„ Bl Gin angenehmes Gröe. Humoristischer Roman. Von Victor von Reisner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Das sagten wir ihm auch gleich!", erklärte Lladoj in voller Arglosigkeit, „übrigens möchte rch mir erlauben, mich morgen nach dem Befinden der Herrschaften zu erkundigen, das heißt, wenn to) nicht befürchten muß, zu stören." In seiner eigentümlichen Situation witterte Erich in dem Nachsatz einen unausgesprochenen Argwohn, und um diesem sofort entgegenzutreten und dadurch jedem Verdacht von vornherein den Boden zu entziehen, beeilte er sich zu versichern: „Sie werden uns stets willkommen sein." Dann brach er, trotzdem ihn Vladoj nicht so schnell sor.tlassen wollte, auf und ritt alsbald zum Städtchen hinaus. Das Gehörte beschäftigte ihn ununterbrochen, und er überlegte ernstlich, ob er den Eltern von des obersten Wahrnehmung, die vielleicht doch nur auf einer Verwechslung beruhte, überhaupt Mitteilung machen sollte. Es tat ihm leid, sie noch mehr zu beunruhigen, andererseits mußte er sich aber sagen, daß sie das Recht hatten, die volle Wahrheit zn erfahren. Bet Szabos schlechtem Charakter war von seiner Rachst fucht das schlimmste zu befürchten, und schon deshalb war es angebracht, mit dem Vater sofort und ohne jeden weiteren Aufschub die ■ nötigen Schotte zur Verfolgung des Entführers zu beratschlagen. Dem Pferde die Sporen in die Weichen drückend, jagte er eiligst nach Hause. Seme Nachricht war fiir Mama, trotzdem er sie ihr auf die schonendste Weise beibrachte, von niederschmetternder Wirkung. „Sieh, liebe Eveline, Erna ist doch schließliche kein Kind mehr", suchte sie ihr Gatte in ihrer Verzweiflung aufzurich- ten, „er wird sie unter irgend einem unauffälligem Vorwande mitgelockt haben, und leichtsinnig, wie sie nun einmal ist, hat sie nicht bedacht, welche Angst und welche Sorgen sie uns dadurch! bereitet. Hat sie ihn aber erst durchschaut — und dieser Moment muß ja auch schon eingetreten fein ' : dann wird sie sich! sicher von ihm freizumachen und uns zu verständigen wissen." „Daran glaubst Du ja selbst nicht", jammerte sie. „Wenn ich es nicht glaubte, wiirde ick» es doch, nicht sagen", entgegnete er etwas unsicher. „Uebrigens will ich sofort alle noch in Betracht kommenden Stationen depeschieren und zwar mit bezahlter Rückantwort, da ja das Kind Wahrschentlich keinen Heller bei sich hat." > //Falls sich der Oberst aber doch getäuscht hat, was immerhin möglich ist", gab ihm Erich zu bedenken, „so erschien schicken. _ . . „ „Oh, dieses verfluchte Erbe", tobte der Ma;vr in sinnloser Wut, „nichts als Verdruß, Merger und Aufregung hat es uns gebracht." „ c , „Und nun noch obendrein diese Schande! stöhnte die Mutter unter verzweifeltem Weinen. Erich war mittlerweile fertig geworden und las daA Geschriebene den Eltern vor. „Es ist gut", erklärte sich. Herr von Höchstseld mit der Fassung einverstanden, „sorge für sofortige Bestellung."' Im selben Augenblick, als Erich davonstürzen wollte, ~ jien der Landbriefträger mit einer Eildepesche in der bringen wir unnötigerweise die ganze Gegend in Marnt und hängen die Sache dadurch selbst an die große Glocke." „Oh, du himmlischer Vater", stöhnte Frau von Höchst- feld händeringend, ,/>as ist ja wahr; aber wir können doch nicht völlig untätig bleiben >- irgend etwas muß doch geschehen." . . „Daß ich daran nicht schon längst dachtet rief der Major plötzlich aus, „der Kutscher, der ihn nach der Station fuhr, wird uns ja am ehesten sagen können, ob Erna mitgefahren ist öder nicht. — Hole ibn sofort herein." Erich stürzte davon und kehrte gleich mit dem Gesuchten zurück. „Du hast den Herrn Inspektor zur Station gefahren?"' erkundigte sich Herr von Höchstfeld mit nur schwer bewahrter äußerlicher Ruhe. „Jawohl, gnädiger Herr", bestätigte dieser devot. „Und das gnädige Fräulein war auch dabei?" „Wir trafen sie 6et der Brücke, wo sie! fischte", berichtete der Bursche eingehend. „Herr von Szabo stieg ab und sprach mit ihr — was sie geredet haben, weiß ich freilich nicht. Ich sah nur, daß sie freudig in die Hände schjlug, das Angelzeug wegwars und ihren Strohhut aufsetzte. Dann kam sie mit ihm herauf, setzte sich ganz vergnügt in be« Wagen und bestieg mit ihm auch das abgehende Schiff." „Und Du gottvermaledeiter Esel", fuhr