H-'Nol I- G I <- S hJläjlti gGgÄeJiii KÄ'n4!' ’*?3 WMM W n Ä Aus Liköe. Roman von M. v. Eschstruty. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Zum erstenmal fühlte Ellinor, wie ihr Blut in Wallung geriet, überkam es die sonst so kühl rechnende Frau, ob nicht etwa eine Dummheit eine doch ganz annehmbare Unterbrechung für ihr ödes Leben bedeuten möchte. „Ich verstehe Dich nicht", gab sie schnell gefaßt zurück. „Außerdem, wenn ich mich gern mit einem Herrn unterhalte, bedarf es dafür Deiner Pferde nicht. Mein Rat galt einfach Deinem Interesse. Herr v. Urau ist der beste Reiter im Regiment." Das war richtig. Und da dem Rittmeister seine elegante, weltgewandte Frau sehr gleichgiltig war, der Erfolg des Kommandeurs aber viel mehr am Herzen lag, als etwa ihre Koketterien, so beschloß er, Herrn v. Urau zu bitten, das Pferd für ihn fertig zu ringen und zu reiten. Ellinor war von dem Tage an voll der liebenswürdigsten Aufmerksamkeiten gegen ihren Gatten, hielt die anmutigsten Biegungen ihres schlanken Nackens, ebenso auch den Taubenblick für ihn bereit Er sollte sobald als möglich gesund werden und darum jetzt doppelt sorgsam sein Ob es der Rittmeister bemerkte, ob er weiter darüber dachte? Zuweilen lächelte er, wie amüsiert, zuweilen blickte er skeptisch drein, summte auch mal unbewußt, wie einem instinktiven Gefühlt gehorchend, die bekannten Werse der Earmen: „L’amour boh^mien N’a ni droit ni Joi. Si je t’aime bien, Prend garde a toi“ Harro jedoch war rein selig, als er von dem ihm zugedachten Glück erfuhr. Er dachte gar nicht daran, daß er einmal mit seinem Water eine Auseinandersetzung hinsichtlich des Rennens gehabt hatte, oder daß derlei bei ihm vorüber sein könne. Er gelobte lieber seinem Rittnreister und dessen Bollblut Ehre zu machen. Täglich ritt er nun das Pferd in der hier bestimmten Weise. Zuweilen, an besonders milden Tagen, erschien der Rittmeister in den weiten Reitalleen, welche sich die Offiziere in dem Park nahe der Stadt für ihre äquilibristischen Zwecke hatten Herrichten lassen. Oefter noch stellte sich Harro in der Billa Ellinor ein, UM dem Rittmeister Bericht über feinen Liebling zu erstatten. Immer fand er die weltgewandte Frau als sorgsame Hüterin neben dem Gatten. Immer aber auch fand sie bald, daß sich dieser zwischendurch einmal ausruhen mußte und entführte ihm seinen Leutnant rnit einem girrenden „Wiedersehen" für ein halbes Stündchen nur, bis Hans Joachim wieder frisch geworden sei. Dieses halbe Stündchen dehnte sich meist aus. Es gab gewöhnlich etwas neues) interessantes &u sehen oder zu besprechen. Frau Ellinor. als praktische Amerikanerin, malte, brannte und ätzte nicht), wie die Mehrzahl unserer unbeschäftigten Damen. Derlei ließ sich ja viel besser kaufen und tue Zeit ließ sich viel vernünftiger anwenden, indem man die bemerkenswerten! Erscheinungen auf künstlerischem und literarischem Gebiet verfolgte. Was entschieden noch den Worteil hatte, bequemer zu sein. Und da Frau v. Greditz über die nötigen Mittel verfügte, so fanden sich bei ihr anstatt wie nur zu oft auch in den besseren Familien dilettanteuhafter Trödel) wirkliche Kunstschätze, Bücher und Broschüren, Blätter, Heliogravüren, Photographien nach Klinger, Stuck, Böcklin, Schneider, Meunier und anderen. Ob die weltgewandte Dame all diese Werke nach ihrer Tiefe, ihrem Inhalt und Gehalt zu schätzen verstand, bleibt eine Frage. Jedenfalls las sie aber d'arüber und verwertete das Gelesene sehr geschickt. Harro war erstaunt über so viel Geist und Kennt-' nisse bet einer Frau. Wie ein Schüler seinem Meister, folgte er ihren Erläuterungen hier. Nur zu gern unter ihrep Führung sah er sich die Dinge an, die er sonst kaum zu sehen bekommen hätte und die ihn so doppelt interessiertem. Nicht minder, wie aus diesem Gebiete, war Ellinor auch in der modernen Literatur bewandert, darin ja auch Harro) wie bekannt, ziemlich zu Hause war. Ob sich auch Ellinop selbst im Grunde sehr wenig über religiöse oder ssthischk Probleme den Kopf zerbrach, dank ihrem geschultenJntellekt, verstand sie Tolstoi und Zola, die Modernen und Hypermodernen aller Nationen zu nehmen. Und wenn dann die hohe, schlanke Frau, mit der raffiniertesten Eleganz gekleidet, inmitten der gelbseidenen Herrlichkeit ihres kapriziösen! Salons, umflutet von der goldenen Dämmerung der gold- durchwirkten Stores oder dem