1906 Mittetlole Mädchen. Roman von H. Ehrhardt. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) War sie erst seine Braut, dann traute er sich auch die Macht zu, sie zu einer Uebersiedelung mit den Geschwistern nach Erkner auf seine Kosten zu bewegen. Er trennte sich nicht sechs Wochen von ihr, das stand bombenfest. Sein Entschluß machte ihn ganz ausgelassen glücklich. Er dachte schon an allerlei Kleinigkeiten, die seine Verlobung mit sich bringen würde, daß er am besten seine Mutter noch heute telegraphisch hierher beordern wollte, damit etwaige Bedenken Ruths sofort vernichtet, der gute Ton in ihrem Sinne gewahrt wurde, er dachte an die ehrliche Freude seines alten Heinrich, an das verblüffte Gesicht Hans Günthers, der erst vor wenigen Tagen von einer längeren Studienreise nach Holland zurückgekehrt war und dem er Ruths Existenz noch immer verschwiegen hatte — er dachte auch an das spöttische Lächeln der schönen Lora, die in letzter Zeit große Stift bezeigt hatte, ihn an Stelle des fahnenflüchtigen Artilleristen wieder in Gnaden anfzunehmen. Ein leises Unbehagen beschlich ihn bei dieser letzten Vorstellung, er fühlte, daß Ruth in diesem Punkte sich nie zu der leichtherzigen Auffassung anderer Frauen aufschwingen würde, daß sie erst sein Weib sein mußte, ehe er es wagen konnte, ihr solche Sünden zu beichten, weil sie dann eher Verständnis dafür haben, dem Reumütigen leichter verzeihen tvürde. Und in Gedanken sah er sie in seinen Arm geschmiegt, sah ihr schönes dunkles Auge in frauenhaft gütigem Verzeihen auf sich ruhen. Es sollte bald sein, sie hatten ja auf nichts zu warten und Großstadt und reichliche Geldmittel schafften in wenigen Wochen ein der Geliebten würdiges Heim. Und zuerst würde er reisen mit ihr, wohin ihr Begehren sie zog, ob nach dem Norden oder dem Süden. Ueberwältigt von seinen leidenschaftlichen Zukunftsträumen griff er verstohlen nach der Hcmd des neben ihm stehenden Mädchens und führte sie einen kurzen Moment an die heißen Lippen. Niemand hatte es gemerkt, aber Ruth stand wie gelähmt vor Schreck uno Seligkeit zugleich. Kam es denn nun wirklich, das Glück, und trug sie auf tvcicher, schaukelnder Welle an das Gestade eines wunderbar schönen Landes, während weit hinter ihr das öde, unwirtliche Eiland der Not und des Schmerzes für immer versank? Ihr schwindelte vor dem Uebermaß der Freude, die über sie hereinbrechen sollte-. Ihr war's, als würde sie es nicht ertragen können. Menschen, die lange im Dunklen gestanden haben, scheuen das helle Licht. So ging es auch ihr. Sic fürchtete sich vor dem blendenden Licht und sie war bestrebt,. das Alleinsein mit dem geliebten Mann noch ein wenig hinauszuschieben. Als die Gefährtinnen sich zum Aufbruch rüsteten, legte nach sie den Pinsel, den Willy Hammer ihr seit ein paar Minuten wieder überlassen hatte, beiseite und es war ein so angstvolles Flehen in dem BKck, den sie auf den Mann neben sich richtete, daß dieser von der stummen Bitte ge- rührt, im Gefühl der Sicherheit ihres Besitzes, nicht gegen ihr Fortgehen protestierte. Nur so lange wußte er sie noch aufzuhalten, daß sie schließlich als die letzten allein die Treppe hinabgingen. Sie sprachen kein Wort, aber ihre Herzen zitterten sich entgegen. Erst im Flur unten brach Willy Hammer das beklemmend süße Schweigen und sagte weich: „Haben Sie noch ein wenig Zeit für mich, Ruth? Dann erfüllen Sie mir eine Bitte nnd fahren Sie ein Stück mit mir durch den Tiergarten. Sehen Sie", er öffnete vor ihr die Tür nnd wies mit einem freudigen Lächeln auf die Straße hinaus, „es ist unterdes schön geworden, gleich wird di« Sonne scheinen." Durch Ruths Kopf wirbelten in einem einzigen Augenblick die verschiedensten Vorstellungen — der notwendige Gang zu Tietzheim, die schnell verworfene Vorstellung, daß er vielleicht unnötig war — die Erwägung, ob Suse bei dem veränderten Wetter doch noch nach Halensee fahren und schon mit dem Alittagesien warten würde. Als sie nicht gleich antwortete, nahm der Mann ihr Schweigen als Zustimmung und winkte einem eben vorüberfahrenden Taxameter, der erfreut sein Rößlein zügelte, gerade in dem Moment, als dicht vor ihm ein junges Mädchen in Begleitung eines Knaben den Fahrdamm überschritt. Es waren Suse und Walter Meridies, die nun erfreut auf die Schwester zueilten, wobei Suse schon von weitem rief: „Es wird schön, Ruth! Famos, was? Nun fahr ich doch noch nach Halensee — ich bin extra hergelaufen, um Dir's zu sagen. Habe mir Walter als Garde mitgenommen. Nu komm aber fix, daß wir bald essen und beim Anziehen mußt Du mir auch helfen — meine rosa —" Durch einen Blick der Schwester wurde sie erst jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß Willy Hammer, der deg Wagens wegen sich etwas von Ruth entfernt hatte, zu ihr gehörte. Aber Verlegenheit war ihr nicht eigen. Kameradschaftlich schüttelte sie dem berühmten Maler tie Hand und unterzog ihn dabei einer sehr gründlichen Musterung. „Ruth ist doch zu komisch I" reflektierte sie im stillen, „sie hat nie davon gesprochen, daß er so gut aussieht." Gut aussehen, das war bei Suse der Ausdruck, in den sie sehr viel bestechende Eigenschaften eines Mannes, wie Vornehmheit, Eleganz, tadellose Figur rc. zusammenfaßte. Willy Hammer betrachtete seinerseits mit gemischten Empfindungen das bildhübsche kecke Gesichtchen seiner zukünftigen Schwägerin. So sehr es ihn sonst interessiert hätte, die Geschwister Ruths kennen zu lernen, heut wünschte er sie ins Pfefferland. Um Ruths willen zwang er sich zur Liebenswürdigkeit. „Sie freuen sich auch über das schön werdende Wetter, mein gnädiges Fräulein!" meinte er lächelnd, „ganz so wie ich — ja, ich hatte eben Ihr Fräulein Schivester zu einer Spazierfahrt verleiten wollen." Unwillkürlich hafteten seine leidenschaftlichen Augen bei den letzten Worten auf Ruths tief erglühendem Gesicht. „Ach!" bedauerte Suse, als echte Evastochter mit einem Schlage die Sachlage überschauend, „da kommen wir als rechte Störenfriede, ich hätte es Ruth so gegönnt, daß sie auch mal eine kleine Erholung —" Ein beredter Blick der Schwester bannte ihre Zunge. Sie schwieg betroffen. „So erlauben Sie mir doch wenigstens, Sie alle nach Haus zu bringen!" schlug der Maler vor, „der Taxameter wartet nun doch einmal —“ „Es geht nicht!" fiel Ruth hastig ein, „ich habe eine unaufschiebbare Besorgung — wirklich eine dringende," bekräftigte sie, da sie die Unmutsfalte auf der Stirn des geliebten Mannes hervortreten sah. In ihm regte sich der Trotz des verwöhnten Menschen. „Nun gut, denn nicht!" sagte er schroff und wollte sich zum Gehen wenden, da faßte die impulsive Suse ihn lachend am Arm. „Nehmen Sie uns wenigstens mit, Herr Hammer, Walter und mich, wir sind nicht mehr in einem Wagen gefahren, seit wir vor Jahr und Tag von Mutters Begräbnis kamen." „Aber Suse!" Ruth rief es ganz entsetzt. ■ Was mußte denn Willy Hammer von der jungen Schwester denken? Aber dem hatte Suses natürliche Frische die gute Laune wiedergegeben. „Sie sind überstimmt, Fräulein Ruth. Sie müssen nun auch mit, Die Besorgung können Sie doch sicher auch am Nachmittag erledigen." „Natürlich, ehe Du zu Tante Hertzberg gehst." Und nun nestelte sich auch Walter zärtlich an die große Schwester und sein blasses Gesicht, seine schönen, traurigen Augen unterstützten sein Bitten: „Jahr dorh mit uns, liebe Ruth!" aufs eindringlichste. So gab sie lächelnd, halb kopfschüttelnd über ihre Schwäche nach. Sie