1904. ‘Hamböcff -c, H N i ä V Irl ZI B I? Kin angenehmes Kröe. Humoristischer Roman. Von Victor von Reisner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Rühren Sie Mich nicht cm", rief Erna entsetzt und wich nur einige Schritte zurück, „Ihre Brüder haben diesen Leib entheiligt — sie haben mich — photographiert." „Daß Du doch nie Deine Narrheiten lassen kannst!" schalt Erich zornig. „Wenn sie Dich photographiert haben, so wirst —" „Du weißt ja aber noch gar nicht, wie sie mich photographiert haben", rief Erna in tiefster Scham, „meuchlings, aus dem Hinterhalt, und im Badeanzug!" Ljub'iza verbiß nur schwer ein Lächeln. Erich hingegen benutzte rasch den günstigen Moment, sie los zu werden, und die Stirn in drohende Falten legend, sagte er zu ihr: „Du hast also wieder gegen Mamas ausdrückliches Verbot im Freien gebadet. Jetzt gehst Du sofort auf Dein Zimmer — später sprechen wir uns!" Mit gesenktem Köpfchen und ohne ein Wort des Widerspruchs zu wagen, schlich Erna völlig geknickt hinaus. Die Tür hatte sich aber kaum noch geschlossen, da zog Erich die Geliebte an sich; und holte das Versäumte reichlich nach. Als sich Ljubrza endlich einen Moment von ihm frei machen konnte, bat sie: „Nicht wahr, jetzt, wo wir so glückliche sind, wirst Du auch gegen die Kleine nicht so streng sein?" „Weil Du für sie bittest, soll ihr für diesmal verziehen sein", versprach er, „vor allem müssen aber Deine Brüder die verräterische Platte herausgeben und feierliches Stillschweigen geloben/" „Dafür will ich schon sorgen"", sagte sie ihm zu, und weil er so schnell ihrer Bitte willfahrt, durfte er zum Lohn noch einen Küß verlangen, und als aus dem einen ein Dutzend und noch ein Dutzend wurden, hatte sie auch! nichts dagegen. 8. Es war einige Tage später, als der Pfarrer die Höchst- feldsche Familie besuchen kam. Da aber Herr von Höchstfeld mit Erich auf den Feldern und die Frau des Hauses wieder einmal unauffindbar war, so erging er sich mittlerweile durch die stellenweise dichten Gänge des Parks, durch den eben die Drähte der neuen Telephonleitung nach dem Vorwerk gezogen wurden. Heimliches Flüstern, unterbrochest von Seufzern und Küssen, ließ ihn plötzlich aufhorchend stehen bleiben. „Nanu, was hat denn das zu bedeuten?"" fragte er sich, ^sollte sich am Ende gar der Major mit seiner Men ein Stelldichein gegeben haben — genügend verrückt dazu sind sie ja allerdings/" Wenn er nicht eben von Stepenäz gekommen wäre und bestimmt gewußt hätte, daß Ljubiza zu Hause sei. Laust würde er wahrscheinlich sie und Erich in Verdacht gehabt haben, auf unerlaubten Wegen zu wandeln, aber so . . . Eist lustiges, sofort wieder unterdrücktes. Aufguietschen brachte! ihn plötzlrch auf die richtige Spur. Also der Grasteufel! Aber mit wem? Die Jungest waren doch auch zu Hause. . . „Na, wollen gleich! sehen"", brummte er und schlich ganz! leise dem verdächtigen Geräusch nach. „I der Donner, das muß ich sagest, das ist ja ganz reizend!" rref er empört, als er Erna hinschmachtend an Leutnant Bladoj gelehnt und zu ihm hinaufhimmelnd, entdeckte. Wie die Tauben, zwischen die der Habicht hinunterstieß, stoben sie auseinander, und ehe sich's der Pfarrer! versah, war die Kleine auf Nimmerwiedersehen verschwunden!. „Na warte, Du Krabbe, Dich erwischp ich schon noch !"" rief er ihr drohend nach!, dann kehrte er sich, zu Bladoj ums und stellte diesen zur Rede. Vladoj hatte sich indes von seiner ersten Ueberraschung erholt, und da er wußte, daß der Pfarrer nicht so böse sei, wie er aussah, sagte er ganz keck: „Fräulein hat mir früher das Telephon erklärt und! jetzt die Drähte da oben gezeigt/" „Die Drähte?" fragte der Pfarrer barsch „die Drähte? Den Kopf haben Sie ihr verdreht." „Eher sie ihn mir", meinte Vladoj lachend. „Um den Ihren ist mir nicht bange, der ist so oft verdreht gewesen und kommt schon von selbst wieder in die richtige Lage"", polterte der Alte. „Aber die Kleins könnte schließlich an Ernst denken und —" „Soll sie auch!" „Soll sie auch !" machte ihm der Pfarrer nach. H „Schlagen Sie sich diese Dummheiten aus dem Kopf, denst das Mädel ist ja überhaupt noch kein Mädel!" „Nanu, darauf verstehe ich nrich doch auch —" „Reden Sie keinen Unsinn", unterbrach ihn oer Pfarrer zornig. „Sie ist noch ein Kind, und Sie werden sie vost nun an in Ruhe lassen — haben Sie mich verstanden?"