W MM 1 wj^Wgi IBMSrSISMäS AUW Hifi ‘Offrtiimil Kn angenehmes Kke. Humoristischer Roman. Von Victor von ReiSner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Einen Augenblick standen sich die beiden Herren stumm gegenüber, gleichsam gegenseitig auf den Angriff wartend, dann, nach kurzer Verneigung, fragte der Major fragenden Tones: ,Hch hoffe, daß Ihr Besuch nichts Uebles zu bedeuten hat." „Das hängt ganz von Ihrer Auffassung ab", erwiderte Stepenaz zurückhaltend, „meine Absicht ist jedenfalls die allerbeste." „Dies zu bezweifeln wäre unartig. Wollen Sie gefälligst Platz nehmen." Man setzte sich, und nach einer Weile des Ueberlegens begann Stepenaz tastend: „Sagen Sie mir, Herr Major, würden Sie es als eine Beeinträchtigung Ihres geschäftlichen Unternehmens empfinden, wenn auch ich dem Gedanken, eine Zuckerfabrik zu bauen, näherträte?" Ueber Höchstfelds Gesicht huschte ein triumphierendüberlegenes Lächeln. „Im Gegenteil", sagte er, „es würde mich sogar freuen, den Impuls zu einer rationellen Ausnutzung der vorhandenen Werte gegeben zu haben." „Sie vergessen aber, daß Ihnen dadurch Konkurrenz erwächst." „Davon kann ja gar keine Rede sein", widersprach ihm Herr von Höchstfeld lebhaft, „ich wollte, es würden hier sogar noch sehr viele Fabriken entstehen, dann erst könnten wir auf dem Markte ein Wörtchen mitsprechen, dann erst wäre an einen wirklichen Gewinn zu denken." Stepenaz fühlte, wie ihm der Faden entglitt, und um nicht noch weiter vom Ziel abzulenken, bat er: „Möchten Sie nicht die Freundlichkeit haben, Ihren Herrn Inspektor an unserer Unterhaltung teilnehmen zu lassen — es wäre mir sehr erwünscht, von ihm, der ja darin so viel Erfahrung zu haben scheint, über verschiedene Punkte Aufklärung zu erhalten." „Mit größtem Vergnügen", sagte Herr von Höchstfeld zu, und Erich eilte, ohne erst eine Aufforderung abzuwarten, davon, Szabo persönlich herbeizuholen. Kurz darauf betrat er mit diesem das Zimmer, und Herr von Höchstfeld unterrichtete den Erschienenen mit wenigen Worten von des Grafen Absicht. „Wie mir der Herr Major mitteilte, wandte sich dieser im ruhigsten Gesprächston an Szabo, „haben Sie auch auf der gräflich Jülöpschen Herrschaft eine Zuckerfabrik ins Leven gerufen." „Allerdings", bestätigte Szabo. „Die Bodenverhältnisse sind doch im Baranger Komitat dieselben wie bei uns — nicht wahr — oder täusche ich mich darin?" Szabo zögerte einen Moment mit der Antwort. „Es sind dieselben", räumte er dann widerstrebend ein. „Und wir haben demnach mit dem gleichen Zuckergehalt unserer Rüben zu rechnen", zog Stepenaz als Schlußfolgerung. Auch das mußte Szabo zugeben. „Run, was das betrifft", erllärte ihm hier Höchstfeld mit überlegenem Lächeln, „so können Sie ganz außer Sorge sein. Herr von Szabo hat mir die Dokumente über die stattgehabten Analysen vorgewiesen, die geradezu glänzend ausgefallen sind." Graf Stepena' z schüttelte bei dieser Erklärung ein um das andere Mal den Köpf. „Sonderbar, höchst sonderbar", murmelte er dazu. „Was finden Sie so sonderbar?" fragte der Major pikiert. „Daß die Leute trotz dieses nachgewiesenen Zuckergehaltes nicht aus die Kosten kamen, schon nach Jahr und Tag die Fabrik aufgabcn und die ganze Einrichtung als unbrauchbaren Krempel verschleudern mußten." „Das ist. gar nicht sonderbar und liegt nur daran", fiel ihm Szabo erregt ins Wort, „weil mein Nachfolger von der Sache nichts verstand, außerdem ein Feind aller Neuerungen tpar und dem von mir eingesetzten Fabrik- direktor Knüppel