1506 w MWWlM NM WiiUWW ÄkG'DW N^W Rgg ^MRSKS^LLLs Ä mMZUnirmiI Wiktelkose Mädchen. Roman von H, E h r h a r d t. ''Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) . „Papa, wir sind am Ziel!" sagte fte laut, ihrer Stimme gewaltsam Frische und Unbefangenheit gebend, und da er noch immer nicht zu hören schien, griff sie nach seiner mageren, schlaff herabhängenden Hand. Mit einem Aufschrei prallte sie zurück. Tie Hand war eiskalt und siel schwer und tvillenlos aus der ihren. In der sich öffnenden CouMür erschien Suses blühendes, fchleierumwalltcs Gesicht, das in Schreck versteinerte, als die sonst so gelassene Schwester ihr wild mit schriller Stimme entgegenrief: „Hilfe! Einen Arzt! Um Gottes willen! Ich glaube, Papa ist schwerkrank." Während Suse halb besinnungslos davonstürzte, drängten schon Neugierige hinzu, Eisenbahnbeamte erschienen, hoben den leblosen Körper des alten Mannes aus dem Coupe, betteten ihn im Warteraunr erster Klaffe arif ein Sopha, die mitleidige Bahnhosswirtin brachte Mein und belebende Essenzen, mit denen Ruth, selbst blaß wie eine Leiche,. Stirn und Schläfen des Vaters rieb, von Zeit zrr Zeit in Tönen herzzerreißender Arrgst seinen Namen rufend. Als endlich Suse atemlos, keuchend, larit weinend mit dem Arzt erschien, stürzte sie ihnen entgegen rvic eine Irrsinnige: „Helfen Sie, Herr Sanitätsrat, Papa hat einen Ohn- machtSanfall wie schon einmal in K." „Nur Ruhe und Mut, liebes Fräulein Mcridies, wir wollen das Beste hoffen." Aber ein einziger Blick in das fahle, bläuliche Antlitz mit den halbgeschlosienen Angenlicdcrn sagte ihr«, daß hier jede Rettung ausgeschlossen wat. Eine halbe Stunde später brachten sie einen stillen Schläfer in das Haus, in dem die Tränen um einen anderen Toten noch nicht getrocknet waren. Für Ruth und die Ihren wiederholten sich die kaum überwundenen Schmerzenstage tausendfach verstärkt durch das Bewußtsein, daß der Tod ihres Ernährers ihre ganze Existenz in Frage stellte. Der Amtsgerichtsrat war bei seiner großen Familie nicht imstande gewesen, von seinem Gehalt auch nur das geringste zurückzulegen, so blieben der Witwe nur die Pension und die Erziehungsgelder für die beiden jüngsten Kinder. Es fand sich nicht einmal so viel Bargeld im Hause, um die ai!genblicklichen Begräbniskosten bestreiten zu können und Ruth sah sich blutenden Herzens genötigt, die zartfühlend gebotene Hilfe Justizrat Gleitenbergs anzunehmen, der einzige Mensch nebenbei, zu dein der Verstorbene in einem gew'issen Freundschaftsverhältnis gestanden hatte. Sie überließ ihm schließlich berciiwillig alles. Die ganze huflose Schwäche des Weibes, das dem Lebenskampf tn den seltensten Fallen ohne die stützende männliche Hand gewachsen ist, wurde ihr in dieser Zeit fühlar. Sie hatte eine rasende Sehnsucht ost nach Haus Klausen, nach all dem Lichten, was das Leben an seiner Seite ihr geboten hätte, eine gräßliche Feigheit vor der drohenden Zukunftsnot, ein vermessenes Hoffen, er würde zurücklehren. Ihre Knie wankten, als sie unter den Kondolenzschreiben, die zahlreicher, als bei dem zurückgezogenen Leben der Eltern zu erwarten gewesen, einliefen, die wohlbekannte Handschrift des geliebten Mannes erkannte. Der Brief trug den Post- stempel London. Es war ein lieber, herzlicher Brief, der nicht nur die üblichen konventionellen Beileidsworte enthielt. Aber gerade in dem völlig unbefangenen warmen Freundschaftston, den der Schreiber gefunden, lag etwas, das Ruths wundes Herz qualvoll zucken ließ. Es war die Gewißheitz daß er sie zu verschmerzen begann, die bestätigt wurde durch die Bemerkung am Schluß des Briefes: „Sie haben mir sehr wehe getan, Ruth, aber ich glaube nun auch, wir hätten nicht zu einander gepaßt, ich bin ^hrer ja gar nicht wert." t Still faltete sie das Briefblatt zusammen und piichtete mit ihrem wehen Herzen in den Salon, wo man unter Orangenbäumen und grünen Blattpflanzen die Leiche des Vaters aufgebahrt hatte. Ohne Scheu nahm sie das sprritus- getränkte Läppchen von dem starren Totengestcht. Em großer Frieden hatte dessen Züge geglättet und geadelt, alle Spuren von Gram und Verbitterung daraus gelöscht. Im Anblick dieser abgeklärten, friedlichen Ruhe vermochte Ruths Trauer sich nicht zu regen. Wenn sie's