,lll W hQä WM G ? rl Gin angenehmes Arve. Humoristischer Roman. Von Victor von Reisner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Zu seiner nicht gerade angenehurm Ueberraschnng fuhren schon gegen neun Uhr Graf Stepenaz mit Fran und Tochter vor. „Wissen S'", erklärte die Gräfin nach der ersten Begrüßung, „wir chaben's vor Unruhe schon uit mehr ausg'halten. Mein Mann war noch gestern in Mstovee, und da hat er so 'was munkeln g'hört, daß die Weine mit dem Szabo anf'm Schiff g'sehen worden sei und lauter solche Sachen. Er hat's natürlich sofort für ein' Blödsinn erklärt — das können S' Ihnen ja denken — aber 's hat uns doch kein' Ruh g'lassen, und nun sind wir da, um z' schauen, ob wir Ihnen an d' Hand gehen können?" Fran von Höchstfeld standen sofort wieder die Tränen in den Augen, und sie dankte ihr ans innigstem Herzen für diese warme Teilnahme. Selbst Herr von Höchstfeld vermochte gegenüber diesem Beweise wirklicher Freundschaft seine Zurückhaltung nicht aufrecht zu erhalten und erzählte ihnen daher den wahren Sachverhalt, soweit er ihm bis zur Stunde überhaupt bekamt t war. Die Stepenazschen Herrschaften waren auch außer sich über Szabos Dreistigkeit uiio blieben nun da, um die Weitere Aufklärung abzuwarten. Gegen zwölf Uhr kam Vlados heiter und vergnügt an- geritteu. „Welcher Teufel schickt denn den gerade heute her!" polterte der Major, „am liebsten ließe ich ihm sagen, daß wir nicht zu Hanse sind." „Das geht nicht, er hat sich schon gestern bei mir an- gemeldet", machte ihn Erich aufmerksam. Herr von Höchstfeld schüttelte ein um das andere Mal bett Kopf. „Na, dann begreife ich aber wirklich nicht, warum Du nicht wenigstens versucht hast, ihn davotr abzubringen?!" schalt er ungehalten. „Weil ich dem Tratsch nicht unnötigerweise Nahrung geben wollte", entgegnete Erich gereizt, dann, durch Ljubizas Handdruck und ihren bittenden Blick besänftigt, setzte er ruhiger hinzu: „Ich konnte auch nicht ahnen, daß sie so lange fortbleiben würde." Der Major gab sich damit zufrieden und brachte es sogar zustande, Vladoj mit freundlicher Miene zu begrüßen. Als es aber Halbeins — dann dreivierteleins wurde mid dieser absolut keine Anstalten zum Aufbruch traf, da wurde es Herrn von Höchstfeld immer nitbehaglicher, ttnd auch der attderett bemächtigte sich, je näher die Ankunft des Pfarrers heranrückte, eine umso größere Unruhe, sodaß, Vladoj blind hätte feilt müssen, wenn er dies schließlich nicht doch bemerkt hätte. Er pürschte sich deshalb an Erich heran und fragte ihn auf Offizierswort, ob es nicht vielleicht doch mit Ernas Wwesenhett einen Haken habe? Erich befand sich in der peinlichsten Verlegenheit und wußte nicht gleich^, was er darauf erwidern sollte. „Warum sagst Du ihm nicht die Wahrheit?" flüsterte ihm Ljubiza zu, „schließlich! konnte sie doch nicht wissen, daß Szabo Knall und Full entlassen wurde und mit dem Vertrauensmann ihres Waters eine kleine Wasserfahrt zu unternehmen, ist doch kein Verbrechen!" „Jedenfalls aber ein grenzenloser Leichtsinn und eine Unüberlegtheit sondergleichen!" „In ihrem lällter nicht", lachte ihn Ljubiza aus, und laut, ohne sich im geringsten zu genieren, erzählte sie Vladoj den wahren Sachverhalt. „Aber, erlauben Sie, mein Kind", wollte sie der Major einmal unterbrechen, sie machte aber eine solche drollig- abwehrende