19(14 p FpJla iiiiD sHMEMi U Gin angenehmes Gröe. Humoristischer Roman. Von Victor von Reisner. (Nachdruck verboten.) Erich verscheuchte mit der Reitgerte einige lästige Fliegen vom Halse seines Tieress schaute noch' eine Weile düster vor sich hin und sagte dann leise: „Daß Sie sich seiner so warm, ich. möchte fast sagen, so leidenschaftlich annehmen, spricht jedenfalls für die Lauterkeit seines Charakters, — Reich nein, Komtesse", wehrte er, als sie ihm ins Wort fallen wollte, „das soll keine Schmeichelei sein, ich fühle vielmehr ganz deutlich/ daß Sie Ihre innerste Ueberzeugung so zu sprechen zwang, und daß Sie es nicht getan hätten, wenn sich je in Ihnen ein Zweifel geregt hätte." „Bei Gott, ich hätte es nicht getan!" beteuerte sie und reichte ihm die Hand hinüber. Mit Entzücken fühlte er deren energischen Druck, es war sozusagen die Ergänzung des gesprochenen Wortes, und es sprach, aus ihm die kraftstrotzende Sicherheit der siegesgewissen Wahrheit. Wenn er nur seinem Herzen hätte folgen dürfen, dann würde ihm vielleicht der Instinkt dieses keuschen Natur- kindes genügt haben, altem, verjährtem Unrecht nicht weiter nachzusorschen und darüber den Schleier des Vergessens zu breiten. Hier lag aber die Sache anders und deshalb sagte er mit niedergeschlagener Stimme: „Ich wollte, die Entscheidung läge bei mir — aber nicht ichj, sondern mein Vater ist der Chef der Familie, und wenn nicht er die volle Ueberzeugung von der Schuldlosigkeit des Pfarrers gewinnt, dann wird ivohl schtverlich je eine Versöhnung stattfinden." „Aber das ist ja eine Halsstarrigkeit sondergleichen", rief Ljubiza empört und ließ die Gerte durch die Luft sausen, sodaß der Schimmel erschreckt einen Seitensprung tat. Sie aber hatte das Tier in sicherer Gewalt, blieb im festen Sitz und beruhigte es streichelnd — „na, na, Mi, es hat ja nicht Dir gegolten." Erichs Äuge leuchtete bewundernd auf, als. er sie bei dem doch ganz unvermuteten Seitensprung, wie festgegossen im Sattel sitzen sah, aber die eigentümlichen Worte, die sie zu dem noch immer zitternden Tier sprach, ernüchterten ihn schnell, und vorwurfsvoll sagte er: „Halsstarrigkeit im Guten ist Größe! — Nur derjenige, der sich mit Absicht der Wahrheit verschließt, verdient diesen Vorwurf im bösen Sinne. Noch kann dies niemand von meinem Vater behaupten. Bis heute kennt er nur die Warnung vor dem Pfarrer, und da er keine Ursache hat, an dem Worte seines Vetters zu zweifeln und auch die Familientradition hochhält, die einen für den anderen einstehen heißt, so ist es doch 'nur selbstverständlich, daß er ihm . . . doch, nein, Komtesse", unterbrach er sich, „ist es nicht eine Sünde, unU unser erstes Zusammensein durch ein solch, peinliches' Thema zu vergällen?" „Ich fürchte, ich fürchte", entgegnete sie bedrückt, „daß dieses Thema in unseren Familien noch 'zu langen und wahrscheinlich sehr peinlichen Erörterungen führen wird, Aber wie es auch sei, Herr von Höchstfeld, versprechen Sie mir eines", bat sie, „prüfen Sie in Ruhe und ohne Leidenschaft, und wenn' meine Ueberzeugung auch, die Ihre ist, dann lassen Sie uns Hand in Hand an der endgiltigen! Aussöhnung unserer Väter arbeiten, denn ihre Charakter scheinen sich zu gleichen und meine Furcht, daß es zu zeitweiligen Störungen des nachbarlichen Einverständnisses' kommen könnte, ist deshalb wohl nicht ganz unbegründet." Er gab ihr die Hand und ganz unbeabsichtigt entschlüpfte es ihm: „Sie sind ein kluges, tüchtiges Mädchen." Da blitzte es in ihren Augen auf und seine Hand in der ihren festhaltend^ sagte sie: „Sehen Sie, bannt haben Sie mir eine wirkliche Freude gemacht. Ich danke Ihnen dafür. Und nün lassen Sie uns Abschied nehmen, die Ihrigen werden Sie schon erwarten. Grüßen Sie Ihre kleine Schwester, aus die ich Mich sehr freue und - . „Ich dachte, Sie nach Mariance begleiten zu dürfen . . ." „Nein, nein, damit ist es nichts mehr", entgegnete sie, und als sie sein erstauntes Gesicht sah, beugte sie sich lachend zu ihm hinüber und gestand: „Ich hatte so eine kleine Ueberraschungskomödre vor und wollte Sie, ohne daß Sie es ahnten, zu unserem alten Vater Adame führen, Nun wir uns aber so ehrlich ausgesprochen haben, sehe ich ein, daß