1904. TZTü^W MALNG MW MÜl MO Mk EWW-i MMW Ä®l aoEs Gin angenehmes Gröe. Humoristischer Roman. Von Victor von Reisner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Gott sei Dank!" entrang es sich befreiend aus Mamas Brust, aber noch war nicht das letzte Wort verklungen, da fielen Schüsse von rechts und von links, von vorn und von rückwärts und dazu erhob sich infernalisches, nicht mehr menschenähnliches Geheul. Die Pferde scheuten uild obgleich sich Erich mit aller Macht in die Zügel legte, rasten sie in wilder Flucht davon. Wie ein vom Sturm gepeitschter Kahn versank der Wagen in abgründige Löcher, um gleich darauf wieder über hohe Steine zu sausen. Er flog nach rechts und nach links, die zersprungenen Scheiben fielen klirrend nach außen und innen, und wie von Furien gejagt, stürmten die waldschnaubenden Tiere weiter und weiter. Da — ein heftiger Anprall, lautes, entsetztes Aufschreien, und Wagen und Pferde lagen im schmutzigen Ehaussee- graben. Totenruhe! Erst nach bangen Minuten hörte man Frau von Höchstfeld leise weinen. „Eveline, liebes Wieib, lebst Du?" fragte der Major in höchster Angst. „Ja, Erwin. Und Du?" fragte sie zurück. „Mir scheint nichts geschehen zu sein" entgegnete er, sich mühsam aufrichtend. Und wirklich, durch ein wahres Wunder Gottes waren sie alle, mit Ausnahme unbedeutender Schrammen und Quetschungen, mit dem bloßen Schreck davongekommen. Jetzt kamen auch zögernd uich zagend die Gutsleute, die durch ihren „festlichen Empfang" beinahe unermeßliches Unglück angerichtet hatten, mit Laternen und Kienfackeln heran. Natürlich waren auch sie, wenigstens was den männlichen Teil anbetras, nicht ganz nüchtern und aus dem wirren Durcheinander von Beteuerungen und Entschuldigungen verstand Herr von Höchstfeld nur so viel, daß auch hier wieder der Pfarrer die Hände im Spiel hatte. Um die Herrschaft würdig zu empfangen, war von ihm ein Fäßchen Wein zum Besten gegeben und ihnen strengstens eingefchärft worden, nicht früher zur Ruhe zu gehen, bis sie nicht ihre freudige Untertänigkeit durch lauten Willkom- mensjubel bezeugt hätten! Herr von Höchstseld war durch die Angst, die er um die Seinen 'ausgestanden hatte, so weichmütig, daß er — wenigstens für heute — auf ein strafendes Donnerwetter verzichtete. Und als Man sich endlich, endlich zur Rache begab, sagte er fast kleinlaut zu seiner Frau: „Ich fürchte, ich fürchte, daß !vir gegen diesen ust« seligen Pfarrer einen schweren Stand haben werden." , Erich war der erste am nächsten Morgen wach. Er zog sich notdürftig an und hielt im Hause Umschau, ob sich nicht eine dienende Seele finden ließe. Aber außer einigen im Hofe sich herumbalgendcn Kindern, die ihn nur scheu anglotzten, war kein lebendes Wesen zu entdecken. Schließlich holte er sich selbst Wässer vom Ziehbrunnen und beendete feine Toilette. Als er dann einen Blick zum Fenster hinaus auf den Gutshof warf, entrang sich ihm ein schwerer Seufzer. Hier standen ihnen entschieden noch viele heiße Tage bevor, ehe sie in diesen Schlendrian Ordnung gebracht haben würden. Der Onkel mußte sich ja rein um gar nichts mehr gekümmert haben, daß solch eine Liederlichkeit überhaupt Platz greisen konnte. Am hellen Morgen standen noch sämtliche Wirtschafts- Wagen auf dem Hofe, und ein Teil der Knechte schlief hier, der andere wahrscheinlich in der Dorsschenke seinen schweren Ransch ans! Wenn das ans dem Herrenhof und noch dazu am Tage der Ankunft der Herrschaft passieren konnte, wie mochte es dann erst ans dem Borwerk und auf den anderen entlegenen Pusten aussehen, die nicht so direkt unter den Angen des Herrn lagen. Er fühlte, wie ihm die Zornesader schwoll, und rasch schritt er zur erstbesten Arbeiterwohnung, dort die Tür