stiegen ein. In flottem Trabe gings durch die in der Mittagsstunde stark belebten Straßen. Die Sonne hatte sich durchgerungen und zerstreute in ihrer strahlenden Macht die Wolken, welche sich noch in das lichte Himmelsblau schoben. Sie spiegelte sich wohlgefällig in den Pfützen der Straße, wandelte jeden Wassertropfen in einen funkelnden Diamanten, gab allen Dingen neuen Glanz, neue Farben und neue Schönheit. Sie wob um Suses Kopf einen goldenen Heiligenschein und legte auf Ruths üppiges Haar einen bläulichen Metallschimmer. Willy Hammer genoß den Anblick der beiden so verschiedenen schönen Schwestern mit dem Auge des Künstlers. Er vergaß darüber fast seine große Enttäuschung. Immerhin betrachtete er Suse schon als zu sich gehörig und freute sich darüber, daß er auch noch mit der reizenden Schwäaerin brillieren würde. Die wurde vielleicht auch Hans Günthers Ehescheu besiegen. Weil er sich ihr gegenüber unbefangener fühlte, widmete er sich ihr mehr als Ruth, für die es ihm schwer fiel, gleichgültige Worte zu finden. Seine innere Erregung machte sich in großer Lebhaftigkeit Luft. Suse, die in den Wagenkissen lehnte, als sei sie nie im Leben zu Fuß gegangen, gab ihm in ihrer heimlichen Freude auf den Nachmittag an Temperament nichts nach. Sie hatte tausenderlei zu fragen nach dem Leben der Sphäre, die ihr fremd und doch verwandt war. Er erzählte fesselnd von Münchener Künstlerredouten, von sommerlichen Kostümfesten, zu denen die Münchener Künstler sich irgendwo auf dem Lande zu vereinen pflegten, von kleinen intimen Zusammenkünften in den Ateliers großer Meister, da die Wirte immer irgend eine poetische Ueber- raschung für ihre Gäste bereit hatten — er sprach von seiner Absicht, einmal nach München zurückzukehren, da Berlin zu nüchtern, zu prosaisch sei, für den unverheirateten Künstler besonders. „Sie werden doch gewiß bald heiraten?" meinte Suse keck, ihn schalkhaft anblinzelnd. Er lachte. „Woraus schließen Sie das, mein gnädiges Fräulein?" „Nun, die Gondelei hier durch Berlin mit uns Dreien, das find ich so gemütlich, hausväterlich von Ihnen — das sieht so nach Familiensimpelei aus." Willy Hammer warf einen Blick zu Ruth hinüber, die tat, als ob sie das unüberlegte Geplapper der jungen Schwester überhört habe, und sagte rasch und ernster, als die Situation es rechtfertigte: „Ihr Scharfblick ist bewunderungswürdig — ich wage nichts mehr zu leugnen. Ich erlaube mir bereits jetzt, Sie int Namen meiner zukünftigen Frau zu einem exquisiten Diner mit künstlerischem Schick einzuladen." Der Uebermul brach nun doch bei ihin durch. Er schüttelte über sich selbst lachend, den Kopf. „Die Schecke geht wahrhaftig wieder ntal mit mir durch!" sagte er halb entschuldigend, „das ist, wenn Sonnenschein zu schnell auf Regen folgt. Fräulein Ruth wird ja allen Respekt vor deut strengen Meister verlieren." „Wenn sie noch welchen hat!" warf diese neckend ein und in ihren schönen Augen blitzte ein Funke auf. Es war das Weib, das ihre Herrschaft über den Mann zu fühlen begann. In demselben Moment war der Wagen vor ihrer Wohnung angelangt. Er hielt mit scharfem Ruck. Und während Suse leichtfüßig heraussprang, beugte Willy Hammer sich nahe zu Ruth hinüber und flüsterte heiß: „An dem Respekt liegt dem Meister auch sehr wenig, Ruth." Er konnte nicht weiter sprechen, denn schon hatte Suse sich umgewandt und wartete der Aussteigenden. Beinahe wäre sie herausgeplatzt: „Ihr wollt Euch wohl im Wagen verheiraten!" Aber zur rechten Zeit gab sie sich in Gedanken einen Klapps auf den vorlauten Mund. Daß er nicht genügend Wirkung erzielt, zeigte sich beim Abschiede, da sie nach einigen Dankesworten meinte: „Schön wars ja, aber der Klapperkasten hätte noch