1S04. UM «■Taf E MWMk^'I lli Aas Testament des Aan Kiers. \rj. Kriminalroman von A. M. Barbour. i.1 Hans MainWaring. ' 1 (Nachdruck verboten.) In die Privatgeschäftszimmer des Newyorker Bankhauses Mainwaring u. Co. drangen durch alle Ritzen und Spalten der herabgelassenen Jalousien die sengenden Sonnenstrahlen eines schwülen Julinachmittags. Tie dünnen Lichtpfeile verliehen den mit allem Luxus aus- gestatteteir, sanft abgetönten Räumen eine glühende Farbenpracht. In einem der Gemächer saßen vier Herren, von denen drei sich auf den ersten Blick als Engländer kennzeichneten,, der vierte den Amerikaner verriet. Letzterer war ein Mann in mittleren Jahren von schlanker Gestalt und vertrauenerweckendem Gesicht mit durchdringenden Augen, die auf Verstand und Scharfsinn deuteten. Er verhielt sich ziemlich schweigsam, hörte aber dem Gespräch um so aufmerksamer zu. Tiefes wurde hauptsächlich von Hugh Mainwaring, dem Chef der Firma Mainwaring u. Co., geführt, der neben einem Schreibtische von Rosenholz saß, dessen peinliche Ordnung auf eine gewisse Pedanterie des Besitzers schließen ließ. Anzug und Wesen des Bankiers zeigten den feinen Weltmann. Er war eine große, kräftige Erscheinung mit dunklem, graumeliertem, kurzgeschnittcncm Haar. Tas Gesicht war glatt rasiert, seine ziemlich blasse Farbe stach aber gegen das frische Aussehen seiner drei Gesellschafter erheblich ab und machte die dunkelgraüen, kalten berechnenden Augen, die zuweilen einen stahlartigen Glanz annahmen, besonders auffällig. Wenn auch nicht uninteressant, war das Gesicht doch durch die ihm ausgeprägte Leidenschaftlichkeit und den Ausdruck von Eigenwillen und Härte nicht gerade angenehm. Vor ihnr, in nachlässig bequemer Haltung, halb hingestreckt auf einer Chaiselongue und bedächtig eine feine Havanna rauchend, lag Ralph Mainwaring, ein Vetter aus London, der Typus eines hochmütigen, egoistischen Geld- mannes. Obgleich seinem Wetter Hugh im Alter nur zwei ^ahre nachstehend, sah er doch bedeutend jünger aus, da bv etwas zur Korpulenz neigte und sein Haar sowie sein starker englischer Backenbart noch nicht mit Grau gemischt waren. ö ' 1 Ten Kreis schließend, saß in einem großen Lehnstuhl, den er mtt sichtlichem Behagen ausfüllte, William Main- warmg-Thornton, ein entfernter Verwandter der beiden Wettern, ebenfalls aus London. Er mochte anfangs der vierzig stehen uni) war ein Blondin vom reinsten Wasser, mtt einem am Kinn geteilten weichen Backenbart, dessen serdige lange Spitzen seitwärts gebürstet waren. Ganz im Gegensatz zu den ebeu Geschilderten bot er ein Bild des Frohsinns, der Giltmütigkeit und heiteren Laune und schaute aus seinen klaren Augen mit der Offenheit und Ehrlichkeit eines Kindes. Tie Mainwarings waren eine in England eingesessene reich begüterte, in mehrere Linien geteilte Familie. Hugh vertrat als einziger Erbe seines vor fünfundzwanzig Jahren! verstorbenen Vaters die älteste Linie, hatte aber bald nach Uebernahme der Erbschaft das seit vielen Generationen! der Linie zugehörige und mit Pietät erhaltene alte Stammgut der Mainwarings, trotz allen Einspruchs der Wer- wandtschaft, verkauft und war nach Amerika übergesiedelt. Hier hatte er das Bankhaus gegründet und durch Spekulationen von phänomenalem Erfolg sein Erbe zu einem immensen Reichtum vergrößert. Der konservativere Ralph, der als Senior der nächstälteren Linie über den Verkauf des Gutes am meisten aufgebracht war, hatte gleichwohl, als ihm ein Sohn geboren wurde, in weit voraussehender Berechnung dem Wetter das freudige Ereignis mit der Bitte um Annahme einer Patenstelle angezeigt und dann bei der Taufe dem neuen Stammhalter den Namen Hugh gegeben. Die Verpflanzung dieses Namens auf den Zweig seiner Familie geschah in der Hoffnung, daß der Wetter nie heiraten und einst fein Patenkind zu seinem Universalerben machen würde. Erfüllte sich der Wunsch, dann wollte er den altehrwürdigen Stammsitz der Mainwarings für sein Haus zurückerwerben und diesem damit neuen Glanz verleihen. Jetzt, nach mehr als zwanzig Jahren, sollte sein unablässig verfolgter Plan in das erste Stadium der Verwirklichung treten. Vetter Hugh hatte aus Anlaß seines bevorstehenden fünfzigsten Geburtstages und der bannt fast gleichzeitig zusammenfallenden