• Iiitlui (Nachdruck verboten.) Die JerichspMrme. Aus den Erlebnissen eines russischen Gerichtsarztes. Von E. v. T r o j a n o w s k y. (Schluß.) Wen halben Weg haben die Fahrenden schon hinter sich. Ihren eigenen Gedanken nachhängend, haben sie miteinander nur wenig gesprochen. Plötzlich wird es von rechts her unheimlich hell. Ach Gott, da brennt ja schon wieder ein Dorfl Nicht gar $tt weit vom Wege. Von einer kleinen Bodenerhöhung aus, die sie soeben passieren, sehen sie deutlich die emporzüngelnden Flammen, Funkengarben, rotgrauen Rauch. Angesichts dieses brennenden Dorfs wird die Unter« Haltung der beiden Herren wieder etwas reger. Die Hauptkosten derselben trägt aber eigentlich nur der Arzt, da der Untersuchungsrichter nach der hohen Erregung bei den Kirchhofsvorgängen sich noch immer etwas ermüdet fühlt. Nur ab und zu unterbricht er mit kurzen Bemerkungen seinen Begleiter, der beim Anblick des brennenden Dorfes in lebhaftes Räsonnieren geraten ist und sich darüber ereifert, daß, außer den ri n Feuerschäden durch Unvorsichtigkeit und dem noch immer so sehr feuergefährlichen Charakter unserer Bauernhäuser, die Feuerschäden infolge von Brandstiftung von Jahr zu Jahr immer mehr zunehmen . . ., daß unsere Bauern so leichten Herzens den roten Hahn auf das Dach eines Nachbars loslassen, wenn sie sich an ihm rächen wollen, oder aufs eigene Dach, wenn sie glauben, daß die in Aussicht stehende Versicherungssumme ihnen irgend einen Vorteil zuwenden könnte . . ., daß es seit der Einführung der landschaftlichen Feuerversicherung in den Dörfern eigentlich noch häufiger brennt als früher, trotz der niedrigen Taxierung der Baulichkeiten und der entsprechend geringen Versicherungssumme . . ., daß die Landschaften in manchen Gegenden durch ihre Versicherungsoperationen ihre Mittel total schon erschöpft haben . ..: „Und wie schlimm steht es", ruft er aus, „mit dem Nachweis der Brandstiftung I Sie müssen mir doch zugeben, daß die Polizeiorgane und Untersuchungsrichter, bei der Neigung unserer Bauern, das faktisch von ihnen Gesehene oder Gehörte zu verschweigen und lügenhaften Aussagen erkaufter Zeugen willig das Feld zu überlassen, in den meisten Brandstiftungssachen eine wahre Danaidenarbeit verrichten. Und wo der Nachweis einer Brandstiftung ausnahmsweise einmal auch gelingt, da pflegen, nicht wahr?, meist Kinder oder notorisch Schwachsinnige das Feuer angelegt zu haben!" Wie der Arzt in seiner Jeremiade hier eine kleine Pause macht, erinnert ihn der Untersuchungsrichter daran, daß in einigen Gouvernements, namentlich im Südosten des Reichs, die Brandstiftungen einen noch viel schlimmeren Charakter haben, daß dort, in den Städten wie auf dem Lande, geradezu ganze Brandstifterbanden ihr Wesen treiben, und trotz aller Anstrengungen von den Behörden nicht gefaßt werden können. Unterdes sind die Lichter des Bahnhofs, die farbigen Signallaternen auf bestimmten Stellen der Schienengeleise schon in Sicht gekommen. Die Wolken haben sich verzogen, freundlich schimmern die Sterne am tiefdunklen Himmel. Die Pferde wittern die Nähe des Stalles. In schnellerem' Trabe sputen sie sich nach Hause — ohne jeglichen Zuruf des Postknechts, der sich auf seinem unbequemen Sitze ein kleines Schläfchen zu leisten scheint. /.Ja, ja, bester Doktor", äußerte der Untersuchungsrichter mit ganz besonderem Nachdruck, als sie schon die ersten Häuser der Stadt passiertem „für mein Leben gern mochte ich einmal in der Lage sein, so eine ins große gehende Brandstiftungssache, wo es sich um planmäßiges, raffiniertes Vorgehen einer gut organisierten Bande handelt, ex officio untersuchen zu können. Solch eine gefährliche Bande wäre ein Feind, der mich zur äußersten Anspannung aller meiner Fähigkeiten und Mäste reizen könnte, ein Feind, mit dem ich kämpfen möchte auf Leben und Tod! Ich könnte dann meinen wenigen Freunden und zahlreichen Feinden beweisen, daß ich imstande bin, noch höheres zu leisten als — wie heute wieder einmal! — eine trunkene, arg randalierende Bauernrotte durch eine Rede ä la Jerichoposaune — im Handumdrehen zur Vernunft zu bringen!" * Nach den in diesen Blättern geschilderten Ereignissen' blieb der Untersuchungsrichter nicht lange mehr in seinem Amte. Verschiedene Ursachen, denen wir schon im Beginn dieser Aufzeichnungen