1904 OäBtf 18 (Nachdruck verboten.) Im Aakali der Aajah. Roman von B. M. Croker. Genehmigte Uebertragung von A. Vischer (Fortsetzung.) Ich ivurde von dieser Offenherzigkeit tatsächlich nicht im geringsten erregt. Dies war ganz der alte, gutmütige, die eigenen Fehler stets entschuldigende Watty, mit dem einzigen Unterschied, daß sich die kleinen Schwächen des Knaben beim Manne zu niedrigen Charakterfehlern entwickelt hatten. Welch, andere Empfindung als Verachtung hätte ich für diesen Mann hegen können? „Die Alte schlug mir nun vor, sie wolle mir ein nettes, hübsches, lustiges Mädchen ausfindig machen, das weder an Geselligkeit noch Luxus gewöhnt ist. Ihre Wahl fiel auf Dich . . . und hier bist Tu!" „Ja, hier bin ich allerdings." „Du wirst schon sehen, was für ein famoses Leben wir mit einander führen werden. Millionenmal hübscher bist Tu, als ich erwartet hatte; Tu wirst alle anderen Frauen in den Schatten stellen. Was werden die Leute sich wundern, daß ich zu einem solchen Juwel komme! Wie werden sie staunen, wenn sie Dich sehen!" „Ja, und besonders, wenn sie mich nicht mehr sehen", murmelte ich halblaut. „Unsere nächsten Nachbarn sind nur eine Viertelstunde von uns entfernt. Ich werde Dir einen Pony halten; ein guter Kerl bin ich ja immer gewesen. Auch das Geld sollst Tu in Verwahr bekommen und hübsch die Hausfrau spielen dürfen." Ich, konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Dann aber huschte mir ein anderer Gedanke durch, den Kopf. „Und Ihre Briefe? Wie kommen Sie dazu, mir solche Briefe zu schreiben? Sie erwähnten das Trinken ja mit keiner Silbe." „Ach, die Briefe!" !®r lachte wieder. „Waren die nicht pyramidal? Da ich nun schon einmal Geständnisse mache, will ich Dich auch darüber aufklären. Soll ich?" „Ja, ich bitte darum." „Tie Briefe waren allerdings Piksein!" Er rieb entzückt die Hände. „Rutherford hat sie geschrieben. Der Bursche teilte das Zimmer mit mir; er war verlobt, aber das Mädchen ließ ihn sitzen und schickte ihm alle seine Liebesbriefe zurück. Die Geschichte ging ihm fürchterlich nahe. Nutnagherry ist nämlich, ein gottverlassener, trostloser Ort, besonders zur Regenzeit, und als ich eines Morgens auf die Veranda trat, sah ich daß er sich an einem Steigbügelriemen aufgehängt hatte." „Ter arme Mensch! Ich kann es begreifen." „Als ich dann später seine Sachen durchsuchte", fuhr Watty geschwätzig fort, „entdeckte ich seine Liebesbriefe. Er hatte all die Gefühle seines heißen, verliebten Herzens dem Papier anvertraut, und ich suchte mir nun die hübschesten Stellen aus, schrieb sie ab und sandte sie Dir. Ich bin nun mal kein Briefschreiber, die schönen Worte aber drückten genau meine Empfindungen aus. Verstehst Du nun ?" „Ja, allerdings ich verstehe. . . endlich verstehe ich!" rief ich leidenschaftlich;. „Aber besser spät als nie!" „Ah, das war wieder die alte Pam! Aber wozu Dich in Zorn reden? Schon sind die Eheketten um Dich geschlungen, da gibt es kein Entrinnen mehr", sagte er mit häßlichem Lachen. „O doch!" Ich sprang auf und schritt ungestüm hin und her. „Aber Du hast ja kein Geld, mein Schätzchen, überdies keine einzige bekannte Seele im ganzen Land!" wandte er ein, indem er immer hinter mir herging. „Dutzende von Mädchen würden mit Freuden an Deine Stelle treten. Bedenke es doch nur! Und wenn Du Tizzies Pläne zerstörst, so wird sie höllisch unangenehm, meine Liebe! Du hast die Brücken hinter Dir abgebrochen. Tu kannst nicht mehr zurück und zwei Familien trotzen. Hier in Indien ist erst recht kein Ort für ein hübsches, mittel- und obdachloses Mädchen; Tu mußt Dich nun schon Wohl oder übel in mich zu finden suchen." „Nein, das muß ich. nicht!" entgegnete ich heftig. „Wohin