< < c 3» TQafiy «Ärf.1 MWL! M L IV WWMWM F’ Im Manne des Geheimnisses. Roman von H. v. Raesfeld. V"'V- Nachdruck verboten. Vi (Fortsetzung.) t ,.A' A..,. ä..; 62. 5kapitel. i..,5 > - Kummer bitterer denn Tod. ' 1 ä ■ Dann fiel Lord Wayne ein, daß die beiden Männer Noch nebenan warteten. Er sah auf die Uhr; eine halbe Stunde war bereits verflossen, und er war der Lösung des Geheimnisses noch um keinen Schritt näher gekommen. Er öffnete die Tür, und Mr. Sinclair war der erste, der hereintrat. Er warf einen hastigen Mick auf den Arbeitstisch, offenbar in dem Gedanken, daß es vielleicht doch nicht flug von ihm gewesen, seine kostbaren Beweise den Händen des Ehemanns der Verbrecherin zu überlassen. Doch da lagen sie unberührt. „Ich, möchte eine Frage an Sie richten", sagte Lord Wayne. „Welche Schritte gedenken Sie zu tun?" Herr Sinclair zog sich etwas unbehaglich durcheinander; es war nicht gerade angenehm, gerade heraus zu sagen, was er dachte. „Eurer Lordschaft ist bekannt, daß heute die gerichtliche Totenschau im Försterhause stattfindet?" „Das weiß ich.", erwiderte Lord Wayne. „Ich habe es für besser gehalten, überhaupt keine Schritte zu tun, bis dieser Akt vorüber wäre. Er wird jetzt wohl vorüber sein, glaube ich Das Ergebnis kann Nicht im mindesten zweifelhaft sein: vorsätzlicher Mord, begangen von einer oder mehreren unbekannten Personen; das Gericht wird sofort einen Haftbefehl gegen irgend welche Verdächtigen Individuen erlassen, und dann —" Br brach jäh ab. „Was dann?" wiederholte Lord Wayne mit unnatürlicher Ruhe. „Tann werde ich die überaus peinliche Pflicht haben, eine Dame zu verhaften, die bei der ganzen Welt in hoher Achtung und Verehrung steht." „Das heißt, Sie werden eine Anklage ans — nein, ich kann es nicht über mich bringen, solche Lügen, solche schmachvolle Lüge zu wiederholen — Sie wollen sich also unterstehen, der Dame, die ich mit Stolz mein Weib nenne, ein so himmelschreiendes Unrecht, eine so unerhörte Schmach guzutun?" „Es ist meine Pflicht", erwiderte Mr. Sinclair. „Angenommen", fuhr Lord Wayne fort, „es kommt irgend em neues Beweisstück und zeigt ihnen die .Sache in ganz anderem Licht, was dann?" „Das sollte mich aufrichtig und von Herzen freuen; geben Sie sich in dieser Hinsicht jedoch keinen Täuschungen hin, Mylord. Von Anfang an habe ich in dieser Sache Mehr vermietet, als zutage lag. Zwar war mir anfangs der Beweggrund rätselhaft, er ist aber jetzt klar genug: entweder hat der junge Mann das Leben verloren, damit das Geheimnis bewahrt bliebe, oder er ist in einem Augenblicke leidenschaftlicher und — ich darf sagen — unzurechnungsfähiger Erregung und Wut getötet worden; die genaue Feststellung des Beweggrundes ist mir vorläufig nicht möglich; das macht aber auch für den Fall an und für sich nichts ans." „Weiß sie, Lady Wayne, etwas von all diesem?" forscht^ der Schloßherr unruhig. „Nein. Unsere Nachforschungen sind ganz, im geheimen betrieben worden, auch ist kein Wort darüber gefallen. Niemand vermutet auch nur das Geringste in dieser Beziehung." „Gut, dann erweisen Sie mir eine Gunst. Ich gebe Ihnen mein Wort als Edelmann, daß in keiner Weise versucht werden soll, der Gerechtigkeit zu entgehen. Die Verhaftung braucht, wie Sie sagen, nicht sofort zu geschehen; geben Sie mir bis heute nachmittag Frrst. Wollen Sre mir das gewähren? Es ist vielleicht das erstemal, daß ein Wayne von Kenninghall nm eine solche Vergünstigung nachzusuchen hat." „Ich bin dazu bereit, Mylord", erwiderte Herr Sinclair. „Ein paar Stunden mehr oder weniger können nichts ausmachen." „Sie können für mich, vielleicht die ganze Welt