Gebärde und schaute ihn so ehrpuselig mit Verzeihung bittend an, daß er gleich entwaffnet war und dies umsomehr, als er begriff, das Geheimnis doch nicht mehr lange wahren zu können. Im selben Moment langten auch die Erwarteten an. Wie weggeblasen war aller Zorn und alle Entrüstung^ und in der "Freude, ihr Herzenskind — ihr Schmerzenskind wieder zu haben, schloß Frau von Höchstfeld die zitternde Kleine in ihre schützenden Arme. Der Pfarrer stand indes seitab und rieb verlegen die Hände ineinander. Befangen näherte sich ihm Herr von Höchstfeld. „Wir sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet", sagte er gepreßt, „und speziell ich, der ich mich Ihnen gegenüber so tveit vergaß, erachte es als meine Pflicht. . „Pardon, das steht auf einem anderen Blatt", unterbrach ihn der Pfarrer mit schmerzlichem Lächeln, „vor allem möchte ich Sie bitten, Ihrem Kinde zu verzeihen, da die Kleine tatsächlich unschuldig ist. Dieser Kerl, der es wohl darauf abgesehen haben mochte, Ihnen einen Schabernack zu spielen, hatte ihr weisgemacht, daß er in nächster Nähe einen Pferdeeinkauf zu besorgen habe und daß er von Ihnen die Erlaubnis erhalten habe, sie mit- znnehmeu. Auf dem Schiss ließ er sofort Champagner auftnarschiereu, dem sie infolge der großen Hitze, der Aufregung und wahrscheinlich auch seines Animierens etwas zu schnell zusprach, und so hatte sie bald einen kleinen Spitz weg. In dieser r osigen Stimmung bemerkte sie gar nicht, daß die Reise immer Weiter ging, und wenn mich nicht ein glücklicher Zufall in Lndikovee, wo Wir Pfarrerkonferenz hatten, an Bord geführt hätte, so Wäre sie setzt schon Gott weiß wo!" „Du unglückseliges Kind", fuhr Herr von Höchstfeld •*- 662 Erna an, „wie durftest Du Dich unterstehen, mit einem wildfremden Menschen solch eine Tour zu unternehmen?" „Aber, lieber Papa", verteidigte sich Erna, „Herr von Szabo war doch für mich kein wildfremder Menschs und ich konnte doch gar nicht ahnen, daß er mich betrog." „Nein, das konntest Du wirklich nicht, mein Kind", beruhigte Frau von Höchstfeld die zitternde Kleine. „Natürlich", höhnte der Major, „nimm sie jetzt noch in Schutz." „Na, wissen S'", nahm sich auch die Gräfin Ernas an, „das Kind ist durch die ausg'standene Angst g'rad g'nug gestraft", — und Stepenaz, in der Absicht, das Gespräch auf einen anderen Punkt zu lenken, ergänzte mürrisch: „Selbst wenn sie dabei ein Verschulden träfe — was eigentlich gar nicht anzunchmen ist — müßten Sie ihr verzeihen, denn ganz schuldlos ist doch kein Mensch —, niemand — weder ich — noch — Sie!" „Ich weiß nicht, ob Sie gegebenenfalls auch vor Ihren eigenen Kindern so sprechen würden", warf ihm der Major ungehalten und nur schwer seine Ruhe bewahrend, vor, „aber wie dem auch immer fei, Sie sollen mir nicht den Vvrtvurf machen dürfen, daß ich gegen andere strenger bin als gegen Ntich selbst, und deshalb bitte ich den Herrn Pfarrer . . ." „'Nein, nein", fiel ihm dieser ins Wort, „was wir zu sprechen haben, das erledigt sich besser unter vier Augen — höchstens mein Freund Hinko und Ihr Herr Sohn sollen dabei sein." Der Graf nickte zustimmend und schritt, ohne erst Herrn von Höchstfelds Einladung abzuwarten, in dessen Arbeitszimmer, wohin ihm die Aufgeforderten folgten. Eine zeitlang herrschte drückendes Schweigen. „Diese Aussprache", nahm endlich