gedachten, verleideten ihm zuletzt den Dienst in solchem Grade, daß er um Ueberführung in eine andere Stadt nachsuchte. Es gab unter seinen offenen und geheimen Feinde einige einflußreiche Personen, die das Bezirksgericht, den Prokureur, ja sogar die Gerichts- palate*) in Petersburg geradezu baten: „Seid so gut, befreit uns von diesem Untersuchungsrichter!" Er erhielt den Posten eines der in der Gouvernementsstadt wohnenden Prokureursgehilfen. Doch auch dort und im neuen Dienst erging es ihm bald ähnlich wie an seinem früheren Wohnort als Untersuchungsrichter. Sein Verhältnis zur Majorität des Bezirks- gjerichts. ja sogar zu seinem direkten' Vorgesetzten, spitzte, sich schließlich, so zu, daß man ihm nahe legte, um Versetzung in einen ganz anderen Gerichtsbezirk einzukommen. Er ging darauf in eine ziemlich entlegene Stadt im Innern des Reiches, und zwar nicht als Prokureursgehilfe, sonderst tvieder als Untersuchungsrichter. Es wurde nicht allgemein' bekannt, welche Umstände ihn dazu veranlaßten, trotz seiner schlimmen Erfahrungen im Justizressort noch weiter zu *) Oberste Gerichtsbehörde eines aus mehreren Gou- vernements bestehenden Gerichtsbezirks, — 418 — dienen. Seine Frau war die Tochter eines angesehenen und recht wohlhabenden Kaufmanns in Moskau, bon Kindern besaßen sie nur ein einziges Töchterchen. Pekuniär hätte er es eine gute Weile aushalten können — auch ohne den Untersuchungsrichtergehalt. Wahrscheinlich konnte er bei seinem Charakter, bei seiner Jtnpulsivttät, seinem Drange nach steter Betätigung seiner Arbeitskraft, sich eben nicht entschließen, auch nur auf kurze Zeit ganz ohne Amt und amtliche Beschäftigung zu bleiben. Aus seinem neuen Wirkungskreis hörte man anfangs nur sehr wenig von ihm, bis endlich eine unerwartete giinstige Wendung seiner dienstlichen Laufbahn eintrat, eine Wendung, deren Ursachen seinerzeit sogar in mehreren größeren Zeitungen besprochen wurden! Es waren nämlich in jener Gegend im Laufe der letzten Jahre eine so erhebliche Anzahl größerer Brände vorgekommen, vorherrschend die von der Landschaft in Städten und Dörfern versicherten Gebäude heimsuchend, daß die Landschaft dadurch in die äußerste pekuniäre Bedrängnis geraten war und fast vor dem Bankerott stand, — und daß man die Massenbrände nur einer großen, wohlorganisierten Brandstifterbände zuschreiben konnte. Einer solchen Bande hatten aber weder die örtlichen Polizeiorgane noch die früheren Untersuchungsrichter habhaft werden können. Unseren, gerade zu jener Zeit dahin versetzten Untersuchungsrichter reizte gerade diese Aufgabe, diese große und dem Anschein nach arg verfahrene Sache, in ganz besonderer Weise. Er verbat sich von Hause aus jegliche Einmischung der örtlichen Polizeibeamten in die von ihm von neuem wieder ausgenommene Untersuchung früherer, meist schon niedergeschlagener Brandstiftungssachen und aller neuer, seit feinem Amtsantritt vorgekommener, ließ sich auf eigene Kosten aus der, Residenz gewandte Detektivs kommen, scheute nicht die anstreügendsten, ost ganz plötzlich mitten in der Nacht unternommenen Fahrten, und ruhte nicht eher, als bis er schließlich die ganze Brandstifterbande gefaßt und im Bestände von mehr als hundert Personen aus die Anklagebank gebracht hatte. Seit diese Verbrecher hinter Schloß und Riegel saßen, hörten mit einem Schlage alle Brandstiftungen dort auf. Ein besonderes Nachspiel erlebte diese große, viel Staub äufwirbelnde Sache noch durch die etwas plötzlich erfolgende Verabschiedung einer ganzen Reihe von Polizeibeamten verschiedener Grade. Die Landschaft, welche durch die außerordentlichen Mühen und Anstrengungen und persönlichen Geldopfer des Untersuchungsrichters sich vor dem völligen pekuniären Ruin gerettet sah, wollte sich diesem Retter dankbar erweisen. Sie offerierte ihm eine Ehrengabe von fünftausend Rubeln. Vom Untersuchungsrichter darüber verständigt, daß er diese Ehrengabe aus keinen Fall annehmen könne, suchte die Landschaft sich ihm in anderer Weise erkenntlich zu zeigen. Sie sandte eine Deputation nach Petersburg zum Justizminister, um bei demselben irgend eine entsprechende Dienstbelohnung auszuwirken — Mr den Mann, welcher der Landschaft, weit über den Rahmen seiner amtlichen Obliegenheiten hinaus, so immense Dienste geleistet