wolltest Du denn dann Deine Zuflucht nehmen?" Etwas wie Hohn klang durch seine Stimme. „Zum Steigbügelriemen", versetzte ich höhnisch. „Um Gottes willen, Para, so sei doch nur vernünftig!" „Außerdem bin ich in Indien nicht ganz ohne Freunde." Eine lange Pause folgte. Diese Mitteilung kam ihm offenbar unerwartet. Voll ungläubigen Staunens starrte er mich an. Endlich, begann er weinerlich: „Stoße mich doch um Gottes willen nicht von Dir. Heirate mich, und rette mich vor mir selbst." „Mir liegt weit mehr daran, mich vor Ihnen zu retten!" „O höre auf mich, Pam! Und schau mich doch! an! Du weißt ja doch, da!ß Du mich von jeher um den Finger Wickeln konntest. Du allein bist im stände, mich von meiner schrecklichen Leidenschaft zu befreien. Als ich Dein liebes, reizendes Gesichtchen auf dem Gruppenbild sah, da sagte ich mir: Das soll mein Schutzengel werden. Tu warst von jeher so bestimmt und entschieden. O Pam, Pam, Du wirst mich doch nicht int Stich lassen wollen?" Tränen stürzten ihm ans den Augen, aber ich antwortete fest: „Ja, das will ich Warum treten Sie nicht beit Temperenzlern bei?" „Ach, weil es doch keinen Wdrt hätte. Wenn ich des Wends allein in meiner Stube sitze und höre, wie der Regen auf das Zinkdach niederfällt, oder wenn ich zum Fenster hinausschaue und nichts sehe als einen dichten. 174 weißen Nebel, dann fühle ich, daß allein der Branntwein mich vor der Verzweiflung retten kann. Lin bloßes Versprechen ist nicht mächtig genug, die Versuchung von mir fern zu halten. Die Hand einer hübschen Frau allem. . . Deine Hand könnte mir helfen." „Nein, ich kann es nicht", erwiderte idji kalt. Mir waren verschiedene Fälle aus der Kinderzeit, wo er mich in ähnlicher Weise ungefleht und dann betrogen hatte, plötzlich eingefallen. „Liebe, gute Pam", — er schluchzte letzt laut — „Tu hast mir doch früher auch schon geholfen ... es rst Deme Pflicht, mich zu retten. Du bist meine letzte Hoffnung . . . Maxwell hat mir dreitausend Rrrpien versprochen, damit ich meine Schulden bezahlen kann, und so wollen wir jetzt ein schönes neues Leben beginnen. Wenn Du mich aber verläßt, bin ich dem Unheil verfallen ... ich weiß es." Er ließ sich aufs Sofa fallen, bedeckte das Gesicht mit den Händen und brach in ein Weinen aus wie ein Weib, nur tausendmal schlimmer. Es war ein peinlicher Anblick. „Du kannst mich nicht verlassen . . . mein ganzes Leben steht aus dem Spiel", stammelte er endliche „Und hat mein Leben keinen Wert? Was für ein Recht haben Sie an mich? Nicht einmal das der Liebe, denn Sie lieben mich nicht. Ich aber will noch eher für Tagelohn auf dein Felde arbeiten, als Ihre Frau werden. „O Pam, das kann Dein Ernst nicht sein! Sage so etwas doch nicht. . . . Daß ich Vorwürfe verdiene, weiß ich ja wohl." y „Ja, Sie und Ihre Mutter; in erster Linie aber mache rch mir selbst Vorwürfe", unterbrach ich ihn. „In meinem romantischen Sinn habe ich Ihr Bild verschönert, Sie mit allerlei guten Eigenschaften ausgestattet und die Erinnerung an Ihre frühere Trägheit und Ihren Leichtsinn erstickt. Ihre falsche Photographie und Ihre falschen Briefe haben das übrige getan. Mit dem Gesicht des einen Mannes und dem Gefühl eines andern lockten Sie mich her. Beides haben Sie gestohlen und als Ihr Eigentum ausgegeben. Sie find ja ein Dieb!" „Dieb!" -Er fprang auf. „Doch heiße mich, wie Tu willst! In der Liebe ist wie im Krieg jede List erlaubt. Um Deinetwillen tat ich es. Als Deine Briefe ihren kühlen, freundschaftlichen Ton beibehielten und ick) zu keinem 'Ende mit Dir kam, da schickte ich Dir Maxwells Photographie. Ich dachte mir wahrhaftig nichts Schlimmes dabei. sieht mir ja so ähnlich nur ein wenig hübscher ist er, und so hoffe ich, ein