gekonnt, sie hätte nicht den Mut und die Grausaiukcit besessen, dieses Schläfers Ruhe zu stören, indem sie ihn noch einmal zmn Kampfe des Lebens weckte. Sie verharrte lauge regungslos, im.Anschauen versunken. Dann, einer eigentümlichen Eingebung folgend, nahm sie den Brief Hans Kläuscns und schob ihn unter das weiße Sarg* kiffen. Ein tieferer Sinn barg sich hinter ihrem Tun: auch ihre Liebe sollte, wenn man diesen Brief morgen mit dem , Toten zugleich in die Erde senken würde, — tot sein, tot und f begraben. Im Entree draußen stieß sie aus Suse, deren Lebensmut dieser neue Schicksalsschlag doch geknickt hatte. Sie wat noch immer völlig verstört und weinte viel. Und jedesmal, wenn sie die eingegangenen Briefe durchsah, zitterten ihre Finger und sie war blaß bis in die Lippen, Jetzt schrie s'ck 250 nervös auf, als die Schwester so unerwartet aus dein Toten- ziininer trat. Ruth zog die junge, zitternde Gestalt einen Moment an sich und strich beruhigend über ihre weiche, tränenüberströinte Wange. Zusammen gingen sie durch das düstere Berliner Zimmer, in dein die beiden Jüngsten scheu und gedrückt über ihren Schularbeiten saßen. Als sie auf den schmalen Gang zur Küche hinaustraten, bemerkte Ruth, sich wie fragend an die Schwester wendend: „Ich weiß gar nicht, warum von Tante Hertzberg aus Berlin keine Nachricht kommt? Auch Brockhaus' haben noch keine Zeile geschrieben. Mama betrübt sich so über ihre Teilnahmlosigkeit und wundert sich auch, da sie Dich doch so nett ausgenommen haben." „Sie kommen vielleicht — zur Beerdigung!" stotterte Snse hilflos, über und über erglühend. Sie war froh, daß sie an der Tür ihres kleinen Stübchens angelangt war. Während Ruth nach der Küche ging, flüchtete sie sich dorthin, verriegelte die Türe hinter sich und warf sich aufschluchzend auf das harte, schmale Sofa. Dieses völlige Schweigen all der N.er Bekannten sagte ihr genug. ' Ihr glänzender Traum vorn Glück war aus- geträmnt. Wie eine Fata Morgana lag schon jetzt diese ganze selige Zeit in N. hinter ihr, so völlig fern und unerreichbar ans der Misöre ihres Lebens heraus, da sie die Brücke, welche das Schicksal ihr in einer königlichen Laune herübcrgespannt, mit eigener unvorsichtiger Hand zerstört hatte. Und in ihrem Schuldbewusstsein wagte sie keinen Versuch, sich an der Hand des Mannes, der ihr von Liebe gesprochen und an dem sie mit zärtlichster Glut hing, in das verlorene Paradies hinüber zu retten. Etwas von dem stolzen Blute der älteren Schwester floß wohl auch durch ihre leichtsinnigen Adern. Wenn er sie wirklich liebte, iveiiii er sie als seine Braut betrachtete, dann war es an ihm, der durch die Verwandten und durch Leutnant Bittner alles Nötige über ihre plötzliche Abreise erfahren haben mußte, ihr ein paar tröstende Worte zu schreiben oder persönlich an ihre Seite zu eilen. Er hatte keines von beiden getan, er gab sie leichten Herzens auf. Sie war ihm wohl auch nur eine flüchtige Spielerei gewesen. Ganz dunkel regte sich in ihrer bangen Seele ein instinktives Ahnen von den; wahren- Zusammenhang der Dinge, die Fritz Trantendorfs Schweigen begreiflich machten. Und doch hoffte sie noch iuuner. Sie konnte es nicht glauben, daß er gerichtet haben sollte, ohne sie zu hören, so hart gestraft, ohne zu entschuldigen. Aber die Tage verstrichen, reihten sich zu Wochen, auf dem Grabe des Amtsgerichtsrats blühten vielfarbige Frühlingsblumen und die Familie richtete sich zu der Ueber- siedclung nach Berlin, auf der Iran Berta in krankhaftem Eigensinn bestanden hatte — Fritz Trautendorf ließ nichts von sich hören. Es war der letzte Tag in der alten Heimat. Die «Schwestern standen am Fenster des Berliner Zimmers, von den: aus inan den Blick auf das kleine Gärtchen unten hatte, in dem sie als Kinder gespielt. Der qfoße Kirschbamn zeigte schon die ersten weißen Blütenknospen und in seinen Zweigen lärmte eine Schar frühlingsausgelassener Spatzen, deren struppiges, schmutziges Gefieder noch die Art des Winterquartiers in Manerlöchern und Schornsteinen verriet. Freundlich grüßte die Abendsonne das kleine Gartcn- sleckchen, auf das die beiden Mädchen feuchten Auges herabstarrten. Es war kein Glück, das sie aufgaben, aber es ivar doch dre Heimat, die sie mit starken