1904. 3a ■ i'J älffl 1=1 s 16 W-M MM W1 — WUti WWW (Nachdruck verboten.) Die Jerichoposarrne. Aus den Erlebnissen eines russischen Gerichtsarztes. Von E. v. Trojanowsky. (Fortsetzung.) Dem Untersuchungsrichter ist etwas in die Kehle gekommen. Er inuß stark aufhusten und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Mit großer Genugtuung bemerkt er die Schuftige Veränderung, die in den Gesichtern, in der ganzen ialtuug der vor kurzem noch so bedrohlich lärmenden, zu eder Gewalttat bereiten Volksmasse vor sich, gegangen. Er test in den Mienen vieler, daß sein Auftreten ihre Billigung gefunden, ja ihnen gewaltig imponiert hat. Seinen Erfolg ausnutzend, fährt er fort, seine strengen Micke hauptsächlich auf die Hauptschreier von vorhin richtend: „Was habt Ihr eigentlich im Sinne gehabt, Ihr nichtswürdigen Hunde? Zuerst Drängt Ihr mit böswilligem, lügenhaftem Geträtschs die Obrigkeit zur Verunreinigung Eures Kirchhofs, zur Wiederausgrabnng eines vor kurzem beerdigten, Euch allen wohlbekannten jungen Mannes, der bei angeborener Schwächlichkeit und grundfalscher Erziehung seine Gesundheit durch gar zu lockeres Leben beständig noch mehr schädigte- der sich zuletzt selbst zu Tode gejubelt hat! —i Und dann, als die Wiederausgrabung und amtliche Besichtigung der Leiche wirklich vor sich, geht, betragt Ihr Euch, wie Halbverrückte, schreit und tobt und droht ohne Aufhören. Und zuletzt? Zuletzt, wo Ihr merkt, daß keine Gewalttat an ihm verübt worden ist, daß die gus persönlicher Feindschaft erhobene Beschuldigung gegen einen Eurer Dorfinsassen und seinen Sohn sich also als vollständig grundlos erweist, — wo Ihr merkt, daß man Euch ganz unnütz mit kostenfreiem Branntwein getränkt hat, und Ihr in dieser Sache auf keine weitere Bewirtung, kein weiteres Trinkgeld mehr zu hoffen habt, — da wollt Ihr Euch nicht zufrieden geben mit dem, was der erfahrene Euch allen wohlbekannte Gerichtsjarzt als einzige Ursache des unerwarteten, plötzlichen Todes Eures Iwan bezeichnet, mit seinem Amtseid bekräftigt?! Da schickt Ihr Euch an, Ihr Bestien, herzufallen über den Arzt und Feldscher und über mich, — da wollt Ihr unsere Protokolle zerreißen, den armen, zerschnittenem blutbesudelten Toten unvernäht und ungereinigt wieder m den Sarg zurücklegen, und in seiner Gruft verscharren, — da hofft Ihr beim Gouverneur oder Gott weiß wo sonst noch, eine abermalige Ausgrabung Und Besichtigung, ein abermaliges Zerschneiden des heut schon gänzlich verunstalteten Leichnams durchsetzen zu können? ... Ihr betrunkenen Narren! . . . Warum seid Ihr denn mit einem Mal so still geworden? — Warum beendet Ihr denn nicht auf Eure Art unsere, von Euch schon genügend gestörte Amtshandlung? — Da! Nehmt doch die Protokolle vom Tisch da, zerreißt sie! — Zertrümmert doch den Kasten mit den Kronsinstrumenten, die der Feldscher da ehen reinigt und ordnet. Schlagt ihn doch tot — zum Dank für seine mühevolle Arbeit! Schlagt doch den Doktor tot — und mich dazu! — Ihr habt ja noch Steine genug in Euren Taschen, — warum schleudert Ihr denn nicht noch mehr Steine auf uns? — Versteht denn niemand von Euch besser zu zielen wie der betrunkene Schuft, der vorhin den ersten Stein nach meinem Kopfe warf? Der Euren sind ja viele Hunderte, wir sind nur zwei oder drei! — Was zögert Ihr denn noch, Ihr erbärmlichen Feiglinge? Ich tue Euch nichts, — ich stehe vor Euch mit bloßem Kopfe, bloßen Händen, ohne Waffe! — Ihr aber? — Ist Eure Courage schon so ganz zu Ende? — Es scheint fast so, denn Eure Reihen lichten sich ganz merkwürdig rasch, Wie sie hübsch davonschleichen, Eure mutigen Kameraden! — Und Ihr namentlich, Ihr großen Maulhelden da vorn, warum sind denn Eure Gesichter so blaß geworden? Vorhin hattet Ihr alle recht rote Köpfe, Warum llebt Euch denn jetzt die Zunge so fest am Gaumen? Warum redet Ihr denn jetzt kein einziges Wört- lein mehr? . . . Ihr schämt Euch wohl gar ob Eures Ge- bahrens von vorhin, Ihr dummen, dummen Jungen? —i Komm mal her, Du oa. . .!" Er faßt einen der in seiner Nähe stehenden Burschen am Kragen seiner Jacke, hebt ihn steifen Arms empor und übergibt ihn den Landgendarmen und Ssotzkis, die sich, seit er zu reden begann, in seiner unmittelbaren Nähe postiert hatten. „Komm mal her, auch Du da Er macht es mit dem zweiten der Großmäuler genau ebenso wie mit dem ersten, „Da, nehmt sie! Bringt sie ins Arrestlokal der Gemeindeverwaltung, daß sie sich da bis morgen hübsch ausnüchtern nach dem heutigen Rausche — Binden? — Nein, bindet sie nicht! Sie sind ja, Gottlob, noch nicht zu Verbrechern geworden. Davor habe