Montag den 15. Ieöruar. 1904. MU VwQ Uwmt Äti» iPIMMkLM M W (Nachdruck verboten.) Wssa Jalconieri. Von RichardVoh. Zweiter Band. (Fortsetzung.) Wenn ich in meinem frühlingsfrohen Freskeuzimmer liege, zur Decke aufblicke, wo in dem strahlenden Gewölk die liebliche blumenstreuende Göttin erscheint, so habe ich bisweilen einen seltsamen Traum. . . Tie Himmlische greift in die Blüten, nimmt daraus eine Blume, wirft fte. herab, trifft damit meine Stirn. Von der Blume getroffen, erhebe ich mich, wandle und rede wieder — spreche ich zu allem Volke, verkünde ich mit feuriger Zunge die Botschaft des ewig Schöner:, Guten und Großen. Ein seliges Traumbild, rricht wahr? * Assunta Neri war also fort und ich hoffte täglich wieder geordneter und beruhigter zu werden. Doch die Windsbraut, die der Besuch der Tragödin in mir weckte, will und will sich nicht legen. Ich flüchte mit meinem Sturm in den Abendfrieden, den Maria um sich verbreitet, berge den Aufruhr, der mich ersaßt hat, in ihrer Himmelsruhe und stille mein inneres Toben an ihrem Schwestcrherzen. Sie ist, wie immer, gütig und geduldig, mild und stark und wird mich gewiß wieder zur Ruhe bringen. Tenn ich erkenne mehr und mehr: nicht die Villa Falconieri ist mein Asyl — mein Hort und mein Heil beruht in Maria! Sollte es mir gelingen, Marianos Tod konstatieren zu lassen — denn die Ueberzeugung seines Todes befestigt sich mehr und inehr in mir — so wird jenes Dunkle, Geheimnisvolle und Unheilvolle, welches zwischen uns beiden liegt, sicher verschwinden. Sa, ja! Tann wird vieles besser werden. -rie Prinzessin von Sora sah ich, nicht wieder. Vielmehr: ich sah sie nur noch ein einziges Mal; aber ganz flüchtig. Es war oben auf Tusculum: unterhalb der Felsen beim Kreuz. „Apage Satanas!" Ter Böse geht um unter blühendem Ginster. * Tie Windsbraut hat mich von meinem Eiland hinweg und in einen wilden Strom geschleudert. Ich wehre mich, ich kämpfe mit den Wellen. Aber der Strudel hat mich ergriffen und mit sich davongerissen. Ter Prinz von Sora besuchte mich, Was hat dieser Mensch sich um mich zu kümmern? Ich bin nicht seinesgleichen! Ob das auch einer ist vom neuen Geschlecht? Von der Generation der Gegenwart, der die Zukunft gehört? Noch jung, und doch niemals jung gewesen; von allen Genüssen erschöpft, und doch noch genußgierig; bereits entnervt, und immer noch lüstern; Zoll für Zoll ein Fürst der fashionablen Decadence — Gedanke für Gedanke ein vulgärer Geist! Und diesem nach englischer Mode gekleideten wandelnden Kadaver, diesem traurigen Helden eines Zolaschen Kulturromans, dem würdigen Repräsentanten einer lebendig verfaulenden modernen Mannheit wurde das unschuldige, unwissende Kind ausgeliefert! Ich saß ihm gegenüber mit stummem Ekel, ließ ihn sein Salongeschwätz führen und versuchte mir dabei vorzustellen: was aus einer Mädchenseele werden muß, die einem solchen Menschen überliefert wird. Aber es läßt sich nicht vorstellen — es ist moralischer Mord. Meine arme Maria und jenes seltsame süße Kind sind in gewissem Sinne Gefährtinnen; denn beide so ungleichartige Frauenexistenzen haben in sich den einen gleichen faulen und toten Punkt. Als ich es plötzlich sah, war ich entsetzt. Ich hatte Maria nicht helfen können; und nicht zu Helsen, denn nicht zu „retten" wird das andere Opfer sein. Und ivie, wenn