1904, M. 190 la MMwoch dm 31. AezemöerE ► «Z C^9 in ö iß ’IÄ AW M K Das H-effameni des Aanfuers. Kriminalroman von A. M. B a r b o n r. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.» Während dieser Erklärung Verschloß er die Tür und dann — an seinem Schreibtisch Platz nehmend — fuhr er fort: „Nun, mein junger Freund, ich erwartete Sie eigentlich schon eher, denn ich schmeichle mir, die menschliche Natur genugsam zu kennen, um zu wissen, daß es nur sehr wenige gibt, die eine Gelegenheit versäumen, etwas zu erfahren, das ihre Interessen fördert und ihre Stellung im Leben verbessert." „Das mag für gewöhnlich so fein", entgegnete Skott kühl, was aber mich betrifft, so schmeicheln Sie sich doch etwas zu viel, wenn Sie glauben, ich wäre mit der Erwartung hierher gekommen. Sie könnten mein Interesse fördern oder meine Stellung irgendwie verbessern." „Hm — nun, das bliebe abzuwarten. Ich glaube mich aber nicht zu täuschen, wenn ich annehme, daß ein junger Mann Ihres Schlages nicht ohne Ehrgeiz ist." Hobson hielt inne und sah seinen Besucher lauernd an, da jedoch keine Antwort erfolgte, sprach er weiter: „Ich könnte hinzufügen, daß ich wahrscheinlich in der Lage bin, einem jungen Mann mit so ehrgeizigen Plänen, wie es die Ihrigen find, einen großen Beistand zu leisten." „Sprechen Sie doch nicht immer von meinem Ehrgeiz, ich bin mir gar keines besonderen Ehrgeizes bewußt." „I bewahre — einen besonderen will ich ihn auch nicht nennen, aber Sie hatten doch die Absicht, nicht länger als nötig Herrn Mainwarings Sekretär zu bleiben. Das war doch ein gewisser Ehrgeiz, und zwar ein sehr lobenswerter, und für mich besonders bewunderungswürdig durch die schlaue. Vorsichtige Art und Weise, womit Sie Ihre Pläne zu verwirklichen strebten. Dies hat mein Interesse für Sie erregt. Ich glaube mich in der Lage zu befinden, Ihnen gerade für Ihr Unternehmen jene Informationen und Ratschläge geben zu können, die Sie brauchen, um zu einem sicheren Erfolg zu gelangen, und deshalb habe ich Ihnen meine Hilfe angeboten." Skott, der nicht recht erkennen konnte, ob Hobson aufs Geratewohl gesprochen hatte oder wirklich etwas von seinem Geheimins witterte, antwortete anscheinend verwundert: „Ich verstehe weder, worauf Sie siü> beziehen, noch woraui sich die Schlüsse gründen, die Sie gezogen zu haben scheinen." „Nicht? — Nun, dann werden Sie mir die Bemerkung erlauben, daß eine derartige Vertrautheit mit der Privatkorrespondenz Herrn Mainivarings, wie die Ihre, doch unschwer die Schlußfolgerung zuläßt, daß Sie mit allem Vorbedacht gesucht haben, gewisse Vorkommnisse aus dem früheren Leben Ihres Prinzipals kennen zu lernen, um diese zu Ihrem Vorteil auszubeuten." „So, das meinen Sie! Ta werden Sie aber die Ungereimtheit Ihrer Vermutung sogleich erkennen, wenn ich Ihnen f age, daß mir diese Vorkommnisse schon längst bekannt waren, ehe ich in Herrn Mainwarings Dienst trat; trotzdem habe ich jedoch niemals irgend welchen Gebrauch davon gemacht." „Vielleicht", erwiderte Hobson mit Betonung, „ist Ihre Kenntnis der Dinge nicht vollkommen genug gewesen, um Ihnen, wenn Sie damit hervorgetreten wären, einen sicheren Erfolg zu verbürgen?" Unbewußt nahm sein Gesicht in Erwartung der Antwort einen lauernden, gespannten Ausdruck an. Skott merkte das und erwiderte "im Tone völliger Rückhaltslosig- feit: „Ta täuschen Sie sich. Meine Kenntnis von den Handlungen Hugh Mainwarings würde jedenfalls für ein Vorhaben, wie Sie es mir unterlegen, die nötige Sicherheit geboten haben." Hobson schüttelte den Kopf. „Machen Sie mir gegenüber doch keine Ausflüchte. Zweifellos verfolgten Sie doch einen Zweck bei Turchsuchung der Privatbriefschaften, uni welch anderer sollte denn der gewesen sein, als persönlichen Nutzen daraus zu ziehen? Nein, mir machen Sik nichts weiß! Aber es ist auch jetzt noch nicht zu spät, auch jetzt