(Nachdruck verboten.) Irühlingsstürme. Roman von Pau lOskar Höcker. (Fortsetzung.) „Gnädige Frau", sagte er, noch mit sich ringend, nach kurzem Zögern, „und eben weil ich kein Recht habe, Ihnen diese Hoffnung zu nehmen, muß ich Sie bitten, mir Zeit zu lassen, um den Kranken erst noch genauer zu beobachten. Freilich — daraus kann und will ich Ihnen kein Hehl machen, daß sein Zustand besorgniserregender ist als er glaubt." Hastig hatte sie ihm den Kops wieder zugewandt. Ihr Ausdruck'war gespannt, dabei aber anscheinend fast ruhig und gefaßt, vielleicht auch starr. „Collenberg sagte, die Lähmung sei die Folge der Verletzung eines Nervenstranges. Bet seinem Sturze damals. Das ist es aber nicht. Nicht wahr, Herr Doktor, es ist etwas viel — viel Furchtbareres ?" „Bestimmter kann ich mich darüber heute noch nicht aussprechen, gnädige Frau. Ich fühle sehr wohl die große Verautwortung. Denn mit einer Beschönigung wäre Ihnen ja auä) nicht gedient." „Herr Doktor, Ihre Augen strafen Sie Lügen. Ja, Ihre Augen. Oder warum senken Sie sonst den Blick? Für Sie gibt es doch keinen Zweifel." Erregt wartete sie wieder. Dann fuhr sie fort: „Ich fand hier ja in der Einsamkeit niemals Gelegenheit, mich von einem andern Arzt belehren zu lassen. Hätte ich die Zuziehung eines Spezialisten durchsetzen wollen — mein Zweifel ganz allein hätte meinen Mann vielleicht schon über alles orientiert. Aber, ich habe mich in der letzten Zeit, so gut oder so schlecht ich's verstand, heimlich aus Büchern zu unterrichten gesucht. Und seitdem ist Mir's, als Müsse es ein ganz anderes Leiden sein, als Collenberg sagt. . . Ja, alles trifft zu, alles, wie es da geschildert wird, als der Anfang von einem furchtbaren Ende. Ich täusche mich ja vielleicht dennoch. Ich möchte ja so gern eines andern, eines besseren belehrt werden. Wer ehrlich und offen. Denn diese Ungewißheit jetzt — oder diese halbe Gewißheit — die ist ja soviel, viel grausamer!" Sie brach plötzliche in Weinen aus. Indem sie das Taschentuch aus der Tasche riß und vor die Augen preßte, ließ sie sich aus den nächsten Stuhl sinken. Vor der Wr machte sich jemand zu schaffen, man hörte klapperndes Schlürfen von Holzpantinen. Gewiß wollte die Magd melden, daß das Gssen fertig sei. Zupitza öffnete ungeduldig die Tür. „Lassen Sie!" ries er, schroff abweisend der Litauerin zu. Dann wanderte er in sichtlicher Erregung zweimal übers Zimmer. Der flehende, vorwurfsvolle Ton der jungen Frau hatte ihn geradezu erschüttert. Noch nie zuvor hatte er sich in einem ähnlichen Konflikt befunden. t MU W ■ W J r/. Frau Lotz war zusammen gefahren, als sie die Tür gehen hörte. Hastig trocknete sie ihre Augen. „Mehr kann ich Ihnen nicht sagen, Herr Doktors brachte sie tonlos hervor. „Wenn Ihr Vorgänger mich schonen wollte — vielleicht weil er sah, wie innig mein Mann und ich zusammenleben, wie eines mit dem andern verwachsen ist in allem Unglück 1— ich lasse feine gute Wsicht gelten und grolle ihm nicht mehr ins Grab nach. Aber an Sie, den Fremden, wende ich mich als verzweifelnde Frau, die nur die Wahrheit hören will, ich bitte Sie als den Mann der Wissenschaft, ich — nein, ich verlange Ihr Wort als Ehrenmann, Herr Doktor, daß die Auskunft, die Sie mir geben, nach bestem Wissen und Gewissen' gegeben ist." Hiernach machte Zupitza auch nicht einmal mehr bett Versuch, auszuweicheu. „Nun, gnädige Frau, der Fall liegt allerdings viel schlimmer, als Collenberg es Sie wissen lassen wollte. Bei dem unglücklichen Sturz damals hat eine Verletzung nicht nur zweier Wirbel, sondern auch zweifelsohne des Rückenmarks stattgefunden. Seitdem ist ein Schwund der Rücken- marksstränge und der hinteren Nervenwurzeln eingetreten. Es ist das eine nicht Mehr zu heilende Entartung." „Die also — tödlich ist?" „Ja." „Und welche Frist hat solch ein Kranker?" „Zwei bis drei Jahre. Es haben sich Kranke aber auch schou bis zu zehn Jahren gehalten." „Und die Lähmung schreitet unaufhaltsaiil weiter es ist also schließlich ein elendes Zugrundegehen?" Zupitza nickte ernst. „Es lassen sich vorübergehend Besserungen erreichen — manchmal kann sogar ein zeitweiser Stillstand eintreten, tote es momentan bei Ihrem Gatten der