hatte. Infolge dieses Schnittes der Landschaft wurde der Untersuchungsrichter bald darauf zum Glied des Bezirksgerichts der benachbarten Gouvernementsstadt ernannt. Eine derartige Stellung, die er fich im stillen schon lange gewünscht hatte, würde ihm im gewöhnlichen Laufe der Dinge schwerlich zuteil geworden fern. Leider erfreute er sich dieser ruhigen, angenehmen Stellung nur kurze Zett. Wohl infolge früherer Strapazen bei der Erfüllung seiner Berufspflichten, und wohl namentlich auch infolge der ungewöhnlichen lKühen und Anstrengungen, die er sich in jener großen Brandstiftungssache zugemutet hatte, begann er, der stets gesunde und beneidenswert kräftige Mann, plötzlich zu kränkeln. Und bald darauf — starb er. Es hieß, daß ein Magenleiden und Kthlkopslerden krebsiger Natur seinem Leben ein Ende gemacht daß er zuletzt zu einer äußeret, akut verlaufenden eitrigen Zerstörung des Kehlkopfes gekommen sei. Nach einer anderen Version —> soll von gewissen Helfershelfern jener großen Brandstifterbande ein Versuch gemacht worden sei, ihn zu vergiften.! Das Leiden, dem er binnen kurzer Zeit erlag, soll tatsächlich von einer ganz plötzlich und sehr heftig auftretenden Erkrankung, deren Vergiftungschararter er selbst aber durchaus nicht anerkennen wollte, ausjgegangen sein. WH dein NM auch sei, einen so baldigen Tod dieses Mannes/ ein so frühes Verstummen der „Jerichoposaune" hätte niemand von uns für möglich gehalten. Die Nachrichten von seiner hoffnungslosen Erkrankung und bald darauf gar vou seinem Tode fand anfangs in unserer Gegend, namentlich auf dein Lande, in den Dörfern und Gemeindeverwaltungen, gar keinen Glauben. Gar zu lebhaft stand er noch in der Erinnerung aller, mit denen er amtlich verkehrt hatte, — er, der energische zielbewußte Untersuchungsrichter, der, wo es galt, in so unwiderstehlich packender Weise zu reden wußte, und dessen gewaltige Stimme niemand, der sie einmal in Momenten besonderen Affekts gehört, jemals vergessen konnte. Sein eigentümlich tragisches Schicksal entwaffnete in der Folge manche feiner früheren Feinde. Sie beurteilen ihn jetzt gerechter als damals, wo er noch leibhaftig unter ihnen weilte, sie finden jetzt sogar manch Wort der Anerkennung, des Lobes — für den einst bitter Gehaßtem Plaudereien aus der Kaiserstadt. Vom Schmkenwettkampf. — Wer war Buchholz? — Die Geschichte von Kohnheim. Der Bazillus des Wettbewerbs — und ich glaube ganz sicher, daß es einen solchen gibt, sonst würde nicht in immer weiteren Kreisen wettgegangen, geritten, gefahren, gedichtet, gekocht und gesungen, gerudert, geschwommen, frisiert, gegessen und ge —i trunken! — also der Bazillus des Wettbewerbs hat nun auch die Herren vom Hackeklotz ergriffen und sie werden sich eine blutige Konkurrenz liefern in jenem Artikel, der gemalt so fürchterlich, gut geräuchert aber geradezu berückend und köstlich erscheint: im Schinken! . Minister Podbielski, den die Berliner schmunzelnd den „dicken P o d" nennen, weil sie ihn trotz seiner agrarischen Neigungen gern haben, hat als staatlicher Vertreter der Landwirtschaft sein regstes Interesse für die Veranstaltung kund getan und schon vier silberne und vier bronzene Medaillen als Preise für die glücklichen Sieger im Kampfe gestiftet. Andere schöne Dinge sind gleichfalls in Aussicht gestellt. Eines schönen Tages im Februar wird die Kommission resp. das Preisrichterkollegium, lauter ernste Männer mit wichtigen Mienen und sachverständigen Zungen, zusammentreten und von den kurz vorher einzuliefernden saftigen Hinterkeuleü unseres mit Recht so beliebten Rüsseltieres eine Scheibe nach der anderen herunterschneiden, um zu entscheiden, welch glücklichem Sterblichen es gelungen ist, den delikatesten Bissen zu präparieren. Damit aber das Publikum wiederum auch die Preisrichter zu kontrollieren vermag, sollen gleich nach der Entscheidung die hoffentlich noch stattlichen Reste des Gemetzels in einer Kosthalle des Hotels „Kaiscrhof" für jeden ungläubigen Thomas zur Nachprüfung ausgeschnitten werden. Der event. Erlös fließt in die Armenkasse oder dient zu anderen wohltätigen Zwecken. Zweifler behaupten, es werde trotz aller Wettbewerbe doch nicht gelingen, die bisherigen Schinkenmatadore, vor allen Dingen Prag, aus dem Felde zu schlagen. .Aber ein biederer