könnten Sie mit den Waffen, über die itE), verfüge, einen sehr gewinnreichen Kampf führen." „Aber ich bitte Sie, wenn ich bis jetzt nichts Derartiges versucht habe, scheint eg mir doch töricht und ganz aussichtslos, es nunmehr noch wagen zu wollen", sagte Skott nut der Harmlosigkeit eines Menschen, der jedem guten Rate zugänglich ist. Hobson nahm sogleich ein vertrauliches Wesen an, und seinem Besucher etwas näher rückend, flüsterte er: „Sehen Sie, Herr Skott, das ist es gerade, weshalb ich Sie gern sprechen wollte. Ich weiß mehr von der Sache, als Sie auch nur ahnen können, und als ich merkte, daß Sie ein Spielchen spielten, da kam mir der Gedanke, Ihnen ein Kompagniegeschäft vorzuschlagen. Nun handelt es sich vor allem um gegenseitiges Vertrauen. Was wissen Sie also von der Angelegenheit, auf die sich die von Ihnen aufgefundenen Briefe beziehen? Ich setze voraus, daß Sie sämtliche zwischen Herrn Mainwaring und mir gewechselten Briese gelesen haben." „Gewiß habe ich das." „Schön — ich will Ihnen glauben. Aber, Sie werderk mir zugeben, Herr Skott, daß diese Briefe in sehr vorsichtigen Ausdrücken abgefaßt waren und — vielleicht mit Ausnahme von einem oder zweien — keinerlei Andeutung über die Art des in Frage kommenden Geschäftes enthielten. Bemerken möchte ich auch noch, daß die genaue Abschrift des beiderseitigen Briefwechsels in meinem Besitz ist und daher niemals jemand versuchen dürfte, eine Angabe zu machen» die nicht darin steht." 758 — „Diese Vorsicht Ihrerseits habe ich erwartet", fiel Skott ein. „Na, sehen Sie — ach, wir werden uns schon verstehen lernen, mein junger Freund, und nun lassen Sie mich einmal hören, was Ihnen von der Sache bekannt ist. Vermutlich wissen Sie ja auch, daß ein Testament darin eine wichtige Rolle spielt?" „Gewiß, jawohl. In einem oder zwei Briefen drohen Sie, den Beweis liefern zu wollen, daß das Testament Von Hugh Mainwaring vernichtet wurde." „Sollte ich wirklich so etwas behauptet haben?" „Nicht gerade direkt, aber Ihre Andeutungen müssen jedenr verständlich sein, der die englischen Gesetze kennt." Hobson stutzte. Betroffen fragte er: „Ist Ihnen das englische Gesetz bekannt?" „Allerdings. Aber nur insoweit, als ich in ihm, meiner Entdeckung wegen, Belehrung suchte." „Ah so! So etwas hätte ich mir von Ihnen nicht träumen lassen! Sie haben den Fall also vollständig studiert? Vortrefflich! Nun, so will ich Ihnen auch noch sagen, daß ich Hugh Mainwaring keines Verbrechens beschuldigte, das er mir nicht selber gestanden und das ich nicht bis in jede Einzelheit beweisen könnte. Haben Sie Kenntnis von dem Inhalte jenes Testaments, von dem Namen des Testators oder den Namen der Benefiziaten?" hierüber gab die Korrespondenz keinen Aufschluß. Ich kounte daraus nur entnehmen, daß Hugh Mainwaring mit der Vernichtung des Testaments andere betrogen und sich selbst bereichert hatte." „Ja, das tat er!" rief Hobson mit einer gewissen Erleichterung aus. „Aber, wenn das alles ist, was Sie von der Sache wissen, mein Lieber, dann stehen Sie auf schwachen Füßen. Da wissen andere Leute mehr als Sie. Trotzdem gebe ich zu, daß Sie auch selbst mit Ihrer wenig beweiskräftigen Entdeckung auf Hugh Mainwaring persönlich einen Druck zu Ihrem Vorteil hätten ausüben können, jetzt aber — den Verwandten gegenüber — würden Sie damit wenig oder gar nichts ausrrchten. Bedenken Sie doch — Sie wissen nichts von den Bestimmungen des Testaments. Sie wissen nichts von den Benefiziaten, also jenen Personen, die Hugh Mainwaring betrogen hat. Sie haben keinen Beweis, haß er wirklich has Testament vernichtete, ja, mein lieber junger Freund, Sie könnten nicht einmal den Beweis erbringen, daß überhaupt ein solches Testament existiert hat. Was haben Sie denn da eigentlich?" „Sie wollen also, wenn ich recht verstehe, sagen, daß Ihre und Herrn Mainwarings Briefe nicht als Beweis