Areitag den 29. April. 1904. — Wr. 63. M' .^Horold war inzwischen in raschester Gangart den Weg durch den Garten gefahren. Wie ein Rlik sauste s„r S°nte Traber dahin. Ler ibn AöK L Eelbar vor dem Gittertor zur Seite reihen muhte, um (Nachdruck verboten.) Im Halali der ZLajai). Roman von B. M. Croker. Genehmigte Uebertragung von A. Vischer. OT., _ „ (Fortsetzung.) r„. Arrars muß schon Ende nächster Woche im Palast uud ich bttt überzeugt, daß Sie ihr eine kurze Ferien- wMaeu e^no^^s^E,- Nicht wahr. Frau Rosario. Sie Stimme. ? ^">^Ehelud. ja verführerisch klang seine mpm'nL»6jammerte sie. ..und wir werden sie Niemals Wiedersehen - . . nie, nie mehr." ia (a"öe "1$* schlimm, als wenn sie nach Eng- land ginge, nur nach Rayapetta", sprach er beruhigend auf weiß. Sie freuen sich über Ihr Glück." Rani Sund ar am ist eine schreckliche Frau" ?,^sahr es ^ocasta. „Die Leute, die erst einmal im Palast sind, kommen nicht mehr lebend heraus." Du boshaftes Mädchen, willst Du wohl Mch bZrafem^ 9l°fario- "schäme Dich, ich werde ^^"^/lleicht hat das junge Fräulein die Geschichte von Jack, dem Menschenfresser, gelesen", warf Mr. Thorold gut- mutig em, „und verwechselt nur die Personen Mrs £aerBS' aIfo morgen um fünf Uhr kommen und & Ä ro*»«“ ÄW SÄ'« „^dj hoffte Pamela recht lange zu behalten, und nun haben t,ttanä Sk f‘Ä sss mann wollte ihm die Hand drücken, Frau Rosario rum I Mindesten dreimal, endlich gelang es ihm doch sich los- I Freie zu gelangen. 9 '' l°3 Als Eulalie ihn dann auf den Wagen steigen und die und ilüsterip. a.”! 1 Ar ine um IN einen Hals I hÄate Tages werden Sie Mr. Thorold yerraten. O was wird das ein schönes Paar sein'" I Nicht"dä?a"n ’st^ersprach ich unwillig. „Mr. Thorold denkt äwÄI“ Graten; er ist kein Damenfreund." fetn; daß er sich aus den meisten nichts macht I W-^^mlomehr aus einer. Sie sind die Dame seines ^Aens Jch weiß es gewiß, ganz gewiß! Nicht wahr Sie I Idea unck) zur Hochzeit ein? . . . Um Gottes willen! Sehen I | ^u Zusammenstoß mit einem anderen Gefährt, worin 3” ier SC"‘- e8 b-in°h° ,nm P^eni Pferd einen scharfen Peitschenhieb versetzend, I sam Bungalow herangejagt, wo er die I 6anze Gesellschaft auf der Veranda versammelt fand. I n car das? fragte er, noch öhe er abstieq. Wer war dieser vornehme Besuch, der mich fast über den Lauf^ gerannt hätte? Sein Gesicht kam mir' bekannt vor/^ ^ I Jocasta-E^ Sekunden rascher als die anderen, antwortete hnrr"® V ^n Bekannter Pamelas, der ihr eine wunder- j n?ike Stelle verschafft hat. Sie wird Erzieherin bei dem nickst ^arostartia?" ^"sesstnnen von Royapetta. Ist das 11MP? Hielt es nicht für notwendig, Ibrahims Bemerk. I anzuhören und ferne Glückvünsche entgegenzu- nehmen — die mir übrigens durch Gwendoline nachher tuTri,m s°“c “»b°ch w su I '""Hie ich Jacosta in die Geheimnisse des I § "Ä"iis einweihen, ihr zeigen, wo die Vorräte aufae- ^en^Vlaü^mo^^^^""8^-^^^" aufschreiben. Nur I ,ivo der Zucker und die eingemachten Melonen i aufbewahrt wurden, hielt ich vor ihr verborgen' ebenso rwt ich Frau Rosario, Jocasta keinen'Einblickinb’ie A inn8h!rBU^r?Cr Kostgänger zu gestatten, da "onst sch?» ui der nächsten Stunde die Geheimnisse des Hauses im Bazar ausgerufen würden. Danii mußte ich nach meiner ^d die traurigen lleberre te eürer estrst hübschen Ausstattung einpacken. Schwer beladen kamen i dm Machen zu mir herein, um die von mir entlehnten ""d Kleidungsstücke zurückzuerstatten; allein ich bat sie, die Sachen als Andenken aii mich zu behalten. Sie jormlich^ sprachlos vor Rührung, Erstaunen und Dankbarkeit. Allein so sehr ich sie auch tatsäcülicki lieb- gewonnen