Mittwoch de« 17. Zugust. 1904. MHnww Ä“h i CT» W iMWpl PMj Gin angenehmes Erbe. Humoristischer Roman. Von Victor von ReiSner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Frau von Höchstfeld stand ganz niedergeschmettert da. Daß sie sich ruhig bestehlen lassen sollte, war wieder einmal so etwas, was sie absolut nicht begreifen tonnte, und nur um aus ein anderes Thema zu kommen, erkundigte sie sich, warum sie denn die gleichgesinnten Brüder nicht mitgebracht hätte? „Ja, wissen S', die Jungen krieg ich jetzt kaum noch selbst mehr zu sehen", entgegnete die Gräfin, „seit ihnen ihr Vater ein' photographischen Apparat g'schenkt hat, klappern st die ganze Umgegend nach dankbaren Süjets ab. Heute sind s' ans Ufer hinunter, um sogar 's Wasser zu photographieren." „Das müßte Erna wissen", meinte Erich, „sie würbe ihnen gewiß reichlich Beschäftigung geben." „Wo ist sie denn?" erkundigte sich Ljubiza. „Drinnen", erklärte Frau von Höchstseld, „sie übt am Klavier." Die anderen schauten sich verständnisinnig an, entgegneten aber keine Silbe. Als man auf dem Rückweg an der Wirtschastskanzlet vornberkam, fragte Erich Ljubiza, ob sie schon eine Schreibmaschine gesehen habe und ob sie diese interessieren würde? Die Mama streifte ihn mit verweisendem Blick. „Erft hättest Du doch die Frau Gräfin dazu auffordern müssen", tadelte sie. „I, was denn nit noch; i hab dafür nit das g'ringste Verständnis", meinte diese lachend, „aber die Kleine, das ist ganz etwas anderes, die kann sich die G'schicht immerhin anschaun." „Also darf ich gehend, fragte Ljubiza. „Aber natürlich, mein Kind, warum denn nicht?" entgegnete ihr die Mutter, „Du wirst Dich doch hoffentlich vor Herrn von Höchstfeld nicht fürchten", und als sie Frau von Höchstfelds eigentümlichen Seitenblick bemerkte, fragte sie diese scherzend, „oder glauben Sie vielleicht, daß man Ihrem Sohn ein junges Mädchen nit anvertrauen darf?" „Das will ich nicht gesagt haben", verwahrte sich diese im Weitergehen, „aber Jugend ist Jugend, und ein altes Sprichwort behauptet nun einmal, Jugend hat keine Tugend." „Na, dann hab i von Ihrem Jungen eine bessere Meinung", erklärte die Gräfin zuversichtlich, „und wenn das auch nit der Fall wär, so weiß i, daß ich mich auf meine Kleine verlassen kann. Was die yit will, da tut f nit, und was st will, daran kann i sie ja doch nit hindern. Darüber mach t mir keine Flausen vor," Erich war mittlerweile mit Ljubiza in die Kanzlei getreten und hatte mit seinen Erklärungen begonnen. „Also sehen Sie, Komtesse", sagte er, „dies ist die berühmte Schreibmaschine. Sie ist nach einer ursprünglichen Idee des Dänen Malling Hansen konstruiert, der sie 1725 erfand. Man hatte aber lange darauf vergessen, bis — Warum sehen Sie mich denn so starr an?" unterbrach er sich verwundert. „Weil ich gar nicht begreife, woher Sie zu diesen außerordentlichen Kenntnissen kommen, gestand sie freimütig, „bet uns wenigstens wird schwerlich ein Leutnant etwas von derartigen Dingen wissen." „Bei uns auch nicht", meinte er lächelnd. „Sie haben mir aber doch eben das Gegenteil bewiesen." „Ich sehe schon, ich muß aufrichtig sein", raffte er sich zu einem Geständnis auf. „Mir kam nämlich gestern zufälligerweise der Band S des Konversationslexikons in die Hand, und weil ich gerade nichts Besseres vorhatte, so las ich den Artikel „Schreibmaschine" durch — daher mein verblüffendes Wissen." Ljubiza sah ihn prüfend von der Seite an. „Sie scheinen sich absichtlich immer kleiner zu machen"-, sagte sie endlich, „das soll man auch nicht tun." „Wie meinen Sie das?" fragte er verwirrt. „Wie ich das meine? Nun, ich denke, daß es ganz gleichgiltig ist, woraus und wann man sich sein Wissen erworben'hat, die Hauptsache ist, daß man dafür Interesse hatte." „Ich danke Ihnen für dieses Kompliment, Komtesse." „Ach, ich bitte Sie, nennen Sie mich doch nicht immer Komtesse", sagte sie etwas ungeduldig, „für meine Freunde will ich nur Fräulein Ljubiza sein oder auch nur—" Sie brach jäh ab und wandte sich verlegen errötend zur Seite- „Oder auch nur —" drängte er, ganz nahe an sie herantretend, und als sie mit der Antwort zögerte, da faßte er sich ein Herz und fragte leise nnd emdringlichr „Wären Sie