*T . .iv jUt/; v oj.li; N ■ KaschLanka. Vorr A n ton Tschechoff. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ter Unterricht und das Mittagessen machten die Tage sehr interessant, die Abende aber vergingen etwas langweilig. Gewöhnlich fuhr der Herr des Abends irgendwohin fort und nahm den Kater und den Gänserich mit. Kaschtanka der allein zu Hause blieb, pflegte sich dann auf dem Kissen auszustrecken und der Melancholie anheim zu fallen. . . Unbemerkt und allmählich, wie die Finsternis ein Zimmer erfüllt, beschlich ihn die Traurigkeit. Es begann damit, daß der Hund die Lust am Bellen, am Essen und am Uruher- lausen in den Zimmern verlor. Dann erschienen seiner Phantasie zwei undeutliche Gestalten, halb Tiere, halb Menschen, mit lieben und sympathischen, aber unverständlichen Gesichtern. Bei ihrem Erscheinen wedelte Kaschtanka mit dem Schwanz, und es war ihm, als hätte er sie irgendwo und irgendwann schon gesehen und geliebt. . . Und wenn er einschlief, empfand er jedesmal den angenehmen Tust von Leim, Hobelspänen und Lack, der diesen Gestalten entströmte. . . Als er sich in das neue Leben schon ganz eingewöhnt hatte und sich aus einem mageren, knöcherigen Straßenköter in einen satten, wohlgepflegten Hund verwandelt hatte, streichelte der Herr ihn einmal vor dem Unterricht und sagte: „Na, Tante, jetzt ist es auch Zeit, an die Arbeit zu gehen . . . Ich will aus Dir einen Künstler machen . . . Willst Du ein Künstler werden?" Und er begann den Hund in allen möglichen Wissenschaften zu unterrichten. In der ersten Stunde lernte Kaschtanka „sitzen" und auf den Hinterfüßen gehen. In der zweiten Stunde mußte Kaschtanka auf den Hinterfüßen schon springen und nach einem Stück Zucker schnappen, das der Meister hoch über den Kopf des Hundes hielt. Dann, in den nächsten Stunden, tanzte er, lief an der Korde, heulte „nach Musik", läutete und schoß. Nach einem Monat aber konnte er bereits mit Erfolg Theodor in der „Egyptischen Pyramide" vertreten. Er lernte gerne und ivar mit seinen Fortschritten zufrieden; namentlich das Laufen an der Korde, mit heraushängender Zunge, das Springen durch den Reifen und das Reiten auf dem alten Theodor bereiteten ihm ein ganz besonderes Vergnügen. Jedes gelungene Vergnügen begleitete er mit lautem begeisterten Gebell, während der Lehrer staunte, sich ebenfalls begeisterte und vergnügt die Hände rieb. „Ein Genie! Ein Genie!" sagte er. „Ein unbezweifelbares Genie! Du wirst einen großartigen Erfolg haben!" Und Kaschtanka hatte sich so sehr an das Wort „Genie" gewöhnt, daß er jedesmal, wenn sein Herr es aussprach, aufsprang und sich umsah, als wäre es kein Rufname. Eine unruhige Nacht. Kaschtanka hatte einen Hundetraum: der Hausknecht: jagte ihm mit dem Besen nach. Bor Furcht erwachte er. Im Stübchen war es dunkel, dunkel und schwül: Die Flöhe belästigten ihn. Kaschtanka hatte früher niemals die Dunkelheit gefürchtet, jetzt aber war es ihm, er wußte selbst nicht warum, plötzlich so unheimlich geworden, daß er bellen wollte. Im Zimmer nebenan seufzte der Herr etwas später grunzte die Sau im Stalle, und wieder wurde alles Still. Wenn man ans Essen denkt, wird es einem leichter ums Herz, und Kaschtanka begann daran zu denken, wie er heute Theodor ein Hühnerbein entwendet und es im Salon, zwischen dem Schrank und der Wand- wo sehr viel Spinngewebe und Staub lag, versteckt hatte. Es würde nichts schaden, mal hin zu gehen und sich zu überzeugen, ob dieses Bein noch da sei oder nicht mehr. Unmöglich wäre es nicht, daß der Herr es gefunden und verspeist hätte. Aber vor dem Morgen darf man die Stube nicht verlassen — das ist Hausgesetz. Kaschtanka schloß die Augen, um möglichst schnell einzuschlafeu, denn er wußte aus Erfahrung, daß je früher man einschläft, um so früher der Morgen da ist. Aber plötzlich ertönte nicht weit von ihm ein sonderbarer Schrei, der ihn zusammenschrecken und aufspringen machte. Es war Herr Iwanow, und sein Schrei war nicht geschwätzig und überzeugend wie gewöhnlich, sondern wild, durchdringend und unnatürlich, wie das Schreien einer ungeschmierten Pforte. Ohne im Dunkeln etivas sehen oder begreifen zu können, erschrak Kaschtanka noch mehr und knurrte: „Rrrr. . ." Es verging viel Zeit, soviel wie dazu nötig ist, um einen guten Knochen zu benagen; der Schrei wiederholte sich nicht. Kaschtanka beruhigte sich allmählich und begann wieder in Schlaf zu versinken. Ihm träumte von zwei großen, schwarzen Hunden; sie fraßen gierig aus einem großen Tröge mit Küchenabfällen, dem iveißer Dampf und ein angenehmes Aroma entströmten. Ab und zu wandten sie sich nach