schmeichelnden Glanz des aus sartigen Blüten erstrahlenden elektrischen Lichtes dem jungen Offizier gegenübersaß, ein Buch besprach, während! ihre langen, brillantgeschmückten Finger mit seinen Blättern spielten, so war auch das für Harro ein nicht gekannter,, bestrickender Genuß. Jetzt erst, vertraulich zu Zweien, schien Ellinor aus sich herauszugehen. Abermals war Harro erstaunt, wie diese Frau die schwierigsten Dinge, Dinge, von denen man so wenig weiß, und die man doch kennen sollte, zu behandeln, angenehm und fesselnd gesellschaftsfähig zu machen verstand. Ein skeptisches Lächeln, ein kleines, perverses chi loo sa? ließ den bitteren Ernst des großen Russen) den man gelesen haben muß, um so viel amüsanter, um so. viel weniger bedrückend erscheinen. Mit einem anmutigen Zucken der Schultern ging sie bei Zola hinweg über das, wovon man nicht spricht. Doch verführerisch, wie sie die schlanke Gestalt dabei in den kleinen Sessel schmiegte, die schwarzen Augensterne unter den dunklen! Wimpern lockten, traf damit erst recht das Berlangen an einen heran, die Natur, über welche diese Frau in souveräner! Herrschaft zu thronen schien, kennen zu lernen. Leicht, in anregendem Plauderton, ging sie ein andermal über zu den Modernsten, den Mystikern, den Symbolisten und deck Erotikern aller Art. Und wenn sie so, mit einem schmach- 618 fett bett Tonfall ihrer Stimme, den Ausdruck einer süßen Empfindung begleitete, ein andermal mit souveränem Lächeln die subtilsten Probleme dieser modernsten unter den Modernen analysierte, oder auch, je nachdem, mit slantmendein Blick innehielt, für die Behauptung der Leidenschaft eintrat, wie selbst darunter stehend, dann war es schwer, zu unterscheiden, ob eben ihr Ausdruck den Gestalten, dem Empfinden der Dichter und Denker oder dent eigenen Erlebten, eigenen Empfindungen utld Wünschen galt. Wie bezaubert horchte Harro dem Geplauder der weltgewandten Frau. Ob er sich anfangs intensiv daran beteiligte, sich in solche Unterhaltung sozusagen gestürzt hatte, wie in einen langentbehrten Genuß — meist wurde er bald stiller tznd stiller, saß er da gefangen wie unter einem Bann. Leise, in wundervollem Staunen, konnte es sich dann über seine Lippen stehlen: „Frau Ellinor, Fran Ellinor!" Und Frau Ellinor weidete sich an diesem Augenblick. Es konnte geschehen, daß sie ihm mit der schlanken, kühlen Hand über das Haar strich und lächelnd meinte: „Sie kennen eben tioch keine Frau, mein lieber Herr vott Urau!" Ob sie ihn g'efangen hatte ttitb gefangen hielt? Trotz feinem süßen, jungen Weib, das er über alles liebte, fand er keine Widerrede hier, sondern küßte die kühle Hand einmal und noch einmal. Ellinor ließ es geschehen, und erklärte dann mit schwer verständlicher Ruhe: „Aber, wollen wir nicht hinübergehen. Ich denke, mein Patient wartet auf uns." Sie hatte genug an diesem Erfolg. Große Leidenschaften sind unbequem, sie stören die Schönheit, den Lebensgenuß. Ellinor hatte doch noch keine Lust, sich ihr Leben mit einer Dummheit zu verderben. Und heiter, mit dem unbefangensten Ton, trat sie mit seinem Leutnant bei dem Gatten ein. Und wenn sich Harro im Anfang gerade hiervon peinlich berührt gefühlt hatte, auch diese weltgewandte Perversität übte nachgerade erst recht ihren eingentümlichetl Reiz. „Ich habe Herrn von Urau einen neuen Klinger gezeigt", erklärte Ellinor auch eben, da sie von ihm begleitet, sich! wieder in des Rittmeisters Zimmer einfand. Niemand hörre ihrer Stimme an, daß fie vor wenig Sekunden in Leidenschaft zitternd ent paar Verse rezitiert. „Und er hat mir eine kostbare Geschichte erzählt. Also, bei Bachseldens ist wieder mal musikalischer Abend gewesen, mit den bekannten Schatten Pott Brötchen. ■ Die Herren haben die Musik oder die Brötchen — wie war es, Herr von Urau?" — Ellinor lachte dazwischen — „also die Brötchen im Stich gelassen für ein Bees im Palais Royal. Thea Unger ist mitten in ihrer Arie stecken geblieben vor Schreck über die leere Stätte. Dörrenbach hat die Geschichte herausgerissen, indem er etwas von einem Alarntbefehl gefaselt hat, der in der Luft schwebte, und daß man Hörner zu hören vermeint habe — ein blinder Feuerlärm. Famos. Dieser Dörrenbach ist knrklich ein Ritter sans peur et saus reproche. Schade —" Die gewandte Frau hielt ein — es mochte ihr betrüblich zum Bewußtsein kommen, daß Dörrenbach gerade