betrachtet würden?" fragte Skott mit gut gespielter Ueber- raschung. Hobson lachte laut auf. Nehmen Sie mir's nicht übel, Sie sind wirkliche ein bischen zu harmlos, Sie scheinen die Herren Vettern nicht zu kennen, ich aber kenne sie genau. Leute wie Ralph Mainwaring und Williäm Thornton lassen sich mit solchem Material nicht bange machen. O, ich sage Ihnen, das sind feine Jungens! Wollen Sie Ihnen gegenüber etwas erreichen, dann müssen Sie Ihr Verlangen durch ganz unanfechtbare Beweise unterstützen können, diese aber kann Ihnen kein Mensch liefern außer mir!" „Und welche Summe würden Sie für Ihren Beistand fordernd . „Zn dieser Weise wollen wir miteinander nicht rechnen", erwiderte Hobson, indem seine kleinen listigen Rattenaugen vor Freude darüber funkelten, wie leicht ihm seine Beute ins Netz ging. „Tie Sache ist nämlich die: Ralph Mainwaring und Thornton haben ein Vorurteil gegen mich; es ioürde unseren Erfolg erschweren, wenn ich persönlich mit ihnen in Verhandlung treten wollte. Meine Person muß verborgen bleiben. Tagegen kann die Angelegenheit sehr glatt verlaufen, wenn wir beide uns zusammentun und Sie ihnen — unterstützt von meiner Rechtskenntnis und Erfahrung — zu UeiJe gehen. Ich zweifle nicht, daß Sie dann geschickt die Trähte handhaben werden, die uns beiden Geld einbringen sollen. Was sagen Sie dazu, mein junger Freund?' „Sie glauben also, daß Ralph Mainwaring und Herr Thornton vor den Geschehnissen, die Sie aufzudecken vermögen, einen solchen Schrecken bekommen würden, daß sie sich zur Zahlung eines. Schweiggeldes verstehen würden?" ,Lch beanstande den Ausdruck „Schweiggeld". Ich will nur versuchen, das zu erhalten!, was Hugh Mainwaring mir schuldete. Er hat mich niemals voll bezahlt. Und so müssen es nun seine Erben tun." „Wo befinden sich die Benefiziaten des vernichteten Testaments?" fragte Skott plötzlich. Hobson sah ihn scharf an. „Tie sind schon lange tot. Wre kommen Sre auf diese Frage?" „Nun, ich dachte nur, wenn diese oder ihre Erben noch am Leben waren, müßte es doch das Nächstliegende sein, sich mit ihnen in Verbindung zu setzen. Sie wurden sich vermutlich noch am ehesten und leichtesten dazu verstehen, einen Wbscheu Preis für unser Geheimnis zu zahlen." „Sie haben recht, das würden Sie zweifellos — aber sie find, wie gesagt, alle tot." „Hinterließen sie denn gar keine Erben?" „Gar keine. Leider, leider! Indessen habe ich glücklicherweise diese englische Vetternsippe so in den Fingern^ daß sie mit den Dukaten schon herausrücken sollen." Tie Verachtung, die Skott, solange Hobson seine Pläne entwickelte, verborgen hatte, trat jetzt, als er sich plötzlich von seinem Stuhle erhob, deutlich auf sein Gesicht. „Was denn!" ries Hobson erstaunt. „Sie wollen doch nicht auf einmal fort? — Setzen Sie sich, setzen Sie sich l Wir haben ja unseren Plan noch gar nicht besprochen!" „Tas will ich auch, gar nicht", entgegnete Skott mit unverhohlenem Abscheu. „Falls Sie glauben, mich zum Gimpel und zum Werkzeug Ihrer Gaunereien und schurkischen Anschläge machen zu können, da irren Sie sich. Wenn Sie sich einbilden, daß ich in der Absicht hierher kam, auch nur mit einem Gedanken auf Ihre niederträchtigen Vorschläge einzugehen, so täuschen sie sich. Ich kam nur hierher, um mich über einen ganz bestimmten Punkt zu vergewissern. Mein Zweck ist erreicht, und nun habe ich nichts mehr mit Ihnen zu schaffen." Hobson war mit einem Satze aufgesprungen. Furcht^ Zorn, Trotz, Haß glitten in rascher Folge über sein Gesicht und verliehen ihm einen wahrhaft teuflischen Ausdruck. „Sie lügen!" zischte er, heiser von Wut. „Ich habe Ihnen mit keinem Worte eine Auskunft erteilt!" „Tas allerdings nicht", erwiderte Skott mit kaltem Spott. „Sie konnten das auch gar nicht, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ich viel mehr von dem Geschehenen weiß wie Sie. Ja, mir