Kaschtanka um, fletschten die Zähne und knurrten: „Dir geben wir nichts!" Aber aus dem Hause kam ein Bauer im Pelz herausgelaufen und vertrieb mit der Peitsche die Hunde. Kaschtanka näherte sich dem Tröge und begann zu fressen, aber kaum war Her Bauer im Tor verschwunden, als die schwarzen Hunde sich brüllend auf Kaschtanka stürzten, und der durchdringende Schrei plötzlich wieder ertönte. „K—he! K—he—he!" schrie Iwanow. Kaschtanka erwachte, sprang auf und brach, ohne sein Kissen zu verlassen, in ein heulendes Gebell aus. Es schien ihm jetzt, als schreie nicht mehr Iwanow, sondern jemand anderes, jemand Fremdes. Und sonderbarerweise grunzte auch die Sau wieder im Stalle. Schon vernahm man aber das Schlurfen der Pan« toffeln, und in die Stube trat der Hckrr, im Schlafrock und mit dem Licht in der Hand. Der blinzelnde Schein Jur AuMrum! 1406. V. 04 Ui. Kaiser - Kaffeegeschäft (5. m. b. H>. mutzten wir wegen Verletzung unserer eingetragenen Schutzmarken verklagen. Das Gberlaudesgericht in Köln hat uns Recht gegeben und Kaiser verurteilt. Dieser verlorene Prozeß ist vielleicht die Ursache, daß Kaiser's Kaffeegeschäft eine Bekanntmachung vom 15. Oktober 1895 ausgegrabM und sich mit unserem Malzkaffee befaßt hat. Die Behauptung, daß diese Bekanntmachung vom kaiserlichen Reichsgesundheitsamt erlassen wurde, ist übrigens unrichti g. Da in einem Urteil des kgl. Amtsgerichtes I Berlin vom 24. Januar 1896 festgestellt wurde, daß gerade das Gegenteil der in dieser Bekanntmachung vom 15. Oktober 1895 angegebenen Tatsachen als richtig zu erachten ist, wurde dann erst und zwar aus Veranlassung der Kgl. bayerischen Regierung das kaiserliche Reichsgesundheitsamt mit einer Untersuchung unseres Malzkaffee- amtlich beauftragt. Diese höchste Behörde für Nahrungs- und Genußmittel hat aber über unseren Malzkaffee ein sehr günstiges Gutachten erteilt, wenn hierin gesagt ist, daß in größeren proben unseres Malzkaffees kleinere Mengen von Kaffeebestandteilen nachgewiesen sind, so ist das gewiß die beste Empfehlung für unsere Ware, denn, wenn größere Mengen Loffein darin enthalten wären, so würde Kathreiner'? Malzkaffee für viele Leute ebenso schädlich sein wie der Bohnenkaffee. Kathreiners Malzkaffee soll eben nur so viel Kaffeebestandteile enthalten, als nötig sind, um ihm den eigenartigen Geschmack «nd die ihn vor allen anderen Sorten Malzkaffee auszeichnenden Eigenschaften z« gebe». Selbstverständlich ist durch diese k>erstellungsweise auch sein etwas höherer preis begründet; würde er rrur aus geröstetem Braumalz bestehen, wie die Kaiser'sche Ware, so könnte er aTevdings no^h billiger verkauft werden als diese. — TVk Pfarrer Jftneipp über Leute dachte, die sich bei der JserfteHung ihrer Ware auf sein Buch „So sollt ihr leben", beziehen, das beweist die von ihm veröffentlichte Warnung: „In meinem Buche „So sollt ihr leben" habe ich im Jahre 1889 wohl gesagt, wie man früher namentlich auf dem Lande Malzkaffee zu machen pflegte, beziehungsweise Gerste oder Malz röstete, aber ich habe kein Spftem ausgestellt, dessen Anwendung auch zur Benützung meines Namens zum Zwecke der Anpreisung von waren berechtigen würde. Ich habe einzig und allein der Gesellschaft Lathreiner's Malzkasf ee-Sabriken in München, deren Fabrikation ich von Anfang an verfolgt und deren Produkt ich als das Beste erkannt habe, das Recht gegebe-n, meinen Hamen, mein Bild und meine Unterschrift zur Bezeichnung ihres Malzkaffees zu gebrauchen. Ich habe mich davon überzeugt, daß ihr Malzkaffee, infolge des von ihr erfundenen Jabrikationsverfahrens den so vielen Leuten unangenehmen, süßlichen Malzgeschmack verloren und dagegen den beliebten Geschmsck des Bohnenkaffees angenommen hat, ohne jedoch dessen gesundheits- schädliche Eigenschaften zu besitzen. Deshalb halte ich ^athreiner's Malzkaffee für den besten Ersatz des Bohnenkaffees. Ich kann und werde fortan nicht mehr dulden, daß andere Sinnen meinen Hamen, in welcher Art dies immer fei — zur Bezeichnung oder Anpreisung ihrer waren benützen." woerishofen, dm 2. Juni 1896. gez.: Seb. Kneipp. Jedenfalls beweist Kaiser's Kaffeegeschäft durch seine Weröffentlichung, daß unser Malzkaffes etwas ganz Anderes ist, als sein geröstetes Wraumalz, nÄrnlich rkwas Vesserres. — Und das entspricht allerdings vollkommen den Watsachen, denn Kathreiner's Malzkaffee ist ein eigenartig, einzig dastehendes Fabrikat, das nach einem patentierten und seither noch wesentlich verbesserten Verfahren hergestellt wird. München, dm 20. Mai 1904, Kathreiner s Malckaffee-Zabriken, Gesellschaft mit beschränkter Haftunz. 6. Auijiicr, München. 