Fall zu sein scheint. Wer eine Genesung ist ausgeschlossen." Die junge Frau stand eine ziemliche Weile ganz gelassen da. Wenigstens gab sie sich keinem lauten Ausbruch ihres Schmerzes hin. Wer ihr ganzes Wesen hatte sich seltsam verändert, indem die Spannung sich in ihr löste. Ihre Stirn senkte sich immer tiefer, ihre Angen füllten sich langsatn mit Tränen. Gin bitterer, schmerzlicher Zug tauchte um ihre zusammengepreßten Lippen auf. Sie hatte alle Haltung verloren, war wie gealtert. Endlich ließ sie sich am Tisch nieder rind stützte, still vor sich hin weinend, den Kopf auf. Lange blieb sie stumm. Als sie dann aber sprach, klang ihre Stimme beinahe gefaßt und ruhig, wenn auch tonlos und erschöpft. „Ich danke Ihnen, Herr Doktor", sagte sie. „Sie habe»! ja dem Aermsten das Todesurteil gesprochen — aber Sie haben tnich wenigstens von der Folter befreit. Nun muß ich eben suchen, mich mit dem Schicksal abzufinden." Sie atmete tief auf. „Sehen Sie, der humanere waren doch Sie. Nein, nein, ich versprach Ihnen ja, ich will Collenberg — 806 — nicht anklagen. Wer er hat doch schwer an mir gesündigt — viel, viel schwerer, als er ahnte." Als sie sich jetzt erhob, um zu gehen, trat er zu ihr. Es war ihm, als müsse er ihr irgend etwas Tröstliches sagen. Ihre seltsam wunde Gefaßtheit, ihre Zerschlagenheit ergriff ihn mehr als eine aufgeregte Szene voll stürmischen Entsetzens ihn hätte peinigen können. Wer sie ließ nicht zu, daß er etwas sagte. „Bitte, bitte, lassen Sie mich nun gang still von Ihnen gehen. Nur ein paar Sekunden noch hier stehen bleiben und die Gedanken wieder sammeln. Damit die draußen nicht sehen . . ." Sie steckte auch das Taschentuch wieder fort und $og tun Schleier hinunter. Während sie dabei ein Paar Löckchen ordnete, saß sie sich mechanisch um, als suche sie den Spiegel. Müde lächelte sie dann darüber, daß sich auch jetzt n-,hj instinktiv die kleine weibliche Eitelkeit in ihr regen wollte. Er mußte sie schließlich allein lassen, mußte sich in das anstoßende Zimmer verfügen: sie bat ihn so dringend darum. Die Litauerin trug auf. Zupitza fand aber doch nicht die Ueberwtndung, sich niederzusetzen, um zu tafeln. Gr blieb am Hoffenster stehen und lauschte nach nebenan. Es währte noch zwei, drei Minuten, dann ging die Tür zum Hausflur, und kurze, flotte, leichte Schritte entfernten sich. Gleich darauf hörte man den Sakuthener Wagen davonrollen. Seltsam, wie ihn dieses Gespräch erregt, ihn im Innersten Aufgewühlt hatte: er war sich fast als Henker vorgekommen. 3. Kapitel. So mühselig die mit vielen langen Fahrten über ein- sanres Land verbundene Praxis war, die Zupitza vom alten Collenberg übernommen hatte, sie versprach ihm doch große innere Befriedigung. Arbeit blühte ihm hier jedenfalls in Hülle und Fülle. Die Gegend war arm, in den Sumpfniederungen ungesund, Ernährungskrankheiten^ Fieberzustände und Epidemieen waren häufig, dazu kam, daß die breiteren Schichten der Bevölkerung noch erschreckend wenig aufgeklärt waren, daß namentlich unter den starrköpfigen Litauern noch viel Werglaube herrschte. Sein schwerster Patient war aber doch der Besitzer von Sakuthen. Wie er es vorausgesehen, wie er's Frau Lotz auch schon angedeutet hatte, war der Stillstand in seinem Leiden nur von kurzer Dauer gewesen. Gegen Schluß der Woche klagte der Kranke bereits wieder über das beängstigende Augenflimmern, von dem er eine geraume Zeit verschont geblieben war, das ihm nun aber die Erledigung seiner Korrespondenz sehr erschwerte. Zupitza erklärte es ihm als eine Folge der Aufregung, die den Kranken beim Tode des alten Collenberg erfaßt hatte. So oder ähnlich suchte er ihn auch bei neuen Klagen zu beschwichtigen. Nicht immer war's ihm danach zu Mute. Manchmal erschien ihm dieses Versteckspielen geradezu kindisch und für ihn selbst entwürdiget. Wer wenn ihm Frau Lotz dann über den Kopf des Gelähmten hinweg einen rührend bittenden Blick zuwars, fiel der in ihm aufsteigende Groll jedesmal wieder ab. Es war ein ganz seltsames Paar. Eine körperliche Ehe führten sie ja nicht mehr, die war überhaupt nur von kurzer Dauer gewesen. Aber um so tiefer, um so leidenschaftlicher schien dre geistige Innigkeit