Großjährigkeit von Ralphs Sohn eine Wiedervereinigung mit seinen Verwandten herbei- gesiihrt. Er hatte diese zur Feier seines Geburtstages ein- geladen und dabei angezeigt, daß er gleichzeitig sein Paten- ttnd, Hugh, feierlich zu feinem Erben einzusetzen beabsichtige, Ties bildete den Gegenstand der Besprechung der Versammelten, und Hugh schloß, indem er mit einem Seufzer der Erleichterung sagte: „Ich bin herzlich froh, daß die Sache nun endlich abgemacht ist, sie hat mir lange auf der Seele gelegen und ist schon öfter zwischen mir und .Herrn! Whitney erwogen worden." Hierbei machte er eine leichte Kopsbewegnng gegen den vierten Herrn, der sein Sachwalter und juristischer Ratgeber! ivar, und fuhr bann fort: „Wir waren beibe von ber Notwenbigkeit überzeugt, baß ich mein Testament aufsetzen müsse, unb ich würbe bas auch schon längst getan haben, wenn ich nicht beit jetzigen Zeitpunkt hätte abwarten wollen, ber mir zur endgiltigen! Feststellung meiner Bcstintmungen am geeignetsten schien. Nun, denke ich, ist alles in befriedigender Weise geregelt, und morgen wollen !vir das Tokument ausfertigen und gerichtlich bestätigen lassen." . »So hast Tu keinerlei abergläubische Furcht davor, Tein Testament zu machen?" bemerkte Tlwrnton, — 702 „Nein", entgegnete Hugh ruhig, „ich befürchte durchaus nicht, daß das mein Mleben beschleunigen wird; aber sollte ich wirklich bald sterben, so würde es mir Befriedigung gewähren, die Bestimmungen über mein Vermächtnis getroffen zu haben und zu wissen, daß nur jene von meinem Tode Vorteil ziehen, die ich dazu für berechtigt halte." Ralph blickte den Vetter durch die halb geschlossenen Lider forschend an. „Ich bin der Meinung", bemerkte er scheinbar gleichgiltig, „daß dein einstiger Nachlaß selbst ohne Testament meiner Familie, als Seiner nächsten Verwandtschaft, zufallen müßte." ’ < „Gewiß, Seine Familie würde für die gesetzliche Erbin gelten", erwiderte Hugh, indem er mit seinem Sachwalter einen Blick tauschte, „Sn vergißt aber, daß ich naturalisierter Amerikaner bin und hierzulande jeder beliebige Abenteurer aus Grund vermeintlicher Rechte Ansprüche ans den Nachlaß erheben kann. Es ist mir deshalb eine große .Beruhigung, die Sache jetzt nach meinem Willen geordnet KU haben." „Versteht sichst stimmte Ralph bei, „Und ich für meine Person bin mehr als bereit, alle meine Rechte dem Jungen abzutreten; ebenso, denke ich, wirst auch Siu, Thornton, um Ediths willen, keine Einwendungen machen." „S Gott bewahre, sollte mir einfallen", lachte der Angeredete lustig. „Ich habe Seinen Hugh niemals für einen schlechten Schwiegersohn gehalten, und jetzt wird er nur noch anziehender." Sie kleine Uhr ans dem Marmorsims des Kamins schlug vier, was bei allen eine Bewegung der Ueberrasch^- ung hervorrief. / ,Lch hätte nicht gedacht, daß es schon so spät wäre!" rief Thornton, während Hugh, einen elektrischen Knopf berührend, sagte: ,^Ja, die Sache hat uns viel länger arff- gehalten als ich dachte. Ich will dem Bureauvorsteher nur Noch einige Anweisungen geben, dann wollen wir gleich Nach Hause." Kaum hatte er ausgesprochen, als sich geräuschlos eine Tür öffnete und ein Mann von mittlerem Alter erschien. „Parsons", redete ihn der Chef in geschäftsmäßig trockenem Tone an, „ich fahre nach Schöneiche und werde, falls nicht etwas ungewöhnlich wichtiges meine Anwesenheit erheischt, zwei oder drei Tage nicht in die Bank kom- jmen. Weisen Sie jeden, der mich geschäftlich sprechen will, an Herrn Elliot oder Herrn Chittenden: für Privatbesuch bin ich in Schöneiche zu finden." Ser Bureauvorsteher verbeugte sich steif und zog sich wach einigen weiteren Verhaltungsmaßregeln wieder zurück. Hiernach sich seinem Sachwalter zuwendend, fuhr der Hausherr — gleichzeitig auf einen anderen elektrischen Knopf drückend — fort: „Whitney, Sie kommen natürlich mit Nach Schöneiche, mein Sekretär wird mich auch begleiten. Wir wollen das Testament morgen abfässen, und dann verweisen Sie mir die Ehre, am folgenden Tage an der Feier meines Geburtstages teilzunehmen." „Stehe ganz zu Siensten, Herr Mainwaring", antwortete der Sachwalter; „aber wäre es nicht besser", setzte er im Flüstertöne hinzu, um nicht von dem eben eintretenden' Geheimsekretär gehört zu werden, „wäre es