Schlächtermeister, der sich schon Heute seiner Schinken rühmen darf, da sie wirklich« von vorzüglicher Güte sind, erklärte kampflustig auf diese pessimistische Anremplung: Abwarten und dann Tee trinken! Wenn Sie glooben, dat wir uns so mir nichts, dir nichts von de Wenzes- läuse unterkriegen lassen, — da kennen Sie Buchholz'en schlecht!" Wir wollen das Beste hoffen und bei dieser Gelegenheit gleich mal der alten schönen Berliner Redensart von „Buchholz'en, den alle Welt so schlecht kennen" soll, nachforschen. Die junge Generation ist nicht selten auf dem Holzwege, diese erbeingesessene Abwehr jiuf irgend welche spöttische Meinung Julius Stindes' und seiner wackeren Wilhelnnne in die Schuhe zu schieben, die ja bekanntlich mit diesem Familiennamen behaftet ist und sich trotz aller „Berliner Rangen" im Berlin, wo es. kernig ist, der alten dicken Freundschaft erfreut. Mber die Geschichte stimmt nicht. Wieder andere leiten das drollige Schlagwort von einer alten Anekdote her, in ibier erzählt wird, wie ein Geistlicher einen Sterbenden tröstet mit dem Hinweis auf die ihm vorangegangenen Lieben und Freunde, die er nun bald alle Wiedersehen werde. Da richtet sich 'der Kranke mit aller Kraft noch einmal auf und fragt, der besten Vorsätze für ein' neues Leben voll, den Prediger bestürzt: „Herr Pastor, Buchholzen ooch?" „Gewiß, mein Sohn" bescheidet ihn der Geistliche, „wenn Buchholz als Christ gestorben ist!" Darauf erklärt der HiNscheidende geknickt: „Herr- jott, denn jetzt det olle Luderleben da ooch wieder los!" und läßt sich in die Kissen zurücksinken. „Nicht doch, mein Freund, dort oben nähren wir uns nicht mehr von irdischer, sondern von himmlischer Speise, , und auch Buchholz wird dort ein gottgefälliges,! himmlisches Leben führen!" Doch treuherzig seufzt der Anderer „Nee, nee, Herr Paster, da kennen Se Buchholz'en schlecht!" — Zweifellos entbehrt diese kleine echt Berliner Geschichte nicht der Treffsicherheit. .Aber sie ist doch 'nur erfunden und der wirkliche Urheber des geflügelten Wortes ist kein Geringerer, als unserer Größten einer, nämlich der alte Fritz. Dieser hatte einen Buchholz als Schatzmeister. MenN ihm nun ab und zu unwill- kommene, kostspielige Projekt?, Bittschriften Forderungen ic. tritt > 419 — Empfehlungen feiner Räte vorgelegt wurden, so war es ihm ein sehr geläufiger, und die Sache kurz erledigender Weg zu sagen: „Da kennt er Bnchholz'en schlecht!" Aus jenen alten Tagen also stammt die Redensart, wie man's auch im „Bär", dem alten, schätzenswerten Blatt für Berliner Geschichte nachlesen kann. Nicht minder interessant ist der Ursprung eines anderen geflügelten Wortes, das allerdings lange nicht mehr so oft von Berliner Lippen tönt wie die Buchholz-Phrase. Es ist die Aufforderung, mit der man bei irgend einer wichtigeren Gelegenheit den besser Beredten oder am besten Unterrichteten das Wort gibt, indem man nach einer ganz kurzen Einleitung scherzhaft erklärt: „Nu, Kohn- heini, red' Du!" Dieser Kohn Herrn hieß eigentlich Ku hn heim und war erster Buchhalter bei einem Kaufmann Verend, der in der Franzosenzeit vor nun beinahe hundert Jahren Lieferungen für die Armee Napoleons übernommen hatte. Es zeigte sich erforderlich, in dieser Angelegenheit dem damaligen Gouverneur von Berlin, General Hullin, einen Besuch zu machen und Verend hatte sich für diese Gelegenheit die nötigen Redensarten für den Anfang mühsam eingepaukt, für alles übrige aber feinen gewandten Kuhnheim zu der Audienz mitgenommen. Als er nun vorgelassen wurde, soll sich die Geschichte folgendermaßen abgespielt haben: Verend tritt ein, macht ein paar devote Bücklinge vor dem General und sagt: „Je suis le riche banquier Verend de Berlin; nu, Kuhnheim, red' Du!" setzt sich auf einen Fauteuil und überläßt siegessicher seinem Kuhnheim alle weiteren Verhandlungen. Ob's wirflich so gewesen ist, kann freilich nur Hullin, Verend p'nd .Kuhnheim selber wissen. Und die sind alle drei längst tot, wenn wuch Kuhnheim gewissermaßen unsterblich geworden ist! Nn, Kuhnheim, red' Du! Vielleicht bei den Spiritisten ! A. R. Sommerreise in Süden. Als Jules Verne seine inzwischen durch Ine Wirklichkeit längst überholte „Reise um die Erde in 80 Tagen" schrieb, vergaß er unter den mannigfachen Hindernissen, die sich seinem rasenden Globetrotter