^ „Wenn ich sie aber wirklich lieb habe"", wandte Vladoj« ein, „und Ernst machen —" „Ach, papperlapap", schnitt ihm der Pfarrer das Wort ab, „bei einer wirklichen und ernsten Liebe fängt man nicht gleich mit dem Küssen an, sondern —" „Wenn wir aber doch schon über die Präliminariest hinaus sind?"" meinte Vladoj luftig, „wir können uns doch nicht zeitlebens anschmachten."" Der Pfarrer mußte, ob er wollte oder nicht, schimunzelst« „Ach, gehen Sie, Sie sind ein unverbesserlicher Tollkopf^ versuchte er noch einmal zu räsonnieren, dann aber streckt« er chm die Hand Hin und sagte: „Schlagen Sie ein; wenst Sie ein braver Kerl find und mir Ihr Wort geben/ mit? 490 dem Kinde kein leichtfertiges Spiel zu treiben, son5ern warten zu wollen, bis sie wirklich im heiratsfähigen Alter ist, dann —" „Mein Wort darauf, Herr Pfarrer", gelobte Vlados ernst, „Na, dann will ich ein Auge zudrücken, meinethalben auch beide", gab sich der Pfarrer gefangen, „Und nun kommen Sie mit mir, ich will einmal sehen, ob ich Herrn von Höchstfeld vielleicht in der Wirtschaftskanzlei finde." Trotz dieser Ansforderung blieb Leutnant Bielimarino- vic zögernd stehen. „Meinen Sie nicht auch, Vater Adame", fragte er etwas klmnlaut, „daß es Herrn von Höchstfelds Befremden erregen könnte, mich so plötzlich erscheinen zu sehen, wo ich doch gar nicht am Gutshof abgesessen bin?" Der Pfarrer schaute ihn mit großen Augen an. „I du Donnerkeil, wo haben Sie denn Ihr Pferd eingestellt?" „Das habe ich rückwärts im Park festgebunden." „I sieh mal einer, da hat Sie also wohl die Kleine nach vorhergegangener Verabredung erwartet?" Vlados Nickte. „Schau, schau, Ihr seid ja schon recht weit miteinander gekommen, und ich hatte wenigstens noch die eine Hoffnung, daß es ein ganz zufälliges Zusammentreffen sei." „Zufällig ist es immer nur das erstemal", belehrte ihn Vlados schmunzelnd, „später wäre es Sünde, dem Zufall zu überlassen, was man doch —" „Schon gut, schon gut", unterbrach ihn der Pfarrer, „und nun fahren oder vielmehr reiten Sie in Gottes Namen ab." Trotzdem die Auseinandersetzung über alle Maßen glimpflich abgelaufen war, ließ es sich Vlados doch nicht zweimal sagen und empfahl sich schleunigst. Erna war indes mit schlechtem Gewissen umhergeirrt. Jetzt verstand sie des Vaters Mißtrauen gegen den Pfarrer vollkommen — wer so heimtückisch herumschleichen konnte, um anderer Leute Geheimnisse auszuspionieren, der war natürlich zu allem fähig. Und diese ganz unglaubliche Ungezogenheit, sie „Krabbe" zu heißen! Nun, sie wollte ihm noch beweisen, daß sie keine Krabbe, sondern ein ganz respektabel ausgewachsener Hummer sei, der seine Scheren gegen seine Feinde zu gebrauchen wisse! Dann überlegte sie aber wieder, ob es nicht vielleicht doch geratener sei, sich mit ihm — wenn auch nur aus Kriegslist — auf guten Fuß zu stellen — schon deshalb, damit er nicht am Ende ihr heimliches Rendezvous den Eltern „petze". Freilich, er war ja sonst ganz lieb und nett und viel nachsichtiger als alle Geistlichen, die sie bisher kennen gelernt hatte, — das mußte sie zugeben — konnte man es aber wissen, ob er nicht aus dem Grunde zum Verräter werden würde, um sich beim Vater einen Stein ins Brett zu legen? Jedenfalls hieß es die Augen offen halten, denn wenn Papa oder gar Mama etwas von ihrer ersten wirklichen Liebe erführen — au weh, das konnte einen schönen Krach geben! Und speziell, Mama! Mama hat ja keinen Funken Verständnis für Poesie — rein so, als ob sie nie im Leben selbst jung gewesen wäre! Sie konnte sich Mama als Mädchen überhaupt nicht vorstellen und den Papa als Liebhaber eigentlich erst recht nicht. Ob Papa die Mama wohl auch heimlich geküßt hat? schoß es ihr plötzlich durch den Kvpf, und sie mußte bei dem Gedanken an diese Möglichkeit hell auflachen. Im selben Augenblick glaubte sie ihren Namen rufen zu hören und blieb erschrocken stehen. Und wieder klang es mit vorsichtig gedämpfter Stimme zweimal hintereinander: „Fräulein Erna — Fräulein Erna!" Nun wußte sie auch, wer es war — die Zwillinge — aber noch wußte sie nicht, ob sie vor Scham ausrücken oder ob sie ihnen ihre volle weibliche Entrüstung ins Gesicht schleudern sollte/ Das Letztere