694 begann an den schmutzigen Tapeten und an der Decke zu Hüpfen und verscheuchte die Finsternis. Kaschtanka sah, daß in der Stube niemand Fremdes war. Herr Iwanow saß auf der Diele und schlief nicht. Seine Flügel waren ausgespannt und sein Schnabel geöffnet, und überhaupt sah er aus, als wäre er sehr müde und wollte trinken. Der alte Theodor schlief auch nicht. Auch ihu hatte Wohl der Schrei aufgescheucht. „Herr Iwanow, ivas fehlt Ihnen?" fragte der Herr den Gänserich. „Warum schreien Sie? Sind Sie krank?" Ter Gänserich schwieg. Ter Herr befühlte ihm den Hals, streichelte seinen Rücken und sagte: „Sie sind ein komischer Herr. Schlafen selbst nicht und geben auch anderen keine Ruhe." Als der Herr wieder hinausgegangen war und das Licht mitgenommen hatte, wurde es wieder dunkel. Kaschtanka wurde bange. Der Gänserich schrie nicht mehr, aber Kaschtanka hatte wieder das Gefühl, als sei jemand Fremdes in der Stube. Am meisten ängstigte ihn, daß man diesen Fremdling nicht beißen konnte, da er unsichtbar war und und keine Gestalt hatte, tlnd Kaschtanka hatte das unbestimmte Gefühl, als müßte sich in dieser Stacht durchaus etwas Schlimmes ereignen. Auch Theodor war unruhig. Kaschtanka hörte, wie er sich auf seinem Kissen bewegte, seinen. Kopf schüttelte und gähnte. Irgendwo auf der Straße wurde an ein Tor gepocht. Im Stall grunzte die Sau. Kaschtanka begann zu heulen, streckte die Vorderpfoten aus und legte seinen Kopf daraus. In dem Pochen - am Tore, im Grunzen der Sau, die sonderbarerweise auch nicht schlafen konnte, in der Finsternis und Stille schien ihm, ebenso wie in dem Schrei des Herrn Iwanow, etwas unendlich Trauriges und Schreckliches zu liegen, tleberal! und bei allen zeigte sich eine sonderbare Unruhe, aber woher? Wer war dieser Fremde, den man nicht sehen konnte? In der Nähe von Kaschtanka erglühten zwei trübe, grüne Feuer. Es war Theodor, der seit der ganzen langen Bekanntschaft zum erstenmal au Kaschtanka herangekommen war. Was wollte er? Kaschtanka leckte ihm die Pfote und begann, ohne nach dem Grunde seines Kommens zu fragen, von neuem zu heulen. ,,K—he!" schrie Herr Iwanow. „K—he—he!" Die Tür öffnete sich wieder, und der Herr trat mit hem Licht in der Hand ein. Der Gänserich saß in der alten Stellung mit geöffnetem Schnabel und ausgebreiteten Flügeln. Seine Augen waren geschlassen. „Herr Iwanow!" rief der Herr. Der Gänserich rührte sich nicht. Der Herr setzte sich vor ihm hin auf die Ästete, sah ihn einige Augenblicke schweigend an und sagte': „Iwanow! Was ist denn das? Stirbst Du? Ach, jetzt erinnere ich mich, erinnere ich mich!" rief er, sich nach dem Kopf fassend, „Jetzt !veiß ich, was es ist! Das kommt, weil Dich heute ein Pferd getreten hat! O mein Gott, mein Gott!" Kaschtanka verstand nicht die Worte des Herrn, sah aber an seinem Gesicht, daß auch er etwas Fürchterliches erwartete. Er streckte seine Schnauze nach dem dunklen Fenster aus, in welches, wie ihm schien, jemand. Fremdes hereinschaute, und begann zu heulen. „Tante! Er stirbt ja!" sagte der Herr, die Hände zusammenschlagend. „Ja, ja, er stirbt! Zu Euch in die Stube ist der Tod gekommen. Was tun ivir nun?" Der Herr kehrte bleich und aufgeregt, seufzend und kopfschüttelnd zu sich ins Zimmer zurück. Kaschtanka, der sich siirchtete, im Dunkeln zu bleiben, folgte ihm. Der Herr setzte sich aufs Bett und wiederholte immer wieder: „Mein Gott, was soll ich tun?" Kaschtanka strich an seinen Beinen herum, ohne zu verstehen, warum er selbst und alle anderen so traurig und erregt waren, und suchte es aus den Bewegungen des Herrn zu erraten. Theodor, der sein Kissen sonst nur selten verließ, trat auch in das Schlafzimmer ein und begann sich ebenfalls an den Beinen des Herrn zu reiben. Er schüttelte mit den: Kopf, als wollte er aus demselben alle trüben Gedanken hiuausschütteln, und blickte verdächtig unters Bett, Ter Herr nahm ein Tellerchen, goß Wasser hinein und ging wieder zum Gänserich. „Trink, Iwanow", sagte er zärtlich, das Tellerchen vor ihm hinstellend. „Trink, mein Lieber." Mer Iwanow rührte sich nicht und öffnete nicht die Augen. Ter Herr neigte senken Kopf z,um Teller und tunkt« Iwanows Schnabel ins Wasser, aber der Gänserich trank nicht. Er breitete seine Flügel nur noch weiter aus, und sein Kopf blieb kraftlos aus dem Teller liegen. „Nein, da ist nichts mehr zu machen!" seufzte der Herr. „Alles ist aus. Ter arme Jwanoiv ist tot. . ." Und an seinen Wangen rieselten glänzende Tröpfchen herab, wie man sie beim Regen an den Fenstern sieht. Ohne die Bedeutung des Geschehenden zu begreifen, drängten Kaschtanka und Theodor