zwischen ihnen geworden zu sein. Sie hatten sich eben beide lange Zeit einig in dem Trost gewußt, daß sie ihr Leben, ihr Liebesglück, ihre Jugend später doch noch einmal in vollen Zügen würden genießen können. Diese Hoffnung hatte er der jungen Frau nun endgiltig genommen. Ten Bekannten der Sakuthener Herrschaften wollte es scheinen, als ob Frau Fränze neuerdings mächtig eingelegt habe. Irgend etwas hatte sich mit ihr verändert, auch äußerlich, sichtbar. Ihr gesunder, bräunlicher Teint war blasser geworden, ihr Kinn, ihr ganzes Gesicht erschien schmaler, ihre Augen verloren den Glanz, sie hatten einen müden Ausdruck, Sie hielt sich auch nicht mehr so stolz aufgertchtet wie früher. Ob es ihrem Manne schlimmer ging? Ob sie Sorge um ihn hatte? Nein — so erzählten die Herren, die den Arzt gelegentlich in der Kneipe trafen — der Zustand des armen Lotz war ganz derselbe geblieben, keine Verschlimmerung, aber freilich auch keine Besserung. Aus dem „Menschentag", der allsonnaSendlich im Giller „Gasthaus zum Löwen" stattfand, hatte der Amtsrichter seinen ehemaligen Studienfreund gleich am Tage seiner Ankunft eingesührt. Seit Generationen versammelte dieser Dämmer- und Abendschoppen sämtliche Honorationen von Gill und Umgegend. Man spielte Billard und Skat, und einige Wüstlinge bauten nach Mitternacht ein unschuldiges Tempelcheu. Im übrigen gingen die paar Abendstunden Bei verschiedenen lokalberühmten Pünschen und mehr oder weniger heftigem Stammtischklatfch urgemütlich hin. Zupitza hatte den ehemaligen Kommilitonen stark verändert gefunden. Der Amtsrichter besaß zwar noch immer die gutmütigen, wasserblauen, kleinen Schweinsäuglcin und den breitslatternden blonden Bart, sprach auch nach wie vor den unverfälschten Königsberger Dialekt, aber er war erschreckend in die Breite gegangen, und seine Schädeldecke präsentierte sich so glatt und haarlos wie eine Billardkugel. Er war übrigens sehr glücklich- was er, sobald er ein paar Glas getrunken hatte, ost und sehr gerührt versicherte. Die rundliche kleine Frau Amtsrichter hatte ihm in der sechsjährigen Ehe vier Kinder geschenkt, ein fünftes deutete bereits sein Kommen diskret an; zum Ueberfluß gestand dies Krappe verschämt-selig dem Ankömmling gleich bei der ersten Begegnung. Zu den Honoratioren zählte außer dem Amtsrichter der Pfarrer Ostischkeit, der litauischer Wkunft war, neben dem deutschen Gottesdienst auch in litauischer Sprache predigte, der Lehrer Balke, ferner ein reicher Holzspediteur Namens Behr, der Gutsbesitzer Rittmeister von Gamer- ling aus Sangallen, der int Gerüche eines unverbesserlichen Dors-Don-Juans stand, Rotselser, der Leiter der Reichsbanknebenstelle, die sich im Orte befand, und als jüngster Nachwuchs der flotte Refereudar Leikschat, der aus einer alten Gutsbesitzersfamilie der Tilsiter Niederung stammte, Leikschat war bisher der einzige Junggeselle am Stammtisch gewesen; seine Liebesabenteuer hatten den älteren Herren daher öfters Gelegenheit zu nicht ganH ernst zu nehmenden Moralpredigten gegeben. Zupitza schenkte den kleinen Indiskretionen in der ersten Zeit nur wenig Aufmerksamkeit. Er horchte aber aus, so ost von Frau, Lotz die Rede war. Die Sakutheneriu schien für die meisten Giller Herren einen gewissen pikanten Reiz zu besitzen. Als „baute" wollte Herr von Gamering, der sich auf diesem Gebiet Ktznnerurteil zumaß, sie nicht gelten lassen, aber mehrmals versicherte er in seinem schnarrenden Offi- zierston: „Rasse, meine Herren, Rasse ist da, und das ist die Hauptsache! Die Augen, die ganze Person, und das Temperament! Tä! — Und wenn man sich vorstellt, das ist nun alles gewissermaßen ,— hm, wie soll ich sagen — totes KapitaU Aeh, es ist ein Jammer, ein veritabler Jammer!" (Fortsetzung folgt.) Aas Oordon-MenetL-Rennen. Nur noch wenige Wochen trennen uns von dem größten Ereignis im automobilistischen Sportleben, von dem Tage, für welchen seit Monaten Hunderttausende von Menschen rastlos im Wettbewerb um die Vervollkommnung der Automobil-Technik gearbeitet haben, von dem Tage, der im friedlichen Wettstreit die größten Nationen des Erdballs an der S a a l b u r g versammeln wird. Dieser Kampf um die Palme der