nicht besser^ das Testament hier in Ihrem Geschäftszimmer auszufer- tigen? Meine Anwesenheit in Ihrem Hause, gerade jetzt, könnte an gewisser Steile Aufmerksamkeit erregen und Argwohn erwecken." „Ach was, mag das immerhin sein!" entgegnete der Bankier plötzlich erregt, aber ebenfalls flüsternd, „ich habe alle meine Privatpapiere zu Hause, und es ist mir lieber, dort die Sache zu Ende zu führen. Ich denke doch, daß ich noch Herr in meinem Hause bin!" Herr Whitney verbeugte sich stumm, und Hugh sagte zu seinem Geheimsekretär: „Herr Skott, verschließen Sie hier cklles, und dann machen Sie sich Bereit, mit mir nach Schöneiche zu fahren; wir werden dort zwei bis drei Tage bleiben." Es war nicht das erstemal, daß der Sekretär seinen Prinzipal nach dem prachtvollen vorstädtischen Wohnsitz, begleitete. Trotz des nach seinem Eintritte leise geführten Gesprächs hatte er Noch jedes Wort verstanden und wußte also, warum er mitgenommen wurde. Er tat, wie ihm befohlen worden war, und verließ dann gleich wieder das 'Zimmer, um seine Vorbereitungen zu treffen. Aus irgend einem Grunde, dessen Erklärung zu suchen! Dtgh sichuieumls. die Mühe gegeben hatte, gewährte ex seinem Geheimsekretär stets mehr Achtung und Rücksicht als irgend einem anderem seiner zahlreichen Beamten'. Harry Skott war ein junger Mann von vorzüglicher Erziehung und vollendeten Formen. Was sein Prinzipal aber an ihm besonders schätzte, war eine gewisse, in feinem) Wesen liegende Zurückhaltung dem anderen Beamtenpersonal gegenüber, sowie ein ihm angeborener Takt, der ihn niemals seine Stellung vergessen oder eine unpassende Vertraulichkeit annehmen ließ; er war stets respektvoll, dabei aber nie servil. Schon über ein Jahr bei Herrn Mainwaring, kannte er Haus und Umgebung von Schöneiche ganz genau. Als er seinen ^schästsanzug mit einem Gesellschaftsanzug vertauscht hatte und wieder zu den vier Herren) znrückkehrte, sah sich ein jeder unwillkürlich gezwungen, ihm die seinem vornehmen Wesen entsprecheiwe Behandlung zuteil werden zu lassen. Groß, eine prächtige Erscheinung von auffallender Schönheit mit edel geformtem) Kopf, schwarzem Haar und ebensolchen Augen, war er ohne Frage die anziehendste Persönlichkeit der Gesellschaft, die in den mit dem Wappenschild der Mainwarings geschmückten Equipagen nach Schöneiche ftlhr, < i > ! I Schön eiche. r Sie Privatwohnung Hugh Maiuwärings lag aU der schönen Mlee, die im Norden zur Stadt hinausführt. Gleich allen anderen Gebäuden dieser Stadtgegend, war auch Hughs Haus ein palastartiger Bau. Seitdem er es in feinen Besitz gebracht, hatte es aber eine gewisse Individualität angenommen, die es wesentlich von seinen eleganten Nachbarn unterschied. Sie Jahre waren nicht vorübergegangen, ohne dem Hause in vielfacher Beziehung den Charakter seines Herrn aufzuprägen. Ursprünglich hatte es einer der reichsten und ältesten Familien des Landes gehört, war also' kein streng modernes Haus. Ein solches hätte auch dem Geschmack des stolzen Mainwaring durchaus nicht entsprochen; ein Haus, dessen Hallen nicht noch die Spuren des Altertümlichen trugen und in dessen Atmosphäre nicht noch der schwache Suft längst vergangener Tage herrschte, wäre Hugh viel zu plebejische gewesen. Von der Straße bis zum Haupteingang schlängelte sich ein Breiter Fahrweg unter den verschwungenen Aesten einer doppelten Reihe riesiger Eichen, die dem Wohnsitze seinen Namen gegeben hatten. Schöne Park- und Gartenanlagen erstreckten sich nach allen Richtrmgen und senkten sich auf der Rückseite des Hauses allmählich bis zum Ufer eines kleinen Sees hinab. Das Hauptportal lag nach Westen. Fast rings um das Haus lief eine Breite Veranda mit herrlicher Aussicht auf die unmittelBare UmgeBung und weiterhin Bis auf den nicht allzu fernen Hudson. Ser südwestliche Teil des Gebäudes enthielt die Prwatzimmer des Hausherrn, zu denen auch der sogenannte Turm gehörte, den er bald nach Erwerb der Besitzung angebaut hatte. Tiefe Zimmer lagen fern von den Gesellschaftsräumen im zweiten Stock. An dessen südwestlichem Ende befand sich das Biblio- thekzimmer, ein halbes Achteck, ausgestattet mit aller Pracht und kostbaren Bänden, die sich an den Wänden vom Fußboden bis zur Seife reihten. Sie Mittelseite des Achtecks war