Armen hielt. Suse begann laut und fassungslos zu weinen. Ihr war es auf einmal, riffe jetzt erst das letzte Band zwischen ihr und dem Geliebten, nun er nicht einmal mehr ivissen würde, ivo er sie finden konnte. Hauptmann von Brockhaus kehrte voraussichtlich nicht mehr nach N. zurück, wie den flüchtigen Andeutungen in einem Briefe der Geheimrätin zu eiitnehmen ivar. Und von wem hätte er sonst noch jeinals etwas über sie erfahren sollen? Und in ihrem jammervollen Schluchzen Beweinte sie die Gewißheit, daß sie ihn nie mehr iviederschen würde. Ruth zog die Fassungslose liebevoll an ihre Brust. Seit langem hatte sie im stillen ihre Beobachtungen gemacht, befremdet von der seltsamen Verschlossenheit, ivelche die sonst so initteilsame Suse über die Zeit in N. bewahrt hatte, beunruhigt durch die fast beleidigende Kühle der erst so liebenswürdigen Verwandten, peinlich berührt durch die Tatsache, daß diese ernstliche Trübung der Brockhansschen Ehe, von der die alte Tante tiefschmerzlich getroffen war, gerade mit Siises Abreise von N. zusammenfiel. Sie hatte dieses Thema vor der jungen Schwester nie berührt, aber ihr tröstender Zuspruch nun öffnete ihr ungewollt die Pforten dieser kämpfenden Mädchenseele. Suse gestand ihr alles, verhehlte ihr nichts aus dieser unselig- seligen Zeit im Hause der Verwandten. Tief erschrocken, bis ins Innerste erschüttert, hörte Ruth ihr zu. Die Worte des toten Vaters gingen angstvoll durch ihren Sinn: „Suse wird am schwersten zu hüten sein." Wenn sie in geordneten, wohlbehütctcn Verhältnissen, gestützt von der Liebe eines geliebten Mannes, sich in eine solche Gefahr verstrickt hatte, wie würde es dann erst werden, wenn sie in Berlin den bitteren-Kampf. ums Dasein führen mußte, allen Versuchungen der Großstadt ausgesetzt? Wie wenig gestählt und gefestigt war ihr Charakter doch für das Leben, das ihr bcvorstand! Im stillen segnete Ruth fast die Enttäuschung, die Snse gleich bei diesem ersten Fluge in die Welt erfahren hatte. Weil sie, ehrlich genug, ihr eigenes Verschulden daran eingestand, mochte die harte Strafe vielleicht läuternd und vertiefend auf ihr leichtsinniges, genußsüchtiges Herz ein» wirken. ’ Ruth empfand feinfühlend, daß der Schwester Gemüt trotzig verbittern würde, wenn sie ihr Vertrauen mit strengem Tadel belohnen würde, und so suchte sie nur nach Trostworten, die beweisen sollten, wie aufrichtig sie mit litt und daß sie verzeihend Vieles entschuldigte. Aber das Bekenntnis ihres eigenen Liebesleids kam nicht über ihre Lippen, das zuckte nur noch wie eine wehe Mahnung manchmal durch ihr müdes Herz. Auch zum tiefen Schmerz- empfindcn gehört eine gewisse Kraft und die besaß sie momentan nicht. Eng umschlungen standen die Schwestern noch lange schweigend, nachdem ihre Aussprache beendet war, am offenen Fenster. Der aufrührerische Geruch der frühlingskeimenden, feuchten Erde stieg zu ihnen empor, vermischt mit einem süßen, schmeichelnden Dust — die Veilchen blühten. Das zwitschernde Spatzenvolk war zur Ruhe gegangen. Ueber den kleinen Garten mit all den lieben Kindheitserinnerungen senkten sich die Schatten der Nacht, lind in ihrem verhüllenden Schleier sargte auch Suse Meridies ihre erste Liebe ein. (Fortsetzung folgt.) Der Gießener Artsfchusz für Bottsvorlefmtgen und verwandte BcstreSnttgen im Winter 1906. (Gesamtbericht.) Schon seit längerer Zeit war von Mannern, die den »eueren Bildnngsstrebimgen ein lebhaftes Interesse entgegenbrachten, der Gedanke erwogen worden, auch in Gießen eine Einrichtung ins Leben zu rufen, die diesen Zwecken dienen sollte. Aus wiederholten Besprechungen der Frage ging ein provisorischer Ausschuß hervor, der sich im Dezember 1905 an Oberbürgermeister und Stadtver- verordnete wandte mit der Bitte, die Stadt möge ans ihre Kosten die Turnhalle des Realgi)mnasiums und der Oberrealschule — die von der Direktion dieser Anstalten bereitivillig zur Verfügung gestellt worden war — Heizen, beleuchten und für VorlesuügSzivecke herrschten lassen. Da diese Bitte sofort gewährt wurde, so konnte mit den Vorlesungen begonnen werden. Der Ausschuß, bestehend aus den Herren Oberlehrer Dr. Klein, Antiguariatsbuchhändler Alex. Kahr, Lehrer Val. Müller, Redakteur Vetters, Oberlehrer Otto