Vollendung auf dem Gebiete unserer modernsten Industrie ist nicht zu vergleichen mit einem „Automobil-Rennen", das lediglich vom sportlichen Geiste beseelt ist. sondern dieser Kampf und der Ausgang ist von weittragender Bedeutung für die Industrie desjenigen Landes, dem es gelingt, durch Fleiß und Arbeit den Beweis zu erbringen, daß es an der Spitze dieser internationalen Industrie marschiert. In diesem Sinne hat Mr. Gordon-Bennett, der Besitzer des „Newhork Herald" im Jahre 1899 dem Automobile-Club de France den Wanderpreis gestiftet, den die beiden ersten Male Frankreich (1900 Charron auf 27 P. S. Panhard, 1901 Girardot auf 24 P. S. Panhard), das dritte Mal England (Edge auf Napier-Wagen) und das vierte Mal Deutschland (Jenatzy auf 60 P. S. Mercedes der Daimler-Werke Cannstatt) gewann; da nach den Bestimmungen. 307 der Ausschreibungen der Preis immer in demjenigen Lande verteidigt werden muß, das ihn gewonnen hat, so kommt eben das diesjährige Gordon-Bennett-Rennen in Deutschland zum Austrag. Es war nicht leicht, eine geeignete Strecke für dieses Rennen zu finden, aber nach vielen Erwägungen und Probefahrten entschloß man sich für unseren schönen Taunus, unterstützt von dem Entgegenkommen der Regierung und dem Interesse, das der Kaiser der Sache entgegenbrachte. Daß dieser Beschluß auch für nicht zu unterschätzende Bedeutung für diese Gegend ist, braucht Wohl hier nicht hervorgehoben zu werden. Start und Ziel liegen direkt an der Saalburg, zwischen den zu beiden Seiten der Straße amphitheatralisch errichteten Tribünen; die Weg- st ecke beträgt 137,5 Kilometer und führt über Wehrheim, Usingen, Weilburg, Limburg, Idstein, Esch, Königstein, Oberursel und Homburg. Da nach den Bestimmungen die Entfernung mindestens 550 Kilometer betragen soll, so muß die Taunusstrecke demnach viermal abgefahren werden. Gemeldet haben acht Länder: Deutschland, England, Frankreich, Oesterreich, Belgien, Amerika, Italien und die Schweiz, sodaß, da von jedem Lande drei Wagen in das Rennen kommen, im ganzen 24 Wagen, in Zwischenräumen von sieben Minuten starten werden. In diesen Ländern finden in den nächsten Tagen Vorrennen statt, aus denen die drei besten Wagen dann in den engeren Kampf um den Gordon-Bennet-Preis kommen; zwei Wagen der Daimler-Werke in Cannstatt und wahrscheinlich einer der Firma Adam Opel, Rüsselsheim, werden den Preis für Deutschland verteidigen. Der Beginn des Rennens ist auf 7 Uhr morgens festgesetzt, sodaß, wenn alle 24 Wagen starten, der letzte um 9.41 Uhr abfahren wird; nimmt man ferner an, daß die Strecke in ca. 2f4 Stunden einmal zurückgelegt wird, so kann der letzte Wagen demnach nicht vor 6.41 Uhr abends am Ziel eintreffen, es wird also der endgiltige Sieger nicht vor diesem Zeitpunkt festgelegt werden können. Das internationale Leben und Treiben, das sich an diesem Tage an der Saalburg abspielen wird, dürste wohl ein Schauspiel bieten, wie es bis heute bei keiner Gelegenheit und in keinem Lande gesehen worden ist. Dadurch, daß der Kaiser sein Erscheinen bestimmt zugesagr hat, und dadurch, daß auch Prinz Heinrich von Preußen, der Kronprinz, der König von Württemberg, die Großherzoge von Hessen und Mecklenburg-Schwerin, Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Prinz Joachim Albrecht und Prinz und Prinzessin Leopold von Preußen, Prinz und Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, sowie die Großherzogin Mutter Anastasia von Mecklenburg ihr Kommen angemeldet haben und ausländische Fürstlichkeiten erwartet werden dürsten, dadurch erhält der 17. Juni ein ganz anderes Gepräge. Wie gesagt, wird sich das ganze Leben um die Saalburg konzentrieren, wo von Geh. Baurat Jacobi zwei große Tribünen zu beiden Seiten der Straße zu 2500 Sitzplätzen ä 50 Mk. errichtet werden, die durch einen Tunnel miteinander verbunden sind; drei Musikkapellen konzertieren dort den ganzen Tag, und der Restaurationsbetrieb ist angehalten, sich auf Verpflegung von ca. 20—30000 Besuchern einzurichten. Es werden dort ferner 10 Telephonstellen angebracht, die ständig Nachrichten von der Rennstrecke bringen und mit allen Ortschaften in Verbindung stehen; die Gesellschaft für Telegraphie