ausmachen", sagte Lord Wayne, „und ich danke Ihnen für dis Gewährung meiner Bitte. Bitte, bleiben Sie hier, Herr Sinclair. Die Waynes wissen auch einen Gegner zu behandeln, wie es sich gebührt — und als geschworene Gegner werden wir uns von heute an begegnen." Herr Sinclair verbeugte sich ernst. „Ich danke Ihnen, Mylord. Ich werde also die unangenehme Pflicht haben, heute nachmittag vorzusprechen, und dann mach die Gerechtigkeit ihren Lauf nehmen." |- ( Sie empfahlen sich, und er blieb allein zurück. Noch einmui. süycce er sich versucht, zornig aufzufahren, als er sah, wie sorgfältig der Geheimpolizist seine schrecklichen Bewerfe wieder einpackte. Er stand noch da und versuchte seine Gedanken zu sammeln, seine Selbstbeherrschung, seinen Gleichmut wieder zu erringen, die ihm für des Lebens Alltäglichkeiten so nötig waren, als Stimmen vor der Tür laut wurden. Er öffnete kurz gefaßt und sah in Elftes lachendes Gesicht und Isabel Waynes kalte, stolze Züge. „Papa, vergib mir; rch hab' gewartet und gewartet, bis ich glaubte, du hättest mich ganz vergessen, da bin ich selbst gekommen, als ich deinen Besuch fortgehen sah. Weißt du noch, daß ich dir einige Papiere ordnen helfen sollte?"- Er sah sie an wie jemand, der sich, nur mühsam zu erinnern und zu besinnen vermag. Jahre schienen ihm seitdem verflossen — lange, schreckliche Jahre, — und doch war kaum eine Stunde vorüber. „Lord St. Gilbert ist vor fast einer Stunde gekommen, um mit Elfte auszureiten", fugte Isabel erklärend hinzu. 710 „Wie, Mortimer, was fehlt dir nur? Wie blaß und angegriffen du aussiehst!" Elsie sprang hastig an seine Seite, ergriff seine Hand und sah ihm besorgt ins Gesicht. „5)u bist krank, Papa, und sagst uns kein Wort davon? Dein Gesicht |ift ja so blaß wie der Tod; du hast dicke Tropfen auf der Stirn, die Hände beben dir ja! Was gibt's, was gibt's?" „Nichts, mein Liebling, die Hitze ist heute so arg, und ich kann dies schwüle Wetter nun einmal nicht ertragen, die Sonne blendet einen heute ja förmlich." Er sah in ihr schönes Gesicht, sein Herz krampfte sich wie in unaussprechlicher Todesqual zusammen. Sie, so strahlend, so schön, so jugendsrisch und lebensfroh, so arglos, und ihr junger Bräutigam, Sproß eines der stolzesten Geschlechter — ach! und ihre Mutter unter der ungeheuerlichsten Anklage! Er bedeckte die Augen mit der Hand. „Papa", rief Elsie, „laß mich dir etwas Erfrischendes besorgen. Sicher, du bist nicht wohl." „Nein, nein, Liebling, laß Bald nicht warten! Sorg' dich nicht nm meine Papiere, wir wollen sie ein anderesmal vornehmen." „Nein", erwiderte Lord Wayne kühl. „Das ganze Haus ist reinlveg wie verhext", rief sie. ennu. 9« nicht denken, was nur eigentlich los ist. Kennmghall war sonst eitel Sonnenschein, jetzt ist es eitel Trübsinn iind Düsterkeit." „Was meinst du, Isabel?" fragte er schnell. „>)ch meine gelt ent das, was ich sage, Mortimer. Es negt etwas Merkwürdiges, Geheimnisvolles in der Luft frage nach Miß West und er- Antwort, sie fei auf ihrem Zimmer und es sei Armanden zu empfangen; ich frage nach sltb gehe, nachdem ich Gott weiß ioie oft abgespeist worden, enolich geradewegs zu ihr, und finde Ze — wirklich, ich weig keinen andern Ausdruck —halb von mhTif11’ Atzest hier stundenlang mit Fremden einge» ^i'i)ming?"$8nS b€öeutet Ist irgend etwas nicht 9in /-Du machst aus Mücken Elephanteu, Isabel", versetzte Muhend, scherzhaft und leicht zu prechen. „Was sollte denn nicht in Ordnung sein?" " ,, ."Echts sollte nicht in Ordnung sein, aber auaen- uF btwas nicht in Ordnung", gab sie spitz zurück. ,,Geheimnisse sind mir verhaßt." „Mir auch", versetzte er trocken. „Du konstruierst sie dir aber znsamnleu, Isabel." 