der Pfarrer das Wort, „hätte eigentlich schon längst stattfinden müssen. Ich hatte nur bisher immer gehofft, daß Sie selbst kommen würden . . ." „Nur eine Frage", unterbrach ihn Höchstfeld erregt, „hat mein Vetter den Tod Ihrer Schwester aus dem Gewissen oder nicht?" Einen Moment zögerte der Pfarrer mit der Antwort, dann sagte er mtt hoheitsvoller Ruhe: „Ja — er hat ihn auf dem Gewissen." (Schluß folgt.) Mismarck-Ktinnerurrgen eiucs englischen Kiplomaten. Unter dem Titel „Diplomatenleben" ist im Neuen Frankfurter Berlage eine autorcsierle Uebersetzung von den Lebensermnerungen des früheren großvritannijchen Botschafters am Berliner Hoje, Sir Errvard Malet, erschienen. Diese Erinnerungen, die weniger im Stil geschichtlicher Dokumente, als vielmehr in einem behaglichen Plaudertone gehalten find, bieten Interessantes aus allen WeMeit-N. .Für uns Deutsche liegen sllbgverständlich die Beziehungen des fremden Staatsmannes zu den großen Persönlichkeiten unseres eigenen Boltes am nächsten. Davon, besonders über die Beziehungen zum Fürsten Bismarck, sei deshalb im folgenden einiges wiedergcgeben. , Der erste Abschnitt verseht uns in die Zeit des deutsch-französischen Krieges, unmittelbar nach der Schlacht bei Sedan. „Ich war damals", )y erzählt der Verfasser, „einer von den Untersekrctüren der Pariser Botschaft. Das Unglück war über die französischen Waffen hereingebrochen und hatte bei Sedan seinen Höhepunkt erreicht. Ihrer Majestät Regierung (die englische) beobachtete wachsam jede Aussicht, die sich etwa zur Förderung des Friedensschlusses bieten mochte, und glaubte, der Augenblick der Unterhandlungen sei gekommen. Es wurde eine Depesche an den Grafen Bismarck aufgesetzt mit der Frage, ob er gewillt wäre, mit der „Regierung der Nationalverteidigung" zu verhandeln. Alles kam auf Schnelligkeit an, und die Frage war, wie diese Depesche dem Kanzler zugcstellt werden könnte. Sie wurde an Lord Lyons nach Paris gesandt, mit dem Auftrage, ihre Beförderung zu versucht«. Seine Exzellenz ließ mich kommen und sagte, als ich sein Arbeitszimmer betrat, ohne weitere Vorreden zu mir: Hätten Sie Lust, Ihren alten Bekannten, den Grafen Bismarck, zu besuchen? Natürlich, antwottete ich, mir könnte gar nichts angenehmer sein als dies, und es wurde abgemacht, daß ich mich auf den Weg machen sollte, sobald er von den französischen Behörden die notwendigen Pässe für mich besorgt hätte. Dies war bald in Ordnung gebracht, und am Nachmittag kam ein französischer Offizier aus die Botschaft, um mir als Führer zu dienen. Gepäck kam für einen solchen Ausflug nicht in Frage; ich hängte mir also ein Täschchen, das die Depesche enthiell, über die Achsel, schob ein oder zwei Wäschestücke in ein Felleiien, das hinter einem Sattel auf- geschnaltt werden konnte, und wir brachen aus." Malet berichtet nun weiter, wie er nach mancherlei Zwischenfällen, u. o. einem Zusammentreffen mit Franktireurs, endlich ins preußische Hauptquartier gelangt, und erzählt dann von seinem Verkehr mit Bismarck. „Fürst Bisinarck war in der Unterhaltung der angenehmste Mann, dessen Bekanntschaft mir jemals bcschieden gewesen ist. Er besaß die bezaubernde Gabe, sich mit jedem, den er nur anredete, anscheinend auf gleichen Fuß zu stellen — vorausgesetzt, daß er gegen den Gesprächspartner nicht verstimmt war. Dr. Schwe- ninger