etwas geschmeicheltes Bild von mir werde vielleicht die Wagfchale zu meinen Gunsten sinken lassen und Dich zum Jasagen bewegen. Tu hast auch Ja gesagt, und ich verlange jetzt, daß Du Tein Wort hältst. Am Samstag lassen wir uns trauen. Bedenke doch nur den Skandal und Lizzies Vorbereitungen! Du kennst Tizzie noch nicht, sie läßt Dich nicht mehr los." „Das wollen wir doch sehen!" rief ich nachdrücklich „Warte nur, bis sie die Schleusen, ihrer Beredsamkeit vor Dir öffnet!" Etwas wie ein höhnischer Triumph funkelte aus seinen Augen. „Sie wird misch niemals zu einer Heirat mit Ihnen überreden können", antwortete ich stolz. „Nein, das will ich schon selbst besorgen!" Er drängte sich plötzlich näher zu mir heran. „Komm, sei meine, liebe, gute Pam und gib den Eigensinn auf. Die Heirat ist für Dich ebenso von Vorteil wie für mich . . ." Und ehe ich,es mich versah, lag er mir zu Füßen und hielt mich am Kleide fest. „Hier aus den Knieen bitte ich Dich um Vergebung. Was kann ich noch mehr tun? Komm, hör' auf zu zürnen — sprich etwas, Pam, ich flehe Dich an." „Ja, ich will sprechen, und zwar mein letztes Wort: Leben Sie wohl!" Damit riß ich mein Kleid aus seinen Händen und verließ hastig das Zimmer. Ich sah nur noch, wie er schwerfällig und mit einem leisen Fluche sich erhob. Mll diesem Eindruck schied ich für immer von Watty Thorold. Unverzüglich eilte ich in mein Zimmer. Wer, welcher Anblick bot sich mir da! Lang auf dem Bette ausgebreitet — gleich einer toten Braut — lag mein weißes Atlaskleid mit Kranz und Schleier, währerw von den vier Pfosten des Moskitonetzes noch vier andere elegante, grün und weiße Toiletten, die meiner Brautjungfern, herabhingen. Aber die Braut war tot, und die Brautjungfern mußten ihres Amtes entsetzt werden. Auf einem der Tische lagen die schönsten Hochgeitsgeschenke meiner Verwandten und Bekannten, die ich mttgebracht hatte, ausgebreitet, und Chaiselongue und Stühle hatten zur Ausstellung meiner Hüte und Kleider herhalten müssen. Endlich gelang es mir, einen Stuhl fr er zu machen, auf den ich mich niederließ. Vor kurzem hatte es zwölf Uhr geschlagen, Dulia war also beim Mittagessen und rch zum Glück allein. Wie würde der nächste Auftritt verlaufen? Eine kurze Frist blieb mir wenigstens noch zum Atemholen. Wie hatte ich nur annehmen können, der schwache, schlaffe Watty würde sich innerhalb sechs Jahren von Grund aus verändern? Nicht nur keine Liebe, sondern einen wahren Wscheu empfand ich jetzt gegen ihn. Nein, er hatte den Erwartungen, die ich auf ihn gesetzt, in keiner Weise entsprochen. Einem schwerere Irrtum war ich zuM Opfer gefallen, der seinen Schatten vielleicht aus meine ganze Zukunft warf. Jetzt aber hieß es vor allem Verstand und Ruhe bewahren, um mutig einem neuen Leben entgegengehen zu können. Plötzlich wurde hastig die Tür geöffnet, und sichtlrch erregt trat Tizzie ein. Der mir von Watty angedrohte Augenblick war also gekommen; sie beabsichtigte, mit mir zu reden! r „Was hat all diese Aufregung zu bedeuten?" fragte sie scharf. „Watty M in mein Privatzimmer eingedrungen, nachdem er vorher ein großes Glas ungemischten Whisky hinuntergestürzt hatte. Er ist seiner Sinne kaum mehr mächtig und behauptet. Sie hätten sich rundweg geweigert, ihn zu heiraten. " Atemlos hielt sie inne und wartete auf eine Antwort. „Ja, ich weigere mich, ihn zu heiraten!" Und dann kamen gleich einem wild dahinstürzenden glühenden Lavaftrome die Worte der Empörung und An- llage von meinen Lippen. Uebeweglich, mit einem eigentümlich ernsten Gesichte stand Tizzie vor «ir und hörte mir bis zu Ende zu. Dann setzte sie sich und sagte in überraschend freundlichem Tone: „Noch niemals in meinem Leben ivar ich so