als solcher fast immer ihr Gegner war. Bald jedoch lachte sie wieder und meinte munter: „Weißt Du, Joa, — wir wollen auch mal wieder bitten. Ausgehen darfst Du noch nicht; aber .eine Zerstreuung tut Dir gut." Und nun ganz liebenswürdige Gattitt: „Zuletzt ödest Du Dich mit mir an, immer nur allein mit mir." 10. Kapitel. Kon nun an gab es reizende Wende bei Greditzens, kleine Mittagessen, dem Rekonvaleszenten zuliebe schon um fünf — acht bis zehn Personen, nur zsvei Gänge, aber ausgesucht, seltene Weine, verschwenderischen Blumenschmuck und märchenhafte Beleuchttmg. Nach Tisch wurde musiziert oder etwas anderes vorgetragen. Ellinor wußte dergleichen zu arrangieren. Sie hatte selbst eine nicht sehr umfangreiche, doch volle Altstimme und seinerzeit viel Zeit und viel Geld auf deren Schulung verwendet. Sie wußte auch hier ihr Köitnen zur Geltung zu bringen. Indem so künstlerisch wirklich nur Gutes geboten ward, alles im Hause Greditz stimmte, so war es kein Wunder, daß die Gäste in ausgezeich- ttete Stimmung kamen und man sich in Kaltenburg um diese Abende drängte. Uraus waren natürlich stets dabei. Die kleine Frau ließ sich nicht umgehen. Ellinor wünschte es auch durchaus nicht länger, im Gegenteil; sie hatte sich überzeugt, daß hier namentlich Jutta nur eine dankbare Folie mehr für sie bedeuten würde. „Sie müssen stets mitkommen, meine liebe Frau von Urau." Ellinor hatte Jutta persönlich von der beschlossenen Regelmäßigkeit dieser Abende in Kenntnis gesetzt. „Mein Mann will feine Leutnants um sich haben, und mich" — diesmal hielt es Frau von Greditz für angemessen, den Taubenblick auch gegenüber! dem eigenen Geschlechte zu verwenden — „und mich verlangt nach unseren Damen." Und Jutta, viel zu glücklich, dabei zu sein in dem gesuchtesten Hans ihres Regiments nicht nur, sondertt der ganzen Gesellschaft von Kaltenburg, vergaß die immer unwillkürlich wieder aufglimmende Eifersucht, ihren instinktiven Groll auf die Petroleumtante und stellte sich mit dem Gatten ein, in Toiletten, die, wenn sie auch den Toiletten Ellinors nicht gleich kamen, doch immerhin dem Leutnant hätten zu denken geben können. Alber Harro dachte picht darüber nach; ja, ersah sie kaum. Er dachte überhaupt nicht — er merkte auch auf nichts. Es war etwas über ihn gekommen, er lebte wie unter einem Bann. Jeden Morgen ritt er den „Kommandeure Er liebte das Tier. Er war unermüdlich im Reiten. Es war ihm ntanchmal, als ritte er um sein Glück oder auch um sein Schicksal. Dann nahm ihn der Dienst in Anspruch. Außerdem war es sehr ungemütlich zu Haus. Wollte er einmal etwas arbeiten oder lesen, so war nichts in der notwendigsten Ordnung. Dazu kamett ewige Fatalitäten und Nörgeleien. Jutta schenkte ihm nichts, kein Glas, das der Busche zerbrrochen, keinen Zank mit Sophie, die doch die Herrschaft wieder an sich gerissen hatte, keinen Aerger über die Schneiderin, keine Klage, wenn sie nicht bei Kasse war. Darum ging Harro immer lieber abends aus; blieb er aber einmal zu Haus, .flüchteten seine Gedanken gar bald aus dieser „Misere" fort. Mehr und mehr wanderten sie dann zu Ellinor hin, einem Wiedersehen mit ihr entgegen. Er ward neugierig, tvelch ein Kleid sie tragen, welche Blumen sie wählen, was sie reden, was sie singen, wie sie sich zu ihm stellen würde. Denn ganz plötzlich, mit einem Male, war eine gewisse Vorsicht über sie beide gekommen. Ja, Otternberg erschien sogar mehr als je von Ellinor bevorzugt zu werden. „Man kann unseren liebenswürdigen Leutnant gar nicht entbehren", erklärte Frau von Greditz jedem, der es hören wollte, „niemand versteht so gut, eine Wrriiu zu unterstützen, weiß, wo ein Stuhl hingesetzt werden muß, wie man eine Pause füllt und die Leute durcheinander bringt." Jmtner heller strahlte die Sonne von Ellinors Gunst über diesem Leutnant thres Gatten. Es ward sein Privilegium, die Notenblätter zu wenden, toentt seine Rittmeisterin fang, wobei er Volt Entzücken gar nicht aus die Idee kam, ab auch das nicht etwa doch nur eine zweifelhafte Gunst sei, da er doch von Ellinor während dieser Beschäftigung nichts zu sehen bekam. Ms vielleicht, sintemalen Frau von Greditz sich hier eine berühmte Landsmännin, die schöne Lilian, als Vorbild genommen zu haben schien, das Interessanteste an ihren musikalischen Leistungen war. Otternberg war schon überglücklich, wenn sie ihm nach geleistetem