in den Weg stellen, eines der wesentlichsten und interessantesten: einen Streik. Eine kleine Unzufriedenheit irgendwo unter Leuten, die mit dem Transport ihrer geduldigen Mitmenschen ihr Brot verdienen, ein kurzer Ausstand wirft den schönsten Reifeplan uni. Hören Sie zu, wie es mir ergangen ist. Vor etwa zehn Wochen war's. In Berlin schien sich ein ziemlich dauerhaftes Regenwetter etablieren und die traditionelle Frühjahrssehnsucht nach dem Süden stärker als gewöhnlich wecken zu wollen. Auf 14 Tage vielleicht ließen sich die Sklavenketten der Pflicht abschütteln. Mer wohin? Nach Italien? Da sind um diese Zeit viel zu viel Landsleute und Engländer; die ungeheure germanische Invasion verdirbt jedem, der das Land, kennt, den Genuß der Romanischen. Aber leicht zu erreichen und doch abseits genug vom großen Weg liegt Korsika. Eine unwillkürliche Gedankenverbindung leitet zum ersten Napoleon. Dieses Jahr bringt deck Hundertjahrestag seiner Kaiserkrönung. ,Jn Ajaccio ist das Hans zu sehen, in dem Mutter Letitia Europa seinen großen Aufrüttler und Tyrannen geschenkt hat. Mir liegt nicht viel daran. Wer sich bereits irt den Geburtshäusern von ein paar Dutzend berühmten Männern hat herumführen lassen, der weiß, daß keine großen! Gefühlsmotionen dabei herauskommen. Und eine Missensbereicherung erst recht nicht, denn meistens wird man natürlich ängelogen. Es ist nicht der Insel großer Sohn, dessen Andenken nach Korsika locken könnte. Aber das Land, das auf verhältnismäßig enger Fläche so wunderbare Kontraste vereint, von den rerzvollsten Küstengegenden des Mittelmeeres bis znm schroffen, bis in den Sommer hinein schneebedeckten Hochgebirge, .unb das Volk, dieser viel umfabelte Menschenschlag, den man noch kennen lernen muß, ehe vielleicht bald die Zunahme des Touristenverkehrs — feine Natur prädestiniert, das Land zu einer zweiten Schweiz — die besten Eigenarten dieser in vorläufig noch ziemlicher Unberührtheit ein selbstbewußtes Sonder- leben führenden Rasse ausgewischt hat. „Die Korsen sind noch ein wahres Naturvolk, das sich durch Tapferkeit, Freiheitsliebe, Gastfreundschaft auszeichnet; das aber die Arbeit nicht liebt, und bei dem die Blutrache eine tief eingewurzelte Sitte ist, die die geringste Beleidigung noch nach Jahren an Kindern unb Kindeskindern rächen läßt", — so erzählen die Encyklopädisten. Man kennt das. Wenn man hinkommt, ist doch alles anders, als man's sich gedacht hat. .Ueber die Vendetta fällt mir ein irgendwo gelesener schöner Satz ein: „Alle Ströme der Insel vermöchten das Blut nicht auszufüllen, das die Blutrache fließen ließ." Welche Uebertreibung. Entweder müssen die Ströme sehr unbedeutend oder das Volk krankhaft blutreich sein. Nous verrons. Eine kurze Spritzfahrt nach der Insel der Vendetta war schnell beschlossen, der Koffer gepackt und am nächsten Morgen die improvisierte Reise angetreten. Wie wenig ratsam eine solche Improvisation oft ist, sollen Sie gleich erfahren; in meinem Fall mißglückte sie, sodaß ich 'jetzt zum zweiten Mal ans der gleichen Tour bin. Der kürzeste Weg für den, der nur nach Korsika will, führt über Livorno; von hier nach Vastia Hai man außerdem nur sechs Stunden Seefahrt, das ist zu berück- sichttgen; nicht wegen mehr oder weniger mangelnder Seefestigkeit, sondern der angenehmen Aussicht halber, das xbensowenig komfprtMe wie reinliche Fahrzeug der französischen Schissahrts- gesellschaft, dem man sich anzuvertranen gezwungen ist, .recht bald wieder verlassen zu können. In Basel das gewöhnliche internationale Fruhjahrsge- dränge: Deutsche, Franzosen, Engländer. Der Morgenzng der Gotthardbahn ist natürlich überfüllt, und um die begehrten Plätze an der linken Seite — sie bieten die Aussicht auf das Reußtal — entspiNnt sich ein heißer Kampf. Wer feinen bekommt und auf die rechte Seite muß, kann fich damit trösten, daß er von Airolo an die Aussicht aufs Tessintal Hai. Die .Viertelstunde Fahrt durch den Gotthardtunnel bietet ein interessantes Charakteristikum der beiden Nationen, die hauptsächlich den Zug benutzen: der Deutsche zieht die Uhr heraus und kontrolliert peinlich, der Engländer sieht im Bädeker nach, wie lange die Geschichte dauert, und bemüht sich weiter nicht; höchstens erkundigt er sich nachher beim Deutschen Nach der Minutenzahl. Das