zwischen die Füße warf." Graf Stepenaz sah ihn durchbohrend an und zog einen umfangreichen Brief aus der Tasche. ,^Jch habe bei Graf Jülöp über die Gründe dieser ausfällig schnellen Preisgabe der mit so bedeutenden Kosten ins Werk gesetzten Anlage angefragt", sagte er dann ruhig, ,-und dieser teilt mir mit, daß die Analyse der unter seiner Aufsicht abgesandten Rüben ein geradezu niederschmetternd-ungünstiges Resultat ergeben habe. Wie wollen Sie mir das erllären?" Szabo schnappte ein paarmal nach Luft. „Das begreife ich nicht — das ist mir einfach rätselhaft", entgegnete er, und sich dann in die Brust werfend, protestierte er mit dem Pathos edelster Entrüstung, „will er vielleicht mir aus der Unzuverlässigkeit der staatlichen Untersuchungsanstalten einen Vorwurf machen?" Stepenaz reagierte indes gar nicht darauf, sondern fuhr unbeirrt fort: „Jülöp schreibt mir ferner, daß er es sich angelegen sein ließ, diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, und dabei stellte es sich sonderbarer Weise heraus, daß Sie in der fraglichen Zeit eine lleine Sendung Rüben aus Böhmen, also aus dem Lande der anerkannt besten Zuckerrüben — erhalten haben. Er ist nun der Ueber^eugung, daß Sie diese und nicht die auf seinem Grund und Boden gewachsenen Mr Analyse eingesandt haben." 550 Szabo lachte krampfhaft auf. „Das ist zu absurd", ries er, „was soll ich denn damit dezweckt habend' „Auch damit hält er uicht hinter deni Berge", entgegnete Stepenaz mit derselben Gelassenheit, „er ist der Meinung, daß Sie aus der Anlage großen pekuniären, Vorteil zu ziehen verstanden und daß es Ihnen deshalb darauf ankomme,t mußte, deren Rentabilität von vornherein außer Zweifel zu stellen." „Herr Major", wandte sich Szabo zähneknirschend an diesen, „ich respektiere Herrn Grafen Stepenaz als Ihren Gast, sonst- würde ich mir diese Insulte nicht ruhig gefallen lassen, sch muß Sie aber nun um die Erlaubnis bitten, mich zurückziehen zu dürfe,,, denn auch meine Geduld hat ihre Grenzen, und meine Ehre könnte mir sonst gebieten . . ." „Ereifern Sie sich nicht unnötigerweise", schnitt ihm Graf Stepenaz mit derselben eisigen Ruhe, die er auch fernerhin bewahrte, das Wort ab, „über Ihre Ehre zu diskutieren, fällt mir gar nicht weiter ein — ich glaube auch kaum, daß dies einen Zweck hätte — es würde dabei nicht viel herauskommeu." Der Major hatte sich bisher ziemlich Passiv verhalten; nun hielt er sich aber doch, trotz der ihm aufsteigenden Bedenken, für verpflichtet, seinen Untergebenen in Schutz zu nehmen, und mit ernster Stimme sagte er: „Ich möchte Sie bitten, Herr Graf, nicht vergessen zu wollen, daß Herr von Szabo seinen früheren Posten infolge eines persönlichen Zerwürfnisses mit dem jetzigen Besitzer verließ. Dessen Beschuldigungen müßten also erst einer ruhigen Prüfung unterzogen werden) ehe man sie weiter trägt, und soweit ich Herrn von Szabo kenne, glaube ich kaum, daß er eine ehrliche Untersuchung zu fürchten braucht." „Nie — nie werde ich Ihnen diese Worte vergessen", dankte ihm Szabo geriihrt, „so lange Sie meine Dienste in Anspruch nehmen wollen, werden Sie an mir einen treuen, ergebenen Diener finden!" Stepenaz wechselte bei dieser schwulstigen Rede mit Erich einen verständnisvollen Blick. „Unsere Unterhaltung hat eine sehr eigentümliche Wendung angenommen, die mir für diesen Augenblick fern lag", sagte er dann. Sich wieder sicherer fühlend, fragte Szabo herausfordernd: „Für diesen Augenblick?" „Es scheint fast, als ob Sie in