Dienst mit einem girrenden „Dank" die Hand zum respektvollen Kusse reichte, worüber Harro wieder allmählich schon in Verzweiflung geraten wollte. Mit einem Blick, der mir ihm galt, ob er scheinbar ganz unbestimmt in die Weite ging, wußte aber bann die gewandte Frau seine Empörung zu beschwichtigen, ja ihn noch mehr zu entzücken. Denn gerade damit gewann auch der Reiz des Heimlichen, des Verbotenen immer mehr Macht über den jungen Offizier. Er wartete jetzt auf das Knistern ihrer seidenen Gewänder, das er unter allen anderen heraushörte, sobald Ellinor in seine Nähe kam. Er wartete, ja, er sehnte sich nach dem Moment, wo sie, scheinbar ganz achtlos, die Hand auf seinen Arm legte, put ihren Fingern die seinen streifte oder ein Wort zu ihm sprach, das jeder hören konnte und das doch dem Einverstandenen noch etwas Besonderes zu sagen schien. Sein Atem ging schneller, wenn sie ihn ansah mit dem Taubenblick, darin es langsam zu glühen begann, während sie den Kopf leicht schüttelte, als wolle sie sagen: Hübsch vernünftig, mein Freund, wir dürfen keine Torheiten! machen! Sein Wem setzte aus, wenn sie sich mal zu Zweien gegenüberstanden unter einer Palme im Wintergarten und ihn Frau Ellinor anlächelte, wie Frau Eva gelächelt haben mag, da sie Adam den Apfel bot. Nur daß man siH in der Gesellschaft befand, statt in den einsamen Auen des Paradiesgartens, und diese Eva eine gewandte Dame war, der es immer zur rechten Zeit einfiel, daß man sie vermissen würde und daß es für fie an der Reihe war, zu singen. Und wenn dann Ellinor sang —--Meist lehnte Harro in einem der englischen Sessel, etwas müde vom 619 Menst, der Mr Zeit recht anstrengend war, to-ie dem Reiten des „Kommandeurs", und darum noch leichter erregt. Er blickte in das Licht, in den Raum mit seinen rotgetönten Wänden, seinem stillen Grün von zerstreut umhergesetzten Palmen, darunter die Marmorbilder einiger musikalischer Größen, wie in ein Märchen — in einem Traum--, Er blickte hinüber gtt der überschlanken Gestalt neben dem Flügel. (Fortsetzung folgt.) Aie Kunst des Menus. Lucullus', der grok-e Schwelger, hatte mehrere Speisesäle, deren Namen er nur dem Haushofmeister zu nennen brauchte, damit dieser wisse, wie sein Herr am selben Tage zu speisen wünsche. Pompcjus und Cicero überraschten diesen Lucullus einst, er aber sagte nur: „Man deae im Apollosaale!" und es> kam eine Tafel, die 40 000 Mart kostete und die Cicero später mit einem Schlachtfelde verglich. So leicht kann es sich heute wohl selbst der geldmächtigste Amerikaner nicht machen, und der verfeinerte Geschmack nötigt jeden Gastgeber, sich eingehender, als es durch einen bloßen Machtspruch möglich ist, unt das Menu zu kümmern. Nun ist natürlich nicht nur der ein Gastgeber, der zu einem Parademahl mit kostbaren Leckerbissen und wohlgeschulter Dienerschaft einlädt, sondern jeder ist als Gastgeber anzusprechen, sobald an seinem Tische Personen sitzen, die nicht dauernd seiner häuslichen Gemeinschaft angehören. Je nach der Veranlagung dieser Tischgäste will aber die Kunst des Menus verschieden angewandt sein. Auf den Kleinbürger wird wahrscheinlich ein ihm im Bekanntenkreise im Januar gebotener frischer Gurkensalat nicht den erwarteten Eindruck machen, da er zu sehr aus dem Rahmen des hier als begehrenswert zu bezeichnenden herausfällt. In diesem Falle wird vielmehr eine gut zubereitete Fleischspeise viel Lesser wirken, und wenn man nur diese eine Speise aufträgt, so sind die Bedingungen des Gelingens leicht zu erfüllen: gute Zubereitung, genügende Menge und sauberes Anrichten sind alles', was verlangt wird, wobei wir als selbstverständlich voraussetzen, daß jede Hausfrau warmes Essen auch wirklich warm zu Tische „ bringt. Aber die eine Speise genügt — abgesehen von den Fällen, wo liebe Gäste auch bei Wurst, Käse und Weißbier vergnügt zu sein verstehen — heutzutage nur in den seltensten Fällen. Zwei Gänge sind das Minimunl. Glücklich die Hausfrau, die sich mit einer Fleischmayonnaise einführen darf; denn im Durchschnitt ist unser Frikassee, biefe altbewährte, mitunter prachtvoll zusammengesetzte, manchmal freilich auH nur wenig Huhn und Champignons und desto mehr Klößchen aufweiseude Berliner Spezialschüsfel das einfachste allenfalls erlaubte Eröffnungsgericht. Was darauf folgt, verlangt schon die Kunst des Nachdenkens. Wollten wir hinter einem