mit kräftigem Fußtritt aufstoßend. Mit verglastem Blick starrte ihn der Baner zuerst an, bann besann er sich, daß dies ja einer der gnädigen Herren sei, und fragte demütig: „Eh, Herr was befiehlst Du?" Erich winkte ihn heraus und zog sich mehr nach bet; der Mitte des Hofes, in die reinere Lust zurück. „Warum ist die Arbeit noch nicht ausgenommen?" —- stellte er ihn dort zur Rede. „Eh, Herr", meinte dieser, der von seiner Militärzeit her noch etwas deutsch konnte, „wir dachten, daß der Tag Euerer Ankunft als Feiertag gilt. Das Meh haben wir ja zur Zeit bersorgt, dann gingen wir aber unsere Räusche weiter ausschlafen." „Sofort weckst Du alle auf", befahl ihm Erich, „in einer Viertelstunde habt Ihr anzufangen." „Schön, Herr, wenn Du befiehlst, wird es ja geschehen, nur mußt Du uns auch sagen, mit was wir an fangen sollen." Erich wurde ein wenig verlegen. „Nun, mit derselben Arbeit, die Ihr gestern unterbrochen habt." „Eh, gnädiger Herr, nimm mirs nicht übel", meinte der Bauer pfiffig schmunzelnd, „dann müßten wir eben weitersaufeu, denn gestern haben wir nichts anderes getan?' „Den ganzen Tag?" — 438 — „Gott verhüts", verwahrte sich der Bauer gekrankten Tones, „da würde uns der Herr Pfarrer schon kommen! Aber nach der heikigen Messe sind wir freilich gleich ins Wirtshaus gegangen, denn der Sonntag hat doch auch nur vicrundzwanzig Stunden, und da muß man sich schon dazuhalten!" „Ach richtig, gestern war ja Sonntag", erinnerte sich Erich. — „Nun, was habt Ihr denn am Sonnabend gemacht?" fragte er ungeduldig. Der Bauer glotzte ihn dumm an, dann sagte er: „Eh, Herr, verzeih, aber bei uns gibt es keinen Sonnabend, da muß bei Euch im Ausland die Woche wohl einen Tag mehr haben." „Ich meine Samstag", klärte ihn Erich auf. »Ja so, Samstag! Eh, da haben wir garnichts gemacht, weit wir doch Freitag auf der Klisura fertig geworden sind und mit etwas neuem anzufangen, hätte es sich doch wegen des einzigen, lumpigen Tages gar nicht mehr gelohnt." Erich biß sich in ohnmächtigem Zorn die Lippen wund. Selbst vermochte er keine Anordnungen zu treffen, da er ja den Stand der Arbeiten nicht kannte und auch tatsächlich nicht gewußt hätte, wie er die Leute bis zur Ankunft des Verwalters, der noch immer nicht zurückgekehrt war, beschäftigen sollte. hoffentlich kommt dieser pflichtvergessene Kerl noch vor Papas Erwachen', wünschte er, ,damit wenigstens ihm dieser erneute Aerger erspart bleibt'. Dann ließ er sich Onkels Reitpferd satteln, gab Befehl, sofort dem Verwalter entgegen zu fahren, um ohne weiteren Verzug mit der Arbeit zu beginnen, und ritt dann denselben Weg entlang, auf welchem er den Grafen Stepenaz und Komtesse Ljubiza kennen gelernt hatte. Goldiger Sonnenschein flutete über dem noch taubenetzten Aehrenfelde, das sich, soweit der Blick reichte, wie ein leicht wogendes Meer dahinzog. Darüber spann sich im azurnen Blau der wolkenlose Himmel, und das laute Zirpen der munteren Grillen brachte erst recht die ringsum herrschende feierliche Stille zum Bewußtsein. Hier, in Gottes freier, heiliger Natur, wich nach und nach der dumpfe Druck von Erichs Seele, sein Herz weitete sich im Dank gegen den Allmächtigen, der, trotz der Menschen Müßiggang, solch eine reiche Ernte spendete, und er leistete sich das feierliche Gelübde, in nie ermüdender Schaffensfreudigkeit auf der dereinst ihm gehörigen Scholle wirken zu wollen. Das helle Wiehern eines Rosses entriß ihn seinen Gedanken, und als er nun aufsah, bemerkte er, keine hundert Schritte vor sich, Komtesse Ljubiza auf ihrem Schimmel. Ein eigentümlich verlegenes Glückgefühl schnürte ihm die Brust zusammen, dann gab er dem Pferd die Sporen und sprengte an ihre Seite. „Weiß Gott, ich bin ein Glückspilz, Komtesse", rief