die Welt von solchen moralisch gemordeten Frauenseelen wimmelte? Davon wußte ich allerdings nichts. * Eine neue Frage drängt sich mir auf, reizt mich zu unausgesetztem Grübeln, quält mich, weil ich die Antwort nicht finde: Gab es solche Frauen zu jeder Zeit? Oder hat unsere alles aufgrabende, alles durch- wühlende und zersetzende Zeit die Existenz solcher Frauen uns erst zu Bewußtsein gebracht — erst den Frauen selbst zu Bewußtsein? . Und was werden von diesem gewaltsam aufgerüttelten Frauenbewußtsein, das mit Grauen und Entzücken sich selber empsindet, die Folgen sein? * Es fiel mir schwer, höflich zu sein. Doch endlich entschloß ich mich, notgedrungenerwetse den Besuch des Prinzen zu erwidern. Zum Glück befand er sich in Rom; aber die Prinzessin wollte mich empfangen. Sie war nicht im Hause; sondern unter den Eichen, die vor der Villa Taverna in epischer Größe über der Campagna aufragen — ein Gesang aus Homer! Ich folgte dem Lakaien und sah in der Dämmerung der dichten Wipfel die feine weiße hingelagerte Gestalt gleich einem stillen Bildnis ruhen. Hinter den finsteren Stämmen erstreckte sich im grellen Sommerlicht eine weite Flur voll hoher, mit'Blüten bedeckter Oleander- und Gra« 98 natbäume. Es war wie ein rosig und feuerrot strahlender Teppich, gegen den auf der grauen beschatteten Marmor- bank die lichte Figur sich abhob. Sie war allein und ich fand sie weich und traurig. Nichts von der großen Modedame als das Spitzengewand, das sie wie eine Weiße Welle umfloß. Sie hatte etwas Hilfloses, Rührendes. Eine stille Wärme ging von ihr aus wie Frühlingsluft. Ich hatte gar nicht geglaubt, daß sie so ruhig und einfach sein könnte. Ta sie zu leiden schien, so wollte ich von ihrem Befinden sprechen. Sie lehnte es jedoch mit einem Lächeln ab, und wir sprachen von Assunta Neri. Sie sagte: „Ich beneide sie. Ich habe noch niemals eine Frau beneidet. Aber diese eine beneide ich! Nicht um ihren Ruhm; sondern —" Sie schwieg und lehnte ihr Haupt müde zurück. Ich erwiderte: „Trotz ihres Ruhmes halte ich sie für sehr unglücklich." „Was tut das? Aus das Glück kommt es nicht an. Es kommt nur daraus an, wie man unglücklich ist: rein und still, einfach und groß. Großsein im Unglück ist beinahe Glücklichsein. Und wenn die Tragödin an ihrem schienen großen Unglück, das nicht ihre Kunst, sondern ihre Natur ist, zu Grunde geht, so geht sie doch schön und groß zu Grunde. Was könnte eine Frau Herrlicheres sich wünschen? Wir anderen sind so klein; und es ist so jammervoll, ein kleiner Mensch sein zu müssen." „Klein sein zu müssen?" fragte ich. „Wir müssen so sein, wie unsere Natur ist. Das ist es ja eben!" Zu einer Equipage des Prinzen kamen römische Gäste Hon der Station. Ter Lakai meldete sie. Ich erhob mich. Tie Prinzessin sagte: „Ich bitte Sie nicht, zu bleiben. Was haben Sie mit diesen Leuten gemein? Ich bin freilich um nichts besser. Im Gegenteil! Tiefe Leute sind wenigstens das, was sie scheinen: nach neuester Mode angezogene Marionetten mit Salonmanieren. Nicht wahr, Sie kommen wieder?" „Tas kann ich nicht versprechen.!" „Wenn ich Sie darum bitte, werden Sie gewiß wieder- kommen. Sie können sich nicht vorstellen, wie einsam ich bin." Einsam! Sie sprach eine Zauberformel über mich aus. Einsam! Ich wußte ja längst, daß auch sie einsam war und — werde