MB ri Jem Wal-ren, Kdten, Schönen. Ein Großstadtroman von Fcdor t). Zobeltitz. < (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Nun blieb Laura stehen und schaute den Gatten fragend an. Tie Betonung des „ich" hatte etwas zu sagen. So tvar es auch. „Sieh, Laura," fuhr Claudius fort, „in dieser Abhängigkeit der Stellung werde ich mich auf die Dauer nicht wohl fühlen. Ich kann nur Großes schaffen, kann nur wahrhaft Tüchtiges leisten, ivenn man mir nicht von allen Seiten Fesseln anlcgt. Also, um es kurz zu sagen: ich beabsichtige, Seebcn wie Giesecke herauSzubcißen —" „Ah!? Sich da, ClaudiusI Welch intrigante Seiten entdecke ich in Dir! . . Doch sie sagte dies mit Wohlwollen und zustinunendcr Kopsneigung; Fran Laura hatte ihren Mann sckätzcn gelernt. Er zog sie enger an sich heran. „Man muß auch nn sich selbst denken, Kind," fuhr er fort. „Im letzten Grunde verteidige ich mich nur. Bleibe ich Sieger, so fallen Seebcn und Giesecke naturgemäß. Sie fallen im Kampfe. Nun habe ich einen starken Hinterhalt an unserem Schwiegersohn. Ich werde mich von Priestap bevollmächtigen lassen, seinen Anteil an dem Unternehmen zu vertreten. Das übrige wird sich finden." „Und das Resultat, Claudius? Wenn nun Seebcn und Giesecke wirklich quittieren?" Fmhoff neigte sich ein wenig zu seiner Gattin herab und flüsterte: „Dann iverde ich Gesamtdirektor— alleiniger Leiter, Laura — Intendant des Prinz Ferdinand-Theaters! . . . Dahin ziele ich — und, verlaß Dich darauf: ich werde- es durchsetzen! ..." . . . Die Liesegang vermochte nicht länger still zu setzen. Sie hatte sich inzwischen damit beschäftigt, das Kompott aufzuessen und die Rester in den verschiedenen Wern- gläsern anSzutrinken. Sie wurde plötzlich vergnügt, stand mit einem Ruck auf und lachte fröhlich vor sich hin, als sie das Schwarzseidene abermals knistern fühlte. Jetzt war es ihr schon gleich, ob der Riß im Kleide größer wurde oder nicht. Sie humpelte an das Wasser, scharrte über den blauen See und summte ein Liedchen. Und dann wollte sie eine Mummel pflücken, die der matte Wellenschlag hin und her schaukelte, bückte sich und fiel in die Knie, mit dem Oberkörper vornüber und mit den Händen in das Wasser. Dieser Fall gab auch dem Schwarzseidenen den Rest; es knisterte nicht mehr, sondern krachte leise, und die Schönheit war für immer dahin. Imhoff kam näher und räsonnierte laut. Es sei unmöglich, sagte er, die Liescgang in Gesellschaft zu führen. Laura ordnete das zerrissene Kleid und steckte es notdürftig zusammen und breitete das karrierte Umschlagtuch wie euren Odaliskenfchleier darüber. Auch Priestap und Nina kehrten zurück und fanden scharfe Beobachter. Er sah blaß aus! wie sonst, und Nina hatte rote Wangen ... Es dämmerte, und inan dachte an den Heimweg. Prie- ' stap berichtigte die Zeche und ließ die Wagen anspannen* Dann ging es durch den sich facht verdunkelnden Gruner Wald zurück nach Berlin: voran wieder der Dogcart, hinterher der Landauer mit dem Ehepaar mit der gänzlich verschüchterten Liesegang. Sie sprach gar nicht und lag, tief in sich zusammengesmiken, in der Wagenecke, während Claudius und Laura den ganzen Weg über geheimnisvoll zu flüster» hatten. Nur einmal verstand die Liesegang ein: Wort. „Alleinherrscher", sagte Imhoff, und setzte sich aufrecht hin; sein Gesicht nahm dabei einen napoleonischen Ausdruck an. — Anderthalb Stunden später war man wieder daheim: In der Küche stand noch der eingepackte Eßkorb. Hier einte sich auch die Familie. Imhoff behauptete, ein Krebs müsse schlecht gewesen sein, und ließ sich einen Kognak geben. _ Es wurden aber mehrere. Dann forderte er Bericht von Nina. „Erzähle", sagte qx, sich wieder auf die Ecke des Küchentisches setzend; „iuie war er? Hat er Dir von Liebe gesprochen? Hat er mit Dich an gehalten? Hat er um Dich angehalten?" „Ach", antwortete Nina, und zog ihre Handschuhe