ich sie noch gerettet! —i Es sind dumme, trunkene Knaben, Kinder — weiter nichts. Sie werden gutwillig mit Euch gehen. — Ich habe mir vorhin gut gemerkt, wer am lautesten tobte. Ihr da, Ssotzkis, nehmt mal den noch mit Euch, den Rotkopf, —i und den da, den Langnasigen — und den noch, der da aussieht wie ein richtiger Zigeuner! . . . Persönlich brauche ich Mir wohl keinen der Herren mehr herauszugreifen? So, Kinder, geht mit Gott! — Wünsche Euch wohl zu ruhen!" — Mit der Festnahme und widerstandslosen Abführung der Hauptschreier leerte sich der Kirchhof in überraschend chnellem Tempo. Die meisten der Fliehenden vermeiden ogar die Wege und das Tor. Sie schwingen sich gewandt über den niedrigen Zaun — hinaus ins freie Felo. Verschwunden sind im Nu die auf den Bäumen hockenden! Kinder, verschwunden ist das bunte weibliche Zaunpublikum. Zertretene Gräber, zerbrochene Holzkreuze, umgestürzt«! — 414 ivettif die lich schwer bewölktem Himmel, ist dunkel genug. (Schluß folgt.) nur leicht zwischen den Ohren kitzelnd. Durch den leichten Regen vorhin werden die Fahrenden vom Staube nur ig belästigt. Die Luft ist frisch, sogar kühl; fester hüllen Herren sich in ihre Mäntel. Die durch das lange Stehen ungeduldig gewordenen Pferde gehen anfangs in vollem Galopp. Allmählich beruhigen sre sich, fallen in ihren gewöhnliche Posttrab. Der Weg ist ja auch keiner von den besten. Und die Herbstnacht, bei immer noch ziemi- Intimes von Aismarck. Die reichhaltige und in den letzten Jahren durch eine große Anzahl von Veröffentlichungen stark angewachsene Bismarckliteratur ist neuerdings um ein soeben erschienenes Werk „Vom Für st en Bismarck und feinem Haus" aus der Feder deS bekannten Forfchungsreifenden Eugen Wolf (Egon Fleischet u. Co., Berlin) bereichert worden. Der besondere Wert des Bilches liegt darin, daß es im wesentlichen Tagebuchaufzeichnungen des Verfassers während der Zeit seines Verkehrs im Hause Bismarck wiedergibt, und daß also diese Blätter unter dem direkten Eindruck, den der Verfasser von des Fürsten Bismarck gewaltiger Persönlichkeit empfing, niedergeschrieben wurden, ohne daß etwa damals bereits der Gedanke an eine spätere Veröffentlichung nach irgendwelcher Richtung hin von Einfluß war. Diese kurzen, skizzenartigen Tagebnchblätter geben indes in ihrer Gesamtheit ein abgerundetes Bild des Menschen Bismarck, wie er im Kreise seiner Familie und seiner Intimen, in der Gesellschaft guter Freunde, bei Tische und in der leichten Unterhaltung erschien, und vervollständigen so das Bild des Altreichskanzlers, das die zahlreichen Monographien, die Aufzeichnungen feiner Intimen, vor allem aber auch seine eigenen „Gedanken und Erinnerungen" und die in jüngster Zeit veröffentlichten Briese in feinen Kon-- turen allmählich festgelegt haben. Die Aufzeichnungen Wolfs beginnen Ende des Jahres 1888 und erstrecken sich also, da der Verfasser bis zu Bismarcks Tode in dessen! Heim verkehrte, über einen Zeitraum von zehn Jahren, den letzten zehn Lebensjahren des Fürsten. Bet dem Bilde, das die Lektüre des Buches beim Leser hervorruft, muß gerade dieser Umstand immer wieder berücksichtigt werden, daß es sich um eine Schilderung des alten Bismarck, und zwar vornehmlich in den Jahren nach feinem Rücktritt, handelt. Der alte Fürst tritt uns nicht als Politiker und Diplomat, sondern lediglich als Gutsherr und Landedelmann in feinem Schlosse Friedrichsruh entgegen, wo sich die meisten Vorgänge, die der Verfasser erzählt, abspielen. Die erste Einladung, die Eugen Wolf in den Sachsenwald führte, fällt in den Dezember 1888, und zwar im Zusammenhang mit der Emin-Pafcha-Expedition, auf der Wolf den damaligen Leutnant Wißmann, der sich der besonderen Hochschätzung Bismarcks erfreute, begleitete. .Gleich bei dieser Gelegenheit tritt uns Bismarck in seiner ganzen.charakteristischen Art, wie ihn der Verfasser auch, im weiteren Verlauf seiner Begegnungen schildert, entgegen: ein gastfreier, jovialliebenswürdiger Grandseigneur, ein Hausherr, der mit feinen Gästen über die verschiedensten Materien, von denen er Interesse bei ihnen vorausfetzt, plaudert, ein Mann, der über eine erstaunliche Fülle von Kenntnissen verfügt, der auf den mannigfachsten Wissensgebieten vorzüglich zu Hause ist, ein amüsanter Änekdotenerzähler, vortrefflicher Hausherr und Familienvater, und endlich auch ein großer Freund eines guten Trunkes, ein feiner Kenner von Weinen, Speisen und Tabak. Daß bei seinen Unterhaltungen mit dem Forfchungsreifenden Wolf koloniale und verwandte Fragen häufig berührt wurden, ist nicht mehr als natürlich. Man