sich an den Herrn heran und blickten voll Schrecken auf den Gänserich. „Mein armer Iwanow!" sprach der Herr, traurig seufzend. „Und ich hatte gehofft. Dich im Sommer mit in die Sommerfrische zu nehmen und mit Dir auf der grünen Wiese zu spazieren. Du liebes Tier, mein braver Kamerad, Du bist dahin! Wie werde ich denn jetzt ohne Dich auskommen ?" Kaschtanka glaubte, daß auch ihm dasselbe passieren würde, daß er plötzlich, wer weiß Ivarum, seine Augen schließen, die Pfoten ausstrecken und sein Gebiß entblößen wurde, und daß dann alle ihn mit Schrecken ansehen würden. Auch in dem Kopfe Theodors schienen ähnliche Gedanken zu hausen. Noch nie war der. Kater so finster und trübsinnig gewesen, wie jetzt. Ter Morgen dämmerte, und jener unsichtbare Fremde, der Kaschtanka so erschreckt hatte, verließ das Zimmer. Als es ganz hell wurde, kam der Hausknecht, nahm den Gänserich bei den Füßen und trug ihn irgendwohin hinaus^ Bald hernach kam die Aufwärterin und brachte den Trog weg... Kaschtanka ging in den Salon und schaute hinter den Schrank: der Herr hatte das Hühnerbein nicht anfgegessen, es lag noch an derselben Stelle, mit Staub und Spinngewebe bedeckt. Aber Kaschtanka war es trübe zu Mut, und er wollte weinen. Er roch nicht mal an dem Hühnerbein, sondern ging unter den Divan, legte sich dort hin und begann leise mit hoher Stimme zu heulen. „IX—U—U . . ." Ein mißlungenes De b u. Eines schönen Abends trat der Herr in das Stübchen mit den schmutzigen Tapeten und sagte, sich die Hände reibend: „Nun. . ." Er wollte noch etwas sagen, ließ es aber bleiben und ging wieder hinaus. Kaschtanka, der während der Stunden die Manieren und Mienen seines Herrn gut ausgelernt hatte, erriet, daß er besorgt und, wie es schien, sogar böse war. Bald darauf kam der Herr wieder zurück und sagte: „Heute nehme ich Tante und Theodor mit mir. In der „Egyptischen Pyramide" wirst Du, Tante, die Stelle des seligen Herrn Iwanow einnehmen. Hol's der Teufel! Nichts ist fertig, nichts einstudiert, nur ein paar Proben! Wir werden uns blamieren, durchfallen!" Dann ging er wieder hinaus und kam gleich darauf im Pelz und Zylinder zurück. Er trat an den Kater heran, ergriff ihn bei den Vorderpfoten, hob ihn auf und barg ihn auf der Brust rmterm Pelz, lvobei Theodor sehr gleich- giltigs chien und sich nicht mal die Mühe gab, die Augen zu öffnen. Ihm war es offenbar vollständig gleich, ob er lag, oder an den Pfoten in die Höhe gehoben wurde, ob er sich auf feinem Kissen rekelte, oder unterm Pelz an der Brust des Herrn ruhte . . . „Tante, komm!" sagte der Herr. Ohne etwas zu verstehen, folgte Kaschtanka mit dem Schwänze wedelnd. Einen Augenblick später saß er schon im Schlitten zu Füßen seines Herrn und hörte, wie dieser, vor Kälte und Aufregung fröstelnd, murmelte: „Wir blamieren uns, fallen durch!" Ter Schlitten hielt vor einem großen, sonderbaren Hause, das einer umgestülpten Suppenterrine ähnlich sah. Tie langgezogene Auffahrt zu diesem Hause mit drei Glastüren war durch ein Dutzend Laternen hell erleuchtet. Die Türen öffneten sich klirrend und verschlangen wie Rachen die Menschen, die sich auf der Auffahrt drängten. Menschen gab es dort viel, oft liefen an das Haus auch Pferds heran, Hunde aber sah man gar keine. Ter Herr nahm Kaschtanka auf den Arm und schob ihn unter den Pelz an die Brust, wo sich Theodor befand. Hier lvar es dunkel und stickig, aber warm. Für einen Augenblick leuchteten zwei grünliche Funken auf — es war — 695 bet Kater, d^r, durch die kalten, harten Pfoten des Nach- Lars beunruhigt, die Augen öffnete. Kaschtanka leckte ihm ein Ohr und begann, in dem Wunsche, sich möglichst bequem zu plazieren, sich unruhig hin und her zu bewegen, wobei er den Kater mit den kalten Pfoten ganz zerdrückte. Während dieser Beschäftigung steckte er einmal den Kops unversehens hinaus, begann aber sofort zu knurren und tauchte wieder in den Pelz zurück. Es war ihm, als hätte er eüt riesiges, schlecht beleuchtetes Zintmer, das mit Menschen angesüllt war, gesehen. Aus den Abteilungen und Gittern, die längs der beiden Seiten des Zimmers liefen, schauten furchtbare Fratzen heraus: die einen sahen wie Pferdeköpfe aus, andere hatten Hörner, andere wieder lange Ohren. Ein Scheusal hatte eine dicke, riesige Fratze mit einem Schwanz statt der Nase und mit zwei langen, abgenagten Knochen, die ans dem Rachen herausragten, (Schlup folgt.) Plaudereien ans der Kaiserstadt. (Nachdruck verboten.) Montagsblätter und kein Ende. — Ein zir gutes Gedächtnis. — Sonstiges vom Zeitunzsmarkt. Tie zeitungslose, die schreckliche Zeit, der ehemals bei allen