mir nicht böse gewesen, wenn ich sie einfach —■ Ljubiza genannt hätte?" Sie sah ihn verstohlen lächelnd an. „Wie soll ich denn das wissen?" flüsterte sie, „Sie haben es ja nicht getan." „Wenn ich es aber jetzt tun würde?" ,„Halt, halt, Herr von Höchstseld, die Erlaubnis dazu werde ich Ihnen nicht geben", setzte sie seinem Ungestüm einen Dämpfer auf, und mit völlig verändertem Ton bat sie: „Wollen Sie mir jetzt nicht die Schreibmaschine weiter erklären?" „Wie Sie befehlen", sagte er enttäuscht, und begann von neuem, „Die Schreibmaschine, nach einer Idee des Dänen Mafling Hansen 17 . . „Aber das haben Sie mir ja schon erzählt", mrterbraA sie ihn mutwillig. 486 „Nun, dann will ich gleich mit dem Praktischen beginnen." Ach ja", seufzte sie, „das wird schon besser sein, bei den Erklärungen bleibt man ja doch immer stecken." Mit einem eigentümlich fragenden Blick sah er sie an; da sie aber dabei das unschuldigste Gesicht von der Welt machte, so traute er sich doch nicht, sie richtig verstanden zu haben. Er setzte sich also nieder, legte einen Bogen ein und begann ihr anseinanderzusetzen, wie man dabei zu verfahren habe. e Nachdem sie ihm die längste Zeit zugeschaut hatte, wollte sie sehen, was er geschrieben habe. Bereitwilligst nahm er den Bogen heraus und reichte ihn ihr hin. Mit leichtem Zögern griff sie darnach, da sie fest überzeugt war, er würde die günstige Gelegenheit benutzt haben, ihr zu schreiben, was er sich nicht zu sagen getraute. Als sie nun aber las: „Die wichtigste Aufgabe der Kavallerie liegt im Aufklärungsdienst und erst in zweiter Linie in der Entfaltung —" da konnte sie nur schwer ihre Enttäuschung verbergen, und mit einem Ton, der ihm gegen ihren Willen ihre wahren Gefühle verriet, sagte sie: „Oh, das ist sehr schön, aber für uns Frauen doch zu wenig interessant. Kommen Sie, lassen Sie uns wieder hinübergehen." „Nur noch einen Moment", bat er mit erzwungenem Ernst, „ich möchte Ihnen noch zeigen, welch hübsche Variationen man auf der Schreibmaschine herausbringt, und ohne erst eine Antwort abzuwarten, tippte er mit Feuereifer darauf los. Dann, als er fertig war, erhob er sich und reichte ihr das Geschriebene. Mit verletzender Gleichgiltigkeit nahm sie es, doch als sie die erste Zeile gelesen, wurde sie purpurrot, und als 'er nun gar hinter sie trat und mit bebender Stimme vorlas: ,Lm wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen. Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen /' da mußte sie sich gewaltsam zusammennehmen, um nicht laut aufzujubeln. „Das ist sehr — sehr hübsch", sagte sie endlich stockend, „von Ihnen hätte ich aber eigentlich erwartet, daß Sie Ihre eigenen Gefühle sprechen lassen" — und wieder ganz Lju- beza, setzte sie spöttisch hinzu — „oder haben Sie am Ende gar keine eigenen Gefühle?" „Oh, doch! — Wenn Sie erlauben, will ich versuchen, sie zu Papier zu bringen", bat er und nach kurzem Ueber- legen schrieb er, laut vor sich skandierend: „Wart' auf Worte nicht. Wenn der Blick Dir spricht. Denn im Auge nur Liegt der Liebe Schwur!" Vor Glück errötend und doch nicht recht wissend, ob sie nicht besser täte, davonzugehen, hörte sie ihm zu. Als er dann schwieg und ihr tief, tief in die Augen schaute, da fühlte sie, daß die Stunde geschlagen habe, in der sich ihr Geschick erfüllen mußte, aber noch suchte sie diesen Moment, trotz aller Sehnsucht, hinauszuziehen, und als ob es sich nicht um ein Geständnis handelte, sagte sie mit weicher, traumversunkener Stimme: „Wie schön Sie dichten können." Er nahm sie bei der Hand und flüsterte bebend: ".Ich weiß nicht, ob man das dichten nennt, daß es aber nicht erdichtet, sondern aus tiefstem Herzen empfunden ist, das kann ich beschwören. Und nun, Ljubiza, nun lassen Sie mich nicht länger im Zweifel, ob ich auf ein wenig Gegenliebe hoffen darf?" Im selig-süßen Erschauern schloß sie die Augen und wollte ein ,^Ja" hauchen — im selben Moment packte sie aber wieder der Uebermutsteusel, und auf die Schreibmaschine deutend, fragte sie: „Wollen Sie mich nicht auch einmal meine Geschicklichkeit versuchen lassen?" Wie mit einem kalten Strahl übergossen stand er da. Mr sein ehrliches Werben sollte sie wirklich keine Antwort