aus; „es ist zum Totlachen!" Imhofs zürnte empor. „Alberne GanS, !vaS ist da zum Lachen!" grollte er; „erzähle gefälligst!" „Kannst Du nicht den Mund aufmacheu?" fragte Tante Laura, während sie den Futterkorb wieder anspackte. Nina maulte. „Na ja doch! Laßt mich doch erst zu Atem kommen! . . . Lllso — wartet mal — ich muß mich ein bißchen besinnen . . ." Sie schlug die Augen zur Decke empor und quirlte die Daumen übereinander . . . „Also — na gewiß hat er mir von Liebe gesprochen! Wie wir die Hühner fütterten, und ein paar Spatzen kamen dazwischen. Ta war kein Mensch weiter dabei — und da legte er seinen Arm um meine Taille — so, Tante Laura . . ." und sie zeigte es . . . „und das litt ich natürlich nicht „Kamel", warf Imhoff ein. „Na aber, Vater, Tn hast doch selbst gesagt —" „Schweige! Ich weiß, was ich gesagt habe. Ich iveiß aber auch, daß es auf Gottes Welt niemals ein dümmeres Geschöpf wie Dich gegeben hat. Erzähle weiter!" Nina tropften die Augen. „Euch soll man es recht machen", klagte sie. „Mal so, mal so . . . Was soll ich denn noch erzählen!? Er wurde böse, als ich ihm auf die Hand schlug, oder tat wenigstens so — und dann fragte er, ob ich ihm nicht auch ein wenig gut sein könne —" „Nun?" — und. jetzt stand Imhofs auf. „Na, und?-" fragte Frau Laura und hielt mit dem Auspacken des Korbes inne. Die Liescgang saß auf der Abwaschbank, faltete die Hände im Schoße und schaute Nina mit höchster Neugier an. 130 N'.na wurde ängstlich. „Na, und da habe ich gar nichts geantwortet", sagte sie mit weinerlicher Stimme. „Ich — ich glaube, ich habe ein bißchen gelacht. Gerade, wie er Las sagte, kriegten sich zwei Hähne zu fassen — und das sah so furchtbar komisch aus . . ." Imhoff hob die Hände beschwörend empör. „Ist es' zu glauben, Laura!" rief er. „Ein Liebesgeständnis — und diese Pute lacht! Sie lacht dazu!" Tante Laura warf wütend den leeren Korb auf die Erde. „Es wird nie etwas ans der Geschichte!" schrie sie. „Es bleibt ein ewiges Hin- und Hcrgeziehe. . . Herr, du du mein Gott, Nina — begreifst Du denn nicht, daß es sich um Millionen handelt?! Um einen schwerreichen Mann, um eine glänzende Partie?! Und er ist wie toll und verrückt nach Dir!" „Das weiß ich ja", schrie Nina zurück, nun gleichfalls heftig werdend; „aber Ivie soll ich es denn anfangen?! Donnerwetter, nun hab' ich die Sache satt! Künftighin mache ich es, wie es mir paßt. Ich bin keine Schulgöhre mehr---" Mer da geschah etivas Unvorhergesehenes. Imhoff litt weder Ueberhebung noch trotzigen Widerspruch. Er nahm die arme Kleine am rechten Ohrläppchen, genau so wie eine ungezogene Schulgöhre, und suhrte sie in ihr Schlafzimmer. Und dann kam eine gewaltige Rede. Und dann kam Schluchzen und Herzeleid. Und dann kam die stille Wut Als Nina wieder allein !var, kleidete sie sich ohne Licht ! aus, schleuderte Röcke, Stiefel und Strümpfe mitten in das Zimmer, machte eine lange Nase nach der Entreetür zu und sagte zu sich selbst: „Nu grade! . . ." Was das zu bedeuten hatte, wer könnte es enträtseln? Es war ein Ausruf des Trotzes, und trotzig wölbten sich auch Ninas rote Lippen. Sie kroch in ihr Bett, und als sie die Decke hochzoq. wiederholte sie nochmals in gewaltigem Triumph: „Nu grade!..." Das beruhigte sie sichtlich. — Inzwischen hatte die Liesegang einen Nohrpostbrief entdeckt, der durch die sür Briefe bestimmte Oeffnnng der Kuchentur geschoben worden und auf die Erde gefallen war. Imhoff öffnete ihn zögernd. Eilbriefe und Telegramme liebte er nicht. Es kam in diesem Falle dazn, dag ihm die Handschrift auf der.i Couvert bekannt er- sa^ien, ohne daß er im Augenblick wußte, wem sie angehörte. „Das hat doch eine Dame geschrieben, zum Potzsapper- ment", murmelte er und las sodann: „Lieber Claudius; Dir wirst sehr verwundert feilt, nach Zähren wieder einmal etwas von mir zu vernehmen. Mais, I mpn cher, das Leben ist ein eigentümliches Ding. Es ist I hne eine Schaukel — hinaus und hinab. Mein Mann ist Vor kurzem gestorben, und über sein Geschäft ist der Konkurs verhängt worden. Er hat schwere Verluste erlitten; I i>aS mag feinen Tod beschleunigt haben. 