil aufgeführt, und das bilderreiche gotische Hauptportal der Kathedrale. Das Eckbild des letzteren stellt den Prophet Daniel dar; der Prophet trägt aber die Züge unseres Kaisers, wie auch Architekt und Bildhauer, einem alten Brauch folgend, ihre eigenen Bildnisse auf der Innenseite des neuen Portalbaues angebracht haben. Während sich diese Umwandlungen des Stadtbildes vollziehen, wird in weiter Ferne ein zweiter, starker Fortgürtel um die Festung gespannt. Was indes den Besuchern die Stadt Metz schätzenswert macht, ist nicht bloß ihre Wichtigkeit als stärkster Waffenplatz des Reiches, sind auch nicht bloß ihre bereits ausgeführten oder noch in der Ausführung begriffenen vielversprechenden Neubauten und ihre durch die Sammlungen des Museums oder durch alte Bauwerke teilweise verkörperte bedeutsame Geschichte, sondern auch ihre ebenso liebliche wie fruchtbare Umgebung (Spargeln, Mirabellen, Erdbeeren usw.). Ueber den Reiz der Umgegend von Metz belehrt den Fremden ein Ausblick von unserer schier unvergleichlichen Esplanade. Wem aber Zeit gegönnt ist, der versäume nicht, die anmutigen, von Nebenanlagen umrankten Dörfer auf den Berghängen des linken Moselufers, wie Plappeville, Scy, Sie. Ruffine, Vaux, sich aus der Nahe zu betrachten. *) 1870, 14. August: Schlacht bei Colombey-Nouilly auf dem rechten Moseluser; 16. August: Schlacht bei Bionville-Mars- la-Tour und 18. August: Schlacht bei Gravelotte-St. Privat, beide auf dem linken Moseluser, letztere „mit verkehrter Front" geschlagen, eine große Seltenheit in der Kriegsgeschichte; 31. Aug. bis 1. September: Ausfall ostwärts gegen Noissevitle-Servigny; 27. Oktober: Kapitulation von Metz, abgeschlossen auf dem Schlößchen Frescaty (am jetzigen großen Truppenübungsplatz südlich von Metz.) ____________ Vermischtes. * Bauerntum im Mittelalter. Der rechte deutsch! Bauer hatte von seinen Altvvrderen die Gewohnheit überkommen, lieber auf einem Einzelhos als in einem Dorfe zu Hausen. Die Gemeinden, welche ganz oder großenteils ans Frei- und — 452 ----- A PER E R E H 0 F E R 0 B E R Altägyptische Hieroglyphen. Nachdruck verboten. Jedes Bild bezeichnet den AnsaiigSbuchstaben seines NainenS. z. V. Sonne — f, Glas — g, re. Die Vokale sind zu ergänzen. Gesundheitspflege. ® a S Luftbad im Hause. Die Völker anderer Zonen suid iich darüber einig, daß der Mitteleuropäer mit seiner Ä odetracht die aller unzweckmäßigste, wenn nicht ungesündeste Kleidung erwählt hat. Im Sommer, wenn das Quecksilber bis zu einer schwindelerregenden Höhe steigt, ist dieser Vorwurf gewiß auch gerechtfertigt. Nur will der Kulturmensch liichts von Er- teichtcrung wissen, ivenigstens nicht „vor den Leuten". Schwarze unerträgliche Hitze an, und dennoch stellen sie das gesellschattliche Gewand für alle Kreise der Männerivelt dar. Uniformen ist es noch empfindlicher. Von den Modetorheiten 1 tv5n1en lyir °ar uicht erst reden, das würde ganze Vaiide füllen. — Wie aber, iueitn der Körper die angehäuste Blut- Ku flösung in nächster Nummer? Auflöftmg des Magischen Dreiecks in voriger Rümmer: Reise». Schivarzwald, Odenwald, Berg st raße, Heidelberg und Straßburg. 11. Anfl. 1906 Mit 19 Karten und 10 Plänen. (Meyers Reisebücher.) Kartoniert 2 Mark. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. — Für den vielbeschäftigten Zeitungsmann bietet es kein besonderes Behagen, sich durch die täglich wachsende Hochflut von literarischen Neuerscheinungen dnrchzuarbeiten, die unauchaltsam den Redaktionstisch füllen" und auf Prüfung und sachliche Besprechung Anspruch erheben. Um so größer ist die Freude, alten Bekannten zu begegnen, die, seit Jahren bewährt und beliebt, so oft, sie sich zeigen, jedesmal wieder wesentliche Fortschritte und Verbesserungen aufweisen. Was das gerade bei einem Reisehandbuch bedeutet, wird jeder selbst ermessen können, der sich auf seinen Fahrten und Wanderungen einem solchen Mentor anvertraut und die Gewissenhaftigkeit und Umsicht erprobt hat, mit der er sich in den Dienst eines großen, gemeinnützigen Interesses stellt. Ein solches Lob gebührt in vollstem Umfang Meyers Reiseführern, von denen uns die eingehend durchgearbeitete und bis auf den heutigen Tag sorgfältig ergänzte 11. Ikuflage des Schwarzwaldführers zugegangen ist. Wir können dieses vortrefflich orientierende Hilfsmittel allen, die den Schwarzwald, unfern Odenwald, die Bergstraße, Heidelberg und Straßburg als Touristen aufsuchen, aus eigner Erfahrung empfehlen und unterlassen nicht,, darauf hinzuweisen, daß der reiche Kartenapparat durch Beigabe neuer Karten von Badenweiler mit Umgebung wie der hervorragend schönen südlichen Schwarzwaldtäter vermehrt worden ist. Wärme nicht' mehr hinreichend nach außen abzugebest vcvnkag? Schwindel und Ohnmacht sind die vorübergehenden Folgen, langsame Blutverschlechterung die dauernde! Da hat uns die Natur einen großen Segen verliehen, den wir alle kennen: das Wasser! Aber es gibt noch einen zweiten nicht minder wundertätigeren Heilfaktor: die Lust! Und diese verbrauchen nur wenig Menschen so ausgiebig, wie es nötig wäre. Das Atmen geschieht gedankenlos, selten tief genug, nur allzuoft in überfüllten Räumen, in der Tabakswolke, die indirekt so schädlich wirken kann, weil wir dann nicht mehr spüren, wie schlecht und abgebraucht die Atmosphäre ist. Alles das muß das Blut, muß die Säfte verderben, wenn nicht dem Körper viel mehr gesunde Luft zugeführt wird. Nicht nur durch die Lungen, auch durch alle die Millionen kleiner Poren dringt Sauerstoff in unfern ganzen Körper. Diese Wohltat sollte sich ein jeder erzeugen. Fehlt ihm die Zeit ins Schwimmbad zu gehen oder sich in besonderen Anstalten von der lieben Sonne bescheinen zu lassen!, so mag er sein Lustbad zu Hause nehmen. Eine Stunde im leichtesten Gewände ist täglich genug, die Wirkung offenbart sich in fröhlicher Spannkraft, erhöhtem Appetit und frischem Aussehen. Wer seine Arbeit ungestört daheim verrichtet, sollte sich wenigstens im stillen Zimmer bequem und luftig kleiden. Eine kühle (nicht kalte!) Abreibung ist von eminenten Nutzen gerade in Verbindung mit Luftbädern. Zug und Kälte sind natürlich streng zu vermeiden, auch überläßt man die Entscheidung, ob die Behandlung bei leidenden Personen angebracht ist, füglich dem ärztlichen Ermessen. Diejenigen aber, die sich eines kräftigen Naturells erfreuen, scheuchen manche Anwandlungen krankhafter, Zustände durch kühle Abreibung und häusliches Luftbad. Das ist eine bequeme, billige und erquickende Kur von nngeahntem Heilerfolge. MeiergüterN bestanden, bildeten demnach weithin zerstreute Dorfmarken. In süddeutschen Dörfern dieser Art und auf ihren Fluren spielen die bäuerischen Szenen, welche uns zeitgenössische Dichter, ein Tanhuser, ein Nfthart, ein Wernher (der „Gartener") und andere in ihren Liedern und Schwänken geschildert haben, nicht selten mit einer Art von Neid, daß den „Törpern" ihre Mittel erlaubten, so üppig zu tun. Denn da werden uns gestiefelte und bespornte Äauernburschen vorgeführt, welche, Federhüte auf dem Kopfe und Schwerter an der Seite, unter der Dorflinde den „Törperinnen" den Hof machen, die Vorschriften der Höflichkeit plump karikierend. Die dörflichen Schönen ihrerseits) in modischen Schleppkleidern, den Handspiegel am Halse oder am Gürtel, das Haar mit Seidenborten aufgebunden und mit einem Blumenkränze geschmückt, sehen über die galanten Tölpel weg und nach galanten Rittern aus, welche dann auch sich einstellen, um mit den drallen und keineswegs spröden Dirnen Abenteuer zu bestehen, wie sie der lustige Nithart lustig genug beschriehen hat. (Aus dem gegenwärtig erscheinenden Werke „Germania", Zwei Jahrtausende deutschen, Lebens. Kulturgeschichtlich geschildert von Johs. Scherr. Sechste neu bearbeitete Auflage. 