spricht Bände. In Mailand regnet's — es hat jedesmal geregnet, wenn ich in Mailand war — in Genua ist trotz der späten Stunde alles auf den Beinen. Große Illumination, Fackelzug, Absingen der Marseillaise, ungeheure Begeisterung — Präsident Loubet ist gerade in Genna. Am nächsten Vormittag Pisa, dann Livorno. Es ist 10 Uhr, als ich in die „carozza" steige, um 11 Uhr geht das Schiff. Nach fünf Minuten Fahrt hält der Kutscher auf einer sehr engen, sehr dunklen, an den Hof einer großen Mietskaserne erinnernden Piazza vor dem Bureau der „Compagnie Fraißinel", die von Marseille, Nizza und Livorno ans den Verkehr nach Korsika besorgt. Schnell das Billet. Am Schalter sitzt ein verdrießlicher Herr — der Himmel weiß, warum man unter dem liebenswürdigsten Volk Europas die unhöflichsten Beamten findet. Er spricht nicht einmal französisch, trotzdem er doch im Dienst einer französischen Gesellschaft ist. Sehr widerwillig teilt er mir mit, daß heute kein Schiff nach Korsika gehe. , Nun, das macht schließlich 'nichts, wahrscheinlich ist der Fahrplan „mobificato". An den Begriff „modisicato" ist inan in Italien nachgerade gewöhnt. Also morgen? Nein, morgen auch wicht. .Der verdrießliche Herr scheint bereits beleidigt. Aber wann dann? Das wüßte er nicht, erfolgt die Antwort sehr von oben herab. Mir reißt die Geduld, und ich lasse eine Bemerkung über den anscheinend vorzüglich organisierten Dienst ,ber Compagnie fallen. Der Beamte ist zu vornehm, sie aufzuheben, er entfernt sich vom Schalter, pur das eine Wort herausstoßend: Sciopero! Was ist seiopero? Mein nur für den gewöhnlichen Gebrauch ausreichendes Italienisch wies diese Vokabel nicht auf. Ich frage den Kutscher. Ein Kinematograph müßte das Schauspiel wiedergeben, das sich nun entwickelte. Der Mann wandte die ganze ungeheure Mimik des Italieners der unteren Volksklassen auf; er warf fich auf das Wagenpolster, schloß die Augen, schnarchte, — kurz, suchte mir begreiflich zu machen, daß „sciopero" jener glückliche Zustand der menschlichen Gesellschaft sei, in dem tue Arbeit zwangsweise ruhe. Also ein Streik! Richtig, eine französische Zeitung, die ich auf dem Bahnhof fand, enthielt die Mitteilung von dem Ausstande der Schiffsoffiziere der französischen Handelsmarine und der vollständigen Lahmlegung besonders des Betriebs der Marseiller Schiffahrtsgesellschaften. Adieu Korsika I In ein paar Tagen konnte ja schließlich der Ausstand beigelegt sein, aber darauf konnte ich nicht warten. Viel Zeit hatte ich sowieso nicht übrig, also lieber zurück über den Gotthard und den Versuch bei günstigerer Gelegenheit wiederholt. Das soll jetzt geschehen. Und wieder in Genua angelangt, machte ich die Beobachtung, daß man zur Abwechslung überhaupt gut tue, einmal im Sommer nach 'dem Süden zu reisen. Die Saison ist aus, die Hochflut der „forestiere" verebbt, Italien ist italienisch. Genua ist schöner denn je; noch ein paar Tage will ich es vor der Ueberfahrt nach der Insel der Vendetta genießen. E. P e t e r f f e n. Vermischte». * Die „Heimat der Liebe". Aus London wird berichtet: Die seltsame Sekte der „Agapemoniten" macht in den letzten Tagen wieder sehr viel von sich reden. Man erinnert sich des Aussehens, das der Leiter dieser sonderbaren Heiligen, ein Mr. Pigott, vor längerer Zeit dadurch erregte, daß er im Heiligtum der Sekte, mitten in dem ungläubigen London, eines Tages sich als der „Messias", der wieder auf die Erde gekommen sei", erflärte. . Jetzt hat sich der neue Messias mit feiner Sekte nach einem kleinen Orte in Somersctjhire, Spaxton, zurückgezogen und hier die „Heimat der Liebe" errichtet in einem großen prächtigen Haus mit weiten Gärten und hohen Mauern, hinter denen der seltsame Heilige mit seinen Anhängern, oder vielmehr hauptsächlich Anhängerinnen, haust. .Er soll ein schöner, kraftvoller Mann sein, dessen elegantes Benehmen und hinreißende Liebcnswnrdig- feit die Frauen fasziniert. Er stammt ans einer angesehenen Familie, ist viel in der Welt herumgekommen und hat lange unter Arbeitern gelebt. Ein religiöser Wahnsinn, ein ekstatischer Gottesglaube und schwärmerische Verzückung lebten früh in ihm auf. Der Schwärmer scheint eine merkwürdig bezwingende Macht auf die Frauen auszuüben. 