Frikassee mit gebratenen jungen Hühnern aufwarteu, so wäre dies ein unverzeihlicher Fehler; denn zwei weiße Speisen und wohl gar zweimal weißes Geflügel hintereinander zu geben, fordert unweigerlich die Kritik eines jeden heraus, der es glaubt besser machen zu können. Auf weißes Fleisch muß eben, dem alten Kochkunst- gesetz zufolge, ein braunes Gericht folgen. Deshalb ist hier eine saftige Hammelkeule oder ein weicher Ninderschimorbraten am Platz. Auch bietet diese Zusammenstellung die Gewähr, daß sich jeder wohlgesättigt vom Tische erheben kann. Satt werden muß der Gast, und ein Essen, das diesen Zweck nicht erfüllt, ist trotz bester Beschaffenheit künstlerisch mangelhaft. Wer wehe dem Menu, das au unsere Leistungsfähigkeit zu große Aufgaben stellt, das unsere Verdauungso-maue übermüdet und uns schwächt, statt uns jenes Gefühl der Behaglichkeit zu geben, das der Genuß einer guten Zigarre erst vollkommen macht. Es bringt den Gastgeber um allen gastronomischen Ruhm und verdirbt ihm obendrein die gute Laune seiner Gäste. Tie bequemste Art, ein vollkommenes' Menu zu schaffen, ist zweifellos, bei einem berühmten Stadtkoch oder Hotelier vorzufahren und ohne langes Hm und Her und vor allem ohne Feilschen das zu nehmen, was von dieser Seite vorgeschlagen wird. Man erhält so am leichtesten etwas Zeitgemäßes und den kulinarischen Regeln Entsprechendes, und das Gebotene wird darum nicht teurer, weil man es nicht selbst zusammenstellte. Wer welche Hausfrau möwte sich damit zufriedengeben! Tas würde ja aussehen, als ob ihr das Wohl ihrer Gäste nicht am Herzen läge und — was noch 'schlimmer ist — als ob sie sich ihrem Lieferanten auf Gnade oder Ungnade ergäbe! Tieser Weg ist also für die meisten ungangbar. Gegen den Stadtkoch selbst ist ja nicht viel einzuwenden. Im Gegenteil, die Be- anemlichkeit, die er bietet, ist nicht zu unterschätzen. Man bc- sprickst sich mit ihm nur einmal, daun widmet man vielleicht fünf Minuten vor dem Kommen der Gäste seinem Vertreter noch einen Augenblick, und setzt sich nun in vollkommener Ruhe und Sicherheit zu Tisch , Wer dieses eine Gespräch mit dem Stadtkoch — so glaubt jede Hausfrau — das müsse recht gründlich fein. Natürlich kommt sie zu ihm mit einem wohldurchdachten, im häuslichen Kreise mehrfach erörterten Plane. Sie rechnet auf eine etwas volle Suppe, die ein wenig sättigt, denkt als Fisch Lachs zu geben, wünscht einen garnierten Hammelrücken als Fleischschüssel und Rehkeule als Broten. Wenn sic geht, hot sie Lckeinbutte, Schinken und Fasanen bestellt und ist um die Belehrung reicher, daß Lacks zu gewissen Zeiten sich wenig empfiehlt, daß man Hammel und Reh nicht gleichzeitig geben dürfe, und daß man bei besseren Toners überhaupt anstelle der Rehkeule lieber den Rücken nehmen müsse, was natürlich die Zusammensetzung (Hammelrücken und Rehrtickew vollends unmöglich mache. Auch den „Käse in ganzen Stücken" hat sie trotz des ausdrücklichen Wunsches des Hausherrn nicht bestellt; denn wenn man überzeugt wird, daß in allen besseren Familien nur „warme Küse- spersen" aufgetragen werden, so kann man im eigenen Hause doch keine Ausnahme machen. Man sieht, es gibt Kochkunst-Moderegeln, die geradezu grausam sind, was man freilich von jeder anderen Mode mit gutem Recht auch behaupten kann. Einzelne Herrenaturen haben sich in letzter Zeit von diesen Regeln rücksichtslos freigemacht und lassen ganz nach freiem Ermessen austragen, was sie für gut befinden. Wer ihr Beispiel erregt wenig Nachahmung, und für die große Menge gilt nach wie vor die alte Schule: Suppe, Fisch, Fleisch, Mittelschüssel, Braten, Gemüse, Süßspeise und Nachtisch Wer eS einfacher liebt, läßt Gemüse und Mittelgang weg und gibt i>aiut den Fisch zwischen Fleisch 'und Braten. Ties ist das Fundament der Menukunst. Alles andere muß sich ihm harmonisch angliedern. Wir können das Menu bedeutend verlängern, indem wir zwei Mittelfchüsseln (eine warme und eine kalte ) sowie zwei Süßspeisen hintereinander, ebenfalls eine tvarme und eine talte, reichen. Wir können nach der Suppe ein oder auch zwei Vorgerichte cinschieben, wir können sogar nach dem Gemüse, das ja eigentlich die Hauptmahlzeit abschließt, nochmals ein schweres Gericht von Gänseleber oder Hummer auftragen, wie dies in neuerer Zeit öfters geschieht; wir können zwei Suppen und zwei Gemüse wie auch doppelte Fleischgänge und