Areitag ven 15. Januar. 1904. 422 W KllliC in (Nachdruck verboten.) Wssa Jalconieri. Voll RichardVoß. Erster Band. (Fortsetzung.) „Sie fühlen mit der ganzen Welt Mitleid — mit der ganzen leidenden Welt. Sm ließen sich am liebsten für die Leiden der Welt martern und kreuzigen. Als wenn Sie damit die Welt von ihren Leiden erlösen könnten!" Ich lächelte. „Schwerlich, Konnte doch selbst der .Gottessohn nur für uns sterben, ohne durch seinen Tod von den Leiden des Lebens die Erlösung zu bringen." „Nein, nicht die Erlösung . . ." Jetzt ein Schweigen, das ich nicht ohne Anstrengung Unterbrach: „Wieso urteilen Sie so überaus gütig über mich? Lasen Sie etwa meine Bücher?" „Ich lese niemals. Ihre Bücher werde ich keinesfalls lesen." „Wollen Sie mir damit etwas Liebenswürdiges oder etwas Unfreundliches sagen?" „Weder das eine noch das andere; sondern nur genau das, was ich denke." „Und Sie denken?" „Daß ich Sie kenne, ohne Ihre Bücher lesen zu brauchen, die samt und sonders Sie selbst sind." „Sie halten mich also für eine sehr wenig komplizierte Natur, für sehr leicht zu erkennen?" „Für außerordentlich leicht." „Wissen Sie, daß Sie mich neugierig machen, mich durch! Sie kennen zu lernen?" „Sollten Sie sich nicht kennen?" „Ganz nnd gar nicht! Ich bilde es mir nur bisweilen ein. In der Einbildung ist es so leicht, die Dinge zu ergründen. Tiefe trügerische Phantasie!" „Und Phantasie ist bei Ihnen alles. Sie leben überhaupt nicht in der Wirklichkeit." „Sondern?" „Eben nur in Ihrer Phantasie." „Tas könnte gefährlich sein, nicht wahr?" „Es ist gefährlich," „Sie warnen mich?" >,Es war gefährlich- für Sie, hierher zu kommen." „Ich bin hier sehr glücklich-, Ich bin hier zum ersten- tttftle in meinem Leben ruhig und glücklich" „Haben Sie im Leben nichts anderes zu tun, als ruhig und glücklich zu sein? . . . Verzeihen Sie, das geht trrid)i nichts an." „Wenn Sie an mir einigen Anteil nehmen, fo ist das sehr freundlich von Ihnen, so bin ich Ihnen seht dankbar." „Das ist unnötig." „Ich darf Ihnen doch dankbar sein?" „Sie überschätzen den Wert meiner Worte, wie Sie. auch mich selbst überschätzen." „Das ist unmöglich!" „Was wissen Sie von mir?" „Daß Sie in jedem Falle verehrungswürdig sind." „Ich bitte Sie, Graf —" Wer ich ließ sie nicht ausreden. „Sie werden mir doch erlauben, innigen Anteil an Ihnen zu nehmend „Nein." Und sie stand auf. In diesem Augenblick eilte Domenico herbei: Herr Mariano finde das Verbandzeug nicht, und der Verwundete verblute. Wo Frau Mariano bleibe?! Erst nachdem sie gegangen war, kam mir znm Bewußtsein, daß wir in aller Ruhe zusammengeblteben warem während sich ein Sterbender im Hause befand. Ueber dem Alleinsein mit dieser Frau hatte ich den blutigen Vorfall vollständig vergessen. Welche geheime Gewalt hatte das vollbringen können? Liebe und Leidenschaft blieben aus? geschlossen. Also: was war es?! Darüber nach- gewohnter Art zu sinnen, war jetzt nicht der Augenblick. Ich eilte endlich in den Hof, daraus mir jammernde, schreiende, fluchende Stimmen entgegentöntew als hätte ein allgemeines Gemetzel stattgefunden. Hers Mariano schrie, jammerte und fluchte am wildesten. Sämtliche Leute waren zusammengelaufen und um standen mit leidenschaftlichen Gestikulationen den Verwundeten, den sie unter dem Löwenportal niedergelegt hatten mit dem Rücken an eine Säule gelehnt. Es war ein knabenhaft junger bildhübscher Mensch- aus Sassoferrato mit einer Hautfarbe wie Bronze, des Pachters Lieblingsknecht. Der Messerstich- war in die linke Seite gedrungen, und das Blut strömte aus der Wunde, aus die Herr Marians sein Taschentuch preßte. Er war neben dem Jüngling hin- gekniet, hielt seinen Kopf und hatte Tränen in den Augen Rosa