ohne Draht, System Arco- Slaby, errichtet ebenfalls eine Station auf der Saalburg mit Zweigstellen in Gräfenwiesbach und Neuhof. Man wird also auf der Saalburg anhaltend über den Stand des Rennens offiziell unterrichtet sein, und die Spannung und Aufregung über den Ausgang desselben werden ständig erhöht werden. In Irland, wo im Vorjahre das Rennen stattfand, machte man die Beobachtung, daß das Interesse von Stunde zu Stunde wuchs, und daß die Befürchtung, die große Masse des Publikums würde müde und abgespannt werden, unbegründet war. Das ganze Saalburggelände wird in einem Umkreise von etwa 10 Km. eingezäunt werden, und der Eintritt in diesen Park kostet 20 Mk.; um aber denjenigen, die die Wagen in der schnellsten Gangart dahinrasen sehen möchten, hierzu Gelegenheit zu geben, wird von der Tribüne aus ein schattiger Fußweg durch den Wald in der Richtung , nach Wehrheim zu, bergab, angelegt; man kann dann bequem in 10 Minuten von der Tribüne aus das tiefste Gefälle der Straße erreichen und hat dabei den Vorzug eines schönen Spazierganges. Außerdem werden zwei hohe Podien in diesem Park errichtet werden, das eine neben der Saalburgrestauration, von wo aus man die Wagen die Saalburg heraufstürmen sehen kann, und ein anderes zwischen den Tribünen und Wehrheim, an der Kurve der Straße, ebenfalls im Schatten des Waldes; von hier aus ist man imstande, die Wagen auf eine Entfernung von 12 Kilometer zu beobachten, und dürfte dieser Punkt wohl die Hauptattraktion bilden. Dce 20 Markkarten berechtigen Air freien Benutzung dieser beiden Podien, die ebenfalls mit Sitzgelegenheit versehen sind. Es wird ferner noch außerhalb des Saalburggeländes ein Podium (5 Mk. pro Platz) errichtet, das östlich von Dornholzhausen gelegen, ebenfalls den Besuchern Gelegenheit bietet, von übersichtlicher Stelle aus die Wagen in voller Fahrt zu beobachten. Was übrigens die Geschwindigkeit der Wagen im allgemeinen und im besonderen vor, auf und hinter der Saalburg anbetrifft, so wird sich der Laie schwer einen Begriff davon machen können, am wenigsten, wenn die Wagen den Berg hinabsausen; denn ob da 100 oder 150 Kilometer erreicht werden, kann niemand beurteilen, da er dazu eben gar keine Zeit hat. Man darf aber wohl annehmen, daß die Wagen die Saalburgstraße hinauf ein Tempo von zirka 90 Kilometer erreichen werden, das zwischen den Tribünen auf ca. 100 bis 110 und in der Nähe des letzten Podiums wohl auf 140 oder mehr kommen dürfte. Vergleichsweise sei nur hier erwähnt, das es in Deutschland wenige Schnellzüge gibt, die eine Geschwindigkeit von 90 Kilometer erreichen, und das nur stellenweise. Es ist natürlich begreiflich, daß man bei diesen Tempi und bei der geringsten Staubentwicklung keinen Wagen mehr von dem andern unterscheiden kann; es ist daher jedem der beteiligten Länder eine Farbe für ihre Wagen vorgeschrieben, und so fährt Deutschland „weiß", Oesterreich „schwarzgelb", Jt lien „schwarz", England „grün", Frankreich „hellblau", Amerika „rot", Belgien „gelb" und die Schweiz „rotgelb". Bei einer trockenen Jahreszeit würde durch die enormen Geschwindigkeiten der sich in verhältnismäßig kurzen Zwischenräumen folgenden Wagen ganz enorme Staubmassen aufgewirbelt werden, und dieser Umstand müßte die größte Gefahr für die folgenden Wagen bilden; um dieselbe abzuwenden und um auch andererseits die Bewohner der zu passierenden Ortschaften und die Zuschauer auf den Saalburgtribünen vor dieser Staubplage zu schützen, werden sämtliche Orte, Kurven und die Straßen im Saalburggelände mit Oel — Westrumit — besprengt, ein Verfahren, das sich an der Riviera glänzend bewährt hat." Neutralisiert sind in dem Rennen: Usingen, Weilburg, Limburg, Idstein, Esch, Königstein, Oberursel und Homburg. In diesen Städten darf die Rennstrecke mit anderen Fuhrwerken und auch von Fußgängern gekreuzt werden, doch werden auch da die Absperrungsmaßregeln und das Freigeben der Passage äußerst streng gehandhabt werden. Auf der ganzen Rennstrecke wird die Absperrung so scharf wie denkbar durchgeführt, und es bedarf hierzu begreiflicherweise eines ungeheuren Personals und einer nicht minder ungeheuren Vorarbeit. Alle 100 Meter wird ein Posten