ihn Herr von Höchstfeld wütend an, „konntest Du das nicht sofort melden, als wir das Fräulein suchen gingen?" „Eh, Herr, ich mag wohl ein Esel sein", meinte der Bauer demütig, „aber da ich erst jetzt nach Hause gekommen bin, so konnte ich doch gar nicht wissen, daß ^zhr sie sucht, und es auch nicht früher melden,"; „Wieso kommst Du erst jetzt nach Hause?!" stellte ihn Erich zur Rede. . „Eh, Herr, der Herr Inspektor hat mir doch befohlen, bis sieben Uhr an der Station auf seine Rückkehr zn warten und erst, wenn er bis dann nicht, zurückgekomMen et, sollte ich langsam nach Hause fahren." „Wir stehen also tatsächlich, einem Schurkenstreich dteses elenden Menschen gegenüber", ries Herr von Höchstfeld entsetzt, und den Burschen entlassend, durchmaß er in heller Aufregung das siimmer. Erich setzte indessen die notwendigen Depeschen auf, um diefe sofort Mittelst reitender Boten in die Stadt zu KS8 Mr. Et entriß sie ihm nnd reichte sie dem Barer, weicher aber dermaßen aufgeregt war, daß er sie gar nicht öffnen konnte. Ohne sich weiter zu besinnen, nahm er sie ihm wieder ab, entfaltete sie mit zitternden Fingern, durchflog ihren Inhalt und, befreit von namenloser Angst, rief er freudestrahlend: „Gott sei dank, sie ist geborgen!" und dann las er Len Eltern vor: „Kein Grund zur Besorgnis. Bringe Erna morgen wohlbehalten von Babanovce zurück. Pfarrer Nenadovic." Die Mama fing vor Glück zu weinen an, und Herr von Höchstfeld drückte dem Boten, der gar nicht ahnte, welche frohe Kunde er gebracht hatte, ein überreichliches Trinkgeld in die Hand, hieß ihn in die Küche gehen, um sich dort für den Rückweg zu stärken, und ging dann wieder mit großen Schritten auf und nieder, so seine große Erregung bemeisternd. ,",Cs ist doch wirklich sonderbar", sagte er dann, mehr zu sich als zu den anderen sprechend, „daß bei jedem Unglück, welches unser Haus trifft, dieser Pfarrer dabei ist!" Frau von Höchstfeld schnellte empor, und in ihrem Blick spiegelte sich die ganze, so lange Zeit niedergehaltene Entrüstung über sein starrköpfiges, selbstbetrügerisches und ungerechtes Verhalten wider. „Versündige Dich nicht", rief sie außer sich, „ihm haben wir es vielleicht zu danken, toemt Erna an ihrem kindlichen Empfinden keinen Schaden genommen hat, wenn sie, ohne git ahnen, in welcher Gefahr sie schwebte, ins Elternhaus zurückkehren kann!" Er zwirbelte verlegen an seinen Schnurrbartenden. „Zum Teufel, ich habe es ja diesmal gar nicht so gemeint", brummte er, „ich will ja sogar zugeben, daß er uns durch seine Depesche ans großer Angst befreite. Lieber wäre es mir freilich gewesen, wenn mir ein anderer diesen Freundschaftsdienst geleistet hatte, — und das werde ich wohl noch sagen dürfen." „Und mir ist es gerade so am liebsten", erklärte Frau von Höchstseld in plötzlich zum Durchh.ruch gekommenem Selbstbewußtsein, „nun wirst Du doch endlich einsehen Müssen, daß er keineswegs der schwarze Mann ist, als welchen Du ihn immer hinstellst." „Na, meinetivegen soll er's nicht sein", gab Höchstfeld, sich vor der unbestreitbaren Tatsache beugend, nach. „Nun laßt uns aber zu Bette gehen — nach diesem Tage der Aufregung tut uns allen Ruhe not" -— und einer warmen Gefühlsregung folgend, schloß et sein Weib in die Arme und drückte ihr ein eit innigen Kuß, bet sie für so manche unbeabsichtigte Kränkung um Verzeihung bitten sollte, auf den Mundi. Glückstrahlend und auf eine freudigere Zukunft hoffend, sah sie zu ihm auf. „Jetzt wird ja alles wieder gut werben", hauchte sie. Er schüttelte leise mit dem Kopf. „Nein", sagte er, „das wird es erst dann werden, wenn wir den hiesigen Staub endgültig von den Füßen geschüttelt haben — denn das ist kein Boden für uns!" 11. Trotz der beruhigenden Depesche hatte doch, alle der erquickende Schlaf geflohen, und dies war nur zu natürlich, La doch noch zu vieles in der Luft lag, das der Aufklärung bedurfte — noch wußte man nicht, wie Erna dazu gekommen war, mit Szabo wegznfahren — noch wußte man nicht, wo und wie sie der Pfarrer getroffen hatte — noch war mau nicht sicher, ob ihr Verschwinden nicht vielleicht doch schon ruchbar geworden sei, und alle diese ungelösten Fragen, über welche zu sprechen man sich gegenseitig scheute, lagen auf ihnen wie ein Druck. Beim gemeinsamen Frühstück, zu