drapiert mit schweren Portieren; hinter diesen, halb verborgen, lag das „sanctum sanetuorum", wie Hugh es nannte — das Turmzimmer. Sieses war klein, von kreisrunder Gestalt und mit einem mächtigen Schreibpult, zwei drehbaren Bücherrepositorien und einem eifernen Geld- schrank möbliert, der neben wichtigen Papieren, wie es hieß, auch die alten Mainwaring-Juwelen enthielt. Au! die Bibliothek schlossen sich das Rauchzimmer und! das Schlafgemach. Aus den letzteren beiden ZimMern gingeU Türen in die sogenannte obere Halle, durch die man nach dem Südoder Seitenausgang des Hauses gelangte. Ser herrschaftliche Zutritt fand durch die unmittelbar mit dem Westportal zusammenhängende große Halle statt. Von dieser führte ein direkter Aufgang zu dem langen Korridor im zweiten Stock, au dessen südwestlichem Ende die beschriebene Bibliothek lag. Vom Südausgange lief ein zwischen Staudengewächs en sich schlängelnder Kiesweg nach einem Lustwäldchen, das sich bis zu dem kleinen schpu erwähnten See hinabzog und dessen Ufer umsäumte. Doch das, was Schöneiche den Stempel besonderer Eigentümlichkeit gufdrüchte, war der Hauch der Exklusivität, der — 703 das Haus durchwehte. Mit Alls nahm« von' „Onkel Moses"> einem Neger, dem die Instandhaltung der Park- und Gartenanlagen oblag, bestand die gesamte Dienerschaft aus Ausländern. Der Küchenchef war ein Franzose, das andere Personal stammte aus England oder Irland; vom Portier bis zum Stubenmädchen schien jeder sich die Zurückhaltung Ungeeignet zu haben, die den Hausherrn charakterisierte^ Hugh Mainwaring begnügte sich übrigens mit einer verhältnismäßig geringen Dienerschaft. Er bedurfte auch keiner größeren, denn noch niemals bis jetzt hatte das Haus länger weilende Gäste ausgenommen. Hin und wieder wohl kam es vor, daß er aus der Stadt einige befreundete Herren mitbrqchte, die er dann fürstlich bewirtete; sehr selten jedoch erschienen die Herren in Begleitung ihrer Damen, denn solche wurden in Schöneiche nicht gern gesehen. ; .. l ■ ■ ■'y z' (Fortsetzung folgt.) >■'< ; A iz; Nervös. Gleich einem bösen Dämon drängt sich die Nervosität immer tiefer in unser häusliches und gesellschaftliches Leben, lastet!vie ein Alp auf Arbeit und Streben und lähmt so manche tüchtige Kraft schon in jungen Jahren. Viele nennen sie die Krankheit des Fortschrittes und der Elektrizität, andere die moderne Krankheit des Fortschrittes und der Elektrizität, andere die moderne Krankheit, doch gleichviel, jedenfalls ist sie das Schreckgespenst unserer Tage. Wehe dem Unglücklichen, den cs mit seinen zitternden Krallen erfaßt, um ihn mit eisernem Griffe festzuhalten, über dessen Augen es einen düsteren Schleier breitet, durch den kein Licht- und Sonnenstrahl zu dringen vermag, dessen Herz es umklammert, um Friede und Hoffnung darin zu ersticken. Ter Begriff „nervös" birgt eine solche Fülle von Körper- und Seelenleiden in sich, die nur der ermessen kann, der ihn in seiner wahren Gestalt bei sich oder seinen Lieben kennen lernte. Ausdrücklich sei gesagt: in seiner wahren Gestalt, deren gar zu oft wird mit der Bezeichnung „nervös" Mißbrauch getrieben, gern benutzt man sie als Sammelname für allerlei Schwächen und Untugenden, namentlich des weiblichen Geschlechtes. Und doch ist es eine schreiende Ungerechtigkeit, die beklagenswerten Kranken mit denen in eine Linie stellen zu wollen, die unter der Schutzmarke „nervös" sich die größten Rücksichtslosigkeiten gegen ihre Umgebung zu schulden kommen lassen. Ta nimmt's denn nicht Wunder, daß man nach manchen' Erfahrungen den Nervösen häufig mißtrauisch und teilnahmlos begegnet, ihre Leiden als Einbildung, Mangel an Selbstbeherrschung und Ausfluß übler Laune betrachtet und sie in kränkender Weise verurteilt. Es ist dies die natürliche Folge der oben ertvähnten Begriffsverwirrung, aber es klingt ja höflicher und salonmäßiger, zu sagen: „Gnäd'ge Frau ist nervös" als gerade heranszu- poltern: sie ist ein närrisches, heftiges launenhaftes Geschöpf. Und doch wären letztere Prädikate in vielen Fällen richtiger. Tie Dame, welche um eines llcincn Versehens, einer absichtslosen Vergeßlichkeit willen sich in den heftigsten Ausfällen gegen die Dienerschaft ergeht, ist nur etwas „nervös erregt", aber beileibe nicht heftig oder