200 bis 300 Frauen sind in dem „Heim der Liebe", alle begeistert für die große Lehre des Propheten, der vor allem die Heirat als ein Uet)et verbietet und sich dabei auf .die Worte der Bibel stützt.^ Die Männer sind meist älterü — 420 am ,* Ein Vermögen in der Tabakafche. Die englische Fachzeltschrist „Lancet" befaßt sich in ihrer jüngsten Nummer Mit dem Werte der Tabakasche. Die darin enthaltenen Mineralbestandtelle sollen nach dem Blatte den fünften Teil des Gewichts Leute oder jugendliche Narren. Nur einer unter ihnen, ein lieblicher und schwärmerisch zarter Jüngling, das „Lamm", steht denl Messias nahe, und wird von den Frauen verehrt. Die Askese scheint nicht zu den Lehrern Pigotts zu gehören. Eine gewisse ästhetische Prachtentfaltung eint sich mit den glühend sinn- lichei. Bildern, die er von dem kommenden Reiche der Reinheit und Unschuld entwirft Die Frauen tragen kostbare Gewandung, und der Blick, den ein Berichterstatter des „Liebesheims" in die stillen und weiten Gärten warf, bot eine seltsam exotische Szene. Der Messias stand ausiecht im Mittelpunkt, von seinen schönen Verehrerinnen umgeben. Eine große, wundervoll gewachsene Person, in deren Goldhaar die Sonne leuchtete, trat gerade in einem weißen wallenden Spitzengewande auf ihn zu; sie war eben in den Kreis der Anbeter ausgenommen worden. Diese rätselvolle Gewalt über die Gemüter, die seiner dämonischen Persönlichkeit sich hingeben, hat ivohl den Wahn der Gottheit in dem Propheten noch bestärkt und befestigt. Die Männer, deren Frauen, Bräute und Töchter für die Welt und das Leben verloren, diesem schwärmerischen Ideen folgen, sind aufs höchste erbittert, ja bedrohen sogar das „£>etnt der Liebe". Der Messias setzt denen, die von ihm die Herausgabe der ihm verfallenen Seelen verlangen, eine große Ruhe und eine sichere Bibelkenntnis entgegen; er hindert niemanden, seine Anhängerinnen wieder von ihm abzubringen, und bittet nur, die Mädchen nicht zu verheiraten, da dadurch ihre Seelen in Verderbnis und Sünde gestürzt würden. In den letzten Tagen hat der Messias seine Burg und seine Anhängerinnen verlassen; vielleicht wollte er, der nichts so haßt wie Aussehen und Belästigungen, den Neugierigen und Wißbegierigen entgehen, die nun auch den einsamen Ort, .in den er sich mit seiner Gemeinde zurückgezogen, aufgespürt haben. * „Einen Floh in festgedruckten Buchstaben in einem Katalog als P r ä ch t st ü ck bezeichnen, das kann nur ein deutscher Professor!" Freilich, so lesen wir in einer Weltausstellungsplauderei der „Köln. Ztg.", handelt es sich nicht um einen ordinären Betthüpferling im Jugendstil der Natur, dieser hochberühmte Floh hat vielmehr temae Jahrtausende vor .Abraham gelebt .und nie Menschenblut gesogen, da es noch keine Menschen gab. Jetzt liegt der ^ehrwürdige Ahnherr wie Schneewittchen in einem durchsichtigen Sarge gebettet, aber nicht aus gewöhnlichem Glas, sondern aus klaren: Bernstein, der einzige seiner Gattung und Art, .welcher der Nachwelt erhalten worden rst. .Nach St. Louis ist er als Krone einer ausgezeichneten Bernsteinsammlung gekommen, die einen Teil der vom preußischen Handelsministerium im Kunstgewerbepalast veranstalteten Kollektivausstellung der deutschen Bernsteinindustrie bildet. j$)ie Ausstellung .ist eingerichtet von Professor Klebs in Königsberg, der auch einen gart» vortrefflichen Führer dazu verfaßt hat. Die von Bruno Möhring entworfene Ausstattung .des Raumes ist sehr originell; die Wände sind mit Bernstemstücken hinter Glasscheiben getäfelt, auch die vorspringenden mit einem blanken Messinghelm abschließenden Glassäulen sind mit Bernstein gefüllt. Die Ausstellung enthält zunächst Musterbeispiele der verschiedenen Bernsteinsorten, darunter seltene Stücke grünen, dunkelblauen, braunen und rötlichen Bernsteins, dann eine große Anzahl von Bernsteinstücken mit Tier- und Pflanzeneinschlüssen, wohlversiegelte Briefe, die eine längst, im Meer versunkene Welt an uns gerichtet hat. Neben der naturwissenschaftlichen kommt auch die historische und ethnographische Bedeutung .des Berststeins zur Geltung; das gelbe, glänzende, geheimnisvolle Mineral lockte die alten Handelsvölker, Phönizier und Etrusker, an die nordischen Gestade und brachte dadurch .den fellumhüllten Hinterwäldlern jener Küste die Anfänge einer höheren .Kultur; Bernsteinperlen sanden sich in veu Königsgräbern von