dem mau sich noch zeitiger als sonst znsammensand, wurde kaum ein Wort gesprochen, und erst nach langem! Hinbrüten sagte Herr von Höchstfeld: „Um elf Uhr kommt der Dampfer an, ich weiß nicht, vb wir nicht besser täten, sie abzuholen." Erich riet davon entschieden ab. „Ist schon etwas durchgesickert", meinte er, „so werden uns die Leute scharf beobachten und aus unseren Gesichtern ihre Schlüsse ziehen." „Wenn ich hinfahren würde", entgegnete ihm der Vater überlegen, „so würde ich mich schon zu beherrschen verstehen." „Um so weniger, aber Erna", machte ihn seine Frau auf» merksam, „sie wäre sogar imstande. Dir vor aller Welt zu Füßen zu sinken, um Verzeihung zu Bitten und dadurch die Geschichte erst recht aufzubauschen." „Das würde sie ganz sicher tun", stimnrte ihr Erich zu, „ist aber der Herr Pfarrer mit ihr allein, so wird er diese Reise schon auf irgend eine plausible Weise zu erklären wissen. Und dann noch eines", fügte er, den Vater! von der Seite beobachterrd, hinzu, „wenn wir Erna abholen, so könnte er das so auslegen, als wollten wir ihm die Möglichkeit zum Herkommen nehmen." „Daran wird ihm ohnehin nicht viel liegen", brummt« der Major, „ich denke sogar, daß es rücksichtsvoller wäre, ihm diesen Wieg zu ersparen." Erich freute sich innerlich anfs herzlichste über des' Vaters Wandlung, der nun demjenigen, dem er bisher so schroff gegenübergestanden, etwas Unangenehmes ersparen wollte; da er aber wußte, wie gelegen dieser nn- vorhergesehene Zwischenfall dem Pfarrer kommen mußte, so erinnerte er hen Vater an den Inhalt der Depesche, in welcher ausdrücklich stand: „Bringe Erna morgen wohlbehalten zurück." Der Major gab nur widerstrebend nach> schon deshalb, weil er gehofft hatte> daß sich diese unangenehme Begegnung vor den Äugen Fremder schneller nnd glatter abwickeln würde, als in der Häuslichkeit, wo uaturgemäß die unansweisliche Auseinandersetzung folgen! mußte. Seine ungünstige Meinung über den Pfarrer hatte sich zwar schon in vielem geändert, und er war auch! bereit/ einzugestehen, ihin gegenüber die Grenzen des Erlaubten! und Zulässigen überschritten zu habech aber die verdcichf- tigende und gar nicht mißzudeutende Warnung seines Vetters Karl hatte doch zu lange in ihm nachgewirkt, als daß er sie durch ein paar nichtssagende Phrasen aus der Welt geschafft oder gar als nie getan erachjten sollte! „Ich werde ihn ruhig anhören", sagte er aus diesen! Gedanken heraus ganz unvermittelt zu Erich, „weiß er aber nichts Stichhaltiges vorzubringen, dann bleibt es beim Alten!" Erich verstand ihn sofort. „Das ist doch nur natürlich, Papa", entgegnete er ihm ruhig, „niemand wird von Dir verlangen, daß Du gegen Deine Ueberzeugung handeln sollst — am allerwenigsten jich!" „Nicht wahr, um ein Uhr können sie hier sein?" fragte Fran von Höchstseld in ihrer Aufregung schon zum zehnten Male. Der Major nickte ungeduldig und grübelte dann wieder über alle Konsequenzen, die sich ans diesem Zwischen- falle ergeben konnten, nach. (Fortsetzung folgt.) . _ KeimrUkunst *) Von Privatdozent Dr. Jng. Ernst Vetterlein in Darmstadt. „Muttersprache, Mutterlaut, Wie so wonnesam, so traut!" Könnte'man den Zauber, den sie aus uns ausübt, schöner ausdrücken, als mit diesen Worten des Dichters? Zur Muttersprache im allgemeinen gehören indessen nicht nur die Worte, die wir zuerst den Lippen der Mutter abge'lauscht haben, es gehört dazu auch die Sprache, mit der unsere Umgebung auf unser jugendliches Gemüt eingeredet hat. Das Kinderstube,, der Garten, die Straße, die Stadt: alles hat uns soviel zu erzählen gehabt, uind das, was wir von dieser geheimen, seelischen Zwiesprache mit unserer Umgebung gelernt und in uns ausgenommen haben, bildet einen kostbaren Schatz fürs ganze Leben. Gleichwie .die leibliche Nahrung des Kindes von besonderer Reinheit sein muß, so soll auch seine erste geistige Nahrung von besonderer Beschaffenheit sein. Wir wissen alle, daß der Anblick häßlicher und roher Szenen das Gemüt vergiftet._ Umsomehr ist es unsere heilige Pflicht, nur schöne, harmonische Eindrücke auf die Seele unserer Kinder zu vermitteln. Dazu zwingt uns schon die Dankbarkeit, die wir unseren Altvorderen schulden, dafür, daß sie uns ein reiches Erbe hinterlassen haben. Wir würden eine große Schuld auf