1 <2^ WM SB WS BHggjlggg MsZ ittntiiäiii Roman von M. v. Eschstruth. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ellinor setzte folgendes Telegramm auf: „Kommandeur ersten Preis, mit einer Pferdelänge Möve und Tiger geschlagen. .Herzliche Grüße. Harro v. Ur tut _ Rittmeister ö. Greditz und Frau." Sie reichte das Geschriebene ihrem Mann, er nickte. Auch Harro mußte lesen. Unb voll Tank für so viel Liebenswürdigkeit, neigte er sich über die Hand, die ihm den Zettel gereicht. Dann ging man auseinander, um sich ein wenig zu erholen und Toilette zu machen. Gegen zehn Uhr fand sich die an Namen, Stellung und Besitz auserlesene Gesellschaft wieder in einem der kleinen Salons des Hotels ein. Heute, als Sieger, fand Harro seinen Platz neben der Gastgeberin., Die, Speisen, waren ein gut Teil üppiger als gestern, die Weine auserlesen. Harro hatte sich die letzten Wochen trainiert, auch heute kaum gegessen. Er sah ordentlich spitz aus, wie Ellinor behauptete, man mußte für ihn sorgen. Neckend gab sie acht, daß er von allem nahm. Dabei hieß es Bescheid tun, die Stimmung war animiert, die Toaste flogen nur so hin und her, und er war des Tages Held! Gleich einem Feuer- strom brauste der Wein, der Sekt durch seine Adern und drückte wohlig, ermattend zugleich und erregend auf sein Hirn. Er sah in das bunte Licht — er hörte die Stimme seiner Kameraden gehoben und sonor mit dem ihnen eigentümlichen etwas schnarrenden Jargon. Er sah auf die reichen Uniformen, die eleganten Frauen, auf Ellinor — empfand ein wenig betäubt all den Glanz der Feier, deren Mittelpunkt sie beide schienen — und seine Augen begannen zu glühen; auf den allerdings etwas schmäler und blasser gewordenen Wangen brannte ein warmer Fleck „Hier sind Sie am Platze", flüsterte ihm Ellinor zu, die, wie er, durch ihr Auftreten hier auch zu einem Preise gekommen war, und nun endlich ihre weltgewandte Kühle beiseite zu lassen und ein Weib zu werden schien, das die Leidenschaft packt. Und wie Flammen schlug es über diesem zusammen. Jetzt erst meinte er zu wissen, was leben bedeutet. Die Stimmung war animierter geworden. „Ein kleines J'euchen". wagte einer der Herren vorzuschlagen, „nur mit ganz Keinem Satz." Die Herren gingen also nebenan in den Salon, es waren meist Junggesellen. Die Verheirateten sollten hübsch vernünftig und solide sein, nameullich in Gegenwart ihrer Frauen. Zuletzt waren nur noch einige Herren anwesend, die Mehrzahl der Gäste hatte sich empfohlen. Ellinor trat Mit Harro, der mit ihr zu den Damen gehalten, an das Spiel heran: „Nun, versuchen auch Sie Ihr Glück, Herr von Uran." „Nein, danke, ich spiele nicht." Er trat zurück Ellinor lächelte. „Dann spielen Sie für Mich oder ich spiele für Sie, bitte —" Mit der bestrickenden Neigung des Kopfes streckte sie ihm die Hand entgegen; „Bitte, borgen Sie mir —" Harbo konnte nicht anders, er legte ein Zwanzigmarkstück in die schlanke Hand. „Brav WH girrte Ellinor leise und setzte das Goldstück auf den Trefft buben. „Wir spielen nicht so hoch, gnädigste Frau", warf Graf Brockendorf ein. „So machen Sie eine Ausnahme —" Und seiner Wirtin gehorchte der Offizier. Die Karten wurden! abgehoben. „Wenn ich gewinne, gehört es Ihnen." Ellinor legte die Hand auf Harros Arm und sah ihm ins Gesicht. Da war schon der Treffbube he raus gekommen. Nun war Ellinor im Zuge. Und es ist seltsam, aber leider ist es so, der Zufall begünstigt nur zu ost die, welche er lieber nicht begünstigen sollte. Ellinor ließ das Geld stehen. Auch die anderen erhöhten ihren Satz. Gleich einem Fieber griff es um sich, größere Summen wurden gewagt. In kurzer Zeit hatte Ellinors Karte einen Gewinn von zweitausend Mart eingebracht. „Genug", erklärte jetzt der Rittmeister, der überhaupt widerwillig die Beteiligung seiner Frau an dem Spiel wahrgenommen hatte. Und da sich die zwecke Stunde des neuen Tages zu Ende neigte, so fand man allgemein, daß es Zeit zum Aufbrauch sei. „Erlaube, daß ich noch einmal bei Dir eintrete", sagte Greditz zu seiner Frau, da sie eine Treppe höher vor ihrem Schlafzimmer angekommen waren. Er folgte ihr auf dem Fuße. „Was soll's?" trat ihm! Ellinor sehr erstaunt und wehrend entgegen. Ein spöttisches Lächeln flog um des Rittmeisters Mund, als wollte er sagen: Du irrst. — „Daß Tu diesmal Feuer gefangen zu haben scheinst", erklärte er kühl und sachlich dann. „Meinet, wegen" — er zuckte