verblüfft, als wie ich. Sie zum ersten Male sah. Ich sagte mir sofort, daß irgend ein Mißverständnis obwalten müsse. Klein, unbedeutend, anspruchslos und schüchtern hatte ich mir Wallys Braut vorgestellt, Sie aber sehen aus wie eine Aristokratin und sind ein gebildetes, begabtes, tatkräftiges Mädchen. Da hatte Tante Gussie natürlich wieder die Hand im Spiel." „Tante Gussie? Wieso?" „Weil. . .Ich will Ihnen nur die Wahrheit sagen", fuhr sie in einem aufrichtigen Tone fort. „Wally ist nämlich schon vor längerer Zeit auf Wwege geraten. Mr alle müssen uns seines Betragens schämen. Nachdem er dann aus mehreren Stellungen entlassen war, sind seine Streiche schließlich auch Tante Gussie zu Ohren gekommen?" „Welche Streiche?"' fragte ich, obwohl mir dies alles ja jetzt gleichgiltig sein konnte. ' „Ach, Sie wissen, wie die Männer sind", lautete die verächtliche Antwort. „Nein, das weiß ich wirllich nicht." „Nun, er hatte sich mit -einer Kutschertochter eingelassen, einer gemeinen, frechen Person, die ihn so sehr in ihre Gewalt bekam, daß er drauf und dran war, sie zu heiraten. Tante Gussie erfuhr es noch beizeiten, war aber natürlich rasend und legte sofort einen Hemmschuh an. Ja, sie hatte eine Zeitlang sogar die Wsicht, selber hierher zu reisen, statt dessen aber schickte sie nun Sie." .„Eine rechte Ehre für mich, das muß ich gestehen!" „Watty bedarf einer festen Hand. Ihm fehlt jegliche Selbstbeherrschung, und eine brave, tatkräftige Frau allein konnte ihn noch vom Untergänge retten. Ein hübsches, alleinstehendes Wachen sollte es sein. Voll Verzweiflung schaute Tante Gussie nach einem solchen aus, bis sie ihrem Sohne endlich in Gestalt Pamela Ferrars' eine Rettungs- Planke zuwerfen konnte. Sie erschienen ihr als die richtige Frau für Wally, um ihn aus dem Schmutz in bessere Bahnen zu lenken." „Bettogen, schmählich betrogen hat man mich!" „Ich gebe es zu", -erklärte TiMe ruhig. „Tante Gussie hat Sie hintergangen und Ihnen Sand in die Augen ge- slleut, das war unrecht. Aber nun sind Sie einmal hier und müssen ihn natürlich heiraten. Alle Vorbereitungen find getroffen, die Gäste haben zugesagt, und schließlich ist eine Vernunftheirat noch lange nicht das Schlimmste. Daß, Sie Watty umbilden und lenken können, wie Sie wollen, üMen - 17o Sie. Seien Sie also vernünftig und nehmen Sie die Sache von ihrer besten Seite." „Es gibt keine beste und keine gute Seite daran! Ich bin ein schwaches, albernes, rührseliges Ding gewesen. Ich habe mich von meinen Verwandten, die mich gern los sein wollten, und von Mrs. Thorold, die ihre eigenen Zwecke befolgte, beeinflussen lassen. Sie sehen, wohin es mich geführt hat. Nie wieder soll mich jemand beeinflussen!" „Sie wollen also meinen Rat, den einer älteren Sckwester, nicht annehmen?" Ihre Stimme bebte. ' „Nein, niemals. Sie selbst haben gesagt, daß Watty schwach, hinterlistig und feig ist. Ich bitte Sie, wie könnte ich ihn achten?" „Aha, richtig!" rief sie höhnisch. „Ihnen schwebte ja ein anderes Ideal vor, aber das ist unmöglich!" „Auch Watty ist unmöglich!" Meine Wangen brannten. „Nun, meine liebe Miß Ferrars, ich hoffe, daß Sie wenigstens keinen übereilten Entschluß fassen. Kann ich vielleicht Ähre Pläne erfahren?" Ja, hatte ich denn überhaupt fchon Pläne gemacht? Noch lag meine Zukunft in undurchdringlichem Dunkel vor mir. (Fortsetzung folgt.) Der Khemann, seine Erziehung und Behandlung. Von einer Frau. Im Bücherschrank der jungen Hausfrau prangt so manches Werk, aus dem sie nützliches lernen kann; das sind Kochbücher, Ratschläge für rationelle Kinderpflege, Bücher über Blumenzucht, über Musik und Malerei u. dgl.; — aus all diesen kann oder soll sie sich weiterbilden. Niemand aber