9hm sitze ich da und weiß nicht, wohin und was. Gott sei Dank ist meine Stimme die alte geblieben. In der Koloratur nehme ich i iE. )eder auf. Und da fiel mir ein: vielleicht turntet) bei Eurem neuen Theater unterbrinqen. Du wurdest em gutes Werk tun. Hat uns das Schicksal auch M Haß und Unfrieden getrennt. Sieh' zu, cher Claudius SEI ^^n kannst. Ich wohne vorläufig int Hotel Tei minus Zimmer Nr. 208, wo ich Deinen Bescheid erwarte. Dich bestens grüßend Wanda." ließ den Brief sinken. Er sah nicht sonderlich Vergi>ugt aus, der arme Teufel, denn Wanda Lorenzen, geborene Blomeyer, genannt Wanda Bloom, seiner Zeit eilte pr.°Be Schönheit und keine üble Koloratursängerin, war leine erste Frau gewesen. I Hieraus zum ersten Male: „Waldzauber“. Ballettphantasie in einem Akt von Charles Rosin." Musik von Theo Klemm. Eröffnung des Hauses: 7 Uhr. Beginn der Oper: 8 Uhr. Sonntag, den 28. September: Dieselbe Vorstellung. Montag, den 29. ^ptember: Zum ersten Male: „Fata Morgana“. Schauspiel in vier Akten von Wolfgang Schwerdt. Dazn druckten die Blätter den nachfolgenden, ihnen aus dem ldeaterbureau zngegangenen sogenannten Waschzettel ab: | „Das Prinz Ferdinand-Theater wird am Sonnabend! erosftiet werden, nachdem bereits am Montag die Bau-, abnahme erfolgt ist. Das Aboniiement aus die Logen- Platze ist geschloffen worden; Parkett und Zweiter Rang ist für die Abonnementsvorstellnngen der Oper und des Schauspiels noch im Bureau des Theaters erhältlich. Amj Sonnabend Mittag um 12 Uhr sind die Behörden und dis Vertreter der Presse zur Besichtigimg des Baues geladen. Die Erofsnungsoper, Arigo Rafaölis ,Quartier latin', ist in den Hauptrollen mit den Damen Bvgner-Wettin, Sticgler, ^uihoss und Daniel und beit Herren Hauermann, Genke. Bertucy unb Wagner besetzt. Ter Komponist birigiert selbst. Me neuen Dekorationen „Stubentenzimmer", „Das Cabaret zum lahmen Pegasus" und „Blumenladen" stammen aus! dem Atelier der Gebr. Falck. .Das aus die Oper solgende einaktige Ballett „Waldzauber" hat den ersten Ballettmeister und Pantomimisten des Prinz Ferdinand-Theaters, Herrn' Charles Rosin, zum Verfasser; die musikalische Illustration lieferte Kapellmeister Theo Klemm. Tie Hauptrolle in der! choreographischen Phantasie ist der Signorina Giuseppina' Caracci, bisher Prima Ballerina am Sau Carlo-Theater tn Neapel, übertragen worden. Tie dekorative Ausstattung (nebst der großen Wandeldekoration) lieferten die Ateliers! von Quaglio, Gebr. Falck und Thoouan, die Kostüme die Firmen Baruch u. Co. und Emden Sohn. Tas Theater wird bereits eine Stunde vor Beginn der Vorstellung ge- öffnet werden, um beit Besuchern Gelegenheit zu bieten,- bo§ neue Haus kennen zu lernen. Am Sonntag wirb bis Sonnabeiid-Borstellung wiederholt. Am Montag findet dis erste Schauspiel-Vorstelluiig statt und zwar das Drama eines' Neulings: „Fata morgana" von Wolfgang Schwerdt, in dem! it. a. die Damen Vieweg, Held, Lobedanz, Eberhard nnbi die Herren Gerster, Arnstein, v. Hegern und Trvnk beschäftigt sind. Der Dienstag bringt eine Wiederholung von! „Quartier latin", der Mittwoch zum zweiten Male „Fata! Morgana". Am Mittwoch Nachmittag 2 Uhr findet als! erste Vorstellung zu ermäßigten Preisen eine Aufführung' von „Kabale und Liebe" statt. Donnerstag Abend: „Aida". Freitag „Faust erster Teil", Sonnabend „Quartier latin". Am Sonntag Mittag 12 Uhr: musikalische Matinee zum Besten des unter dem Protektorat Ihrer Hoheit der Prinzessin Luise stehenden Waiseicheims Bethseba; Sonntag! Abend: „Faust zweiter Teil" in der Bearbeitung von Ed.