hat gesagt, das Ausfallendste am Fürsten sei ihm stets dessen Einfachheit gewesen. .Wer den Fürsten kannte, wird leicht verliehen, was Dr. Schweninger meinte, aber ich möchte statt „Ein- fachheit" lieber das Wott „Klarheit" setzen. In seiner Rede besaß er die Gabe, die verwickeltsten Fragen auf ihre einfachste Form zurückzuführcn. .Er erklärte seinen Standpunkt mit einer Bestimmtheit, die jeden Zweifel über die von ihm verfolgte Absicht ausschloß. Oft sprach er zögernd und suchte, bis er das richtige Wort als Ausdruck seines Gedankens fand. Gegen Zweideutig- keiten schien er einen Haß zu empfinden. Er unterhielt sich mit mir stets englisch — er sprach es fließend — aber wenn er Zweifel hegte, ob er in Bezug auf ein bestimmtes Wort ganz klar wäre, so bat er mich, einzuhelfen. Er umschrieb dann das Wort aus deutsch oder französisch?, bis ich ihn: den genau entsprechenden englischen Ausdruck angeben konnte. Er war preußischer Vertreter beim Deutschen Bundestag in Frankfurt gewesen, als mein Vater dort als britischer Gesandter wirkte, und es hatte sich zwischen ihnen eine warme persönliche Freundschaft entwickelt. Sie war gegründet auf die Gleichartigkeit ihrer Liebhabereien im Privatleben. Sie beide sanden, tvenn die Politik ihnen Zeit ließ, ihre Lust an den Freuden eines Landedel- mannes: Reiten, Jagd, Fischen und jedem anderen Zeitvertreib in freier Luft. Sie stimmten überein in einer fröhlichen Vorliebe für die Festtagsstund n ihrer Existenz, wenn ich mich so ausdrücken darf, und ließen durch die Polllik, die ihnen bei den damaligen Umständen nicht an einem Strange zu ziehen erlaubte, niemals sich in ihrer Freundschaft oder in ihrem Verkehr beirren. Auch an meiner Mutter Gesellschaft fand Bismarck viel Gefallen. Ihre Lebhaftigkeit und schnelle Auffassung gaben ihm die Anregung, wodurch ein Gespräch angenehm wird. Als er mich in Meaux sah, waren seine ersten Worte: „Wie sehen Sie Ihrer Mutter ähnlich." Nachher kam er nochmals auf die Frankfurter Tage zurück und sprach mit großer Achtung von meinen Eltern; alte Erinnerungen lebten in ihm auf und er erläuterte Deutschlands augenblickliche Haltung gegenüber Frankreich durch eine mich selbst betreffende Anekdote, die in meinem eigenen Gedächtnis keine «pur hinterlassen hatte. „Obgleich Sie noch ein reines Kind waren", erzählte er, „hatten sie doch schon in Bezug auf Damen ihren eigenen Geschmack, und ich erinnere mich, daß Sie einmal zu einem Ball, den Ihre Mutter geben wollte, sehr dringlich eine gewisse Dame eingeladen zu s.hen tvünschten. Leider hatte nach der Ansicht Ihrer Mutter die Dame ihrer gesellschaftlichen Stellung nach keinen Anspruch auf eine Einladung, und Ihre kleine Bitte fand taube Ohren, worauf Sie sich auf den Fußboden niederwarsen und sagten. Sie würden nicht eher wieder aufstehen, als bis Ihr Wunsch erhört sei. In derselben Weise haben wir uns ans Frankreichs Boden hingeworfen und werden nicht eher aufstehen, als bis unsere Forderungen anerkannt sind." Seine Worte auf die von mir ihm überbrachte Depesche lauteten sehr entmutigend. Er sagte, er beabsichtige zu antworten, daß er vor Eintreten in irgend welche Verhandlungen wissen müsse, welche Sicherheiten die Regierung der Nationalvcrtieigung dafür g ben könne, daß sie etwaige Abmachungen auch durchzuführen im stände