haben? Doch 'nein — durchzuckte es ihn — sie wird mir als rechtes und echtes, für Poesie schwärmendes Weib wahrscheinlich auch mit einem Vers ihre Liebe gestehen wollen, und rascher, als er es noch vor einer Minute gedacht, schob er ihr den Stuhl zurecht. Ihn von der Seite anblinzelnd und dann wieder nach den Buchstaben suchend, tastete sie ihre Antwort hin. Sie war damit auffallend schnell fertig, und als sie sich dann erhob und mit den Augen daraus hiewies, da riß er das Blatt ungestüm heraus, um sein Urteil zu empfangen. Enttäuscht ließ er die Hand sinken. „Das ist ein grausamer Schmerz", sagte er bitter, „ich hätte nicht geglaubt, daß Sie jemandem absichtlich so wehe tun können." „Wieso denn das?" fragte sie mit ihrem unschuldigsten Lächeln, während in ihren Augen tausend Kobolde ein übermütiges Spiel trieben. „Weil ich aus mein ehrliches Geständnis eine aufrichtige Antwort erwarten durfte", entgegnete er niedergeschlagen. „Sie aber setzen nur Ihrer: Namen her." „Meinen Namen?" „Ja. Allerdings nicht ganz korrekt, da Sie anstatt Ljubiza — Ljubim-te schrieben." „Haben Sie denn noch nicht mit dem Studium der kroatischen Sprache begonnen?" fragte sie ihn zu seiner Verwunderung. „Doch. Aber —" „Und da wissen Sie noch nicht, daß es auch ein Wort gibt, welches „ljubiti" heißt?" „Und dieses Wort bedeutet?" fragte er in seligem Ahnen. Sie zog sich schnell hinter den Stuhl zurück, so eine Weh« zwischen sich herstellend, und nun erst sagte sie mit hellem, glücklichem Lachen: „Dieses Wort lernen wir in allen Sprachen zu allererst konjugieren. Im Ploetz heißt es, J'aime, tu aimes." „Ljubiza, also Du liebst mich!" jubelte er auf, und nicht Berg und Tal, geschweige denn ein einfacher Stuhl, hätte ihn länger abhalten können, sie an seine Brust zu ziehen. Im Nn hatte er das Hindernis zur Seite geschoben, doch im selben Augenblick, als er seine Lippen auf die ihren, die ihm aus halbem Wege entgegenkamen, drücken wollte, flog die Tür auf, und erschrocken stoben sie auseinander. Erna, die sich hier hatte verkriechen wollen, war nicht minder entsetzt, und des Bruders verlegenes „Was suchst Du yrer?" völlig mißdeutend, fragte sie stammelnd: „Man — sieht es mir also — schon an?!" Ihm dämmerte sofort, daß sie wieder etwas angestellt haben mochte, und da er sich tatsächlich noch nie über sie so geärgert hatte, wie gerade jetzt über ihr völlig unerwünschtes Erscheinen, so stellte er sie eben nicht sanft zur Rede: „Heraus mit der Sprache — was hast Du wieder verbrochen ?" „Ich habe gar nichts verbrochen", verwahrte sich Erna schluchzend, „sondern an mir ist ein Verbrechen begangen worden, und wenn ein einziger Muken ritterlichen Gefühls in Dir schlummert, dann mußt Du sie auf der Stelle fordern!" „Was ist Ihnen denn geschehen?" fragte-Ljubiza teilnehmend und suchte die Kleine an sich zu ziehen. (Fortsetzung folgt.) ZUe WolKskunst-Ausstessung auf dem Koy rodskopf. Von Ernst Freundlieb, Pfarrer zu Ulrichstein. Ta die gelegentlich der 20. Hauptversammlung des V. H. K. in Alsfeld in Aussicht genommene „Ausstellung von Erzeugnissen der einheimischen Volksiunst" in verschiedener Hinsicht unter einem Unstern gestanden und jed.nfalls ihren Zweck, ein Bild von der in den Kreisen des schlichten Volks in unserer Gegend noch lebendigen Volkskunst zu geben, nicht erreicht hatte, so war vom Zentralvorstand des V. H. K. die Anregung gegeben worden, die Ausstellung .gelegentlich des Hauptausflugs auf den Hoherods- kopf .am ersten Sonntag im Juli zu wiederholen. Tas ist mit glücklichem Gelingen am Sonntag, .dem 3. Juli d. I. geschehen. Zwar war aus verschiedenen Gründen, absichtlicher und anderer Art, die Ausstellung ihrem Umfang nach 'in recht bescheidenen Grenzen gehalten. Schon der Umstand, daß mit beschränkten Raumverhältnissen gerechnet werden mußte, nötigte dazu. So waren auch nicht allgemeine Aufforderungen ergangen, sondern es waren beispielsweise in der Häfnerei nur einzelne Häfner- meister aus Alsield und Lauterbach zur Einsendung ihrer einschlägigen Erzeugnisse aufgefordert worden, .und es hätte sich vielleicht gerade nach dieser Seite das Bild noch wesentlich er- 487 Weitern lassen.. Indessen da die ganze Veranstaltung von vornherein