die Schultern — mit einer nur zu beredten Wetoegung — „meinetwegen." „Nur nimm Dich in acht", fuhr er ernster fort. „Es gibt Dinge, die ein Mann nicht vertragen darf, und ein Kavalier nicht ungestraft hingehen lassen kann. Und es wäre mir leid, wenn ich den netten Jungen — über den Haufen schießen müßte." ,Lch verstehe nicht, was Du willst", fuhr Ellinor heftig auf, heftiger, als es bei. einem guten Gewissen nötig gewesen wäre. „Ah bah, den Kommentar wirst Du Dir schon leisten können. Der Rittmeister blieb kühl, spöttisch, aber siegessicher: „Außerdem, wenn Du eine Dame sein willst, nimm die Maske von gestern wieder vor. Auch stand Dir die weiße Einfachheit besser, als der gelbe Trödel heute. Vor. nehme Leute bedürfen keiner Prätension. Sie wirken durch sich selbst, sind was sie sind? Und ehe seine Frau noch etwas erwidern konnte, hatte der Rittmeister das Zimmer verlassen. Ellinor blickte dem Gatten nach, streckte die Arme aus, krampfte die Hände, als ob sie jemand zerreißen möchte. Dann sank sie in einen Sessel, schlug die Hande vor das. Gesicht und stöhnte. Bald gaben die Hände ihre Züge wieder frei, leiser hob und senkte sich die bewegte Bruftz, Die Züge aber blieben finster, höhnisch und entschlossen^ Zuletzt spielte ein Lächeln um die Lippen, wie rückhaltlos« Leidenschaft^ Jr? Wenige Minuten später betrat Harro letal 634 Zimmer, übermüde, überreizt, in einem Zustand, in dem Titan Ruhe haben muß pder zu allem fähig wird. Die Jalousien waren heruntergelassen, die Fenster standen aus. Es war die Stunde, da auch das rastlose Berlin zu schlafen oder Atem zu schöpfen scheint. Die Stille, die frische Luft wirkten wohltuend auf Harro ein. Er strich sich mit der Hand über die Stirn — er dachte an seine Frau. Er wollte ihr schreiben, gleich auf der Stelle, damit er es nicht wieder vergaß. Er ließ sich nieder an dem Schreibtisch. Papier war da, ein Druck auf den Knopf der Lampe, die elektrische Flamme brannte auch hier. Er legte das Papier zurecht, setzte die Feder an. Da ging eine Tür hinter ihm, leise, leise — aber er hörte es doch. Er wandte sich um. Bor ihm stand Ellinor im leichten weißen Spitzengewand, eine gelöste Flechte stahl sich in nachtschwarzen Wellen vorüber an dem schlanken Hals und fiel lang über die rechte Brust. Harro prallte zurück. „Ehut!" Im Moment war sie neben ihm, legte die schlanken Fänger auf seinen Mund. „Ehut! Ich liebe Dich. Wir müssen vorsichtig sein." Und tvas kaum in ihm zur Ruhe gekommen, einem besseren Besinnen gewichen, das regte sich von neuem zu lichter Lohe. Alles bessere Wollen war vergessen. Widerstandslos sank er dem leidcnschaftdurch- glühteri W^ibe zu Füßen und hob die Hände empor. „Ich liebe Dich!" jauchzte sie, kaum hörbar, doch berückend mit ihrer Stimme Ton. „Ich mußte Dich heute noch einmal küssen!" Sie beugte sich zu ihm nieder, ihre Hand umschränkte sein Gesicht, hob es ihr entgegen. Sie küßte ihn und kiißte ihn. — Dann aber schlangengeschmeidig entwand sie sich seinem Arm, und wie ein Hauch schloß sich die Tür wieder hinter ihr. 13. Kapitel. Rittmeister von Grcditz nebst Gemahlin und Leutnant Von Uran blieben noch einen Tag in Berlin. Die Rennen waren sehr anziehend; der Kommandeur sollte sich noch etwas ruhen. Ellinor erschien tadellos in einer hellgrauen Toilette, Hut, Schirm und Kleid einfach mit frischen Keil- chen besteckt. Ebenso war sie tadellos kühl und liebenswürdig gegen alle Welt. Wenn wirklich jemand bemerkt haben sollte, daß sie gestern etwas zu lebhaft gewesen war, so mußte er sich heute überzeugen, daß einzig die freudige Erregung über den Sieg von ihres Gatten Pferd die Schuld daran trug, ebenso, daß die vielleicht etwas augenfällige Begünstigung des jungen Urau doch nur dem Reiter von ihres Gatten Kommandeur gegolten hatte, was im Grunde recht begreiflich und für eine Frau erst recht liebenswürdig erschien. Hätte Harro nicht in der Erinnerung noch ihren Kuß empfunden, ihre Worte im Gedächtnis behalten, er würde heute vielleicht untröstlich gewesen sein. So aber schlugen ihm, der einmal dem Reiz einer gewissen Perversität verfallen war, diese Weltgewandtheit und Schlauheit nur noch mehr in ihren Bann. Er bewunderte Ellinor und gehorchte ihr. Er verstand sie ohne Wort und gab sich ganz als interessierter Sportsman, liebenswürdiger Gesellschafter und Kamerad, war aufmerksam gegen, die Damen, wie man es nur bei