uns laden, wollten wir nur empfangen, aber nichts! weitergeben. Allerdings dürfen auch wir stolz sein, und zwar auf die Errungenschaften des verflossenen Jahrhunderts, des Jahrhunderts der Technik und des Verkehrs. Die naturwissenschaftliche Er- kenntnis wird immer tiefer und umfassender. Die Technik kennt kaum noch Hindernisse, der Maschinenbau stellt eine moderne Kultur dar, der wir die größte Bewunderung zollen müssen., Aber um so greller wirkt der Gegensatz, wenn wir auf das Gebiet der Kunst und namentlich der künstlerischen Kultur blicken. Man ver- * Vortrag gelegentlich des 16. Bezirkstages des „Deutschen Technikerperbandes", in. ZarmstM, 559 gegenwärtige sich doch einmal eine neu entstehende Straste! Schon ihre Anlage in schnurgerader Richtung verursacht ein Gefühl tödlicher Langeweile, über die wir uns nur darum nicht öfter entrüsten, weil wir uns, wie es scheint, ein Sehen mit Empfindung abgewöhnt haben. Und nun gar die Erzeugnisse moderner Baukunst an solchen verunglückten Straßenanlagen widersinnig mit Schmuckformen überladen, meist aus Eisen, Gips, Zement oder Zinkblech bestehend, deren Oelsarbenanstrich aber ein anderes Material Vortäuschen soll. Noch betrübender als solche Scheinkunstformen sind jene, die unter verhältnismästig großen finanziellen Opfern mit Verwendung echter Materialien entstanden sind, und in Formen von Türmchen, Erkern, Loggien und Portalen unseren Bauwerken ein interessantes oder malerisches Gepräge geben Ellen. Must man bei jenen eher lächeln wie über einen karrika- renhaften Aufputz einer Bauerndirne, die wie eine Modedame aussehen möchte, aber nur Plunder zu ihrem Anzüge verwendet, so muß man bei diesen die Unfähigkeit beklagen, die auch in bester .Absicht keine befriedigenden Lösungen zu stände bringt. Wenn ich auf Beispiele unbeschreiblicher Geschmacklosigkeit Hinweise, bin ich mir wohl bewußt, daß auch unsere unkünstlerische §eit au echten Künstlern nicht arm ist. Indessen treten doch die eistungen reifer .gediegener Kunst so sehr zurück gegen die unge- zähle Menge geschmacklosert Werke, daß sie für Bilde des öffentlichen Lebens fast völlig verschwinden. Diese betrübende Erkenntnis, der jüngst Schultze-Naumburg in seinen „Kulturarbeiten" einen so drastischen, überzeugenden Ausdruck gegeben hat, darf uns aber nicht genügen. Man muß versuchen, sich über die Ursachen dieser Unkultur in künstlerischen Fragen Rechenschaft zu geben, und nach einer Verbesserung der Verhältnisse streben. ,Wo haben wir den Hebel anzusetzen, um wieder allgemein zu einer Kunst zu gelangen, die zu unserer Seele, unserem Gemüte spricht? Genräß meiner beruflichen Tätigkeit werde ich mich bei diesen Fragen ans das Sondergebict der Baukunst beschränken, und das ist umsomehr gestattet, als die Baukunst am meisten unter den Schwesterkünsten auf die äußere Gestaltung unserer Umgebung Einfluß hat. Mehr als die in Wohnungen und Museen aufgestapelten Bildwerke legen unsere alten Städte und Dörfer Zeugnis ab von dem hohen idealen Kunstsinn unserer Altvorderen. Die stetig fortschreitende Entwicklung der Kunst lehrt uns, daß diese zu allen Zeiten nach einer Weiterentwicklung nach ferneren Zielen gestrebt hat mtb sich nie mit dem in den Kunstgeschichten als Höhepunkte bezeichneten Jdealzustande begnügt hat. .Aber wohl niemals zuvor ist der Ruf nach einer „Heimatkunst" erUungen. Dieses Wort ist eine Bildung unserer Zeit; denn ehedem gab es wohl Kunst, und diese war Hcimatkunst, nur ohne diesen Namen, und ihr danken wir die wunderbar malerischen Städteanlagen wie Rothenburg, Nürnberg, Wimpfen und viele andere. Das war eine schlichte, natürliche Kunst, so schlicht, daß heute vielerortcn, alte, alias „kunstlose" Bauten durch neue, angeblich viel schönere mit reichen Ornamenten oder Backsteinverblendungen verzierte ersetzt werden! Und dennoch, obwohl wir uns vor lauter Kunst manchmal gar nicht retten können (ich erinnere an die Kaiserstraße in Frankfurt!), sehnen wir uns heute nach Heimatrunst. Hierin liegt ein Zugeständnis, daß unsere heutige ihm st tro tz ihres guten Willens nicht der charakteristische Ausdruck unseres Wesens und unserer Heimat ist! Denn das ist doch wohl der Sinn des Wortes „Heimatkunst". Sie verdient diesen Ehrennamen nur dann, wenn die von uns errichteten