hatte, so konnte ich mich doch nicht entschließen ?Us Sachen wieder anzuziehen, die sie seit Wochen getragen *7*X-Vk-vTVe Ueber den Abschied am andern Tag sei mir gestattet Schleier zu ziehen. Ich will nur erwähnen, daß ,^ sU N "sarios Thronen so reichlich flössen und ihre Küsse toa^.e5' baß rch mir in all der Feuchtigkeit wohl Alan imh”Zuziehen können; auch kehrten Fitz Alan und Monzo früher aus ihrem Geschäft zurück nur Em mV?? f«6=n zu »„S PüuMZ ™ ^uhr dann Frau Dalrymple in einem hübschen & “nb be8rn8‘c »« «uf» s^, haben Sie schon Abschied genommem Alle Augen sind rot vom Weinen. dluch die meinigen waren feucht, als ich meinen Platz 250 »eben ihr einnäym uttü den Zurückbleibenden, die alle m- einer Reihe auf der Veranda standen, zuwinkte. Selbst jen Koch, den Wäschemann und die Chinna Ajah sah ich m dem Nebenhause stehen, als ich zum letztenmal aus rem Rosarioschen Bungalow hinausfuhr. 14. Major Dalrymples Wohnung lag im Fort mit der Aussicht aus die See. Es war ein seltsames, uraltes, kühles und luftiges Gebäude mit bombenfesten Mauern und steinernen Treppen und Gängen, jedoch mit einem Geschmack und einer Eleganz eingerichtet, wie man es eher in einer modernen Stadtwohnung vermutet hätte, als in dem kurzdauernden Heim einer Dame, die das veränderungsreiche Los eines Linienregiments teilt. Die ganze Einrichtung war neu und hübsch, und so viele Insassen diese altertümlichen Räume während der letzten zwei Jahrhunderte auch gehabt hatten, so waren sie sicherlich niemals so geschmackvoll ausgestattet gewesen als jetzt. Für mich war der plötzliche Uebergang von der Crun- dallstraße zum Sankt Georgssort säst wie die Versetzung aus einen anderen Planeten. Hier herrschte militärisch lebhaftes Treiben, Tätigkeit, Ordnung, Pünktlichkeit — Horn- signale ertönten, Soldaten exerzierten, Musikkapellen spielten. Säbelrasselnd und sporenklirrend eilte Major Dalrymple die Gänge auf und ab; Ordonnanzen, Telegraphenboten und Diener kamen und gingen. Dort in der Crundallstraße dagegen herrschten Müßiggang, Erschlaffung, Vergnügungssucht unb — Staub. Und welcher Unterschied zwischen der mich bedienenden reizenden, in schneeweiße, goldumsäumte Gewänder gehüllten Ajah mit dem kurzärmeligen seidenen Jäckchen, den goldenen Ohrringen und goldener Halskette, und Frau Rosarios schmutziger Chinna Ajah! Die zehn Tage, die ich bei Mrs. Dalrymple verbrachte, vergingen mir wie im Fluge. Noch nie in meinem ganzen Leben hatte ich nfich so von Grund aus heiter und glücklich gefühlt. Gleich vom ersten Augenblick an faßte ich eine herzlicke Zuneigung zu meiner heiteren, lebhaften, verständigen Gastgeberin, mit der zu plaudern mir einen hohen Genuß gewährte. Schon ihr Anblick in ihren frischen weißen Kleidern, mit dem hochaufgesteckten braunen Haar war eine Freude. Sie bezauberte durch ihre liebenswürdigen Eigen- schasten ihre ganze Umgebung; alle ihre Bekannten, die Eingeborenen, wer immer in ihre Nähe kam, bis herab zu den Hunden, sie alle erlagen dem Reize ihrer Persönlichkeit. Mrs. Dalrymple war aber auch praktisch veranlagt. Mit liebenswürdigem Eifer half sie mir meine sauer erworbenen Rupien in hübschen indischen Seidenstoffen und weißem Musselin und Stickereien anlegen. Sie ließ sechs im Kleidermachen erfahrene Männer kommen, die unter Leitung ihres eigenen Schneiders, eines bärtigen, turbangeschmückten alten Indiers, Tage lang auf dem Boden hockten und mir meine Neider nach Mrs. Dalrymples Modellen anfertigten. Auch zu Gartenfesten, Tennispar- tieen und Konzerten mußte ich sie begletten. Einmal kam Mr. Thorold zu uns ins Fort und