zornig. Wenn sie die Kinder nicht um sich haben kann, die Fragen derselben kurz und herrisch abweist, sich jede Unruhe verbittet, und schließlich die kleinen Uebeltäter aus ihrer Nähe verbannt, so darf man diese Frau nicht launenhaft oder egoistisch nennen, die Aermste ist ja „nervös". Kommt der Gatte nach getaner Arbeit heim und möchte sich im Familienkreise erholen, ach, dann sind die Kinder längst zu Bett geschickt, eine Leidende empfängt ihn, und unaufhörlich ergießt sich der Strom der Klagen über sein langes Ausbleiben, die Unruhe der Kinder, die Rücksichtslosigkeit der Tienstboten, das Geklingel der Elektrischen und das Gerassel der Fuhrwerke. Tie Zeitung brachte wieder Schauergeschichten, die Mappe vom Lesezirkel wurde nicht rechtzeftig umgetauscht, die Näherin versäumte die versprochene Anprobe — alles Dinge, welche die ohnehin schwachen Nerven der bedauernswerten Frau noch mehr erregten. Ter arme Mann hört geduldig zu — er weiß, wer im Hause am meisten unter den Nerven leidet — er tröstet und beruhigt, soviel er kann, denn er weiß, durch Widerspruch würde er eine Szene heraufbeschwören, die ihm nach dem arbeitsreichen Tage auch noch eine schlaflose Nacht brächte. So gewöhnt man sich denn nach und nach daran, die „nervöse" Frau als ein Wesen zu behandeln, das über der ge- wöhnlichen Sphäre schwebt und sorgfältig gehütet werden muß, daß nicht etwa sein Fuß an einen Stein stoße. Verwandte und Bekannte kennen schon die Mahnung, wenn irgend etwas Unliebsames passiert, ist: „Bitte, sprechen Sie nicht mit meiner Frau darüber, bei ihrer zarten Gesundheit. . ." oder: „Sagen Sie doch nichts der Mama, sonst bekommt sie Weinkrämpse." Es kommt dann schließlich soweit, daß sie alle Rücksichten als ihr Recht fordert; sie gefällt sich in ihrer tadelnswerten Schwäche und lächerlichen Hilflosigkeit, sie betrachtet sich als das verwöhnte Kind der Gesellschaft, das man mit Süßigkeiten füttert, um ihm vollends den Magen zu verderben. Aber sie kann ja nichts Unangenehmes ertragen, häusliche Arbeiten und Sorgen würden sie langsam aufteiben, während Zerstreuung und Vergnügen der Jungbrunnen ist, in den sie jeden Tag von neuem! untertauchen möchte. Natürlich werden bei solchem Leben die Nerven immer zarter und empfindsamer, und wenn dann schließlich die rücksichtslose Welt als eine unerträgliche Last empfindet und überdrüssig beiseite schieben möchte, was sie selbst erzogen und systematisch gefördert hat, dann kann man mit Recht Mitleid haben mit solch' armen Opfern einer verkehrten Liebe und übel angebrachten Rücksicht. Würde man zunächst im eigenen Hause den: Ausbruch „ner-1 vöser Laune" im ersten Entstehen mit liebevoller Energie begegnen, anstatt die Blenden zu schließen und die Türklinken! mit Watte zu umwickeln, würde der einer versagten Bitte folgende Schwächeanfall oder Weinkrampf anstatt durch Riechsalz und Baldriantropfen durch ernste Vorstellungen bekämpft, sicher wäre das in vielen Fällen eine wirksame Kur und würde glücklichere Folgen für alle Beteiligten haben. Streckten sich nicht der Schwachen, Hilflosen gleich stützende Hände entgegen, gar manche lernte bald kräftig und sicher auf eigenen Füßen stehen. Wie oft erlebt man's nicht bei Schicksalsschlägen, daß in der bis dahin hilflosen, verwöhnten, nervösen Stent urplötzlich die ganze heroische Stärke des Weibes erwacht, daß die Gesellschaft staunend und bewundernd die Hand am Steuer sieht, die bis dahin nur mit Roseublättern spielte. Warum mußte aber erst das harte Schicksal sie zwingen, ihre Kraft und Stärke zu erproben? Weil Liebe und Rücksicht sie wie Bleigewichte lähmten. Es wäre gewiß eine Grausamkeit, wollte man gegen wirklich Leidende, denen man die größte Rücksicht erweisen sollte, mit schroffer Gewalt vorgehen und durch lieblose, ungerechte Strenge ihr Elend zu unerträglicher Qual steigern, ebenso ist es aber auch eine Grausamkeit, nervöse Laune, kindische Empfindlichkeit, Eigensinn, närrisches Wesen und wie die ganze saubere Vetterschaft heißt — die manchmal schon beim Kinde sich einfindet ■—■; durch unvernünftige Nachgiebigkeit und mißverstandene Liebe zu Hausgenossen und Lebensgefährten eines armen Menschenkindes zu machen. Wollten alle sich vereinigen und zunächst jeder in seinem klemm