dünkte ihr schließlich inrponierender, und mit unnahbar abweisender Kälte wandte sie sich den zögernd Herankommenden zu. Ehe noch einer von ihnen das Wort ergreifen konnte, sagte sie mit tiefster Indignation: „Ich begreife nicht, woher Sie den traurigen Mut nehmen, mir noch einmal unter die Augen zu treten. Sie scheinen wohl gar nicht zu ahnen, wie taktlos Sie sich einem wehrlosen Weibe gegenüber benommen haben!" Die beiden Unglücksraben schauten ganz verdonnert zu Boden. „Aber, Fräulein Erna", meinte endlich Dinko kleinlaut, „was können wir denn dafür, daß Sie nicht mehr an hatten" — und Mirko setzte schon etwas dreister hinzu: „Wenn Fräulein Erna wüßten, wie hübsch das Bild ausgefallen ist, dann würde Fräulein Erna gewiß nicht so böse sein. Wir wollen es sogar beim nächsten Preisausschreiben für Amateurphotographie zum Wettbewerb einschicken!" Einen kurzen Moment fühlte sich Erna riesig geschmeichelt, dann wurde sie aber um so verlegener, und mit wirklich echter Entrüstung schleuderte sie ihnen entgegen: „So handeln nicht Kavaliere, sondern — Buschritter. Ueb- rigens bin ich nicht so schutzlos wie Sie zu glauben scheinen^ mein Bruder kennt bereits Ihren heimtückischen Uebersall, und wenn er Sie nicht schon dieser Tage gefordert hat, so wird er es sicher noch heute tun." Die Wirkung ihrer Worte war eine ganz unerwartete^ denn anstatt vor Schreck zu erbleichen, singen die beiden ganz ausgelassen zu lachen an. Erna war ganz starr vor Empörung über Dinko und Mirko, und im Nu standen ihr die Tränen in den Angen. „Sie sollten sich schämen, mich noch zu verspotten", entrang es sich ihr endlich, bebend, „das ist wenig gente- manlike!" „Aber Fräulein Erna dürfen das doch nicht so tragisch nehmen", suchte sie Dinko zu beruhigen. „Mirko hat sich ja nur einen — allerdings sehr unpassenden Scherz erlaubt, denn wir haben ja das Bild gar nicht — wir haben es nicht enimal gesehen. Ljnbiza hat uns leider die Platte abgenommen, ehe wir sie noch, in die Dunkelkammer gebracht hatten, und Ihrem Herrn Bruder mußten wir unser Ehrenwort geben, gegen niemand davon zu sprechen." Erna fiel ein Stein vom Herzen, denn obgleich es sie ja furchtbar geschmeichelt hätte, wenn um sie Blut geflossen iväre, so freute es sie doch andererseits ganz ungeheuer, daß dieses abscheuliche Bild nicht mehr existierte. Dieser Ausgang brachte sie aber insofern in die peinlichste! Verlegenheit, da sie nun nicht wußte, wie sie sich eigentlich gegen die beiden Verbrecher verhalten sollte. Endlich kam ihr ein glücklicher Gedanke, und mit unnachahmlicher Geringschätzung sagte sie: „Wenn Sie mein Bruder so glimpflich behandelte, so tat er es nur deshalb, weil er sie eben noch nicht für — voll ansieht. Aus.demselben Grunde sind Sie natürlich von nun an auch für mich — Luft!" Die Zwillinge erbleichten bei der ihnen von Erna zu- gesügten „unerhörten" Beleidigung. „Wenn Sie nicht eins Dams wären, müßten Sie uns dafür Genugtuung geben", rief Dinko bebend, und Mirko, dem das noch viel zu milde war, ries voller Empörung: „Mit Ihrem Blute müßtest Sie diese Insulte büßen!" Erna wurde es nun doch bange,- und etwas kleinlauter! lenkte sie ein: „Sie haben doch zu heimtückisch alt mir gehandelt!" „Wieso?" ereiferte sich Dinko, „wir wollten Ihr Bild mit Ihrem Strumpf am Herzen tragen!" „In solchem Kostüm trägt man keine Dame am Herzen"^ protestierte Erna nahe dem Weinen., „Wenn man sie liebt", ereiferte sich Dinko, „dann ist das Kostüm überhaupt Nebensache. Die Liebe —" „Sprechen Sie nicht von Liebe, ich darf das sticht mehr hören", unterbrach ihn Erna errötend) (Fortsetzung folgt.) Kie WolksLstNst-AttssteTiMg auf dem Ksherodskoyf. Bon Ernst Freundlieb, Pfarrer zu Ulrichstein. Bon d-r bisher geschilderten Volkskunstschnitzerei vollsMM big gesondcr: und ohne jede äußere und man kann auch ruhig sagen: innere Verbindung mit ihr steht ein Volkskunstmerster, der eine eigene und durchaus selbstärwige Stellung behaupten und für sich in Anspruch nehme» darf. Es ist der Buchbinder Christoph Dehn in Herbstein, der als Schnitzer ganz Hervorragendes und Außerordentliches leistet. Man darf ruhig sagen, daß die einzige, von ihni zur Ausstellung freundlichst überlassene halblebensgroße Figur einer Hcrbsteineriu allen übrigen Schnitze- reien