einem noch so jungen Ehemann erwarten oder leiden nrag. Spät in der Nacht reisten dann Greditzens ab, nach Ems. Harro fuhr am anderen Morgen mit dem Kommandeur nach Kaltenburg. Tief verstimmt, bedrückt, hatte er vor wenig Tagen die Heimat verlassen. Seine Stimmung Batte sich gehoben, je näher er dem Ziel seiner Reise kam. Zohlig erregt, war er heute von Berlin abgesahren. Seine Stimmung geriet unter Null, ja, er selbst aus der Fassung, je näher er seinem Hause kam. Jutta fühlte, daß sie ihren Mann beleidigt hatte. Es gut zu machen, erschien sie nun, ihren herzliebsten Harro gbzuholen, an der Bahn. Er sah sie stehen, als der Zug einfuhr, so anmutig, rosig, lieblich und lächelnd, wie er sie geliebt hatte. Er hätte am liebsten die Mütze über die Stirn gerückt, nichts gesehen und gehört; er schämte sich vor ihr, vor sich selbst. Da waren aber noch Dörrenbach und andere vom Regiment. Stolz aus den Kameraden, hatten sie sich eingefunden, um ihn und den Kommandeur zu begrüßen. So machte sich die Begrüßung der Heiden Gatten keicht. Dann hieß es für Harro nach dem Pferde sehen, die Kameraden gingen mit. Nur Oüernberg und Dörrenbach blieben bei Frau von Urau. .Endlich war Harro wieder berett; man schlug den Heimst weg ein. Einige der Herren folgten mit hinauf zu einem! späten Kaffee, wche Jutta einlud. Eine Girlande war nur die Tür gewunden, der Tisch mit Blumen bekränzt; unter anderem prangte hier ein Napfkuchen mit Schokoladenguß, weil, wie seine kleine Frau erläuterte, den Harro so schrecklich gern mochte. Ja, Jutta war wirklich doch sehr nett und reizend! Die Kameraden blieben noch zu einem Butterbrot, und toasteten auf ihren Reiter und seine reizende Frau. Dann eTupfahl sich der eine, weil er noch in eine Gesellschaft mußte, der andere, weil er noch Dienst zu tun hatte, der dritte, weil ihn seine Familie erivartecke. Dörrenbach, weil er meinte, daß man sich endlich überhaupt zu empfehlen habe. „Warten Sie, einen Augenblick, bitte, ich gehe mit", rief ihm Harro nach, dem plötzlich ward, als schnüre sich ihm die Kehle zu. „Möchte lieber selbst noch mal nach dem Pferde sehen. Ob sie ihn richtig gekühlt haben." Jutta blieb allein zurück. (Fortsetzung folgt.) Iotzamr Maltyasar Schupp. Ein Gießener Schrift steiler. (Zu seinem Todestag am 26. Oktober 1661.) Im 17. Jahrhundert sank das sittliche und geistige Leben in Teutschland mehr und mehr. Adel und Höfe gingen dem Volke mit schlechtem Beispiel voran. Und auch die «chulen, die doch in erster Linie für Bildung und Veredelung des Volkes sorgen sollen, trugen bis gegen Ende des Jahrhmrderts zu ihrer Aufgabe nicht das geringste bei. Während in den katholischen Ländern die Schulen immerhin noch auf derselben Stufe wie vor der Reformation standen, hatten sie in den protestantischen Gegenden ihre Höhe, die sie in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erreicht hatten, größtenteils wieder verloren, und der dreißigjährige Krieg mit seinen Unruhen und Wirren förderte nur noch ihren raschen Verfall. Nicht nur mit den eigentlichen Volksschulen, auch mit den lateinischen oder gelehrten Schalen sah es schlimm aus. In den lateinischen Schulen wurden vornehmlich die Religion und die alten Sprachen (namentlich Latein) gepflegt. In Verbindung mit dialektisch-rhetorischen Hebungen gaben sie die Grundlage sirr den gesamten Unterricht.. D. h. sie sollte n die Grundlage sein, meist jedoch lief das Ganze auf ein stumpsiinniges Auswendiglernen hinaus, war also nichts weniger als geistes- und gemütbildend. Ter Unterricht in der Muttersprache selbst kam am schlechtesten weg; nur das allgemeinste wurde gelernt, und die vorhandenen Lehrbücher besprachen fast ausschließlich die Rechtschreibung. Wie sticsinütterlich die deutsche Sprache behandelt wurde, zeigt schon der Umstand, daß im Unterricht die lateinische Sprache als Verständigungsmittel diente, die noch dazu meist unbeholfen und schlecht genug ausfiel. Auch auf den Universitäten wurde in lateinischer Sprache gelehrt. Ucberhaupt waren ihre Einrichtungen ganz unzweckmäßig. Allgemein bildende Fächer traten vollständig hinter Theologie und Jura zurück. Was diese aber lehrten, war keine Wissenschaft, sondern nur spitzfindige Wortklauberei und starrköpfiges Festhalten an der Ueber- lieferung. Echt christlicher und staatsbürgerlicher Sinn konnten aus diese Weise nicht geweckt werden. Während unter