blieb zwei Tage, wahrend deren wir beide die bisher zwischen uns übliche geschäftlich-ernste Haltung ausgaben und einen leichten Gesellschaftston anschlugen. Wir plauderten, scherzten und lachten miteinander, stritten und versöhnten uns wieder. Zwei kleinere Essen wurden ihm zu Ehren gegeben, und eines Abends machten wir in seiner Begleitung eine wundervolle Fahrt am brausenden Meeresgestade entlang. Ganz ohne geschäftliche Unterredungen ging es dabei nicht ab. Verschiedene mit meiner neuen Stellung verknüpfte Förmlichkeiten waren zu erledigen. Ich mußte eine durch den Draht von England verschaffte Beglaubigung meiner Person unterschreiben, die in München erhaltenen Diplome vorlegen und eine Photographie einschicken. Ich verpflichtete mich aus zwei Jahre, wenn auch mit der Einschränkung, daß mir int Krankheitsfalle ein früherer Austritt bewilligt werden sollte. Nachdem dies alles erledigt war, fuhr Mr. Thorold nach Rayopetta, um dort das Nötige zu meinem Empfang vorzubereiten. Ich mtnß indes gestehen, daß ich mich gar nicht danach sehnte, meine neue Stellung anzutreten, denn das Leb'en in meiner jetzigen Umgebung gefiel mir gar zu gut Wie schön war das bischen Faulenzen! Aucü das für mich so neue, bunte militärische Treiben hatte einen großen Reiz für mich, und mit Mr. Dalrymple, einem schlanken, dunklen Mann mit lustigen Augen und frischem Wesen, der in seine Frau überaus verliebt war, stand ich bald auf freundschaftlichem Fuße. Als wir eines Abends von einer Spazierfahrt zurückkehrten, erzählte Mrs. Dalrymple mir von ihrer ersten Begegnung mit ihm. Es war bei einem Cricketwettspiel der jungen Offiziere. „Da kam der nette, hübsche Mann zu mir und blieb den ganzen Nachnnttag mit verschobene.- Krawatte mir zu Füßen sitzen, sodaß natürlich jedermann sofort behauptete, ich hätte ihm den Kopf verdreht. Zehn Tage später hielt er um meine Hand an." „Das nennt man kurzen Prozeß machen!" ries ich. „Ja, ja, wir besannen uns nicht lange. Meiner Ansicht auch sollte das Sprichwort heißen: Schnell gefreit, hat noch keinen gereut." „So glauben Sie Wohl auch an eine Liebe auf den ersten Blick?" ,D ja, gewiß. Sie natürlich nicht; Sie sind Viel zu sittsam und gesetzt zu einer solchen Tollheit." ,Z'ch habe aber doch auch schon manche Tollheit begangen." „Allerdings, und sich dadurch in die Klemme gebracht. Wenn ich damals mit meinem Rat in Ihrer Nähe gewesen wäre, hätten die Dinge einen besseren Verlauf genommen. So würde ich Sie zum Beispiel ohne weiteres mit Lady Elisabeth 'wach England geschickt haben. Die alte Dame hätte Sie sicherlich lieb gewonnen und zu ihrer Erbin eingesetzt." „Ich will aber niemandes Erbin sein." „Das sieht Ihnen wieder so recht ähnlich. Memand wollen Sie sich verpflichtet fühlen. Sie zogen es vor, in Blacktown Sklavendienste zu verrichten, und wer hatte den Vorteil davon?" „Frau Rosario", antwortete ich lachend. Jetzt konnte ich ja Wohl über das Vergangene scherzen! „Uebrrgens versichere ich Ihnen, daß es recht angenehm ist, eine reiche Erbin zu sein. Sie dürfen nicht so verächtlich über diese armen Geschöpfe urteilen; denn ich bin selbst eine . Das war übrigens nicht die einzige Gelegenheit, die sich Ihnen bot, nach England zurückzukommen!" fügte sie bÄeutnngsvoll hinzu. „Max erzählt mir nämlich alles. Er und Arthur stehen sich so nah wie Brüder, und somit bin ich seine Schwester. Er ist ein offener und zuverlässiger Charakter, der das Leben bei allem jugendlichen Frohsinn stets ernst genommen hat. Unserem Geschlecht ist er von jeher aus dem Wege gegangen, und deshalb erscheint es mir etwas hart, daß