Braten reichen — aber immer müssen wir darauf bedacht sein, alles zueinander passend zu gestalten uud Wiederholungen zu vermeiden. Wenn man die Preislisten unserer Delikatessenhandlungen studiert und ihre Schaufenster mustert, so erscheint es kinderleicht, einen langen Speisezettel ohne Wiederholungen aufzustellen. Wenn man aber an die praktische Lösung dieser Aufgabe herantritt, so stolpert man bald hier und bald da. Tie Habituös der großen Miutergesellschasten bekommen mitunter ein Menu vorgesetzt, in dessen Suppe Trüfselstiste herumschwimmen und das mit einem Trüffeleis abfchlietzt. Daß auch der Fischgang ein Ragout mit Trüffeln enthält und daß die warme Hauptfchüssel mit einer ge- ttüftelten „Sauce psrigucux" gereicht wird, merkt der unglückliche Gastgeber meist erst daun, wenn es zu jeder Aeuderuug zu spät ist. Tie gleiche Erfahrung macht man mit dem zweitbeliebtesten Edelpilz, dem Champignon. Nun gibt es zwar besonders unter den Besitzern umfangreicher „Safes" gar manchen, der nach feinem Wahlspruch: „Wir haben's ja!" besonders die Häufung von Trüffeln sehr gern sieht, aber trotzdem bleiben solche Wiederholungen unfein und — wenn es sich um teuere Delikatessen handelt — auch protzig, und so ist es denn kein Wunder, daß sich der bissige Witz solcher Erscheinungen bemächtigt hat. Er spricht den mit den Trüffeln prahlenden Wirt als den Besitzer eines Kohlenbergwerks an und nennt ein Tiner, bei dem Geflügel als Fleischgang und auch als Braten serviert wird, ein „fliegendes". Ten Wildbraten aber, den man mit Schnepfen garniert hat, nennt er gar „sechsfüßig". Damit seien für heute unsere Betrachtungen geschlossen; nur einen Tenkfpruch möchten wir noch allen Gastgebern für die kommende Saison mit auf den Weg geben, damit er sie durch den genußreichen Winter leite: „Je vollkommener die Werke der Kochkunst, desto wenigem bleibt von ihnen." DermtjdJk». * Des Kaisers Eierbierrezept. In London ist vor kurzum ein Werk erschienen, das das Leben Kaiser Franz Josefs und Kaiser Wilhelms zum Gegenstände hat. Sein Verfasser ist ein Amerikaner, der augenscheinlich längere Zeit in Berlin gelebt und auch Zutritt in Hofkreisen gehabt hat. Unter anderm erzählt er auch von des Kaisers Jagdpartien und gibt dabei das Rezept für ein Eierbier wieder, das der Kaiser angeblich sehr bevorzugt und häufig am Wend nach der Jagd zu trinken pflegt. Tie Mischung ist die folgende: „Weißbier, Zucker, Zitronenschale, Ingwer, Gewürz, 12 Eigelb, Rheinwein, Madeira und alter Santa-Cruz-Rum. Tics wird tüchtig gequirlt und bann auf dem Feuer langsam erhitzt, worauf einige Stücke Butter zugesetzt tverden." Ter Verfasser behauptet, daß manche hochgestellten Persönlichkeiten, wenn sie zur kaiserlichen Jagd eiugeladen wurden, Krankheit vorschützen und die Einladung ablehnen, nur um diesem Getränke, das für sie ein bischen zu stark ist, zu entgehen. * Ein Besuch bei Präsident Roosevelt. Einen fesselnden Beitrag zu dem Charakterbilde des Präsidenten Roosevelt, der angesichts des großen Wahlkampfes in den Vereinigten Staaten ein besonderes Interesse erhält, gibt der englische Rev. R. I. Campbell in der von ihm geleiteten Zeitschrift „Poung Man". Campbell war int letzten Sommer vom Präsidenten Roosevelt auf seinen Sommersitz Oyster Bay eingeladen und fuhr nun mit einem Oxforder Freunde Tr. Carter dorthin. „Wir hatten 620 eine Fahrt von mehreren Meilen zurückzulegen", erzählte er; „in dieser Zeit zerrte der Wind unaufhörlich am Lederdach des Wagens und es goß in Strömen. Wer als wir nach Oyster Bay kamen, hielt sich der Präsident im Freien ans und füllte gerade Bäume! Alles, was wir sahen, war die Einfachheit selbst, fast ungemütlich. T«S Haus war vom gewöhnlichen^Typus einer amerikanischen Villa auf dem Lande oder an der See; viel Holz und Ziegel. Nur daß zwei Polizeibeamte in Mänteln und be- waffnet an der langen Allee standen, die wir herausfuhren, zeigte an, daß hier kein gewöhnlicher Burger wohnte. Wir mußten anhalten und uns ausiveiscn, ehe wir weiterfahren durften. Tie Tür wurde nicht von einem Diener geöffnet, sondern von einem Dienstmädchen. Sie führte uns durch eine Halle, an deren Wänden Jagdtrophaen hingen, in ein in derselben Art geschmücktes Gemach. Alsbald sahen ivir auch den Präsidenten ohne Begleitung über das Waldland kommen, mit einer Axt über der Schulter. Ohne seine vom Regen