Gummiräder haben müssen. Na, dafür tonnen Sie ja nischt, Herr Hammer." Er verbeugte sich. „Auch die Gummiräder verspreche ich Ihnen, sobald ich eine Frau habe." Suse schüttelte ihm kardial die Rechte. „Famos! Ich glaube, wir werden noch mal die besten Freunde, Meister!" „Verzeihen Sie ihr!" bat Ruth, ihm die schmale Hand reichend, „sie ist noch der reine Kindskopf, gar nicht zum Ernst zu erziehen." „Sie ist entzückend", gab er zurück, „aber dafür ist sie ja auch Ihre Schwester." Sie entzog ihm rasch die Hand, die er sehr fest gedrückt hatte und weil sie auf seine Schmeichelei keine Antwort 315 wußte, schob sie den jungen Bruder, der sich an ihren Arni gehängt hatte und verständnislos von einen, zum anderen sah, vor sich hin. „Bedanke Dich, Walter! Wir müssen gehen." Der Knabe hob die leuchtenden dunklen Augen voll scheuer Ehrfurcht zu dem Manne empor, der sein junges Herz bereits im Sturm gewonnen hatte. Nie war man so heiter und ausgelassen geivesen, nie hatte die angebetete Schwester so glücklich dreingeseheu, wie auf dieser Spazierfahrt. Das war des Malers Verdienst. Und deshalb liebte Walter ihn von Stund an. (Fortsetzung folgt.) Die Gewitterperiode im Mai 1906. (Original-Art. d. Gieß. Fain.-Bl.) Wie der ewige Wellengang des Meeres spielen sich Wind und Wetter in der Atmosphäre ab. Wie die einzelnen Jahreszeiten in steter Folge mit ihren charakteristischen Eigenschaften Vvrüber- ziehen, so wiederholen fich auch innerhalb des ganzen Jahres! kleinere Perioden, bald nasse oder trockene, bald warme oder kalte. Das Launische und Unberechenbare der Witterung unseres mitteleuropäischen Klimas läßt bei näherer Betrachtung doch eben eine auffallende Gesetzmäßigkeit erkennen, die ihren Ausdruck findet in einer ausgeprägten Erhaltungstendenz der einmal bestehenden Witterung. Gerade der diesjährige Mai hat dies deutlich bewiesen durch seine Ge - Witterperiode vom 5. biß 16. Wer an der Hand der! Wetterkarten diese Erscheinungen verfolgte, konnte leicht erkennen, daß in den 11 Tagen, wo Gewitter auf Gewitter mit kürzeren Pausen über unserer Gegend anftraten, die Wetterlage mit nur geringen Aenderungen ihr Gesamtbild beibehielt: hoher Druck im Osten und Norden, niederer im Westen und Süden. — Gerade im Frühjahr und Frühfommer sind die günstigsten Bedingungen! zur Gcwitterbildung gegeben, in der raschen, kräftigen Erwärmung des Bodens nnd der unteren Luftschichten durch! die höher steigende Sonne. Doch es ist einleuchtend, daß dies nicht die einzige Ursache sein kann, denn wir haben im Sommer oft lange Trockenperioden, wo die Einstrahlung der Sonne bei andauernd heiterem Himmel noch bedeutend größer ist, und doch hält die gewittcrlose Trockenheit oft wochenlang an. Die zweite Ursache zur Bildung von Wärmegewittern ist vielmehr in der großen Kälte der Luft einige Kilometer über der Erdoberfläche zu suche», ,too der Luftkörper noch nicht Zeit hatte, fich vom Boden her zu erwärmen, und gerade erst im Mai seine größte Kälte erreicht. Die dem Boden direkt auflagernden Luftschichten dagegen erwärmen sich! unter der Frühlingssonne sehr rasch dnrch Wärmeleitung von. der Erdoberfläche. Es tritt mm der Fall ein, das; sich innerhalb weniger Kilometer in vertikaler Erhebung starke Temperaturunterschiede herausbilden zwischen den unteren und oberen Luftschichten. Nun sind die. Bedingungen zur Gewitterbildung gegeben. Eine geringe Störung dieser Aufeinanderlagerung von kalter und warmer Last führt zu einem gewaltsamen Ausgleich: die unteren warmen Schichten brechen plötzlich in die kälteren ein und erzeugen unter Bildung schwerer, wasserreicher Wolkenmafsen starke elektrische Spannnngsnnterschiede, die sich wiederum in Entladungen, in Blitzen