Kreise mit Klugheit, Besonnenheit und Liebe gegen diese Erzfeinde des häuslichen und gesellschaftlichen Lebens zu Felde ziehen, so wäre dies ein Befreiimgskrieg, der Sieger und Besiegte in gleicher Weise beglücken würde. Die Phantasie des Kindes. Daß im Kinde Mächte und Fähigkeiten schlummern, die nah verwandt sind mit den schöpferischen Kräften des Genies, hat man schon oft betont. Eine Fülle wertvollm Materials zu dieser Frage trägt Fr. Queyrat in seinem neuen Werke „Les jeux des enfants" zusammen. Zunächst spricht er darin, der empfehlenswerten Wiener Halbutonatsschrift „Mutter und Kiird" zufolge, von der Phantasietätigkeit des Kindes, die aus alltäglichen Dingen Wunder des Märchenlandes hervorzaubert. Aus den ungewissen Formungm der Wolkm und der Gesteine erwachsen seltsame Wesen, an dem geschwärzten Stück der Decke läßt das Kind stundenlang seine Blicke hinwandern und malt sich allerlei Merkwürdiges aus. So erzählt Anatole France von ■ seiner Kindheit: „Meine Mutter stellte jede Nacht meine Wiege ganz nahe an ihr Bett, dessen riesige gebauschte Vorhänge mir Furcht und Bewunderung einflößten. Kaum lag ich in meinen: Bettchen, so tanzten sogleich wildfremde Gestalten um mich herum, Leute mit langen Nasen wie Storchschnäbel, wilden, tief hernnter- hängenden Schnurrbärten, spitzet: Bäuchen und krttmmeu Wackel- beineit. Sie zogen an mir vorbei, mit dem Prosit mir zugewandt, jeder ein großes rundes Auge mitten auf der Backe, mit Bürsten, Besen , Guitarren. Spritzen und allerlei Instrumenten bewaffnet." Tie Phantasie des Kindes geht ins Ungeheuerliche und Groteske, wirr und phantastisch zusammengetvürfelt, vor allem ins Riesenhafte gehoben sind ihre Gebilde. Wie erstaunt ist der herangewachsene reife Mann, wenn er die Stätten seiner Kindheit wiedersieht und dieses Trauntlaud märchenhafter Erlebnisse nut: vor sich lieget: sieht, so klar und nüchtern, so alltäglich und gewöhnlich. Tie Heine Pfütze, war sie nicht einst ein Meer? Ter stille, verschlafene Garten ein Urwald von verwirrende c Größe und diese kleinen Hügel hohe Gebirge? Doch nicht nur int Größermachen und Steigern des Gesehenen lebt sich die kiud- liche Phantasie aus; sie bevölkert auch die Welt mit ganz neuen Wesen, schafft sich aus dem Nichts ein eigenes Wunderreich. Hinter der täglichen Umgebung hegen die geheimnisvollen weiten Lande ihrer Ahnung und sie erzählt von fremden Leuten, die hinter den Bergen wohnen. Besonders aus engen, Winkeln, in dunklen Schränken und tiefen Ecken tauchen ihm solche Visionen hervor; die Unwissenheit des Kindes, das die realen Gründe der Erscheinungen noch nicht versteht, sucht so eine höchst naive, oft poetische Erklärm:g. Tas Kind macht auch die toten stumn:en Tinge lebendig, leiht ihnen Gefühl und Seele. Selbst die Buchstaben werden Personen. So sprach ein kleiner Junge, der den Buchstaben „W" in sein Herz geschlossen hatte, nur von „meinem guten alten W". Ein Junge von vier Jahren soll ein L machen, doch die Feder gleitet aus, der Buchstabe wird schief und erscheint auf die . 704 aber ■ T Grems-Selmer, Die Doktorsfa milie rm hohen Norden, ton Buch für die Jugend. (Verlag Trr I. Marchlewski u. Co., München. 2 Mk.) — Ihr Eltern und Onkels und Tanten, die Ihr dies leset, denkt Ihr noch der Zeit, da wir inng waren? Wißt Ihr noch, wie wir da alles verschlangen, was gedrrickt worden, so wißt Ihr auch, wie wichtig es ist, der Jugend nur gute Bücher in die Hand zu geben! Es ist in den letzten Jahren anch hierin besser geworden im deutschen Lande, die Jndianerbücher sind etwas aus dem Felde gedrängt worden. Wie steht es aber mit den Mädchen? Schlimm — denn da herrscht immer iloch die Torte mit gefärbtem Zuckerguß. Und gar für das, Alter von 12 bis 14 Jahren, wo die Wünsche anfangen, sich zu regen und das Ange unheimlich scharf beobachtet, gibt es wenig der Empfehlung wertes. Zu dem Wenigen gehört unbedingt das oben genannte Werk. Tas Buch hat verschiedene Qualitäten, die es weit ab stellen von dem Tnrchschnitts- Kam, der gerade der Jugend so oft vorgesetzt wird. Ganz einfache Homonym. Nachdruck verboten. Zehn Worte, von denen ein jedes doppelte Bedeutung hat, sind zu suchen. Hat inan diese gefunden rind richtig geordnet, so ergeben die Anfangsbuchstaben einen bekannten Kalendertag. Die Worte bedeuten: 1. Anlage zu EtivaS. Altgriechische Münze. 