Bauten wie mit dem heimatlichen Boden verwachsen erscheinen, wenn sie förmlich mit der Natur eins sind. Daun bilden fie eben einen Teil unserer Heimat im ganzen. Und wie die uns umgebende Natur den Charakter des Menschen gemodelt hat, sodaß die Bergbewohner anders geartet sind als die in der Ebene wohnenden Volksstämme, so müssen nun die der Natur angepaßten, von Menschenhand errichteten Bauwerke einen Ausdruck des menschlichen Charakters bilden. So entsteht unter mannigfachen Wechselwirkungen eine große Einheit: Natur, Mensch und Kunst, von denen jeder Teil von den gleichen klimatischen und sonstigen Bedingungen abhängig ist. Gleichwie wir eine etwa in unsere Gegend verpflanzte hochstämmige Palme stets als einen Fremdkörper unserer Natur empfinden werden, so paßt auch eine fremdländische Architur nicht in den.Rahmen unserer Heimat. In dieser Sehnsucht nach einer charakteristisch-nationalen Kunst hat man nun als Universalheilmittel die Ausnahme alter Formen und Anknüpfung an die alten nationalen „Stile" proklamiert. Wir stehen noch heute unter der Erinnerung und der Nachwirkung der schönen deutschen Renaissance, die, tvie es scheint, als ein besonders urdeutscher Stil angesehen wurde. .®er von München ausgehenden Bewegung .für die Aufnahme und Nachbildung dieser Stil- formen verdanken wir sowohl unzählige öffentliche und private Gebäude und vor allem die noch heute üblichen Speisezimmerein- richtungen mit ihren ebenso stosfreichen wie geschmacksärmen Fensterdekorationen. In den letzten Jahren ist nun hirgcgeir eine Opposition erwacht, welche, in klarer Erkenntnis unseres Unvermögens, mit dem alten Formenwust eine sür unsere Zeit charakteristische Kunst hervorzubringen, die Loslösung von aller Tradition auf ihre Fahne geschrieben hat. .Beide Parteien, sowohl die Anhänger der historischen Kunst wie die Gegner einer solchen, die Freunde der Moderne, streben nach dem gleichen Ziel einer deutschen Kunst. Und dock) trotz des gleichen Zieles wie wenig Verständnis für einander! Mit einer gewissen Verbitterung stehen sich die alte und die neue Richtung in der Architektur gegenüber. Das legt uns die Frage nahe: Sollten wir etwa einen verkehrten Begriff von der „Kunst" haben? Es scheint wirklich so; denn die heftigen Fehden, die heute so seicht über die Kunsterzeugnisse entbrennen, deuten doch darauf J)in, daß sowohl Künstler wie Kritiker, sehr verschiedenartige Standpunkte der Kunst gegenüber einnehmern Wollen wir da in dem Widerstreit der Meinungen einen eigenen Standpunkt gewinnen, von dem aus wir zu dem allgemein erstrebten Ziel einer Heimatkunst gelangen zu können hoffen, so müssen wir zwischen der historischen Schule und der modernen Richtung objektiv zu entscheiden suchen und zusehen, ioelche am ehesten wieder das Heimatgefühl wachzurufen im stände ist. Wir wollen aber bei diesem Abmägen nicht in den unfruchtbaren Fehler verfallen, in abstrakter Weise hohe ethische Forderungen an die Kunst zu stellen und sie danach zu bemessen. Von der „Kunst" haben toir nichts zu fordern, denn der wahre Künstler „soll" nicht — diese oder jene Wünsche erfüllen, sondern er „muß", d. h. er muß mit innerer Notwendigkeit seinem Herzen folgen, wenn anders er wirklich ans seinem Herzen heraus ein Kunstwerk schaffen will. Fordern können wir wohl eine praktische Lösung, Lkonstruktiv, billig oder teuer nfw. Aber damit allein ist das Kunstwerk noch nicht geschaffen. Um eine Lösung sowohl praktisch wie Lauch künstlerisch zu gestalten, muß der Künstler noch ettoaS hineiu- legen. ^Was das ist, das ist des Künstlers Geheimnis; das entspringt seiner Seele, dafür trägt er seine Gesetze in sich, das macht seinen Stil ans . Wir dürfen uns nur an dem Werdegang der Kunst fragen, tvelcher Art die Mittel find, die zu einer echten Kunst geführt haben und führen werden, um so das Wesen derselben zu erkennen. Mit dem . durch solches Studium gewonnenen Resultate müssen wir die eigenen und die zeitgenössischen Werke messen und sie auf ihren Kunstwert und ihre voraussichtliche Bedeutung in der Zukunft hin prüfen. Indessen in dieser rückblickenden Betrachtung der Kunst liegt eine große Gefahr für das Kunstschaffen, wenn man nämlich von der wissenschaftlich betriebenen Kunstbetrachtung Rezepte und dadurch Fortschritte