stehen, jede Ortschaft wird über Ablösungsmaterial verfügen und alle Zufahrtsstraßen werden von morgens 4 Uhr ab gesperrt sein, ausgenommen eben die neutralisierten Städte und die direkten Zufahrtsstraßen nach der Saalburg. Es darf am 17. Juni außer den Rennwagen und den Funktionären kein Mensch die Rennstrecke betretet:, ausgenommen eventuell Aerzte> die aber nur dann in der Fahrtrichtung an ihren Bestimmungsort gelangen dürfen. Man kann sich kaum ein Bild davon machen, welch weitverzweigter Apparat nötig ist, um allen Anforderungen zu genügen und um allen Ansprüchen an Vernunft und Gesetz gerecht zu werden, aber die maßgebenden Behörden erleichtern die schwierige Arbeit und helfen mit. Was aber die Masse des Publikums am meisten interessiert, das dürfte wohl die Frage sein, wie komme ich überhaupt am 17. Juni nach der Saalburg. Wie schon vorher erwähnt, bleibt an diesem Tage die Hauptstraße von Homburg bezw. von Oberursel nach der Saalburg für jeglichen Verkehr gesperrt; es wird aber eine vollkommen neue Straße — der früher unter dem Namen „R o t l a u f w e g" bekannte Waldpfad — ausgebaut, die in der Fahrtrichtung rechts neben der Hauptstraße Homburg-Saalbum herläuft und lediglich für den Verkehr der Equipagen bezw. Pferdegespanne bestimmt ist. Diese neue Straße führt direkt bis hinter die Tribünen und geht in einer Schleife wieder zurück; Pferdewagenbesitzer steigen also dort aus und gehen nach der Tribüne oder dem allgemeinen Park, während die Wagen im Walde, auf einem Grundstück der Gonzenheimer Gemeinde Aufstellung nehmen oder zurück nach Homburg fahren. Auf diesem Wagenhalteplatze, der 2 Kilometer von der Saalburg entfernt ist, wird telephonische Einrichtung mit einem Apparat zum Aufziehen der Nummern hergestellt, sodaß jeder Wagen von der Saalburg aus innerhalb weniger Minuten herbeigerufen werden kann. Wagenkarten kosten 5 Mark, und der Inhaber des Wagens erhält beim Aussteigen die gleiche Nummer wie der Kutscher, sodaß auf diese Art eine Verwechslung der Wagennummern ausgeschlossen ist. Da der Start um 7 Uhr morgens beginnt, so dürfte kein Rennwagen auf der ersten Runde vor 8y2 Uhr in Oberursel zu erwarten sein; man kann also annehmen, daß die Zufahrtsstraßen in Homburg und Oberursel bis um diese Zeit glatt zu passieren sind. Immerhin muß aber der, der nicht vorzieht, die Nacht vom 16. zum 17. Juni in nächster Nähe von Homburg zu verbringen, am 17. schon mit den Hühnern aufstehen, wenn er bei Zeiten und von Anfang an beim Start sein will und nicht in den Haupttrubel auf der Landstraße hineinkoinmen will. Es sollen übrigens auch die Hauptzufahrtsstraßen nach Homburg und der Saalburg mit Oel besprengt werden, um auch den Besuchern des Rennens zu ermöglichen, in sauberem Anzuge die Saalburg zu erreichen. Die elektrische Bahn von Homburg nach der Saalburg befördert stündlich 600 Personen und die gleiche Anzahl nach Dornholzhausen. Man hat versucht, kontraktlich zu festgelegten Preisen vom Bahnhof Homburg nach der Saalburg einen regulären Omnibusverkehr für diesen Tag eiuzurichten, das Unternehmen — SG® — scheiterte aber an den maßlos übertriebenen Preisen, die von einzelnen Fuhrwerksbesitzern gefordert wurden. Jeder will eben an diesem Tage sein eigenes Geschäft machen, ivie es ja auch manche Unternehmer gibt, die an allen möglichen Punkten der Strecke auf eigene Kosten eine Tribüne errichten und heute schon durch geschickte Reklame Teilnehmer zu werben suchen: ich möchte nicht versäumen, darauf aufmerksam zu machen, daß es, angesichts der äußerst strengen Absperrung, zum mindesten zweifelhaft erscheint, ob man am Tage selber diesen oder jenen Punkt überhaupt bei Zeiten erreichen kann. Ferner aber muß man auch bedenken, daß die Rennen kaum vor 7 Uhr beendet sein dürsten, und es ist dann zum mindesten noch sehr fraglich, ob man dann noch am Abend überhaupt nach Hanse gelangen kann oder zu den Festlichkeiten nach Homburg oder ob man nicht zu teuren Preisen mit einem Strohsack vorlieb nehmen muß. Und schließlich liegt man außerhalb des Saalburggeländes vollkommen aus der Welt, denn nur dorthin gelangen die ständigen Nachrichten über den Verlauf des Rennens und nur dort