ausglcichen. Der ganze Vorgang der Ge- witterbildung bezweckt also schließlich nur einen Ausgleich starker vertikaler Temperaturgegensätze. Niederschläge, Hagel und Regen sind Begleiterscheinungen des schon eingeleiteten Ausgleichs. Das ist im großen das Bild der sommerlichen Störungen der Atmosphäre in der Nähe der Erdoberfläche. Doch nicht alle Einzelheiten der Gewitterbildung stellen sich so einfach dar; gerade die eigentliche Bildung der Gewitter, die elektrischen Spannungen, und vor allem des Hagels und der ost gewaltigen Wassermengen Bieten der Forschung Schwierigkeiten, und vieles daran ist nur in feinen Anfängen aufgeklärt. Für die Voraussage der Gewitter bietet besonders , der Umstand große Schwierigkeiten, daß die eigentlichen Wärme- gewiter nicht überall über einem ganzen Gebiet auftreten, sondern! meist zerstreut; auch liegen nie die Verhältnisse so günstig, daß ein Gewitter für Stunde und Ort genau vvransgesehen werden könnte. Sie entstehen vielmehr ganz unvermittelt, nehmen einen willkürlichen Sauf und lösen sich in größerer oder geringerer Entfernung vom Entstehungsherd wieder auf. Die wissenschaftliche Wettervoraussage hat sich seither meist damit begnügt, darauf aufmerksam zu machen, daß bei 6er betreffenden Wetterlage „Neigung" zur Gewitterbildung Befteijt, denn die Gewitter entstehen nur bann, wenn in den allgemeinen Witterungsverhältnifsen etwa über Europa die günstigsten Bedingungen gegeben sind; dahin gehören vor allem schwache Lustdrncknnterschiede, schwacher Lufttransport in horinzontaler Richtung, der eine Uebereinauder!- lagernng ganz verschieden warmer Luftschichten zuläßt. Daher! tritt die größte Gewitterhäufigkeit dann ein, wenn int Frühling oder Frühsommer ein flaches Gebiet hohen Druckes von nur geringer Stärke über Mitteleuropa oder dem Osten lagert. Es herrscht bann heiteres, ruhiges, sehr warmes Wetter. llnb bald bilden sich bann am Tage am Süidrand des Hochdruckes zahlreiche Gewitter und schreiten von Sübwest nach Ost über unser Gebiet, hinweg, wie es int diesjährigen Mai der Fall war Die Gewitterperiode wurde am Nachmittag des 4 Mai eingeleitet durch ein ausgedehntes Frontgewitter, das aus südwestlicher Richtung ziehend unser Gebiet durchquerte und in Rheinhessen besonders dnrch starke Regenfälle stellenweise Ueberfchwemm- ungen verursachte. In Oberhessen brachte dieser Gewitterzug nur geringen Regen und zog meist im Südwest vorüber. Damit begann die Herrschaft der int Osten langsam vorrückenden Zone hohen Druckes. Nachdem am 5. Mai infolge der am Tag vorher nieder- gegnngenen Gewitter vorübergehend Abkühlung eingetreten, und noch leichte Niederschläge gefallen, flieg vom 6. Mai ab die Temperatur wieder rasch an und erreichte am 8. Mai ihren höchsten Stand. Es folgte zunächst heiteres, warmes Wetter, das nur von zahlreichen Gewittern aus südlicher bis westlicher Richtung unterbrochen wurde. Daß alle diese Gewitter lokaler, sekundärer Natur waren, trat darin hervor, daß sich alle untertags erst bildeten, infolge der täglichen Erwärmung des Bodens, und der damit zusammenhängendeii Wolkenbilduug. In der Regel war an allen Tagen dieser Gewitterperiode nachts und morgens der Himmel heiter, bann bildeten sich mit Mittag mit steigender! Sonne dichte, schwere Haufenwolken, die sich schließlich zur Ge- witterbildnng zusammenzogen, um während der Nacht sich wieder aufzulösen. Als Ende der Gewitterperiode ist der 15. Mai an» zusehen. Nachdem schon in den vorhergehenden Tagen die Temperatur allmählich unter dem Einfluß der allenthalben niedergehenden Gewitter gesunken, trat am 16. der endgiltige Witterungswechsel ein, indem eine Depression, die tags vorher über Südwestenropa erschienen, sich quer