wiederkommen. Schon morgen! Als ich ging — zwischen der Billa Taverna und der Billa Falconieri befindet sich eine Hecke mit einer kleinen grünen Tür, zu der beide Villen den Schlüssel besitzen — hörte ich die römischen Gäste geräuschvoll unter die Eichen sich ergießen: in dem Homerschen Gesang das elegante high life-Geschwätz! Gott sei Tank, baß ich mit dieser Welt nichts mehr gemein habe — nie mehr etwas gemein haben werde! Daß diese Menschheit für alle Zeiten für mich abgetan ist. . . Allein der Gedanke: ich könnte noch einmal zu ihr zurückkehren, trieb eine heiße Blutwelle gegen mein Hirn; und ich beruhigte mich erst, als ich mich wieder in meinem Tusculum befand, welches mir paradiesischer als jemals erschien. Aber selbst hier — immerfort ist mir's, als höre ich Lachen und plaudernde Stimmen. Immerfort sehe ich die weiße ruhende Gestalt, die nicht mehr zu retten sein soll. Und sie sagt: „Sie können sich nicht verstellen, wie einsam ich bin . ." Doch dann erhebt sie sich, tritt unter die Gäste, lacht wie diese, plaudert wie diese, ist um nichts besser als sie. Auch mit ihr habe ich nichts gemein! Trotzdem ging ich wieder zu ihr. Ich wollte nicht feige sein. Jetzt muß ich dafür büßen. Ter Prinz befand sich wieder in Rom; aber'dieses Mal traf ich die Prinzeß nicht allein. Ein Marchese Riccardo Belcampo war bei ihr. Ter Marchese ist Offizier, kommt direkt aus Asiika, wo er Heldentaten verübte und über ein Zahr Gefangener des Mahdi war. Er ist nicht gerade schön; aber herrlich jung. Voller Frische und Kraft, ist er ebenfo freimütig wie leidenschaftlich. Er ist ivirklich ein prachtvoller Zunge! Mit der Naivität einer unverdorbenen $•- gend, die Seele noch voll Illusionen und Hoffnungen, berauscht von seinem frühen Heldentum, sprach er von sich und den großen Taten, die er begangen hat. Er sprach von nichts anderem als von sich-, und man hätte von gar nichts anderem hören mögen. Ich hatte nicht geglaubt, daß es solche wirklich junge Menschen noch gibt; hatte bereits ganz vergessen, wie solche gut leuchtende Jugend aussieht, wie sie denkt und fühlt. Sie denkt übrigens sehr wenig, um so mehr fühlt sie. Tas ist auch das Rechte. Ten Jüngling ansehend und der Erzählung seiner Abenteuer lauschend, ward ich mir bewußt wie nie zuvor, daß ich selbst niemals eine Jugend besessen hatte. Tenn Jugend ist Lebensfreude, ist Glaube und Hoffnung. Bor allem ist Jugend Glück. Und ich bin in meinem ganzen Leben niemals glücklich gewesen. Seine strahlenden Augen suchten die der Prinzessin, hängten sich daran, versenkten sich in den geheimnisvollen Glanz ihres Blickes. Seine Augen sprachen mit einer flammenden, unwiderstehlichen Beredsamkeit: ,Tu bist ja ein wunderbares Geschöpf! Und wie jung du noch bist! Sieh mich an — wie jung ich bin! Tu sollst krank und unglücklim fein? Ich bin gesund und glücklich Komm, komm! Ick nehme dich in meine Arme, Die, was sie einmal fassen, auch festhalten, und mache dich in meinen Armen gesund und glücklich! Lebensfreude — wir wollen sie pflücken! Wir wollen sie pflücken, wie Kinder reife Kirschen pslücken, unter Jubel und Jauchzen. Komm, komm!' So sagten ihr seine Augen. . . Sie saß ihm gegenüber, sah ihn unverwandt an; und ihr Blick erwiderter ,Jch möchte wohl kommen: denn ich möchte auch wissen, was Glück ist.' Ich beobachtete