empfängt von Bismarcks Aeußer- ungen über diese Gebiete im allgemeinen den Eindruck eurer gewissen Zurückhaltung, und bei der von ihm wiederholt, als für Deutschlands Politik maßgebend, angeführten geographischen Lage des Reiches zwischen Rußland und Frankreich erscheint es ihnt bedenklich, den Schwerpunkt der deutschen Interessen allzu sehr auf die Erwerbung von Kolonien zu legen. Ueber den mit England abgeschlossenen Sansibarvertrag äußert sich Bisinarck einmal in sehr absprechender Weise: „Ich hätte nienlals meine Einwilligung zu solchem Vertrage gegeben. Die Küste war ja bereits effektiv in unserem Besitz, und Sansibar wäre uns zweifellos später zugefallen. .Der Wert Helgolands ist ein sehr zweifelhafter; es ist roter, weicher Sandstein, den Man mit weittragenden Marinegeschützen zusammenschießen kann, Schon zu meinen Zeiten schwebten Verhandlungen über die Gewinnung.Helgolands; das Opfer, das die Engländer dafür forderten, war mir aber zu groß." Auf eine Anregung Wolfs, der sich bei einer anderen Gelegenheit einmal für die Schaffung eines Kolonialministeriums aussprach, äußerte der Fürst Bedenken im Hinblick auf die Reichsverfassung, und über die im Anschluß daran erörterte Frage, wer wohl für einen solchen Posten als Kolonialminister geeignet sei, tat Bismarck den gerade in diesen Tagen ganz besonders beachtenswerten Ausspruch: „Wißmann paßt nicht für den Lureaukratischen Dienst, Major v. Trotha wohl ebenfalls nicht, und ich sehe sonst für den Augenblick keine geeignete Persönlichkeit." Voll besonderem Interesse und ein Beweis, wie Bismarcks Scharfblick in politischen Grabgitter, leergetrunkene Flaschen, fortgeworfene Steine bezeichnen die Stätte, tvo soeben noch der helle Aufruhr tobte. Still ist's ringsum, so wohltuend still — nach all dem wüsten Lärm. — Der Leichnam Iwans liegt sorgfältig gereinigt und frisch angekleidet, wieder in seinem Sarge. Der alte Priester, den innere Unruhe schon längst wieder z-um Kirchhof zurückgeführt, schickt sich an, den Sarg wieder in die Gruft versenken zu lassen, und das von der Kirche für Fälle dieser Art vorgeschriebette Gebet zu sprechen. Vorher aber nähert er sich dem müde und abgespannt neben dem Protokolltisch stehenden Untersuchungsrichter, umarmt ihn herzlich und küßt ihn dreimal, Tränen in den Augen, — mit einigen aus tiefstem Herzen kommenden Worten des Dankes für sein energisches Auftreten, seine furchtlose Sprache in der gefahrvollen Stunde, die sie alle hier eben durchlebt haben, in den kritischen Augenblicken, wo alles auf dem Spies stund, für die Beamten wie für die aufgewiegelten Bauern. — Zum erstenmal hat matt heute in dieser Gegend die ^Jerichoposaune" gehört! Der Priester aber wird Zeit seines Lebens diese gewaltige Stegreifrede nicht vergessen — und ihre augenblickliche, fast ans Wunderbare grenzende Wirkung aus die Tumultuanten. Er nimmt sich im stillen vor, bei seiner nächsten Anwesenheit in der Gouvernemeutsstadt dem Archierei über diese Kirchhofspredigt der „Jericho- Posaune" ausführlich zu berichten. 7. Kapitel. Der Untersuchungsrichter und der Arzt verlassen den Kirchhof. Sie gehen zu Fuß bis zur Gemeindeverwaltung. Ihr Dreigespann folgt im Schritt, mit dem Feldscher und dem Postknecht auf dem Kutschersitz. Wo der Untersuchungsrichter an deri zahlreichen Gruppen Heimkehrender vorbeikommt, entblößen die Leute ihr Haupt und rufen ihm Segenswünsche nach: „Dank, Euer Wohlgeboren, von ganzer Seele — Dank! Ruhigen Herzens können wir nun nach Hause gehen, ruhigen Herzens uns schlafen legen. An unseren dummen jungen Narren habt Ihr gehandelt wie ein Vater, wie ein leiblicher Vater! Gott schenke .Euch Gesundheit — und langes Leben!" In der Gemeindeverwaltung danken ihm in ähnlicher Weise viele der angesehensten älteren Bauern, die Glieder des Gemeindegerichts und namentlich der Gemeindeälteste, Sm eigener Sohn sich auch unter den Arretierten beet. Herzlich dankt ihm auch der Stanowoi, dessen Prestige durch die Vorgänge auf dem Kirchhof wieder hergestellt ist. Die Landgendarmen, die Ssotzkis schauen jetzt wieder sehr zuversichtlich drein. Während draußen ein leichter Regen niedergeht, erholen sich, die Herren in der Gemeindeverwaltung und stärken sich durch Speise und Trank aus ihren aus der Stadt mitgenommen, kleinen aber wohlgefüllten Speise- körbett. Zur Heimfahrt sich rüstench wendet sich der Untersuchungsrichter plötzlich zum Arzt: ^Morgen ist ja Sonntag! Sollen die fünf dummen JUngen die ganze kühle Septembernacht und vielleicht gar auch den Sonntag in dem äußerst primitiv , eingerichteten