über Mitteleuropa lagerte. Damit setzte unter starker Abkühlung eine Periode regnerischer, meist trüber Witterung ein, die sich erst gegenwärtig ihrem Ende zuneigt. — Für die Voraussage lag die Gewitterperiode relativ günstig, infolge der in beit letzten zwei Jahren gewonnenen Ersahrnngs- sätze. Doch um bie Sicherheit gerabe der Gewitterprognosen noch zu vervollkommnen, sind die Einflüsse der Bodengestaltung unseres engeren Gebietes auf Bildung und Zug der Gewitter noch nicht hinreichend bekannt. Um das zu erreichen, müßte ein möglichst enges Netz von Gewitterbeobachtungsstationen existieren, nach deren Aufzeichnungen sich Bildung, Wanderung und Auflösung in allen Einzelheiten erforschen ließe. Das wird vielleicht in den nächsten Sommern erreicht werben. Für die Fugend. — Heber das Erdbeben von San Franzisko sowohl, als auch über den Ausbruch des Vesuv, kurz, über alle Vorgänge in der Weltgeschichte bringt in Wort und Bild „DeutschlandsJugen d", eine illustrierte Wochenschrift für reifere Knaben und Mädchen (Herausgeber Georg Gellert, Berlin-Wilmersdorf), in den uns vorliegenden Nummern. Es ist erstaunlich, was der Verlag für 10 Pfg. bietet. In klarem, gutem Druck auf holzfreiem Papier begegnen wir Namen erster deutscher Schriftsteller. In einer Erzählung „Im Boot auf dem Ozean" ist Admiral von Werner vertreten. Interessant sind die eigenen Erlebnisse, die der letzte Uebedebenbe des ruhmreichen Feldzuges 1870, der ehemalige Kriegsminister Berdy du Vernois über die „Gefangennahme Napoleons Iil." und die „Kaiserkrönung in Versailles" sagt. General von Siebert, der frühere Gouverneur von Ostafrika, schildert seine „Reise nach dem Kilimandscharo" und ist auch sonst mit interessanten Arbeiten vertreten. Von unseren deutschen Dichtern sind mit zahlreichen Dichtungen Felix Dahn,' Viktor B l ü t h g e n, Ludwig Fulda zur Stelle, während Wilhelm Bölsche, Prof. Dr. L. Heck, der Direktor des Berliner Zoolog. Gartens, Dr. Th. Zell, Tr. Alfons Langer, Dr. R. Francs u. a. m. für den naturwissenschaftlichen Teil (Zoologie, Physik, Chemie, Botanik, techn. Wissenschaften) zeichnen. Eine treffliche Vorbereitung für das praktische Leben bieten die instruktiven, kurzen Aufsätze über die Verwaltung des Staates, die Funktionen der Beamten auf allen Gebieten usw. Ferner werden regelmäßig die Vor- und Nachteile eines jeden Berufs, mit Angabe der Kosten, des Studienganges usw. veröffentlicht. Selbstverständlich ist die Rubrik über „Gesund- heitslehre" (über „Körperhaltung", „wie soll ich essen?", „tote soll ich trinken?" usw.) und über die Rechtsknnde weiter ansgebaut nnd dnrch erstklassige Fachmänner vertreten. Unter den der Jugend in Wort und Bild vorgeführten „berühmten Männern" sind nicht nur Männer der Kunst (wie Mozart, Carl Maria von Weber), sondern deutsche Männer des praktischen Lebens und der Wissenschast der kommenden Generation als leuchtende Vorbilder bekannt gemacht, wie z. B. Werner v. Siemens, F. A. Brockhaus, Ferdinand Schichau usw. Eine neue Rubrik „Bildende Künste" bringt aus der Feder und dein Pinsel des Kunst- 316 — malers Adolf Hering den Aufsatz: „Wie ein Gemälde entsteht", dann in einem textlichen Beitrage und einer eingehenden Würdigung Albrecht Dürers durch die Wiedergabe seiner Hauptwerke. Eine Abteilung: „Theater" vermittelt Kenntnis der Dichtungen unserer Klassiker, unserer berühmtesten Darsteller und unserer Tondichter. Tie astronomische Wissenschaft hat in Dr. Archenhold, Direktor der Treptow- Sternwarte, ihren Vertreter. Die Komponisten K. von Kaskel, Ferdinand Hummel, Prof. W. Freudenberg usw. sind mit Notenbeilagen vertreten. Ein Kursus der Stenographie vermittelt der Jugend die Grundzüge der Kurzschrift. Auch dem