Urstadt, sind, theol. H. Hechler als Vertreter der akademischen Ortsgruppe des Dürerbundes trat dem Rhein«Mainischen Verbände bei und eröffnete die Vorlesungen am 17, Januar 1906, Sie fanden 251 — an jedem Mittwoch statt (mit Ausnahme der beiden letzten Wochen des März) und dauerten bis zum 5, April. Eintrittsgeld wurde war dabei die Absicht des Ausschusses, die Grundsätze deZ Verbandes in größerem Nahmen zu erproben, in deneii dieser über die bw- beriaeArt des össentlichenVorlesimgSwejens hmauSgeht. AnStelle der zersplitternden Einzclvorträge, die in dieser Woche dieses, in der nächsten jenes bieten und eine systematische, d. h. a so wirklich bildende Führung der Hörer säst unmöglich machen, sollten Zyklen von mehreren innerlich zusammenhängenden Volksvorlesungen treten, die sich auch ihrerseits ergänzten und aigemander beziehen ließen. Demgemäß wurde in diesem ersten Winter der lentsche Idealismus, 'feine Geschichte und Gegenwart behandelt, , und^es svrachen vom 15. Januar bis <. ^ebruoi' 1906 ^berlehier D r. A. Klein über „D i e E n tst e h u n a des m o d ern e n Deutschland" (1740-1812) an vier Abenden; vom 14. bis 28. Februar Pfarrer Lie. E. Fuchs, Rüsselsheim a. Jt., über „Grundfragen der Sittlichkeit" an drei Abenden; am 5 April Oberlehrer Dr. R. Strecker, Bad-Nauheim, über , Goethes Lebens- u>ld Weltanschauung". Zwischen die Norlesimgen von Herrn Lie. Fuchs und Herrn Dr. Strecker schob sich eine geographische Schilderung von Herrn Oberlehrer H. K r a s t aus Büdingeii, der an zwe; Abenden (am 7. und am 14. Aiärz) in höchst anschaulicher und segelnder Weise von seinen Reisen in Südamerika erzählte. Wenn schon die Durchführung dieses Programms hohe Anforderungen au die Geduld lind Willigkeit der Hörer stellte, so noch mehr die D i s k u s s i o n, die an jede Vorlesung des ersten (ge- schichtlicheil) und des ziveiten (ethischen) Zyklus sich anschloß. ES war doch ein Wagnis, einer Zuhörerschaft, die sich zum großen Teile nicht kannte'und von des Tages Last und Muhe herkam, zu- -iiMiutei,, daß sie aus dem Stegreif sozusagen über die schwierigen Fragen, die behandelt wurden, urteilen und ihr Urteil aussprechen sollte. Wir sagte» uns aber, daß die freie Disüsiswn die einzige fest ailsgebildete, moderne Methode ist, um die Selbsttatigkeit und lebendige Teilnahme der Zuhörer zu wecken und wachzuhalten, uno der Erfolg hat uns Recht gegebeii. Sie war besonders der den beiden letzten Vorlesungen des geschichtlicheii und bei denen des eihischeii Zyklus sehr rege und zeugte von dem erfreulichen Verständnis aller derer, die sich an ihr beteiligten. Auch der Besuch hielt sich auf der durchschmttlichen Hohe von 150 Personen, Angehörige aller Schichten der Bevölkerung, unter denen nur die Arbeiterschaft allzu schwach vertreten war. Neben den Vorlesimgen bot der Ausschuß feinen freunden auch edle Unterhaltung au zwei V o l k s u n t e r h a l t u n a s a b e n d e n. Am 11. Februar veranstaltete einen solchen der akademische Ourer- bund, der seine int ganzen Rhein-Maingebiet bekannten Lichtbilder aus Wilh. Buschs „Plisch und Plum" und zwei Fastnachtsspiele von Hans Sachs (Der fahrende Schüler; Der Roßdieb von Fmising) vorführte (mit einleitenden Vorträgen von Herrn Dr. Jt. & i v e er e r) und am 11. März sand ein inusika,sicher Vo ksimterhaltungsabend statt, an welchem mitwirkten: Fränlein Paula Bug a»^. Wetzlar, die Herren Musiklehrer Franz Baue r, Großh. Mus kdliek or Krauße, Einj.-Freiw. E. Krauße, Pianist I. Hahn, Lehrer I. M arx und der G i etz en er L ehr er- S a n g erch o r. Hier ivechselteu miteinander ab: Beethovens Elnartet Es-dur, Lieder für Sopran und Alt, Solostücke für Violine und Klavier und Volks- liederchöre des Lehrer-Sängerchors. Beide Abende waren sehr gut besucht und boten asien Zuhörern reichen Genuß und Anregung. Wir sagen allen Mitwirkenden nochmals unseren aufrichtigen Der Ausschuß aber entnimmt dein Erfolg, den seine Veranstaltungen gefunden haben, das Recht und die Pflicht, seinen Grund- sätzen auch im Winter 1906,07 treu zu bleiben und sie nach Möglichkeit iveitcr ausziigestalten. Volksunterhaltungc-abende und VorlesimgSzyklen werden nebeneinander hergehen,. uiw zwar Mrd in diesen' letzteren die Naturwissenschaft und die Kunst starker berücksichtigt werdeii. fSmieben hoffen ivir besondere Fortbildungsund Lehrkurse in Sprachen, Geschichte, Literatur für eine kleme Anzahl besonders interessierter und strebsamer Personen durch- sühren zu können (nach dem Vorbild non Offenbach a. M.)