beide. Sie verkehrten miteinander, als ivären sie seit ihrer Kindheit befreundet. Die Prinzessin sah unbeschreiblich mädchenhaft und reizend aus. Ich fühlte mich von diesen beiden jungen Menschen- kindern so weit entfernt, wie aus einer Insel im Ozean. Am liebsten hätte ich mich davongeschlichen. Aber ich blieb. Ich blieb und beobachtete. Dabei fühlte ich ein Weh in mir wie noch niemals zuvor. Es war ein ganz neuer Schmerz; aber Neid war es nicht. Es war ein stilles, ganz stilles, sehr tiefes Weh. Mit mir hatte sie kokettiert, mit diesem guten Jüngling kokettierte sie nicht. Ihm gegenüber war sie nur ein junges armes krankes Wesen, das vom Glück nichts wußte, das davon gar zu gern einmal genascht hätte, ehe die dunkle Pforte, die nach dem Eintritt nicht wieder sich öffnen läßt, hinter ihr zuschlug. Vielleicht kenne ich die Frau doch etwas besser, als sie meint: denn alle diese Vorgänge beobachtete ich bei ihr. Und ich begriff sie! Ich begrifs, daß das Weib einmal in seinem Leben ganz Weib sein muß: also ganz Liebe, Zärtlichkeit, Hingabe. Und wenn diese auck zugleich Sünde, Schuld, Ehebruch wären. Wen würde für die Schuld und Sünde dieser Frau die Verantwortung treffen? Ten Mann! Sie trifft immer den Mann, dessen brutaler Faustschlag das Herz der Frau zermalmt, soivie seiner Hand ein Weib liebkost, von dem er nicht geliebt wird. Ich begreife alles. Aber der leise tiefe Schmerz, der mich erfaßt hat, will und will nicht wieder weichen. * Der junge Marchese befindet sich unter den Gästen bei Billa Taverna. Ter Prinz ist tagsüber in Rom bei seinen verschiedenen Maitrefsen; und — alles scheint ganz in der Ordnung zu fein. Und ich leide. Jede Minute sage ick mir, daß ich' dazu nicht das mindeste Recht besitze, daß mein Leiden eine Absurdität und eine Treulosigkeit gegen Maria ist. Und ich leide trotzdem. Tabei beruht alles nur in meiner fiebernden Einbildung, sind es lediglich meine kranken Nerven, die diese Wahnidee schufen. Wie ich meine zügellose Phantasie hasse! Sie zeigt mir Mlder und Gesichte, von denen meine 99 Seele nichts wissen darf und im Grunde genommen auch nichts weiß. Von meinen Fenstern aus sehe ich auf die Pinienwiese der Villa Taverna. Tort befindet sich jetzt des Abends die Prinzeß mit ihren Gästen, darunter der junge Marchese ist. Ich sehe die beiden häufig allein. Was mögen sie sprechen? - Ich bin ruhelos! Ick durchirre den Park bis zur Erschöpfung, und es hilft mir nichts; ich jage mein Pferd halb zu Tode, und es hilft mir nichts; ich fliehe zu Maria, und auch das hilft mir nichts! Nachts brennt ihr Licht nicht mehr. Was bedeutet das? Sie wird schlafen, sie wird glücklich sein. Tas Glück gibt Frieden, und Friede bringt Schlummer. . . Gott sei Tank, daß ihre schlaflosen Nächte aufgehört haben! Tagegen ist mein Schlaf gemordet. Ich ließ mein Bett im Freskenzimmer aufstellen, weil die Nächte jetzt glühend heiß sind, weil durchs die vielen Türen, die auf die Galerie hinausführen, viel frische Luft hineinströmt, und weil ich Maria nicht noch mehr stören will — da sie in ihrem Zimmer jede Nacht so lange ausbleibt, bis sie mich mein Lager aufsuchen hört. Ich brenne kein. Licht für den Fall, daß — Uebrigens ist Mondschein. (Fortsetzung folgt.) Sigrid Arnoldsous AutograpH n-KköuM. Autographensammler gehören unstreitig zu den