leuchtete mit einem Span, dessen Glut die wild« Szene bestrahlte. Frau Mariano brachte das Verbandzeug., Sie stand neben dem Sterbenden in einer Haltung, mit einer Mien^ bei der ich- von neuem an ihres Mannes Erzählung aus bei Zeit der Pariser Kommune denken mußte: wie sie über dü Leichen der Erschlagenen hinweg durch die blutige Gassi geschritten war. Es war ihr vollkommen gleichgiltig, ob fließendes Blu ihr Seidenkleid verdarb oder nicht. Dem armen Jungen war nicht mehr zu helfen. ® starb in den Armen seines Herrn, gerade als der Geistlich 30 mit dem Sakrament kam. Daß er ohne letzte Oelung aus der Welt ging, war für die Leute der Tenuta bei weitem das Schrecklichste. Nicht den Sterbenden, sondern Frau Mariano sah ich an. Sie stand und schaute mit weitvffenem, leidenschaftlich verlangenden: Blick zu, wie der hübsche Knabe seinen letzten Seufzer aushauchte. Ich wußte, daß sie ihn beneidete. * Herr Mariano geriet außer sich vor Schmerz und Zorn und hätte den Totschläger am liebsten gelyncht. Aber dieser war gleich nach der Tat in den Buschwald geflüchtet, wo er sich so sicher fühlen durfte wie in Abrahams Schloß. Seine Kameraden kannten seinen Schlupfwinkel und versorgten ihn mit Nahrung, was sowohl die Karabinieri, wie auch Herr Mariano sehr gut wußten. Doch mußten sie es geschehen lassen. Tie Sitte war geheiligter Brauch. Mein Gespräch mit Frau Mariano ging mir nicht aus dem Sinn, und ich hatte immer ihr Bild vor Augen: wie sie int Mondschein bei der Blumenfontäne aus der Terrasse saß und wie sie bei dem Sterbenden stand. . . Sie beschäftigte sich in Gedanken mit mir, sie nahm Anteil an mir, sie hielt mich für einen sonderbaren Schwärmer, dem der Aufenthalt in der traumhaften Billa zum Verderben gereichen konnte. Zum Verderben, weil die Einsamkeit zu schön war, oder weil die schöne Frau Mariano zu unglücklich war? Oder weil ich — wie sie mit dem unfehlbaren Instinkte der Frau wußte — der Schönheit und dem Unglück gegenüber keinen Widerstand leisten konnte? Und sie selbst? Sie verwehrte mir, ihrem Leben Teilnahme zu schenken, ihre Person verehrungswürdig zu finden. Also hielt sie sich solcher Empfindungen für unwert? Als ob wahres Unglück nicht stets verehrnngswürdig Wäre! Sie mußte sich schuldig fühlen. Worin? Taß sie sich hatte zwingen lassen, Frau Mariano zu werden, daß sie die Gewalt, die ihrem Leibe und ihrer Seele angetan worden, nicht gerächt hatte: weil ihre Seele damals noch nicht stark genug war. Sie hatte ihrem ungeliebten Gatten nach vierjähriger Ehe ein Kind geboren, welches sie anbetete; und sie gehörte zu denjenigen Müttern, die durch diesen heiligen Beruf des Weibes an Leib und Seele verklärt werden. Dieselbe Frau, die eine gerichtete Mörderin für eine Märtyrerin ansah, und die über blutige Leichname wie über eine nasse Wiese schritt, glich, über ihr Kind geneigt, an Holdseligkeit der himmlischen Mutter. * Jch> kam aus dem Zauberkreis, der für mich die Billa Falconieri umschloß, nicht mehr heraus und verkehrte anßerhalb desselben nur noch mit Mönchen und Hirten, sodaß ich nicht hörte, was die Leute von den sonderbaren Pächtersleuten sprachen. In der Billa selbst erfreute sich Herr Mariano einer abgöttischen Beliebtheit. Seine Knechte, die er zwar in seinen Wutansällen wie Tiere behandelte, wären für ihn durchs Feuer gegangen. Man munkelte allerlei Dunkles über ihn und ließ dennoch nichts auf ihn kommen. Nur seine Frau erschien lediglich von einer Empfindung gegen ihn beseelt. Wahrscheinlich- weil nur sie ihn kannte. In der Villa hörte ich ihren Namen selten nennen, so sehr ich auch darauf lauschte; und wer ihn aussprach, tat es mit einer gewissen Scheu. Man erzählte sich, daß sie sich um