dies eine Torheit wäre, die Ihren Herrn Papa nur noch mißtrauischer machen könnte. Mr wollen also dem Zufall freien Lauf lassen, und nur ein ganz klein wenig dre Fäden dabei lenken" — und dazu lachte sie so schelmisch/ daß er gar nicht anders konnte, als allem beizupflichten. Dann machte sie ihm mit der Gerte die Ehrenbezeugung, schnalzte mit der Zunge und sauste im Galopp davom Er sah ihr so lange nach- bis sie an der Stelle, wo der Weg im stumpfen Winkel abbog und der junge Eichwald sich in den Seekreis schob, seinen Blicken entschwand! Dort zügelte sie ihr Pferd und ritt nun im Schritt weiter. Es war ihr so eigentümlich, so ganz seltsam zu Milte, so, als ob ihr eine unerklärliche Bangigkeit dje Brust zusammen- schnürte und den Atem beengte, und doch empfand sie dabei nicht Angst, sondern ein wonnig ermattendes Gefühl, ein Sehnen nach irgend etwas Befreiendem, das sich in erklärendem Glück für alle auflöfen sollte. Ach ja, glücklich, wollte sie alle sehen/ die ganze Welt hätte sie in ihre Arme schließen mögen und sogar den Brüdern sollte großmütig verziehen sein, dje ihr heute morgen aus 'UeberMut das Zimmer zugeriegelt hatten, sodaß sie gezwungen war, zum Fenster hinauszuspringen. — 442 — In dieser Stimmung kam sie am Pfarrhof ast. „Ach Gott, Komteßchen, gut, daß Sie da sind", wurde ie von der Wirtschafterin empfangen. „Gehen Sie nur chnell zum Herrn Pfarrer hinein, vielleicht können Sie hu zur Vernunft bringen!" „Mas ist denn geschehen?" erkundigte sich Ljubiza. „Weiß ich es! Gibt er mir denn eine Antwort!" beklagte sich die alte Dienerin jammernd. „Fuchsteufelswild ist er nach der Frühmesse nach Hanse gekommen — Nicht einmal sein schönes Frühsttick hat er angerührt — und nun rennt er drinn' auf und ab, raucht schon die so und so vielte Pfeife und verräuchert mir die ganzen Vorhänge, die ich doch erst zu Palmarum aufgehängt habe. Ach ja, ach ja", seufzte sie, „man hat sein Kreuz mit ihm, uitb Wenns nicht der Herr Pfarrer wäre, so könnte man rein glauben, daß ihn unser Herrgott verlassen habe, denn ein vernünftiger Christentnensch läßt doch nicht sein Frühstück stehen und nährt sich von Tabak!" „Na, beruhigen Sie sich nur, Frau Mara, ich will gleich einmal 'hineingehen", versprach ihr Ljubiza,, „vielleicht gelingt es mir, ihn zu besänftigen." „Ach ja, tun Sie's, bat diese, „aber sehen Sie, gnädiges Komteßchen, es tut mir doch Weh, gar kein Vertrauen zu genießen. Seit dem Tode des armen Fräuleins führe ich ihm nun die Wirtschaft, aber glauben Sie, daß ich ihm auch nur das geringste, raten darf?! Nichts, rein gar nichts! Und wenü ich einmal, so wie heute, frage: ,Ma, wo drückt es denn, Herr Pfarrer?' da heißt es nur: ,Das verstehen. Sie ja doch nicht, Frau Mara. Sorgen Sie nur für Küche und Keller und halten Sie mir meinen leiblichen Menschen zusammen, mit dem seelischen werde ich schon allein fertig werden.' Und wenn ich dann seufze und von Undank rede, dann kann er —■ fluchen, — nur Ihnen vertraue ich es an", beteuerte sie, „aber fluchen kann er wie ein Heide!" Ljubiza verbiß ein Lächeln. „Nun, ich will es einmal versuchen, ob er auch mich! hinausgrault", sagte sie und klopfte gleich darauf am Allerheiligsten an. Da sich auch auf ein zweites und drittes Anklopsen Nichts hören ließ, so flinkto sie resolut auf und ttat ein. Wütend drehte sich der Pfarrer um und woflte sich dergleichen Störungen ein für allemal verbitten, als er' aber durch den dichten Tabaksqualm seinen Liebling erkannte, da glitt es wie ein Sonnenstrahl über sein Gesicht und ihr die Hand zum Gruße reichend, sagte er: „Du kommst wie gerufen, mein, liebes Kind. Dem alten Adame Mbbeln wieder einmal die Mäuschen im Gehirn herum, und da ist es ganz gut, wenn sich so ein Schmeichelkätzchen vors Loch setzt und sie fein im Zaum hält." „Und was hat denn die Mäuschen so rebellisch gemacht?" fragte sie herzlich. „Gedanken aus alten Zeiten, die mit der Ankunft der Höchstseldfchen Herrschaften wieder ihre Auferstehung feierten", entgegnete er seufzend, „aber das verstehst Du nicht, mein Mud, und es ist auch nicht gut, die bösen Erinnerungen aufzufrischen. Wollen nicht mehr davon reden." Sie schob ihm seinen Großvaterstuhl zurecht, zwang