nur als Versuch und Anregung gedacht war und es dementsprechend nicht so sehr daraus ankam, ein wirklich vollständiges und erschöpfendes, als vielmehr ein charakteristisches Bild von der Sache zu geben, so konnte, was vorhanden war, genügen. Tie Ausstellung bot für den aufmerksamen Betrachter nicht nur im Einzelnen manch' Hochinteressantes, sie gewährte auch als Ganzes ein zienilich harmonisches und abgerundetes Bild von oberhessischer Volkskunst. Neben der Schnitzerei, die wohl doch den bedeutsamsten Teil der kleinen Ausstellung repräsentierte, war diesmal auch die Malerei (in den höchst re- spektabeleu Leistungen des Bürgermeisters Konrad Töring von Dirlammen) vertreten und neben sehr interessanten Arbeiten der Häfnerei oder Töpferei fehlte nicht die mit einigen Exemplaren ihrer Erzeugnisse vertretene Flechterei. Vielleicht, wenn nicht der Raum zu eng, .und wenn nicht doch hauptsächlich die Möglichkeit des Verkaufs der Sachen im Touristenverkehr für die Auswahl maßgebend gewesen wäre, hätte auch ein buntes Brautspinnrad und ein paar bunte, geschnitzte und bemalte Brautrechen und ähnliche Erzeugnisse der Drechslerei und Holzbearbeitung nicht fehlen sollen. Auch hätte sich, wenn Eifer für die Sache in den verschiedenen Sektionen gewesen wäre, (— außer Ulrichstein und Schotten war auch diesmal keine einzige Sektion aktiv beteiligt —) wohl noch manch Erzeugnis des ein.n oder anderen Handwerkskünstlers herzubringen lassen, wie auch etwa ein paar besonders hübsche Exemplare der interessanten und reizvollen „Oberwaldschwämme" in der in unserer Gegend üblichen Verwendung und Herrichtung für den Gebrauch hätten zur Au- schauung gebracht , werden mögen. Doch lassen wir aus dem Spiel, was allenfalls noch hätte sein mögen, und betrachten wir, was tatsächlich vorhanden war. Es ist schon einer Betrachtung wert. Im Ganzen waren es 61 Schnitzereien und verwandte Sachen, en. 120—150 Töpferei-Artikel und 30 Zeichnungen und Bilder. Von der Volkskunstschnitzerei im Vogelsberg find ztmächst erwähnenswert einige von der Sektion Schotten ausgestellte Gegenstände. Unter ihnen befanden sich noch zwei Sachen von Klemm, ein Schwarzdornstock mit einem hübsch eingravierten Hirsch am aufgesetzten Griff und ein sehr hübsches Tintengeschirr oder Schreibzeug, das wieder zu den besten Arbeiten des Mannes zu rechnen ist. Es ist aus einem interessanten Wurzelstück gearbeitet und stellt eine Bergkuppe dar, auf deren Gipfel sich zwei Gemsen (in Ganzplastik geschnitzt aber leider etwas beschädigt) befinden, während weiter unten: links ein Jagdhund, rechts ein Häschen und noch tiefer, etwas nach der Seite bin, ein Fuchs in der bereits bekannten Weise eingeschnitten sind. Das Ganze ist ein liebliches Naturstück und spiegelt ganz .die kindlich fabulierende Frohnatur Klemm's wieder, die mit dem Leben der Kreatur in Feld und Wald vertraut ist und diese Kreatur — man kann's nicht besser sagen — „lib hat" wie kaum ein anderer, auch Momberger nicht ausgenommen. Während Momberger mehr nur ein scharfer und kühler Beobachter des Charakteristischen bleibt, .der sich in seinen Schöpfungen leicht wieder von dem konkreten in der Natur erschauten Leben löst und entfernt, so ist es für Klemm charakteristisch, daß aus seinen Arbeiten direkt die Liebe zur Kreatur hervorleuchtet, wie sie denn auch dein Försterssohn — als ein solcher ist .Klemm zu Busenborn geboren — naturgemäß von Kindheit auf eigen sein mochte. Auch die Sektion Ulrichstein hatte noch eine weitere Arbeit Klemms herzubringen können, .ein SchMselschränkchen, das vom Besitzer Poftverwalter Philippi in Mücke, .zur Verfügung gestellt war. Das Stück ist, .ebenso wie noch ein anderes, nachher zu erwähnendes, von besonderem Interesse dadurch, daß es uns neben seinen Vorzügen deutlich die Schranken von Klemm's Persönlichkeit und Kunst vor Augen führt. Tie tisch- lerische und auch schnitzerische Ausgestaltung eines Möbels ist nicht seine Sache. Zwar wirkt der Aufsatz auf dem Schränkchen — er zeigt zwei nach den beiden Seiten hin einander gegenüber gelagerte Löwen, .über denen ein Adler mit gespreizten Flügeln mehr „hockt", als sitzt oder etwa gar schwebt, .