nichts, was im Hause und in der Oekonomie vorging, auch nur im mindesten kümmere, daß sie niemals in der Schloßkapelle der Messe beiwohnte, niemals beichten gehe. Taß sie verschwinde, sobald die Mönche von Camaldoli und vom Kapuzinerkloster ihren Gatten besuchten. Man wollte wissen, daß sie tagelang mit ihrem Mann kein Wort wechsele, daß sie, wenn er über irgend etwas wüte, gelassen dabei stehe und lächele, daß sie ihn durch dieses Lächeln fast zur Tollheit bringe und sich von ihm niederschlagen lasse, ohne einen Schmerzenstaut auszustoßen. Trotz ihrer schmachvollen Leiden wurde sie in der ganzen Villa nur von ihrer treuen Tienerin Rosa geliebt und bemitleidet. Man sah sie stets in demselben schlechten Kleid. Mer stets war ihr prachtvolles Haar sorgsam gescheitelt und tief im Nacken zusammengeknotet. Toch ließ sie sich wie ich erfuhr, diese sorgsame Pflege nur auf die täglichen Bitten ihrer treuen Rosa hin von derselben gefallen. Immer noch war sie nur selten zu sehen und dann niemals ohne ihr Kind. Es war ein entzückendes kleines Geschöpf, hieß Annina und führte den schönen Kosenamen Amore. Herr Mariano war, seitdem das Kiitd größer geworden, der zärtlichste Vater. Kam er jetzt nach Hause geritten, so rief er nicht mehr nach seiner Frau, sondern nur nach dem Kinde. „Amore! Amore!" hörte ich des Tags ungezähltemale aus Park und Haus schallen. Selten, daß Frau Mariana auf einen dieser gellenden Rufe mit dem Kinde erschien. Dann begann er zu toben und wütend nach der Mutter zu schreien. Einigemale sah ich, wie sie ihm das Kind auf das Pferd reichte. Er riß es an sich, gab dem Pferde die Sporen und jagte davon, als wollte er das Kind der Mutter entführen. Tiefe sah den beiden mit einer Mene nach, als wäre ihr die ewige Seligkeit entrissen worden. Oft höre ich noch jetzt im Traum Herrn Marianos Stimme rufen: „Amore! Amore!" Das Jahr, das ich in der Villa hatte zubringen wollen, ging zu Ende. Ich fühlte mich beruhigt, befriedigt, fast glücklich. Aber ich war nicht gesund. Mein Bedürfnis, mich fort und fort niederzulegen, war gewachsen; meine Anstrengungen, aus diesem tiefen Ruhen mich emporzu- reißen, verursachten mir große Mühe; meine Ermattung hatte zugenomme'n, und ich litt an einem schweren dumpfen Druck auf dem Gehirn, an absolut schlaflosen Nächten und fiebernden Phantasien. Ich versuchte zu arbeiten. Ich versuchte dichterische Pläne zu fassen, das innerlich Erlebte zu schauen, oas Geschaute zum Ausdruck zu bringen. Aber ich fand nicht den Ausdruck, so sehr ich mich auch abmühte. Jeder Satz ward unter solchen Qualen sechsmal niedergeschrieben und schließlich doch aus gestrichen. Es lag vielleicht daran, daß ich meine Gedankenbilder nur in matten, schwankenden Umrissen vor mir erblickte, vatz meine Phantasie immer noch zu erschöpft war, um formen, mein Gehirn zu ausgesogen, um eine seelische Gestalt auch mit dem Verstände erfassen zu können. Ich litt sehr. Unter diesen Umständen wäre es törichte Selbstzerstörung gewesen, mich aus meinem Asyl zu vertreiben, mein köstliches Refugium aufzugeben und die Tore dieses ElysiumS hinter Mir zu schließen. Ich blieb also. Weil es sich geschäftlich nicht anders arrangieren ließ, schloß ich über die Vermietung der Villa einen vieljährigen Kontrakt. Jetzt war ich geborgen! * Herr Mariano teilte meine Freude. Er gestand mir, daß er mich sehr vermißt haben würde, da er seinen Knechten wohl kaum etwas aus Müsset rezitieren und mit ihnen über den Unterschied zwischen römischer und griechischer Plastik diskutieren konnte. Mein Koch hielt es allerdings für seine Pflicht, mir mitzuteilen, daß Herr Mariano mir seine Preise noch ungenierter machte. Mer schließlich — wer betrog mich