Arrestlokal sitzen bleiben? — Getobt und geschrieen haben vorhin noch unzählige andere, vielleicht noch mehr als diese, die sich nachher wenigstens nicht versteckten, nicht feige davon- schlichen. Zudem . . . der Steiniverfer ist ja so wie so nicht gefaßt worden! — Wlas meinen Sie, Doktor?" Und ohne erst die Antwort des Arztes abznwarten, gibt er den Befehl: „Bringt mir mal die Jungens hierher, alle fünf!" Die bald darauf.Eintretenden mustert er scharf: „Nun, Ihr Galgenvögel? Ich will bloß Abschied nehmen von Euch. Laßt Euch mal ordentlich anschauen, damit ich mir Eure Gesichter gut einpräge — für den Fall, daß eitter von Euch mir wieder unter die Finger kommen sollte. Dann gibt's natürlich keinen Pardon mehr! Aber heute lasse ich Euch laufen! Geht Mit Gott! Ich will nicht, daß Ihr diesmal gestraft werdet, Ihr törichten, verführten Kinder! Geht — Ihr seid frei!" Alle die so unerwartet Befreiten fallen ihm dankend zu Füßen. Ernsten Blickes ihnen mit dem Finger drohend, schreitet er mitten durch sie hindurch — dem Wagen zu, aus dem der Arzt schon Platz genommen und seiner wartet. „Nach Hause, Ihr Täubchen, Ihr Falken, — Ihr Lchelme I — Nach Hause!" unterhält sich der Postknecht Mir seinen Tieren, sie mit dem Ende der Peitschenschnur — 415 — ien8. Bis- lesen, der sich in ®en: und deshalb vor ein Diese wenigen' Male nur sind cs, wo wir über die Beziehungen Bismarcks zu sremden Staatsoberhäuptern, Politikern oder sonstigen Berühmtheiten hören. Dagegen tritt uns Bismarcks Gestalt im Kreise seiner Familie und seiner Intimen desto deutlicher vor Augen. Einen seiner Besuche auf Schloß Friedrichsruh schildert Wolf in folgender Weise: In dem Speisesaal versammeln sich per Fürst, gefolgt von feilten zwei Hunden, die Fürstin, Gräfin EickstLdt, Baron und Baronin Merck, die Gutsnachbarn des Fürsten, und die rechte Hand Seiner Durchlaucht, Loihar Bucher, der in seiner kleinen, schmächtigen, fast gedrückten Erscheinung einen merkwürdigen Kontrast zu dem Misten bildet. Ein andermal seht.sich die Frü lMi cksg e s ellscha ft aus dem fürstlichen Paar, der Gräfin Rantzau, dem Grafen Herbert Bismarck und Geheimrat Von Rottenburg zusammen, von welch letzterem Eugen Wolf einen besonders günstigen Eindruck empfangen hat. Er schreibt, daß man in> der Unterhaltung mit ihm die Ueberzeuguna gewinne, es tnit einem selten vielseitigen Manne zu tun zu haben, den man bei näherer» Umgänge lieb gewinnen müff«. Bei anderen Gelegenheiten treten uns Graf Wilhelm Bismarck und seine Gemahlin, Graf Palffh, Dr. Chrysander und Professor SKveninger entgegen. marcks Beziehungen zu Leo XIII. werden zweimal in dem Buche berührt, .und die Aeuherungen des Papstes über den Kanzler sind Nicht minder interessant als die des Fürsten über den Greis im Vatikan. Im Dezember 1891 hatte Wolf eine Audienz bei Leo XIII., zu deren Schlüsse sich die folgende Szene abspielte. Der Papst stellt an seinen Besucher beim Abschied die Frage: „Quel voyage allez vous faire maintenant?“ J’irai präsenter nies hommages au plus grand hemme d’6tat.“ „Ah, — vous allez chez le Prince de Bismarck! Saluez le Prinee de ma part, nous avons eu de bons rapports.“ Ein paar Wochen darauf erwähnte Wolf bei einer Anwesenheit in Friedrichsruh diesen Besuch und überbrachte Bismarck die Grüße des Papstes. Der Fürst erkundigte sich angelegentlichst nach Leos Befinden: „Wie geht's dem' alten Herrn? Wir sind stets gut mit einander ausgekommen, und der Papst hat Mir seinen höchsten Orden mit Brillanten verliehen, aber mit der verflixten kleinen Exzellenz konnte ich nicht gut auskommen," lieber seinen eigenen Rücktritt vom Kanzler- Posten macht der Fürst nur ein einziges Mal eine Andeutung und zwar erst zwei Jahre vor seinem Tode, im Mai 1896, und auch da nur in Form einer leisen Anspielung. Der Fürst hatte in einer Zeitung eine Polemik Wolfs gegen einen jungen Leutnant ge- ~ ltsch-Ostafrika nicht mit Ruhm bedeckt hatte . ...... Ehrengericht gestellt worden war, vermöge hoher Protektion es aber durchgesetzt hatte, daß ihm alles verziehen wurde. Als Wolf die ganze Angelegenheit dem Fürsten ein wenig eingehender auseinandersetzte, bemerkte Bismarck: „Wenn ich solch einflußreiche Freuiche gehabt hätte, wäre rch heute noch Reichskanzler." Diese kurze Zwischenbemerkung ist alles, was wir über des Fürsten Ausscheiden aus dem Staatsdienst hören, Die Ausbeute an Aussprüchen Bismarcks über bekannte Persönlichkeiten ist nicht sehr groß, einen Hübschen Ausspruch über Bismarck berichtet jedoch Wolf, als er im Jahre 1891 in Prätoria war und Paul Krüger bei dieser