scheint es eingefallen zu sein, die Frauenwelt Darüber zu belehren, wie die Männer richtig zu behandeln sind. Dieses Thema, doch unstreitig eins der wichtigsten im Haushalte, ist in der Familienbücherei nicht vertreten. Wie" sie den Mann zu nehmen hat und wie sie für ihn sorgen soll, das zu lernen, bleibt der jungen Ehenovize ganz allein überlassen, wobei sie naturgemäß reckst viel Lehrgeld zahlen muß. Hunderte scheitern kläglich daran, wenn sie mit ungeübter Hand ihr Fahrzeug zwischen all den unbekannten Klippen und Stromschnellen hindurch steuern sollen — unzählige jung verheiratete Frauen schiffen sich ohne Karte und ohne Kompaß ein und ahnen nicht, daß sie dem Untergang ihres Eheglücks entgegentreiben. Wie kommt es wohl, daß die große Kunst, den Wann richtig zu behandeln, nicht beizeiten gelehrt wird? Niemand dürfte doch in Abrede stellen, daß ein gut Teil Geschick und Feingefühl dazu nötig ist. Und dennoch geht eine Generation von klugen, erfahrenen Frauen nach der anderen dahin, ohne ihren Töchtern die so nötigen Ratschläge zu erteilen, wie sie mit dem „Herrn und Gebieter" umzugehen haben. „Ist man erst verheiratet, dann lernt sich das ganz von selbst, so behauptet wohl das junge Mädchen, wenn es die Erfahrung machen muß, daß der Verlobte nicht urinier fügsam ist, sondern gegen die feste Hand opponiert, die ihn nach ihrem Willen lenken will. Ist man erst älter und klüger geworden, dann weiß man sehr wohl, daß es bedeutend leichter ist, einen Mann nach seinen Wünschen zu leiten, mit dem man nicht verheiratet ist. Höchst wahrscheinlich ist schon Mutter Eva in den verhängnisvollen Irrtum verfallen, daß eine Frau ganz ohne weiteres hierin das Richtige trifft, und vielleicht war dieser Irrtum eins der schädlichsten Produkte des Gartens Eden. Jedenfalls soll von allen Frauen einzig der Französin die betreffende Gabe schon in die Wiege gelegt sein. Tie Turchschnittsgattin wird es schon nach krnxer Ehe inne, daß sie darin viel zu lernen hat, und in den meisten Fällen wird sich bereits in der ersten Zeit das Bedauern regen, keine Vorstudien dazu gemacht zu haben. Die Männer sind so unendlich verschieden und lassen sich nicht nach der Schablone behandeln. „Was soll ich mir die Mühe nehmen, meines Mannes Eigenheiten zu studieren! Das Verständnis kommt schon von selbst." So hört man häufig reden. Wer in häuslichen Dingen geht nichts „von selbst"; man muß alles am richtigen Ende an greifen. Nicht umsonst gab die Natur dem Ewig-Weiblichen zwei köstliche Gaben mit: Takt und Anpassungsvermögen. Es gibt wohl kaum ein weibliches Wesen, dem diese Eigenschaften von Haus aus fehlten — aber nicht jede weiß diese zur Vollkommenheit zu entfalten. Naturanlagen wollen ebenso gut gepflegt sein wie Gartengewächse — andernfalls werden die zarten und edlen Triebe von den unedlen überwuchert. Es unterliegt keinem Zweifel, daß es Sache der Frau ist, ihren Mann richtig zu behandeln und damit ihm und ihrer Ehe die beste Seite abzugewinnen. Es ist dies sogar die Hauptaufgabe ihres Lebens, mag sie es auch »ft nicht einsehen; die Französin bleibt dessen stets eingedenk, nird obwohl sie selten aus Liebe heiratet, selten sich den Gatten selbst wählen darf, so setzt sie dennoch ihre ganze Energie daran, ihre Ehe so befriedigend wie nur irgend möglich zei gestalten — auch wenn diese nichts anderes ist als ein zu gegenseitigem Nutzen begründetes Kompagnie geschüft. Daher kommt es, daß die Französin mit Recht für die klügste Frau Europas gilt. Der Durchschnitts f r a n z o s e ist nur ein kümmerlicher Repräsentant des männlichen Geschlechts. Zum großen Teil dankt es Frankreich der Energie und Tüchtigkeit seiner Frauen, daß es noch besaht und auf