Mykene und stellen die sonderbare Jdeen- verbindung Ostpreußen und Agamemnon her. Ausgestellt sind Bernsteinarbeiten der Steinzeit aus dem Untergrund des Kuri- schen Haffs, Perlen aus einem Grabe der La Tene-Zeit, sechs Jahrhunderte v. Ehr., nebst den anderen Totenbeigaben, einem Bronzeschwert und Armringen, ferner Bernsteinschmuck aus der Zeit des römischen Eindringens in Ostpreußen. Ter ethnogra- phische Wert des Minerals kennzeichnen Bernsteinkorallen für die Neger in West- und Ostafrika, rote zylindrische Perlen für Japan, grüne, runde Perlen, .soenannte Mandarinenketten, für China, Amuletts für Marokko, .ein Königsschmuck aus Korea. Eme Reihe von Firmen bringt nicht nur die typischen Bernsteinartikel, Zigarrenspitzen, Kettenusw., sondern volle Arbetten aus Bernstein in Verbindung mit anderen Stoffen, namentlich edeln Metallen, Schalen, .Tosen, Schmuckkasten, Uhrdeckeln und Gehäusen für Standuhren, Broschen, Schnallen und viele andere Tinge, ferner Fabrikate aus Bernstein, besonders Firnisse und Lacke. Wie wichtig die Bernsteineinfuhr nach Amerika ist, erhellt aus folgeichen Zahlen: Amerika gebrauchte im Jahre 1891 für 169 233 Mark, im Jahre 1903 für 885 332 Mark Rohbcrnstein." der Tabakpflanze .darstellen. .Eine Tonne Tabakblätter ergebe vier Zentner Asche. Die Mineralien, die gerade die Tabakstaude dem Boden entziehe, sollen kaum ersetzbar und sehr wichtig sein. Eine Tonne Tabak entzöge jedem Acker des Bodens Mrnerah- bestandteile im Gewichte von über einem Zentner. Im Jahre 1901 betrug der Tabakverbrauch im Bereinigten Königreich etwa zwei St® pro Kopf der Bevölkerung oder insgesamt 40 000 Tonnen, ß demnach etwa 8000 Tonnen Asche dem Winde übergeben worden seien. Diese Asche bestände aus 75 Prozent Calcium und Potasche, 15 Prozent Magnesia und Sodiumsalzen sowie 5 Proz. der für alle Pflanzen notwendigen Phosphorsäure. Jemand, dem es gelänge, die Asche in größeren Mengen zu sammeln, anzu- kaufen und zu vertreiben, würde in wenigen Jahren steinreich werden, und airßerdem sich ein Verdienst um die Wohlfahrt der künftigen Generationen erwerben. „Siegfrieds Wlut." Von Ern st v. Wildenbruch. Wenn Du nun kommst an den Odenwald Eine Wolke da .wirst Du seh'n, Die wird regungslos und wie rotes Blut lieber den Bergen steh'n. Denst im Odenwalde, das weißt Du ja, Schlugen den Siegfried sie tot —. Die rote Wolke, das ist sein Blut, Das noch heute zum Himmel loht. Denn Siegfried, das war der herrliche Held, Wie ihn Deutschland nur einmal gebar —! Torheit und Niedertracht brachten ihn um1, Weil er ein Deutscher war. Weil er ein Riese war von Leib, Und von Kopf und Herzen ein Kind, Tas nie wußte, daß Tücke und Neid Stärker als Helden sind. Töricht in Liebe verriet ihn darum Chrimhilde, das deutsche Weib, Raufte ihr Haar, als zu spät es war, Üeber des Toten Leib. Schmählich 'in Schwäche verriet ihn darum Gunther, der Königsmann, Weil ihm das fremde Weib es befahl, Gab er den Deutschen daran. — Wenn Du kommst an den Odenwald, Acht' auf die Wolke gut: Deutschlands Wange in brennender Scham Lodert von Siegfrieds Blut. Denn Mas vor tausend Jahren geschah. Tut man in Deutschland noch jetzt, Daß man das 'treue Heldenblut Schmählich zu Tode hetzt. Heut' noch über dem deutschen Land Waltet des Fremden Gebot. Seine Kinder bewerfen noch heut' Die eigene Mutter mit Kot. Deutschlands Seele, ein träumendes Kind, Das zur .Welt.nicht ärstarkt, Trägt ihre Heiligtümer noch heut' Jedem Mißbrauchet zu Markt. Wolke von Siegfrieds, von Deutschlands Blut, Die keine Stürme verweh'n, Blutmal über dem Odenwald, Wirst Du niemals, niemals vergeh'n? Heidelberg, Johannistag 1904. Kapselrätsel. (Nachdruck verboten.) Hofraum, Plenarsitzung, Eigelb, Uebernahme, Gedanken, Ameisenhaufen, Grübelei. In jedem der vorstehenden Wörter ist ein anderes Wort versteckt. Dieselben haben in anderer Reihenfolge folgende Bedeutung: Vorname, weibliches Wesen, Metall, Gesühlsausdruck, Fluß in Sibirien, kleines Tier, Naturgewächs. Sind die richtigen Wörter gesunden, bezeichnen die Ansangsbuchstaben eine Frühlingsblume. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Stammtisch-ScherzeS in vor. Nr.r Reizende Dame. Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Eerlag der Vrülh'scheuUniversitäts-Buch- und S teiudruckerei. R. Lange, Gießen.