obersten Ständen, zu dem Adel der Sammler. Lange bevor es Briefmarken- und Ansichtskarten- und Liebig-Bilder-Sammler gab, hat man sich schon für Autographen interessiert Man weiß, was Goethe darüber gesagt hat, man sagt mit Recht, daß nncht minder als der Stil die Schrift oer Mensch ist, daß man also echte „Documents humains" sammelt — wie ein moderner Lieblingsausdruck lautet — wenn man die Schriftzüge bedeutender Männer aufbewahrt. Wer nun so glücklich ist, an Stelle zerstreuter Blätter, die nichts von einander wissen, Fächerstäbe aneinanderzureihen, die er nur auseinanderzubreiteu braucht, um eine Welt des Geistes oder der Kunst vor sich erstehen zu lassen, oder gar ein Buch das ihm ganz persönlich gehört, das ihm eine Fülle von unschätzbaren Erinnerungen, eine ewig gedeckte Tafel bedeutet, der tauscht mit gar keinem Sammler, kaum mit einem, der Tausendmarknoten sammelt. Den Gipfel der Autographensammlung bedeutet es nun ohne Zweifel, wenn eine Persönlichkeit, die selbst ein „wertvolles Autogramm" ist, sich mit einem Bucht ausweisen kann, in welchem der zeitgenössische Parnassus zu gewahren ist. Wir haben ein solches Buch in der Hand, es ist das „Dienstbuch" von Sigrid Arnoldson. Jedermann huldigt ihr und wünscht ihr seine Huldigung bekannt zu geben, aber in das Heiligtum dieses Buches sich einzuzeichnen, ist nur den Mlesensten gegönnt. Kranz hängt da an Kranz; Lorbeergekrönte haben ihr ihre eigenen Kränze gereicht. Da finden wir zunächst aus der Bühnenwelt den Namen Theodor Wachtels, der die Stelle aus dem „Postillon von Lunjumeau" eiugezeichnet hat, die ihm niemand mehr nachsingen wird; ihr folgt Marie Zieger-Alboni, die berühmteste Altistin; sie bezeichnet sich als „l'Ex-Con- tralto" und gibt ihrer jungen Schwester in Apoll den Rat, möglichst viel klassische Musik zu singen, wenn sie ihre Stimme bewahren will. Sarah Bernhardt schreibt einen ganzen Brief, dessen Vorgeschichte hier zu weit führen würde. Tommaso Salvini hat einen Vers eingetragen, der in deutscher Uebersetzung ungefähr lautet: „Euterpe ist die Muse des Gesanges! Dem Tanze dient Terpsichore zum Horte! Was bleibt mir zur Betätigung hohen Dranges? Worte — nichts als Worte!" Neben Salvini ist auch sein gleichstrebender Heimatsgenosse Ernesto Rossi zu finden, der gleichfalls an Shakespeare anknüpft und die prachtvolle Verherrlichung der Musik zitiert, die mit den Worten „Der Mensch, der nicht Musik hat in ihm selbst" beginnt. Mariano de Padilla und Desiroe Artot, das Künstlerpaar, das dtb Arnoldson bei ihren ersten Schritten auf dem steilaufwärts- führenden Pfade der Kunst und des Ruhmes begleitete, gibt ihr weitere Glückwünsche auf den Weg, der Sänger Faure trägt ein ganzes Lied eigener Komposition ein, C o q u e l i n huldigt der Nachtigall mit einem Namenswitz (Au Rossignol un vieux Coq.... uelin); die große Landsmännin ihrer Sigrid, ChristineNilsson, Gräfin von Eosa Miranda, grüßt als verblassender Steril neidlos den aufgehenden, und der berühmte englische Schauspieler Irving schreibt den Spruch Beckets „Women are Gods flowers" (Frauen sind Gottesblumen) ein. Nun naht eine stolze Schar mit tönendsten Namen: es sind die Komponisten. Wer möchte nicht Komponist sein/ um von der Arnoldson gesungen zu werden, und welcher Komponist wünschte nicht, seine Musik von ihr zu