find sogar noch ganz andere Dinge bekannt, die ein gewisser Richard Hobson alias Tick Carroll in London verübte." Hobson war bleich, geworden. Mit einer blitzschnellen Bewegung seiner rechten Hand griff er unter die auf seinem Schreibtisch liegenden Papiere. Jin nächsten Augenblick schleuderten ihm zwei kräftige Schläge einen Revolver aus. der Hand und ihn selbst zu Boden. Während er halb betäubt dalag, nahm Skott den Revolver auf, sicherte ihn und steckte ihn dann in seine Brusttasche. „Den werde ich vorläufig als Andenken an unsere Unterredung behalten; später wird er mir als Beweis dienen." Hobson erhob sich mit gräßlich, verzerrtem Gesicht. Bebend vor Wut knirschte er nur zwischen den Zähnen: „Wer, zum Teufel, sind Sie eigentlich ?" „Tas geht Sie gar nichts an", erwiderte Skott, ihn am Kragen packend und nach der verschlossenen Türe ziehend. „Vorwärts, die Tür aufgeschlossen!" Zitternd fügte sich der Elende; Skott wollte sich entfernen. „Noch einen Augenblick", flüsterte Hobson, von Furcht und Schrecken wie gelähmt. „Glauben Sie nicht, daß Sie mich in Ihrer Gewalt haben. Ich. habe nichts gesagt, was Ihnen als Handhabe gegen mich, dienen könnte. Auch betreffs Dick Carrolls haben Sie keinen Beweis." Skott sah mit Ekel auf die Jammergestalt. „Sie feiger Schuft, nur eins will ich Ihnen noch sagen: Hüten Sie sich, jemals meine Wege zu kreuzen; ich! möchte mir nicht noch einmal die Hände an Ihnen beschmutzen. Sollten Sie mich, aber dazu zwingen, dann kommen Sie nicht so leicht davon." Er öffnete die Tür und schritt schnell durch das Vorzimmer, an dem ihn entsetzt anstarrenden Schwarzen vorüber, der hie letzten Worte gehört hatte. Neue Entdeckungen. An dem Morgen, der der Unterredung mit Hobson folgte, erwachte Skott zu früher Stunde. Er stand auf und sah zum Fenster hinaus. Angezogen von der Schönheit des Bildes, das die Landschaft, von den Strahlen der ausgehenden Sonne übegossen, bot, verharrte Skott eine Weile am Fenster, als ein leichtes Rascheln im Gebüsch am See — 759 — feine Aufmerksamkeit erregte. Die Sonnenstrahlen hatten das kleine Wasser noch nicht erreicht; glatt und kristallklar tote ein Spiegel lag es da. Plötzlich schoß ein leichtes Boot vom Harne her hinaus und brach die glatte Fläche in ein Geriesel glitzernder Wellen. In dem Boote saß Merrick mit einem Manne, den Skott nicht erkennen konnte, weil er dem Hause den Rücken zukehrte; er schien ein Fremder zu sein. Sie hielten nach kurzem Rudern, einige Schritte vom Ufer entfernt, an und warteten ab, bis die Oberfläche wieder glatt geworden war; dann spähten beide, über den Bootsrand gebeugt, aufmerksam in die Tiefe. Kurz darauf ließen sie behutsam ein Schleppnetz nieder. Skott lächelte über die Schlauheit des Detektivs, der die frühe Morgenstunde dazu benützte, um nach dem Gegenstand zu forschen, den der Kutscher ins Wasser geworfen hatte. Tann kleidete sich Skott, der das Boot unverwandt beobachtete, hurtig an, verließ das Haus und eilte durch das Gebüsche dem See zu. Ms er den Rand des Haines erreichte, sah er, wie das Boot, langsam dahingleitend, das Netz schleppte, und.bemerkte auch den Stalljungen, der, halb verdeckt vom Gesträuch, den Vorgang mit lebhaftem Interesse verfolgte. Unbemerkt nahm Skott seinen Beobachtungsposten am Fuße einer Ulme, deren Zweige beinahe den Boden berührten, ein. Inzwischen war es heller Tag geworden, immerhin war es,ab er noch so früh, daß eine Störung durch andere picht zu befürchten stand. (Fortsetzung folgt.) Karl Schmidt's „Geistliches Liederbuch." Eine Weihnachtsgabe für das musikalische Haus. Es gab eine Zeit, die Zeit der ungeteilten Einheit der Kirche, wo das reich bewegte religiöse Innenleben unseres Volkes es als pine Fessel empfand, seine Herzensfrömmigkeit in ureignen Heimatsweisen nicht ausdrücken zu dürfen; und es gab wieder eine Zeit — die der großen