ihn, seinen Dauerlauf aufzugeben und sich zu setzen, machte dann beide Fenster auf, um ftische Luft hereinzulassen und kauerte sich schließlich zu seinen Füßen nieder. „Vater Adame, was glauben Sie, woher ich jetzt komme?" fragte sie dabei spitzbübisch. „Eh, mein liebes Kind", meinte er kopffchüttelnd, „wenn Du schon so fragst, dann muß ich schon auf das Allerschlimmste raten, um der Wahrheit Halbwegs nahe zu kommen. Du wirst wohl wieder mit Deinen Brüdern irgend einen Lummen Schabernack ausgeführt haben. Na, wenn es auf meine Kosten geschehen sein sollte, so sei Dir im voraus verziehen, denn zu etwas bösem gibt sich mein Herzblatt ja doch nicht her." „Ich banke Ihnen für die gute Meinung, Vater Adame", sagte sie mit glücklichem Lächeln, „ich habe Ihnen überhaupt so vieles zu verdankend „Na, na, na", wehrte er. „Doch", beharrte sie, „schon von fleinauf waren Sie Mein Schutzengel Und . . ." „Ein etwas korpulenter Engel", warf er schmunzelnd dazwischen. „Und wenn Ljubiza irgendwo etwas angestellt hatte". fuhr sie unbeirrt fort, „da haben Sie durch Ihre Mir- bitte die Strafe von ihr abzuwenden gewußr." „Das war ein großes Unrecht von mir", meinte er, „denn Du warst ein Tollkopf und hast die züchtigende Hand des Vaters redlich verdient,. KreuzdonNerwetter, wenn ich denke, wie Du Deine Brüder, die armen, unschuldigen Zivillinge, die noch kaum aus der Welt waren, in den Sumpf schlepptest, wo sie beinahe elendiglich umgekommen wären?" „Und wer war daran schuld?" fragte sie keck. Er schaute sie verdutzt an. „Ja, wer denn sonst als Du?" „Ihr", widersprach sie, „hättet Ihr mir nicht erzählt, daß sie der Storch gebracht hat, so wäre ich doch nie aus den Gedanken verfallen, aufzupassen, ob er sie auch wieder forttragen würde.. — Jedenfalls werde ich meinen Mit- dern keine derartig gefährlichen Märchen erzählen." „Was hätte man denn einer Pute von fünf Jahren ssgen sollen?" „Daß sie ein Geschenk Gottes seien", antwortete sie in vollem Ernst, „damit wäre alle weiteren wißbegierigen Fragen ein Riegel vorgeschoben gewesen, aber so bleiben selbst die vernünftigsten Eltern bei dieser Ammenerfindung, an die selbst das sorgsamst gehütete Kind nicht lange glaubt." „Na, weißt Du!" ,,Gewiß, ich rede aus Erfahrung", ereiferte sie sich, „ich erinnere mich auch ganz deutlich/ daß mir damals, als ich meiner Ueberzeugung nach ganz ungerechtfertigterweise gestraft wurde, gar seltsame Zweifel aufstiegen." ,,,Möglich, daß Du recht hast", sagte er nach einer Weile des Ueberlegens, aber Du warst von jeher eist Sausewind, vor dessen tollen Streichen man nie sicher war.^ „Und doch haben Sie mich immer lieb gehabt, Vater Adame?" fragte sie schmeichlerisch^. „Vielleicht gerade, deshalb", meinte der nachdenklich!, „ich war nie ein Freund der Duckmäuserei. Lieber ein und bas andere Mal eine gehörige Dummheit angestellt, als kopfhängerisch durch die Welt kriechen und glauben, daß man damit Gott besonders wohlgefällig lebt! Unsinn, unser Herrgott hat uns zum freudigen Genießen erschaffen, und solange man nicht zu sehr über die Stränge schlägt und sich dabei ein reines Herze bewahrt, kann ich darin keine Sünde finden." „Siehst Du, mein Herzenskind", fuhr er dann nach kurzer. Pause fort, „ich müßte lügen, wenn ich behaupten wollte, daß mir alles an Dir- gefällt. Du bist oft in Deinem Wesen zu frei und Fremde, die Dich nicht kennen, kommen dadurch, leicht zu ganz irrigen Schlüssen, aber . . ." Erschrocken fuhr sie aus und sah ihn sprachlos an. Er aber legte begütigend seine Hände auf ihren Scheitel und beruhigte sie: „Nein, nein, bleibe nur so wie Du bist, sonst verlierst Du Deine ruhige Sicherheit. — Dein weibliches Gefühl wird Dich schon selbst vor unrein denkenden Menschen warnen. — Und nun beichte, was Du heute angestellt hast." Ihr war durch diese Ermahnung, die ihr so viel zu denken gab, ganz bange geworden und recht kleinmütig entgegnete sie: zAtztzt traue ich. mich es kaum noch zu sagen," „Nun, den Kopf wird es ja nicht kosten", ermunterte er sie freundlich, „Ich habe eben — wieder — eine Taktlosigkeit begangen", begann sie stockend, „ich bin — einem jungen — Manne — aus halbem Wege entgegengekommen." Er stutzte. (Fortsetzung folgt.) Detlev von ^ifi ncron a.s Sprachö ldner. Im 25. Hefte der „Wissenschaftlichen Beihefte zur Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins" (Berlin, Verlag des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins F. Berggold) behandelt der Braun-chweiger Oberlehrer Franz Hahne Detlev von Lilien- cron ausschließlich als Sprachbildner.