> /öolten aber die e und andere Erweiterungen des Programms, die un Interesse der Teilnehmer noch geplant sind, sich verwirklichen, so braucheii wie vor allem größere Geldmittel, die wir durch frei- ivilltge Beiträge uisierer Mitbürger anfzubrmgen hoffen. Wir bitten darum herzlich, daß sich zu ben bisherigen Gebern, bene» hiermit unser aufrichtiger Daiik ausgesprocheii fei, eine große Zahl opferivilliger Nachfolger gesellen möge. Danken werden wir nut erhöhten Leistungen, die in unser aller Interesse, zu unser aller Ehre und Nutzen geschehen. Aas „Monument der Aröeii" und sein Schöpfer. Bon E r » st S ch u r. Wenn man in Constantin Meuniers Gesicht blickt, fo fällt in den Zügen die Mischung tiefen «mneA, leidbollen Betrachtens auf und zugleich die Andeutung verhaltener Kraft. Eine machtvolle Ruhe. Tiefe Furchen. Ein warmblickendes Ange. Jin ganzen ein Kopf wie von der Natur gemeißelt. Nichts Falsches, nichts Berechnendes in den Zügen. Wahrheit spricht aus ein düsteres Bild, in dem die bem Blick. Der Mund scheint herb und pessimistisch, zugleich ist er trotzig gebildet. Eine freie und offene Stirn gleicht momi-. mental ben Zwiespalt im Ausdruck aus. Die großen Bildhauer, die wir aus der Vergangenheit kennen, itellen wi'' deshalb so hoch', iveil in ihrem Werk die Kültnridee ihrer Zeit Form gewann. Nicht das bloß technische Können imponiert uns. Dies' ist Voraussetzung. Erst wenn sich zu der Gestaltung die Durchdringung mit der treibenden. K-raft der Zeit gesellt, erkennen ivir in dem Schöpfer den Typus semer Zeit an. Sein Werk legt ein Bekenntnis ab von der ubee der Zeit, ihrem innersten Gehalt. So sehen ivir in ben Werken der griechischen Plastik den reinen Geist des antiken Griechentums in edlen Formen aufbewahrt und wir genießen und verstehen ut den untueit Statuen und Friesen das Wollen uno dce Kraft diefes Volkes. Ebenso ist es daml mit der Renaissance. Donatello und Michelangelo repräsentieren in ihren Werken den Geist der Renaisiance, ben ivir unmittelbarer hieraus ableseu, als wenn wir i niletbige Kültiirbeschreibungen einsehen. _ So ist es auch 'mit Meumer. Er sagt uns uilimttelbar, ohne Umschweife in seinem Werk, was unsere Zeit sucht, was sie will. Es liegt ein Bekenntnis darin. . Damit gewinnt sein Schaffen typischen Mert. .In ihm erhält die tresste, eigenartigste Idee der Gegciiwart, die fchopferifche ^dec unserer, Zeit, turz, die Idee unserer Zeit Formkraft. Er macht sich und sein .tviiuen dieser Kraft dienstbar. Es ist die soziale.Idee. Am 12. April 1831 ist Mcumer ui Etterbeck gehören Ettcrbeck gehört jetzt zu Brüssel, galt damals redoch nur als kiemsindti- sOcher Vorort. Meunier hatte fünf Geschwister Der Vater starb früh. Die Schwestern verdienten , als ModlstlNnen. Lle. Not wich nicht von der Familie, die sich ohne em mannluhiS — bei» Haupt im Kampf des Lebens durchriugen mußte. , Meunier war schwach und kränklich. So machte auf ihn die Trübseligkeit feiner Fugend, die selten Freudigkeit und Zuversicht sah, besonders quäleudeii, tiefen , Linbtuct. Meunier hatte einen Bruder, der viel alter war a s er, Fean Baptiste. Der hatte einen Ruf als tüchtiger Kupserstecher. Er übersetzte die Gemälde der belgischen Maler, bte damals berühmt waren, in den Kupferstich. Dtefer.nahm Eoustantm mit auf die Akademie. Dann trat er in das'. Atelier des Makers und Bildhauers Fraikin, dessen Werke uns fetzt raten s«Atch«n und akademischen Eindruck machen. Meunter wurde zu allerlei .uiter geordneten Arbeiten verwandt. Zuerst tat er alles willig.. ^ami aber machte sich der Uebelstaud bemerkbar, daß irraum, der Vielbeschäftigte, keine rechte Zeit zu einer energischen Lehrlatig-i feit hatte. Um zu sparen, tat Meumer sich mit mehreren an- bn-eit jungen Künstlern zusammen und mietete eme Scheune, um dort zu arbeiten. Bald darauf, als er emsah, daß die ut der Nachahmung der Antike und der Franzofen befangene Plastik ihm nicht genügte — entsagte er der Bildhauerkunst und wandt« sich der Malerei zu. Namentlich die Niederländer zogen ihn an, deren Landschaften ihm eine lebendige Sprache regten. Unter dem Einfluß des begabten de Group, der zuerst die Welt ixe Arbeit Und des Elends im Bside zeigte, kam Meunier m dw soziale Gedankenwelt hinein. Daun malte er eme Neck)^ Gemälde aus dem Leben der Trappisten einer Klostersekte, v er eit Leben ihn interessierte. Schon langfam tastete fub Meunter Hut zu dem Stoff, der die Aufgabe seines Lebens war. Er malt eine „Episode aus dem Bauernkrieg', em dusteres Bild, in dem die Farben unheimlich aus dein dunklen Grund leuchten. 