protestantischen Bewegung und Begeisterung — wo dann das neu gefundene geistliche Lied als frischer Quell dem reichen Borne deutschen Geistes- ;unb Gemütslebens entsprang und nicht nur in Kirchen und Schulen, sondern auch in Häusern und Werkstätten, Märkten, Gassen und Feldern ertönte. Außerhalb der Kirche ist dieses Bedürfnis unserer Zeit abhanden gekommen. Nur verborgen, fast verschämt erklingt hier und da in einem musikalischen Hause ein geistliches Lied. Und doch wäre es zu Nutz und Frommen unserer Nation, wenn ihm gerade in der Privaterbauung wieder eine dauernde Pflegestätte erobert, die natürliche Beziehung der Kunst zum Leben wiederhergestellt, wenn es ins Herz unseres Volkes wieder eingeführt werden könnte. Von diesem Gesichtspunkte aus ist eine Neuerscheinung des Büchermarktes zu begrüßen/die berufen ist nach dieser Richtung hin günstig M wirken. Es ist: „Karl Schmidts Geistliches Liederbuch für das musikalische Haus". Mit gutem Geschmack, klarem Verständnis, kühnem, aber glücklichem Griff hat der Herausgeber T r. Kar l Schmidt in unserer Nachbarstadt F r i e d- b e r g aus dem reichen Schatze des altkirchlichen, des liturgischen und des protestantischen Glaubens liebes, sowie aus den Werken der .klassischen und romantischen Meister Lieder des allgemeinen christlichen Lebens ausgewählt und in 144 Nummern als Begräbnis-, Buß-, Klage--, Trost-, Morgen- und Abendlieder, Lieder des Dankes, des Gottvertrauens, der Sehnsucht, Hoffnung und Entsagung zusammengestellt. Die Fülle des Gebotenen und seine Mannigfaltigkeit, die den verschiedenen Momenten, in denen das fromme Gemüt von dem göttlichen Leben berührt und ergriffen wird, Rechnung trägt, ist allein schon eine beachtenswerte Leistung. Dazu kommt nun noch ein hervorstechender, neuartiger Charakterzug des Buches: Der Herausgeber hat Liedern Aufnahme gewährt, deren Form und Gefühlsstyl für gewöhnlich als weltlich betrachtet wird. Er hat Recht darin getan, weil .einerseits die ausschließliche Betonung des Kirchlichen manchem .frommen Gemüte nicht genügt und weil andererseits diesen Liedern mit ihrer tiefen Gemütsfeier eine Beziehung auf das Heilige und Höchste nicht abgesprochen werden .kann. (Nr. 49, 50, 53, 57, 61, 63, 66, 67, 68, 69, 75, 76, 83, 87 u. v. a.) Durchweg hat man an der edlen Weihe und' Reinheit der Gesänge seine Freude. Za, selbst in solchen Liedern> die in Text oder Melodie einen etwas allzustarken Grab der Simplicität nicht leugnen können, packt bei liebevollem Versenken in Wort und Weise einer überholten Zeit die einfache Tiefe (Nr. 53, 61, 67, 105, 107). Tie Klavierbegleitung ist leicht bis mittelschwer und bietet einem mittelmäßigen Spieler keinerlei Schwierigkeiten. Soweit Bearbeitungen und Harmonisierungen älterer Lieder in Betracht kommen, sind verschiedene unserer musikalisch-ästhetischen Gefühle durch Benutzung der modernen Kunstmittel nähergerückt, ohne indessen dadurch Geist und Charakter der alten Musik zu stören. (Nr. 8, 8 a, 10, 15, 19, 20.) Mit ganz besonderer Freude wird nian die kleine Blütenlese wenig bekannter und wenig zugänglicher Lieder von Ph. Eman. Bach, dessen Bedeutung auf dem Gebiet« des geistlichen Liedes kaum bekannt ist, begrüßen. Der historischen Treue hat sich der Herausgeber mit großer Gewissenhaftigkeit befleißigt, Manchmal vielleicht zu ängstlich, wie z. B. mit der Beibehaltung der unserem heutigen Geschmack widerstrebenden alten Manieren (Nr. 44, 45, 46), somie der Fermaten, die zuweilen geradezu irreführen können (Nr. 32, 35, 36), da sie hier, entgegen denen in der Figuralmusik, dock)! nur ein kurzes Absetzen im Gesang bedeuten. Hier hätten vielleicht kurze Beistriche bessere Dienste getan. Berücksichtigungswerter wäre in dieser Beziehung die Kenntlichmachung des Bachschen Satzes durch fetteren Truck für diejenigen Lieder gewesen, denen, wegen ihrer