man einen ganzen Palast voll Weiber seiner Obhut unterstellt hat. Er ist Pate von unserem Jungen." Ich fühlte, wie mir das Blut in die Wangen stieg. Ob Max Thorold ihr wirklich alles gesagt hatte? Ob er in jener peinlichen Angelegenheit wohl selbst alles wußte? „Anfangs dachte ich, Sie hätten doch lieber nach England zurückkehren sollen, nun aber glaube auch ich, daß Ihr Hierbleiben das Richtige war. *' „Warum? Was wollen Sie damit sagen?" Sie zögerte einen Augenblick, dann antwortete sie in etwas gezwungenem Tone: „Ich kann das nicht so recht erklären, allein ich bin nun auch überzeugt, daß Sie sich hier glücklich fühlen werden. Ihr Leben wird freilich etwas einförmig und die Umgebung ungewohnt sein, auch können Sie sich nicht frei machen, wenn Sie es wünschen." „Allerdings, aber dafür werde ich ja auch gut bezahlt." „Hu! Sind Sie so sehr aufs Geld aus?' fragte sie lachend. „Als mich nur noch sechzig Rupien vom Hungertode trennten, da lernte ich allerdings den Wert des Geldes schätzen, aber mein Herz hängt nicht daran." „Auch das meinige nicht, obwohl das Geld mir die Wege im Leben geebnet hat. Mein alter Großvater, der liebte es vielleicht allzu sehr, und ich genieße nun die Früchte. Es kommt selten ein Europäer dorthin, höchstens ein Arzt oder Ingenieur und hin und wieder ein Regierungsbeamter." „Ich werde zu sehr beschäftigt sein, um mich einsam zu fühlen." „Das mag wohl sein, und manchmal werden Sie ja auch Max. . ." 251 Gerade fuhren wir unter lautem Gerassel Wer die Zugbrücke und durch den Tunnel ins Fort ein, und so ging der Schluß ihres Satzes für mich verloren. Ehe ich Madras verließ, traf ich Frau Rosario einmal im Bazar. Voll Verzweiflung erzählte sie mir, daß Zo- casta sich als durchaus unbrauchbar erwiesen habe. Sie stehle und nasche und Hetze die Dienstboten aus einander, das Essen sei nie zur Zeit fertig und entsetzlich schlecht. Neulich sei abends nicht einmal Oel in der Lampe gewesen und am Morgen kein Zucker im Haus. Tränen standen der guten Frau in den Augen, als sie mir diese Ungeheuerlichkeiten erzählte. Unter diesen Umständen konnte es mich allerdings nicht wundern, daß Friedrich Augustus vor Zorn wüte, und daß er, sowie die van Lede gekündigt hätten und nun alle miteinander in ein benachbartes Kosthaus übersiedeln wollten. Welche Demütigung für die arme Frau Rosario! „Was soll ich da machen?" rief sie fast weinend. „Suchen Sie Jocasta sobald als möglich loszuwerden und nehmen Sie selbst die Zügel in die Hano", lautete der zweifelhafte Trost, womit ich mich von ihr trennen mußte. * Endlich schlug die Stunde meiner Abbeise. Eines Morgens vor Tagesanbruch verließ ich Madras, um nach dem siebzig Meilen entfernten Royapetta zu reisen. Die Fahrt ging äußerst langsam von statten; nur zwölf Meilen wurden in der Stunde zurückgelegt. Kein Wunder, daß mir die Zeit langsam vorkam, während wir gemächlich zwischen den endlosen Kaktushecken und smaragdgrünen Reisfeldern hindampsten. Auch die Pagodentenrp-el und riesigen steinernen Götzenbilder vermochten mein Interesse nicht mehr zu wecken. Es war zwölf Uhr, als ich auf der im Reiche Seiner Hoheit des Radschah von Royapetta gelegenen Eisenbahnstation anlangte. Meine Ankunft 'war dem indischen Stationsvorstand offenbar mitgeteilt worden, denn er empfing mich mit unterwürfiger Ehrerbietung, während ein stattlicher Diener in gelb und schwarzer Dienstkleidung mir das Handgepäck abn-ahm. Vor dem Stationsgebäude wartete ein wappengeschmückter, mit zwei Rassepferden bespannter europäischer Landauer mit feinen gelben Lederpolstern und vergoldetem Beschlag, zu