2. Gastwirtschaft. Wiederherstelliing. 3. Metall. Bezeichnuirg für Knirps. 4. Fisch. Bestimmte Art von Arbeit. 5. Zahl. Mittelalterliche Verfügung. 6. Gangart. Niederung. 7. Hieb. Bezeichnung im Kartenspiel. 8. Behörde. Teil einer Mahlzeit. 9. Hunnenkönig Hnsarenrock. 10. Weiblicher Personenname. Fluß im Harz. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Zusammenstell-Rätsels in vor. Nr.: Sand Chor Holz Igel Lira Lohn Egge Reif Senf Gips Elen Bast Ukas Rast Trog Skat Talk Aloe Gliit. Schillers Geburtstag. aktton. August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lauge, Giesten. Vermischter. K o m i s ch e B r i e f a u f s ch r i f t e n, die noch aus der Zeit stammen, wo die Post noch leine Beförderung durch Dampf- maschmen und Elektrizität kannte, werden in der „Deutschen Verkehrszeltung mitgeteilt. Wir geben einige von ihnen, die besonders die damaligen gemütlichen Zustände charakterisieren, wieder: Tresen Brief wolle der Herr Post Secreter abgeben in der Konigsstraße, da wohnt ein Schuster, da wohnt ein Tischler im Haufe, dce beiden hab ich den Namen vergessen es liegen Bohlen vor der Tur m Berlin. , . Au Todtschläger August L. er soll Kaufmailn sein und seine Kaffeebohnen und harten Zucker stahl er mit seiner Frau vom alten Buchholz, die sie dann verkaufte, nicht zu vergessen, feme Frau lugt, stiehlt und seift dichtig Wohlgeboren L . . .s , An Frau voll Tisch 'und Bett geschiedene Leunierin wohnhaft in Poppzig. v ' Diesen Brief abzugeben auf der Schmiedestraße, da wohnt ein Schneider, der hat einen Gesellen, der Johann Philipps heißt, ans Frankfurt a Hamburg. N. B. 4 Ggr. Porto habe schon bezahlt. Dein zu dienender Vater A. Philipps. . Adresse an den Herrn Beck zu Bremen. Er Loschird in emen Gasthofs sie werden doch die güte haben und werden ihn anffuchen er will nach Amerika und wenn der Herr noch nicht da ist» so wird er wohl kommeii. uni,>^^e Wirtschafterin zur neuen Welt, die das ganze Haus t ntcr sich h„t in N. verte. Tas Königl. Postamt tue ich bitten ihr den Brief hemlich znstecken zu lassen. w Jungfer Julepimpe, die bei der Madam H % rwr Amme dient, und die man bei eenzige kleine 51 In0 y’Qt ITt aO. . ,/u meine Tochter Marie Kaiserinn ins Krankenhaus hoch- laß?seman^drüi ~ t,erte" S$enn fc wider ins Wasser springt, B. ü?<5.bie %öni8L berittene Frau Grenzaufseherin Johanna I Zeilen gebückt. „Sich' mal: es hat sich hingesetzt!" ruft der Kleine. Bon zivei Buchstaben, die zu eng aneinander gerieten, mitte er, fte „plauderten zusammen". Mit ihrem Löffel, ihrer Tasse, ihrem Teller stehen die Kinder in einem innigen Verhältnis reden oft zn ihnen und weinen bitterlich, wmn sie entzwei gehen Wie nur irgend ein Dichter geben sie Blumen und Pflanzen, selbst bett Steinen eine Seele. Traurig rief ein kleines Mädchen, als es em paar Blumen welken sah: „Ach, Mama, laß sie, bitte, nicht sterbeti", und es tonnte bitterlich, als im Herbst die Blätter von den Bäumen auf die Erde sanken. Ganz abstrakte Worte erwecken tm Kinde Vorstellungen, bestimmter anschaulicher Tinge. Bet dem Ausdruck „Tie Jagd ist geschlossen" dachte ein kleiner Junge an gewaltige Tore, die um die Wälder und Felder herum- standen und nun mit großen Schlüsseln zngeschlossen würden. Bei dem Worte „A,er Frühling ist gekommen", fragte ein Kind danach, auf welchem Weg er käme und wie er denn aussähe, ob er an der Tür klingeln würde. . Tas Kind sieht die Dinge, die mau ihm erzählt, sogleich in völliger Lebendigkeit vor sich und sammelt sich um ein einziges Wort eine Menge anderer Vorstellnngen. Pierre Loti erzählt von einem kleinen siebenjährigen Mädchen, mit dem er in einem Garteneckchen eine große Aprikose aß und das dabei folgende Geichichte erzählte: „Es war einnral ein kleines Mädchen: das machte eine sehr große Frucht aus den Kolonien auf; ■m. kam aber ein wildes grünes Tier heraus; das biß das kleine Mädchen und das starb daran." Wie leicht ein Kind auch de» verschlungenen Pfaden einer Erzählung folgt und tote die Erklärungen Großer fie nur in ihrem eigenen Nachdichten stören, lehrt eine Geschichte von einer Mutter, die ihrem kleinen Jungen von 6 Jahren eine Geschichte vorliest: „Ich fürchte, du ver- stehst mich nicht, mein Junge", sagte sie. „O, Mama, ich würde 'wo» recht gut verstehen, wenn du mir nicht soviel erklären wolltest. Sehr interessant ist es, wie sich langsam die dichterische Fahigteit in dem Kinde bildet. Von einem gewöhnlichen Anlaß aus steigen ihm allerlei Zusammenhänge ans und es beginnt zu erzählen, ruckweise, in jenem schlichten Ton, in dem unsere Heldenlieder und die Geschichten aus der Kindheit der Völker Tfuen. Stuttgart. Brosch. 