er freudig erregt, „Sie als Erste in der neuen Heimat begrüßen zu dürfen," Sie errötete leicht, gab ihm kameradschaftlich und ohne jede Prüderie die Hand und hieß ihn herzlich willkommen. „Wieso kommt es denn, Herr von Höchstfeld", forschte sie dann mit versteckter Schelmerei, „daß Sie sich nicht einmal den ersten Morgen und noch dazu nach solch einer anstrengenden Reise Ruhe gönnen?" „Es litt mich nicht mehr zwischen den vier Wänden, es trieb mich förmlich heraus." „Und ausgerechnet hierher ft' Ein heißer Blutstrahl stieg ihm zu Gesicht, und am liebsten hätte er aufgejauchzt: „Ich sehe Sie, mehr verlange ich nicht!" — aber er bezwang sich und stammelte: „Es ist ein Zufall." Erst glitt etwas wie Enttäuschung über ihr Gesicht, aber auch nur für einen Moment, denn sie hatte recht wohl beobachtet, daß er etwas anderes — ganz etwas anderes hatte sagen wollen, darum schaute sie ihm jetzt fest in die Augen und sagte mit der ungeniertesten Offenheit: „^Wissen Sie, daß Sie nicht sehr galant sind, Herr von Höchstfeld?" „Wieso, Komtesse ft' fragte er noch verlegener. „Nun, Sie hätten doch, um mir eine Freude zu bereiten, eine kleine Notlüge riskieren können. Oder" — und sie sah ihn dabei mit spitzbübischen Augen inquisitorisch an: „wäre es Ihnen wirklich so schwer gefallen, zu sagen, daß Sie mich hier zu treffen hofften?" „Wie hätte ich das wagen dürfen!" wich er aus. Sie lachte über diese Antwort hell auf, ein glockenreines, heiteres Lachen, bei dem es ihm ganz heiß ums Herz wurde. „Eine Galanterie darf man stets wagen, das nimmt eine Dame nie übel", belehrte sie ihn in harmloser, unschuldiger Koketterie, „unsere junge Herrenwelt ist in dieser Beziehung weit unternehmender, da werden Sie noch viel lernen müssen." Schmunzelnd strich er sein Bärtchen zurecht. „Es soll mir fortan zur Richtschnur dienen", sagte er keck. „Jedenfalls bin ich der erste deutsche Leutnant, dem Schüchternheit vorgeworfen wurde — und no-ch dazu von einer Dame!" Ihre Augenbrauen zogen sich bei der Nasenwurzel dicht zusammen, ein Zeichen, daß ihr dieser Ton doch nicht so ganz gefiel: Er bemerkte es, wußte aber nicht, wie es im Moment gutzumachen und fragte, um die Pause nicht peinlicher werden zu lassen: „Wie lange haben Sie, gnädigste Komtesse, von Ste- penavze bis hierher zu reiten?" Obwohl ihr jede übertriebene Etikette in den Tod zuwider war, tat es ihr doch wohl, sich diesmal „gnädigste Komtesse" angeredet zu hören, da es ihr als Beweis galt, daß er eingesehen habe, etwas zu weit gegangen zu sein. Sie machte auch gleich wieder ein freundliches Gesicht und erwiderte: „Eine gute Stunde." „Ist dies Ihr täglicher Morgenritt?" fragte er weiter. Nun war es an ihr, verlegen zu werden. „Ja — das heißt nein" — verbesserte sie sich und dann, sich stramm und trotzig in die Höhe richtend, sagte sie burschikos: ,,Ach was, ich sehe nicht ein, warum ich mit der Wahrheit hinter dem Berge halten sollte. Ich bin hierher gekommen, weil ich eine unbestimmte Ahnung hatte. Sie hier zu treffen." Wie glühenoe Lava strömte es durch 'Erichs Adern. „Komtesse, Sie spielen mit mir", stammelte er. „Sie wollen mich für meine Unart strafen." Um ihre Mundwinkel zuckte es verräterisch, aber mit der unschuldigsten Miene und als ob sie ihn absolut nicht verstände und sich gar nicht bewußt sei, daß ihre Worte eine andere Auslegung zuließen, fragte sie: „Was haben Sie denn nur? Es war doch ganz logisch gedacht, daß Sie die Orte, welche Sie bereits kannten, zuerst aufsuchen würden und von wem sonst hätte ich die schnellste Auskunft bekommen sollen, wie den Ihrigen- speziell Ihrer lieben Frau Mama und Ihrer lieben Schwester die strapaziöse Reise bekommen ist? Wenn man in solch menschenleerer