veralteten, dünnklingenden Begleitungsform, Füllnoten beigegeben wurden. Tie dem Werke vorausgeschickte kurze und treffende historische Uebersicht ist geeignet, Interesse für das geschichtliche Studium des geistlichen Gesanges zu wecken'.. Tas Werk, bei .Breitkopf und Härtel erschienen, verdient die weiteste Verbreitung und kommt gerade zur rechten Zeit, um als Weihnachtsgabe in den Kreis einer jeden musikalischen Familie seinen Einzug zu halten. Leopold Geller. Etwas zum Knacke«. Parenüsfe oder brasilianische Kastanien, die man gegen- toärtig wieder in Menge in unfern Delikatessenläden findet, sind, so schreibt man uns, die Samen eines 30—40 Meter hoch werdenden Baumes, der zur Pflanzenfamilie der Myrtengewächse gehört und den wissenschaftlichen Namen Bertholletia excelsa führt. Seine Heimat ist das ungeheure Ländergebiet, das sich zwischen dem Amazonenstrom und dem Orinoko Südamerikas ausdehnt. Er bildet dort ganze Waldungen, während er in anderen Teilen des tropischen Amerikas häufig eingepflanzt wird. Tie schwarzbraunen, holzigen Früchte haben die Form und Größe von Kanonenkugeln älteren Kalibers. Oben befindet sich ein kreisrunder Teckel, der in der Reife mit lautem Kn.all aufspringt, worauf die dreieckig geformten, hartschaligen Samen — unsere Parenüsfe — zu Boden fallen, wo sie von den Eingeborenen gesammelt und nach den nächsten Hafenplätzen verkauft werden. Zur Zeit der Reife hallt der Wald wieder vom Bersten der reifen und dem Gekrach der durch das Geäst des Urwalds schlagenden, schweren Früchte; das Ernten soll deshalb nicht ganz gefahrlos sein. Jede Frucht enthält 25—35 und mehr Nüsse. Tie nicht aufgesprungenen Früchte werden mit Beilen aufgeschlagen. Tie leere Frucht dient als Trinkgefäß, weshalb der Baum bei den Indianern .,Topfbaum" genannt wird. Die großen, weißen Kerne schmecken angenehm nach Mandeln. Da sie sehr ölreich sind, werden sie, wenn sie älter werden, ranzig und ungenießbar. In Brasilien benützt man sie zur Bereitung eines vorzüglichen Oeles, das zum Brennen, sowie für verschiedene technische Zwecke Verwendung findet. Neben der PareNuß wird noch eine andere exotische Nuß, die Erdnuß oder Erdmandel, angeboten. Sie stammt von einer krautartigen, etwa spannenhoch werdender: Pflanze, Arachis pogdea, die zu den Schmetterlingsblütlern gehört. Von den gelben Blüten entwickeln sich stets nur die, unten am Boden befindlichen. Tie oberen bleiben taub. Nach dem Verblichen graben sich die jungen Schoten 6—8 Zentimeter tief in die Erde ein. Tie Erdnuß wird in allen tropischen und halbtropischen Ländern seit uralten Zeiten angebaut. Ihre eigentliche Heimat kennt man ebenso wenig wie die unserer Getreidearten. Tie länglichen weißgelben Hülsen enthalten meistens zwei rötliche Samen. Sie schmecken etwas nach Mandeln und werden von den Südländern gern genossen. Bei uns dürfen sie kaum viel Verehrer finden, denn sie haben einen eigentümlichen, faben Beigeschmack. Man bereitet Ms ihnen das Katjengöl, das dem besten Olivenöl gleich 'geschätzt wird und in neuerer Zeit vielfach zur Fabrikation von Kunstbutter Verwendrmg findet. Tie beste Nuß für den Weihnachtstisch bleibt immer noch untere Wallnuü wenn iie nickt durch Schimmelpilze oder 760 Mter verdorben ist. Als Fruchtbaum wird der Wallnußbcrum immer seltener, denn unter seinem Schatten gedeiht sonst nichts. In den letzten Jahren hat mich mancher Besitzer zur Axt ge- grisfen, um sich aus dem wertvollen Holze, das zu hohen Dreisen von den Gewehrfabrikeu aufgekaust wird, eine willkommene Einnahme zu verschaffen. Dagegen scheint unsere hessische Forstbehörde sich seiner anzunehmen, um ihn als Waldbaum $u pflegen. Weihnachtsbücher. — Wilhelm Raabe sollte beim Auswahlen der Weihnachtsgeschenke nicht vergessen werden. Seine Werke sind eine gesunde und gute geistige Kost. Im Verlag von Otto Janke in Berlin sind seine Schriften erschienen, von denen u. a. „Der Lar",eine Oster-, Pflügst-.