1880 sah Meunier zum erstenmal m der Nahe von Lüttich eine Glasfabrik. Von da ab beginnt die entfchetdende Wandlung in ihm. 1882 stellt er die Studien mach.diesen Motiven, di« der Arbeit des Glasbläsers entnommen find, ans. VetflarN wurde der Eindruck, den Meunier dort .empfangen, dmch emen Besuch der Hüttenwerke des Borinage.ber Mons. Der Betrachter hat hier einen Anblick ähnlich dem rni Ruhrkohlenbezrrk. Alles ist schwarz. Das bunte Leben scheint erstorben: Fabriken, Berg- iverk 'Kohlen. Dieser Eindruck >vird noch starker, wenn man bedenkt, daß nur wenige Stunden Eisenbahnfahrt an „den Rhem führen, dessen lachende Schönheit alles Leid vergeßen mache» will Tief in die Erde hinein führen die Gauge. Fortwährend qualmt der Rauch geu Himmel und eine Holle scheint hier br- reitet. Cauiille Lemonmer, der- Freund Meuniers, beschreibt m seinem Buche, das Meuniers Schaffen behandelt, diefes Land mit folgenden Worten und gibt damit — er besuchtedie Gegend gemeinsam mit Meunier — den ersten Eindruck wieder. 0 Eines Tages war ich 'mit Meumer dorthin gekommen . . . Der 'Mami der eines Tages in nachdenklichen und .tiefempfun- beneit Werken die niederen Bolksmasstn in die Kunst emfuhre» inttt!- kannte selbst dieses schwarze Land noch kaum, das für ih!! der Aststoß für eine reine Ausdrucksart der M« werden ioltte. Wir stiegen auf den klcmeu Turm des «wlone» von Mons Unter einer langsamen, unaufhörlichen Uebersch-wemm- ung mit Kvlsteustaub zeichnete fick., die Luft in rußigeit Tonen die" beit warmen Nachmittag, entfärbten. Der aus ben hohen Essen unaufhörlich emporgefchleuberte Ruß bedeckte die Land- strecken, die in der wirbelnden Lttömrmg des unablasfigcn Rauches blutlos und verlvüstet erschienen. Der Eindruck, "ns Plötzlich vor diesen aus'gedörrten Horizonten zu sehen, unter denen sich I ans allen Seiten dnnkle Hügel aufbauten, !var so stark, daß I wir lauge schweigend verharrten . . . " — 252 — Diese Welt nahm Meunier also gefangen. Es entstanden die Bilder, die das ganze Leben der Bergleute enthalte», jeder Tag, jede Stunde, jede Jahreszeit zeigt die charakteristische Sräaiiug. Die Strenge uitb Herbheit der Gesamterscheinung des anocd ist in der Kunst enthalten. Mer er appelliert nicht an das Mitleid. Dies ist eine Welt für sich, die aus sich selbst die Kraft zur Erhöhung auslöst. Darum das Verhaltene, Selbst-- ständige, Trotzige darin. Meunier hat aus dem Leben der Gegenwart die Linie herausgelesen, die aufwärts führt. Dieser Anblick tveckte in Meunier eine Welt, in der er zum erstenmal die Erfüllung dessen sah, was in ihm nach Gestaltung rang. Man must Meunier als Künstler in die Reihe der Schaffenden einreihen, die durchtränkt von tiefer, mitfühlender sozialer Anschauung freiheitliche Ideen fortführen. Man must an Zola denken, an dessen Pathos, an dessen inbrünstige Meusacheits- schöpsmigen, die so durchtränkt sind von dem Glauben an die Kämst. „ .. i Diese Linie lässt sich noch weiter zuruckverwlgm. Es ist die Revolution, die hier noch wirksam ist. Das Pathos der Erhebung, der Aufklärung, der Neuschöpfung. Diese Stimmung durchzieht das Schaffen der jüngeren srauzösischen Künstlergeneration bedeutend. Man braucht nur die alten Bilder uitb Karikaturen der Revolutionszeit anznsehen, welch uugebäudigte Leidenschaft liegt darin! (Schluß folgt.) Ver'mSschteS. * Das größte Naturwunder der Welt, die Viktor i a f ü l l e des I guazst in der Republik Ar g enp ti nie», schildert unter Beigabe einer rneisterhasten Gesamtansicht die illustrierte Zeitschrift „lieber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) in ihrem 13. Heft. In einem Halbkreis von etwa 400 Metern