1 1 1 »Immer, seit dieser unglücklichen Geschichte, ist es fo .Mein Göthes tat uns ja allen sehr leid, aber wir brauchen die Sache doch sicher schließlich nicht als ein Familienunglück aufzufassen, oder doch?" Ihre scharfen Augen beobachteten ihn gespannt, Und er bemerkte das sehr wohl. ' hbin es müde, diese Geschichte zu erörtern", er» frf rsP6 er muß dich bitten, mich zu entschuldigen, Isabel. Ich habe zu tun." Worten verließ er das Zimmer. stimmt etwas nicht", trium- r' 5 bod} gedacht, daß ich mich nicht arf° nicht umsonst, daß sich das Mnzug hwlt "^ bamßf§ ^ren ließ, Äs Mylady hier ihren war Lord Wayne zum Jrühstückszimnter gegangen, wo die Damen des Hauses sich gewöhnlich be- war leer. Er ging zu den Gemächern seiner Gattin und klopfte an. War das ihre Stimme, die von „Laß sie glücklich sein, solange es geht", dachte er, „Gott weiß, wie lange es noch dauern mag." „Aber ich mag nicht von dir gehen, Papa", murmelte das junge Mädchen, sich an ihn schmiegend. „Meinst du, ich könnte mit Bald ausreiten und mich freuen, ivenn ich dabei an dein blasses Gesicht denken muß?" _ „Tann wird Bald hoffentlich mit dir schelteii, kleines, besorgtes Mütterchen. — Wirklich, mir fehlt nichts, Herz, lauf nur, geh! Ich habe was Dringliches zu besorgen, was keinen Aufschub leidet, also geh, Liebling!" Elße verließ langsam das Zimmer; Tränen standen ihr in den Augen. Fsabel Wayne warf sich in einen Schaukelstuhl; sie sah äußerst übellaunig aus ■ „Store auch ich?" fragte sie spitz. „Nein", erwiderte Lord Wayne kühl. innen antivortete, — diese Stimme, worin aller Wohl- klang erstorben schien? Er trat ein, und seinem erstaunten Blick bot sich der seltsamste Anblick. Marian West saß dort in einem niedrigen Sessel, und seine Gattin, die schöne Evelyn, Lady Wayire, kniete am Boden, ihrer Schwester zu Füßen. Als sie das Gesicht ihres Mannes erblickte, erhob fiel die Hände und schrie laut auf. „O, Marian, Marian! mein Traunt ist wahr geworden! Mortimer, was ist's? Wenn du mich so ansiehst, sterbe ich!'« Doch er, der treue Gemahl, der edle Mann, der ritterliche Sproß seines alten, edlen Geschlechts, fttiete ließen' ihr nieder und schlang seine Arme um die schlanke, bebende Gestalt. „Komme, was da wolle, meine Evelyn, mein Weib", sagte er tiefbewegt, „wir wollen es zusammen tragen 63. Kapitel. „I ch bin u u s ch u l d i g." Evelyn Lady Wayne sah zum Gesicht ihres Gemahls! empor; in ihren schönen Augen lag nichts als tiefe, hoffnungslose Verzweiflung. „O, Mortimer, sprich nicht so liech so gut mit mich O, ich, wollte, ich könnte jetzt sterben und dir alles Elend und allen Summer ersparen." Und das stolze, schöne Haupt senkte sich jetzt tief, tief in den Staub. Er sah fie erstaunt und überrascht an. „Ich verstehe dich nicht, Liebling. Du wirst doch keinen Augenblick denken, daß ich diese infame Geschichte glaube. Aber, Teuerste! Wüßte ich nicht, was man der Majestät des Gesetzes schuldet, — bei Gott, ich hätte dein, der sich zuerst unterstand, sie zu erwähnen, die lügnerische Zunge ausgerissen." Durch die Qual und die Angst in ihren Zügen hindurch sah er ein solch fassungsloses Erstaunen, daß er seinerseits vor einem Rätsel stand. Marian West sah, daß beide etwas ganz Verschiedenes im Sinne hatten. „Mortimer", sprach sie sanft, „willst du Evelyn nicht sagen, was du meinst? Sie versteht dich nicht." „Aber sicher versteht sie mich, oder warum' finde ich sie hier denn fo? Es schwebt doch sicher kein anderes Unglück über uns, als wie nur dieses, das ich und mein Weib miteinander teilen