dieser' zufälligen Bemerkung etwas Beunruhigendes finden", entgegnete ihm der Gras mit verächtlichem Spott. „Ich wüßte nicht, wieso", verwahrte sich Szabo. „Das soll mich für Sie freuen", erklärte ihm Stepe- uaz, und einen anderen, mit Zahlen bedeckten Bogen aus der Brusttasche herauslaugend, erkundigte er sich nach, den Preisen der Difsusions-batterie, des Verdampfapparates, der Nutschbatterie, der Filtrierpresse und der sonstigen ge- lieserten Maschinen. Szabo ftihlte, wie sich die Schlinge immer fester um feinen Hals legte, und wollte, das Geschäftsgeheimnis vor- fchützend, nichts verraten. Da aber Herr von Höchstfeld erklärte, denr Grafen diesen Dienst mit Vergnügen zu leisten, so mußte er, ob er wollte oder nicht, die einzelnen Rechnungen hervorsuchen und die gewünschten Daten liefern. Erich sah ihm dabei kontrollierend über die Schulter, fo jede falsche Angabe verhindernd. Gras Stepenaz schrieb die angegebenen Preise untereinander, addierte sie dapn und richtete wieder einen durchs bohrenden Blick auf Szabo. Herrn von Höchstfeld wurde die Sache immer unerklärlicher und rätselhafter. „Fänden Sie es nicht sonderbar", wandte sich der Gras wieder an Szabo, „daß Herr von Höchstfeld um nahezu dreitausend Gulden mehr bezahlen mußte, als man von mir verlangt?" Durch das Borausgegangenc auf diese Frage schon gefaßt, entgegnete Szabo mit spöttisch-überlegenem Lächeln: „Absolut nicht. Es wird sich in Ihrem stalle eben um minderwertige Fabrikate und höchstwahrschemlich auch "Ml kleinere Maschinen handeln." Stepenaz erklärte kategorische „Es handelt sich, um dieselben Fabrikate und um diesMen Dimensionen — ich habe die genauen Angaben von Erich erhalten Md mir darnach die Aufstellung machen lassen." „Ja, wie ist denn das aber dann möglich?" fragte Herr von Höchstseld starr vor Ueberraschung. Graf Stepenaz erhob sich, und mit ausgestreckter Hand aus Szabo weisend, sagte er: „Darüber wird Ihnen -dieser Mensch die Aufklärung geben können!" Szabo verfärbte sich, und sich nur mühsam aufrecht haltend, stotterte er: „Sie — Sie sind — ein Verleumder!" „Schurke", donnerte ihn Stepenaz an, „noch eine solche Bemerkung, und ich zertrümmere Dir den Schädel!" Herr von Höchstfeld sprang entsetzt dazwischen. „Großer Gott, was soll denn das bedeuten?!" „Das soll bedeuten, daß Sie dieser Lump, dem Sie volles Vertrauen schenkten, bestohlen hat, daß er ein ganz, gemeiner Gauner ist, der sich fünfzehn Prozent Provision bezahlen ließ, die natürlich Sie berappen mußten." Herr von Höchstfeld zitterte vor Wüt an allen Gliedern'. „Was haben Sie gegen diese Beschuldigung vorzubringen?" wandte er sich mit erzwungener Ruhe an Szabo. „Einstweilen nur das eine, daß ich das Opfer einer schamlosen Jntrigue bin", erklärte dieser haßerfüllten Blickes, „bis morgen hoffe ich Ihnen die Beweise liefern zu können, und dann werde ich auch mit diesem Herrn Abrechnung halten!" Er verneigte sich kurz und schritt, beinahe über seine eigenen Beine stolpernd, hinaus. Nun gab es aber kein langes Ueberlegen — hier hieß es rasch handeln, wenn er nicht vollends in des Teufels Küche geraten wollte. Während er also in aller Eile seine Habseligkeiten zusammenschnürte und dieselben aus dm dort bestellten Wagen tragen ließ, paßte er auch scharf auf, ob es niemand bemerke und überlegte gleichzeitig, wi« er sich für diesen unfreiwilligen Abzug rächen könnte. Für den Moment fiel ihm zu seinem größten Bedauern! leider nichts ein, als er aber keine Viertelstunde tiontl Gutsyof entfernt