- Devrient und Chr. Gericke, Beginn 6y2 Uhr." Tas war aber noch nicht alles. Der Inseratenteil verriet noch mancherlei mehr. Rudolf Dressel, der bekanntS Traiteur, zeigte au, daß er das Weinrestaurant im Prinz Ferdinand-Theater übernommen habe und eigenhändig leiten werde, und daß die Bierwirtschaft im gleichen Hanfs von ihm der wohlakkreditierten Firina Franz Neumann' übertragen worden sei. Im lokalen Teil der Blätter dagegen! fand man wieder enthusiastische Schilderungen von der Pracht des neuen Hauses, die aus der Feder des braven! Zeilen-Kuappe stammteil und gegen die eine, mit der Chiffrs W. H. unterzeichnete ausführliche und geradezu vernich- tende Beurteilung der Architektur des Prinz Ferdinandl-, Theaters in einem Montagsblatte entnüchternd abstach. Tann regnete es täglich kleinere Notizen: „Wie wir hören, ist Wolfgang Schwerdt das Pseudonym für einen in Qued- lmburg lebenden Rechtsanwalt" . . . oder: „Ter Kaiser wird! aller Vermutung nach der Eröffnung des Prinz Ferdinand- Theaters beiwohnen. Dagegen hat das Hofmarschallamt das Angebot der Direktion, die sogenannte Kaiser-.Loge täg- licy für die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften reserviert zu halten, abgelehnt" .. . oder: „Die Regie bei Rafaölis! ,Quartier latin' führt Direktor Otto von Seeben" . . . und! 12. Seit acht Tagen war in den Zeitungen Berlins folgendes Inserat zu lesen: Prinz Ferdinand-Theater. Eröffnungsvorstellung: Sonnabend, den 27. September. Zum ersten Male: „Quartier latin“. Drama in drei Aufzügen mit Benutzung eines Nomanmotivs von L. Bechstein. Dichtung und Musik pon Arigo Nasaeli. 131 dann wieder: „Direktor von Seeben wird die Regie bei Rafaölis ,Quartier latin' nur zur Eröffnungsvorstellung führen und sie, wie man uns aus dem Bureau des Hauses schreibt, bei den Wiederholungen an Ober-Regisseur Claudius Imhofs abgeben" ... Es gab auch noch andere Notizen, die für das theater- lustige Publikum der Hauptstadt sehr interessant waren. Da hieß es zum Beispiel einmal: „Tie Versteigerung des Logenabonnenrents im Prinz Ferdinand-Theater hat ein überraschendes Resultat ergeben. Marr erzielte, so hören wir aus guter Quelle, ans diesem Wege sage und schreibe das Fünffache der für die Logen angeseyten Billetpreise"... Wogegeil das gern nörgelnde Montagsblatt, das die vermöbelnde Beurteilung des Theaterbaus von W. H. gebracht hatte, zu erzählen wußte: „Tie echt amerikanische Idee der vielköpfigen Leitung des neuen Theaters Unter den Linden, ihre Logenplätze versteigern, d. h. an Israel und Genossen und das sonstige, allem Sensationellen wohl geneigte Mäce- natentum Berlins für ein Höchstangebot verhökern zil lassen, soll kläglich Schiffbruch gelitten haben. Man scheint weder zu der architektonischen Schmurgelei des Herrn Hammer, noch zu der Tüchtigkeit der Geschäftsleitung, noch auch zu dem künstlerischen Empfinden der Doppelfirma Seeben- Giesecke (Giesecke aus Chemnitz) sonderlich viel Vertrauen zu haben. Schließlich hat sich, wie man wissen will, der strebsame und ordensgesegnete Inhaber eines hiesigen großen Speditionsgeschäfts auf die Beine gemacht, um in allen Billen des Tiergartens, in der Bellevue- und Lennö- strahe, kurz im gesamten Ghetto Berlins die Wonnements- anweisungen an den Mann zu briugen. Was ihm auch ge- glücklich ist, gber fragt nicht, für wie viel . , t" (Fortsetzung folgt.) Der BriKantenschatz der Kaiserin. Die Pracht der wundervollen Schätze an Brillanten und Edel- tzestein, welche sich in der reichhaltigen Kollektion der im Kunstgewerbe-Museum zu Berlin gegenwärtig zur Ausstellung gelangten Hochzeitsgeschenke des Kronprinzenpaares befinden, gibt Veranlassung, so schreibt das „Kl. Journal", auch einmal über den Brillantenschatz der Kaiserin zu sprechen. Ter Wert des gesamten Julvejenschatzes der Kaiserin wird von wohlinformiertev Seite auf nahezu 5 Millionen Mark geschätzt. Dabei ist indessen zu berücksichtigen, daß die Kaiserin nicht