können?" Marian sah ihn an; große Tropfen stiller Angst sammelten sich auf ihrer «Stirn; bas Herz begann ihr heftig zu klopfen; sie sah deutlich genug, daß sie sich in Mißverständnissen bewegten. Evelyn glaubte, ihr Gemahl toiffe,; wer Werner sei; er dagegen glaubte, sie habe gehört,' daß sie des vorsätzlichen Mordes angeklagt sei. „Ich glaube kein Wort davon", begann er wieder. „Eve, mein Liebling, denk doch, wie ich dich immer geliebt habe; mein Glaube au dich ist unberührt, unerschüttert, fest wie nur je zuvor. Und wären die Beweise zwanzigmal so stark; ich schwüre, daß zufällige Umstände sie so verknüpft hätten. Sieh mich an, mein süßes Weib, sag mir, daß ich Recht habe. Doch ihr stolzer Kopf sank tiefer und tiefer; das goldene Haar lag in schimmernder, ivogender Fülle auf dem Boden. Lord Wayne sah angstvoll auf; das so zärtlich geliebte Antlitz hatte sich von ihm abgewandt. „Marian", rief er, „ums Himmelsivillen säg mir, was dies bedeutet!" Sie legte ihm eine zitternde Hand auf die Schulter. „Hab' Geduld, Mortimer, nur ein paar Minuten hab' Geduld, es handelt sich um einen Irrtum. Eve versteht nicht, wessen man fie anklagt." „Warum kniet sie denn hier?" beharrte er. „Warum! sieht sie mich nicht an? Warum' hilft' sie mir nicht, sich von dieser schmählichen Anklage zu reinigen ?"• Miß West nahm von einem Tischchen in der Nähe ein Blättchen Papier und hielt es ihm hin. „Dies hat meine Schwester so erschreckt", sagte sie. „Ich fand sie dabei fassungslos und in Tränen." Lord Wayne überflog die warnenden Zeilen, die der gutherzige Elliot in seiner Angst geschrieben hatte. „Und das hat dich so erschreckt, mein Liebling?" fragte er zärtlich. „Der dumme, tölpelhafte Mensch, eine solche Än- klage gegen dich zu erheben — gegen dich, die süßeste, beste aller Frauen; wäre es nicht so fürchterlich, es wäre zu ab- 711 •- geschmackt. Gerade wegen dieser Sache komme ich her, mit dir zu sprechen. Es handelt sich um keinen Irrtum, Marian». Evelyn schlang die Arine sanft um den Nacken ihres Gatten, sie legte ihren Kopf an seine Brust; etwas ivie Ber- trauen schien ihr wiedergekehrt. „Willst du mir sagen, was das bedeutet, Mortimer? Ich verstehe es nicht, waruin sollte ich Kenninghall »er- lassen?» „Meine liebste Eve, es ist alles ein höchst dunnNcr, unbegreiflicher Irrtum; einige wenige Worte von dir werden die ganze Sache in Ordnung bringen. Du kannst alles aufklären und auf ein Nichts zurückführen, das weiß ich. Diese Mitteilung ist von jemanden geschrieben, der dir wohl will, augenscheinlich aber selbst an den Unsinn glaubt». „Willst du mir sagen, Mortimer, worin der Unsinn besteht?» Er schwieg einige Augenblicke ganz still, augenscheinlich Hütte er in diesem Momente lieber einer Schar Todfeinde ins Auge gesehen wie ihr. (Fortsetzung folgt.) Jer Bezirk Wodyeim arr der Meöer- Der sogenannte „Bezirk Rodheim", bestehend aus den unten angeführten neun Ortschaften, nimmt insofern eine Sonderstellung im Kreise Biedenkopf ein, als er in hessischen Zeiten (also vor 1866) zum Kreise Gießen gehörte und üuch in geographischer Hinsicht kaum zum eigentlichen Hinterland gerechnet werden kann. Der, Dünsberg (ca. 500 Meter) ist eigentlich der ehrfurchtgebietende Wächter des Hinterlandes im Süden, sodaß auch nur die beiden nördlich von .ihm gelegenen Dörfer unseres Bezirkes, Crumbach und vor allenr Frankenbach bereits den Hinter- landcharakter tragen, während die übrigen Orte mit ihren Gemarkungen noch der breiten Lahnniederung zwischen Gießen und Wetzlar resp. ihren Seitentälern zuzurechnen sind. So liegt Waldgirmes und feine stattliche Filialgemeinde Naunheim