Sport (Ballspiele, Säbelsechten, Tennisspiele usw.) ist Raum gewährt, ebenso der Handarbeit für Knaben und Mädchen. Zum Schluß sei nicht vergessen, daß diese vielseitigste aller Jugend-Wochenschriften auch eine „Lustige Ecke" hat, z,u der die beliebten Zeichner Meggen- dorfer, Pomerhanz u. a. zeichnerische Beiträge liefern. Die Anschaffung von „Deutschlands Jugend" ist allen Eltern, Schulvorständen, Lehrern und Erziehern für die Jugend zu empfehlen. (Verlag von C. Regenhardt, Berlin SW. 61, Ulexandrinenstraße 135/136.) Mir Mütter. — Das Kind, seine geistige und kör perliche Pflege bis zur Reife. Unter Mitwirkung verschiedener Aerzte und Schulmänner herausgegeben vom Geheimen Medizinalrat Professor Dr. PH. Biedert. Mit 76 Abbildungen und 2 Kurventafeln. Großoktav. 1906. Geh'. 8 Mk., in Leinwand geb. 9 Mk. (Verlag von Ferd. Enke in Stuttgart.) Das Werk, auf das wir unsere Leser bereits bei Erscheinen der ersten Lieferung aufmerksam gemacht haben, liegt jetzt vollendet vor uns. In sechs Abschnitten und 16 Terlen mit 76 Bildern und Tabellen findet die Entwicklung und Pflege des normalen Kindes in den ersten zwei, dann in • den folgenden Lebensjahren, in der Schulzeit und in der Zeit der Entwicklung zum erwachsenen Menschen eine eingehende Darstellung. In passendem Anschluß gehen nebenher die Darlegungen über die Störungen dieser Entwicklung, so der Ernährung in der wichtigsten ersten Zeit und in den späteren Perioden, über alle dahmeinfallenden Erkrankungen, auch die allgemeinen und ansteckenden, über die Augen- und Ohrenkrankheiten und endlich über die Erkrankungen, die in der Schulzeit und in der Zeit der geschlechtlichen Reise auftreten. Es folgen fein ausgearbeitete Anschauungen und Ratschläge über die geistige Pflege und Erziehung vor und während der Schulzeit? Den Schluß bilden Ausführungen über die Fortbildung und den Ueber- gang zu Beruf und Ehe. Das Buch ist für Eltern und Erzieher ein zuverlässiger und unentbehrlicher Ratgeber. Möge für dasselbe, das oas Zeug zu einem echten Volksbuche hat, zutreffen, womit Biedert die Einleitung schließt, daß mit seiner Hilfe dem Vaterland Arbeiter, Verteidiger und Führer geliefert werden, im Kampfe um seine Weltstellung fest und widerstandsfähig wie das Holz seiner Eichen und, wer immer dazu begabt ist, hochragend und sich behauptend wie sie über der Menge! Reisen. — Die Insel Rügen. 18. Auflage. Mit 6 Karten. 1906—1907. Preis 1,50 Mk. Verlag von Albert Goldschmidt in Berlin W. 62. (Griebens Reiseführer Bd. 65.) Die vorliegende 18. Auflage hes Führers durch die größte deutsche Insel in der Ostsee „Rügen" ist wieder mit besonderer Sorgfalt neu bearbeitet worden. Die Karten (Umgebung von Stubbenkammer und Saßnitz, Umgebung von Binz, Sellin und Jagdschloß Granitz und Umgebung von Göhren) wurden durch neu angesertigte Stiche ersetzt. So erweist sich der händliche und zuverlässige Führer allen denen, die ihn für eine Reise nach Rügen benutzen, als ein willkommener und schätzbarer Reisebegleiter. HesrmdHeitspflege. — D ie Hämmorrhoiden und ihre Heilung durch ein erprobtes Verfahren. Von Dr. Paczkowski. Verlag von Edmund Demme, Leipzig. (Preis 0,80 Mk.) 4. Auflage. Tie Ausscheidung des unbrauchbaren Blutes durch die „goldene Ader", die große Psortvene, ist für die gesunde Funktion unseres Körpers ebenso notwendig wie ein regelmäßiger Stuhlgang. Ihre Verzögerung oder Verhinderung führt eine große Anzahl quälender Symptome herbei, die wir in ihrer Gesamtheit als Hämmorrhoidalleiden bezeichnen. Die Endgefäße des Mastdarmes erweitern sich dann zu großen, stark mit Venenblut angefüllten Säcken, sie rufen die heftigsten Schmerzen hervor, welche die Leidenden ost am Gehen, Stehen und Sitzen