dem freilich das abgenützte, mit Stricken zusammengeflickte Pferdegeschirr und das nach indischer Sitte hinten aufgebündene Heubündel nur schlecht paßte. *■ Bald lag die Station hinter uns. IN eine weiße Staubwolke eingehüllt, fuhren wir in halsbrecherischem Lause einer entfernten Hügelkette zu. Fuhrwerke, Fußgänger und Lasttiere aller Art eilten uns hastig aus dem Wege, und ich fragte mich mit einer gewissen Besorgnis, was wohl aus mir werden würde stvenn das geflickte Geschirr plötzlich risse. Die Gegend schien reich und fruchtbar zu sein. Ueppige Baumwoll- und Reisfelder begrenzten die Straße, und auch an Götzentempeln war kein Mangel *— ich befand mich ja jetzt in einem Hindustaate. Nach mehr als einstündigem tollem Dahinjagen erreichten wir Royapetta. Es war eine große, weit ausgedehnte Stadt mit unzähligen Tempeln, engen, durch Fuhrwerke und „heilige" Kühe oft versperrten Straßen und lebhaften Bazaren. Halbversumpfte Cisternen lagen an der Straße. Die Häuser hatten flache Dächer und waren von hohen, von Palmen und Bananen überragten Mauern üm- geben. Endlich kamen wir an eine besonders hohe Mauer, bogen dann in einen großen Torweg ein, wo zwei Schildwachen vor uns salutierten, und im nächsten Augenblick rasselten wir durch den Schloßhos. Ich nahm wenigstens an, daß das vor uns liegende Gebäude der Palast sein müsse, obwohl es höchstens wegen seines ungeheuren Umfanges auf diese Bezeichnung Anspruch machen konnte. Hoch oben in der Mauer befanden fich Reihen von vergitterten Fenstern, an den Ecken waren Balkone, Türmchen und Minarets angebracht, und hier und da erhob sich am Ende eines flachen Daches eine Art Pavillon. Bor einer der Einfahrt gegenüberliegenden Türe wurde mir bedeutet, auszusteigen, der Wägen mit den schaumbedeckten Pferden entfernte sich, und da stand ich nun mit meinem prächtigen Diener allein und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Welche Stille nach dem Wagengerassel und dem lärmenden Stadtgetriebe! Man hätte sich eher in der Umgebung eines Klosters oder auf einem Friedhöfe wähnen können, als vor einem Hmbupalast mit Hunderten von Bewohnern. (Fortsetzung folgt.) Kugerr Wolfs Bismarck Krirmerungelr- Jn der Aprilnummer von „Velhagen und Klasings Monatsheften" wird die Veröffentlichung der Tagebuchblätter von Eugen Wolf, in denen vom Fürsten Bismarck und seinem Hause erzählt wird, zu Ende geführt. Wir greisen aus den interessanten Aufzeichnungen, die aus dem Jahre 1893 bis 1898 datiert sind, noch einige besonders bemerkenswerte Mitteilungen heraus. Als Wolf zum 19. März 1894 zu einem Frühstück nach Friedrichsruh geladen war, kam das Gespräch aus Bismarcks Besuch in Berlin, auf den Empfang bei bent Kaiser, auf die Prinzen, auf das Men im Schloß und auf den Grwiderungsbesuch des Kaisers in Friedrichsruh. „Es sind alles Dinge, die man der Oefsentlichkeit ruhig mitteilen kann", bemerkte die Fürstin, „Politik ist überhaupt nicht berührt worden." „Die Masche Wein", warf der Fürst ein, „war 62er Steinberger Kabinett. Der Kaiser hatte mir sagen lassen, ich möchte jeden Tag ein Likörgläschen davon trinken, aber er kennt mein Maß nicht. Wenn ich einmal ansetze, dann trinke ich aus. Ich Habe die Flasche nicht mit dem Kaiser, sondern en Petit comitä (im Keinen Kreise) ausgetrunken. In Berlin ist mir der Weg Trepp auf, Trepp ab und im Fahrstuhl bis zur Kaiserin lang geworden: die beiden Prinzen stellten sich mir in Uniform vor; ich wurde in ein einfenstriges Zimmer geführt, hinter mir ging alsbald die Tür auf, und nun kam der Kaiser in liebenswürdigster Forin auf mich zu und ernannte