unmittelbar im Lahntal, Hermannstein im verbreiterten unteren Dilltal, während Rodheim, Bieber, Fellingshausen und Königsberg auf seiner weitausschauenden Höhe dem Bereich des Biebertals angehören, von den „Lahndörfern" getrennt durch die Scheidewand desBleiden- berg (407 Meter) und Himberg (353 Meter). Das Klima unseres Bezirks ist, dieser geographischen Lage entsprechend, ein verschiedenes: in den Dörfern des Lahntals mild und ergiebige Landwirtschaft begünstigend, in den Gebieten um den Dünsberg leicht rauh, besonders wenn die „Hessenluft" (Nordwind) weht, aber gesund und ^kräftigend. Die herrlichen Buchenwälder, mit denen die anliegenden Höhen bedeckt sind, geben der Landschaft einen besonderen Reiz und bieten den Gemeinden, welche früher zu Markgenossenschaften mit gemeinsamem Maldbesitz zusauunengeschlossen waren, bedeutende Einnahmequellen. Einst rauchten in diesen Wäldern viele Meiler, um die Schmelzhütten und Waldschmieden mit Kohlen zu versorgen. Mas die Gesteinarten betrifft, so besteht der Dünsberg fast ganz aus Kieselschiefer, während der Himberg (auch Königstuhl genannt) ebenso wie die unserm Bezirk benachbarten burggekrönten Spitzen des Gleiberg und Vetzberg zu jenen Basaltkegeln gehören, welche sich zwischen den großen Basältgebieten des Kögelsbergs und Westerwalds insel- förmig erheben. Im übrigen findet sich hier vor allem' her ältere Schalstein, welcher aber in einem stellenweise ganz bedeutenden Zug von Massenkalk überlagert wird. Große Kalksteinbrüche bei Hermannstein und Bieber liefern ihr Material in benachbarten Hütten- und Kalkwerke, auch hat man den Versuch gemacht, den Kalkstein zu Marmor zu verarbeiteu (Kalk- und Marmor werk Abendftern , von Gabriel). Die Steinbrüche bet Bieber find schon seit vielen Jahrhunderten in Betrieb, denn bereits im Teilungsvertrag betr. des „Gemeinen Landes an der Lahn" von 1585 hält sich der Graf von Nassau-Weilburg aus, daß. er zu Rodheim (Bieber), welches an Hessen ftef, nach wie vor Kalkstein brechen und Brennen lassen dürfe. Von Erzen finden sich iin unserem Bezirk außer Kupfer', welches früher bei Königsberg gefördert wurde, Mängan- und vor edfem Eisenerze, welche als Rot- und Brauneisensteine Vorkommen. Gegenwärtig sind hier neben vielen zum Teil nur zeitweilig verlassenen Werken die Bebend tendsten Eisensteingruben: Eleonore Bei Bieber (Gebu, Stumm in Neunkirchen) und Morgenstern bei Waldgirmes (Buderus in Wetzlar). In früherer Zeit hatte die Grube! Königsberg einen sehr regen Betrieb aufzuweisen, der jetzt nur wegen der Beförderungsschwierigkeit ins Stocken gekommen ist. Seit 1664 versorgte diese Grube die Ludwigs- Hütte bei Biedenkopf mit Eisensteinen und noch vor wenigen Jahrzehnten wurde das Königsberger Erz in mühseliger Fahrt von den Hinterländern dorthin geholt. Doch schon vor 1664 lieferte Königsberg seine Eisensteine in eine im' Biebertal (bei der jetzigen Steinmühle) gelegene Schmelzhütte, welche in der Mitte des 18. Jahrhunderts noch int Betrieb war. Neberhnnpt ist die Gewinnung und Verarbeitung von Eisen in unserer Gegend uralt, wovon die alten Schlacken-, Halden und Spuren von Rennherden in den angrenzenden Wäldern, sowie das häufige Vorkommen des Familiennamens Waldschnndt Zeugnis ablegen. Weit zurück weist auch eine Urkunde aus dem 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts, wonach die Rödheüner Waldschmiede (das jetzige Hofgut Schmitte) vorpflichtet war, jährlich „XII gebaut guts issens (Eisen) und dry Par gutes ardissen (Pflngeisen) uff das slos Glhperg" zu liefern, (,unb was waltsmidde isen- steins brechent bynnen den gertchten, die