Extrablatt-Schwindlern als prächtigster Einnahmetag geltende Montag, hat durch die Gründung immer neuer Montagsblätter eine etwas zu gründliche Abhilfe erfahren. Freilich lange genug hat ,c8 gedauert, da man den bald nacheinander entstandenen Berlin überflutenden Montagsblättern der roten Linken, als da sind die „Welt am Montag", die „Zeit am Montag" und „Bernsteins Montagsblatt" . eine regierungsfreundliche Montagszeitung entgegensetzte. Denn das „Kleine Journal" und das „Berliner Tageblatt", die gleichfalls eine Montagmorgen-Ausgabe haben, zeigten keinen ausgeprägten Montagscharakter und wurden über den Kreis ihrer sonstigen Leser hinaus verhältnismäßig wenig verlangt. Ein jetzt erscheinender „Arbeitsmarkt aut Montag" füllt sicher eine fühlbare Lücke aus; doch beschränkt er kaum das Absatzgebiet der drei roten Blätter, die eine ganze Woche Zeit haben, sich mit den paar scharfen Artikeln über wirkliche oder geschickt aufgebauschte Uebelstände interessant zu machen und durch recht gepfefferte Ueberschriften die Menge der zeitungshungrigen Eisenbahn- und Straßenbahn-Passagiere rc. zu ködern. Konkurrenz im großen Stile wird ihnen von jetzt an der „Lokal- Anzeiger" machen, der am letzten Montag zum ersten Male mit einer Frühausgabe, kurzweg „der Montag" genannt, auf dem Plan erschienen ist. Alle Litfaßsäulen zeigen die riesigen schwarzen Plakate mit der gelben Schrift, die man feit langen Jahren als Scherl'sche Anschlagspublikationen kennt, und Hunderte von Händlern priesen dem Straßenpublilüm den neuen „Montag" an, der allerdings in seiner ersten Gestaltung nicht im stände sein wird, die vor ihm auf dem Plan gewesenen feindlichen Brüder zu verdrängen. Aber man weiß ja genugsam, wie zähe Scherl sein kann. Und der Montag wird kommen, an dem auch er seine Gemeinde haben wird, die zum Teil den Änderen entlaufen ist. Bon den unruhigen, aber für talentvoll geltenden Köpfen, die in der „Welt am Montag" ihre kritischen Ansichten so. keck wie möglich in die Welt hinausschreiben, hat einer just in der Woche des Scherl'schen, Ansturms ein böses Pech gehabt. Es betrifft den in beit weitesten Theaterkreisen gelesenen und gehaßten Herrn Siegfried Jakobsohn, der trotz seines sehr jugendlichen Alters Bühnendichtern und Schauspielern aus dem tiefen Born seiner unheimlichen Weisheit Belehrungen in schärfster Forn zuteil werden ließ und dabei mit einem Stil paradierte, der mitunter an das funkelnde Leuchten einer Toledaner Klinge erinnern konnte. Ziemlich weite Kreise erregte sein Streit mit Sudermann, dem er jeden Wert, jede Bedeutung absprach, und dadurch Sudermanns erregte Artikel über die „Verrohung der Kritik" mit hervorries. Diesem jungen Chrano der Feder hat nun angeblich sein allzn- gutes Gedächtnis einen sehr fatalen Streich gespielt Er hat nämlich in seinen letzten Kritiken ganze Satzfolgen aus früheren Kritiken des Wiener Feuilletonisten Alfr. Gold entlehnt und sie zur Charakterisierung von anderen Schauspielern in anderen Stücken verwertet, und zwar ohne Gänsefüßchen. So könne man in seiner Traumulus-Besprechung eine Würdigung Bassermanns lesen, die seinerzeit Gold über Adele Sandrock als Mazda in Sudermanns „Heimat" geschrieben, was natürlich bei allen ehrlichen Leuten ein bedenkliches Kopsschütteln hervorgerufeu, als es im „Berl. Tagebl." von dem Wiener Autor durch Nebeit- einanderstellung zur Sprache gebracht wurde. Aber der so arg bloßgestellte junge Kunstrichter erklärt alles aus seinem fabelhaft guten Gedächtnis heraus und findet den Fall durchaus harmlos. Ob freilich der Brettlboden für einen solchen Gedächtniskünstler nicht, ein viel passenderer Arbeitsplatz wäre, als der Kritikersessel im Redaktionsbureau einer stark angefeindeten Zeitung — das wird in diesem Tagen der Verleger der „Welt am Montag" entscheiden. Zweifellos ist das Ansehen, das dieser jüngste der Berliner Rezensenten vielfach auch bei seinen Gegnern genoß, end- . gütig dahin. Man traut nicht einer Zeile mehr, die aus seiner Feder kommt, weil man nie weiß, ob sie nicht beim „Studium" irgend eines geistvollen Vorgängers in seinem unglücklichen Gedächtnisse hängen geblieben ist. Und was man bisher spöttischer Weise iinnier von gewissen Bühnenautoren behauptet hat, nämlich, daß die Sammlung, mit der sie an eine neue Schöpfung heran- gehen, nichts als eine Sammlung von alteii guten und schlechten Witzen sei, das überträgt sich nun in etwas veränderter Richtung auch auf die Kritik. Vom Zeitungsmarkt läßt sich sonst noch berichten, daß sich die „Berliner Zeitung" jetzt auch eine Mittagsausgabe leistet, also täglich dreimal erscheint. Bei dem