aus Erna stieß, da hatte er sich sofort einen schlauen Plan zurechtgelegt, auf welchen diese natürlich auch gleich hereinfiel. Indessen saß Herr von Höchstseld ganz gebrochen in' feinem Stuhl und starrte die längste Zeit stumm vor sich hin. „Und ich habe diesem Menschpn solch grenzenloses Vertrauen entgegengebracht", murmelte er dann weiter. „Ja, ja, mein lieber Major, das kommt davon, wenn man nur nach dem Schein urteilt", entgegnete der Graf, „aber trösten Sie sich, es existiert niemand auf dieser Welt, der nicht wenigstens einmal in seinem Leben hineingefallen wäre. Ich sehe also gar nicht ein, warum gerade Sie eine Ausnahme machen sollten — seien Sie froh, daß Sie kein teureres Lehrgeld bezahlen mußten!" „Ich denke, daß das eben genug ist", ries Höchstfeld' wütend, „wenn sich die Verarbeitung unserer Rüben wirklich nicht lohnt, verliere ich ja ein Vermögen." „Gegen eine angemessene Entschädigung werden Jhnest die Fabriken die Maschinen schon zurücknehmen", mejnch Stepenaz zuversichtlich (Forts, folgt.) . Plaudereien aus der Kaissrstadt. (Nachdruck verboten.) Heim zur Spree. Alles beim Alten. — Beim Hofphotographrn. — Der kluge Hans im Apollotheater. Wenn das Barometer im Herbst vom „schönen Wetter"- herunterklettert und Reaumur alsbald gleichfalls in Re-, gioneu gerät, in denen der Mensch sich nicht nur seiner! Weste, sondern auch seines Paletots wieder erinnert, dann! bekommt der Berliner plötzlich Heimweh; so pathetisch er auch im Juli mit Heinrich Heine deklamiert haben mag! „Versaß Berlin mit seinem dicken Sande!" Und die Schwär- merei einsamer Gebirgsdörfler für die Großstadt, die ihn bis dahin bloß angenehm gekitzelt hat, fängt an ihn zu rühren; sie steigt ihm in den Kopf und berauscht ihn wie der junge Wein, den sie jetzt anfangest, an Rhein und Main zu verschänken — und in dem! darauffolgenden Katzeufaminer packt er kurz entschlossen seine Koffer und saust reumütig heimwärts, um die geliebte Reichsh auptststdt, deren Fehler längst vergessen, deren Vorzügle sich! in der MantaM — toi — vervielfacht haben, endlich wieder zu sehen. Natürlich bummelt er auch anderen Tags die Friedrichstraße hinaus zu den „Linden", auf denen sich^in diesen Wachten ganz Deutschland, soweit es sich der Manufaktur verschrieben hat, ein Rendezvous gibt. Es sind nämlich die Einkauftage für die Wintersaison, denen sich mehr oder minder flotte Abende im Wintergarten, Zirms, Metropoltheater mtb an noch vergnügteren Orten als Entschädigung für des Tages Mühen anschließen. Füp den Onkel aus Paderborn oder Neutomischel ist da natürlich alles neu und sehenswert, wenn er auch manchmal so tut, als sei er ein ebenso blasierter Globetrotter wie der Engländer, den er beim! Hoskondttor Manzler an der Lindenecke sitzen und gähnen sieht, als wolle er jetzt gerade das Brandenburger Dop verschlucken. Der heimgekehrte Spreeathener findet alles beim alten; aber die Dinge haben während seiner Abwesenheit neue Reize für ihn bekominen. Er bleibt wie der Reutomischler an den Schäufenstern stehen, bewundert bei Barbcdienne aus Paris die Bronzen und die Blumenpracht bei Schmidt aus Erfurt, lugt durch die blinkenden Scheiben bei Hiller und konstatiert weiterhin au einet« Modemagazin der jeneusse dorse vergnügt, daß die Stehkragen im .September wieder tun zwei Zentimeter höher geworden find und man aus den ausgelegten Exemplaren taiuii noch mit der Nasenspitze herausragen dürfte. Wie ein leiser Regen einfetzt, sieht er sich wie immer nach einem Omnibus Um