- Weihnachts- und Neujahrsgeschichte, sowie „Prinzessin Fisch" in neuen Auflagen vorliegen. * — Der gute Ton in allen Lebenslagen, ein Handbuch für den Verkehr in der Familie, der Gesellschaft und im öffentlichen Leben; unter Mitwirkung erfahrener Freunde hcrausgegeben von Franz EbHardt (Verlag von Jul. Klink- Hardt in Berlin und Leipzig), hat bereits die 15. Auflage erlebt und vereinigt auch in der neuesten Auflage alle Anforderungen an Formen und Benehmen, die man an einen modernen gebildeten Menschen stellen muß. Tas umfangreiche Werk (Preis geb. 10 Marks gibt aber nicht nur Anweisungen, Rezepte zum gedankenlosen Nachbeten, sondern geht den Dingen tiefer auf den Grund. und ist darum für jedermann eine interessante Lektüre, (m5 der man viel Belehrung schöpsen kann. Was das Buch vor allem auszeichnet, ist die edle Sprache und die klare Absicht, die daraus spricht, eine geistige Vertiefung und wirkliche Bildung in die Anwendung unserer Sitten und Gebräuche hineinzulegen. Wie der Titel richtig sagt, gibt das Werk über das Verhalten in allen Lebenslagen Aufschluß und ist ein guter Ratgeber für alle Gesellschaftskreise. Das Buch hat eine sehr elegante äußere Ausstattung. * — Zweifel der Liebe, Roman aus der Gegenwart von I u l i u s W o l f f ist als 83. Band der Grote'schen Sammlung zeitgenössischer Schriftsteller (Grote'sche Verlagsbuchhandlung, Berlin) erschienen. Julius Wolff, der beliebte Dichter und Erzähler historischer Romane beweist mit diesem Buch, daß er auch in der Gegenwart geistig zu Haufe ist und einen modernen Roman im besten Sinne zu schaffen weiß. Seme Gestalten sind echte Menschen, die der Leser in sein Herz schließen muß. In der soliden Ausstattung der Grote'schen Sammlung, die schon viel gute und auserlesene Werke gebracht hat, ist der vorliegende Roman ein hübsches Geschenkwerk. * — Engelhorns allgemeine Romanbibliothek ist auch in diesem Jahre um viele interessante und lesenswerte Romane bereichert worden. Keine der neuerdings aufgetauchten und angepriesenen Romansammlungen vermag an den Wert dieser preiswerten und schmucken, roten Bündchen heranzureichen, die nur vornehme und zugleich unterhaltende Erzeugnisse der Literatur darbieten. Ter 20. Jahrgang liegt nun abgeschlossen vor. Auch er bringt wieder zunächst eine ganze Anzahl guter Werke ausländischer Autoren, namentlich aus der englischen Literatur. Ein spannender Abenteuerroman „Tie Einbrecher aus Passion" von E. W. Hornung, ein anderer, „Tie schwarze Maske" von demselben Verfasser, ein humoristischer Roman von Henry de Bere Stacvoole, ein besonders für junge Damen sehr lesenswerter Roman „Angelika" von der bekannten und beliebten Erzählerin Mrs. Croker, von der noch ,,ba§. stolze Mädchen und andere Geschichten" in der diesjährigen Sammlung vertreten ist, und schließlich noch zwei Romane von Elinor Glyn und A Armstrong, das sind sieben Romanbände, die jedem Unterhaltungsbedürftigen empfohlen werden dürfen. Besonderes Interesse werden zwei neu in die Sammlung aufgenommene Romane von Rich. Voß erregen: „Ein Königsdrama" und „Tie neue Circe", in welch letztem der sonst ernste Tichter offenbart, daß er auch über liebenswürdigen Humor verfügt. Von deutschen Schriftstellern sind zu nennen Rich Skowronnek mit „Sommerliebe und andere Geschichten" und H. v. Zabeltitz mit' einem interessanten Leitbild „Krachst Sehr fesselnd sind auch die 4 französischen Romane und die beiden dänischen Novellen von L Budde, die in diesem Jahr neu hinzu- -ckommen sind. Sicher werden die Bände gerade zu Weihnachten viele Liebhaber finden umso mehr, da der Preis für den hübsch in roten Leinenband gebundenen Roman nur 75 Pf. beträgt. * Ernsthaft, aber in feiner Art sehr wirksam ist der Katalog von E u g e n D i e d e r i ch s in I e n a, der es sich angelegen