eine so bedeutende Vergangenheit zurückblicken kann. Je minderwertiger die Männerwelt ist, um so anerkenneirs- werteres leisten die Frauen, die es so gut verstehen, sich damit abzufinden. Verträglichkeit, gute Kameradschaft, Freundschaft — im Grunde genommen die Hauptbedingungen einer guten Ehe — findet man in Frankreich in hohem Maß« zwischen Ehegatten, und zwar ist diese Tatsache der Frau um so höher anzurechnen, als sie sich, wie gesagt, ihren Lebensgefährten meist nicht selbst gewählt hat. Die Engländerin ist häufig der Meinung, daß es sehr schwierig sei, einen Hut zu garnieren, sehr leicht dagegen, mit einem Manne auszukommen. Ihre französische Schwester weih gcmz genau, daß eins wie das andere eine Kunst ist, die geübt sein will, aber auch der Mühe lohnt — und somit zupft und glättet sie an dem „Herrn der SchöPsmV" mit derselben Geschicklichkeit herum wie an dem Bande, aus welchem sie für ihren Hut eine unimchahmliche Schleife konstruiert. Wer Land und Leute nur oberflächlich kennt, urteilt meist ganz falsch über den häuslichen Sinn der Franzosen. Tatsache ist, daß aus der ganzen Welt keine Frau es sich mehr angelegen fein läßt, ihr Haus behaglich zu machen, als die, Französin. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und Paris ist nicht ganz Frankreich, Der Tourist, der durch den Bois de Boulogne fährt und die vielen auf- geputzten Varietä-Divas und andere ihres CckMges sieht, wird denken: „Die Französin hat kein Gemüt, sie lebt nur für die Toilette"; aber man geb« sich doch die Mühe, diese Frau eingehend kennen zu lernen; sie wird es in mehr als einer Hinsicht lohnen, und man wird bald dahinter kommen, daß sie Meisterin ist in ber Kunst, ihrem Gatten das Leben angenehm zu machen, daß sie eine vorzügliche Hausfrau ist und ihr ganzes Sein in dem Wunsche gipfelt, an ihrem Teil dazu beizutraKen, ihre Häuslichkeit zu einer muftvygiltigen zu gestalten. Eigentlich ist es doch eine recht ärmliche Leistung, solch schlecht assortierte, moderne Ehe! Und die Frau, welche schon zu Beginn chres Elxlebens ringe stehen muß, mit ihrem Mann sei kein Auskommen, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus. Wenn ein puuger Geschäftsmann Bankerott macht, so erregt er da-mit bei feilten gceunben wohl Mitleid, aber auch ein wenig Gerings^tzamz — man wirft ihm, und meist wohl mit Recht, Mangel an Fleiß oder an MsihäftskenntiM vor. Nun Leyt es in erster Linie in der Hand der Fran, tvaS sie ans chrvr Ghe macht; Bankerott sollte sie aber jedensinls nit^t machen. Bei einem jeden Nnternehnten muß früstverstLudL-ch mit unvermeidlichen Nackenschlägen geredettet werden, tatter zehn Ehen würden indessen neun ganz sicherlich zum Guts« sns- schlagen, wenn die Kontrahenten sich der Esche mit eben soviel Eifer und Hingabe widmeten, tote sie dies beispielsweise bei ihren Vereinen tun. S« ost hört man seitens der Frauen darMer klagen, daß ihnen so viele Berufszweige verschlossen seien — sie vcraefjeit dabei, daß das allerwichtigste Ge8), die Pflege des hamMchen Herdes, ihnen fast uneingefH^inkt gehört. Skamn begehrt mut di« Frau, welcher es doch obliegt, dem Staate gute Bürger unfe brauchbare Menschen zu erziehen, sür sich bett Posten eines Polizisten oder eines RegiemnsMemmeWerSr 176 ffittaftion: August Göh. — Notationsdruct und Bcrlog der B r üh l' säeu UuiversitätL-Buch- uud Ctciridrtickcrci. 