(ein Spaßvogel könnte sagen: es fei ein Adler, der Löwen ausbrüten wolle) — trotz aller Plumpheit der Figuren noch ganz vorzüglich. Tas Schränkchen selber aber ist eine schwache Leistung. Ursprünglich zum Aufstellen und erst nachträglich Wohl zum Aufhängen eingerichtet ist es oben und unten mit einem gesimsartigen Blattstab abgeschlossen. Tie Tür ist von zwei kräftigen gewundenen Säulchen flankiert. Wirken nun diese selber auch echt, wie an irgend einem alten guten Stück, so wollen doch die dünnen, glatten Flächen der Seitenwände und der Tür, die nach Art der in den Läden der „Tapeziere und Möbelhändler" käuflichen, schnitzerischen Dutzendaröeiten durch Einkerbungen und Einritzungen etwas belebt sein sollen, nicht recht dazu stimmen. Eine Lösung, .die zu dem sonstigen Schnitzwerke paßte, stellen sie nicht dar. Die zu finden, das war ihm eben nicht gegeben. So ist glich die Farbenwirkung. Ter Aufsatz ist in gelbem Ton gehalten. Tas pflegt bei den Schnitzereien der meisten geschilderten Arbeiten der Fall zu sein, die dadurch in der Regel wirkungsvoll gegen den meist braun gehaltenen Untergrund hervorgehoben werden, wiewohl gerade Klemm in der Abstimmung der beiden Töne zu einander gewöhnlich eine feine Zurückhaltung bekundet. Hier aber wirkt der gelbe Aufsatz im Kontrast zu dem Dunkelbraun, fast schwarz, .gebeizten Schränkchen — „bäurisch", und das umsomehr, weil das Schränkchen selbst, wie ich's schon charakterisierte, nicht „bäurisch" wirken soll. Tie Löwen an dem Aufsatz, zwei äußerst freundlich blickende Gesellen sind nicht einmal schlecht geschnitzt, aber an die geschmeidige Naturwahrheit eines von Klemm geschnitzten Füchsleins oder Häsleins reichen sie nicht entfernt heran. Auch der Adler — der ganze Hm ter körper samt dem Schwanz ist in eigentümlicher Weiie auf die Seite gezogen — ist keineswegs naturwahr. Tas Ganze aber wirst dennoch nicht bloß „drollig", es nimmt sich vielmehr dekorativ sehr hübsch aus und erfüllt^, seinen Zweck als Bekrönung in ausgezeichneter Weise. Bei dieser Gelegenheit sei schließlich der Vollständigkeit wegen noch zweier weiteren und größeren Arbeiten Klemms Erwähnung getan, die zwar ungünstiger Umstände halber nicht zur Ausstellung auf den Hohervdskopf verbracht werden konnten, die sich aber noch in nuferer Gegend befinden und mir inzwischen zu Gesicht gekommen sind. Es sind zwei Blumentische, im Besitze des Bürgermeisters Schmidt und des Pfarrers Muhl zu Bcbenhauseu, beides interessante, .einander ähnliche und doch wieder .von einander recht verschiedene Arbeiten. Fast gleich ist an beiden Stücken die eigentliche Tischplatte gestaltet, eine kreisrunde am Rande mit einfachem Blattstab gezierte Platte, die mit gedrechselten Stäbchen nach Art der in der Gegend üblichen „Christgärten" eingefaßt ist. Einander ähnlich sind die beiden Stücke auch darin, daß .der „Fuß" jedesmal in der Hauptsache wieder von einer (kleineren) Rundplatte gebildet wird, die im einen Falle auf drei kleinen eichet- oder eiförmigen, auch etwa eigroßen Knöpfen auffitzt, während sie am anderen, im Besitze des Pfarrers Muhl befindlichen Stück von drei ca. 15 bis 20 Zentimeter hohen als Tierpfoten ausgestalteten Füßen getragen wird. Wirkt schon diese zuletzt erwähnte Gestaltung des tragenden Untergestells, besonders durch die Art wie die Füße eingesetzt und angeordnet sind, ich möchte sagen: untischlcrisch und nicht recht handwerksmäßig und darum unharmonisch und weniger gut, so liegt doch der Hauptunterschied in der Gestaltung und Anordnung der tragenden Stützen zwischen Tisch- und Fußplatte. Während hier das ganz außerordentlich prachtvolle und reiche Wurzelwerk an dem Blumentisch des Bürgermeisters Schmidt stark genug erschien, um für sich allein als Träger der Last in Betracht kommen zu können, und darum Stemm Gelegenheit bot, feinen in der Verwendung und Bearbeitung solcher Wurzelstücke feinen und gefchickten Geschmack zur Geltung zu bringen, so nötigten ihn die dünneren und feineren und für den geplanten Zweck statisch zu schwach erscheinenden Bildungen am anderen Stück zur tischlermäßigen Ausgestaltung des ganzen Möbels, der er eben doch nicht gewachsen war. Tie schwarzpolierte, wellig .oder perlenstabartig gedrehte Säule, die nun die