der Ausstellung zusammengcnommen die Wage hielt, und man kann nur wünschen daß der Mann seine ganz außerordentliche Gabe nicht liegen lasten, sondern He werterbildrn 491 und in der Schaffung herzerfreuender Werke von ähnlichem Schlag fruktifizieren möge. Dehn, den ich persönlich nicht kenne, — ich traf ihn nicht zu Hause, er, war, als ich zufällig durch meinen Herbsteiner Kollegen und Freund von ihm erfuhr, gerade ins Heu gegangen — ist Katholik und er hat die Anregungen zur Schnitzerei wohl unzweifelhaft von den Heiligenbildern, Crucifixus-Tarstellungen, erhalten die ihm von Kindheit auf vertraut gewesen sind. Er ist Autodidakt und hat nur, .wie ich hörte, etwa sechs oder acht Wochen lang einen Kursus in der Schnitzerschule in Erbach absolviert. Eine kleine Arbeit, die er mit eingcsandt hatte, ein Briefbeschwerer, eine Kindergutte darstellend, die auf einem Kissen liegt und mit einem Wecken spielt, erinnert etwas daran. Dehn hat aber von der Schule nicht mehr angenommen, als zur Erlangung technischer Gewandtheit und Sicherheit gehörte. Er ist in seinem Schaffen, wenig- stens in der eingesandten Arbeit, ganz und gar original geblieben oder auch — geworden. Tie, wenn ich nicht irre, .aus einem Eichenholzklotz herausgearbeitete Figur von etwas über 1 Meter Höhe ist edel in jeder Linie, eine freie .und große Leistung .von unvergänglicher, erhabener und ruhiger Schönheit. . Sie ist etwa als Blumenständer gedacht und stellt, in der schlichten und einfachen, .vielleicht ein ganz klein wenig .phantasievoll aufgeputzten (oder vereinfachten [?]) Herbsteiner Tracht, eine Frau dar, die ein geflochtenes Körbchen auf dem Kopse trägt und einen kleinen Rosenstrauß in der Hand hält. .Daß sie — nach mehrfach gehörtem Urteil — der eignen Frau des Künstlers porträtähnlich sein soll, sei nebenbei erwähnt. Tie Figur ist bemalt und zeigt auch in der Bemalung einen auserlesenen, feinfühlenden und zurückhaltenden Geschmack. Die Hauptsache bleibt aber doch die schnitzerische oder bildhauerische Gestaltung. Tie freie Haltung des Kopfes und des ganzen Körpers, ,der hehre, lichte, seelenvolle,. anscheinend in die Ferne gerichtete Blick des Auges, die künstlerisch feine Anordnung des schlichten Haares, die anmutsvolle Haltung der Schultern und die freie Beweglichkeit der leicht gekreuzten Arme, so auch die Darstellung von Rock und Schürze bis herab zum .einfachen und groben Schuhwerk, alles ist fein abgewogen, alles befriedigt an dieser herrlichen Figur das Auge. Sogar die leichte Uebertreibung aller Formen, die besonders in der Stärke des freien Halses und des fast runden Kopfes zur Erfahrung kommt, in Wirklichkeit aber durch alle Formen des stolz empfundenen Körpers hingeht, ist recht künstlerisch und in Anbetracht der auf demKops zu denkenden Last zur künstlerifchen Wirkung unentbehrlich. Kurzum, die Arbeit ist ein Werk echtester und edelster ■ Volkskunst und ohne Zweifel das Juwel der ganzen Ausstellung, ein Werk, mit dem sich — ihrer ganzen Art nach — die übrigen Arbeiten, auch die feinsinnigen Stücke Klemms und die besten Sachen Mombergers, gar nicht ohne weiteres vergleichen lassen. Wenn Momberger die Technik hätte und das erforderliche Studium der Natur, (vielleicht auch noch die ehrfurchtsvolle Innigkeit die in dieser Figur sich ausspricht), dann vermöchte er, seiner Vorliebe zur Plastik nach, pselleicht einmal das protestantische Gegenstück zu diesem hehren katholischen Frauentypus unserer Gegend zu schassen. Dem Herbsteiner Künstler aber ist ein Käufer zu wünschen, der ihm das Stück, das eines ganzen Winters Arbeit .in Anspruch genommen hat, auch nach seinem wirklichen Wert bezahlt, und der ihm dadurch Lust macht, in seiner einstweilen „brotlosen Kunst" weiter zu schaffen. Ich habe in seinem i Hause außer sonstigen interessanten Dingen an Schnitzereien zwei buntbemalte Heiligenbilder und ferner einen größeren bemalten, sowie einen kleineren „weißen", d- h- in der Naturfarbe des Holzes belassenen Crueificus gesehen, alles Sachen, die gleichfalls von seiner Hand herrühren sollen, freilich, Ms bei der Natur der dargestellten Gegenstände gerade an einem Volkskünstler nicht verwundern darf, ohne ausgesprochene Individualität. Dock) schien mir besonders der zuletzt erwähnte