8i. Lauge, Giesen. Telegraphenrätsel. Nachdruck verboten. Tie Striche uud Punkte entsprechen den einzelnen Buchstaben der nachstehend in anderer Reiheniolge ausgeführten Wörter. Diese Wörter sind so zu ordnen, daß die ans die Punkte fallenden Buchstaben im Zusammenhang gelesen, einen alten Bauernspruch ergeben. Asche, Blätter, Hase, Krume, Märchen, Neger, Orden, Student, Weber, Wein, Zehn. Auflösung des Merkrätsels in vor. Nr.: Märzveilchen. dann erwirbt sie sich die lebenslängliche Ergebenheit ihres Gefährten. In punkto Kravatten zum Beispiel muß man seinem Manne freie Hand lassen. In anderen Dingen wird er uns dafür die weitgehendsten Konzessionen machen. Die Französin leidet schwer unter dem schlechten Geschmack ihres Gatten in Toilettefragen — sagen wird sie ihm das aber nie — und der Mann wird picht so leicht die geheimen Gedanken einer Frau erraten, falls nicht sie selbst ihm darin zu Hilfe kommt. Ebenso hat mancher die kleine Schwäche, daß er gern' Couplets verträgt oder Anekdoten erzählt. Seiner besseren Hälfte dünkt es vielleicht Pflicht, ihn auf das Unzulängliche seiner Leistungen aufmerksam zu machen; sie erreicht aber damit gerade das Gegenteil, abgesehen davon, daß sie sich dadurch mißliebig macht. Sie täte besser daran, mit gutem Humor die Klavierbegleitung zu den Couplets zu übernehmen und über die oft gehörten Anekdoten mitzulachen. Gute Freunde sind oft bei weitem toleranter als die eigene Frau, und diese kann es häufig nicht über sich gewinnen, zu schweigen — ja, sie sucht förmlich etwas darin, „immer ehrlich und gerade heraus ihre Meinung zu sagen." Man sollte sich vor Augen halten, daß zwar alles, was man sagt, wahr sc in soll — man aber keineswegs verpflichtet ist, alles zu sagen, was wahr ist! Es ist dies ein grundlegendes Prinzip im Verkehr mit Männern. Kleine praktische Watsch läge. Muttermilch. Vor einiger Zeit wurde an dieser Stelle auf die große Säuglingssterblichkeit aufmerksam gemacht und auf die Gefahr hingewiesen, die im ersten Lebensjahre künstliche Ernährung selbst bei der größten Sorgfalt mit sich bringt. Diese traurige Tatsache ist auch durchaus erklärlich, wenn man bedenkt, daß jedes Geschöpf anders geartet ist und die Natur für jedes nur in ferner Weise sorgt. Gerade bei der Milch ist es der Wissenschaft gelungen, diese Unterschiede scharf nachzuweisen. Wenn auch sowohl Frauenmilch als Kuhmilch Eiweißkörper und Käsestoffe enthalten, so sind diese Stoffe doch sehr verschieden, wofür außer vielen anderen Gründen der Umstand spricht, daß Kuhmilch gänzlich anders gerinnt im Magen des Kindes als die Frauenmilch, welche stets feinflockig und damit für die Verdauung ungleich günstiger bleibt. Auch die mannigfachen Arten von Salzen, die der kindliche Körper zu seinem Aufbau braucht, finden sich! in kleinsten, oft kaum nachweisbaren Mengen allein in der ihm gehörenden Muttermilch und können niemals künstlich ersetzt werden. Es tritt daher auch die englische Krankheit, die so gefürchtete Störung im Knochenwachs- tum, hauptsächlich bei den Flaschenkindern auf und nur sehr selten bei jenen, welchen der natürliche Ernährungsund Lebensquell nicht entzogen war. Das Kind ist eben nach seiner Geburt noch keineswegs imstande, ohne die Mutter zu leben, es ist vielmehr in jeder Beziehung vollkommen zu seiner Fortbildung auf sie angewiesen, und welche Mutter nicht diese Erkenntnis sich zu eigen macht, die sündigt schwer nicht nur an sich selbst, sondern auch an ihren Nachkommen. — Milche kocht nicht an, wenn der Topf, in dem sie gekocht werdeu soll, kurz vorher mit kaltem Wasser ausgespült wird. Ist der Gatte genötigt, acht bis zehn Stunden täglich tut Beruf den Wohlstand der Familie zu begründen resp. zu erhalten, so ist es Sache seiner Lebensgefährtin, in der Häuslichkeit alles erfreulich und ersprießlich zu gestalten, und sie sollte wahrlich an ihrem Teil nicht minder eifrig darin fein als es der Mann in seinem Fach ist. Andernfalls füllt sie eben ihren Platz nicht aus. Sie muß in kluger Weise darauf bedacht