spielt sich das imposanteste Leben ab, das kein Nizza, kein Baden-Baden und keine Stadt der Welt wohl je wieder aufzuweisen haben dürfte. Dort sind sämtliche Nationen des Erdballs vereint, dort ist Start und Ziel und dort ziehen die aufregendsten Phasen des Rennens an einem vorüber und dort werden sich Tausende allein schon einfinden, um den Kaiser zu sehen. Eduard Engler. Vermischter. * Ein wirklicher lOOjähriger Wetterkalender. In der Bolksmeinung spielt noch immer der 100jährige Kalender mit den obligaten Wetterprophezeiungen eine große Rolle, obgleich man vergeblich fragt, wo sich denn dieser Kalender eigentlich befindet und worauf er beruht. Denn 100jährige Wetterbeobachtungen an einem und demselben Orte sind höchst selten, abgesehen natürlich davon, daß daraus nichts über die kommende Witterung eines Jahres, eines Monats oder selbst nur eines Tages mit Sicherheit geschlossen werden kann. Neuerdings hat sich nun der einzig dastehende Fall ereignet, daß in einer und derselben Stadt (Calw in Württemberg) ein Vater und zwei seiner Söhne, größtenteils in demselben Hause 103 Jahre hindurch ohne Unterbrechung meteorologische Aufzeichnungen angestellt haben. Es war der Hofmedikus Dr. Georg H. Müller, der in Calw 1798 seine Wctteraufzeichnungen begann und sie bis 1832 fortsetzte. Ihm folgte sein zweiter Sohn, Medizinalrat Dr. K. Müller, und beobachtete von 1832 bis 1876, und diesem der Rektor Dr. H. Müller, der von 1876 bis zur Gegenwart die Aufzeichnungen fortsetzte und die Ergebnisse daraus jetzt veröffentlicht hat. Was folgt aber aus diesen? Vor allem, daß das Wetter nicht in lOOjähriger Periode wiederkehrt, daß cs also mit Wette rprophezciungen nach dem 100jährigen Kalender nichts ist. Andererseits ergab sich aber, daß die durchschnittliche Temperatur sich während des Jahrhunderts von 1801 bis 1900 nicht verändert hat, denn sie betrug in der ersten Hälfte desselben 8,2 Gr. Celsius, in der zweiten 8,1 Gr. C. Dagegen ist die Durchschnittswärme des Januars im letzten halben Jahrhundert zu Calw beinahe 1 Grad höher gewesen und die des Mais um ebenso viel niedriger als während der 50 Jahre von 1801 bis 1850. Merkwürdigerweise hat sich das nämliche für Wien herausgestellt, und man wird jetzt nachforschen müssen, ob auch für andere Orte ähnliches festgestellt werden kann, es wäre das eine höchst wichtige Tatsache. Während des ganzen 19. Jahrhunderts ereigneten sich in Calw 2200 Tage, an denen die Temperatur unter Null blieb, 1960 Tage mit Gewittern, 9100 heitere und 8500 trübe Tage. Die höchste während des Jahrhunderts eingetretene Wärme betrug 36,5 Gr. C., sie trat zweimal (im Juli und August) ein, die größte Kälte war 31,2 Grad im Monat Februar 1827. OesundHeitspflege. — Die Gesundheitsschädlichkeit eines feuchten /ettes. Die Ansichten darüber, ob es irgendwie gefährlich ist, in einem feuchten Bett zu schlafen, sind geteilt. Manche Leute bestreiten geradezu, daß irgend etwas Bedenkliches dabei sei, indem sie sich vielleicht auf eigene Erfahrung in Fällen beziehen, bei denen keine schädliche Folge zu beobachten war. Man muß diese Sache wohl rein physikalisch betrachten, um zu einem sicheren Schluß zu kommen. Feuchte Luft ist zunächst ein guter Wärmeleiter, sodaß die Wärme des Körpers in einem feuchten Bett leichter entweicht. Daraus entsteht zweifellos eine Erkältungsgefahr, abgesehen von dem wahrscheinlich recht unbehaglichen Befinden des Betreffenden. Die eigentliche Gesundheitsgefahr wird aber weniger durch die Feuchtigkeit der Luft als durch die der Bettücher und Bezüge bedingt. Das Deckbett hat eben die Stuf» gäbe, die Körperwärme fo viel wie niöglich nach außen hin abzufchließen. Ist das Deckbett feucht, so verliert es großenteils diese Eigenschaft, und die schon durch die feuchte Luft veranlaßte Erkältungsgefahr steigt selbstverständlich ganz bedeutend. Daraus ergibt sich, daß es weit bedenklicher ist, unter einem feuchten iDeckbett zu schlafen, als in einem Bett, dessen Matratze feucht ist, etwa durch eine ausgelaufene Wärmflasche. Die Gefahr des Schlafens in nassen Kleidern, die mit der beschriebenen zu ver- glerchm wäre, ist etwa dieselbe, als wenn der Körper mit Kuvker