Crueifixus ein seines Stück, wie man es einem Dilettanten und Autodidakten kaum zutrauen mag. In Tehn's kleinem Hause fand ich übrigens neben der Schnitzerei auch noch die Volkskunstmalerei vertreten. Sinar äußerst primitiv und, .wenn man will, unsagbar kunstlos (technisch angesehen), auch mit den denkbar allereinfachsten Mitteln, hat, wie ich hörte, .ein Sohn des Dehn, .der Musiker ist« den kleinen Hausgang mit drei landschaftlichen Darstellungen ausgeschmückt. Mir, der ich mich an einer hübschen Idee zu freuen vermag, wenn auch die Ausführung weit hinter ihr zurückgeblieben sein mag, tnaren die drei Bilder recht interessant. Es haben ihm offenbar jene Schweizer- oder Schwarzwaldlandschaften vorgeschwebt, wie man sie auf den bekannten grünen Rouleaux- vorhängen vor etwa 20 Jahren noch zu sehen pflegte. Ungefähr dementsprechend sind auch Format und Anlage der. Bilder. Ter Hintergrund zeigt Alpenberge. Aber —• und das ist nun das Interessante an den Sachen — je mehr er in den Vordergrund gelangt, desto mehr wird's — Vogelsberg, desto mehr zeigen sich die Bäume, die Bächlein, die Balkenhäuser unserer Gegend. Und wenn's auch keine „Sehenswürdigkeiten" sind, man kann seine Freude haben an dem Sinn, der die drei Felder schuf. Es ist derselbe Sinn, her in unserer Volksk-nst seine schönen Blüten treibt.-» Ehe wir nun aber, nach dieser Abschweifung, .mit den Arbeiten Tehn's die VoMkunstschnitzeichi etzdgiltch verlassen, mag schließlich noch in Kürze der Modellierarbeiten des Rentners David I. Stein in Breungeshain gedacht werden, die in zusammen sieben, größeren und kleineren Sachen, gleichfalls auf der Ausstellung .vertreten waren. Zwar gehörten und gehören sie streng genommen nicht hierher. Tenn sie sind weder „oberhessisch", poch können sie zur Volkskunst in unserem Sinne gerechnet werden. Stein, .ein geborener Breungesheimer, hat die meiste Zeit seines Lebens in Amerika gelebt, wo er, gelernter Schreiner von Haus aus, (— als solcher hat er, was auch nicht nninteressant ist, .ehe er nach Amerika ging, bei Mombergers Vater als Geselle gearbeitet —), einen Laden mit den mannigfachsten in sein Fach einschlagenden Artikeln unterhielt und ein wohlhabender Mann geworden ist, der nun seinen Lebensabend in der alten Heimat verbringt. Als junger Mensch hat er —i mit Klemm zusammen — auch die schon erwähnte Schnitzeroder Industrieschule in Schotten besucht, und er hat nun, wie mir gesagt worden ist, .erst in der Muße seines Alters wieder die dort erworbenen Fertigkeiten hervorgesucht und findet jetzt seine Unterhaltung und sein Vergnügen darin, zwar nicht in Holz zu schnitzen, sondern in einer eigenen Modelliermasse, deren Zusammensetzung .er, .wie mir gleichfalls gesagt wurde, geheim hält, allerlei lustige Figuren zu formen und zu bemalen, Biiderrahmen aus Astwerk anzufertigen und mit aufmodellierten Schmuckstützen zu zieren und dergleichen mehr. Es waren von ihm ausgestellt: drei ganz plastische Figuren, ein kleiner Kegler und ein Orangenverkäufer und ein größerer Kegler auf einen eigens dafür hergerichteten, fast überreich dekorierten und für unfern Geschmack etwas fremdartigen Postament, ferner «in bemaltes Engelsköpfchen und eine goldbronzierte Negermaske und endlich zwei Bildrahmen aus hart grün gebuchtem Astreisig hergestellt und an den Ecken mit aufmodellierten vergoldeten Blättern geziert. Der eine der beiden Rahmen, — er umschloß das Oeldruclbild einer Gesellschaft musizierender Affen — trug außerdem noch ein aufmodelliertes Eengelsköpfchen als besonderen Zierrat. — Es ist die Echtheit und Originalität verschiedener Stücke in Zweifel gezogen worden. Und das erscheint nicht ohne weiteres unbegreiflich und beruht m. E. .auf der offensichtlichen Ungleichwertigkeit der einzelnen Sachen oder Teile von solchen. Es kann in der Tat als kaum glaublich erscheinen, daß dieselbe Hand, die den kleineren Kegler (und auch beit Orangenverkäufer) so getoandt gebildet, nachträglich auch den größeren und viel unbeholfener gearbeiteten Kegler (auf dem Postament) geschaffen haben soll. .Es kann als „kaum zu glauben" anmuten, .daß hie nämliche Hand, die die Negermaske und den Löwenkopf am Postament so stilmäßig geformt und dann t wohlgeschulte Sicherheit bekundet hat, .gleichzeitig