hindern. Die Kranken fühlen sich matt und abgeschlagen, das immerwährende Jucken und Stechen macht sie verdrießlich, es entstehen Eingenorn- menheit des Kopfes, Spannung int Unterleibe, Kreuzschmerzen und Verdauungsbeschwerden. Ueber das alles gibt die billige Schrift Aufschluß und zeigt den Weg zur Beseitigung. Sind Bakterien schädlich? Dr. A. Charrin, ein hervorragender französischer Gelehrter, macht über die Wirksamkeit der Bakterien folgende Angaben: Er fütterte zwei Gruppen Meerschweinchen mit gelben Rüben. Die eine Gruppe erhielt die Rüben in einem durch Kochen sterilisierten Zustande, die andere erhielt sie in dem Zustande, in dem sie gewachsen waren. Von den 17 Tierchen der ersten Gruppe starben zwölf vor denen der zweiten Gruppe. Die Nachforschung ergab, daß die gänzliche Abwesenheit von Bakterien in der sterilisierten Nahrung die Verdauung lähmte, und die Aufnahmefähigkeit der Tiermagen schwächte. Von der Gruppe, die Bakterien, enthaltende Nahrung zu sich genommen hatte, starben zusammen nur fünf Tiere. Vermisstes. 'Den deutschen P ar t i k u l a ri st en inZ Stamm» b u ch möge folgender VerS geschrieben sein, den Herder im Jahre 1778 im Hinblick aus das vermorschte Reich und die deutsche Kleinstaaterei dem Kaiser Josef voll patriotischen Grams zuries: „O Kaiser, du, von neunundneunzig Fürsten Und Ständen wie des Meeres Sand Das Oberhaupt, gib uns, wonach wir dürsten: Ein deutsches Vaterland I Und die folgenden Worte, die im Jahre 1804, nachdem der Friedensschluß von Luneville das ganze linke Rheinufer an Frankreich gegeben hatte und der gallische Empereur schon sich bereitete, Oesterreich und Preußen die wohlverdienten Schläge von Ulm und Austerlitz, Jena und Tilsit zu geben, um dann unter dem Titel eines Rheinbundprotektors ganz Deutschland tatsächlich zu beherrschen, auszupressen, zu brutalisieren, damals, im seherischen Vorgefühle von all diesem Elend und all dieser Schande, aber auch im Vorgefühle dessen, was aus solchem Jammer allein retten könnte, retten müßte, unser Schiller, empfunden hatte — „Wie mächtig ist der Trieb des Vaterlands I" und hatte angesichts des Todes seinem Volke beschwörend zugerufen : „O, lerne fühlen, welchen Stamms du bist! Die angebornen Bande knüpfe fest, Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an, Das halte sest mit deinem ganzen Herzen, Hier sind die festen Wurzeln deiner Kraft!" wie er schon früher den Deutschen durch den Mund eines franzö» fischen Helden in der Jungsrau das flammende Wort zugerusen hatte: „Nichtswürdig ist die Nation, Die nicht ihr Alles setzt an ihre Ehre." (Aus dein gegenwärtig erscheinenden Werke „Germania", Zwei Jahrtausende deutschen Lebens. Kulturgeschichtlich geschildert von Johs. Scherr. 6. neu bearbeitete, mit ca. 300 Abbildungen und 50 Extra-Kunstblättern versehene Auflage. 50 Lieferungen zu je 30 Pfg. Stuttgart, Union Deutsche Verlagsgesellschast.) — Unbewußte Ironie. „Na, Bäuerin, warum haben Sie denn in Ihren Gemüsebeeten gar keine Vogelscheuche gegen das Spatzeiwolk ausgestellt?" Bäuerin (sehr häßlich): „Branchts feine — i bin ja selber den ganzen Tag draußen." Magisches Dreieck. Nachdruck verboten. ------------------- In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaachhhhiinnnnr -----derart einzutragen, daß die einander entsprechenden wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten: _______ 1. Asiatisches Reich. 2. Kampflustiges Tier. --- 3. Ein Fürwort. 4. Ist in Pennsylvanien zu finden. ---- 5. Einen Bu i staben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummerr Das Feuer. Redaktion: Ernst Leb. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl’idien Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,