*) Franz Hahne schreibt unter anderm: Die Wortbildung geschieht heute, wo neue Stämme nicht mehr geschaffen werden, ausschließlich auf dem Wege der Zu- sammensetzung .oder Ableitung. Bei der Zusammensetzung erfährt *1 Seinen Untersuchungen liegen die drei Gedichtbände der Gesamt-Ausgabe von Liliencrons Werken zugrunde: Kampf und Spiele (KSp.), Kämpfe und Ziele (KZ.), Nebel und Sonne (NS.). 443 ein Grundwort durch Zusatz eines anderen Stammes einen besonderen Sinn, eine Begriffsverdeutlichung. Bei der Ableitung Wird durch Uebertragung eines Sprachstammes von einer Wortklasse in die andere oder durch seine Erweiterung und Veränderung innerhalb derselben Wortklasse ein neues Wort gebildet. Die Zahl der möglichen Zusammensetzungen ist so ungeheuer, das sprachliche Leben auf diesem Gebiete, namentlich bei den Dichtem, ist so rege, .daß kein Wörterbuch sie alle ausweist. ES mag leicht sein, daß manches Wort, das hier als Neubildung angesprochen tmrd, bereits' früher im deutschen Schrifttum sich findet. Jedoch wir dürsten ziemlich sicher gehen, wenn wir annehmen, paß Liliencron solche als Neuerungen oder große Seltenheiten erscheinende Wörter nicht aus Wörterbüchern oder aus dem Gelesenen sich angeeignet, sondern der jedesmaligen dichterischen Notwendigkeit entsprechend aus sich heraus frei geschaffen hat. Somit können wir sie mit Fug und Recht zur Kennzeichnung seiner sprachbildenden Fähigkeit mit verwenden. Verhältnismäßig selten sind neue Zusammensetzungen mit Zeitwörtern. Es sind ja da überhaupt eigentlich nur Verbindungen mit Präpositionen und den bekannten Vorsilben ge-, zer-, ent-, er-, ver-, be-, statthaft. Das einzige Zeitwort mit Hauptwort scheint bei L. .Verzierbauen zu sein: „der verzier» vaute Heimatsort" (NS 225), was als witzige Bildung gelten mag. Sonst finden sich: von Sonne überfreudet (NS 231); die Schwertlilie überhauptet das Rohr (KZ 219); das übersegnete Feld (KZ 181); Bord mit Bord Verbrücken (KZ 161); hundert.Schillerfarben haben sich in die Flügel des Käfers ein» Sankest (KZ 82); das Glück entsüßen (KSp 85); es entnebelt ein Strand (NS 28); die Klammer der Arme dem Nacken entlösen (KZ 159); erlechzter Trunk (KZ 73); der Fuchs er- sprang .sich einen Vogel.(KZ 120). Eine besondere Stellung nehmen unter den von Zeitwörtern gebildeten Zusammensetzungen die Partizipien ein. Wenig häufig ;ind die aktiven Partizipien der Gegenwart, wovon nur acht anscheinend neue Zusammensetzungen sich bei L. finden. Drei zeigen das begründende Verhältnis der Glieder: krast- 103), .morgenschauernd (KSp 20), jagdgierzitternd (KZ 65); fünf das objektive: die vielarmausstreckende Büche (Ksp 63), schweißtrocknender Schatten (KSp 63), die heißen feind- suchenden Augen (Ksp 67), des Lebens trümmertragender Strom (KZ -3h. .horizontdurchlassend friert am Strand ein schmales Wäldchen (Ns 33). Bon Zusammensetzungen des passivischen Partizips fallen etwa 40 als neu oder sehr ungewöhnlich auf. Davon sind nur drei mit Adverbien gebildet: starkbetautes Spinnennetz. (KZ 119), rotdurchslochtene Mähne (NS 55), breitumkrempt (Ns 135), .alle anderen sind mit Substantiven gebildet. Nur wenige, die sich besonders durch Anschaulichkeit und sinnliche Kraft auszeichnen, seien hervorgehoben: sternenüberscheitelt (KSp 20), sonnübersponnm (KSp 135), goldnmhancht (KSp 172), wol- kengoldumzogen (KSp 180), die friedumhalste Sommernacht (KZ 41), hie glutdurchdrängte Nacht des Romeo (KZ 68), der linden- verwachsene, vögeldurchsungene Hain (KZ 178). Hübsch ist das marktgefüllte Körbchen (KZ 182), sehr gewaltsam die Bildung: blutfestgetrockneter Sporenritz (KSp 69). Die substantivischen Zusammensetzungen sind die wichtigsten, dre am leichtesten sich einstellen. Sie vor allem hat Jakob Grrmm im Auge, wenn er die Regel .aufstellt: „Die Komposition ist alsdann schön und vorteilhaft, wenn zwei