hören? Ambroise Thomas widmete dem Fräulein Sigrid Arnoldson — es war o(m 1. Januar 1888 — die Romanze aus „Mignon" in merkwürdig reiner Notenschrift, Leo Doli b e s trägt die Sterbeszene der Lakms ein; Giuseppe Verdi, der größte unter den lebenden Meistern, hat vier Takte aus der „Traviata" hingeworfen, M a s f e n e t stimmt als Bewunderer der unvergleichlichen Madame Sigrid Ar- noldson-Fischhof das Halleluja aus seinem „Cid" an; Charles Gounod rüst mit seiner „Baucis" aus: „O riante nature!" Mascagni, der die Künstlerin in London getroffen, hat einige Takte aus den „Rantzau" eingetragen; gleich das nächste Blatt führt uns nach Ischl, wo Johann Strauß die ersten Takte eines Walzers einzeichnet, und ein späteres Blatt endlich nach Leipzig, wo sie mit Edward Grieg zusammentraf, der ihr sirr Sang und Spiel dankt. Da die Kunst nur Eines, eine vielfarbige Einheit, so fühlen sich die Maler nicht minder zu der Sängerin hingezogen, als die Komponisten, zumal die schöne Frau nicht nur durch Sang und Spiel, sondern auch durch ihre anmut- mutvolle Erscheinung wirkt. Auch hier erste Namen: Josef Israels im Haag mit dem Studienkopf eines alten Bauern, H. W. M e s d a g, der berühmte Marinemaler, mit ein Paar Segelbooten auf bewegter, sturmdrohender See, B r o z i k, der mit der Künstlerin, seiner charmante amie, verwandt ist, mit einem Bauernmädchen am Spinnrad, I. Rosen mit einem an Meissonier gemahnenden Kosaken (eine vollständig ausgesührte, kraftvolle Zeichnung), und endlich Fritz August Kaulbach mit einem köstlichen Aquarell: „Musik" — zwei Frauen, von denen die eine in blauem, sterngoldbesäten Gewände in die Saiten der Harfe greift, während eine andere weißgekleidete einen Lorüeer- kranz in der Rechten, das Haupt träumerisch in die Linke gestützt, zuhört. Schließliche — zuletzt, doch nicht die letzten: die Dichetr. Alexander Dumas Sohn hat sich zu Versen begeistert gefühlt und zwar zu begeisterten Versen, in denen er als den Trost, den Gott den Sterblichen gelassen, nachdem er die Pforten des Paradieses geschlossen hat: die Liebe, den Traum und Sigrids Gesang besingt. Victorien Sardou zitiert aus seinem neuen Stück „Spiritismus" folgenden, an ein Wort Grillparzers erinnernden Satz: „Die große Pforte zum Himmel, das ist nicht der Verstand, auch nicht die Tugend — es ist die Güte." Eduard Pailleron sagt: „Die Frauen haben nur eine einzige Krankheit: die Liebe; und nur ein einziges Heilmittel: die Liebe." Francois Copps preist wie Sardou die Güte: Das Geben ohne An- hofsnung des Dankes, das Geben ohne Kenntnis des Beschenkten und zuhöchst das Geben mit vollen Händen — wie es eben auch das Geben einer echten Künstlerin ist. Uns einem und demselben Blatt haben sich Henri Meil- hac und Ludovic Halevy, die so viel mitsammen gearbeitet (unter anderem auch den Text der „Carmen"), zum erstenmale wieder vereinigt, nachdem sie ein wenig auseinandergeraten waren. Emilie Zola weiß nicht nur für die Wahrheit zu kämpfeit, sondern auch der Kunst zu huldigen; er schreibt: „Une oeuvre d'art est un coin de la nature vu ä travers un tempsrament." Mit den Franzosen haben deutsche Dichter gewetteifert, Sigrid Arnoldson würdig zu preisen. Friedrich v. Boden- stedt hat sich mit folgenden acht Zeilen eingeschrieben: Dein Name will sich deutschem Reim nicht fügen, Doch