Eigentümerin aller der Brillanten ist, welche sie besitzt, denn ein sehr großer Teil der Brillanten gehört dem preußischen Krontresor im Königlichen Schlosse zu Berlin an. Bestimmungsgemäß werden sie aber der jeweiligen Königin von Preußen zur Verfügung gestellt. Von einer Königin-Witwe, wie seinerzeit von den Kaiserin-Witwen Augusta und Friedrich, dürfen die Krontresorbrillanten nicht in Gebrauch genommen werden. Die Kaiserin nennt nur die Brillanten ihr Eigentum, welche sie schon als Prinzessin von Schleswig- Holstein besaß, dann jene, die sie vom Kaiser zum Geschenk erhalten hat und die ihr vor 25 Jahren zur Hochzeit oder sonstwie verehrt worden sind. Zu der letzteren Gattung gehöre!« auch mehrere Prachtstücke, die der Kaiserin von der Kaiserin Augusta und der Kaiserin Friedrich vermacht wurden. Insgesamt bewerten! sich die im Privatbesitz der Kaiserin befindlichen Brillanten auf zwei Millionen Mark, und zwar vornehmlich durch den Zufluß aus dem Brillautenschatz der Kaiserin Augusta, welche ihrer Enkel-Schwiegertochter durch testamentarische Bestimmung eine Anzahl Brillantengarnituren und zahlreiche brillantenbesetzte Schmuckgegenstände hinterließ. In dem Tresor der Kaiserin ruhen die verschiedenartigsten Brillantenschmuckgegenstände. Wohl an dreißig Ringe erblickt man dort, vom einfachen Solitärreif bis zu luxuriös ausgestatteten Ringen, die bisweilen mit Brillanten geradezu übersät sind. Herrliche Stücke befinden sich unter den Broschen und Spangen. Auch mit Brillanten besetzte Armbänder nennt die Kaiserin in großer Zahl ihrer Eigen. Bei den großen Hosfestlichkeiten trägt die Kaiserin nicht nur im Haar, in den Ohren, an Händen, Armen, und um beit freien Hals den herrlichsten Brillantenschmuck, auch der Rock und die Schleppe bieten «inen märchenhaften Anblick. Aus allen Falten lugen glitzernd und gleißend die Brillantensternchen hervor und bieten dem Beschauer ein Bild aus Tausend und einer Nacht von berückendem, sinnvertvirrendem Reize dar. Beläuft sich schon der Preis einer solchen Prunkschleppe auf 30 000—40 000 Mark, da sie aus schwersten Silber- .und Goldstoffen mit Stickmustern besteht, , so wäre sie mit dem Juwelenschmuck wenn überhaupt käuflich, nicht unter 120—150 000 Mark zu haben. Die Ballschuhe der Kaiserin sind mit Brillantenschnallen besetzt, die einen Wert von je 5—10 000 Mark besitzen. Das Diadem der Kaiserin zeigt in der Mitte einen Brillanten von der Größe einer Kirsche. Rechts und links davon funkeln 30—40 kleinere Steine, die sich im Glanze des Lichts in vielhundertfachen Strahlen brechen. All diese Brillantenschätze sind in einem besonderen Salon, unter- gebracht und unterstehen einer besonderen Aussicht. Dte Pretiosen sind sämtlich in Etuis eingelegt. Einige Tage vor jeder Hosfestlichkeit, zu der die Kaiserin zu erscheinen beabsichtigt, erhält ein Hosjuwelier den Zutritt zu dem Brillantenschatz, um nach- zuschen, ob die Steine und Perlen auch noch alle in den Fassungen Stzen, resp. der Reinigung bedürfen. Letzteres trifft bcson- bei den Brillanten zu, welche zur Dekoration des Kleides und der Schleppe verwandt worden sind und dabei leicht verstauben. Tie Stücke aus dem Krontresor werden stets vor ihre« Ablieferung gesäubert. IM Alltagsleben ist die Kaiserin den Brillanten abhold. Nur ein einziges Schmuckstück mit Brillanten trägt die hohe Frau fast täglich. Es ist dies ein Geschenk des Kaisers: ein ganz eigenartiges Armband; es besteht aus sieben Gliedern, je von der Größe eines länglichen Markstückes. Die Glieder, in Gold gefaßt, und ringsum mit Brillanten besetzt, zeigen in Emaillebrand die Bildnisse der kaiserlichen Kinder. Am Mittelstück befindet sich ein herzförmiger Anhänger mit dem Porträt des Kaisers. Das Schmuckstück hat einen Wert von annähernd 10 000 Mark. Oftmals vergehen Wochen, ehe die hohe Frau Brillantenschmuck aulegt. Sie liebt