triefenden Kleider zu wechseln, hieß, er uns herzlich willkommen. Als sich der starkknochige Mann, dessen Wesen natürliche Energie und Heiterkeit ausstrahlt, in einen Schaukelstnhl warf und lachte, — ein breites Lachen, das den amerikanischen Karikaturisten nur zu bekannt ist — hätte er geradezu etwas Knabenhaftes an sich. Er stand sofort auf gutem Fuße mit uns, und eine Flut von Fragen und Bemerkungen ergoß sich über uns. Wir sprechen über Lord Kelvin, Nansen, den ,,Palastine Exploration Fund", über esoterischen Buddhismus, britische Steuerreform, Teutstb-Westafrika. über die „Times" und über Brieftauben. Am meisten überraschte mich seine Offcmheit über Themen, die meiner Meinung nach von einem Staatsmann sehr vorsichtig hätten behandelt werden müssen; die Art,^wie er , davon sprach, zeigte deutlich, daß in Amerika die „neue Schule" in der Diplomatie herrscht." Von dem Inhalt dieser Gespräche verdient vor allem nach für uns Beachtung, was über das Verhältnis von Amerika und England gesagt wurde. Roosevelt hatte von Chamberlain gesprochen und fügte hinzu: „Ihre Staats- inünner behandeln uns seht wegen der Älaska-Grenzfrage nicht sehr gut; aber^ich bin entschlossen, nicht einen Zoll breit von unserer jetzigen Stellung abzugehen, was auch daraus entspringen möge. Tie Kanadier würden niemals auch nur im Traume daran denken, einen Anspruch zu erheben, wenn sie sich nicht auf die Macht des britischen Imperiums verließen. Beide Seiten wissen dies sehr gut." In dieser Weise fuhr Roosevelt noch einige Minuten fort und sagte dann achselzuckend: „Aber es wird schon alles gut werden." Campbell bemerkte nur: „Man kann die Möglichkeit eines Streites zwischen Großbritannien und Amerika doch nicht ernsthaft diskutieren, die Bande sind zu eng, und das gute Einvernehmen ist zu vollständig." „Ganz recht", entgegnete Roosevelt, „aber ich glaube doch. Sie haben hier auch Leute getroffen, die England als den Erbfeind ansehen." „Ich hatte solche Leute getroffen", meinte Campbell dazu, „und bin überzeugt, daß zwar in jedem Jahr sich freundschaftlichere Gefühle gegen uns in den Vereinigten Staaten entwickeln, daß aber die Amerikaner im allgemeinen nicht so freundschaftlich gegen uns gesinnt sind, wie wir gegen sie." Roosevelts nächste Bemerkung bestätigte dann auch diese Ansicht. Ich sagte ihm, daß die britische Haltung nährend des spanisch-amerikanischen Krieges nicht bloß offiziell so war, sondern die Meinung des ganzen Volkes darstellte. „Hätten die europäischen Mächte auf der einen Seite interveniert", sagte ich, „so würde die britische Wahlerschast die Regierung gezwungen haben, ans der anderen Seite zu intervenieren." „Meinen Sie?" saget Roosevelt langsam. „Das habe ich immer etwas bezweifelt." Wenn aber der Präsident der Vereinigten Staaten in einer solchen Krisis das britische Wohlwollen bezweifelte, was soll man dann von den Amerikanern im allgemeinen erwarten?" * Verfehlte Wirkung. Eine allerliebste Geschichte erzählen die „L. N. N.". Sitte junge Witwe klagte ihrer unverheirateten Freundin, daß ihr dreijähriges Töchterchen jeden Morgen um 5 Uhr erwache und zu ihr ins Bett klettere, damit sie ihm bis es Zeit zum Anfstehen sei, Geschichten erzähle. ,Lmmer wieder dieselben", erzählte die junge Frau. „Und nun kann ich in letzter Zeit so schwer einschlasen und finde oft erst gegen Morgen Ruhe; aber Annchen ist ganz unglücklich, wenn es in seinem Bett allein bleiben soll, und ich mag das kleine Schmeichelkätzchen nicht zurückstoßen". — „Erzähle ihr doch Deine eigene Geschichte", riet die Freundin; mache es recht rührend. Tas Kind wird e insehen, wie nötig Dir die Ruhe ist, und wird sich ans Liebe ganz still verhalten. So erziehst Tn es nebenbei zur Selbstlosigkeit". Ter Mutter leuchtete das ein. Am nächsten Morgen schon wurde der Versuch gemacht. Klein-Annchen lauschte a-usineEam. Tie arme Frau, die nicht schlafen konnte, und jeden Morgen in ihrer Ruhe gestört wurde, erregte offenbar ihr tiefstes Mitleid. Immer erster ivurde das Kindergesichtchen, immer größer die Hellen Augen, die zuletzt zu schimmern begannen. Als aber die Mutter dann von einem artigen ließen Kinde erzählte, das aus liebender Rücksicht auf sein Morgenvergnügen verzichtete, holte Klein-Annchen tief Atem und stieß einen Seufzer unendlicher Befriedigung aus, wie immer, wenn eine Geschichte schön geendet hatte. Und dann schlang es seine Aermchen um den Hals der Mutter: „Ach, Mammi, erzähl' die Geschichte doch noch einmal!" Regeln sirr'Vermietet wie Mieter. 