Wildnis lebt, wie wir, ist es doch nur zu erklärlich, daß man sich auf eine neue, angenehme Nachbarschaft freut. Meine lieben Eltern werden die Ihren gewiß mit Freuden in die Arme schließen und wir, meine Brüder und ich auch — das heißt figürlich- Herr von Höchstfeld." „Wie schade", seufzte er. Sie drohte ihm leise mit der Reitgerte. „Artig sein!" „Inna er", versprach er. „So ist's recht", belobte sie ihn, „Sie dürfen mich dafür auch nach Marianee begleiten — vorausgesetzt, daß Sie nichts besseres zu tun haebn." „In Ihrer Gesellschaft weilen zu dürfen . . ." „Halt, halt!" rief sie, „nur keine solche abgedroschenen, faden Komplimente, die sind mir in den Tod zuwider. Ein Mann, wissen Sie, ich meine ein wirklicher Mann, nicht nur der, der zufälligerweise als Männchen zur Welt kam, müßte von selbst auf dergleichen Gemeinplätze verzichten." Er sah sie verblüfft an. Diese Offenheit war ihm neu und wenn nicht ihre vornehme Sicherheit gewesen wäre, die jeden derartigen Gedanken schon im Entstehen verscheuchte, so hätte er wirklich glauben können, daß sie ihm Avancen machen wolle, „Und nicht wahr, Komtesse", fragte er unsicher, „Sie halten mich doch für einen wirklichen Mann oder doch wenigstens für einen, der es werden könnte?" „Woraus schließen Sie das?" ,Meil Sie mir so ausrichtig Ihre Meinung sagten" Sie sah ihn fest an und erwiderte: //Ja, Herr von Höchstfeld, ich halte Sie dafür, und wissen Sie auch warum?" 439 -* Dazu bemerkt der „Kunstwart": „Wir haben dieses Beiträglem überschrieben. „Die Dorf- kirche". Ja, so darf man's nennen, denn ungefähr so geht es bei uns int Lande ja fast überall zu." Unsere Aorfkirchen. Im „Kun st wart" war vor einiger Zeit folgendes zu lesen: nach unseren Wünschen abzuändern. Anstatt eines Werkes von Theodor Irscher also (wohlverstan- den bei gleichen Kosten!) eine „cvenluelle" von 9lit 7 und Nr. 4 der Mnster sur kleine Kirchenbauten! Geh. Hofrat Dr. Rolfs." Uns wird geschrieben: . . , r, „Wir wollten uns hier in einem kleinen Marktflecken Oberbayerns, Miesbach, eine protestantische Kirche bauen. . . Mir schien die Gelegenheit günstig, hier außen m der friedlichen Stille einer unvergleichlich schonen Natur auch der Kunst zu ihrem Reckte zu verhelfen, indem man rm Anschluß an den Ort, die Landschaft und eine« hier durchaus eigenartig ausgeprägten Stil ein bescheidenes, seinen Zwecken entsprechendes Bauwerk errichtete... Ich Hütte auch das Gluck, meinen Freund Theodor Fischer für die Sache zu gewinnen und bemerkte mit Freude, daß sein Name bei dem Kirchenbau-Ausschuß „zog . , Mollen Sie es mir verraten?" Warum nicht? Es hat mir damals — erinnern Sie «di noch vor zwei Jahren? — imponiert, daß Sie trotz [er Feindschaf? mit Ihrem Onkel meinem Papa das Ver- Ipr-ch-n gabm, sich M R--- »»nft M u»s Men ri> fassen Das zeugte von einem Charakter, der selbst zu untersuchen gesonnen war, aus welcher Seite das Un- Erich^wußte nicht gleich, was er erwidern sollte, doch enthob sie ihn einer Antwort, indem sie m immer steigender Erregung fortfuhr: „Ich weiß nicht, ob Sie den Grund zu diesem jahrelangen Zwiespalt kennen - ich kenne ihn jedenfalls nicht, denn das liegt weit zurück. Aber eines weiß ich, daß mein Vater einer ungerechten Parteinahme unfähig ist, und wenn Sie erst unseren lieben Vater Adame tote der Pfarrer von Alt und Jung genannt wird — von Angesicht zu Angesicht gesehen und erkannt haben werden, welch goldenes Herz in der Brust dieses Mannes schlagt, dann werden auch Sie sagen, daß die Schuld nicht an ihm Unkultur. lisiziertett auf das Bauernhaus, um deutlich zu machen, was wir an der heutigen Praxis des landläufigen ^orf- kirchenbaues vermissen. .Es wird nun kaum noch notig , m, die Unterstellung