mich zum Regimentsinhaber. Tas meiste, was die Zeitungen über meinen Aufenthalt im Schloß gebracht, war unrichtig," Im weiteren Verlauf der Unterhaltung kam man auf Champagner zu sprechen. Aus Wolfs Bemerkung, daß die deutsche Champagnerindustrie große Fortschritte mache, wie er sich krüzlich in Schaumweinkellern am Rhein zu überzeugen Gelegenheit gehabt habe, ^erwiderte der Fürst: „Deutscher Chainpagner bekommt mir nicht. Da ist mir in Berlin folgendes passiert: Beim jetzigen Kaiser«,wurde einmal bei Tisch deutscher Champagner eingeschenkt, ich konnte das Etikett nicht sehen, weil die Flasche mit einer Serviette umwickelt war, aber ich schmeckte es sogleich und stellte das Glas vor mich hin, worauf der Käiser mich ftug, weshalb ich nicht trinke. Auf meine Antwort, daß ich deutschen Champagner nicht vertrage, sagte der Kaiser: „Erstens trinke Ich ihn aus Sparsamkeitsrückfichten, denn ich habe eine große Familie zu ernähren, auch will ich meinen Offizieren ein gutes Beispiel geben; zweitens tue ich es aus patriotischen Gründen", worauf ich entgegnete: „Majestät, der Patriotismus geht bei mir nur bis an den Magen." Bei einen: anderen Gespräch Wer Weine erzählte Bismarck folgende hübsche Anekdote: „Früher, als der Mein noch billig war, konnten die Menschen viel mehr trinken und vertragen. Ich erinnere mich der Geschichte zweier Rheinländer; sie kamen beim Frühschoppen^sammen, da fagte der eine nach dem ersten Mas: „De Mngg ist jut." Gegen Dämmerung standen sie aus und heim letzten Glas erwiderte der andere: „litt bekömmlich is he ooch." Während einer Unterhaltung im Jahre 1896 gedachte Bismarck seiner Verdienste um die Billenkolonie Grünewald bei Berlin: „Wenn mir die Berliner ein Denkmal setzen wollen, so wünsche ich es mir nur dahin. Bon der Politik und der Geschichte als meinem eigensten Werk will ich nicht reden. Da waren andere Einflüsse int Spiel. Aber eines kann ich für mich in Anspruch nehmen, daß ich den Berlinern Lust verschafft habe. Den Kurfürsterrdanun und die Billenkolonie Grünewald, die damit zusarmnenhängt, habe ich ganz allein durchgekämpft. Ich habe bei denk hvchseligen König eine Kabinettsordre erwirkt, den Kur- fürstendamM als Zufahrt nach dem Grünewald durchzuführen, trotzdem ich das Polizeipräfidinm gegen mich hatte, das JNtriguen gegen mich spann. Denn einige des Herren, die ein anderes Projekt patronifierten und m der Aussicht auf dessen Verwirklichung fich bereits in Terrainspekulationen einließen, hatten Mud bekommen und ver- fuchten, mir Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Ich kann wohl sagen, daß mir in dieser Sache mehr Schwierigkeiten bereitet mürben, als es durch sämtliche Diplomaten Europas je geschehen ist, Aber ich hatte das Mrtrauen 252 meines hochseligen Herrn, und als ich ihm meinen Vortrag gehalten hatte, sagte er: „Machen wir." Und so wurde, es gemacht." Zum Schluß sei noch ein Urteil Bismarcks über Chamberlain angeführt. Bon Chamberlains Politik und seinem Bramarbasieren sprechend, sagte Bismarck: „Chamberlain kommt urir immer so vor, wie der Riese in einem englischen Bilderbuch, das ich besessen, der sich in seine Höhle zurückzieht, die Stiefel Davor aufhängt und hineintritt und ungefähr so sagt: The man, who wants these boots so steal, must first to my strength appeal. Wer den Diebstahl dieser Stiefel will probieren, Muß erHh an meine Stärke appellieren.) Die Engländer trinken heute weniger wie friiher, deshalb ist auch ihre Politik schlechter geworden. Die Schiveden trinken noch viel, die Norweger weniger." Iie Kygiene des Aauch-ns. Die Ursachen der beim