oder Stanniol bedeckt wäre. Wenn man den Einfluß eines feuchten Bettes auf dre Entziehung der Körperwärme sichtbar und ein» wandfrer feststellen will, so braucht man nur eine Flasche mit hechem Wasier von bestimmter Temperatur in ein solches Bett legen und zu beobachten, wie schnell die Temperatur des Wassers sinkt; danach wäre ein gleicher Versuch im trockenen, wohldurch- luftetem Bett auzustellen, und der Vergleich wird den Unterschied auch, mit Rücksicht für das Behagen und die Gesundheit des menichsichen Körpers beim Aufenthalt in einer solchen Schlafstelle erweifen. —- e Zahl der gegen den Keuchhusten ange- Abbenen Mittel ist sehr groß, ein Beweis ihrer Unzuläng- lichkert. Es ist indes nicht zu bestreiten, daß das Chinin und >elne Verbindungen, die man sich durch den Arzt verschreiben laßt, günstig, das heißt abkürzend, auf den Verlauf der Krankheit einwirken. Auch Wasseranwendungen, Einatmungen, Luft- wechiel, örtliche Behandlung der Kehlkopfschleimhaut mit reiz- mildernden Mitteln haben entschiedene Erfolge auszuweisen. Neben der allgemeinen und örtlichen Behandlung ist es aber wichtig, ein Mittel gegen den Hustenansall selbst kennen zu lernen. Kein Verfahren löst nun, wie in „Dr. Reissigs Aerztlichem Handbuch" ausgeführt wird, so leicht und sicher den Krampf, wie der Nägelische Keuchhustenhaudgriff. Während des Anfalles wird durch krampfhaften Schluß des Kehldeckels der Luftzutritt zur Luftröhre mechanisch abgesperrt; das Nägelische Verfahren beruht daher darauf, durch Wiederöffnen des Kehldeckels den Stickkrampf zu lösen. .Ein kräftiger Zug an Unterkiefer bezw. Zunge nach vorn und unten bewirkt das Gewünschte. Der Unterkiefer kann nach vorn-unten geschoben werden, indem Zeige- und Mittelfinger beiderseits hinter dem aufsteigenden Unterkieferast eingesetzt, die Daumen aufs Kinn gelegt werden, und dann kräftig gezogen und gedrückt wird. .Am einfachsten und sichersten verfährt man daher auf folgende Weise: In den durch den Husten geöffneten Mund des Kindes hakt man den stark gekrümmten rechten Daumen hinter den unteren Schneidezähnen ein (keine langen Nägel!) und faßt mit den übrigen Fingern fest das Kinn. Die linke Hand liegt auf der Stirn und übt, während man den Unterkiefer fest nach vorn-unten zieht, dort den Gegenzug aus. Der Zug kann sehr kräftig sein, nur darf man die Zähne nicht drücken. Während man den Handgriff ausübt, befiehlt man dem Kinde, mehrmals tief einzuatmen; kann es dies tun, so ist der Stickkrampf gelöst. Bei jedem neuen Hustenanfall wird auf gleiche Weife verfahren, nachts sowohl, wie am Tage. Der Stickhusteck erfährt dadurch nicht nur eine erhebliche Abkürzung, er wird auch zu einer verhältnismäßig leichten Krankheit, die ohne die gefürchteten Folgeerscheinungen — Blutungen, Erbrechen, Lungenentzündungen — verläuft. Gutgeartete Kinder im Alter von zwei Jahren an stellen sich gern jedesmal beim Anfall von selbst zur Behandlung ein; ganz kleine und halsstarrige Kinder sind derselben nicht zugänglich. Ferner hat man bei dieser Erkrankung für ausreichenden Aufenthalt in frischer, reiner Luft (bei günstigem Wetter) und für ausgiebige Lüftung der Wohn- und Schlafräume zu sorgen. Die Kost sei leicht verdaulich. Man gebe kleine, aber häufige Mahlzeiten, am besten jedesmal nach einem Anfall. Trockene und krümliche Nahrungsmittel sind zu vermeiden, da sie leicht Hustenanfälle Hervorrufen. Günstigen Einfluß hat gelegentlich ein Luftwechsel. Um aber den Keuchhusten nicht auf keuchhustenfreie Orte zu übertragen, bringt man die kleinen Patienten zweckmäßig an einsam liegenden Oertlichkeiten (in Förstereim, im Walde gelegenen Wirtschaften, abseits stehenden Häusern nsw.) unter. Zu schützen vor dem Keuchhusten sind schwächliche und kränkliche, vor allem aber tuberkulös behastete Kinder: sie müssen beim Ausbruch der Seuche entweder weggebracht, oder im Hause von anderen Kindern streng abgeschlossen gehalten werden. Bilderrätsel. (Nachbildung verboten.) (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.: Heute rot morgen tot Redaktion: Angnst Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brsthl'schen Universttöts-Buch- und Stcindrnckcrei. R. Lange, Gießen.