1. Man sei stets nachgiebig und nachsichtig. 2. Man begrüße sich stets' freundlich und zuvorkommend. 3. Man lasse sich nie vom Dienstmädchen über die Verhältnisse der Mitbewohner erzählen. 4. Man halte nicht dieselbe Waschfrau, Näherin, Flickerin rc. 5. Man miete nie ein Mädchen, das schon bei einer Herrschaft im Hause gedient hat. 6. Man borge sich nie etwas aus; mußte es aßer geschehen, so gebe man das Geliehene so rasch wie möglich wieder zurück. 7. Hat man auf der Treppe etwas verstreut oder hingegossen, lasse man es sofort wegfegen. 8. Man nehme ftets’ Rücksicht auf die nebenan und in höheren und unteren Etagen Wohnenden und vermeide überflüssiges^ Lärmen. 9. Hört man einen Wortwechsel, so schließe man sofort die Fenster und entferne sich, um nichts zu hören und nichts zu verstehen. 10. Man bilde sich nie ein, daß die eigenen Kinder artiger sind, als die der Mitbewohner. Kesukdßeitspflege. — Die Pflege desOhres, .die immer noch von vielen, selbst gebildeten Menschen über Gebühr vernachlässigt wird, widmet die Wiener Halbmonatsschrift „Unser Kind" die folgenden Ausführungen: Auf die Pflege des Ohres muß fchon beim Säugling Wert gelegt werden. .Jede Erkältung ist sorgfältig fernzuhalten; beim Bade darf man nie Wasser in die Ohren und in die Nase kommen lassen. Durch einen Schnupfen kann sehr leicht die Ohrtrompete, ein Verbindungskanal zwischen dem Ohrinnern und dem Rachen, entzündet und der Zutritt der Lust zum Innern des Ohres unmöglich gemacht werden; infolgedessen kann leicht Taubheit eintreten. Man darf deshalb Säuglinge niemals von Personen küssen lassen, die an Schnupfen leiden; es ist überhaupt auch sonst empfehlenswert, . die üßle Angewohnheit vieler Menschen, ein junges Kind, das sie sehen, gleich zu küssen, aufs eindringlichste zu verbieten, denn durch 'den Kuß können leicht Krankheiten Übertragen werden. Wenn das Kind, gebadet wird, so muß man sorgfältig die Ohren abtrocknen, weil sonst Haut- ausschläge entstehen können. Tas beste Mittel, um sie gegen Ohrenkrankheiten zu schützen, ist eine allgemeine Abhärtung des ganzen Körpers, .und man erreicht einen solchen Schutz nicht etwa, wie es häufig in allzu großer und falsch angebrachter Fürsorge geschieht, durch Hineinstopfen von Watte in die Ohren. Im Gegenteil, dadurch werden dieselben höchstens noch empfindlicher gegen Witternngseinsiüsse werden. Tie Reinigung des Ohres darf nur mit einem weichen Handtuch geschehen, Ohrlöffel und Haarnadel sind dagegen höchst gefährliche Instrumente, die leicht Verletzungen des Trommelfells herbeiführen können. Tas Lochstechen zur Anbringung von Ohrringen ist eine sehr unvernünftige Unsitte, die eigentlich in nnserm modernen Zeitalter nicht mehr so verbreitet sein sollte. Auch der alte Aberglaube, daß das Tragen von Ohrringen vor Krankheiten bewahre, ist heute noch allzuviel verbreitet. Eine große Gefahr für die Gesundheit der Ohren bilden die so oft als Züchtigungsmittel benutzten Ohrfeigen. Es ist nicht selten vorgekommen, daß dadurch das Trommelfell gesprengt wurde, daß eine Erschütterung des Labyrinths und dauernde Taubheit die Folge marem Auch das Hineinschreien in die Ohren kann leicht ein Platzen des Trommelfells herbeiführen; überhaupt schädigen starke Schalleindrücke das Gehör, besonders wenn sie ganz unerwartet eintreten. Gelangt einmal ein Fremdkörper in den Gehörgang, so ist es' am besten, sich gleich an einen Arzt zu wenden und nicht von unberufener Hand Extraktionsversuche machen zu lassen. Gleichklang. Nachdruck verboten. Es badet an einem dunklen Ort, Dann läuft es eilig im Zickzack fort. Tut eher sich nicht verschnaufen, Bis es sich trocken gelaufen. Wenn man es drückt, zeigt's seine Kraft Läßt man es frei, ist es erschlafft. Von vielen wird's getragen, Ein Lüftchen kanns verjagen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Tauschrätsels in vor. Nr.. Bahn, Eier, Ulan, Taste, Welle, Heim, Wind, Birne, Fremde^ Born, Kerl, Fang, Stelle, Wei«, Seide, Birke, Rabe. Heute mir, morgen dir. o ............................. ..—----------—----------------------- 1 Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlaa der Brübl'ichen Universttäts-Buck- und Steindruckerei. R.Lange. Gießen.