auch die seitlich an dem Postament angebrachten Rosen modelliert, ja überhaupt das ganze Postament, so wie es ist, erdacht und ge- schafsen haben soll. .Indessen, da weniastens bezüglich der beiden Kegler von einem glaubwürdigen und einwandsfreien Zeugen, der bei der Modellierarbeit will zugesehen haben, die Authen- zität bestätigt worden ist, so muh es doch wohl angenommen werden. Aber sei dem, wie ihm wolle, die äußere Formvollendung und die technische Gewandtheit.macht an sich den Künstler nicht, am wenigsten den Volkskünstler, und jedenfalls handelt es sich in den Arbeiten Steins, so geschickt sie sonst sein mögen, nicht um — „oberhessische Volkskunst". Die Sachen sind nicht oberhessisch, .sondern — amerikanisch. Sie muten, schon mit ihren derben, wenig auf einander abgestimmten Farben, die etwas Schreiendes an sich haben — es ist e ben amerikanische Art — aber auch durch ihren Gegenstand und durch die ganze Art der Darstellung auf den ersten Anblick fremdartig an. Sie sind aus einem ganz anderen Milieu als dem des oberhessischen und speziell des Vogelsberger Lebens und sie sind aus einem ganz anderen Geist als dem unserer Volkskunst. Es ist ein triviales, banales, gemütloses, für unser Empfinden fast ein wenig unfeines und jedenfalls ein ganz anderes Wesen in den Sachen, als in den traulich heimeligen und gemütvollen Schöpfungen der in unseren stillen Bergen heimischen Volkskunst. Selbst Mombergers Judenkarikatur bewahrt dem Geiste dieser Sachen gegenüber eine Würde, die wohltuend berührt. Wie mir scheinen will, liegt aber die Ursache dieser fremdartigen Wirkung wohl hauptsächlich darin, daß die Arbeiten Steins, auch wenn sw wirklich als eigene, frei und selbständig modellierte Arbeiten angesehen werden müssen, zur Volkskunst in unserem Sinn überhaupt nicht gerechnet werden können. Die VolkSkunstarbeiten haben, wie ich gelegentlich der Besprechung der Meher schon Sachen auszuführen versucht habe, ihr Wesen darin, daß sie, sie mögen stofflich zum Gegenstände haben, was sie wollen, g e i st i g selbständige Schöpfungen sind, daß sich zum Wenigsten in irgend welcher Weise eine Individualität,, eine Persönlichkeit, in ihrer Gestaltung ausspricht. .Tas ist bei den Arbeiten Steins nicht der Fall. Man glaubt, diese Lachgesitzter schon irgendwo einmal ' in einem Porzellan- oder Thonwarenladen gesehen zu haben. .Sie sind — teilweise wenigstens — so „fertig", es ist so wenig von einem Ringen um die Gestaltung an ihnen zu merken, wenn sie cs auch technisch in Wirklichkeit nicht sind. Die Sachen sind nicht original empfunden. Sie find von ihrem Ilrheber schon irgendwo einmal fertig gesehen und dann —i mit virtuoser Geschicklichkeit allerdings — nachgebildet worden. Es sind, .wenn alles richtig ist, und auch die schnitzerifche 492 ' — rv ~_ 7 UVV i-ULUJU, UIX> //UllöllUr k Wte !, ja der am Ende gar hatte wirklich mißlich tverden rönnen, ucib nämlich die Angelegenheit bei den Häfnermeistern incyr ta)on von langer Hand her vorbereitet war, zu einem Vorzug Tie Sachen waren nicht etwa für die Ausstellung ge- arbeitet, das hätte doch vielleicht den einen oder anderen zu ,„runStücken der Fabrikation vorführen und die „Echt- Vorbildung Steins in Rechnung gezogen, — nicht Volkskunst-, sondern außerordentlich virtuose Tilettautenarbeiten. Als solche geben sie Zeugnis, .wenn auch von einem .uns fremdartigen Geschmack, so doch zugleich von einer außerordentlichen Geschicklichkeit und technischen Gewandtheit und auch ihre Ausstellung war im Interesse eines Vergleichs mit den Erzeugnissen der echten Volkskunst dankbar zu begrüßen und dankenswert. Wenn wir uns nun von hier aus der zweiten Gruppe der ausgestellten Arbeiten, den Erzeugnissen der Häfnerei zutvenden, so durste zunächst.ein Wort darüber zu sagen sein, mit welchem Rechte eben diese Sachen zur Volkskunst hinzugerechnet tverden mögen. Daß eä, nicht ohne Weiteres in dem nämlichen Sinne geschehen kann, ul dem die näher charakterisierten Schnitzereien vss Volkskunst bezeichnet wurden, liegt auf der Hand. Es wäre vielleicht auch wirklich richtiger, .wenn die Sachen eher als „Handwerkskunst" bezeichnet und als solche von der Volkskunst rin bisherigen Smne ausdrücklich unterschieden würden. Indessen lsegt nicht,.