verschiedene Begriffe kühn, gleichsam in ein Bild gebracht werden, Nicht aber, .wenn ein völlig gangbarer einfacher Begriff in zwei Wörter verschleppt wird." Diese Regel dürfen wir auf Listencrons neue substantivische Zusammensetzungen dreist an- wenden, nur _ wenige von ihnen werden vor ihr zuschanden werden. Wenige sind mit dem Ohr erfaßt wie das Abendwindwehen (NS 175), das Windgewinsel (KSp 106), die Windesstarre (KZ 163), Zischellaub (KZ 113), Blattgewisper (KZ 209), Gewehrgeschnatter (Ksp 106), Säuselfummgezwitscher (KZ 40). Andere verraten Sachkenntnis: Torfahrtlicht (KSp 192), Mittelpunkt- linde (NS 39), Solofänger (Jagdhund) (KZ 208), Bärenzeiger (KZ 19) (st. Bärenführer). .Die meisten sind scharfgeschaute Gestchtseindrücke, z. B. .Abendflut der Sonne (KSp 61), Sonnenscheidewink (KSp 38), Lcuchtstriche blinkender Fenster (KZ 57), Znielggerege (KSP 119), Givselmeer (KSp 144), .Nadelschwarz 135), Zitterhand (KSp 17), Zitterweiß eines Lichtscheins auf tett Wellen (NS 75), Frühlichterwellen (KSp 168), Sommer- wellgespiel (KSp 172), Wattenmeergerinsel (KSp 106), Nebellaken Msp 170), Donnerstuhl und Blitzeplatz (KZ 214), Schön ist das Wort der Kiesemjugeiid (KSp 188), das er, wie viele andere, der Jägersprache entnimmt. ,,, £ ,36ren Ursprung haben diese Zusammensetzungen in dem Gefühl dÄ Drchters, in seinem bald kraftvoll drängenden, bald rnnigen, fein sondernden Gefühl, hem die gewöhnliche Sprache mcht genugtut. Verächtlich ist die Empfindung, die sich in der Zusammensetzung.Nordseeteich (Ksp 155) äußert, sehr behaglich die in Schreibtischruh (KSp 187). Ueberans innig ist die Bildung: Glockenbangen beim Leichenzuge Wilhelm L, zugleich ton» malend (KSp 60); feines Naturgefühl verraten: Tiescinsamkeit (KZ 61), Hellmorgen (KZ 55), Goldtag (der Zukunft) (KZ 55), Mittfommersonnenschein (KSp 27). Am meisten ist er ans seinem Gebiet im Kampf und Krieg. Hier strömen ihm die kraftvollsten und wirksamsten Bildungen zu.. Einen Hengst bezeichnet i er als Pflasterblitzer (KSp 187), das Reitergefecht als Säbel- I schnittgesaus (KSp 41), den Kürassierangriff als Stahlstrom (KSp 53), ein andermal den Angrisf als das Borwärtsfest (KSp 48), die fliehenden Feinde als Siegbesteller (KSp 122). Aus eine»: bittern Gefühl gegen Welt und Leben geht hervor: Weltklm . das Eiseswort (KZ 133), oder die Bezeichnung des Sarge als Schmerzerretter (KZ 64), des Todes als Schreckenserrette und Unrastglätter (NS 39). Hervorzuheben ist, daß Liliencron eine große Neigung zi Zusammensetzungen mit jenen Substantiven zeigt, die von Zeit- Wörtern durch die Endung »er gebildet sind und den Handelnden bezeichnen. Er wendet sie, vom Reim oder Rhythmus veranlaßt, ost da an, wo wir einen verbalen Ausdruck erwarten, z. B. „Er schwang den Hut, den seltnen Lüftekreiser" (KSp 105). „Ich fühl's, ich bin Besitzergreifer" (KZ 158), Schiss- gleich Wellenschweifer (KSp 171). — Er hat ferner eine Vorliebe für die Zusammenschweißung des adjektivischen Beiworts mit dem Hauptwort, die uns in Blauauge, Weißbuche, Rotbuche u. a. ganz geläufig. ist, heute aber nicht mehr allzu leicht geschieht: Treugesicht (KSp 27), Blondgesell (KSp 28, KZ 191), Dunkelforst (KSp 37), Sicherhafen (KSp 127), Tiefeinsamkeit (KZ 61), ..Zartlicht (KZ 158), Graugefieder (NS '22), Froh- gedränge (KZ 161), Tiefstille (NS 199), Frohblick (NS 203), Schncllwort (sonst bin ich um ein Schnellwort nicht verlegen) (NS 112). Eine hübsche Jmperativbildung ist das Angenauf, das einmal Erwachen (NS 151), das andere Mal Wachsamkeit bedeutet (KSp 90). Auch ein Präpositionalausdruck wird einmal zum Snb- siautiv: „Höchstes Glück im Leben ist ein froh Amherde" (NS 69). Die adjektivischen Neuzusammensetzungen sind nicht Fen zahlreich, ungefähr 50. .Nach der Grammatik soll das Bestimmungswort entweder eine Beziehung oder einen Grund oder einen Vergleich, enthalten. Beziehungen finden wir ausgedrückt in: kronenbreit (Buche) (Ksp 63), slügelfchwer (Krähenschwarm) (KZ 14), das radachfenheiße Gespann (KZ .25), schimngenstill schwebt der Geier ^(NS 87), freudarm (KSp 132), .schweigselig (nach .redselig) (NS 244). -— Aufmerksamkeit fordern die vergleichenden Komposita, weil sich darin die dichterische Anschauung