abzuwehren, als verlangten wir sur tzde erbauende Dorfkirche einen erstklafsmeu Arc,unkten undeinen Aufwand voll gleißender Prackst. schlimmer konnte, man urö nicht mißverstehen. Allerdings ist M nach her Durch! chmtts- anschauung Kunst gleichbedeutendmit luxMöser Pracht W Durchschnittsanschauung aber beweist nur, W tief unsere asth^ tifdi» Kultur fteM Denn gerade das Gegenteil in wahr. Kunft ist allemal nicht das Gleißende, Prunkende, Protzende, sondern das Schlichte, Einfache, Echte, Wahre. Und in diesem Smne sordern wir, daß man in jedem "U^lnen Falle die Cebanung einer Dorfkirche ansehe als eine künstlerische Aufgabe. Daß ein Architekt vom Rufe Theodor Fisches eine Dork- baut, wird immer eine Selteu^nt bleiben. Aber daß dabei nicht der Kostenpunkt aus schlag a c beiid ist, wird doch genugsam dadurch bewiesen, daß die Kirche Fischers die MlesbaÄw nicht teurer zu stehen gekommen wäre, E die von ihnen „angestrebte" Kombination von Nr. 4 und Nr. 7 des Mn ßei^ buchs. Im höchsten Grade wünschenswert wäre es, wenn sich gerade die besten unserer Architekten dwser Aufgabe ännahmen. So lange unsere Baugewerkschulen die Verbreiter der pletie^en, ödesten Unkultur sind, werden die, bie von daher ihre .Weisheit sich bolcN zur Lösung der Ausgabe unfähig bleiben. Und doch ist' sie wahrlich nicht unlösbar. Wie man den Bauern Hausern seht wieder an die gesunde, Maastige Tradition anzumupfen sucht und sie, den veränderten Verhältnissen entsprechend, weiter- bildet, so müßte auch der Kirchenbau an das vorhandene gucke Nun ist dieser Fall ja besonders eklatant, denn Theodor Fischer ist einer unserer geistvollsten tnodernen Architekten, dem München, wo er längere Zeit wirkte, eine ganze Reihe der prächtigsten Neubauten verdankt und dessen Weggang von dort seiner Zeit von allen Kunstfreunden als unersetzlicher Berwst empfunden wurde. Und wenn die biederen Miesbacher ihren Beschluß nickt alsbald revidieren, haben sie alle Aussicht, als moderne Schildbürger sortzuleben. Aber selbst, wenn wir das beiseite lassen, was gerade diesen Emzelfall fast unbegreiflich macht und jedenfalls den Unverstand und. ine Sinnlosigkeit auf Nicht mehr zu steigernder Höhe zeigt, bleibt doch noch genug übrig, um ihn typisch .für unsere ästhetische Kultur erscheinen zu lassen und die Bemerkung von Avenarius zu rechtfertigen, daß es „ungefähr so bei uns im Lande ja fast überall zngeut , auch da, wo man iiicht das Gluck hat, eine Schöpfung Theodor Fischers zu denselben Kosten wie eine Kopie aus den „Musterii für kleine Kirchenbauten" zu erhalten. .... Wa ist denn nun das Charakteristische, das Typische an diesem Einzelfall? Typisch ist die vollendete Geistlosigkeit, die Philisterhaftigkeit, die Kopflosigkeit, mit der man zu Werke geht, wenn man vor einer derartigen Aufgabe steht, tme die Miesbacher. Mit demselben Gleichmut, als gelte es die Beschaffung eines Ofens für die Schule oder die Anfuhr von Kleinschlag für die Dorfstraße, behandelt man die Angelegenheit. Höchstens die Platzfrage bringt die Gemüter in Bewegung, weil da die selbstsüchtigen Interessen der Baustellenbesitzer miteinander streiten. Hat dieser Kampf mit dem Sieg des Starreren geendigt — und er endigt in jedem Falle so —, dann ist die Angelegenheit im Wesentlichen erledigt. Alles übrige „besorgt ja der Baumeister. Der hat die Vaugewerkschule besucht, besitzt liegen kann V (Fortsetzung folgt.) wohl auch eiste Mappe mit „Mustern für kleine Kirchenbauten,» aus der man etwas Passendes sich aussuchen kann — gerade Wit int Katalog des Osenhändlers. Er ist natürlich .gern bereit, entsprechende Wünsche zu berücksichtigen, dies oder lenes Muster abzuändern, zu streichen, .was die Sache unnutz verteuert, mndet