eigentliche Trag stütze bildet, und um die die dünnen ast- ober steckenähnlichen Bildungen mit ihren Auswüchsen mehr bloß „dekorativ" angeordnet sind, wirkt mit dem Fußaufbau zusammen hart und unharmonisch, .auch wieder — im weniger guten Sinne — „bäuerisch". Während darum das erstere Stück unzweiselhaft zu den besten Arbeiten Klemms zu zählen ist, gehört das letztere ebenso unstreitig zu seinen schwächeren Sachen. Ecu Schreiner war Klemm nickst, er war ein Drechsler und ein Schnitzer, und wo etwas über diesen, feinen Bereich hinausgeht, da versagt seine Kraft. Tie Schnitzereien freilich sind wieder an beiden Stücken gleich fein und von bekannter Art. Ter Tisch des Pfarrers Muhl zeigt auf der einen Seite einen zierlich geschnitzten Fuchs, auf der anderen einen äußerst behaglich gestalteten Jagdhund auf der Lauer. Ein kleiner Zacken ist zu einem Vöglein ausgestaltet, das seinen Hals weit aus dem Nest zu recken scheint. Tas andere Stück trägt auf der einen Seite einen Hirsch in ruhender Haltung, .der ganz besonders fein wirkt und als eine vorzügliche Illustration angesehen werden mag zu dem, was ich früher schon von Klemm's Kunst gesagt habe, daß sie nämlich nicht mehr sein will, als ein Reiz, hin- eingelegt in die Naturgebilde, um ihre größeren, gottgeschaffenen Reize wirksam hervorzuheben und zu betonen. Aus der anderen Seite des in Rede stehenden Blumentisches sind hinter einer natürlich gegebenen Höhlung im Wurzelwerk zwei Füchse — sie scheinen aus der Höhle herauszustreben — so köstlich angeordnet, daß man den Eindruck hat: Ein Loch voller Füchse! In einiger Entfernung davon lagert — offenbar im Konvex mit der Situation — behaglich lauernd ein Jagdhund. Tie ganze Arbeit ist ein Prachtstück. Auch von Momberger sind mir einige Sachen, wenn auch nur Kleinigkeiten zu Gesicht gekommen, gute und weniger gute, auch gänzlich mißlungene Arbeiten. Eine Puppe, die er als Kinderspielzeug geschnitzt hat, ist, bis auf die. beiden Röschen etwa im Haar und Brustplatz, geradezu unschön und häßlich zu nennen. Ich erwähne sie bloß, weil sie charakteristisch ist für den Sinn unseres Volkes, der am Fremden, Auswärtigen, Großstädtischen immer wieder mehr Geschmack und Gefallen findet als an der schlichten heimischen Art. Tie Puppe trägt nämlich — über einem gänzlich verschwollenen und formlosen „Gesicht" — „Simpelfranzen" und städtische Frisur und ebenso auch städtische Tracht und zwar die schauerlich-schöne Tracht der „Ki-de-Barri" ergötzlichen Angedenkens. In ähiilicher 488 Weise mißlungen und daneben geraten ist Momberger mit einem Stockgriff, bett er auf Bestellung für einen ehemaligen West- ialengänger unserer Gegend angesertigt hat. Tie Schnitzerei stellt frei nach einem Bilde, das der Besteller noch ans seiner West- sälingerzeit im Gedächtnis trug, einen Mann dar, her ein großes Kreuz hinter sich her schleppt, auf welchem eine vermutliche Frauengestalt vermutlich sitzen soll. Beide Figuren sind gründlich mißlungen. .Keine Spur von Humor! Ter ganze „Witz" ist bei der Sache — „in die Binsen gegangen", und nur die Schrift des auf der Rückseite beigefügten Versleins: „Tas große Kreuz wär' halb so schwer, Wenn bloß das böse Weib nicht ivär'." ist zum Ansehen und einigermaßen genießbar. Nicht übel dagegen ist der dem hiesigen Arresthausverwalter gehörige Stock, der mir gleichfalls zu Gesicht kam. Tas auf einem Sessel sitzende Männlein mit dem Schlüssel ist recht behaglich und gemütlich anzusehen und hat jedenfalls nichts Grausiges an sich. Gleichfalls hübsch, wenn auch nicht gerade eine hervorragende Leistung, .ist eilt nach dem Fest auf dem Hoherods- kopf stehen gebliebener Stock. Er zeigt am Griff einen sauber und sicher geschnitzten ruhenden Löwen von augenscheinlicher Porträtähnlichkeit mit demjenigen im Besitz des Rechners Meiski befindlichen Nußknackers. Ter Fuchs an einem anderen Stockgrifs, den ich sah, und auf welchem neben diesem Fuchs eine mächtige Schlange in schöner Windung angeordnet war, zeigt Aehnlichkeit mit einem Katzenmali. Ter Hals ist viel zu lang pnd der Kopf gegen den übrigen Körper viel zu klein. Doch ist das Stück durch seinen Kopf interessant. Von den von Becker in Stumpertenrod ausgestellten und