offenbart: fischwohl (Ksp 187), steinstarr '(KSp 202), tod- stifl (KZ 14), groschengroße Tropfen (KZ 151), dvlchspitzes Säilf (KZ 219), rutenbiegsam (NS 27), ozeanfinster (NS 65), Beine: n» blaß ,(NS 147). Die Zusammensetzungen, deren erstes Wirt das zweite begründet, vertiefen Gedanken und Empfindung: tränenschwerer Sarg (KSp GO), schattensatte Marmorhallen (KSp 136), überraschungsfroh (KZ 108), regenblanke Felder (KZ 153 , die winterstumme Heide (KZ 15). Eine ganze Anzahl Zusammensetzungen passen aber «ich ‘ unter die obige Einteilung in beziehentliM, vergleichende, bo gründende, sie geben entweder eine enge Mischung van Eigew schasten an, wie braungolden (KSp 94), der srechhübsche Knabe (Ksp 102), die rohfrische Natur (KSp.103), hie jungwilde Un- gezähmtheit (KZ 21), die dunkelschwere Nacht (NS 149), das engwarme Nest (NS 155), mein altliebes Nst (NS 225), Ker sie enthalten schlechthin einen beschreibenden Zusatz, gleichviel welcher Wortart: sichelreifes Korn (KSp 27), trostivehmütig (KSp 96), punktfest aufs Ziel halten (KZ .54), berstvolle Taschen! (KZ 85), .reichbreite Treppen (KZ 171), der dünndämmerige Morgenhimmel (NS 73), der letztklare Abendhimmel (Anschauung! NS 170); niedlich ist das lockenlustige Mädel (NS 208). Adverbien setzt L. mit großer Kühnheit, wenn auch nicht häufig, zusammen: stiruhoch durch Busch und Heiden (erstarrter Akkusativ) (KSp.59), Hektor links, Hektor rechts (KSp 94), weg- ancr (KZ 44), vgl. mähueuquer bei Falke (Mynheer d. Tod 3); flußüberher singt eine Nachtigall (NS 100), mit Augen wolken- auf (NS 110). Wir wenden uns der Bildung neuer Wörter zu, die man nicht als Zusammensetzungen bezeichnen kann, bei denen nicht ein allgemeiner Begriff durch einen Zusatzbegriss näher bestimmt wird. Herder führt bekanntlich den Ursprung der Sprache auf die Lautmalerei zurück. Hiernach müßte L. zur Wortschafftmg große Begabung zeigen. Denn das prachtvolle Gedicht „Die Musik kommt", das wohl fein bekanntestes ist, .zeigt ihn als einen Meister der Lautmalerei, Das Klingling bumbnm und tschingdada, flinglingtschingtsching und Paukenkrach, Brumbrum das große.Bombardon mit dem endlichen Verhallen ist unübertrefflich. Einige seiner Neuwörter sind in der Tat so entstanden, z. B. die Grete wippwappt daher (KZ 134) und „die Sense sirrt") (Ns 38). Indes erstens ist die Herdersche Ansicht nur in sehr beschränktem Maße richtig, zum andern sind wir aus den Zeiten der Wurzelbildungen heraus und auf Ableitungen und Aehnlich- keitsbildungen aus dem vorhandenen Sprachgut angewiesen, auf welche I. Grimm zum Ersatz von Fremdwörterten so großes Gewicht legt. Derart sind auch Lilienerons Wortschöpfungen. Er sagt Wehtum (verlassen fm Wehtume) (KSp 5), offenbar, weil es länger und eindringlicher ist, als das kurze Weh. Gute kräftige Bildungen sind Ziviestand für zwiespältiger Zustand: Nicht länger trag ich diesen Ziviestand (NS 34) und Znhling (von zäh), womit er (Kriegsnovellen 180) die treu aushaltenden Marketender bezeichnet. Glasier ist mit Glitzer rusammengestellp -- 444 — aus Glast (NS 38). Die Leckernis steht einmal für Leckerei (NS 110'. Der Ueberstrom wird gesagt von: überlaufenden Wasser (NS 221h die Ueberbürde für allzu große Bürde (NS 25), siehe überbürden. Die Laufbahn beim Rennen heißt bei ihm das Geläuf (RS 233). Von den gebildeten Adjektiven sind einige nur leise Veränderungen von vorhandenen: zaubersanr für zauberisch, Zauberhaft (KSp 68), undiensam für undienlich, unbrauchbar (KSp 111). »Schauderhaft ist die Wendung: ließ (den gefundenen Ring) wieder des Himmels anblicklich werden (KZ 87', das riecht nach alten Akten. Erträglicher .ist die gelispellose Flut (KSp 174), dem zur Seite steht scheulose Krähen (KZ 180), eine feine Ergänzung zu dreist. Hübsch ist das kurze unregbar für unbeweglich, regungslos (KZ 61, 78). Am kühnsten ist wohl die Bildung wirken für gewirkt, das „wirkenc Hemd" (KSp 87). Am häufigsten find neugebildete Zeitwörter, fünfzehn an Zahl, wobei Kraft und Kühnheit zu bewundern bleiben, wenn auch manche nicht mit Gliick gebildet sind. L. nimmt meist ein Substantiv her, von dem er ohne Zagen ein Zeitwort bildet. Mühsal: .wo mühsalt das Streben? (KSp 89). — Leibweb: an Gift verleibweht ein süßes Klärchen (KSp 89). — Baß: O Isis, haßt der Rat (KSp 129) (vgl. Trompete trompeten). — Zorn: der Süd zornt die Welt an (KZ 116) (vgl. Kriegsnov. 