— wenn von „Kunst" bei den Sachen überhaupt die Rede sein kann — in dem Namen „Handwerkskunst" selber bereit die Zugehörigkeit zur „Volkskunst" ausgesprochen?! Tenn die Vertreter des Handwerks gehören eben doch zu den Kreisen „schlichten Volks", .von dessen künstlerischer Betätigung die Rede sei» soll. .Als einen eigenen und besonderen Zweig der Volkskunst wird inan ja freilich die Handwerkskunst, die sich, ,n unserer Gegend wenigstens, eben iir der Häfnerei mehr als a*7?.rttt anderen Gewerben noch erhalten hat, immerhin ansehen müssen, ^enn wahrend es in den Volkskunstschnitzereien doch mehr um vollständig freie Schöpfungen handelt, die mehr gelegentlich rn. der Nebenbeschäftigung hervorgebracht zu werden pflegen, und der denen demgemäß der Handivcrks- und der Warencharakter mehr oder auch wohl ganz zurücktritt, so ist es bei diesen Häfnerei- artikem gcwade umgekehrt. Sie ivollen Handwerkserzeugnisse und s = $8aren/ und zwar ineist im buchstäblichsten Sinne, den das Wort nur haben kann, — „Marktwaren" sein. Gleichwohl I“ -n? V ?? blasen Sachen von einer „Kunst" im guten Sinne y‘e.,ef' Wortes geredet werden. Tenn wenn wohl auch die bei der Herstellung.dieser Erzeugnisse in Betracht kommenden Kenntnisse und H-ertigkeiten rm Großen und Ganzen die allgemein be- gebrauMchen, jedem Fachgenossen zugänglichen Haniweiksregeln und Kunstgriffe sind, .und wenn auch für die Fabrikation neben diesen Handwerksregeln die wiederum im allgemeinen ganz bestimmten ,Bedürfnisse des Alltagsgeürauchs und bic von diesen Bedürfnissen aus sich ergebende und regelnde Nachfrage maßgebend bleibt, die ganz von selbst die Herstellung rn gewisse allgemein übliche und gebräuchliche Formen hinelnbannt und -zwingt, wenn dementsprechend ganz naturgemäß die Erzeugnisse selber, am nämlichen Fabrikations- E,-!veii,gsteus, einen mehr oder weniger gleichartigen und gleich- wertigeu Eharalter tragen, so ist doch ebenso gewiß in der Zrcherh-it der formenden Hand, im Geschmack bei der Wahl und Gestaltung der Profile, rn der Schönheit und im Schwung der Ahme, in der Erzielung einer leuchtenden Glasur und in der rElgen, .geschickten und geschmackvollen Auswahl der Farben, m der Wahl uild Anordnung der Ornamente und in der Frei- ffi1* ,7"astheit, Sicherheit der Zeichnung, kurzum in eüier gaiizen Menge. durchaus Nicht unwesentlicher Tinge, .„der eine vor dem andern . Es laßt m allen diesen Dingen, .wenngleich die „Art" im allgemeinen festgelegt erscheint,,sich dennoch eine Jndividnali- tat zur Geltung bringen und —• jede Bauerssrau weiß, weshalb r. c. ?ei fl>nst gleicher Güte der Ware — immer wieder gerade bei diesem Hafner kaufen möchte und nicht bei seinenr Nachbar auf dem Marktstand. Tie hübsche „bunte" und „geblümte" Ware hats ihr angetan. . Noch mehr als in den eigentlichen .Topfwaren selber aber vermag die Individualität zur Geltung und zu ihrem Recht zu kommen bm der Gestaltung jener Sächelchen, für die es ganz bestlinmte Formen eigentlich nicht gibt, und in denen jeder ' Mnwgnli" röer$e vbaf ru machen pflegt, was er eben „hmbungt. Hier denke ick» besoiiders an das Kinderspielzeug, vor allem an, die ost so drolligen und originellen Tierfiguren, _,A der sie macht, wieder eine andere I unb e.gcne Gestalt zu haben pflegen. Dergleichen Sachen „liegen" ! eben dem emen anders als dem andern und plastisches Geschick sowohl wie em Humorvoller und .kindlicher Sinn, der sich k Kstndesseele zu versetzen und ihre einfachen Gedanken 11^311^^6« i^e Freude nachzufühlen weiß, (ohne darüber etwa ! flml) ausdrücklich zu reflektieren), vermögen hier Sächelchen zu s schaffen, Re inan in ihrer Weise wirklich wohl als kleine Kunst- tverke von eigener Art bezeichnen darf. Beide Gruppen von Sachen waren in der Ausstellung auf i dem Hohcrodskopf, man darf wohl sagen: gut, vertreten. Tie । Topfwaren rührten ausschließlich von Lauterbacher Häfnern her. i Unb bauet ward gerade der Umstand, der leicht als „mißlich" hnt gerade dessen, IvaS gezeigt werdest sollte, beeinträchtigest mögen, — sondern sie mußten so, .wie sie das Lager gerade gab herausgenommen und zusammengestellt werden. Wirklich mißlich war es dabei allerdings, daß die Restbestände gerade in den in Frage kommenden Topfwaren nur noch ziemlich gering waren und darum