und findet ihn auch Ivie -ehemals in solchen Momenten überfüllt. Mit der einzigen Straßenbahnlinie, die die Linden kreuzt, geht's ihm selbstverständlich nicht besser, u nd seufzend erkennt er, daß auch fein schönes Berlin im Regen ttichi gerade ein Paradies ist. Glücklicherweise findet sich! eines der jetzt glänzend florierenden! Automaten-Restaurattts in der Nähe, wo man für einen Nickel Bier oder Kaffee, sogar ein Gläschpn Madeira und ein Plätzchen bekommt, das matt egoistisch festhält, bis dep Regen nachläßt. In der Leipziger Straße ist auch noch alles wie ehedem. Ein paar neue Bauzäune sind errichtet und bringen in das lebhafte Bild des Verkehrs ein paar Ruhepunkte. Mn diesen Stellen staut sich! nämlich die Menge, wenn Lastwagen, Droschken und Omnibusse nicht gestatten, nach dem Fahrwege auszubiegen. Mer kur zvor Wiert- heim stockt das Gewoge gleichfalls und dort ist kein Bauzaun zu sehen. Kopf an Kops steht die Menge vor den strahlend erleuchteten Schäufenstern und kann sich anscheinend nicht satt schälten. Dabei sind alle Stände in diesem dicht gedrängten Trüpplein vertreten, das von den Auf- ficht führenden Schutzleuten äußerst höflich behandelt wird. Offiziere mit dem unvermeidliche Monocle im Auge, Damen der Aristokratie, die eigens ihr Koupee halten lassem um aus eine Minute hinüber zu treten und einen Blick aus die Auslage zu werfen: Börsenbarone und Kleinbürger, Arbeiter im Wvrkelrleid, schmucke Dienstmädchen mit weißen Schürzen, Streichholzperkäuferinnen, Gymnasiasten und vor allen Dingen: höhere Tochter! Es ist das Schaufenster eines unserer Hofphotographen, der ein paar Aufnahmen des Kronprinzen und seiner jungen Braut Eecilie ausgestellt hat. Und die Wahl unseres Thronerben wird da, zumal von den BackfischchM, mit drolliger Gewissenhaftigkeit nachgeprüst. Wie tapfer übrigens unsere Pädagogen schon an der Arbeit sind, das Mecklenburgtschje Fürstenkind populär zu machen, erkennt man aus derAb- sicht, eine unfeper höheren Töchterschulen demnächst „Ce- cilienschule" zu taufen! Was Berlin sonst noch bewegt in der Vorsaison; ist natürlich Hans, bas denkende Pferd, um das die Meinungen gewaltig auseinandergehen. Trotz aller aus Fachleuten gebildeten Prüfungskommissionen gibt eS' einst Partei, die von „Geist nicht eine Spur" sehen will und an Professor Zöllner und seine vierte Dtmiestsion damals erinnert. Mcht gerade unklug äußerte sich mein Rosselenker, dem ich! mich! abends znd Fahrt nach dem Apollotheater anvertraute, über die brennende Frage, indem er sagte: „Wenn schpn, und et soll so sinh, denn sind die ollen -Zossen ja Ville Heller als wir! Denn wat so die richtige Pserdesprache is, da find- doch die ält'steii Leite bis heile noch nich daphinter jekommen — un so'n achtjähriges Luder hat unfern janzen deitschen Quatsch! weg? Un kann Lesser rechnen wie Mine Olle, die janz jewiß nich uff'n Kopp jefallen is? Da weeß miet Loch! wirklich nich — —!" Ich überließ ihn seinen tiefsinnigen steherletzungen und sah mir an der Stätte der heiteren Muse die lustige Parodie an, die Steidl und Kettner aus der Affäre des klugen Hans gewonnen Habern Es ist eine brillante Nummer, und wenn das Pseudopferd auf die Frage, wer denn gestern von der Hofgesellschaft in der Vorstellung gewesen sei, energisch mit dem Schwänze perpendickelt und sein Statt- meister darauf zufrieden erklärt: „Ganz richtig, lieber Hans, der Herr von Wedel!" dann bleibt „ooch keen Ooge brocken"! wie der Berliner in seinem- schönen Jargon zu sagen pflegt! A. R. Fachmann und Jurist. Frei nackt Tr. Lieber. Ter schönste Stand aus Erden Ist des Juristen Stand. 