die Einfachheit und auch der Kaiser huldigt diesem Grundsatz«. Ein Heirre-Denkural. Alfred Kerr erläßt in der „Neuen Rundschan" (Verlag S. Fischer) folgenden Aufruf: Deutsche Davidsbündler, — „das ist: Männer und Jünglinge, die Ihr totschlagen sollet die Philister" —• sammelt Euch; ein Beispiel ist hinzustellen; eine Schuld ist wettzumachen; eine Tat ist zu tun. Ein toter Weltstadtsänger ist zu grüßen; rin Kämpfer ist zu preisen,; ein Lachender ist zn krönen. An diesem siebzehnten Februar ist er vor einem halben Jahrhundert in Schmerzen gestorben. Tie sranzösiiche Wärterin berichtet: „La nuit derniere ir r6p6tait, et repdtait comme le vendredi: „Je snis perdu“ . . . Pal trois fois il me dit d’dcrire--je lui dis pen apr6s: „Quand vos vomissements cesseront, vous derirez vous-mdme“ ; il repiit: „Je vais mourir.“--In der sechsten Morgenstunde am 17. Februar 1856 starb er. — Er hat ein Grabdenkmal in Paris. Er hat ein_ Denkmal in Newyork. Er hat ein Denkmal in Kerkyra oder Corfu. Er hat keines in Deutschland. Er war ein großer vaterländischer Deutscher: weil er mit ganzer Seele dies Land geliebt hat; dann, weil sein Ruhm den deutschen Ruhin erhöhte. Seine Macht endet nicht hier. Er ist der neue Säuger der großen Städte; ihrer Liebe und ihres Hungers; er gab die neue Lyrik der gepflasterten Straßen. Im Gegensatz zu der früheren, sozusagen mehr agrarischen Poesie. Er schreibt die ersten Lieder des dritten Jahrtausends. Er gibt nicht bloß Gesild und Mond, er geniert sich nicht, in einer großen Stadt zu sitzen und kündet ungezwungen die Gefühle solcher Menschen. Ihn erfüllt das Schicksal der großstädtischen Masse. Es wächst hiniedeu Brot genug für alle Menschenkinder. Er ist ein neuer Lebeusdichter. Er ist ein großer Tragitomikcr des Liedes. Er ist ein erlösender Zyniker. Er ist ein singender Soldat. Tavidsbündler sammelt Euch; wir wollen sein Denkmal errichten. Bor zwölf Jahren hat es der Eingriff namenloser Kässerst zu hindern vermocht. Ziehn wir vom Leder jetzt alle, die entschlossen sind: dies! Denkmal zu setzen, wenn nicht mit dem Willen der heutigen Machthaber, daun gegen ihn. Daß er Fehler gehabt, ist uns' nicht unbekannt. Wir setzest es ihm für seine Vorzüge. Ist keine andere Möglichkeit, dann in der größten deutschen Stadt: nach Ankauf eines Ortes, wo es umfriedet sein könnte, und doch sichtbar; wo es privat erschiene und össentlich wäre; so daß man das Einholen einer Bestätigung lachend umginge. Ich neige zwar in manchem Augenblick zur Ansicht, daß ein Denkmal an der Nordsee, ein Denkmal am Rhein besser wäre; dann itneber scheint es mir, als ob darin bloß die sentimentalische Seite dieses Einzigen Ausdruck fände, und sie ist mir so wertvoll nicht wie seine menschlich-freche, deren Denkmal in eine große Stadt gehört. _ Aber die Frage des Ortes mag offen bletben. Sie darf Teilt Streitpunkt werden. Und das Denkmal soll Nicht gesetzt werden von einer Handvoll reicher Leute: sondern von Künstlern, Arbeitern, kleinen Mädchen und allerhand jungen Menschen, die ihn geliebt. Und eS soll eine tiefere und allgemeinere Proteslsache sein in einer feigen und lauen Zeit. Ein Schibboleth der Kraft, ein Paroli des fvohcn Intellektualismus... in einer feigen und lauen Es soll ein Denkmal des Trotzes werden; das einem Toten fein Schuldiges darbriugt und manchem Lebenden heiteren Mut gibt. Deutsche Davidsbündler, am 17. Februar sollt Ihr tagen'. Eure Beschlüsse schreibt Ihr mir daun. Ich werde vom Stand der Sache in diesen Blättern von Schritt zu Schritt Rechenschaft geben. Und ich will nicht ruhen, bis die Hülle gefallen ist und das Marmorbild in der Sonne steht. h - 132 Vermischtes Rückert. Sei dankbar für das Gluck, Das dir der Herr bestimmt, Und gieb es gern zurück, Wenn er dir's wieder nimmt! O Tod! Du infamer Racker! Du hast gelegt unseren Mitbruder auf den Gottesacker. Jetzt liegt er im hölzernen Schlafrock Wie die vsau im Brühtrog. Auflistung in nächster Nummer. Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Numinerr Heiteres. Die jetzigen hohen Fleisclmreift entlockten einem „Poeten" folgendes „Schmerzensgeivieher", das wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen: F l e i s ch p r e i f e. Immer teurer — welche Pein! Unter andern Dingeii Wird das Fleisch, cZ ist das Schwein Kanin noch zu erschwingen. Dieses ist zwar unerhört, Doch wohl unerbörter Ist: jetzt greift der Mensch zum Pferd Und sein Fleisch verzehrt er. Das ist ivahrlich doch nicht schön, Wenn in ganzen Reihen Heut das Rotz schon fällt in deii Pierdeschlächkereien. Schandervoll, höchst fchaudervolll Ach, ivir armen Rossel Tas wird immer gilt. Wie soll Enden diese Posse ? Wehe 1 Wehe! Gelst's so fort, Wird erleben können Noch die Welt den Schiveinesport Und das Ferkelrennen. Und das Gilbe wird dies sein Aller guten Sille, Für mein Königreich ein Schwein! Ruft Koiirad der Tritte. Und wo Ihr ailch verteilt seid, ob in literarischen Verbänden, ut Arbeitervereinen, in Zeitungen, in Künstlergesellschasten, in studentischen Genossenschaften oder irgendwo in der Freiheit, — Es wird Zeit. Hört Ihr das Rauschen? Es Eures Marsches. . . wider die Philister, ist hinzustellen. Eine Tat ist zu tun. Ein krönen. Redaktion; Ernst Hetz. - Rotationsdruck und Verlaa der Brübl'fcken Unwersttäts-Buch. und Stemdruckeret. R. Lange, Gießen, Schmorfleisch mit Gemüsen. . Hummern-Auflauf. Steierische Kapaunen, Früchte, Salat. Llrtischokenböden mit Mark. Mandarinen bombe. rs- . Nachtisch. 0 fie m.Qfl °llen denjenigen Präsidenten tind | sonstigen Staatsbürgern, die bei ihren Diners und Soupers den | deutschen Gästen mit Menus und französischen Speisekarten auftu- warten pflegem als leuchtendes Beispiel dienen, wie ein deutscher Herrscher als Gastgeber verfährt. Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.) ** ®1 nc mcrrwurdtge Grabrede. In alten Büchern, dre stch mit der Geschichte der Kulturpfalz im 18. Jahrhundert beschäftigen, wird öfters eines Kapuzinerpaters zu Alzey Er- Mahnung, getan, der sich nach Art des Abraham a Santa Clara aurch seine schnurrigen Predigten auszeichnete. So schloß er *Eiue ganze Stad! g'eu'arrt. Tokio, die japanische ! m»JL„e.ttIe ®r£Tbn;be mü bm »icht gerade sehr geschmackvollen iTYlirh? nm fpi?fpn hnS f'lhf pt phtPS irthmfpir l . zieht vom Leder, sind die Klänge Ein Beispiel Gehaßter ist zn Leiterrätfel. Nachdruck verboten. Die Buchstaben AAABCEEE H I I LM N O R RSSTTTT sind in die Felder nebenstehender Letter« figur derart euiziltragen, daß die Sprossen derselben, von oben angefangen, Folgendes ergeben: I. Französischen Maler. 2. Insel im Persischen Meerbusen. 3. Gilt Nagetier, Die beiden Seitenbalken der Leiter sollen, von oben »ach unten gelesen, den Namen eines Bildhauers bezeichnen. Humoristisches. ~ ir acht ung. Dichterling: „Die schönste Zeit fürs siebten ist doch der Sommer, ... da haben sie in den meisten Redaktionen Serien, .. . und lebt man immer wenigstens acht Wochen in der Hoffnung ehe man die Gedichte zurückerhält l" r. . t'i ck. S t r o l ch leinen noch glinnnenden Zigarrenstummel sindend): „Bet die Kalte ooch noch warm! Ich Habs ja immer gesagt: Gluck mutz der Mensch haben!" Ermahnung. Ball mutter zur Tochter: „Und gib nur acht, . . . datz Tu nicht sitzen bleibst, sonst bleibst Du sitzen!" Schlechtes Gewissen. Junge Hausfrau, welche auf Drangen ihres Gallen zum ersten male kochen soll: „Aber nicht wahr Arthur, Tu liebst mich und bleibst mir unter allen Umstanden treu?!" Hauptstadt, wurde am letzten Samsatg das Opfer eines frivolen Scherzes.. Vorauszuschicken ist, daß die ganze Bevölkerung des Landes sich in einer Reihe von Unglücksfällen in einer allgemeinen nervösen Erregung befindet. Schon haben mehrere verheerende Feuersbrünste