für die künstlerische Kultur erwartet. Die philologisch zergliedernde Betrachtung der Kunst nach den Methoden der wissenschaftlichen Kunstgeschichte soll hier nicht herabgesetzt werden; ift sie doch zur Erkenntnis der inneren Zusammenhänge ebenso nötig, wie die Anatomie für die Medizin. Aber wie die Anatomie noch nie einen Märschen wieder lebendig gemacht hat, fo hat auch die philologisch-anatomische Behandlung alter Kunstwerke noch nie ein neues, lebensvolles Gebilde erstehen lassen. Kunst ist nicht Denken, sondern Können vereint mit Empfinden. Der Künstler schafft von innen heraus aus feiner Seele, nicht ans dem Kopf. Und weil die Kunstgeschichte nur Wissen und keine Empfindung vermittelte, hat sie auch keine neue Kunst entstehen lassen. Im Gegenteil hat das Ueberwuchern der Verstandestätigkeit die Empfindung erstickt. Tie unseligen Folgen dieser geschichtlichen Auffassung der Kunst sieht man, l»enn einmal ein Künstler in alten Formen arbeitet. Dann ist es sicher, daß gleich darauf ein Knnstwisser auftritt, der mit gründlicher Gewissenhaftigkeit beweist, daß dieses oder jenes Profil nicht echt ist. Ist cS aber nicht echt, daun istes falsch und darum zu verwerfen! Will also einer vor feinen Zeitgenossen und den zünftigen Knustwisseru bestehen, so muß er wohl oder übel erst in die Schule der Kunstwisser gehen, um ja nicht gegen die Regeln eines Stiles zu verstoßen. Dieser so großge- zogencn kunstwissenschaftlichen Tätigkeit auch der Künstler haben wir die in der Geschichte der Knust beispiellose Rekapitulation alter Stile im vergangenen Jahrhundert zu danken, die bei den Griechen beginnend eben beim Biedermeierstil angelangt ist und bald wieder bei den Griechen von neuem anzufangen droht, falls sie nicht bis auf Assyrer, Chinesen und Azteken zurückgreist. Ueber all diesen bermcintlidjen Stilechtheiten ist uns der wahre Stil überhaupt verloren gegangen! Wenn wir heute die Schöpfungen dieser Stilmeierei betrachten, so merken wir, da ß ihre einstige Echtheit in der Hauptsache in den Profilen, Fensterumrahinungen, Portalformen und sonstigen Details bestanden hat. Die Anordnung der Baumassen, die ganze Liniensührung zeigt aber derartige Stilwidirgkeiten, daß wir sofort das Epigonentum erkennen. Manihot also den Fehler begangen: die äußere Form als SBe£en des Stils zu nehmen! Man hat mit den Elementen des «Stiles gearbeitet, diese aber nicht stil- gerecht zusammengcbraut, sodaß uns heute die Mixtur ungenießbar erscheint. . Man mag wohl selbst gefühlt haben, daß die neuen Schöpfungen nicht befriedigten. Mit einer Art von Nervosität hat mau dann immer ein neues Stilgebiet aufgegriffen, um von neuem sein Heil zu versuchen. Die Nachfrage nach alten Stilformen veranlaßte nebenher die Hochflut kunstgeschichtlicher und kunstformalistischer Publik ti.n.n, aus denen selbst der geistig Aermste feiner sogenannten Phantasie auf die Beine helfen konnte. Durch solche Krücken, durch die sogar die früher noch nötigen Studienreisen überflüssig wurden, ist — 560 — heute jeder, der die nötige zeichnerische Fertigkeit besitzt, in den Stand gesetzt, seinem Bauherrn mit den originellsten Stilblüten aufwarten zu können. AN an mutz nur die gangbaren Artikel auf Lager halten, um in jedem Moment das Gewünschte auftischen zu können. Das kritiklose Vertierten alter Motive hatte noch eine andere, unselige Folge: es entstand das Streben nach malerischer Wirkung. Wir Men hier malerisch meist als „unsymmetrisch" auf. In diesem Sinne sind die Straßenbilder unserer alten künstlerischen Städte mit ihren Türmen, Giebeln, Erkern und dergleichen sehr malerisch. , Nun also: bringen wir doch diese Motive auch an unseren Häusern an, dann werden auch wir wieder malerische Stratzenbilder entstehen lassen, auch wenn der Stadtplan nur regelmäßige, gerade Straßen vorgezeichnet hat. .In diesem löblichen .Eifer übersah man aber, daß früher jedes Einezlbauwerk an sich ganz einfach, im wesentlichen symmetrisch gegliedert war, und daß die malerische Wirkung des Ganzen nur dadurch entstand, daß eben viele an sich einfache, aber unter sich verschiedenartige Bauwerke nebeneinander gereiht tvurden. Mit gesundem Gefühl setzte man dabei an bevorzugte Stellen, etwa in der Endigung einiger Straßen oder an die vielen beliebten