stürzt sich der Jguazü aus einer Höhe von mehr als 60 Metern kaskadeuartig in die Tiefe. Seine Breite übertrifft also die der Niagarafälle nm mehr als das Vierfache, und er ist 10 bis 15 Meter höher als diese. Es sind vielleicht hundert riesige Wasserfälle neben- und übereinander, die aber zusammen ein kolossales Ganzes und mit der sie unterbrechenden Vegetation ein einziges überwältigendes Bild unübertrefflicher Naturschönheit bieten. Die Wasser stürzen sich mit so großer Gewalt auf den felsigen Grund herab, daß sich aus dem dichten Wasserstaub eine gewaltige, undurchdringliche Säule bildet, die bis. zu einer Höhe von 100 Metern zum Himmel empor- Sleigt. Die ganze Luft ist wie ein feiner, weicher Schleier, durch ien in der Sonne die oberen Teile des Falles wie flüssiges Gold leuchten und in denen sich beständig neue Regenbogen von intensiver Farbenpracht bilden. Und die Vegetation! Dort ist nicht ein Stein, der nicht mit den seltensten Moosen und Flechten bewachsen und von den zierlichsten und schönsten Farnkräutern beschattet wäre. Nachlässig zertritt man bei jedem Schritt Pflanzen, die nordarnerikanische Milliardäre mit Gold aufroiegen würden, wenn sie ihre Tafel und ihre Salons schmücken könnten. Man braucht nur die Hand auszustrecken, und ohne lange Wahl pflückt man Begonien, Orchideen und hundert der seltensten Pflanzen. Mehr als 400 Holzarten zählte man auf einem Flächenraum von einer -Quadratmeile, und unter diesen sind die kostbarsten und schönsten; einige von ihnen gleichen nach deut Polieren farbigem Marmor, lieber die Fälle teilte Horazio Anasagasti, Kommissar der Regierung Argentiniens, dem Geographischen Kongreß in St. Louis folgendes mit: „Ich habe die Jgnazüfällc gemessen. Ich habe auch die Niagara- und Sambesisälle gemessen und studiert und kann daher behaupten, daß die Jguazstfälle die größten in der Welt sind. Ich bin auch sicher, daß die Fälle iit einem Jahre als das größte Naturwunder der Welt gelten werben. Der Abgrund, über den der Fluß stürzt, ist 210 Fuß hoch, während der des Niagara nur 167 Fuß mißt. Mau schätzt, daß stündlich 100 Millionen Tonnen Wasser über die Niagarafälle brausen und schäumen; für die Jgnazufälle beträgt übet die Wassermenge in derselben Zeit 140 Millionen Tonnen." * Im deutschen Hause vor 150 Jahren. Der gesellige Verkehr in den ersten zwei Dritteln des 18. Jahrhunderts war einer ^sehr strengen Regelung unterworfen und die Scheidung der Stände noch geradezu kastenartig. Selbst nach der sLturm- und Drangzeit noch und sogar in Weimar galt ein i. I. 1800 von Adeligen und Bürgerlisteu gemeinsam veranstalteter Ball Jur, ein beispielloses Ereignis. In der eigentlichen Puder- Ulid Zopfzeit war namentlich im höheren Bürgerstande die Lebensführung sehr streng geregelt. Mädchen und Frauen standen unter dem Zwange, einer steifen Konvenienz. Der Hausherr führte ein unumschränktes Regiment, welches irgcnbivic anzu- zweiseln niemand anch nur entfernt ein fiel. Nickt allein die Kinder, fonbertt auch die Hausfrau zollten ihm unbediitgteu Gehorsam. Die Jraueubildnng stand durchschnittlich niedrig. Der Katechismus herrschte in katholischen nnd lutherischen Häusern unbedtugt. Romane zu lesen galt manchem geradezu für sündhaft. Die „höhere weibliche Kultur gelangte bei adeligen nnd bürgerlichen Damen bis zum Französischplappern, Spiitettschlageu und Arientrillern. Das Erscheinen Von Frauen ohne ntättulicke Begleitung auf Spaziergängen, int Theater, im Konzert galt für unpassend. Es würde schon sehr ausgefallen sein, wenn ein Mädchen ober eine Frau auS gutem Hause über die Straße, in die Kirche ober in einen Kauflaben gegangen wäre, ohne von ihrem „Kammermensch" begleitet zu fein. ItebrigenS wurde allen französischen Kleider-, Spracht- und Tanzmoden zum Trotz nicht allein in beit bürgerlichen, sondern auch in den adeligen Kreisen der gute alte deutsche Grundsatz festgehalten, das häusliche Walten der Frauen und Töchter sei ihre schönste Bestimmung. Da war z. B. die Freifrau Anna Dorothea von Hardenberg, deren Sohn Friedrich August später (um die Mitte des 18. Jahrhunderts) württembergischer Minister gewesen ist. Sie hat ein Notizbuch hinterlassen, welches uns einen Einblick in die Lebensweise einer