9hir er kann etwas" werden Im deutschen Vaterland. Zum Ehe? wird stets erkoren In Teutschland der Jurist. Er ist dazu geboren, Weil er nickt Fachmann ist. Nur er erkennt die Wahrheit, Er ist darin geübt, Weil seines Geistes Klarheit Fachwissen nicht getrübt. Es ist allein gcscheidte In Teutschland der Jurist, Weil ihm des Blickes Weite Ja angeboren ist. Im Laudwirtschaftsvereine Ist stets er Präsident, Weil er die Mutterschweine Nicht von den Ebern kennt. Es küret auch die Stiere In Deutschland der Jurist, Weil in Bezug aus Tiere Er Fachmann ja nicht ist. Es ist darum nur Logik, Wenn er die Schul' regiert, Weil ihn die Pädagogik Nicht sonderlich geniert. Es kann die Schul' nur leiten In Teutschland der Jurist, Weil er des Blicks, des weitest, Mlein teilhaftig.ist. In der Gesundheitspflege Er an der Spitze ststht, Tieweil er allerwege Davon nicht viel versteht. Sie leiten kann alleine In Teutschland ein Jurist, Weil wirklich winzig kleine Sein ärztlich Wissen ist. Auch von der Homiletik Versteht er niast die Spur. Von Kirchenrecht und Ethik Kennt er den Namen nur. Im Kirchenrat drum immer Ist Präses der Jurist, Weil er nicht einen Schimmer Bon Exeges' genießt. Ob Hoch-, .ob Niederwaldung, Bon ihm wird's dekretiert. Weil auch die Forstverwaltung Er niemals hat smdiert. Im Walde die Unitriebszeiten Bestimmet der Jurist, Weil darin auch bescheiden Sein fachlich Wissen ist. Tie Kunst der Ingenieure Hat niemals er kapiert, Er ist es drum, man höre, Der Bahnen projektiert. ga Bahnen zu tracieren ersteht nur der Jurist, Weil er im Nivellieren Durchaus nicht Fachmann ist. Im Zollfach zum Direktor, Wird- der Jurist keriert. Ter Zöllner bleibt Inspektor, . Weil er das Fach studiert. Der Fachmann, der darf raten, Beschließen der Jurist, Weil frei er von dem Schaden, Zu vielen WifschiK ift- 662 Im Steuerfach ist's Satzung, Taß der Jurist befiehlt, Weil Steuern er und Schatzung- Ms Zahler nur gefühlt. Es leitet das Kataster In Deutschland der Jurist Weil er des Wissens Laster Mit Vorsicht nur genießt. So ist's in jedem Zweige Bis auf das Militär, Wenn das nichts taugt im Reiche, So kommt es davon her, Daß an der Spitz' nicht stehet In Deutschland ein Jurist, Ter nichts davon verstehet Und der nicht Fachmann ist. Willst du drum avancieren Im deutschen Vaterland, Mußt Jura du studieren, Tas ist 'der schönste Stand. Ter Fachmann hat zu denken, Zu leiten der Jurist, Ten Staat kann er nur lenken, Weil er nicht Fachmann ist. Doch will ich dir noch raten: Darfst nicht zu fleißig sein. Sonst impfst du dir den Schaden Zu vielen Wissens ein. Es gilt nur für gefcheidte In Deutschland der Jurist, Wenn er des Blickes Weite In vollem Maß genießt. Tust du zu viel studieren,. So wirst du Justitiar, Und mit dem Avanciere« Ist's damit völlig gar. Es kann's zu was nur bringen In Teutschland der Jurist, Wenn in jurist'schen Dingen Er auch nicht Fachmann ist. Obiges Spottgedicht entnehmen wir den „Liedern und Reimereien eines alten Grünrocks aus der Pfalz", die unter vieler Spreu auch mancherlei Wahrheiten enthalten. vermischte». * Neue Einbli cke in den inneren Menschen. Die Röntgenstrahlen haben der medizinischen Untersuchung, wenn auch nicht so viel wie optimistische Hitzköpfe in den ersten Tagen nach der Entdeckung vorausfehen wollten, so doch immerhin mehr gegeben, als die nüchtern prüfende Wissenschaft noch vor wenigen Jahren zu