stattgefunden, und am Freitag und Samstag wurden einige Erdstöße verspürt, wobei bei den letzten sogar mehrere Gebäude einstürzten. Ferner sollen einige Professoren prophezeit haben, daß Tokio ftüher oder später durch ein Erdbeben, oder eine Flutwelle zugrunde gehen würde, und daß die Scitjckt nahe wäre. Diese erregte Stimmung machten sich nun am Samstag einige Leute zu nutze, indem sie nach allen Richtungen telephonierten, daß zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags' oder zur selben Stunde des nächsten Morgens Tokio durch ein furcht- beben zerstört werden würde; sie gaben sich dabei als Beamte der Zentralsternwarte aus, welche die Leute warnen wollten. Die Wirkung war erstaunlich. In wenigen Minuten waren alle Telephonleitungen der Stadt besetzt, die Zeitungsredaktionen wnr- deu von Fragenden belagert, jedermann suchte seine Freunde und Verwandten zu ivarnen, und um die Sternwarte drängte sich eine angsterfüllte Menge, die genauere Auskunft begehrte. Selbst bis zum Mikado drang die Nachricht, der einen Boten aussandte, um Gewißheit zu erhalten. Zur selben Zeit wohnte der Prinz Artur von Connaught, der im Lande weilt, da er dem Mikado den Hosenbandorden des englischen Königs zu überbringen hatte, j mit, seinem Gefolge einem Konzert im Uyenopark bei,' und hier I erhwlt der kaiserliche Zeremonienmeister die verhängnisvolle Bot- I schäft! sofort teilte er sie dem britischen Botschafter mit, der auss Podium stürzte und den Kapellmeister ausforderte, das Programm schnell zu Ende zu bringen, da ein schreckliches Unheil „v’r erste Teil des Programms wurde so schnell wie mögltch beendet, und dann verließ der Prinz, um keine Panik entgehen zu [affen, tuljig bad fenigert, begleitet von feinem I ganzen Gefolge. So wurde in der Tat jede Unruhe vermieden. Im I Parlament teilte der Präsident das drohende Unheil den Abgeordneten nnt; alle Feuer wurden austzelöscht, und die Ab- | geordneten, die in ihrer Bestürzung sogar die Hüte verwechselten, I Eten ms Freie. Die Kaufleute verließen ihre Läden und | gmgen auf ote Straßen, einige Leute packten ihre Wertsachen I ew und wollten fliehen, andere suchten einen sicheren Platz für ! die Nacht, und viele übernachteten im Freien. Die Professoren 1 unterbracyen ihre Vorlesungen, die Arbeiter verließen die Fa- t "wen, im Fmanzmimstermiu wurden alle wertvollen Möbel- I ftutfc ut den Garten getragen, die Teehäuser ließen zum Teil I leine Gaste mehr ent, und die Geishas wollten nicht mehr tanzen, I Obwohl die Zeitungen in Extrablättern mitteilten, daß die Pro- ! phezetiing vom drohenden Untergang der Stadt jeder Wissenschaft- I uchen Begründung entbehre, kamen die Leute erst Sonntag früh j *u der Ueberzengting, daß sie die Opfer eines „Scherzes" ge- | korben imen, wie er seinesgleichen wohl kaum gehabt hat. Na- I lutUch herrschte nun allgemeine Entrüstung. Man nahm auch an, 1 paß Einbrecher, die sich ihre Arbeit erleichtern wollten, die Ur- | Vebci dieses srivolen Scherzes gewesen sind. _ h s an t he in u m s a l a t ist die neueste kulinarische Er- ! rungenschast, die wir dein fernen Japan zu verdanken haben, j , ? ^vlat schmeckt zwar abscheulich, aber in Japan ist er hoch- ! der. . . Galanterie gegen das I schwächere Geschlecht zusammenhängt. Nach dem Braten bringen | bte zur Mahlzeit geladenen Gäste der Herrin des Hauses die 1 k?-E-?^'"lchen Blumen; sie zerpflückt sie sorgsam, legt tn ai'v und würzt sie eigenhändig mit I 1 ~^“rauf gießt sie über das Ganze I ein große» Glas Wem (am besten ist alter Madeira). Die I muffen dann noch gut durchgerührt werden — und der I nn de siScle-Salat ist fertig. * Die Tischkarte z u m Festmahle beim letzten I } m" 11 V P " 11 d O r d e u s f e st im K aiserl i ch e It Schlos! e I 8 u Berlin a m 21. Januar d. I s. lautete folgendermaßen : I Königliche A! i 11 a g s t a f e l. Kraftbrühe. Steinbutten.