hier nicht?! Mehr noch als mich, hätte Herr Mariano sicher meine guten Tiners vermißt. Denn in der letzten Zeit speiste er jede Woche einmal bei mir. Ich lud stets Frau Mariano ebenfalls ein; aber sie war kein zweitesmal wiedergekommen. Weil ich wußte, daß sie mein Verweilen in der Villa aus einem irrtümlichen Grunde für verhängnisvoll für mich hielt, weil sie es mir an jenem Abend in sehr eindringlicher Weise ausgesprochen, mich gewissermaßen gewarnt hatte und ich ihr diesen Beweis ihrer freundschaftlichen Teilnahme sehr lebhaft dankte, trotzdem aber ihre Mahnung nicht befolgte, so vermied ich noch mehr als sonst ihr zu begegnen, was mir in dem großen Hause, dem weitläufigen Parke und durch unser beider Lebensart sehr erleichtert ward. Gewiß wünschte auch sie mich nicht zu sehen. Andererseits quälte mich die Vorstellung, sie möchte gering von mir denken — da sie doch nicht wissen konnte, wie es innerlich mit mir stand, wie ich, an meinem Talente verzweifelnd, nur durch! ein langes, tiefes Ausruhen aller Organe wieder arbeitsfähig werden konnte, nachdem ich 31 längst aufgegeben hatte, nur einigermaßen „zu sagen, was ich litt". Herrn Marianos pekuniäre Verhältnisse hatten sich inzwischen um nichts gebessert. Im Gegenteil: sie hatten sich schnell bedenklich verschlechtert. Ich hatte mein 'Darlehen nicht nur nicht wieder erhalten, sondern hatte — und noch immer mit voller Bereitwilligkeit — dem ersten ein zweites größeres hinzugefngt. Aber mau machte von verschiedenen Seiten den Versuch, mich ernstlich zu warnen. Es lag jedoch nun einmal nicht in meiner Natur, in dergleichen Dingen praktisch zu sein. (Fortsetzung folgt.) 3>et elektrische Aernseger. Mr haben schon kurz gemeldet, daß Fritz Lux die Erfindung! eines Fernsehers zum Patent angemeldet hat. Mit Konstruktionen von Fernsehern sind hervorgetreten Tussand, Jan Sezepanik, von Brvnk und auch Fr. Lux hat vor einigen Jahren schon eine solche Konstruktion ausgearbeitet. In einer Broschüre gibt Herr Fr. Lux nun in Wort und Bild eine eingehende Darstellung seiner neuesten Erfindung, aus der wir einige Einzelheiten wiederzugeben in der Lage sind. Cs ist bekannt, daß beispielsweise eine Klaviersaite, zu tönen anfängt, wenn der gleiche Ton z. B. durch eine Stimmgabel oder bergt erzeugt wird. Wenn man nun eine Metallzunge, die auf eine bestimmte Schwingungszahl ab gestimmt ist, z. B. durch einen Elektromagneten erregt, der von einem Strom der gleichen Schwingungs- zahl wie der, auf den die Federzunge abgestimmt ist, durchflössen wird, so beginnt die Federzunge zu schwingen. Diese Erregung kann aus verschiedene Weise bewerkstelligt und mit einer ganzen Reihe von Federn manipuliert werden. Tie Federn werden sämtlich auf verschiedene Schwingungszahlen abgestimmt und die Clektromagnete der Federkämme hintereinander oder ne6:neinauber geschaltet. Es werden immer die Federn zu schwingen beginnen, deren Schwingungszahlen mit denen der betreffenden Wechselströme übe.einstimmen. Lackiert man die Federköpfe, die quadratisch oder schmal sein können, schwarz und den Hintergrund, an dem die Federn befestigt sind, weiß, so werden die Stellen, an denen die Federn befestigt sind, weiß aussehen, da der Hintergrund durch die schnell schwingende Feder hindurch sichtbar wirb. Wenn nun verschiedene Federn schwingen, so wird, wenn diese Federn in einer gewissen Reihenfolge schwingen, ein weißes Bild auf schwarzem Hintergrnnd entstehen. Damit wäre der Empfänger der Bilder kurz beschrieben. Ter Ausnehmer der Bilder besteht aus einer ebenso großen Anzahl Selenzellen, als Federn an dem Empfänger ungeordnet sind. Bon jeder Selenzelle geht ein Traht nach je einem Wechselstromerzeuger und der andere