niederdeutschen Adelssamilie der Zopfzeit gewährt. Die Freifrau führte eine scharfe Aussicht über die Back- und Spinnstnbe, über die Butter- und Käsebereitung, über die Knechtc- unb Mägdekammern. Auch ihren Töchtern ließ sie es, gerade wie den Mägden, nicht hingeheu, wenn sie das ihnen täglich aufgegebene Ellenmaß nicht richtig abgesponnen hatten. Nach einem ihrer „Küchenzettel" bestand der werktägliche Mittagstisch aus „Brühsuppe, Rindsflecken in saurer Brühe und jungen Rüben". Die Einrichtung des Edelhofes war einfach: die Zimmer hatten keine Dielnng, sondern waren nur mit Estrich gepflastert, die Wände nicht tapeziert, sondern nur gemeint. Dagegen war das Mobiliar solid gearbeitet und Silber- und Weißzeug in Fülle vorhanden. Das Leben spann sich eintönig hin. Gastereien kamen nur bei festlichen Anlässen nnd Jagden vor; doch pflegten dann die geladenen Nachbarn immer gleich mehrere Tage zu verweilen, beim der elende Zustaub der Wege gestattete selbst die Her- und Hinsahrt von und nach zwei ober brei Stunden entfernten Nach- barhöfen nur in beit längsten Sommertagen. (Aus beut gegenwärtig erscheiuenben Werke „Germania", Zwei Jahrtausende deutschen Lebens. Kulturgeschichtlich geschildert von Johs. Scherr. 6. neu bearbeitete, mit ca. 300 Abbildungen und 50 Extra- Kiinstblättern versehene Auflage. 50 Lieferungen zu je 30 Pf. Stuttgart, Union Deutsche Verlagsgesellschaft.) LtteraveßcheS» — Eine neue Schillerausgabe. In der bekannten Herderscheu Verlagsbuchhandlung in Freiburg i. B. sind unlängst drei Schillerbände erschienen. Sie enthalten die Gedichte, sämtliche große Dramen nebst dem Demetrius-Fragment und der Huldigung der Künste, außerdem noch von den Uebersetzungen: Die Zerstörung von Troja (nach Vergils Aencide) und die Iphigenie in Aulis von Euripides. Es fehlen Turandot, der Parasit, Phädra, der Reffe als Onkel, sowie die ästhetischen und historischen Schriften. Es soll im wesentlichen eine Ausgabe für die Schule sein. Daß die Jugcnddramen Schillers ausgenommen worden sind, versteht sich von selbst, und es bedurfte u. E. keineswegs der folgenden Rechtfertigung des Herausgebers, Ghmnasialdircktors Prof. Dr. HellinghanS: „Wer nicht in einer falschen, gerade in der letzten Zeit von einsichtigen Pädagogen mit Recht auf das nachd rücklichste verurteilten Prüderie besangen ist, wird auch sie der reisereu Jugend nicht vorcnthalten wollen. Einige Stellen sind ausgctassen. Dagegen läßt sich angesichts der Bestimmung dieser Ausgabe nichts einwcuden. Dagegen war im übrigen der Grundsatz maßgebend, an den Gedichten nichts zu ändern und aus den Abdruck derjenigen, die Bedenken erregten, zu verzichten. Jeder Band ist mit einer guten Reproduktion eines Schillcrbildes geschmückt. Der erste Band enthält eine 60 Seiten umfassende Einleitung, in der das Wichtigste aus Schillers Leben in ansprechender Form erzählt wird. Die einzelnen Teile sind mit orientierenden Einleitungen versehen, und was sonst der Erklärung bedarf, wird in den im Anhang beigesngten Anmerkungen erläutert. Diese Schiller- Ausgabe, die trotz der schönen Ausstattung nur 3 Mk. pro Band kostet, hat vor andern den Vorzug, daß sie in großer, kräftiger Schrift gedruckt ist. Wer diese Schwabacher Schrift mit dem Augenpulver vergleicht, das in vielen billigen Ausgaben zu finden ist, wird lieber nach jener greifen, auch wenn darin nicht gerade so viel Text enthalten ist. Die Bände sind solid und geschmackvoll gebunden, so daß sie sich auch in einer Bibliothek recht stattlich ausnehmen. Die hellblauen Leinenbände mit weißer Titelpressung gereichen jeder HanSbibliothek zur Zierde, und man kann nur wünschen, daß sie als Hausbücher recht oft zur Hand genommen werden mögen; denn Schiller sollte nirgends nur zur Parade dienen. Palindrom. Nachdruck verboten'. Mancher der Schiffer sand plötzlich durch mich sein Grab in den Wogen, Rückwärts gelesen jedoch würd' ich ihm einstens geschenkt, m. Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer r Da du einst geboren warst an's Licht, Weintest du; es freuten sich die Deinen. Lebe so, daß, wenn dein Auge bricht, Du dich freust, die Menschen aber weinen. Indisch. Redaktion! Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckeret. R, Lanas. Gießen.