den Professoren falscher Stolz und lächerliche Zanksucht, unter den Studenten aber wüste Rohheit herrschten, blieb die große Masse des Volkes in Unwissenheit und töttchtem Aberglauben versunken. Allgemeine Anerkennung verdienen daher die mutigen Männer jener Zeit, die ihre Stimmen laut gegen die an Schulen und Universitäten herrschenden Mißstände erhoben und deren Be- seitigung forderten. Tie Angriffe erfolgten noch vor Schluß des 17. Jahrhunderts von zwei Parteien, einer kirchlichen unter Philipp Jakob Spener (1635—1705), deren Mitglieder als Pietisten wohlbekannt sind, und einer wissenschaftlichen, von Christian Thomasius (1655—1728) geführt. Toch schon vor ihnen traten einzelne Männer auf, die, von dem Geiste wahren Wissens beseelt, durchgreifende Aenderungen jener für das deutsche Volk unwürdigen Zustände verlangten. Für uns Gießener ist es von ganz besonderem Interesse, daß einer der bedeutendsten Männer dieser Zeit in Gießen geboren wurde. Es ist der Schriftsteller Johann Balthasar Schupp, auch Schuppius genannt. Heute, am 26. Oktober, seinem Todestag, wollen wir feiner gedenken, indem wir einiges von seinem Leben und seinen Schttften hören. I. ,B. Schupp wurde im März 1610 in Gießen geboren, Im Jahre 1626 vertauschte er seinen Wohnort mit Marburg, um sich dort dem Studium der Philosophie und Theologie zu widmen. Während seiner Studienzeit machte er mehrere Reisen, auf denen er Königsberg und Rostock berührte. In Rostock setzte er seine Studien fort und begann hier im Jahre 1631 zum erstenmale öffentlich zu lehren. Aber nicht lange hielt es ihn hier. Tie Schrecken des dreißigjährigen Krieges trieben ihn nach! Marburg zurück, wo er sich als Privatdozent niederließ. Doch« auch hier blieb er nur ganz taj. Wiederum packte ihn das Reisefieber; in Holland lernte er mehrere berühmte Gelehrte kennen. Im Jahre 1635 finden wir ibn wieder in Marburg, jetzt aber als Professor der Geschichte und Beredsamkeit. 1643 übernahm er npch 635 ein Predigeramt, und btdE Jahre später erhielt er von dem Landgrafen von Hessen, Georg II., dem Gelehrten, einen Rus nach Braubach als Hchpredcher und Konsistorialrat. Im Jahre 1648 schickte ihn sein Landesherr zu den Friedensverhandlungen, die in Münster und Osnabrück stattfanden, bei welcher Gelegenheit er die Friedenspredigt hielt. Schon im nächsten Jahre nahm er einen Ruf als Prediger an der St. Jakobs-Kirche in Hamburg an. Anfangs fand er allgemeinen Beifall; später jedoch mar er, bis zum Ende seines Lebens, zahlreichen Angriffen und Schmähungen ausgesetzt. Er starb am 26. Oktober 1661, also im 52. Lebensjahre. Balthasar Schupp hat das große Verdienst, daß er die traurigen Zustände an Schulen und Universitäten nicht nur erkannte, sondern auch zu verbessern suchte. Er betonte nacArück- lich, daß die Schule die Jugend für das praktische Leben vorzubilden habe und delnentsprcchend zweckmäßige Umänderungen erfahren müsse. „Ich bin", schreibt er in „Ter teutsche Lehrmeister^^, „in meiner Jugend ein hundert Meil oder ettvas weiter durch Pohlen gereiset, da mancher armer Jung in einem geringen Tvrsfe mir begegnete, und mir mit seinem Küchen-Latein zu recht Helffen kunte, als wann Cicero bey mir gewep wäre. Es sagte einmahls ein Sackpfeiffer ht Pohlen zu mir: Qurd mihi Gram- matica? Musica bat mihi gleba i. e. panem. Was ist das für eine Thor heit, daß man in Erlernung der Sprachen so viele Jahre zubringe : Und her gegen die wenigste Zeit anwendet in Erlernung derer Dingen, damit man Gott und dem Rechst en dienen und rin Stück Brod erwerben kann?" Und weiter erzählt er: „In Hesfenland ist ein Fürstlicher Stadthalter gewesen, Burchard von Gramm, welcher in seiner Jugend keinen Lust gehabt zu dem Grammaticalischen Kriege, und hat von dem Feldmarschalck Prisciano seinen Abschied und Paßport begehret, nachdem er eine geringe Zeit für einen Mußquetirer gedienet hatte. Als er hernach in seinem hohen Ehren-Ampte gesessen, und mit vielen Obersten und Rittmeistern, auß dem dello Grammaticali umbgeben müssen, soll er «insmahls gesagt haben, er wolle 100 Goldfl. drumb geben, daß alle definentia in A. generis foeminini waeren, und daß er in den lateinischen Wörtern mit der letzten syllaba könne zu recht kommen. Allein er hat seinem Fürsten so wohl gedienet, und dem Lande so wohl füvgestanden, daß ihn Herr und Knechte mehr geliebt, und mehr Nutz von ihm gehabt, als