verkäuflichen Stöcken sind zwei gelegentlich der Ausstellung verkauft worden. Tie Schnitzerei des einen stellt einen Hirsch, die des anderen den Kamps eines Löwen mit einer Schlange dar. Besonders der letztere, wenn auch die Darstellung an sich nicht besonders gewandt und flott genannt werden kamt, und etwas an Metzers Panther- oder Löwenjagd, doch ohne deren sorgfältige und minutiöse Durchführung, erinnert, stellt ebenfalls durch seinen Stoff ein recht interessantes Stück dar. Von der Sektton Schotten, um nun wieder auf ihre Sachen zurückzukommen, waren noch vier Schnitzereien und außerdem eine hübsche „Bosseln" und „Liebhaberarbeit" ansgestellt. Tie letztere ein Tabakskasten, einen Holzstoß, wie sie im Wald ge- schichtet zu werden pflegen, en miniature imitierend, .ist vom Klubwirt Stein, vor Jahren zusammengetüftelt und wirkt nett und reizend. Dergleichen Sachen könnten und sollten etwa von den jungen Burschen in unseren Dörfern zum Zeitvertreib an den langen Winterabenden wohl mehr zusammengebosselt werden. Das näre doch einmal etwas anderes und viel weniger langweilig als die ewigen gekerbten Bilderrahinen ans Zigarrenbrettchen, die, uniform und reizlos, gar nicht unserer Gegend entsprossen, sondern aus den Garnisonen eingeschleppt sind. Ta ließe sich mit Geschmack und Sinn und einigem Geschick wohl Manches machen, das erfreulich wäre. So habe ich ein aus zwei hölzernen „Zwackeln" imitiertes Rehgeweih gesehen, das zwar nicht „einfach täuschend" war, aber doch, wie es auf dem herzförmig ausgeschnittenen Brettchenfuß, so „echt" wirkte, daß es eine Freude war und wie ein Stück „aus Wald und Haide" jn der Stube „putzte". Auch ein Schreibzeug, aus kleinen Baumschwämmen zusammengebosselt, wie ich's gelegentlich in einem Gasthaus antraf, war von hübscher Wirkung. Dergleichen Sachen, falls sie feit fein sollten und nicht lediglich zum eigenen Vergnügen angefertigt wurden, was ja gewiß kein Fehler, sondern im Gegenteil zu wünschen wäre, die wurden sicherlich, .tote sie von Sinn und Liebe zur Natur, von Freude an unserer Berg- und Wald-Welt Zeugnis geben, auch unter den unsere Gegend durchwandernden Touristen immer wieder ihre Abnehmer finden und gern gekauft und mitgenommen werden, ebenso wie auch die „Sichenhäuser Wännchen", .besonders wenn sie noch etwas kleiner und zierlicher und leichter als die auf der Ausstellung vertretenen Exemplare, in „Weiß" und „Bunt" geflochten wurden, an Liebhabern nicht Mangel haben würden. Vielleicht mag, was ich sagte, nach der einen oder anderen Richtung hin zur Anregung dienen. — Die vier noch übrigen von der Sektion Schotten ausgestellten Schnitzereien können zwar alle mit einander nicht eigentlich zur Volkskunst in unserem Sinne gerechnet werden. Sie stellen vielmehr gewerbliche oder Kunstschnitzereien int eigentlichen Sinne dar. Ganz besonders gilt dies von einem im Besitze des Rechners Glock in Schotten befindlichen Spazierstock (kein Torn- stock von der üblichen Art, sondern ein polierter Stab). Tie Schnitzerei am Griff, ein wunderhübsches Bacchantenfigürchen (Putte) zwischen Weinlaub und Reben, ist konventionell, aber ganz außerordentlich fein und vortrefflich ausgeführt, und das Stück stellt. eine, sehr gute und wertvolle Arbeit dar, die als Vergleichsobiekt immerhin auch für unsere Volkskunstausstell- ung von Interesse war. Gleichfalls kunstgewerbliche Arbeiten im n ®t”ne waren die drei weiteren von Scholten zur Ausstellung gebrachten Schnitzereien, eine auf einer Halbkugel sitzende Eule von Th. Grandhomme-Schotten (1860), eine Zigarrenspitze von Bildschnitzer Peppler-Schotten (1860), das bekannte Motiv zweier einander begegnender (mit eineander spielender [?]) Pferde darstellend, und ein Klaulbecher von P. Stein- Michelbach (1856), .alles saubere Arbeiten, aber ohne Individualität, schulmäßig hergestellt. Am meisten sympathisch berührt und erwärmt die zuletzt erwähnte Arbeit von P. Stein in Michelbach. Tas in seiner Gesamtform zierliche und feine Stück schließt ab mit einem Teckel, auf dem ein Alpenjäger zwischen den Stümpfen zweier Tannen sitzend zur Darstellung gebracht ist. (Tie vor ihm an den einen Stamm gelehnte Flinte ist teilweise abgebrochen). Ist die