stch im „Musterbuch" nichts Passendes, .dann leimt er selbst em paar gotische Stilsormen — denn nur diese schicken sich für eine Kirche — zusammen, setzt ein Kreuz, daraus und die Aulgabe ist gelöst. Kann er gar eine Kirche Leigen, die er in ». gebaut lwt, und die „prachtvoll ausgefallen", ist, dann ftnd selbst. lMsien Wünsche erfüllt. Du liebe Zeck, er hat schon Schwier^ geres zur Zufriedenheit der Besteller geliefert. Eine Dorfknche, was ist denn das Befondercs! Vier Mauern, em Turm, Nebenpfeiler und Spitzbogen, das sind die Ingredienzien, die nur zu- samuiengesetzt zu werden brauchen, und die Sache ist fertig, Keinem der Beteiligten,, weder dem Bau-Ausschuß noch dem Baumeister, bämmert eine Ahnung, .daß hier eene Aufgabe gestellt ist von solcher Wichtigkeit, wie ste rn Hunderten von Jahren in demselben Dorf nicht wieder vorkommen wird, daß diese Aufgabe unter genauer Berücksichtigung der örtlichen Ve^ hältnisse gelöst .werden muß — eme Kirche, die ,tn L. fsth ivunderschön ausnimmt, paßt barum noch lange Nicht für y. — und daß sie in künstlerischem Srune gelöst werden muß — „Kunst" ist ja nach Ansicht der Meisten ein »Luxus und eme künstlerisch-schöne Kirche gar etwas, was ÜÄ nur reiche Städte gestatten können —, kommt Niemandem zum Bewusstsein. Mres bach .hat viele Genossen. „ Man beklagt die Entstellung der landschaftlichen LchönlM unserer Dörfer durch die .entsetzlichen Poesie- und gemutlosen Steinkasten, die jetzt selbst am dem entlegensten. Dorfe auftauchen. dirau und schmutzig, öde und langweilig stehen sie da, daß einem unwillkürlich ein Gruseln kommt und man die armen Menschen bedauert, die rnsolch ungemütlichen wer SBang den ihr Leben verbringen muffen, ^st es denn da wirklich ein so großes uilbegreistiches Wunder, wenn m solcher, Umgebung das Geniüt verroht, der Geist allen besseren höheren Einflüssen unzugänglich wird und materielle Genüsse einer Unterhaltung mit Büchern und Bildern vorzieht. Man braucht nicht Materialist zu sein und kann es doch begreiflich stnden. daß hier die Umgebung abstumpseud,, alles geistige. Eigemeben towid wirkt. Und dabei sieht man in denselben Dörfern, die iefct Mik ui-vuuc, .uuq „v, —,--- •;;~r- < • I hurnt diese Bauteil verunziert werden, unsere alten, yenen. Die unmittelbare Folge war ine Zusage, ihn undMich bei | c üblichen Bauernhäuser, auch berfelbe Typus, unb boch hat der Ausführung zu Rate zu ziehen. Aber es Eamanbers... I t • , . eiaeneS Gesicht und bei allen hat man den Embruck: Meine gelegentliche Abwesenheit .benutzend, beschloß ber Aus- | jedes lern eigenes ®eu^tman schlechterdings nicht nws s°- **«,» *£..■«■« sä:ä*<£ sammengestellt von Julius Zeißig, Leipzig, .wäre die Kirche I § . verlassen können, wie es überhaupt möglich war, Nr. 7 anstrebenswürdig. .. . Q , JL Schönheit unserer Dörfer in der unveraickwort- 2. Die zu bauende Kirche in A. .soll in "aHster Zeit. .. . ,.af; ma ,^ony »ersteht eS nicht, und muß des- besichtigt werden und eventuell mit dem Erbauer derselben Ruck- I . . nte»nien' ^afi jn vollkommener Sinn-, Kopf- und spräche genommen werden, um die in Nr. 4 angestrebte Kirche ! 1 l Y man nicht wußte, was man tat. Getistß nbwonbern. .... lasteii^ich wirtschaftliche Gründe für Einzelnes anführen, z. B. wor ötwr «n? iww» sü- das Abkommen des FackWerrbaucsdas Holz ist teurer .eventuelle" Zusammenstellung | S’" n ®ietta«enmerf kann heute selbst ein reicher Bauer kaum noch denken. Aber das ist doch feine genügende Erklärung sür das völlige Verlassen der voftstumlichen Bauweise, die Schuld' daran tragt ber „praktische Sinn unserer Zeck als ob die alten Bauernhäuser unpraktisch und nicht vielmehr Muster votz wohlüberlegter Raumverteilung und wohltuender SachMkeit wären