Gelegenheit besuchte. Der Präsident erzählte mancherlei von seiner Europareise, und als die Rede auf Bismarck kam, sagte er: „Bismarck und ich, wir konnten uns sehr gut verständlich machen; er hat plattdeutsche mit mir gesprochen, ich.die Sprache meines Landes, und so bedurfte es keines Dolmetschers." Fragen ihn wichtige zukünftige Ereignisse mit großer Sicherheit vorauszusehen befähigte, ist ein Ausspruch, den er im Januar 1896 bei Erwähnung des Telegramms Kaiser Wilhelms II. an den Präsidenten Krüger kurz nach dem Jameson-Einfall, tat. „Der Streit Englands mit .Transvaal ist damit nicht erledigt", bemerkte Bismarck bei dieser Gelegenheit. „England wird darauf nicht verzichten, eS wird seine Aktion nur vertagen." Betreffs Madagaskar, von dessen Besuch Wolf gerade zurückgekehrt war, äußert« Bismarck darauf, daß dessen Besitznahme durch Frankreich den Engländern stets ein Dorn im Äuge bleibe, nachdem sie Herren von Südafrika geworden wären, und daß Frankreich nicht nur für Befestigungen Millionen aufwenden, sondern daß es auch immer auf dem qui vive bleiben müsse. Ein starkes Mißtrauen gegen Englands Politik spricht sich überhaupt unverkennbar in den wenigen Aeußerungen aus, die Bismarck über deutschenglische Beziehungen tut, und vor allem ist sein Urteil über Chamberlain fein günstiges: „Chamberlain kommt mir immer so vor wie der Riese in einem englischen Bilderbuch, das ich besessen, der sich in seine Höhle zurückzieht, die Stiefel davor aufhängt und hineintritt und etwa so sagt: „The man, who wants these boots to steal, must first to my strength appeal.“ Und diesen Worten fügte Bismarck noch die für ihn .besonders charakteristischen hinzu: „Die Engländer trinken heute weniger als früher, deshalb ist auch ihre Politik schlechter geworden. Die Schweden trinken viel, die Norweger weniger." Im allgemeinen wird die Politik nicht allzu oft in der Unterhaltung mit Wolf gestreift. Zum Teil lagen andere Gesprächsstoffe näher, zum Teil mußte auch der Verfasser aus naheliegenden Gründen von einer Wiedergabe einzelner Aussprüche Bismarcks über politische Dinge Mehen, .besonders da, wo Personenfragen eine Rolle spielten. Wo überhaupt politische Themata berührt werden, geschieht es auf feiten Bismarcks meist in anekdotischer Art, und hier Leigte sichrer Fürst .von einer der einnehmendsten Seiten seines W Marcks Beziehungen zu Leo XIII. werden zweimal in Daß Bismarck bis in sein höchstes Alter hinein ein Freund der Geselligkeit war, daß er es liebte, Gäste um sich zu versammeln, und im Freundeskreise bei einem guten Glase Wein und seinen geliebten, langen Pfeifen angeregt ju plaudern, geht aus allen Schilderungen Wolfs mit Deutlichkeit hervor. Bei diesen Gelegenheiten war es ihm möglich, die erstaunlich vielseitigen und ausgedehnten Kenntnisse Bismarcks kennen und bewundern zu. lernen. Das charakteristische Merkmal wahrhaft großer Geister, die Universalität des Wissens und ihrer Interessen, ist auch Bismarck in hohem Maße zu eigen gewesen. Äußer Politik und Kolonialfragen werden.häufig landwirtschaftliche und verwandte Themata mit Eifer und Sachkenntnis erörtert; Fürst Bismarck interessiert sich ebenso lebhaft für die Herstellung des Bananen-. Weins in.Uganda wie für die Flora in Madagaskar, er ist ebenso vertraut mit dctt Geheimnissen der französischen Küche toi« mit den Werken der deutschen Klassiker. Während eines Frühstücks im kleinen Kreise kam, wie Wolf an einer Stelle seines Buches erzählt, die Rede auf ein Zitat aus Shakespeare. Geheimrat Rottenburg sagte: „Das ist aus dem „Sturm". ,Mcht doch" —□ erwiderte Bismarck — „aus dem Sturm wird es nicht sein, sondern aus „König Richard III." Dabei nannte er Akt und Szene und meinte, es müsse in der deutschen Uebersetzung von Schlegel und Tieck auf der so Ünd so vielten Seite rechts, auf der siebenten oder neunten Zeile von unten stehen. Da auch Rottenburg im Recht zu sein glaubte, ließ .der Kanzler das betreffende Buch aus der Bibliothek holen. Der Fürst hatte recht. Diese kleine Episode ist recht geeignet, das ungewöhnliche Gedächtnis Bismarcks, das ihn bis in sein höchstes Alter nicht verlassen hat, zu beleuchten. Ein andermal hätte die Fürstin Bismarck in einer Zeitung .einen Artikel über das Schächten gelesen und wandte sich mit der Frage, was eigentlich das Schächten fei, an ihren Gatten, worauf er ihr nach Wolfs Urteil eine so fach- und fachgemäße Antwort erteilte, wie ein Talmudgelehrter. Ganz besonders aufgeräumt und von seiner liebenswürdigsten Seite zeigt sich aber Bismarck danN, wenn das Tischgespräch sich mit Speise