geilt Glhperg ge- hörint... do ist uß und uß das zende fitber der her- schafft und sollent vor igliche fuder, das also der Herr-« schäft gepört, IV groß geben, uff das slos Glhperg zu bergzinse". — Bei Anlage der Wasserleitung in diesem' Sommer sand man im Hof der „Schmitte" große Mengen uralter Eisenschlacken. Auch gegenwärtig bietet der Bergbau und die Hütten- iverke den männlichen Bewohnern nnsercs Bezirks die Hanpterwerbsquelle, während nur ein geringerer Teil sich ausschließlich mit Landwirtschaft beschäftigt. Die seit Mitte des vorigen Jahrhunderts zuerst'in Rodheim, dann in fast allen Dörfern des Bezirks angelegten Filialen von Gießener! Zigarrenfabriken bieten den Mädchen und auch vielen Frauen Arbeitsgelegenheit, ohne daß man von eigentlicher! Jndnstriebevölkerung reden kann, da fast jeder Haushalt eine wenn auch noch so bescheidene Landwirtschaft treibt. In materieller Beziehung ist diese Industrie für nufere! Gegend Unleugbar von Segen, denn früher herrschte in den meisten Gemeinden bittere Armut. Selbst die günstig gelegenen Lahndörfer Waldgirmes und Naunheim scheinen ihre Bewohner nicht haben genügend versorgen können, sonst hätten sich wohl kaum im Jahre 1724 und 1725 eiwst 80 Personen von dort aufgemacht, um im fernen Litauen (Ostpreußen) sich eine neue Heimat zu gründen, als König Friedrich Wilhelm I. von allen Seiten Kolonisten in dieses damals verödete Land rief. Auch nach Nordamerika ist um hie Mitte des vorigen Jahrhunderts ein ganz erheblicher Teil unserer Bevölkerung ausgewandert, z. B. im' Jahre 1840 allein aus Rodheim 40 Personen, aus Naunheim von 1847 bis 1857 im ganzen 106 Personen. Die Zeiten haben sich geändert: unser Bezirk ist dem Verkehr erschlossen (das Biebertal seit 1898 durch eine! Kleinbahn von Gießen aus), infolge der Industrie ist eine gewisse Wohlhabenheit in die Gegend eingezogen, tvovon! vor allem die stets wachsenden stattlichen Dörfer des Lahu-^ Till-U nb Biebertals Zeugnis ablegen; lauge Reihen von Neubauten zeigen, daß unsere Bevölkerung sich behaglicher! einzurichten vermag, als in den früheren bedrängten Zeiten.^ Doch leider fehlt nicht die Kehrseite der glänzenden Medaille: die gute Sitte nimmt mehr und mehr ab, durch zahllose Feste kommt Vergnügungssucht und Unruhe auf unsere stillen Dörfer, welche zum Teil mehr oder minder den wenig erfreulichen Charakter von VorstadtgemeiiideU annehmen. Wenden wir uns nun zu der Geschichte des Bezirks Rod heim, so fei zunächst bemerkt, daß wir über! die Entstehung der einzelnen Dörfer wenig unterrichtet sind. Rod heim scheint sehr alt zu fein und zuerst aus einzelnen jadeligen Höfen bestanden zu haben; 1069 wird es zum ersten Male urkundlich erwähnt, und im 12. und 13. Jahrhundert spielen die Herren von Rodhetzn, welche! auch Besitzer der Burg Blankenstein (Bei Gladenbach) mären,: eine bedeutende Rolle. Später waren es vor allem Gan- erbeu der um 1140 erbauten Burg Vetzberg, welche in! und um Rodheim Begütert waren, so die Dernbach, Holtz- apfel, Nordeck, und vor allem die Lesch von Mülheim (be,i Hermamlstem). Der namhafteste Vertreter der lehtaetiänn- ten Famtlie war Marx Andreas Lesch von Mülheim, der bereits 1522 als Beschützer der evangelischen Predigt in Frankfurt a. M. mutig in die Schranken trat, mich in beit Kriegen Philipps des Großmütigen und als Vertreter des Grafen Philipp II. von Nassau-Weilburg bei dessen Eintritt in den schmalkaldischen Bund eine bedeutsame Rolle spielte (1537). Ein Magnus Holtzapfel war Amtmann von Gleiberg und führte das Weilburger Kontingent im schmal-- kaldischeu Krieg. Königsberg verdankt seine Entstehung deut