sei. Damals waren ja noch nicht einmal zwei Wochen verstrichen, seitdem sie die Zügel der Herrschaft in die Hand genommen und das Kaiserreich für erloschen erklärt hatte. Ob sie sich würde aufrecht erhalten können, war noch eine offene Frage. Im Lause des Abends wurde die von ihm entworfene Antwortdepesche für Lord Granville ihm zur Unterzeichnung vorgelegt, und ich konnte meine Bekümmernis nicht verhehlen, daß ich eine so mag re Erwid rung zurückzubringen hätte. Ein paar Minuten später wurde das Schreiben versiegelt aus der Kanzlei zurückgebracht. Es war elf Uhr. Der Graf stand auf und legte die Depesche in meine Hand. Dann sagte er: „Und nun will ich Ihnen als Freund noch ein Wott sagen. Wenn ein Mitglied der Regierung der Nationalverteidigung mich besuchen will, so will ich mit Vergnügen den Herrn empfangen." ,, Ich fühlte mich wesentlich erleichtert und rief lebhaft: „Darf ich diese Botschaft ausrichten?" „Ja", versetzte er. „Die Depesche, die Sie zu überbringen haben, enthält meine offizielle Antwort auf Lord Granvilles Anfrage, aber Sie können das, was ich Ihnen gesagt habe, wiederholen. Wenn jemand kommt, so braucht er nicht zu befürchten, daß ich ihn nicht angemessen empfange." Und so kam es, daß ich im Kopf eine bessere Antwott hatte alS in meiner Tasche, als ich nach Patts zurückkehrte. 663 Nachdem ich vom Bundeskanzler Abschied genommen Hütte, Sing ich in meinen Gasthof und brachte sofort alles zu Papier, was mir noch von seinen Worten im Gedächtnis war. Hier sind diese Worte: „Meine Antwort auf die Depesche lautet, das; wir zu wissen wünschen, welche Sicherheiten dafür bestehen, daß die gegenwärtige Regierung einen etwa mit ihr abgeschlossenen Friedensvertrag auch durchführen kann. Herrn Favres Erwiderung enthalt nichts als Worte. .Erkennt Bazaine die gegenwärtige Regierung an? Tut die Flotte es? Einen Waffenstillstand lehnen wir rundweg ab; von einem solchen würden nur die Franzosen Vorteil haben. Tie französische Regierung selber kann erneu Hinweis darauf, daß das Kaiserreich und nicht das französische Volk den Krieg erklärt hat, nicht für irgendwie stichhaltig ausgeben wollen. Kein einziger Abgeordneter, mit Ausnahme der Herren, die jetzt die Regierung bilden, hat gegen den Krieg gesprochen; und diese Regierung führt letzt, wo sie 'ine Macht in Händen hat, eine sehr trügerische Sprache, indem sie das Volk zum Glauben ermutigt, sie könne den Krieg sortsetzen und ihm in den Kopf setzt, die Vermittelung neutraler Machte werde es aus der Klemme befreien, in die es durch seine Niederlage geraten ist. Dies ist der siebenundztvanzigste Krieg, den im Laufe von zweihundert Jahren die Franzosen gegen Deutschland geführt haben, und würde jetzt ein Friede geschlossen, der den Franzosen ihr bisheriges Gebiet beließe, so wäre dies einfach ein Waffenstillstand, der nicht länger dauern würde, als bis sie die Lücken ihrer Streitkräfte ergänzt und Verbündete gesunden hätten. Ich stand in Preußen allein, als ich bei der luxemburgischen Frage den Ausbruch des Krieges verhinderte; ich handelte so, weil ich glaubte, daß die damals bestehende Empfindlichkeit mit der Zeit sich legen und ganz verschwinden könnte, wie die durch die Niederlage bei Waterloo hervorgebrachtcn Gefühle geichwrinden sind. Aber ich irrte mich mit dieser Annahme, und und soviel ist gewiß: Solange Frankreich durch den Besitz von Straßburg .und Metz im stände ist, Deutschland jederzeit anzugreifen, so lange werden wir immer wiederkehrenden Kriegen ausgesetzt sein. Ties sage ich Ihnen lediglich als einem alten Freunde. „ , Ich wünsche dagegen bekannt zu geben, daß wir nicht den leisesten Wunsch hegen, Frankreich in der Wahl seiner Regierungs- foriu zu beeinflussen. Wir haben bis jetzt in den in unserem Besitz befindlichen Provinzen fortgesahreii, den Kaiser als Herr- scher von Frankreich zu betrachten, aber das ist offensichtlich nur ein Akt der Höflichkeit und soll keine Kundgebung unserer politischen Auffassung sein. Uns ist es gleichgiltig, ob Frankreich eine Republik oder eine orleanistische Monarchie ist, oder ob es unter Heinrich dem Fünften steht. Was die Friedensbedingungen angeht, so tragen wir kein Verlangen nach dem Elsaß oder Lothringen; Frankreich mag die Provmzen unter Bedingungen behalten, die sie zu Stützpunkten emer Kriegführung gegen uns unbrauchbar machen. Aber wir müssen darauf bestehen, daß wir Straßburg und Metz bekommen. Vtratzburg wird binnen kurzem unser sein. Wie wir hören, sind sre in Metz schon dabei, ihre Pferde zu essen, und wir glauben, es wird bald fallen. Paris beabsichtigen wir von allen Verbindungen abzuschneiden; mit 70 000 Mann Reiterei werden wir dazu im stände sein. Fünfzehn Divisionen Kavallerie werden genügen, nm die Zufuhr von Hilfsmitteln zu verhindern und vielleicht, um dadurch die Stadt zur Uebergabe zu veranlassen; aber wenn em Bombardement nötig ist, so werden wir davor nicht zurück- sryrecken. 2o0 000 Mann werden durch den Fall von Metz verfügbar werden und das Land wird für ihren Unterhalt aufzn- kommen haben. .Wir selber (hierntit meinte er vermutlich nur den König und sich) wir selber gedenken nicht weiter als Meaux zu gehen. . Alle Kundgebungen, die die provisorische Regierung nach und nach veröffentlichte, haben die Friedensaussichten nur vermindert L>ie hätten offen vortreten und sagen sollen: Das Kriegsglück ist gegen uns, wir sollten daher uns bemühen, unter möglichst billigen Bedingungen Frieden zu machen. Statt dessen sagen sie, obwohl die Ostprovinzen tatsächlich in unserm Besitz sind, sie wollen keinen Zoll breit Landes-, keinen Stein ihrer Festungen herausgeben und sie bieten eine Geldentschädigung für den Krieg an! Man kann unmöglich die Frage außer acht lassen, hätte der Feldzug, das entgegengesetzte Ergebnis gehabt. Würden sie eilten Augenblick gezögert haben, die völlige Zerstückelung Deutschlands' zu vollziehen? Und sie verlangen von uns, Geld anzunehmen, das wir nicht brauchen, und Frankreich genau im Zustande vom Beginn des Krieges zu lassen! Ich bitte Sie, sagen Sie, wenn Sie wieder nach Paris wnimeil: Wir waren weder Kinder noch Narren." . , in Paris ankam, fand ich Lord Lyons im Garten der Britlfcyen Botschaft, und ich erstattete meinen Bericht, während wir auf dem Rasen auf und ab gingen. - n Aigefähr um die Mittagsstunde des folgenden Tages wurde mir bestellt, seine Exzellenz wünschte mich zu sehen. Ich ging von der Kanzlei h nüber uiid wurde in den gelben Salon gewiesen, wo ich ,hn und Jules Favre sand. Lord Lyons bat mich, Platz zu nehmen; dann sagte er zu mir: „Wollen Sie Monsieur Jules' J Favre genau die Worte wiederholen, die Graf Bismarck Ihnen zum Abfchied