von andern, welche den Syntax und das Corpus JuriS mit Löffeln gefressen hatten". Wir jehen, Schupp verlangte Beschränkung des lateinischer Unterrichts'. Ten Gebrauch der lateinischen Sprache als 58er- ständigungsmittel verwarf er überhaupt; er wollte sie durch die Muttersprache ersetzt wissen. Und damit die Früchte der Wissen- schast auch Besitztum einer größeren Volksmasse werde, verlangte er mit Bestimmtheit die Antvendung der deutschen Sprache in der Gelehrtenwelt, an den Universitäten. „Es ist", schlecht er, „die Weißheit cm keine Sprach gebunden......Tie Franzosen und Jtaliaener lehren und lernen alle Facultaeten imb frehen Künste in ihrer Muttersprache". Und weiter unten: „Wenn ich meine verlohrne Zeit wieder herbey bringen, und noch einmal Professor Eloquentiae aufs einer Universitaet werden fönte, so wolle ich mich bemühen, daß die Jugend in der Wohlredenheit augeführet würde, in ihrer Mutter-Sprache. Tann in ihrer Mütter-Sprache fönten sie leichter zur perfecsion gebracht werden als in einer fvembden Sprache. Cicero hätte lange reden müssen, wann er zu der Perfecsion hätte kommen sollen in der Griechischen Sprache, zu welcher er in der Lateinischen als in seiner Muttersprache kam." J Tie Worte Schupps fanden wohl Beachtung und blieben nicht ohne Eindruck, aber der dreißigjährige Krieg hemmte eine weitere Entwicklung und Ausbaunng seiner Ideen, auch konnte er als einzelner nicht so großen Einflnß auf das deutsche Uni» versitäts- und Schulwesen gewinnen, wie es den Pietisten, sowie Thomasius und seinen Anhängern noch in demselben Jahrhundert gelang. Dadurch, daß biefe znsammentraten und gemeinschaftlich ihre Ziele verfolgten, konnte der Erfolg für die gerechte Sache schließlich nicht ausbleiben. Es überschritte jedoch den Rahmen unserer Betrachtung, wenn wir ».ns darüber Weiter auslafsen wollten. Wir haben festgestellt, daß Schupp einer der ersten war, der den Anstoß zu den großen Umwälzungen auf dem Gebiete der Schule und der Universität gab. In Wort und Schrift, von der Kanzel und in Büchern betonte und 'wiederholte er feine Ansichten. Tie vielen Abhandlungen, die uns von ihm erhalten find, waren zum Teil lateinisch, zum größten Teil jedoch — seinem Standpunkt entsprechend >—■ deutsch cübgefaßt. Letztere erschienen im Jahve 1663 in Hanau unter dem Titel: „Lehrreiche Schriften rc. verfertigt von J. B. Schuppen." Schupp ist "einer der besten Prosaisten seiner Zeft. Aller- ■ dings ist seine Sprache — wie uns schon aufgefallen — häufig von Fremdwörtern durchsetzt und erscheint daher für unfein Geschmack entstellt.^ Immerhin sind manche seiner Schristen auch heute noch lesenÄvert. 'Sie gehören fast ausschließlich der reinen Lehrprosa an. Als erwähnenswert führe ich an: „Corinna, die ehrbare und scheinheilige Hure", die Katechismuspredigt „Ge- denck daran Hancbnrg", ,-Salomo, ober Regentenspiegel", „Freund in der Not", „EhlfertigeÄ Sendschrejbey, cm den LalenderschreLer zu Leiptzig", „Von der Kunst reich zu werden", „Ter teutsche Lehrmeister"" und „Ter Ambassadeur Zipphusius, aus dem Parnaß wegen des Schulwesens abgefertigt an die Kurfürsten und Stände des heiligen römischen Reichs"". In dem „Eylfertiges Sendschreiben, an den Calenderschreiber zu Leipzig"" sinden wir am Schluß eine hübsche Anekdote: „Zu Giessen in Hessenland werden etzliche Jahrmärckt auff dem Feld gehalten. Als ich ein kleiner Knab war, wolt ich einsmals sehen, was auf dem Jahrmarckt passiere. Ich kam zu einem Buchbinder, welcher neben der kleinen Gieser Gram- matic und andern Büchern, welche im kleinen Paedag. zn Giessen gebraucht werden, etzliche Calender fehl hatte. Endlich kam ein Torf-Schultheiß und kauffte die kleine Grammatic für seinen Sohn, und wolte auch einen auff das zukünftig Jahr gerichteten Calender kanffen. 