Schloß, welches 1226 von Marquard von Solms erbaut wurde. Waldgirmes erscheint zuerst 1250 in einer Urkunde, doch ist es wohl schon einbegriffen in der im Lorscber Kodex 771 genannten Gcrmitzer marca. Naunheim (Nuwenheim, Nunheim) wird 1282 urkundlich genannt, doch hat man im Jahre 1862 dicht bei dem Ort eine fränkische Grabstätte (aus der merowingischen Zeit) gefunden, welche auf eine uralte Ansiedelung an diesem Ort schließen läßt. Franke n b a ch wird 1285, Crumbach 1325, Fel lim g s- Hausen 1373 zum ersten Male urkundlich erwähnt. Her- mannstein ist ursprünglich nur der Name der Burg, welche Landgraf Hermann der Gelehrte noch als Mitregent seines Oheims Heinrichs II. im Kampfe gegen die Grafen von Solms und die mit ihnen verbündeten Ritter von 1373 bis 1377 erbaut hatte. In der Nähe lag der Ort Mülenheim (Mölnheim, Molenheim), welcher von 1150 bis zum 15. Jahr-, hundert urkundlich erwähnt wird, dann aber ganz ver- Kdet (vgl. den heutigen Flurnamen „Mülheimer Au"): wohner dieses Dorfes zogen sich nach und nach in den Schutzbereich der Burg Hermannstein, denn erst von 1481 ab wird von einem Dorf Hermannstein geredet. Menn so auch die Namen vorstehender Dörfer zum Teil erst spät in den Urkunden erscheinen, so befinden wir uns doch int Bezirk Rodheim auf althistorischem Boden: davon zeugt der Dünsberg (von tun gleich Höhe, wie Taunus? oder gleich Odiusberg?) mit feinen altgermani- schen Ringwällen; dann der Himberg oder Königsstuhl, eine alte Malstätte; ferner die nahen Höhen im Südwesten (bei Grüningen), über welche sich der römische Grenzwall (Pfahlgraben) hinzog, und endlich die Hünengräber, welche wir in unfern Wäldern finden. Die Gegend war von Chatten bewohnt und gehörte in der fränkischen Zeit zum Niederlahngau oder aber, wenn die Vermutung namhafter Forscher zutrifft, zum Mittellahngau. (Schluß folgt.) ------- ' 'M Weihnachts-Literatur, — Wilhelm Busch, „Tobias Knopp". Drei Teile in einem Bande. In Ganzleinwand gebunden 5 Mark (München, Fr. Bassermann.) — Der von Verehrern des großen Humoristen längst geäußerte Wunsch, die köstliche Mopp-Trilogie in einem schmucken. Bande vereinigt zu erhalten, hat nun Erfüllung gefunden : in gediegenem Einband nnd vorzüglicher Ausstattung präsentiert sich der Band, in dem Tobias Knopps irdisches Dasein mit der Feder des Poeten und dem Stift des Zeichners einzig- artig beschrieben ist. Die Geschichte des Dnrchschnittsweltbürgers, dem nichts Großes passiert nnd dessen Dasein doch ansgesüllt ist von verrückten Kombinationen und Komplikationen. Tobias Mopp ist das Buch des Philisters. Es wird Unzählige erfreuen, wie es schon Unzählige erfreut hat. Der Weltliteratur gehört es bekanntlich an durch zwei Verse: 11 , „Vater werden ist nicht schwer, . Vater sein dagegen sehr." 1 — Herzblättchens Zeitvertreib, 51. Band (Neue Folge 9. Band). Begriindet von Thekla von Gumpert, fortgeführt von Berta Wegner-Zell. Verlag von Karl Flemming, A.-G., Glogan. Preis 6 Mark. — Wie sich auch die Zeiten geändert haben mögen, seit dies einst mit Jubel begrüßte, älteste Kinderbuch die kleinen Herzen itn Sturm eroberte — die Kinderherzen selbst mtt. ihrem frischen Empfinden für das wirklich Gute, das ihnen liebevoll geboten, mit ihrem Freud nnd Leid sind dieselben geblieben. Und wenn Eltern nnd Großeltern in treuer Erinnerung an die Freude, die einst ihnen selbst dies Buch bereitet, an das Gute und Fördernde, das sie daraus geschöpft, es jetzt ihren Kleinen auf den Weihnachtstisch legen, dürfen sie sicher fern, noch denselben Jubel damit zu erregen wie damals. Und das Buch mit feinem reichen, vielseitigen Inhalt verdient's jedenfalls, so froh begrüßt zu werden. Es wird den Kleinen oon 6 bis zu 12 Jahren Unterhaltung, Anregung und Belehrung bieten. — Sophi e Löwenthal-Kleyle, Mesalliierü Erzählung aus dem Nachlaß. Mit Bewilligung des t Freiherrn Arthuv von LöwentM HÄätiBg'egebest uitS eingeleitet vvn Pros. Dr. ®>uarb Castle. Mit dem Bildnis der Verfasserin. Leipzig, Max Hesses Verlag. Brosch. 