starken Lesebedürfnis der vielen, die just um diese Zeit Mittagspause halten, ist das eine Idee, die sich anscheinend bezahlt macht und der gegen früher stark in der Verbreitung beeinträchtigten „Berliner Zeitung" wohl neue Leser zuführen mag. Auch 'die „Berliner Illustrierte" hat in diesem Herbst eine Konkurrenz bekommen, die für die Hälfte des Preises durch ihren Titel schon beim Publikum Anschluß sucht. „Nimm mich mit" heißt das für 5 Pfg. käufliche, sogar kolorierte Blatt, das freilich inhaltlich noch auf einer tieferen Stufe steht, als. die „Berliner Illustrierte", und als Renommier-Ahnen ganz entschieden auf jenen braven Neuruppiner pochen kann, der unsere jugendliche Phantasie einst mit seinen bluttriefenden Bilderbogen anzuregen verstand. A. N. VekM,?ck?Les. * Trunksüchtige New Yorkerinnen. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres wurden nach amtltchein Bericht in Newyork. nicht weniger als 46 643 Verhaftungen vorgenommen. Von dieser Niesenziffer entfielen 34101 auf die Insel Manhattan, und zwar erfolgten dort 9385 Verhaftungen wegen unordentlichen Betragens, 6200 wegen Trunkenheit und 1773 wegen beider Delikte zusammen. Nicht weniger als 5057 dieser Fälle bezogen sich auf Frauen, sodaß beinahe immer auf je zwei männliche Trunkenbolde schon ein dem Schnapsteufel verfallenes Weib entfällt! Durch einen Fall kam es an den Tag, daß beinahe immer in 9 Fällen unter 10 der in Newyork verkaufte Branntwein mit Fusel, wo nicht gar mit denaturiertem Spiritus vergiftet ist, und daß die Vertreterinnen des Ewig-Weiblichen in der Metropole am Hudson «ine höchst bedenkliche Neigung zum Alkoholmißbrauch entwickeln. Tie Verfertiger von sogenannten Patentmedizinen tragen dieser gefährlichen Leidenschaft in der Weise Rechnung, daß sie ihren „tonischen" Geheimmitteln mit Vorliebe Alkohol beimischen; derartige „Medizinen" finden besonders viel bei den Temperenzlern Absatz, die häufig von diesem Sachverhalt keine Ahnung haben mögen. Jedenfalls ist man berechtigt, die betrübende soziale Erscheinung zum Teil auf den Puritanismus zurückzuführen, der Sonntags die Lokale zu schließen zwingt und selbst den mäßigen Genuß von Bier und Wein als eine Sünde brandmarkt * Katechismus für edle Frauen. Eine Höchst ernsthafte Parodie der zehn Gebote von Schleiermacher. 1. Tu sollst keinen Geliebten haben neben ihm; aber du sollst Freundin sein können, ohne in das Kolorit der Liebe zu spielen und zu kokettieren oder auzubeten... 2. Tu sollst dir kein Ideal machen, weder eines Engels im Himmel, noch eines Helden aus einem Gedicht oder Roman, noch eines selbstgeträumten oder phantasierten ; sondern du sollst einen Mann lieben, wie er ist. Denn die Natur ist eilte strenge Gottheit, welche die Schwärmerei der Mädchen heimsucht an den Frauen bis ins dritte und vierte Zeitalter ihrer Gefühle. 3. Tu sollst von den Heiligtümern der Liebe auch nicht das kleinste mißbrauchen; denn die wird ihr zartes Gefühl verlieren, die ihre Gunst entweiht und sich hingibt für Geschenke und Gaben, oder nur um in Ruhe und Frieden Mutter zu werden. 7. Tu sollst keine Ehe schließen, die gebrochen werden mußte. 8. Tu sollst nicht geliebt sein wollen, wo du nicht liebst. 9. Tu sollst nicht falsch Zeugnis ablegen für die Männer, du sollst ihre Barbarei nicht beschönigen mit Worten und Werken. 10. Laß dich gelüsten nach der Männer Bildung, Kunst, Weisheit und Ehre. * Farbe an die Häuser, Unter dieser Spitze schreibt der „Kun st wart" in seinem zweiten Oktoberheft: Die Frage der farbigen Häuser ist im „Kunstwort" schon oft besprochen und der „Furcht vor der Farbe" bei Belassung des grauen Rohputzes, zumal in Zement, ist dabei ebenso entschieden Fehde gehalten worden, wie dem „Pimpeln" ,bem Ornamentieren und Buntpinseln, das jene Ruhe der Bauten kleinlich aufhebt, die um jeden Preis, auch um den der Farbe, erhalten werden muß. Jetzt hat man in Kopenhagen einen Versuch gemacht, beit wir der Beachtung, zumal der „praktischen", empfehlen. Auf dem dortigen Graubrüdermarkt haben sich die Besitzer auf Anregung eines Ver- fchönerungsvereins entschlossen, ihre alten Häuser neu fartig an- streichcn zu lassen, aber — das ist die Hauptsache dabei — gemeinsam unter Leitung eines Mannes, des Malers Möller- Jensen. Der hat nun keck in die kräftigsten Farben gegriffen, als er für jedes Haus die richtige mit Rücksicht auf seine Umgebung bestimmte. Und der Erfolg? Ter alte Graubrüdermarkt ist so hübsch geworden, daß er nun eine Sehenswürdigkeit ist. Welche Hausbesitzer machen das in Deutschland nach? „Künstler heran!" wenn auch nur als Leckende. 