5 Mk. — Rudolf Herzogs' Kunst hat etwas vom Zecherfrohsinu. Wer dieser Roman gibt uns auch den feinen Stimmungsmenschen Herzog, der der namentlich für Musik ein iiimges Verständnis besitzt. Vor allent Wagnersche Musik aber auch das Volkslied mit seiner ewig guellenden Lebenskraft, machen zum Teil beit Stoff seines Romans aus. Das Leben des traumerlfchen, schwermütigeii aber Jugendfrohsinn liebenden Edelmenschen Franz Grube , eines Patriziers unserer Nachbarstadt Frankfurt a. M., ist ohne das Volkslied, ohne die Musik und ihr Lebenslied nicht vorhanden. Mit viel Geschick lehnt Herzog das Eiitzelschicksal aller seiner Personen an irgend ein großes Allgemeingut der Menschheit an. Für Herzog ist das Leben reich an Schönheit, weil alles bedeutsam wird, das Einzelne für das Ganze die Natur für den Menschen, das Weib für de» Mann, das Leben für die Kunst, der Leib für die Seele, ebenso wie das Ganze für den Einzelnen und so fort. Er erschaut die großen Zuiammenhäuge vom Elternhaus zur Kindschaft, vom Leben hm zum Wissen, und darum sind seine Charaktere bodenständig, man könnte sie unmöglich verpflanzen, sie sind zugleich mit der Landschaft, in der sie sich tummeln, mit dem Himmel, der sich über ihnen nrid ihrer Zeit wölbt, gesehen und geschildert. Es ist ein Volksgemälde, dieses Buch, kein einsames nur anregendes Stimmungsbild; es erschöpft seinen Gegenstand in der voU dem Dichter gedachten Totalität, darum ist es allen zu empfehlen, die fi chleinmal von dem Geist des modernen Kunstlebens in einer altehrwürdigen Stadt toie Frankfurt a. M., ganz erfüllen lasfen wollen. Literarisches. , - . ~ L e b enslie d" von Rudolf Herzog, Roman ln drei Buchern, Verlag I. G. Cottasche Buchhandlnug Nachf., Manchmal freilich werden diese Erzählungen auch schon zu kühnen Anffchneiderelen, wie die Geschichte eines Jnngeil zeigt, der emmal auf dem Meere gefahren war und nun davon er» Uwte: „Einmal da bin ich auf dem Meere gefahren in einem mettungsboote; plötzlich da sah ich einen riesengroßen Walfisch auf den^dicken^breitm Rücken^ Walfisch mitten । uum, oer geraoe oer yugeno ,o oft vorgefetzt tonto. Ganz einfache stillem Rücken eüm ar£“Dteife bnnk“ mm f^„™bq^ter rauf Ereigniffe sind es, die geschildert werden und nirgends ist der kind- zn nd lachtem Ubei auf boHent ^»1^" “ Kgliche sahen iche Horizont über chritten. Aber eilte Dichterin schreibt, und ’ nno maittit oavei auo vollem Halse . i >o l e b t auch das Kleinste. Tie Phantasie, die wir Erwachsene so wr znrückdämmen und nach der wir uns doch so sehr sehnen, komm : zu ihrem Rechte. Tie Bäume halten Zwiesprache mit dem Sckm e und das Licht spricht zu den Menschen. Alles ist dabei großzügig gestaltet und die Gefühle, die zur Auslösung kommen, sind einfach und stark. , Vaterlandsliebe und Frömmigkeit sind in diesem Buche, aber fie schreien nicht, sondern sie sind selbstverständ- lich und damit künstlerisch berechtigt. Daß alles hoch oben spielt, wo das Eis herrscht und das Nordlicht leuchtet, gewährt dem Werke noch einen besonderen Reiz, der beim Vorlesen greifbar tvird. — Tie Ausstattung ist gut, der Preis niedrig, und die lieber» sttzuug läßt nichts zu wünschen übrig. Es fehlen also nur die Käufer — denn für ein gutes Buch zu werben, damit dem Ver- fasfer auch sein Lohn werbe, ist löblich und ästhetisch. H e y s e, Tr. I. Chr. A., allg. verbentschendes und erklärendes Fremdwörterbuch mit Bezeichiiung der Aussprache und Betonung der Wörter nebst genauer Angabe ihrer Abstammung und Bildung. Unter Berücksichtigung der amtlichen Erlasst über Verdeutschung der Fremdwörter nach der neuen einheitlichen Rechtschreibung neu bearbeitet, vielfach berichtigt und vermehrt von Prof. Tr. Otto Lyon. 18. Orig.-Ausg. (VII., 927 S.) Hannover, Hahnsche Buchhandlung. Geb. 6 Mk