3 Mark. —: Sophie Löwenthal, bekannt durch ihren Liebesbnnd mit Lenau, hinterließ, als sie 1889 starb, die Erzählung „Mesalliiert". Ohne Zweifel darf vieles in der Erzählung als Selbstbekenntnis aufgefaßt werden/ nnd bestimmte Anklänge an ihr eigenes Schicksal in den Beziehungen zu Lenau sind unverkennbar. Für die, denen dep Dichter nnd seine üächste Freundin wert sind, die Interesses daran nehnten, wie Sophie Löwenthal ihre Lebens- und Liebest erfahrnngen dichterisch zum Ausdruck gebracht, ist die Erzählung „Mesalliiert" wichtig; sie wird den Leser aber auch M sich durch ihre spannend fortschreitende Handlung fesseln. — Töchter-Album, 52. Band (Neue Folge 9. Band). Begriindet von Thekla von Gumpert, sortgeführt von Berta Wegner-Zell. Verlag von Karl Flemming, A.-G./ Glogau. Preis 7.50 Mark. — In altgewohnter Art und doch stets in neuem' Gewände, erscheint auch diesmal das Töchter- Album am Weihnachtsmarkt. .In aller Flut der Neuerscheinungen hat es doch stets seinen Platz behauptet und namentlich die „Neue Folge" hat den großen Kreis der altgetreuen Freunde dieses Mädchenbuches noch bedeutend erweitert. Frisch-fröhlich g« schriebene und doch Herz und Gemüt anregende Geschichten wechseln mit ernsten, aus dem Leben gegriffenen und auf das Leben' vorbereitende Erzählungen ab, der Poesie ist breiter Raum gewährt und dazwischen fügen sich historische, natur- und kunstwissenschaftliche Beiträge, ebenso anregende Reiseschilderungen ein.; Neue Kalender, = „Hebbels Rheinländischer Hausfreund" (Veve lag von I. Langs Buchhandlung in Karlsruhe) bleibt sich in fernem grünen Röcklein stets gleich nnd innerlich insofern, als ep auch in diesem Jahr einen sorgsam gewählten Text entMtt. Gleichzeitig ist im selben Verlag der ebenfalls viel, begehrte „Deutsche Landeskalender für 1907" erschienen, . Wie artige Kinder bei Fremden sein sotten. Kommst du zur Tür herein Mach ein Knickschen fein, Reich dein Händchen dar, Sprich die Grüße klar. Die dir aufgetragen Won zu Haus zu sagen; Gibt man Kuchen dir. Danke hübsch daittr, Wirf die Krümeleiu Nicht ins Zimmer 'nein. Gehst du mit zum Essen, Darfst du nicht vergessen, , Das; ein Kind nichts sagt, Wenn mau es nicht fragt. Flecken darfst du ja nicht mache:;, Auch berühren nicht die Sachen; Halt die Arme nicht zu hoch, Sonst störest du die andern doch, Die ja Platz auch haben wollen, Wem: bequem sie essen sollen. Und wenn dann zu End' der Schmauß, Und du wirst geholt nach Haus, Danke sür die chöneu Stunden, Die bu jetzt hast hier gefunden, Und zu Haus erzähl' dann allen. Was dir recht gut hat gefallen; Solche Gäste hat man gern, Die den Tadel halten fern, Und es wird froh mifgcnommeir, Wenn sie recht ost wiederkomme-n. 3. D. Rätsel. r_.. Nachdruck verboten. Grausam nennt mau mich oft und unerbitterlich, doch manchmal Bringe ich Geld und Gut dem, der es niemals gehofft. Aendert man mir das Haupt und setzt „p f” statt des Fußes, Hat mich ein jeder Mensch, hat mich ein jedes Tier, in, Auflösung in nächster Nummer. ' 7 Auflösung des Diamanträtsels in voriger Nummert p Don M i 1 c h 5? o 1 i sei A 1 z. e y F e e i Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fche» Untversiläts-Buch- und Steindruckerei, Ä> Lange, Siefiflfe