Tu bist selbst ein schöngereimt Gedicht Von edlem Bau und feingeschwungmen Zügen, Verklärt dtirch glutenvoller Augen Licht. Du weckst, erhebt Tein Hauch sich zum Gesänge, gn jedem Herzen reinen Widerhall; b Deiner Stimme seelenvollem Klange, Heißt Du mit Recht die „fchwed'sche Nachtigall". — 100 — Paul Heyse führt folgende Verse an: „O heilig Wunder! Uralt ist die Welt, Und dennoch steht am Anfang aller Dinge Das Herz, in das ein Strahl der Schönheit fällt." Georg Ebers: „An Sigrid Arnoldson. Von allem, was die Kunst uns schenkt, Will mir Gesang das Höchste scheinen; Denn was mein Herz und Geist umfängt: Mein Fühlen, Sehnen, Wissen, Meinen. Was ich erfuhr und je empfand, Zwingt der Gesang, sich frisch zu regen; Doch zieht er auch mit Zauberhand Dem Himmel mich so nah entgegen. Daß, was das Auge sonst erfaßt. Was Wirkliches mir sonst mag winken: Drs Lebens Schmerz, des Daseins Last Tief unter mir ins Nichts versinken. Nur bei holdseliger Frauen Lied Kommt doch das Wirkliche zu Ehren; Dann darf ja, was mein Auge sieht, Was mir das Herz bewegt, verklären." Die Skandinavier geben dem Stolz, Sigrid Arnoldson ,.u den ihren zu zählen, Ausdruck. Wie Christian Nilsson und Edvard Grieg, so Peter Nansen und Henrik Ibsen. „Ich denke, liebe Sigrid Arnoldson", schreibt der große Norweger, „wir beide sind einig, wenn ich sage, daß es nicht unsere Aufgabe und unser Ziel ist, Triumphe zu feiern, sondern das Gemüt der Menschen durch Schönheitseindrücke und die Wiedergabe des Wahren zu veredeln." Wir Mitlebenden dürfen uns gern damit begnügen, daß es uns vergönnt ist, das Publikum eines Ibsen und einer Arnoldson zu bilden! UermifcW*« — Daß kein englisches, sondern rein deutsches Blut in den Adern des deutschen Kaisers fließe, wird von den „Teutschsoz. Blättern", wie folgt, bewiesen: „Unser Kaiser hat kein englisches Mut. Georg der Erste, Kurfürst von Hannover, König von England, Sohn des Herzogs Ernst August von Braun- schweig-Lüneburg und der kurpfälzischen Prinzessin Sophie: vermählt mit Sophie Dorothea von Lüneburg-Celle; deren Sohn: Georg der Zweite, vermählt mit Karoline von Ansbach; deren Sohn: Friedrich Ludwig (starb vor seinem Vater) vermählt mit Auguste von Sachfen-Gotha; deren Sohn: Georg der Tritte, vermählt mit Charlotte von Meck- lenbürg-Strelitz; deren Sohn: Eduard, Herzog von Kent, vermählt mit Luise Viktoria von Sachsen-Koburg; deren Tochter: Viktoria, vermählt mit Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen; dessen Sohn: Wilhelm der Zweite (unser jetziger Kaiser). Wie man hieraus sieht, fließt in den Adern der Regentenfamilie der beiden größten germani- chen Rseiche nur reindeutsches Blut. Daß der erste englische König aus dem Hause Hannover, Georg der Erste, auch zugleich von mütterlicher Seite Stammvater unseres Kaisers ist, dürfte auch vielen neu sein. Georg des Ersten Tochter war nämlich Gemahlin König Friedrich Wilhelms des Ersten von Preußen und also die Urgroßmutter König Friedrich Wilhelms des Tritten, des Urgroßvaters unseres jetzigen Kaisers. * Geniale Erfindung für Krankenhäuser, Hotels usw. Ein physikalisch-optisches Institut in München hat einen Apparat hergestellt, der dem Inhaber elektrisch beleuchteter Schlafzimmer Gelegenheit zu einer Vermehrung des persönlichen Komforts geben wird. Er besteht in einer