b. h. .mit anbern Worten Unverstand und — 440 vermischtes. "Duften deSchmetterlinge. Man hat die Schmetterlinge, insbesondere die exotischen Arten, .wegen ihrer Farbenpracht sehr oft mit lebendigen Blumen verglichen. Nun macht Dr. Jllig im Prometheus eine interessante Mitteilung/ die den Vergleich nach gewissen Richtungen hin noch berechtigter erscheinen läßt. Viele Schmetterlinge find nicht allein bunt und schön, sondern sie duften auch, oder sagen wir lieber, sie riechen, denn für Menschennasen ist ihr Parfum nicht immer sehr angenehm. Namentlich die Schmetterlingsweibchen verstehen cs, ihre Anbeter durch derlei Kunstgriffe mit geschickt gewählten Parfüms anzuziehen, und jeder Sammler weiß, daß er durch ein- gcspcrrte und im Freien ausgesetzte Weibchen die Männchen derselben Gattung cheranlocken kann. Immerhin ist der Duft so geringfügig, daß man ihn in den meisten Fällen nicht wahrzunehmen vermag. Ganz anders aber verhält es sich mit den Ausscheidungen der Männchen. Sperrt man z. B. den bekannten Kohlweißling in mehreren Exemplaren in ein Glas und riecht nach einiger Zeit hinein, so wird man deutlich einen ausgesprochenen Rettich- oder Rapsgeruch wahrnehmen; das Totenkopfmännchen riecht dagegen nach Kartoffelkraut. Es soll aber brasilianische Falter geben, von denen schon ein einziges Exemplar ein ganzes Zimmer nach Vanille duften läßt. Selbstverständlich hat sich die Wissenschaft mit dem Sitz der Dustorganc beschäftigt, und sie in den meisten Fällen in kleinen Drüsen entdeckt, die an den verschiedensten Körperteilen eingelagcrt sein können. .Meist findet man sie in den Flügeln und zwar unter Schuppen verteilt, die durch ihre zweckentsprechende Umformierung offenbar der Verteilung des Riechstoffes dienen und daher geradezu als Duftschuppen bezeichnet werden müssen. Oft erkennt man jedoch auch die Seine und andere Körperteile als Träger der Duftorgane. So besitzt z. B. ein niederer Nachtschmetterling, eine sogenannte Eule, .an jedem Vorderbein drei feine Pinsel, die zweifellos dem genannten Zweck dienen sollen. Uebri- gens kann, wie man annimmt, der Dustapparat durch geeignete Schutzvorrichtungen willkürlich in Betrieb gesetzt werden. Das Männchen gebraucht ihn allemal dann, wenn ein Weibchen sich in der Nähe befindet, und unterstützt damit in nachdrücklicher Weise seine Liebeserklärung. * Eine bedeutende Abnahme im Bierkonsum Münchens ergabt sich abermals aus den soeben veröffentlichten Berechnungen, des städtischen statistischen Amtes für 1903. Diese sind von nun ab auf neuer Grundlage durchgeführt. Bis letzt wurde angenommen, daß von 1 Hektoliter Malz 2,2 Hektoliter Bier gebraut werden; cs stellte sich aber heraus, daß mit den Fortschritten der Brautechnik viel mehr Bier aus der gleichen Menge Malz gebraut wird als in früheren Zeiten, und so wird von jetzt ab auf 1 Hektoliter Malz 2,45 Hektoliter Bier berechnet. Mit anderen Worten, die Brauereien haben viel mehr Bier aus dem Malz bereitet, als angenommen wurde, und die Biertrinker mehr vertrunken, als die Statisttk nachwies. Nach alter Berechnung hatte München in der Periode 1886—1890 den höchsten Stand des Bierverbrauchs mtt 487 Liter auf den Kopf der Bevölkerung. -Seitdem nimmt diese Zahl regelmäßig ab. .In der Periode 1891—95 war sie auf 412, 1896 auf 401, m den folgenden Jahren stufenweise auf 395, 391, 364, 356, 941 und inr vorletzten Jahre auf 298 gesunken. Im letzten Jahre 1903, würde die auf den Kopf der Bevölkerung treffende Jahresmenge auf 273 Liter gesunken fein. Nach der neuen Berechnung wären es 1902 aber 368 Liter gewesen und 1903 noch o38 Liter. .Sicher ist, daß der Malzverbrauch Münchens, trotz bei: Bevölkernngszunahme um etwa 15 000 Seelen, die