Tabakraucher: ost auftretenden schweren. Erkrankungen, ivelche man gemeinhin mit Nikotinvergiftung bezeichnet, bilden seit längerer Zeit den Gegenstand lebhafter Diskussion in medizinischen Kreisen. Bei den verschieden angestelltcn Bestrebungen, Mittel zur Verhütung dieser üblen Folgeerscheinungen zu finden, zeigte es sich, daß unsere bisherigen Vorstellungen von dem Ursprung und dem Wesen dieser Krankheit nicht zutreffen. Im allgemeinen wird von einer Nikotinvergiftung gesprochen, womit gemeint ist, daß das beim Rauchen der Pfeife oder der Zigarre aufgenommene Nikotin die Vergiftungserscheinungen zur Folge habe. Mkotin ist allerdings eines der stärksten Giftstoffe und es wäre keineswegs verwunderlich, daß der Genuß dieses Giftes die schtversten Gesundheitsstörungen Hervorrufen würde. Neuestens haben medizinische Forscher jedoch sowohl bei der Beurteilung der erwähnten Leiden der Tabakraucher, als auch bei der Untersuchung des Rauchens au sich immer mehr Zweifel in die Annahme gesetzt, daß das Mkotin die Krankheitsursache sei. Und die Ergebnisse, welche jetzt von verschiedenen Universitäts-Laboratorien auf Grund genauer Studien übereinstimmend festgestellt wurden, weichen tatsächlich von unseren bisherigen Vorstellungen ab und schaffen ganz neue Gesichtspunkte. Das Rauchen ist eigentlich eine trockene Destillation, bei welchem die Bestandteile des Tabaks teils Itt Dampf verwandelt, teils zersetzt iwerden, wobei sie sich in den kälteren Teilen des Apparates zu einer dickflüssigen Masse ansainmeln. Dies geschieht bei der Pfeife im Pfeifenrohr und bei der Zigarre im oberen Mundende und man kann am richtigsten von einem soge- nannten Rauchteer sprechen. Es wären also zunächst beim Rauchgenuß zwei Produkte zu unterscheiden: der Rauch und der Rauchteer. In diesen beiden Produkten fand man die folgenden chemischen Substanzen: Nikotin, Tabaks- kampfer, aromatische Riechstoffe und Wasser, ferner bilden sich Pyridin, Kohlenoxyd, Blausäuregas, Schwefelwasserstoff und endlich ein eigentümliches Oel. Es ist nun die Frage, welche von diesen hier angeführten Stoffen den Genuß beim Rauchen'verursachen und wieviel wir von diese:: Stoffen dabei in uns aufnehmen. Neben den aromatischen sind es zweifellos jene Stoffe, welche eine wohlige Anregung gu schaffen vermögen, es wären dies Pyridin, Blausäure und Nikotin; da die erstgenannten Stoffe bisher nicht bekannt ivaren, wurde allgemein das Nikotin allein hierfür gehalten. Von dein Rauchteer gelangt nun immerhin ein Minimunr in den Mund und wird von uns aufgesogen. Die Hauptsache bildet jedoch der eingesogene Rauch. Mindestens die Hälfte des Gesamtrauches wird vom Raucher cingesogen. Es bliebe nur zu untersuchen, wie viel dieser Rauch nebst den anderen chemischen Produkten Nikotin enthalte. Würde das gesamte Nikotin in den Rauch übergehen, dann würde auch bei der schwachen Zigarre mindestens ein Gramm Nikotin sich entwickeln und die Halste davon würde der Raucher einsaugen. Nachdem jedoch fünf Zentigramm Nikotin für den Menschen schon schädlich sind, müßte jeder nach dem Genuß auch nur einer Zigarre in Vergiftungsgefahr kominen. Außerdem aber hat reines Nikotin einen unerträglichen Geruch und nur einige Tropfen davon in der Zimmerluft verbreitet, würden den Aufenthalt daselbst unmöglich machen. In einen: Rauch- zimnler müßte cs demnach überhaupt nicht auszuhalterr sein. Es ist also erwiesen, daß Nikotin keineswegs in größerer Menge im Rauch enthalten sein kann, sondern nur mit unter den anderen chemischen Stoffen vor kommt. Es tväre demnach auch falsch, von einer Nikotinvergiftung zu