696 * Radiumstrahlen im Petroleum. Der Physiker hat an ciiter Probe von Petroleum, die aus einer Oelgnelle der nach diesem Produkt benannten Ortschaft Petrolia in dem amerikanischen Staat Ontario stammte, fcflgestellt, daß ein starkstrahlendes Gas in dem Erdöl enthalten war. Es war bereits bekannt, daß der Erdboden unter Umständen eine strahlende Beschasfenheit besitzt, und mau hätte annehmen können, daß das Petroleum daher die Strahlungsfähigkeit angenommen hätte. Tas Erdöl kommt aber an der genannten Stelle aus ziemlich tiefen Schichten der Erde heraus. Burton stellte seinen Versuch derart an, daß er das Petr-oleum zunächst erhitzte und dann Lust hindurchschickte. Tie Lust wurde dann weiter durch konzentrierte Schwefelsäure rmd ourch eine von Eis umgebene Flasche mit Phosphorsäure und Glaswolle getrieben und schließlich in ein cylindrisches Gefäß aus galvanisiertem Eisen gepumpt, das mit einem Elektrometer in Verbindung stand. In dem letzteren Behälter konnte demnach die Lust auf ihren Gehalt an strahlendem Gas untersucht werden. Es stellte sich heraus, daß die Leistungsfähigkeit der Lust, die vorher sehr gering gewesen war, auf das Sechsfache gestiegen war und noch weiter zunahm, wenn der Cylinder verschlossen wurde. Nach früheren ähnlichen Untersuchungen mußte angenommen werden, daß die Lust ans dem Petroleum einen strahlenden Stoff ausgenommen hatte, der den Radiumstrahlen entsprach und jetzt gewöhnlich mit dem allgemeinen Namen Emanation bezeichnet wird. Taß eine den Radiumstrahlen entsprechende Erscheinung vorlag, wurde im besonderen dadurch erwiesen, daß sich die Wirksamkeit durch Induktion oder gleichsam durch Ansteckung auf andere Körper übertragen ließ, wie es auch bei den Radiumstrahlen der Fall ist. Burton glaubt daher, daß das strahlende Gas des rohen Petroleums mit jenem identisch ist. Es bleibt nun noch eine wichtige Aufgabe zu lösen, nämlich die Auffindung des strahlenden Stosfs im Petroleum selbst. — Meyers Großes Konversations-Lexiko n. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Jllustrationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mk. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) — In unserer Zeit, in der die Entwickelung der deutschen Industrie und des Handels nach einem möglichst günstigen Ausgleich mit dem Ausland drängt, ist es für jedermann von dem größten Interesse, sich über alle den Handel, die Handelsgeographie, die Handelspolitik undHandels- verträge betreffenden Fragen orientieren zu können. Ter soeben erschienene achte Band von Meyers Großem Konversations-Lexikon kommt gerade zur rechten Zeit, denn in ihm sind, durch die alphabetische Anordnung gegeben, eine ganze Reihe von äußerst instruktiven Artikeln über diese Materie vereint, die ein sehr gutes Bild von den wirtschaftlichen Aufgaben eines Staates zu geben geeignet sind. Wohin eine falsche Volkswirtschaft führt, zeigt vortrefflich der Artikel „Handelskrisen". Auch die rechtliche Seite dieser Fragen findet in den Artikeln „Handelsgesetz", „Handelsrecht", „Handelsgerichte" und „Handelskammern" eine eingehende Beleuchtung, während wir durch die Artikel „Handelskompagnien", „Hansa" sowie in dem Abschnitt „Großbritannien", „Geschichte der Kolonien" über die Entwickelung der wichtigsten Handelsbestreb- ungen unterrichtet werden. Tie großen, mit trefflichen Karten und Plänen versehenen Sammelartikel „Großbritannien", „Griechenland", „Hamburg", „Hannover" sind in sich abgeschlossene Monographien, deren Lektüre zur Kenntnis dieser Länder und Städte besonders anznraten ist. Auch hier sind es namentlich 'bie von übersichtlichen statistischen Tabellen begleiteten Kapitel über die wirtschaftlichen Gebiete und über das Staatswesen, die Finanzen, das Herrwesen und die Marine, die für uns besonderen Wert haben Allgemeines Interesse haben auch 'die Artikel „Grundsteuer", „Grundeigentum", „Gründung", „Güterrecht", „Haftpflicht" und „Hauptverhandlung", die täglich äuftretende persönliche Fragen behandeln. Aeußerst lesenswert sind auch die geschichtlichen Artikel von „Alt-Griechenland" und „Großbritannien" in ihrer knappen und doch das Verständnis fördernden Fassung, desgleichen die Biographie „Goethes", der in einer Reihe von Bildnissen uns entgegentritt, und der Artikel „Griechische Literatur". Tie schönen Künste und vor allem die Kunstindustrie sind vertreten durch die Artikel „Glaskunstindustrie", „Glasmalerei", „Goldschmiedekunst", „Graphische Künste", die sich schon äußerlich durch die prächtig gelungenen farbigen und schwarzen Tafeln herausheben. Auch dem Artikel Hamburg ist ein solcher Schmuck in der