betraastliche Abnahme von 64000 Hektoliter Malz gegen das Boriahr ausweist. Die Ausfuhr ist wieder etwas zurückgegangen gegen 1902 mit 1572 272 Hektoliter im Jahr 1903 aus 1545 450 Hektoliter. .Nicht schön und fast ein Zeichen des Uebermutes ist es, daß fremdes Bier mehr aufkommt. Rund 20 000 Hekto- Itter Bier wurden von außen cingestihrt, mehr als das Doppelte, wie vor wenigen Fahren, allerdings noch verschwindend wenig gegen die is/i Millionen Hektoliter (1740 000), was München ön eigenem Gebräu vertrinkt. p e jlt n5 Wege zur Verlängerung b/s Lebens hat Srr Hermann Weber, der Klassiker und zugleich Senior unter den deutschen Aerzten Londons, einen VorAlte anknüpfen. .Unsere alten Dorfkirchen bieten durchweg ein erfreuliches Bild davon, wie man früher diese Aufgaben künstlerisch .befriedigend löste, .weil man schlicht, einfach, wahr und echt baute, nicht prunkte und protzte, nicht mehr scheinen wollte, .als man war; weil man aber auch auf der anderen Seite die Sache mit Liebe anfaßte und ein gut Teil deutschen Gemütes hineinbante. Darum sprechen diese Schöpfungen zum Herzen, die Kopien aus Musterbüchern lassen uns kalt. Man lerne wieder volkstümlich bauen, in den dem Volkstum entsprossenen und dem Volke verständlichen Bauformen, das wird nicht nur die Landschaft verschönen, sondern auf das gesamte geistige, auf das religiöse Leben günstig zurückwirken. K. Spieß. trag im Royal College of Physicians gehalten, welchem wir folgende Bemerkungen entnehmen: „Ueber die vielnmstrittenc Al- koholfrage will ich nur wenige Worte sagen. Für gesunde Menschen ist der Alkohol überflüssig, und man befindet sich im allgemeinen besser bei der Absttnenz. Viele Krankheiten werden durch Alkohol hervorgerufen, manches hoffnungsvolle Leben ward durch den Trunk zerstört; er ist die häufigste Ursache zum Verbrechen und zum Ruin der Familie. Wirte und andere Personen, die mit dem Verkaufe von Alkohol zu tun haben, haben so schlechte Lebensaussichten, daß Versicherungs-Gesellschaften sie ablehnen oder nur ausnahmsweise mit stark erhöhtem Prämium aufnehmen. Trotzdem ist ein Glas Wein, Schnaps oder Bier für viele Leute nicht schädlich, manchmal sogar nützlich. Die ,Ansicht, daß Alkohol für alte Leute nützlich sei (Milch der Greist), ist falsch und gefährlich. Wer in feiner Jugend reichlich und ohne Schaden getrunken hat, findet mit zunehmendem Alter, daß er dies lassen muß, wenn er gesund bleiben will. Reichlicher Alkoholgenuß schädigt die Blutgefäße, das Gehirn und die Nerven und vermindert die Widerstandsfähigkeit des Organismus gegen Mikroben, Erkaltungen und andere Krankheitsursachen. Diese Widerstandsfähigkeit als einer der Hauptförderer eines langen Lebens soll aber auf jede Weise gestärkt und nicht ^Herabgesetzt werden. Personen mit leichter Albuminurie und Zeichen von Arteriosklerose können durch große Mäßigkeit im Genüsse von Alkohol und Fleisch ihr Leben bedeutend verlängern. Meist schlagen sie aber einen bezüglichen Rat in den Wind und sagen: Dr. Y. habe ihnen gesagt, Beschränkung .sei überflüssig; sie essen und trinken gut und sterben nach .drei Jahren. * Sv eN v. H edin, der berühmte schwedische Forschnngs- reisende, spricht sich in seinem neuesten Reisewerke „Im Herzen von Asien" (Leipzig, Brockhaus, 1903) auch gegen den Alkohol aus. .Als einmal zu medizinischen Zwecken Alkohol gebraucht wurde, mußte er aus einer der Flaschen für die zoologischen Sammlungen genommen werden: „Sonst gab .es keine Spirituosen in der Karawane, und zur Ehre 'der Kosaken muß ich sagen, daß keiner von ihnen, und von den andern ebenfalls keiner, sie entbehrten. Alkoholische Getränke sind ein böses Ding in einer Karawane, sie machen Kräfte nnd Disziplin schlaff." LiievNrss