sprechen, sondern es müßte richtiger Tabakrauchvergiftung heißen. Denn alle diese Stoffe wirken zusammen bei übermäßigem oder unzweckmäßigem Genüsse schädlich. Und eine Verhütung dieser üblen Folgen kann also nur dadurch erreicht werden, daß man das Aufsaugen dieser Stoffe möglichst vermeidet, indem man bei der Pfeife den Rauchteer stets öfter entfernt, nämlich den dicken, braunen Saft im Pfeifenrohr, und bei der Zigarre darauf achtet, daß das Endstück, wo der Rauchteer sich ansammelt, nicht ausgeraucht und was rioch wichtiger ist, auch nicht gekaut iverde, denn zum Kauen tvird deshalb ein eigens gereinigter und präparierter Tabak hergestellt. Aus dem gleichen Grunde wäre noch zu empfehlen, daß die Zigarren hell seien, gut trocken und nicht zu fest gewickelt. Vermischtes. ______ *Vonraucheuden Königinnen erzählt ein französisches Blatt: „Weiß man, daß die reizende Königin von Portugal es liebt, im intimen Kreise einige Cigaretten zu schmauchen? Sie schätzt besonders eine Sorte deutschen Tabak, den man ihr eigens von Dresden kommen läßt. Ihre Mutter, die Gräfin von Paris, liebt nur echten Havanna, den sie aber nur höchst selten in leichten Cigaretten genießt. Dieses sind aber nicht die einzigen Königinnen, die diesen Genuß lieben. Die Mehrzahl raucht mehr oder weniger. Die unglückliche Kaiserin von Oesterreich, Vie so traurig endete, rauchte 30 bis 40 Cigaretten im Tag, türkische oder russische, ja sie hatte sogar die Gewohnheit, kleine italienische Cigaretten zu rauchen, indem sie eine Tasse starken braunen Kaffees dazu trank. Auch die Z ar in liebt es, ihre wenigen Mußestunden mit einigen Cigaretten zu würzen. Es heißt, auf ihrem Schreibtisch liegt immer eine schöne, kunstvolle, goldene Cigarettentasche, dazu ein silberner Aschenbecher und ebensolcher Streichholzhalter. Die Königin von Italien raucht selten. Die Mutter Alphons XIII. konsumiert dagegen täglich eine enorme Quantität ägyptischer Cigaretten. Die Königin Natalie von Serbie besitzt ein wunderbares Cigarettenzeug, welches sie ost benutzt. Die Königin von Rumänien (als Carmen Silva in der Literatur bekannt) führt bei sich reizende Cigarrenetuis in Gold und Silber, kann aber den Rauch des Tabaks nicht vertragen. Am englischen Hofe endlich strenges Verbot, zu rauchen — für die Damen. Die Königin, scheint es, würde nie dulden, daß man in ihrer Gegenwart raucht. Was sagt dazu im Stillen wohl die hohe Aristokratie Englands, in der man bis jetzt die unerschrockensten Raucherinnen zähltet — Ein Festmahl mit 1200 Gedecken fand unlängst zu Ehren der Einführung des neuen Kanzlers der Kansas-Staats-Universität, Tr. Strong, unter Beteiligung zahlreicher Vertreter der amerikanischen Gelehrtenkreise statt. Bemerkenswert war das Fehlen jedes alkoholischen Getränkes. Ten Gästen wurde nach beendetem Mahle nur eine Tasse Kaffee gereicht. Tie seltene Feier machte auf alle Teilnehmer einen tiefen Eindruck, der jedenfalls bleibender sein wird, als es bei ähnlichen Anlässen in Deutschland unter dem dann herrschenden Trinkzwange sein kann. Logogriph. (Nachdruck verboten.) Lab nimmer dich von mir umstricken Und sieht dein Blick auch ringsum Nacht. Dich wird doch wieder neu erquicken Des jungen Morgens Sonnenpracht. Faß Mut, du mußt mich kräftig regen, Mich kopslos, du verstehst mich recht! Nur unter Kamps und Schicksalsschlägen Wächst auf ein rnännliches Geschlecht. (Auslösung in nächster Nummer.) Auslösung des Merkrätsels in vor. Nr.r Buchhandlung. Redaktion: Nngnst Ek(-. — Rotationsdruck und Berka» der Brnhl'schcn '.lnirerstlätk-Buch- und Ctcindriickerci. R. Lange, Gießen.