'Seine Fran aber stünde dabey und sagte, et) Johannes seyd ihr denn doll? Ihr habt mir einen Haberman verehret da ich euch genommen hab, und diesen Haberman hab ich noch. Wie viel Calender habt ihr unterdessen gekausft? Zerreisset oder verbraucht doch die erste Calender, ehe dann ihr neue kaufst." Obwohl Schuppfür den Gebrauch der deutschen Sprache eintrat, war er doch ein entschiedener Gegner des geschraubten und gekünstelten Wesens seiner Zeit. Seine Schriften sind daher einfach und volkstümlich gehalten. Auch da gibt er ein schönes Geschichtchen zum besten: „Im Hessenland ist ein Procurator gewesen, genant der dicke Lorentz, welcher sich der Zierlichkeit im Teusichen Reden sonderlich hatte befleißigen wollen. Eins mahls hatte er zu seinem Jungen sagen wollen: Jung hole mir mein Messer. Tamit er nun kund mache, daß ein Unterschied seh zwischen ihm und einem gemeinen hessischen 'Sauren, hatte er gesagt: Pape, bringe mir mein B rodschneidendes Instrument. Einsmahls hatte er zu seiner Frauen sagen wollen: Frau es hat nun geschlagen, gehe zu Bett, ich hab noch etwas zu thun. Tamft nun die Frau wisse, daß er ein hessischer Cicero seh, hatte er gesaget: Tn Helffte meiner Seelen, du mein anber Ich, meine Gehülffin, meine Augenlust, bas gegossene Ertzhat den neundten Thon von sich gegeben, erhebe dich auff die Säulen deines Corpers, und verfüge dich in das mit Federn gefüllte Eingeweide. Jener Phantast wolte zu seinem Jungen sagen, daß er ihm die ©tieffei n ausziehen solle, da sagte er: Tu, her du geringer bist als ich, entledige meinen Unterteil des Leibes von der üb ergezogeuen anatomirten Hau t." 58 t In. Ier Kluge Ka«s. Von Tr. Th. Z e l (.*) Wer durch -Arbeiten über die Tierseele den Anspruch erhoben hat, etwas aus diesem Gebiete zu verstehen, kann zu dem Wunder- pferbe des Herrn v. Osten nicht schweigen. Tonn der Verdacht ist naheliegend, daß dieses Schweigen sich ans dem Mangel eines eigenen Urteils erklärt. Ich veröffentlichte daher ein Gutachten über diese Streitfrage, denn es ist meines Erachtens nicht möglich, in einem Artikel von einigen Schreibseiten über eine so komplizierte Sache ein Urteil zu fällen und nach allen Seiten hin zu begründen. Selbst in meinem Gutachten, das doch 80 Tmckfeiten umfaßt, habe ich eine Menge Tinge nur flüchtig skizzieren können, während sie einer eingehenden Behandlung wert waren. Hier vollends gebe ich nur die Grundzüge meiner Auffassung. Mit meiner Ansicht wäre ich früher an die Oeffent- lichkeit getreten, wenn nickt folgender Umstand hemmend gewirkt hätte. Auf Grund einer liebenÄvürdigen Einladung des Herrn Schillings hatte ich mir den Hengst angesehen. Man fann mir nachfühlen, daß ich nicht gern ihm wie den andern Sachverständigen — wenn auch nur teilweise — widerspreche. Ist es nun schon schwor, sich mit Kennern zu einigen, so ist es noch viel schlimmer, dem Gr'oßstadtpublikum, das dem Tierleben meistenteils sehr fern steht, auseinanberzuseHen, daß gewisse herrschende Ansichten irrig sind. Beispielsweise bin ich auf Grund zahlreicher Proben der festen Ueberzeugung, daß wie die Tiere auch die Naturmenschen ein viel besseres, Erkennungsvermögen besitzen, als die Kulturmenschen. Ich will hier nur an die Vogelberge erinnern, wo cs unser Erstaunen erregt, wie schnell sich die einzelnen Vogelpärchen trotz ihres gleichartigen Aussehens erkennen. Ta nun Farbenblindheit gleichbedeutend mit schlechtem Sehen ist, denn ein Rotblinder findet z. B. trotz seiner scharfen Augen eine reife Erdbeere sicherlich nicht so schnell wie ein mäßig Kurzsichtiger, so ist für mich die Vorstellung, ein Naturvolk fei farbenblind, einfach unfaßbar. Bekanntlich hat diese Frage eine Zeitlang eine große Rolle gespielt, indem man annahm, daß die alten Griechen blau- blind gewesen seien. Tie Begründung dieser Annahme, durch den Hinweis, weil ihnen ein Wort für die blaue Farbe fehle, möchte ich beinahe für einen Witz halten. Vor Jahren schrieb ich hierüber folgendes: , _ Wir haben zwar Ausdrücke, für das Fehlen bei Seh- und *) Teilweise der eben (bei Richard Tietze, Berlin) erschienenen Schrift entnommen: „Tas rechnende Pferd"", ein Gutachten von Tr. Th. Zell. 636 ßörfraft, nämlich blind und toufi, aber für daS entsprechende Wort beim Riechen haben wir bezeichnenberiuetfe kein selbständiges Wort. Möglicherweise schließen spätere Geschlechter daraus — nach Analogie der angeblichen Blaublindheit der Griechen —, daß es bei uns keine Menschen gegeben hat, die nicht riechen konnten. Ueber das UnterfHeidungsvermögen der Tiere schreibe ich in meiner Abhandlung u. a. folgendes: Wer da weiß, wie schwer die einzelnen Raubvogelarten zu unterscheiden sind, der hat sich gewiß schon oftmals gewundert, daß Hühner oder Schwalben und andere Vögel bei den ihnen ungefährlichen Raubvögeln sich ganz ruhig verhalte::, dagegen sofort in Aufregung geraten, falls ein gefürchteter Feind auf der Bildfläche erscheint. Ter Uhu vor der Krähenhütte erkennt selbst am Tage bereits