hoffen wagte. .Durch mühevolle, unablässige Arbeit sind auf diesem Gebiet Erfolge errungen worden, die hoch zu veranschlagen sind und auch die Aussicht auf noch größere Ergebnisse in der Zukunst in sich schließen. Die Ermittelung von massiven Fremdkörpern, beispielsweise von Geschossen im menschlichen Körper, war die nächstliegende Anwendung der Röntgenstrahlen, sodann das Studium des Knochengerüsts und seiner etwaigen Verunstaltungen durch Krankheit. Allmählich ist man aber noch wesentlich weiter gekommen. Äon besonderem Gehalt ist in dieser Beziehung ein Vortrag, den Professor Rieder in der Gesellschaft für Morphologie und Physiologie in München gehalten hat und jetzt in der Münchener medizinischen Wochenschrist veröffentlicht. Er handelt von Untersuchungen dev Magens und Darms beim lebenden Menschen, die dadurch ermöglicht werden, daß man durch das basisch salpetersaure Wismut ein Mittel hat, tze betreffenden Organe für die Röntgenstrahlen undurchlässig zu machen. Der Stoff wird einfach, den Speisen beigemischt, was ohne jeden Schaden für deren Bekömmlichkeit geschehen kann. Während des Aufenthaltes der Speisen im Magen und Darm und sogar noch, etwas länger werden diese Körperteile dann auf einer Röntgenphotographie sichtbar und man kann daher nicht nur ihre Lage und Form, sondern auch ihre Bewegungen während der Verdauung nachweisen. .Was den Magen bereifst, so hat Rieder zunächst festgestellt, daß er in gefülltem Zustand nicht wagerecht, sondern senkrecht oder nur wenig schräg gestellt ist. Gegen das Ende der Verdauung verschwinden natürlich die Speisereste aus dem Magen bis auf die Nachbarschaft des Magenausgangs. Während der Verdauung treten fast regelmäßig größere Gasansammlungen im Magen auf. Die Größe des Magens kann nicht ermittelt werden, wenn er leer und ganz in sich zusammengezogen ist/ wohl aber nach einer kräftigen Mahlzeit. Früher hatte man für diesen Zweck nur das nicht unbedenkliche Mittel, den Magen mit Gas künstlich aufzublähen. In der Gestalt des Magens machen sich auch gewisse Unterschiede bei den Geschlechtern bemerkbar, indem dieser Körperteil oft durch das Korsettragen gestreckt in die Länge gezogen und nach unren gedrückt wird, wostlr die Merzte geradezu den Ausdruck „Schnürmagen" gebrauchen. In ähnlicher Weise kann die Lagerung .der Gedärme, nämlich der Dünndarmschlingen und des Blinddarms ermittelt werden. Die Schlingen des Dünndarms treten auf einer Röntgenphotographie geradezu plastisch hervor,, wenn sie mit einer wismuthaltigen Lösung gefüllt sind; auch beim Tickdarm kann man deutlich erkennen, wie weit die Flüssigkeit darin vorgedrungen ist und ob etwaige Verschiebungen deS Organs, stattgefunden haben. Noch wichtiger fast erscheint die Tatsache,, daß das Verfahren auch den Fortschritt der Verdauung jm Magen und Darm zu beobachten gestattet. Wir erfahren dadurch u, a., daß die Leerung des Magens nicht in einem fortgesetzten Fluß, sondern gleichsam stoßweise erfolgt; ferner daß diese Entleerung nach dem Genuß von Flüssigkeiten schneller vor srch geht als nach Zufuhr fester oder breiartiger Speisen; endlich, daß eine stärkere Füllung des Magens auch eine schnellere Geschwindigkeit der Entleerung bedingt. Es kann also die überaus bedeutsame Frage, wie lange verschiedene Speisen den Magen belasten, rasch und sicher entschieden werden. ,Ter Weg, den die Nahrungsveste bis in den Dickdarm zurücklegen, wird in drei bis vier Stunden durchmessen. Vielleicht könnte jetzt durch die Röntgenstrahlen