und Trank be- Stigt. Wie allgemein bekannt, teilte Bismarck mit manchem en Manne die Eigenschaft, ein starker Esser, vor allem aber auch. ein fester Trinker zu sein, und zur Charakterisierung dieser Seite seiner Natur liefert das Wolffche Buch manchen bemerkens-, werten Beitrag. .Die von Wolf' beschriebenen Mahlzeiten im Schloß .Friedrichsruh zeigen den Fürsten Bismarck als Freund einer, wenn auch nicht gerade luxuriösen, so doch sehr guten Küche und eines Kellers, der selbst die verwöhntesten Ansprüche zu befriedigen im stände ist. Eigenartig muten die auf der fürstli^n Tafel üblichen Getränke in ihrer Zusammenstellung an, nämlich Münchener Spatenbier, .Sekt und Nordhäuser Korn. Ein großer Berehrer des Champagners ist Bismarck zeitlebens gewesen, und wie er sewer gesteht, hat er den Schaumwein auch stets in reichlichen Mengen genossen. Als Wolf einmal nach einer bis zum frühen Morgen durchgeseierten Nacht mittags zu Gast auf Schloß Friedrichsruh ist, bemerkt Bismarck den bemitleidenswerten Zustand seines Freundes und will ihm Mut zusprechen: „Ein sehr- gutes Mittel gegen Kater ist: eine ganze Flasche Champagner auf einmal austrinken. Zur Zeit, da rch 'noch Gesandter in Frankfurt a. M. war, habe ich die Probe aufs Exempel gemacht, indem ich bei dem Liebcsmahl eines Reiterregiments mit einem ganzen Humpen Sekt meinen Jammer wegspülte." Wolff erzählte die amüsante Szene dann m folgender Weise weiter: In meinem Zustande schien das Experiment gewagt; doch als die Fürsten beifügte: „Und ich empfehle Ihnen einen salzigen Hering", durfte ich .nicht tieiit sagen. .Während die Fürstin aus der benachbarten Wirtschaft einen gesalzenen Hering beschaffen ließ und mir eigenhändig drei Kartoffeln schälte und vorlegte, hatte der Mrst durch Pinnow einen Humpen mit Champagner füllen lassen. „Nun haben Sie meiner Frau Rat befolgt, jetzt befolgen (Sie auch meinen. . Wenn Sie den intus haben, ist Ihnen wieder wohl. Während ich sog und sog, nicht glaubend, daß der Humpen leer würde, und ich mir doch um keinen Preis eine Blöße geben wollte, sah ich über Pas Gefäß hinaus, wie der Fürst sich freute, daß es mir so schwer wurde. .Sie Tränen liefen ihm vor Lachen über die Backen; doch als ich den Rand des Kelches auf den Daumennagel setzte u.nd die Nagelprobe machte, rief der Fürst freudig: „Hat's brav gemach:, hat's brav gemacht, drum wird er auch nicht ausgelacht." Wie wenig stimmen solch kleine, von liebenswürdigstem Humor zeugenden Züge mit dem Bilde überein, das man oft zu Unrecht von Bismarck entworfen hat, und, wie sehr sind sie dazu angetan, uns die Riesengestalt des Altreichskanzlers menschlich näher zu bringen. Sehr hübsch ist, auch die Erzählung Bismarcks über eine Unterhaltung mit Kaiser Wilhelm II., die sich um die Frage des deutschen oder französischen Schaumweins drehte. Bei einem Mittagessen in Friedrichsruh im März 1894 gab Bismarck die kleine Anekdote zum Betont „Deutscher Champagner bekommt mir nicht. Da ist mir in Berlin folgendes passiert: Beim jetzigen Kaiser wurde einmal bei Tisch deutscher Champagner eingeschenkt, ich konnte das Etikett Nicht sehen, weil die Flasche mit einer Serviette umwickelt war, aber ich schmeckte cs sogleich unh stellte das Glas vor mich hin, worauf der Kaiser mich frug, warum ich nicht trinke. Auf meine Ant- >vort, daß ich deutschen Champagner nicht vertrage, sagte der Kaiser: Erstens trinke ich ihn aus Sparsamkeitsrücksichten, denn ich habe eine große Familie zu ernähren, auch will ich meinen 415 - seinen lieben gestrigen Brief Mittwoch." Diese wenigen yi D v D D D Redaktion: Auaust Götz. — Notatiousdruck und Verlag der Vrülh'scheu UniversitätS-Buck- und Steindruckcrci. R. Lange, Gießen. Stammtisch-Scherz. (Nachdruck verboten.) Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Anagram,ns in vor. Nr.r Kreta, Karte, Kater. 9 D D D D D pjp DDD LJl— zwischen den Tausenden von L die dem Fürsten Blumen überreichten, schienen, .sodaß si Ab und zu streichelte.. die Blümchen entgegen. deren Heim Wolf manche genußreiche Stunde verbracht hat, die „schöne Frau Doktor Lindpaitner", die später bekanntlich Franz Stucks Gemahlin wurde, Graf. Moltke, Adjutant des Kaisers, dessen hinreißendes Klavierspiel Wolf besonders rühmt, und Anton Dreher, der bekannte Schauspieler, über den Bismarck sich mehrmals äußerst anerkennend ausspricht. Ein dreitägiger ÄuSflug in die Dolomiten, die das Graf Wilhelm Bismarcksche Baar mit Wolf unternimmt, ist besonders anziehend geschildert, und die Erzählung, wie hoch droben in der Regensburger Hütte Graf Bill Knorrsche