einen drohenden Gegner — er wirft sich dann auf den Rücken — wenn das schärfste Menschenauge noch nichts wahrzunehmen vermag. Eine Entcnmutter mit ihren kleinen Jungen erkennt sicherlich jedes Einzelne ganz genau, während wir Menschen diese Leistung nicht nachmachen könnten. Im Berliner Tiergarten, wo zahllose wilde Enten brüten, begab sich, wie eine Zeitung berichtete, kürzlich folgender Fall. Bei dem knappen Raum ereignete es sich, daß zwei Schofe sich begegneten und die Klemen der beiden Mütter dureinander gerietem Trotzdem fand jedes Entchen sofort seine richtige Mutter. Nur eine kleine Gälte irrte sich einen Augenblick und schwamm einige Schritte weit mit der fremden Mutter mit. Sobald sie ihren Irrtum bemerkt hatte, kehrte sie schleunigst zu den Ihrigen zurück. Und was geschah nun? Tie eigene Mutter war so erbost, daß sie das Kleine packte und ertränkte. Tas anscheinend unnatürliche Verhalten der Entenmutter kann man wohl nur auf folgendem Gedankenwege verstehen. Junge, die verkrüppelt sind, muß man töten, denn sie hindern die andern in ihrein Fortkommen. Ein Junges, das nicht imstande ist, Mutter und Geschwister von Fremden zu unterscheiden, ist ebenso wie ein verkrüppeltes zu betrachten, und muß dementsprechend beseitigt werden. Tabei darf auch nicht übersehen werden, daß die einzelnen Schofe sich gegenseitig als Feinde betrachten, zum mindesten furchtbar neidisch aufeinander sind, so daß das, wenn auch nur momentane, Mttschwimmen mit der fremden Entenmutter als eine Art Ueberläufertum angesehen werden muß. Also hier gilt der Satz: das Unterscheidungsvermögen ist bei den Tieren am größten, schon geringer bei den Naturmenschen, am schoächsten bei den Kulturvölkern. Je gelehrter jemand ist, desto schwächer kann er gewöhnlich äußerlich unterscheiden. Wenn jemand Tinge trägt, die er gern als Naturgaben aus- geben möchte, z. B. eine Perücke, mnstliche Zähne u. dgl., so wird ihm das am besten im Kreise von Professoren gelingen, sehr schwer aber in einer Gesellschaft von Tamen. Ebenso bin ich der Meinung, daß Tiere ein viel besseres Gedächtnis' haben als der Mensch und begründe diese Ansicht ausführlich in meinem Gutachten. Umgekehrt wundert es mich bei den Sachverständigen am meisten, wie diejenigen, die an die Rechenkunst des. klugen Hans glauben, so schnell darüber hinwegkömmen, daß alle bisherigen Versuche über den Zahlensinn der Tiere fast immer negativ ausgefallen sind — wenigstens sowie es sich um größere Zahlen handelt. In meiner Abhandlung schreibe ich über diesen Punkt folgendes: Garner, der bekannte Verfasser des Buches: „Tie »spräche der Affen", ist im Zweifel, ob selbst Affen bis drei oder vier zählen können. Er schreibt in der von Marshall verfaßten Ueber- setzung: Zunächst wollte ich nun feststellen, wie weit der Zahlenbegriff eines Affen reiche und nach vielen nichts beweisenden Versuchen verfiel ich auf einen sehr einfachen Plan; ich nahm ein kleines, viereckiges Holzkistchen und machte in die eine Seite ein Loch, grade groß genug, daß ein Affe seine Hand, wenn er eine Schußkugel in ihr hielt, duähstecken konnte. Darauf nahm ich 3 Schußkug-eln von gleicher Größe und gab sie dem Affen, damit er eine Weile damit spiele. Nach einiger Zeit nahm ich sie ihm wieder ab, tat sie in das Kistchen und gestattete ihm, sie bemuszuholen, was er nur konnte, wenn er eine nach der anderen nahm. Tas wiederholte ich eine Zeit- lang, damit die Zahl der Schußkugeln in dem Kistchen sich seinem Gedächtnis' einpräge. Darauf behielt ich eine der Kugeln zurück und tot blog zwei in das Kistchen. Als er sie herausholte, vermißte er offenbar eine, griff noch einmal in das Kästchen, erhob sich und fah suchend umher. Tarauf steckte er nochmals seine Hand in den Behälter und sah mich dabei an; da er aber die dritte Kugel nicht finden konnte, tröstete er sich mit den beiden, die er hatte, und sing an, mit ihnen zu spielen. Wie er sich mit den beiden beruhigt hatte, nahm ich heimlich eine davon. Er bemerkte ihren Abgang und fing an, nach ihr fu suchen, wie es schien, recht unwillig darüber, daß er sich retzt mit nur einer behelfen solle. Er tat dies' in das Kästchen und holte. sie wieder heraus, als ob er hoffe, dabei die andere auch zu finden. Ich half ihm dairn nach den beiden fehlenden Kugeln suchen, und so fand er fie bald. Da er bemerkte. daß ich das Kunststück verstände, die Kugeln