nur eine unvollkommene Auswahl bieten konnten da auf dem Herchenhainer „Johannismarkt" kurz vor der Ausstellung so ziemlich ausverkauft worden war. Einer der nm Beschickung angegangenen Häfner war deshalb überhaupt nicht in der Lage, dem Ersuchen zu entsprechen. Ein anderer lehnte noch nachträglich ab, da ihm der noch vorhandene Bestand an einschlägigen Sachen zum Ausstellen, .im doppelten Sinn des Wortes: zu gering erschien. Tie ausgestellten Sachen rührten der Hauptsache nach von zwei Häfnern, den Brüdern Kvurad und Friedrich Schiebelhuth, her, .die ornamental gezierten Sacken, — bis auf Einige aus Privatbesitz beschaffte sehr hübsche Arbeiten von Konrad Bauer — ausschließlich von dem letzteren. — Sehr instruktiv und charakteristisch für die Lage des Gewerbes in unserer alle Eigenart nivellierenden Zeit war, nebenbei gesagt, ein Blick in den ziemlich reich bestellten Laden dieses Hässters. Ta fanden sich Imitationen antiker Bronzegefäße mit fast etwas allzu „echt" und allzu grün imitierter Patina, da waren 7,alt- deutfche" Basen und Krüge, deren Unechtheit auf weithin sichtbar war, — in Alsfeld fand ich die Sache ähnlich, wenn auch nicht gerade schon ganz so schlimm, — da waren ferner neben den bekannten „neuen Marburger" noch alle möglichen anderen auswärtigen Töpferwaren, — „je nun, es wird verlangt, man muß die suchen eben haben" — und — nur die Lauterbacher Ware fehlte sozusagen ganz, die — „geht" in Lauterbach selbst nicht „ab" und wird hauptsächlich für den Vogelsberg gearbeitet. Ta war's unter solchen Umständen noch einigermaßen tröstlich zu erfahren, .daß doch erst kurz vorher gerade eine Sendung dieser letzteren Ware nach auswärts abgegaugen war, wo halt ein Zunftgenosse gleichfalls „gerade die Lauterbacher Ware" —; „eben haben" muß, weil sie „verlangt wird". Ob aber unter solchen Umständen und Verhältnissen die einheimische Häfnerei in ihrer Eigenart noch lange fortbestehen und wirklich eine Art Volkskunst bleiben kann, oder ob nicht vielmehr ihre Echtheit darunter leiden muß und ob nicht darum ihre Tage gezählt sein werden, das kann wohl kaum iwch zweifelhaft erscheinen. — Einstweilen freilich lebt sie noch 'in dieser, ihrer Eigenart, und ist .noch lebensfähig. Sie bot auf dem Hoherodskopf ein schlichtes, aber hübsches, farbenbuntes und erfreuliches Bild. Gerade in ihren Topfwaren scheint mir die Lauterbacher Häfnerei, sowohl was Mannigfaltigkeit der Formen, als auch was die Farbenbuntheit und -Mannigfaltigkeit, die Schönheit der Glasuren und des ornamentalen Schmucks und Zierrats anlangt, hervorragend, und dem, .was mir in dieser Hinsicht beispielsweise von Alsfelder Arbeiten im Gedächtnis ist, überlegen zu sein. Von keramischen 'Formen läßt sich nun freilich, .ohne daß das Anschauungsmaterial zur Stelle oder doch wenigstens im Bilde vorhanden wäre, nicht viel sagen. Im allgemeinen kehrten die geläufigen und gebräuchlichen ganzbauchigen, ja nach dem Umfang .mehr oder weniger flach gewölbten, oben einfach mit einem Rand abschließenden neben den mehr gestreckten und von dem Bauch aus direkt in eine Art Hals übergehenden Formen am häufigsten wieder. «Besonders die von Konrad Schiebelhuth gelieferten einfarbigen, grün oder blau glasierten Töpfchen waren formschöne Vertreter des letzteren Thpus. Taneben fanden sich aber auch mehr nach Kanonenart gestaltete größere und kleinere Töpfe und Töpfchen mit weitem vom Bauche aus besonders absetzendem Hals und all die Mittelformen, die dazwischen liegen. (Fortsetzung folgt.). Rätsel. (Nachdruck verboten). Durch die lenzgeschmückten Auen Zieh' ich fel'ger Troubadour! Meine Herrin durst ich schauen, Schönste Blume aus der Flur! Und das tieiste meiner Lieder Trug ich auf der x ihr vor. Und x Vogelstimmen sangen Mir dazu den schönsten Ehor. Nie ist mir die Welt erschienen, So in x — in höher'nr Grad — Glanz getaucht, der Herrin Mienen Sagten, daß mein Glück nun naht. Taß sie stihlt, es sei mein Lieben x erhöht, wie mein Gesang. Auch dem Lenz wohl muß ich's danken, Daß mein Lied ihr Herz bezwang. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Abstrichrätsels in vor. Nr.: Turm, Harm, Buch, Heer, Leder, Fall, Mai, Serbien. Redaktion: August Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lange, Gießen.