Projektions-Lampe zur Ersichtlich- machung der Zeit an der Zimmerdecke während der Nacht. Nach dem Prinzip der Poellerschen Camera wird das optische Bild einer verkehrt gehenden, elektrisch beleuchteten kleinen Taschenuhr bis zur Größe einer Turmuhr scharf und deutlich an die Zimmerdecke geworfen. Ein leichter Fingerdruck auf den an der Seite des Bettes angebrachten Knopf genügt, dem Wachenden die Zeit ersichtlich zu machen, ohne daß ein Ausrichten des Körpers oder auch nur eine Kopfbewcgung zum Ablesen erforderlich wäre. Für alle, denen daran liegt, bei Nacht den Stand der Zeit zu erkennen, ohne sich dabei zu inkommodieren, Patienten, Hospital-Jnsassen und -Bedienstete, Reisende in Hotels usw., dürfte daraus eine äußerst willkommene Annehmlichkeit erwachsen. Die von Dr. Friedrich Hirth, Professor an der Columbia-Universität in New-Jork, stammende Idee zu dieser Kombination ist in Deutschland gesetzlich geschützt und in verschiedenen Staaten des Auslandes pcv- tentiert Literarisches. — Was soll ich deklamieren? Eine Auslese der besten Deklamationsstücke ernsten und heiteren Inhalts. Unter Mitwirkung der ersten deutschen Bühnengrößen gesammelt und herausgegeben von Elise Henle, Verfasserin des Preislustspiels: „Turcy die Intendanz". Neue Folge (2. Band). Tritte, vermehrte und verbesserte Auflage. Durchgesehen von der Tochter der Herausgeberin. Preis geheftet 3 Mk. Schwabacher Verlag in Stuttgart. Dieses Buch enthält eine mit feinem Geschmack und gutem Verständnis für die Wirkung zusammengestellte Auswahl von Poesie hervorragende Dichter, beliebter moderner Künstler- und Künstlerinnen. Es ist ein lebenskräftiger Extrakt des Vorteilhaftesten, was hier gereicht zu werden vermag. Es wird sich daher um diese „Neue Folge" ebenso rasch eine Schar treuer Freunde beiderlei Geschlechts der höheren Teklamationskunst sammeln, wie um den erwähnten ersten Band (6. vermehrte und verbesserte Auflage) desselben tüchtigen und gefälligen Werkes. Krp oötes W zept. Wasserdichtes Sch uh werk int Winter. 'Der Winter mit seinen nassen Tagen, mit seinem das Leder durchdringenden Schueewasfer und dem schmelzenden Eis bringt uns gar manchmal kalte Füße und im Gefolge davon bösen Rheumatismus. Um das Schuhwerk wasserdicht zu machen, eignet sich das Rizinusöl, das man in jedem Troguenladen kaufen kann. Das Leder schluckt begierig große Mengen dieses Oeles, füllt damit seine Poren und macht sie undurchlässig für das Wasser; zugleich wird das Leder zart und geschjmeidig, widersteht also leichter dem Bruche, der sich so gern einftellt, namentlich wenn die vom Schneewasser durchtränkten Schuhe am warmen Ofen getrocknet -werden. Neue Sohlen behandelt man am vorteilhaftesten mit heißem Leinöl, das man so lange aufträgt, bis das Leder kein Oel mehr schlucken kann. Bor dem Tragen lasse man die Sohlen gründlich trocknen. Rösselsprung. Nachdruck verboten. froh nie frei er ver von wohl ge leben ent be nießt der froh ist bau alleit stan nur der sagt das dem hagt und beit die der bau den nur hat Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Schiebrätsels in vor. Nr.r B R A U E R E I D r e 8 b e n 8 t a m b u l N o r b s e 8 A n d r e a 2 F a n d a n g o Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfitiits°Luch° und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.