zu finden, wandte er sich gleich an mich, wenn ihm eine fehlte. Ein paarmal öffnete er mit seinen kleinen, schwarzen Fingern meine Lippen, um zu sehen, ob ich sie etwa in meinen Mund gesteckt hätte. Ter Mund ist der Ort, in dem die Affen alles, was sie vor anderen Affen in Sicherheit bringen wollen, zu verbergen pflegen, uns keiner getraut sich dem anderen mit den Fingern ins Maul zu fassen — hat ein Affe ein Ting einmal in sein Maul gebracht, dann ist es sicher vor den Nachstellungen seitens der ganzen Gesellschaft seiner Mitaffen. Ich wiederholte den Versuch mehrere Male, bis ich meiner Sache, daß die Affen bis 3 zählen könnten, sicher zu sein glaubte, Tarauf erhöhte ich die Zahl der Kugeln, mit denen ich experimentierte, auf vier. Nahm ich dann eine davon, so schien der Affe sie manchmal zu vermissen, oder wenigstens im Zweifel zu sein, aber bald wandte er sich seinem Spiele wieder zu und machte sich weiter keine Gedanken darüber, aber er hatte doch betviefen, daß er die Empfindung habe, etwas sei nicht in Ordnung. Ob er nun ivirkljch gerade bemerkte, daß eine Kugel von vieren fehle, will ich dahingestellt sein lassen — soviel 'ist gewiß, eine von dreien vermißte er. (Schluß folgt.) VevsMchtss. * Das musikalische Gehör und die Sing stimme der Kinder bespricht Tr. Treitel im „Prometheus". Er berichtet über Fälle, in denen dreiviertel-, ein- und einhalbjährige Kinder schon einfache Melodien gesungen haben. Auch dem Referenten sind solche Fälle bekannt. Engel, Sprachlehrer zu Karlsruhe, fand bei Untersuchung von 264 Knaben und 691 Mädchen im Alter von sechs Jahren, daß die tiefen Töne f, g, h, a, c in diesem Alter schon bei dem vierten Teil aller Knaben und dem dritten Teil aller Mädchen vorhanden waren. Von den Knaben haben 82,7 vom Hundert und von den Mädchen 78,6 vom Hundert ein gutes musikalisches Gehör. Engel hat ferner noch 314 Kinder im Mer von Uveieinhalb bis fünf Jahren untersucht und ist zu demselben Ergebnis gekommen wie bei den sechsjährigen; nur war das musikalische Gehör im Ganzen besser als bei diesen. Ten geringsten Sttrnmumfang fand Engel bei Kindern mit geringem musikalischen Gehör, den iron zwei ganzen Oktaven nur bei einem dreijährigen Mädchen; ein Umfang von Ij/z Oktaven findet sich bei Mädchen sehr häufig, bei gleichaltrigen Knaben selten. Auch in der Stimmentwicklung sind die Mädchen dieses Alters den Knaben desselben Alters voraus und haben meist einige Töne mehr. Nach Engel besitzt idxeS Kind die Stimmittel für den Gesang. — Tie verhältnismäßig geringe Zunahme des Stimmumfanges mit dem kindlichen Mer beruht auf der anatomischen Entwicklung des Kehlkopfes, der vor der Pubertät nicht wächst. Tre Stimme von einjährigen Knaben hat demzufolge denselben Umfang wie die timt zwölfjährigen. Bei den Mädchen beginnt fdion bei zwölf Jahren die Stimme einen größeren Umfang anzunehmen. Aber auch schon in der früheren Kindheit sind die Mädchen den Knaben an Sttrnmumfang überlegen. „Während der Verstand zum Sprechenlernen notwendig ist, ist er zum Singen nicht nötig. Es gibt musikalisch begabte Idioten, und unter ihnen sogar Talente." Meue Mischer. Weltall und Menschheit, Geschichte der Erforschung der Natur und der Verwertung der Naturkräfte im Dienste der Menschheit von Hans Krämer in Verbindung mit hervorragenden Fachmännern. Mit cm 2000 Illustrationen, sowie zahlreichen farbigen Kunstblättern, Faksimile-Beilagen usw. Exttabeigaben in neuem System der Darstellung. Lfg. 64—68. Berlin W. 57, Deutsches Verlagshaus Bong und Co. Preis pro Lieferung 60 Pf. Braune-Roßla, Rud., Zum Regiment. Drama in vier Akten. Verlag der Barden. Lehmann-Hohenberg, Prof. rD., Naturwissenschaft und Bibel. Beiträge zur Weiterbildung der Religion, Ausblicke auf eine neue Staatsfimst, eine naturwissenschaftliche Antwort auf das Glaubensbekenntnis Kaiser Wilhelms II. Jena, Herrn. Costeuvble. 2 Mk. Reihe,rriitsel. (Nachdruck verboten). Arsenik, Bankier, Bernbnrg, Gottlieb, Mailand, Schwabe«. Borstehende Wörter sind derart zu ordnen, daß der erste Buchstabe des Wortes, der zwette des zweiten, der dritte des dtttten u. s. f. im Zusammenhang gelesen eine bekannte russische Stadt bezeichnen. (AußSsnug in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nrt. Badereise. Redaktion: August Goetz, — Rotationsdruck und Verlaa der Vrübl'leben Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.