69, Rauch und Flammen zornten zum Himmel auf.'. — Zipfel: der Saum zipfelt hinter dem Baume (KZ 130). — Tiger: tigern, Tatze: tatzen, Tigert er auf dich hinaus, Tatz ihn, wie die Katz die Maus (KZ 130). —■ Würde: er würdet storchartig dem Kruge zu (NS 36). — Stein: Verachtung steint und Menschenhaß ihni Antlitz und Gebärde (NS 147). — Ufer: es slügelt mir ums Haupt (NS 38). Seltener hat Lilien- crou Zeitwörter von Adjektiven gebildet. So von stumm: die Sommernacht stummt überall (NS 86) und von öde: die Heide ödet so leer und dumpf (sonst nur transitiv) (KSp 53). Manche unter den letzten Bildungen, wie verleibweht, tigern und tatzen sind sicherlich nicht ernst zu nehmen, sie sind aber auch .nicht ernst gemeint. Sie sind ein Spiel der Laune und können nur die ärgern, die .kernen Humor haben. Derartige Sachen finden sich bei L. in Menge, die sprachlich nicht musterhaft, aber urrgeheuer spaßhaft sind. So nennt er Hamburg den edlen Beefsteakhort (KSp 114), schilt auf den greulichen Strophenkohl mancher Dichter (KSp 116), hält ein munteres Geplauder durch Zigarrendampfverfchwimnrung (KSp 116), das aber fern von jeder höheren Gesprächserklimmung bleibt (ebenda). Die Philister nennt er edle Wackernasen (KZ 21) und Gewohnheitsünken- feelen (NS 166). Amor ist ihm der Herzensintrabbringer (KZ 167); er sieht mit seinem Liebchen die schornsteinrauchfriedliche Landschaft im Sechsrchrnachmittagssonnenscheine (KZ 168/9), er freut sich an ihrem Sofortbeiderhandsein und Fchgehmitdirdurch- l dickuuddünn (KZ 172); gegen einen eitlen Nebenbuhler schleudert 5 er das Beiwort siegesfett (KZ 182). .Bei der Kirmeß erfreut ihn ! der Spundlochkeilklang (NS 56) usw. Wir dürfen indes diese.Betrachtung der Sprache Liliencrons nicht schließen, .ohne zu erwähnen, daß er ein überzeugter Anhänger der Sprachläuterung ist, welche der deutsche Sprachverein vertritt. In seinen Kriegsnovellen fallen mehrfach die Verdeutfch- ungcit angenehm auf, und in einer Anerkennung zu Seite 201 Spricht er ausdrücklich seine Ansicht hierüber aus. Er hat da »en Ausdruck grandioser Anblick gebraucht und entschuldigt sich deswegen in der Anmerkung: „Ich muß das Fremdwort hier zu meinem Bedauern behalten, großartig deckt den Begriff nicht ganz." Im 2. Bande seiner Gedichte sagt er aus Bosheit Konditorei, obwohl, .wie er hinzufügt, Zuckerbäckerei besser klänge (KZ 136). .Es finden sich sogar mehrere Wörter, die brauchbare oder wenigstens beachtenswerte V.rdentschungen von Fremdwörtern darstellen. So sagt er statt Appetitlosigkeit: Hungermangel (KSp .109). .— Die causerie kennzeichnet er gegenüber dem gutmütigen Geplauder als bas bissige Flachgespräch (KSp 124). — Asyl: Sicherhafen (KSp 127). —Bufett: Schenken- Kand (in Wirtshäusern richtig) (KSP 131). —Monocle: Einglas (KSp 213). — Station: Rastort (schöner als Haltestelle) (KZ 40), .auch Haltepunkt (KZ 166). —• Amoretten: Minnegöttchen (NS 188). ,— Sphärenharmonie: Weltmusik (NS 193). — Ideal: Hochgedanke, nur zum Teil passend (KSp 183). Wenn wir die sprachliche Leistung Detlev von Lilienrcons überblicken, soweit sie sich in seiner Lyrik offenbart, so dürfen Wik sagen, sie ist von hohem Wert. Manches, was er geprägt Hat, ist echtes Gold, fast alles ist kraftvoll und bedeuteno. In diesem Recken aus altem Normannenstamme chat die deutsche Sprache in den letzten Jahrzehnten des verflossenen Jahrhunderts vielleicht tim kräftigsten gelebt. Literatur und Spickgans. In Greifswald gibt es zurzeit eine Reuter-Ausstellung, am S- Juli war der 30. Gedenktag des Todes unseres unvergeßlichen Volksdichters: sollte da nicht eine kleine Reutererinnerung zeit- cemäß sein, besonders wenn sie sich mit einem unbekann- ett 39riefe Fritz Reuters 'schmücken kann? Es handelt sich freilich um kein neu aufgefundenes Meister- iverk, aber um eine Tatsache, .die bisher von der Reuter-Forsch- ung noch nicht genügend gewürdigt worden ist: um Reuters Vorliebe für geräucherte Gänsebrust. Wem dieser Leckerbissen nicht literarisch genug erscheint, der warte ab, bevor