sein, den verschiedenen, oft kollidierenden Pflichten in gleicher Weise gerecht zu werden. Manche ist zu sehr nur Mutter, daß der Mann darüber zu kurz kommt; andere wiederum gehen ganz in Reinlichkeits- bestrebuugen auf oder verwenden zu viel Zeit auf Vergnügungen oder auswärtige Interessen. Wer sich gewissenhaft seinen Hausfrauenpflichten widmet, wird in den meisten Fällen befriedigende Resultate erzielen; es sei denn, daß gerade der Hausherr es ist, der allem übrigen nachstehen muß! Wie es in einem alten Kochbuch heißt: „Pour faire un civet de lievre, ayez d'abord un lievre" — so müßte man unserer jungen angehenden Hausfrau einprägen: erst lerne Deinen Mann richtig kennen, und dann behandle ihn, wie er behattdelt sein will. Cs gibt nun freilich für dies „behandeln" zweierlei Motive: die eme Frau hat dabei nur ihre eigenen selbstsüch- tigen Zwecke im Auge — die andere wappnet sich mit Takt und Klugheit um des Gatten selbst willen; sie möchte ihn ztl einem besseren und glücklicheren Menschen machen. Böse Zungen behaupten wohl, Frauen würden nie durch Schadett klug. Sicher ist, daß unendlich viele es fertig bringen, ein Vierteljahrhundert hindurch tagaus tagein ein ttttb dieselbe Sache zu tun, von der sie genau wissen, daß sie den Gefährten ihrer Freuden und Leiden zur Verzweiflung bringt. Ein fünfzehnjähriger Junge hat seine Schwester mit deut Beil erschlagen; angesichts der Leiche erklärte er zu seiner Entschuldigung: „Hätte sie mich nicht so viel geärgert, dann läge sie jetzt nicht da!" Das ist ein krasses Beispiel — aber es enthält eine große Wahrheit. Streitigkeiten entstehen niti* selten aus wichtigen Anlässett, meist sind die Ursachen so geringfügig, d-aß man darüber lachen tvürde, wenn es sich um andere Leute handelte, und doch reißt der Streit darüber nicht ab, ja dauert manchmal das ganze Leben hindurch Könnte man sich nur entschließen, den Zankapfel gleich anfangs eudgilng abzutun, dann wäre viel gewonnen. Wollte etwa die moderne Frau fragen, weshalb denn das Nachgeben und Schlichten immer von ihrer Seite geschehen müsse, so antworte ich: weil eben von Natur die Fraudazu bestimmt ist, das häusliche Glück zu pflegen. Der Mann hat es ja weiß Gott heutzutage schwer genug, im Kampf um die Existenz feinen Platz zu behaupten — die verheiratete Frau aber ist von dieser Pflicht befreit. Wenn nun der Gatte einmal nervös und mißgestimmt heimkehrt, weil er vielleicht mit zwanzig ebenso nervösen und mißgestimmten Leuten zu tun hatte ; kann es da die Frau nicht Mer sich gewinnen, wenigstens diesem einen verstimmten Menschen mit Gleichmut und Freundlichkeit zu begegnen? Heutzutage aber hetzt sich die Frau selbst so ab mit aKerlei unnötigen Dingen, daß ihre Erholungsstunden sie ebenso ermüden tote den Mann seine ernste Arbeit! Und dann ist es kein Wunder, wenn beim gemeinsamen Mittagsmahl ein Funke genügt, mit das Pulverfaß zu entzünden. UnPünktlichkeit ist eine häufige Ursache tiefgehender ehelicher Zwistigkeiten. Es gibt Frauen, die ein halbes Jahrhundert an der Seite eines Mannes verbrachten, dem nichts 'chrecklicher war als „Trödeln" uud „Wartenlafsen"; Mein sie brachten es Niemals fertig, dieser seiner Eigen- Atast Rechnung zu tragen. Auch eine wahre uud tiefe Liebe nutn eilten verhängnisvollen Stoß erleiden, wenn man sie vergebRch warten läßt. Wie manches Ehepaar begibt sich M gereizter Stimmung in Gesellschaft oder ins Theater, blos weil, die Frau „nicht im stände" war, rechtzeitig mit dem Frisieren zu beginnen! Tie Männer sind durchaus nichtschwer zu be- handeln, wenn man sie nur in Kleinigkeiten gewähren läßt. Eine Frau, die sich da einmischen will, zieht unfehlbar den Kürzeren. Handelt sie hierin aber klug,