Erbstwürste rührt, Zwiebelnschält und Salami in Scheiben schneidet, während dre Gräfin Teller und Löffel putzt und den Tisch säubert, ist recht geeignet, diese von der Gunst des Schicksals so hoch gestellten Menschen in ihrer liebenswürdigsten Schlicht- ' heit und Natürlichkeit kennen zu lernen. Den Beschluß möge eine kurze Schilderung bilden, die Wolf von des Fürsten 79. Geburtstagsfeier am 1. April 1894 gibt. Am Abend vorher sollte eirt Fackelzug zu Ehren Bismarcks veranstaltet werden. Um Vz8 Uhr kommt der Fürst in Kürassieruniform aus dem Hause. Er nimmt, von seiner Familie umgeben, am Eingang desselben Stellung, um den Fackelzug der Hamburger Bürgerschaft an sich vorüberziehen zu lassen. Da ich ihm gerade gegenüberstand, konnte ich wahrnehmen, wie er kerzengerade und mit entblößtem Haupte volle dreiviertel Stunde an einer Stelle stand, .und das an einem kühlen Märzabend. Den Stuhl, den ihm Schweninger mehrmals hinschob, lehnte er ab. Auf die Ansprache von Karl Woermann aus Hamburg antwortete er mit weithin vernehmlicher Stimme. Rührend war es anzusehen, als Fackelträgern die kleinen Kinder, reichten, wie von Zauber gebannt sie buchstäblich weiter geschoben werden mußten. )elte der Fürst einem Kinde die Backe und nahm lieber den Geburtstag selber heißt es dann später: Draußen im Park wechseln die Klänge einer Militärmusik mit den Liedervorträgen verschiedener Sängergesellschaften ab. .Kopf kitt Jopf, dicht gedrängt, wogte im Park eine unabsehbare Menschenmenge, die immer wieder von neuem Hoch! ruft, und die, wenn sich der Fürst auf der Terrasse zeigt, um sich zu bedankeit, in einen unbeschreiblichen Jubel ausbricht. Drinnen im Hause, in allen Räumen, .in den Korridors, auf den Treppen türmten sich Blumen auf Blumen; Topfgewächse, die immer noch in Mengen ankommen, füllen das ganze Parterre vor dem Eingang zum Hause; die Anzahl der Postpakete in allen Größen und Formen ist unbeschreiblich. Nie und nimmer hätte ich geglaubt, daß die begeisterte Liebe der Nation zu ihrem Helden einen so starken Ausdruck sind en würde. — Dafür, daß Wolf zur weiteren Kenntnis dieses „Helden der Nation" durch (sein Buch wesentlich beigetragen und manche wertvolle Erinnerung an Bismarck der Unbekannthett und dem Vergesseuwerden entrissen hat, gebührt ihm der Dank aller aufrichtigen Verehrer des großen Mannes. Offizieren ein HuteS Beispiel geben: ztveitens tue ich es aus patriotischen Gründen", worauf ich entgegnete: „Majestät, der Patriotismus geht bei mir nur bis an den Magen." Bei einer anderen Gelegenheit erging sich der Fürst in etwas ausführlicherer Weise über die Eigenschaften der deutschen und französischen Wche, hob dabei die französische Kochkunst hervor und erwähnte das „poulet gros sel" und das „Poulet ä l'estragon". „Auch in Hamburg hat es von jeher gute Restaurants gegeben, so zum Beispiel 1842 das Theater-Restaurant; Franz Pfordtes Kochkunst ist eine Spezialität, namentlich in Braten und Wild. Das verstehen die Franzosen gar nicht. Talentierte Kochkünstler, wie Psordte, sind eine Seltenheit; die sterben in Deutschland aus." In den letzten Lebensjahren Bismarcks ließ sein kräftiger Appetit bedeutend nach, was zum Teil mit den häufig bet ihm auftretenden Gesichtsschmerzen zusammenhing, die ihm das Kauen recht beschwerlich machten. Mit dem Ausdruck des Bedauerns konstatiert Bismarck selber die eingetretene Abnahme seines sonst so trefflichen Appetits: „Ja, früher, wenn ich nach Hause kam, so zwischen 14 und 18 Jahren, da machte mir die Verwalterin ein Dutzend Setzeier; das war gar nichts für mich; da verlangte ich meist noch ein Dutzend nach; jetzt muß ich mich mit vieren als Maximum begnügen." Von besonderem Interesse für Berlin ist eine Aeußerung über die Stadt Berlin, die einzige, die sich in dem Buche Wolfs findet. Als gesprächsweise der Name ejnes Herrn erwähnt wurde, dessen Wohnung sich am Kursürstendamm befand, bemerkte Bismarck: „Wenn mir die Berliner ein Denkmal setzen wollen, so wünsche ich es mir nur dahin. Von der Politik und der Geschichte als meinem eigenen Werk tvill ich nicht reden. Da waren andere Einflüsse im Spiel. Aber eins kann ich für mich in Anspruch nehmen, daß ich den Berlinern Luft verschafft habe. Den Kurfürstendamm und die Villenkolonie Grünewald, die damit zusammenhängt, habe ich ganz allein durchgekämpft. Ich habe bei dem hochseligen König eine Kabmetts- ordre erwirkt, den Kurfürstendamm als Zufahrt nach dem Grünewald durchzuführen, trotzdem ich das Polizeipräsidium gegen mich hatte. das Jntriguen gegen mich spann. Denn einige der Herren, die ein