auch manche Aufklärung über die Entstehung und den Verlauf der Blinddarmentzündung .ermittelt werden, die gerade in unserer Zeit so viele Opfer fordert. ______________ Literarisches. — Die Werke Anton Tschechoffs', des dor kurzem gestorbenen „russischen Maupassant" .sind in dem bekannten Verlag von Eugen Diederichs in Leipzig in 5 Bänden, fein ausgestattet, erschienen. Die Uebersetzung von Wladimir Czumikvw wird den höchsten literarischen Ansprüchen gerecht und läßt den prächtigen Humor Tschechoffs aus seiner originellen Schreibweise ungeschwächt hervorgehen. Tschechofs ist in erster Linie Humorist, und sein Humor ist ein echt künstlerischer, denn der russische Dichter tritt als ein überaus feiner, scharfblickender und zugleich warm mitempfindender Psycholog den menschlichen Eigentümlichkeiten näher, die er mit beißendem Spott zu geißeln, aber auch mit der echten Anteilnahme eines tiefen Gemütes zu erfüllen weiß. Sein Humor — er ist u. a. ein großer Tierfreund — ist stets herzerwärmend und ohne eigentliche Schürfe der Tendenz. Mit Maupassant hat er das gemein, daß auch er die Fäden der Lrebes- händel bis ins Letzte verfolgt und in der äußerlichen Beurteilung seiner Menschen zu einem ziemlich pessimistischen Resultat kommt. Dagegen ist er keineswegs, wie der Franzose, Realist. Er schaut mit intensiver Subjektivität und verrät stets den warmherzigen Dichter und Humoristen. .Die Geschichten, die er erzählt, sind alle kurz; die Gabe, in weitem Rahmen ein größeres Werk zu schaffen, fehlt ihm gänzlich. .Dies hindert indessen nicht, daß er als Künstler mit an der Spitze des russischen Schrifttums steht. Von ausschließlich humoristischem Inhalt ist der 1. Band seiner Werke in der deutschen Ausgabe. Da ist vor allem „Kaschtanka", eine Hunde- gefchichte von ungewöhnlichem Retz. In der Tierseele, in der Seele des Hundes, der Katze, der Gans, des Schweines, weiß hier der lachende Psycholog die scharfsinnigsten Beobachtungen charak- teristischer Verschiedenheiten aufzudecken, die wir sofort erkennen und die uns herzlich amüsieren. Die Skizze „Die Verleumdung^ ist etwas anderer Art, ein Meisterstück spottenden Humors. Der 2. Band enthält zum Teil Proben eines ähnlichen Humors. Doch gibt es darin auch Erzählungen von ernstem Charakter, von bitter ironischen Beobachtungen, denen der flüchtige Humor nicht ihre beredte Sprache raubt. Tschechoff schaut da die Kleinlichkeiten und Erbärmlichkeiten des Philistertums Und legt mit der scheinbar harmlosen Wiedererzähtung dieser Dinge seinen Lesern wortlos ein besseres, wahres, menschliches Empfinden nahe. So bleibt er gleich interessant, fesselnd und voll tiefer Empfindung in allen seinen! Schriften. Seine Dramen, die in der deutschen Ausgabe, von Diederichs verlegt, einen Band füllen, sind dramatisch etwas unbehilflich. verdienen aber ebenfalls Interesse, r a auch des Dichters feinste und erfrischende Kunst der Novellistik an gehört. Zahlenrätsel. (Nachdruck verboten.) 123456789 10 Trieb. 2 6 6 8 2 Kampfplatz. 3 8 4 6 7 Mehlspeise. 4 2 3 10 5 Italienischer Dichte«. 5 4 8 2 6 4 Mannlicher Personenname. 6 2 4 7 5 6 Sportsmann. 7 5 1 2 7 4 Deutsche Dichterin. 8 7 9 10 5 6 Irländische Provinz. 9 5 4 2 8 Stadt in Frankreich. 10 6 8 9 10 Bezeichnung für einen bestimmten Zusammenschluß. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.r Eingemachte Psirsische. Redaktion: Auaust (BoeU. — Rotationsdruck und Verlaa der Brübl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lange, Gießen.