er die Nase rümpft; unser Reuter erhält zum Schluß der Anekdote einen Eideshelfer, gegen den selbst er ein Waisenknabe ist, und dessen Name noch ganz andere Dinge literaturfähig gemacht hat. Erst bleiben wir aber bei Reuter; und nach guter Philologensitte bringen wir zunächst ein paar Zitate bei, die beweisen, daß es so ist, wie es ist, .und daß wir „unsere Lex" gut gelernt haben. Ein paar Stellen in Reuters Werken weisen deutlich auf das Faktum der Spickgansverehrung hin. Ich erinnere an das kleine Lauschen „Umkihrt" (II, .32), wo „bei erste Spickgans, bei ut den Rok Heruler kamen beiht", burch „Lutschen" allmählich in nichts zergeht. Und in ber „Urgeschicht von Meckelnborg" kommt die Delikatesse noch zu größerer Ehre: sie paradiert am 7. November auf Fritz Reuters Geburtstagstisch Beim dritten Glas fiel Lowising ihrem Mann um den Hals und rief: „Fritz, ick wull Di be Freud' erst .hüt Wend maken, aewer.ick weit nid), int is so vergnäugt tau Sinn. . ." un bormit lev sei ut be Dör herut, kämm mit an verrökert Paket herin, läd bat vör mi up eit Teller: „Mak't sülwen up! — De irste Spickgans!" — Es schließt sich daran ein poetischer Vergleich zwischen dem ersten Veilchen und der ersten Spickgans: „Wenn sick „das erste Veilchen" ok vel finer anhürt, so smeckt de irste Spickgans doch beter." Es bedarf .nun eigentlich keines weiteren Beweises. Aber wir haben noch einen solchen bei ber Hand: in Gestalt bes erwähnten unveröffentlichten Briefes Yon Reuter. Lebte da in Neubrandenburg, wo des Dichters schönste Werke entstauben sind, ein alter Bekannter namens Kapheim. Und mit ihm entspann sich ein lustiger Austausch: Reuter widmete ihm seine köstlichen Werke, und als Gegenleistung erhielt er in Eisenach eine nicht minder köstlich« Spickgans. Wenigstens zu Weihnachten 1863. Fritz Reuter ließ dann .folgendes Dankschreiben vom Stapel: „Prosit Neujahr! Aber mein lieber, alter, langjähriger Freund, was machen Sie für „Stückschens"? Aus einem. fjingetoorfenen Scherz machen Sie gleich bitteren Ernst? Doch nein! So bitter war dieser Ernst nicht, dazu schmeckt er zu gut. — Ein Holsteiner, ber Schriftsteller Lubwig Walesrobe unb ein Mecklenburger, unser alter Ludwig Reinhard, haben ben Vogel mit verzehren helfen, . Und als wir so saßen Und aßen, Da hti'n wir den Geber hochlebeu lassen In gutem Wein, Und die Frau unb bas frennbliche Töchterlein, Die schlossen wir in das Hoch mit ein; Die Spickgans kam zur guten Stund' Und sie bekam uns auch gesund; Der: Einfall war ein sehr gescheuter — Mit vielem Dank, .Ihr Freund Fritz Reuter." Eisenach, den 6. Januar 1864. Das „freundliche Töchterlein" ist die noch lebende Gattin des Kaufmanns Theodor Laak in Neubrandenburg, unb von bort hab’ ich den Brief durch freundliche Vermittelung des Reuter- Rezitators' Ludwig Sternberg erhalten. Uebrigens (und nun kommen wir in die Literaturgeschichte!) gelten die Spickgänse auch int Reiche der Klassiker als Suvas Erlesenes und Ansprechendes. .Und die Vorliebe für sie teilt mit unserem Humoristen kein Geringerer als Goethe. In der jüngsten Schrift der Goethe-Gesellschaft (8. Band, 1904) finden wir eine Epistel des.Dichterfürsten an Marianne v. Eybenberg, die allo anhebt: „Soeben schließen wir einen Brief an die gute Schwester nach Berlin, in welchem. . . von den schönsten Leckerbissen die Rede ist, von Kaviar, Dorschen, Sandern, Schell- fischeu, besonders aber Spickgänsen, .welche uns aus einer grauen, Pommerscheit Ferne gar freundlich entgegenleuchten." Kann matt sich da über Reuter wundern, dem die Spickgänse noch obendrein als Grüße ans der mecklenburgischen Heimat doppelt lieb erscheinen mochten? Zahlenrätsel. (Nachdruck verboten.) 123466 2 6 3 2 3 2 4 1 4 6 3 5 5 15 6 6 2 3 2 Altbiblifcher Name. Weiblicher Vorname. Vielverfolgtes kleines Tier. Baum. Haustier. Amerikanisches Tier. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Tauschräisels in vor. Nr.. Zange, Gold, Born, Wein, Feder, Messe, Eier, Wc.ud, Feder, Teer, Roie, Reh, Rum, Welle, Angel, Zinn, Schiss, 9)laße, Bei«, Egel Zornes Ende — Reue Anfang. Redaktion: Anglist ® ob. — Rotationsdruck und Verlaa der Brübl'schcn Universitäts-Dnch- und Stcindruckerei. R. Lange, Gießen,