anderes Projekt patronisierten, und in der Aussicht auf dessen Verwirklichung sich bereits in Terrainspekulationen einließen, hatten Wind bekommen und versuchten, mir Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Ich kann wohl fagen, daß mir in dieser Sache mehr Schwierigkeiten bereitet wurden, als es durch sämtliche Diplomaten je geschehen ist. Mer ich hatte das Vertrauen meines hochseligen Herrn, und als ich ihm meinen Vortrag gehalten hatte, sagte er „Machen wir". Und fo wurde es gemacht." Bon der Familie des Fürsten Bismarck sind es zwei Personen, die in dem Buche eine größere Rolle spielen, vor allem natürlich die Lebensgefährtin des Kanzlers, und neben ihr Graf Wilhelm Bismarck, der.jüngste Sohn des Fürstenpaares. Das Bild der Fürstin tritt dem Leser in den verhältnismäßig nicht sehr zahlreichen Aufzeichnungen des Verfassers äußerst klar vor Augen, und man empfängt von ihr den Eindruck einer ungemein sympathischen Frau, deren Leben vor allem von dem Gedanken an ihren großen.Gatten ausgefüllt wird. Das Buch enthält eine Anzahl von Briefen der Fürstin an Wolf, die sie zum Teil auch im Namen Bismarcks geschrieben hat. Gerade diese Briefe tragen den Stempel einer liebenswürdigen und im höchsten Grade schlichten, bescheidenen Persönlichkeit, die für jeden Beweis der Treue und Anhänglichkeit an ihr Haus dankbar und empfänglich ist. Wenn sie z. B. ihren Dank für .eine Blumenspende in einer so warmen Weise ausdrückt: „So will ich Ihnen" — heißt es an einer Stelle eines solchen Briefes — „unfern herzlichen Dank senden für die zauberhaften Blumen, die wirklich überwältigend schön waren und noch immer neben meinem Schreibtisch wundervoll duften. Es war so liebenswürdig von Ihnen, unser zu gedenken in so köstlicher Weise, die uns sehr erfreut, und wir beide danken Ihnen recht von Herzen dafür. Schönhausen wird Ihnen gewiß gefallen, es ist solch eigentümliches Haus, wie ein Märchen aus alten Zeiten, und man merkt ihm die sechshundert Jahre, in denen es ehrwürdig dasteht, schwer an. Und wie behaglich und wohnlich hat mein Sohn sich es eingerichtet! Ich habe im Sommer große Freude daran gehabt, und wäre ich nicht gar so mmmerlich und schwerfällig, würde ich ihn gern oft dort besuchen. Grüßen Sie ihn viel, bitte, und sagen Sie ihm, ich ließe sehr für seinen lieben gestrigen Brief danken und freute mich Innig zum Mittwoch." Diese wenigen Zeilen sind charakteristisch für die ganze Smnesart und das Wesen der Fürstin Bismarck, deren sympa- sische Gestalt uns ja vor allem durch die kürzlich veröffentlichten Briefe ihres Gatten vertraut geworden ist. Recht viel interessantes Material bringt das Buch über „Bill", wie er im Elternhause genannt wurde, den Grafen Wilhelm v. Bismarck, späteren Regierungspräsidenten von.Hannover, in welcher Eigenschaft ihn Wolf tm Jahre 1894 dort besucht. Zuvor, im Jahre 1893, Ist Wolf mit der gräflichen Familie in München und Umgebung zusammen, und gerade diese Zeit ist in ihren Einzelheiten recht an- Muftch geschildert. Eine größere Anzahl namhafter Persönlichkeiten tritt uns hier entgegen, neben dem Grasen Wilhelm seine anmutige Gemahlin Sibylle, von der Wolf ein besonders einnehmendes Bild entwirft,, ferner die Familie L erwachs, in Kleine praktische Ratschläge. * Eine Kräftigung kurzsichtiger Augen kann durch eine Schonung der Augen herbeigeführt werden. Gerade Kurzsichtige müssen sich davor hüten, zu angestrengt ohne Unterbrechung zu arbeiten. Für KurzsichAe macht sich ein öfteres Ausruhen, fei es auch nur für einige Minuten, dringend notwendig; sie müssen timt ihrer Arbeit wegsehen und das .Auge auf einen entfernten Punkt Erholung suchen lassen. Gut ist es, wenn das Auge mehrmals des Tages mit kühlem Wasser gewaschen wird, dem man etwas Borax zufetzen mag. Recht verbrettet ist der Irrtum, daß Has Tragen von Brillen kurzsichtige Augen schwäche; das Gegenteil ist der Fall. , , * Zur Reinigung tion O e l f a r b e n a n st r i ch e n stelle man sich eine Borax-Seifenlauge her, indem man 1 Liter Regenwasser siedet und darin 35 Gramm Borax und 65 Gramm Kernseife auflöst. Diese Lösung.wird auf einem Flanelllappen aus- gegossen und damit der .Gegenstand abgerieben; zuletzt wird fntt reinem weichen Wasser nachgewaschen. Diese Lösung wirkt in keiner Weise ätzend und wird vornehmlich 'für kostbare Oelfarben- anflriche zu 'verwenden sein. Für Fußböden z. B. kann schon eine scharfe Seife in Anwendung und der Borax in Wegfall kommen. * Bei nächtlichem Herzklopfen' genieße man vor dem Schlafengehen Zitronenlimonade aus Zitronensaft und Zuckerwasser.