Straßenabsätze, bevorzugte Objekte, einen Turin, Giebel oder Erker. Wie an einem goldenen Reif sitzen sie wie kostbare Edelsteins. Bricht man sie aber aus, und setzt sie kritiklos nebeneinander auf einen Haufen, so entsteht eben aus diesen Bruchstücken ehemaliger Kunstwerke kein neues einheitliches oder organisch entstandenes Kunstwerk! So wirken auch unsere sogenannten malerischen Bauten unorganisch und darum unschön, weil sie nicht natürlich entstanden sind, sondern der Motivjägerei ihr Dasein verdanken. Der Grundfehler der geschilderten unnatürlichen Bauweise, die durch formalische Betrachtung der alten Kunst gezüchtet und durch Unverstand, Oberflächlichkeit und Geschmacklosigkeit großgezogen worden ist, besteht darin: daß man meint, die Form an sich sei schön! Ein schöner Erker zum Beispiel müsse überall schön sein! Man denke sich doch einmal das Experiment, etwa ein Fenstermotiv aus dein Heidelberger Schloß an unser Darmstädter Schloß anzubringen. .Sofort würde die dort so wundervoll wirkende Forni als unpassend verworfen werden müssen! Die Form an sich ist also weder weder schön noch häßlich; sie bildet nur ein Mittel zürn Zweck. Tas Ziel aller Einzelformen eines Bauwerkes nrutz das Gefühl ungetrübter Harmonie in urrs sein. Erst wenn wir die innere Gewißheit haben, weder etwas hinzufügen, noch etwas hinwegnehmen zu dürfen, empfinden wir das Kurrstwerk als vollendet. Das Kunstwerk als Ganzes muß als- danir eine.einheitliche Wirkung haben, denn sonst zerfällt es in Mehrere Teile, die nur zusammengestellt, aber nicht zusammengewachsen erscheinen. Die einzelnen Teile, die an sich verschiedenartig gestaltet sein können, müssen ihre Beziehung zum ganzen haben. Welcher Art nun die Hilfsmittel sind, mit denen die Wirkung der Einheit und der Harmonie erreicht wird, hängt von den Umständen und vom Künstler ab. Das Harmoniegesetz ist das Bindeglied aller echten Kunst. ,Um die Harmonie, die abgcglichene Einheitlichkeit Und Vollkommenheit zu erzielen, stehen viele Mittel zu Gebote. .In der Wahl dieser Mittel und in der Wahl des Weges, der zum gemeinsamen Endziel aller Kamst, Harnwuie und Einheitlichkeit eingeschlagen wird, darin liegt das Unterscheidungsmerkmal der verschiedenen'Stile voneinander. Ter eine liebt die breite, behäbige Rnhe, der andere die hochstrebende Kraft. Bald klingt diese nach oben aus, gleichsam wie bei .einem nach oben geschleuderten Wasserstrahle, bald wird sie dur ch kräftige Horizontalglieder gedämpft. Die Ausdrucksmittel für diese Bewegungsspiele sind die Bauformen. Nach Dieser Deutung der Bauformen als Mittel zum Zweck könnte man die ganze Baukunst, die jetzt meist nach Zeitsolge der Stile gegliedert ist, neu auffassen als Schöpfungen mit ausgesprochenem Horizontalismus und andererseits ebensolchem Verti- kalismus, dazwischen oder daneben Schöpfungen mit Kontrastwirkungen beider Richtungen aufeinander. Dabei müßten alle Einzelglieder auf ihre Funktion im Dienste der Kompositionsidee hin untersucht werden. .Dadurch würde zunächst ermöglicht werden, viele Bauten einzugliedern, die jetzt allenfalls als .Anhängse an die „großen" Stile erwähnt werden, so zum Beispiel die einfachen -bürgerlichen Wohnhäuser und die Bauernhäuser, überhaupt alle Bauten, an denen die Schmuckglieder znrücktreten gegenüber den struktiven der Kompositionsidee. Vor allem aber tönte durch eine solche ästhetische Beträchttmg der Baukunst wiederum das Prinzip der formalen Behandlung zum Bewußtsein, die Logik des Aufbaues, die jetzt allzusehr übersehen wird. Bei einer solchen Auffassung und Betrachtung der Baukunst könnten.wir wieder von einer Kunstgeschichte sprechen, während setzt der Nachdruck allzusehr auf den zweiten Teil des Wortes gelegt tvird. .Dann a>ber erst würde sie auch wieder beit erzieherischen Wert besitzen, der ihr jetzt für das Kimstschaffen und Kunstempfinden völlig verloren gegangen ist. Und solche Kunsterziehung tut uns wahrlich not! Sie allein bildet den Schlüssel zu einer wahren, neuen Kunst, die dann auch 'eine Heimatkunst sein wird, weil jede echte Kunst Heimat- kunst ist, ........ Vermischte». * Die Zukunft der Schwiegermütter. In einer sehr merkwürdigen Schrift: „Die Schwie ger- mutter und der Hagestolz" hat O. Schrader eine interessante Frage in rechtlicher, .kulturgeschichtlicher und ethnographischer Hinsicht gründlich untersucht. Dabei ist er ohne Voreingenommenheit gegen die Schtviegermutter zu Werk gegangen. Tie wichtigsten Ergebnisse seiner Untersuchungen, die im einzelnen wiederzugeben zu weit führen würde, stellt Schrader am Schluß wie folgt zusammen. .Der Typus der bösen Schwiegermutter war in dem heutigen Sinne, so scheint es, dem Altertum noch unbekannt, wenn sich auch Ansätze dazu nicht verkennen lassen. Erst von mittelalterlicher Zeit au tritt er auf dem Boden fortschreitender weiblicher Emanzipation im Westen Europas deutlicher hervor. Diese böse Schwiegermutter ist es, die in den Fliegenden oder in anderen westeuropäischen und amerikanischen Witzblättern das Zepter führt. Und das mit Recht! Der Streit zwischen Schwiegermutter und Schnur ruht auf einer ernsthaften Grundlage und spitzt sich nicht selten zu tragischen Konflikten zu. Diesem Kampfe des Herrn der Schöpfung mit zwei Frauen aber haftet von Anfang an etwas Lächerliches an, uno wir können uns daher nicht wundern, daß auch das Lustspiel dieses Motiv mit Vorliebe benutzt und weiter ausgebildet hat. Diese Schwiegermutterwitze, an denen sich der Westeuropäer auf der Bühne und in seinen Witzblättern erfreut, finden nun, wie wir sahen, in den volkstümlichen Kreisen des Ostens gegenwärtig noch kein Verständnis. Die östliche Weibes- mutter ist eine seelengute, von heißer Liebe zu dem Schwiegersohn erfüllte Person, der es nicht einfällt, energisch gegen den Eidam aufzutreten. Auch int höchsten germanischen Norden, in Dänemark, kennt man, wie mir dort noch im vorigen Sommer von ausgezeichneten Bolkskennern versichert wunde, die böse Weibesmutter nur aus der Literatur des Westens. Die Kulturwelle der bösen Weibesmutter ist also noch nicht so weit vorgedrungen. Indessen ist nicht zu bezweifeln, dag- mit der nach Osten vorschreitenden westlichen Kultur auch diese Gestalt wandern und durch die Vermittlung des städtischen Lebens sich mehr und mehr auch im Osten einnisten wird. Nun erklärt der Verfasser: Aber auch bei uns im Westen wird die Bedeutung der Weibesmutter eher zu- als abnehmen. Drängen doch unsere wirtschaftlichen Verhältnisse — warum sollte man verschweigen, was jeder beklagt und niemand nt bessern unternimmt? — immer mehr dahin, daß ganze Stände, Offiziere, Professoren, Beamte, wenn anders sie überhaupt heirätert wollen, sich nach reichen Frauen umzusehen gezwungen sind. Tie reiche Schwiegermutter wird aber nicht selten auch die böse Schwiegermutter sein. .Dazu kommt, daß, je mehr die Emanzipation der Frauen vorwärts schreitet, je mehr wir uns ihnen gegenüber an Höflichkeit, Zuvorkommenheit, Demut gewöhnen werden, auch auf der andern Seite, also auch bei der Weibesmutter, die Ansprüche an diese Tugenden wachsen werden. .Den besten Beweis für die Richtigkeit dieser Anschauung bietet der Umstand, daß bei meiner Enquete über die Verbreitung der Spezies Uxoria mater malitio- siffima L. zweifellos Amerika als Siegerin hervorgegangen ist Hier, wo der Frauenkultus auf seinem Höhepunkt angekommen ist, liegt zugleich das Dorado der Schwiegermutterwitze, und der von der Weibesmutter gepeinigte Schwiegersohn spielt in der humoristischen Literatur dieses Landes eine Hauptrolle, neben der die anderwärts damit konkurrierende Gestalt des mari cocit — die man wohl auch in Amerika kennt, aber von der man beileibe nicht sprechen darf — gänzlich verschwunden ist. Anszieh-Rätsel. Nachdruck verboten. Aus jedem der nachfolgenden 17 Worte ziehe man 2 oder 8 Buchstaben aus und verbinde selbige dann zu 8 neuen Worten, die ein Zitat Lessings ergeben. Glocke Geleit Nachtrag Hektar Nitrat Isthmus Zimmer Homer Dasein Insel Sesterz Gestein Bauer Kandis Wunder Fliege Besteck. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in vor. Nr.: Elfe. Bleib bei uns! wir haben den Tanzplan im Tal Bedeckt mit Mondesglanze, Iohanneswürmchen erleuchten den Saal, Die Heimchen spielen zum Tanze. Die Freude, daS schöne leichtgläubige Kind, Es wiegt sich in Abendwinden: Wo Silber auf Zweigen und Büschen rinnt, Da wirst du die schönste finden! (Eichendorff.) Redaktion: Au au st Goeü. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buck- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.