Arbeit auch nicht „original", d. h. nicht selbst erdacht und ersimden, so ist sie doch mit Liebe ausgeführt und trägt die Spur von einer Innigkeit an sich, die sie vor den beiden anderen Arbeiten .auszeichnet. Was aber alle drei Sachen, .obwohl sie selber keine Volkskunst-, sondern Schularbeiten sind, .für unsere Volkskunstausstellung .besonders interessant erf dienten läßt, das ist der Umstand, daß sie mit ihrem bloßen Vorhandensein neue Aufschlüsse über den Ursprung unserer Volkskunstschnitzerei im Vogelsberg zu geben geeignet sind. Tie Sachen entstammen nämlich offenbar alle drei, .wie auch auf dem Kaulbecher wenigstens ausdrücklich vermerkt war, der sog. „Industrieschule Schotten". Und in dieser „Industrieschule Scholten" scheint in Wirklichkeit die Wiege unserer jetzigen Vogelsberger Volkskunstschnitzerei, d. h. wenigstens derjenigen unserer hiesigen Gegend, .von der bis jetzt allein die Rede gewesen ist, gestanden zu haben oder doch, um es mit einem anderen Bilde zu sagen: zum wenigsten scheint eine ihrer Wurzel hierher zu weisen. .Was ich darüber erfuhr, ist folgendes: In den 1850 er Jahren soll von einem Oberförster in Schotten in den Räumen der jetzigen Kaltenhäuserischen Holzschneiderei ein Schnitzerei-„Geschäft" oder eine „Holzindustrie" eingerichtet worden sein. Er, .der Oberförster selbst, habe sich um die Sach« sehr bemüht, und habe selber den jungen Lehrlingen Anleitungen gegeben, habe sie eben jene Bilder sehen gelernt, wie sie von Klemm erfaßt und festgehalten seien. Tas „Geschäft" habe aber nicht bestehen können und sei nach mehreren Jahren wieder eingegangen. Hier, nicht, wie ich früher an- nahm, bei Grandhomme in Schotten, scheint nun Klemm, der Forstwartssohit aus Busenborn, — es ist mir das auch ausdrücklich versichert worden — seine schnitzerische Lehre durchgemacht zu haben. Von hier aus, d. h. von der Begründung und der Existenz dieser Schnitzerschule aus könnte möglicherweise auch die Anregung zur Schnitzerei an Meyer heran und in Mombergers Familie hineingekommen sein. (Mombergers Vater war Schreiner und hat wohl den einen oder anderen Gesellen gehabt, der sich vorher schon einmal in der „Industrieschule" versucht hatte.) Sind diese Vermutungen richtig, dann hätten wir also in der heute vorliegenden und bisher eingehend beschriebenen Vogelsberger Volkskunstschnitzerei die schöne Ernte jener vor ca. 50 Jahren ausgestreuten geistigen Saat vor Augen. Zwar ist die Sache woh l ganz anders ausgefallen, als der Begründer vermutlich einst sie gedacht haben mag. Aber mich will's bedünken, als sei nicht Schlechteres, sondern Besseres daraus geworden. .Ihm mag einmal in der damals noch sehr armen Gegend eine blühende Schnitzerei-Industrie vor Augen geschwebt haben. Tas zarte Fremdgewächs hat im rauhen Vogelsberg, in den es verpflanzt werden sollte, nicht aufkommen können. Aber aus den Samenkörnern, die der Mann einst ausgestreut hat, ist — vielleicht befruchtet von den Ausläufern der alten Stil- und Handwerkskunst — eine selbständige und bodenharte Volkskunst erblüht, die, eine erfreuliche Erscheinung unserer Gegend, noch viele Jahre dauern und sich glücklich noch weiter entwickeln möge. Sind die Vermutungen richtig, .bann hat es aber auch Klemm wohl kaum, wie ich früher annahm, an ausdrücklicher Anleitung zum Schnitzen von Tierfiguren gefehlt. Wie sehr sein Schaffen trotzdem ein freies, selbständiges, von den Ueberlieferungen der Schule unabhängiges geworden ist, das zeigt ein Blick und Vergleich seiner Arbeiten eben mit den von der Sektion Schotten ausgestellten schulmäßigen Schnitzereien, die dadurch' noch besonders von hohem Interesse waren. (Fortsetzung folgt.) Abstrichrätsel. Nachdruck verboten. Sturm, Harem, Btuch, Heber, Werter, Falle, Main. Von jedem Wort ist durch Abstrich eines Buchstabens ein anderes Hauptwort zu bilden. Tie abgestrichenen Buchstaben müssen im Zusammenhang gelesen ein europäisches Königreich benennen, (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Homogramms in vor. Nr.r GEB GABEL E B E B 8 BERTA L 8 A Redaktton: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brüb l'icken Universttäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lanae. Gießen.