sein läßt, in der Buchausstattung das Höchste zu leisten an künstlerischem Wert und der es wunderbar versteht, nur Autoren von Bedeutung und Geist um sich zu scharen. Sein Hauptfchmuck sind zahlreiche Bildnisse bekannter moderner Autoren, u. a. Bölsche, Bruno Wille, Julius Hart, Emerson, Maeterlinck, Tolstoi, Ruskin, Taine, Tschechoff, I. P Jakobsen, Ave- narius, Helene Boigt-Dicderichs. Tie Äerlagswerke sind in zwölf Gruppen geordnet, jede mit einer Einführung von einer Autori- tät des betreffenden Gebietes. Ter Katalog bietet so zugleich in aller Kürze eine wertvolle literarische Umschau über die Entwicklung der Kultur. * — Schill er kalender. Für das Jahr 1905, zur Säkularfeier von Schillers Todestag hat die Hamburger Ortsgruppe des Schillerverbandes deutscher Frauen einen Abreißkalender hcrausgegeben. Der Kalender erscheint nur in diesem einen Jahre und bringt statt der üblichen Bilder für jeden Tag des Jahres einen Ausspruch aus den Werken Schillers. Die Zitate gewinnen dadurch ein besonderes interesse, daß sie in der Handschrift hervorragender deutscher Männer und Frauen wiedergegeben sind, wodurch sie gleichzeitig eine Autographensamm- lung ersten Ranges bilden. Künstler und Schriftsteller, haben sich vereinigt zu einem Werk, welches wohl wie kein anderes geeignet ist, die Erinnerung an unfern volkstümlichen Dichter wachzurufen und zum Nachforswen in seinen Werken anzurcgen. Der Kalender ist zum Preise von 1.50 Mark bei H. Kühn, Papierhandlung, Seltersweg 36, zu haben. Siegfried. Wölbt auch der dichte Heckendorn •» Sich um dein Ahnenschloß, Ich stoße in mein Silberhvrn lind schwing' mich auf mein Roß. Tie Sonne strahlt f'o heiter hier, Lacht mir durch Herz und Hirn, Ter Wind streicht meutern Roß und mir Tie Locke aus der Stirn. Mich grüßt der Lenz, der junge Tag, Jag' ich den braunen Pelz. Es springt voll meinem Schwerterschlag In Stücke jeder Fels. Durch Burg und Stein und Felsen glitt Mein Fuß, ■ bis ich dich fand, Dich schirmt vor meinem Siegerritt Des Vaters zorn'ge Hand. Doch, wallt auch "Lokis Flammenschein Rot nm dein Brautbett her, Weil Wodan schlug den schwarzen Stein Mit feinem Eichenspeer, Ich siege! Flamme, aufwärts brich! Heiß ist ja auch mein Blut: Als kühner Wälsung reite ich In deine Feuersglut.... Karl Wiegand.*) *) Aus den kürzlich bei Gebr. Knauer in Frankfurt a. M. unter dem Titel „Aus Kampf und Leben" erschienenen schönen Gedichten Karl Wiegands, des Lehrers und Erziehers der Kinder des Prinzenpaares Friedrich'Karl von Hessen in Schloß Friedrichs- hof bei Cronberg im Taunus. Wir empfehlen diese Gedichte als sinniges Weihnachtsgeschenk. Preisaufgabe für Schachspieler. Nur ein Zweizüger. Die „Deutsche Warte" vom 18. l. Mts. bringt folgende Aufgabe. W : K h6; T b7-e4; L 16; S b8; B a2, c2, h2. 8: K b5; D g4; T ai; 8 d5; £8; B dB, e 3, f4. Wir stellen hierzu die Preisausgabe: 1. Es ist auszuführen, warum eine Figur ein Druckfehler fein und ivolche andere an ihre Stelle treten muß; 2. es ist die Lösung des Zweizugers vollständig zu geben; 3. welchen Zweck hat Bauer e3? 4. welchen nach Problemrecht nicht legitimen Zweck hat eine der anderen Figuren? Preis: Dufresnes Lehrbuch, für die richtige und vollständige Lösung, die bis zum 27. l. M. bei der Redaktion der „Familienblätter" oder bei dem Vorsitzenden des hiesigen Schachklubs zuerst eingeht. -g. Auflösung de§ Fehl-Rätsels in vor. Nr. Arioso Bariton Barrikade Darius Furie Karikatur Kurie Larifari Marie Merino Orient Periode Spiritus Urias. Truckfehlerberichtigung. In dem Gedicht der letzten Nummer „Tie Werke des Herrn" sind in der letzten Strophe zwei Truckfehler vorgekommen. Statt „toben" inuß es „lobe n" und ftott „Worte" „W erke" heißen. Redaktion: ILiuui ß Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brüht'lchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lanae. Gießen.