50 Lieferungen zu je 30 Pfg. Stuttgart, Union, Deutsche Berlagsi- Austalt.) * Zur Erhaltung der Naturdenkmäler im Wesertal werden, wie wir in der Zeitschrift „Die S a n b = Ivdustrie" lesen, sehr energische Maßnahmen getroffen. Im Streite Hameln ist ein Verzeichnes aller der Gegenstände aufgestellt, die schutzbedürftig sind. Alte Bauten, eigenartig gestaltete Klippen, Jahrhunderte alte Bäume und ähnliches wird vor Zerstörung und auch vor dem Verfall zu bewahren gesucht. So hofft man beispielsweise die sehr malerisch gelegenen Hopfen- bergstlippen bei Bodenwerder, die durch die Ausführung der protektierten Oberwesertalbahn gefährdet sind, zu retten. Ebenso rft man emsig bestrebt, die d'Ebräes^Linde hei Hegenohsen, benannt nach dem ftanz. Feldmarschall d'Ebrdes, der in der Schlacht bei Hastenbeck von hier aus die Schlacht leitete, zu schützen, sowie eine ganze Anzahl ähnlich wertvoller Denkmäler der Natur. Es ist äußerst erfreulich, bemerkt „Die Landindustrie" dazu, daß letzt in den verschiedensten Gegenden Deutschlands die tatsächlich ott ganz nutzlose und zwecklose, mit Leichtigkeit zu um- gehende Zerstörung solcher einzig dastehenden Naturschätze staatlich verhütet wird. In diesem Sinne wirkt auch ein soeben gegebener Erlaß des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten und des Ministers des Innern, der sämtlichen Regierungspräsidenten zugegangen ist, und der die Erhaltung des malerischen Aussehens von Dörfern und Städten ins Auge faßt. Es wird darauf hingewiesen, daß das Vorgehen des Regiernngs- pra>identen von Trier und Minden, einen erfolgreichen Wettbewerb zur Erlangung von mnstergiltigen Entwürfen für Banern- und einsache Bürgerhäuser auszuschreiben, mit größter Befriedig- ung ausgenommen sei. Die Minister sehen diese Bestrebungen als sehr dankenswert an und empfehlen den übrigen Regierungspräsidenten ein ähnliches Vorgehen. OTT„*vUe6et' denKognak macht Professor Friedrich Reinitzer Mitteilungen, die berechtigtes Aussehen erregen. Er führt u. a. OK nnn e. Frankreich erzeugt jährlich ungefähr nur 25 000 Hektoliter Kognak aus Wein: dagegen verbraucht Paris allein lahrlich sechsmal so viel, also 150 000 Hektoliter, und nach England werden mindestens fünfmal so viel, also 125 000 SpeltoHter ausgeführt. Dazu kommt noch die Ausfuhr nach den übrigen Landern und der Verbrauch im übrigen Frankreich, so daß der aus Wein erzeugte. Kognak ivobl kaum ‘/20 des aesam- ien irauzostschen Kognaks bildet und die übrigen 1B/,0 mit Wein niemals in Berührung gekommen sind. Der Franzose E. Legier in,St. Quentin hat daher sicherlich recht, meint er behauptet, daß französischer Kognak gegenwärtig fast überall, selbst © betn t6ce c n ® 0 r 1 ?n' nur eine MischungvonKorn-, K"r toffel- oder M elas, eal ko hol mit Wasser und künst- llchen Äethern sei., yn der «tadt Cognac gibt es eine französisch- ruttiiche Geielltchaft, welche jährlich 200 000 Hektoliter rus i- s ch/ 'i Sprit einführt und in „französischen Kognak" verwandelt,! Natürlich kann ein Alkohol, der die weite Reise von Rußland nach ycrankreich und wieder zurück machen muß, nicht bnl'g verkauft werden, zumal doch die Gesellschaft dabei einen hübschen Gewinn erzielen will. 8Ma'l”: $"6' - "«l“"»™« »"d IM...MIMtaS- «n» S,-I»dn,N. S