Tafel „Hamburger Bauten" beigegeben, um den Charakter und den Kunstsinn der Stadt kenntlich zu machen. ■ Auch bei den andern Großstädten ist diese Methode mit Erfolg angewendet. — 56 Beilagen zieren das schöne Werk neben gegen zweihundert Textillustrationen, eine große Reihe davon sind ganz neu. Tie Ausführung ist eine durchaus mustergiltige, wie wir es bei den Verlagswerken des Bibliographischen Instituts ja gewöhnt sind, — Ein groß angelegtes illustriertes Lieferungswerk, dem deutschen Volke gewidmet, bringt die Union Deutsche Verlagsgesell- schaft in Stuttgart, Berlin, Leipzig in ihrer neuen Ausgabe tiort Johannes Scherrs berühmter „Germani a" (500 Seiten Text mit über 300 Illustrationen und 50 Extrakunstblättern)/ Tiefes an geschichtlicher wie an künstlerischer Bedeutung hervorragende Werk enthält die kulturgeschichtliche Schilderung zweier Jahrtausende deutschen Lebens aus , der Feder Johannes Scherrs, neu herausgegeben und bis auf die Gegenwart fortgeführt von Hans Prutz, unter Beigabe eines hervorragenden und sorgsam ausgewählten Bilderschmuckes. Wer immer für die fortschreitende Entwickelung unseres gesamten nationalen Lebens mit wärmerem Herzschlag empfindet, dem wird Scherrs „Germania" eine Quelle edler Unterhaltung und vornehmen Genusses bieten, als kerndeutsches Hausbuch von bleibendem Werte, das in seiner gegenwärtigen Gestalt bei jung und alt, in allen Kreisen und Ständen! mit Begeisterung aufgenommen werden und noch künftige Generationen erheben und erfreuen wird. Tas Werk erscheint vollständig in 50 Lieferungen zu je 30 Pfg. Kesuvdhettspflege. D i e M i l ch d i ä t. Es ist oft die Frage aufgeworfen worden, ob es möglich sei, wie den Säugling, so auch den Erwachsenen ausschließlich oder vorwiegend mit Milch zu ernähren. Tie Frage muß verneint werden, denn Menschen, die sich vorwiegend mit Milch ernähren, nehmen an Gewicht ab, weil weder das Fett noch das Eiweiß der Milch vollständig verdaut wird, außerdem würden diese Menschen blutarm iverben, weil die Milch arm an Eisen ist, es würde ferner der hohe Wassergehalt belästigen, endlich regt die Milch weder das Nervensystem noch die Verdauung an, fodaß allgemeine Unlust und Tarmträgheit auftreten. Dagegen erobert fich die Milch in der Ernährung des kranken Menschen immer mehr Terrain. Gerade ihrer Reizlosigkeit wegen ist sie bei der Ernährung von Magendarmkranken und gewisser Nervenleidender geradezu unentbehrlich. Beim Magengeschwür ist oft die Milch das einzige Nahrungsmittel, welches der überaus empfindliche Magen nicht zurückweist, bei gewissen Leberkrankheiten wird Milch oft besser vertragen, als Fleisch. Sehr gut bekommt die Milch in der Regel auch F i e b e - kranken, diese verdauen Milch so gut wie Gesunde und bei langdauernden Fieberzuständen, z. B. beim Typhus, gelingt es oft allein mit Hilfe der Milch, den Kranken über Wasser zu halten. Bei Scharlach wird die Milchdiät angewendet, weil dadurch nach Meinung mancher Aerzte die Nierenentzündung hinangehalten werden soll. Ein viel gebrauchtes Mittel stellt die Milch auch bei Nierenkrankheiten selbst dar, weil sie die Nieren nicht reizt und daneben harntreibend wirkt. Neuerdings wird die Milch ärztlicherseits auch bei Gicht empfohlen, wobei möglicherweise die in der Kuhmilch gefundene Zitronensäure eine Rolle spielt. Selbstverständlich darf bei Krankheiten eine Milchkur nur auf ärztliche Anordnung und unter ärztlicher Kontrolle angewandt werden, da die Milck) nicht von jebermmm vertragen wird und ebenso wohl die Zusammensetzung der Milch, wie das Quantum und die eventuellen Zusätze für den Heilerfolg von ausschlaggebender Bedeutung sind. Rätsel. Nachdruä verboten. Die ersten beiden schwinden Rastlos, der Quelle gleich, Du wirst sie nimmer finden, Flohn sie ins Schattenreich. Sie sind des Lebens Blätter lind faßen ab vom Baum In Sonnenschein und Wetter Und bleichen rote eilt Traum! Tie Dritte streckt die Hände Nach fremder Habe au§, Sie mißbraucht fremde Wände Uttd sucht des andern Hatts. Nimmt sie die ersten Beiden, So hast das Ganze Du — Wohl keiner mag es leiden, Man schließt die Thür ihm zu Auflösung itt nächster Nummer. Auflösung der Umwandlungsaufgabe in vor Nr.: Kuropatkin. 1. a) Kate b) Ger — Kater. 2. a) Uhr b) Nu — Uhu. 3. a) Rose b) Stock — Rostock. 4. a) Odin b) Rum — Odium. 5, a) Pate b) Seite — Patene. 6. a) Alp b) Hose — Alose. 7. a) Trio b) Achter — Trichter. 8. a) Kurt b) Aden — Kurden. 9. a) Insel b) Grat — Inserat. 10. a) Naue b) Oheim — Nauheim. Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichenUniversitäts-Buch- und Steindruckerei. R.Lanae, Gießen.