nach einer Feder am Empfangs- Apparat. Eme Rückleitung zwischen Wechselstrom Erzeuger und -Empfänger genügt hierbei. Auf die Fläche, aus der oie Selenzellen angebracht sind, wird das zu übertragende Bild mittels einer Sammellinse geworfen; der Vorgang beim Ueb ertragen eines Bildes ist dann der folgende: Tie Hellen Stellen belichten die entsprechenden Selenzellen, diese werden für den Strom, der für jede Zelle von besonderer Perivdenzahl ist, leitend, und dieser Strom bringt nun die mit der Zelle korrespondierende Feder zum Schwingen, d.h. erzeugt aus dem Empfängerfeld einen Hellen Fleck. Je nach der Anzahl belichteter Zellen entsteht eine entsprechende Anzahl Heller Flecke, aus denen sich dann das Bild zusammensetzt. Es sind zur Erzeugung eines Bildes verhältnismäßig wenig Punkte nötig, da das Auge das Fehlende dazu leicht ergänzt. Wenn nun auch nicht gleich an die vollendete Zweckerf'.llnng des Fernsehens zu denken ist (wie Uebertragnng von Theaterauffährungen, das Sehen der Person am Telephon, mit der man spricht), so gibt es doch eine große Zahl von Anwendungen, für die sich der Fernseher ohne weiteres benützen läßt. Ter Erfinder erwähnt z. B. das Uebertragen von Schriftzeichen und Zahlen, die Benützung als Frequenzmesser für Wechselströme usw. Um das elektrische Fernsehen ohne Drahtverbindung zu erreichen, werden die im Gebe-Apparat erzeugten Wechles ströme mit einer Induktionsspule aus den Lichtbogen einer Bogenlampe gelagert. Ter Lichtbogen erfährt dadurch die gleichen Veränderungen wie bei der sprechenden Bogenlampe. Er spricht gewissermaßen das Bild. Tie Lampe, die im Brennpunkte eines parabolischen Spiegels sich befindet, sendet das undulierende Lichtstrahlenbündel nach einem zweiten Spiegel. In dem Brennpunkte des Letzteren ist dann eine Selenzelle angebracht, die nebst einer Batterie mit den Erregerspulen des Empfängers in Serie geschaltet ist. Ter undulierende Lichtstrahl verändert nun den Widerstand der Selenzelle und diese überträgt die Aenderungen, die den Aenderungen der Ströme am Geber entsprechen, auf die Federn, die daun schwingend das Bild wiedergeben. Tas Aufzeichnen und Wied rgeben von Bildern ist auf drei Wegen zu erreichen. Das Prinzip des einen ist das gleiche, das Richmer anwendet, um die Sprache durch Photographie festzuhalten. Der zweite Weg ist der, daß man die von dem Gebeapparat erzeugten Wechselströme auf einem Elektromagneten wirken läßt, dessen Anker ein seines Messer trägt, das die Schwingungen wie beim Phonographen in eine Wachswalze eingräbt. Läuft später aus dieser Walze ein Stift, der an dem Anker eines Elektromagneten befestigt ist, so können die darin erzeugten Wechselströme ebenfalls wieder zur Erregung der Federn und damit zur Wiedergabe des B.ldes benützt werden. Ter dritte Weg basiert auf dem Telegraphon von Paulsen. Tie Erfindung des Herrn Lux ist eine außerordentlich wichtige, sie weiter zu vervollkommnen und auszubauen wird das fernere Bestreben des Erfinders sein, wozu mir ihm herzlich Glück wünschen. Aloe aber, die sich für die Erfindung näher interessieren, machen wir auf die Broschüre des Herrn Lux aufmerksam, die von ihm direkt zu beziehen ist. cSifferahtf u d Kunst — Ein Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein hat sich soeben, wie man uns aus Düsseldorf schreibt, gegründet. Der V.rbaud will in geeigneten Fällen bildende Künstler von hervorragender Begabung in Die Lage setzen, eine zeiilang frei von Sorgen und Rücksichten zu schassen. Tie Ausivahl solcher Künstler soll durch Kommissionen erfolgen, zu denen vorläufig Ludwig Till, Gustav Schoen leb er, Hans Thoma, Ferdinand Brükt, Wilhelm Steinhaufen, Wilhelm Trübner, Gregor v. Bochmann, Emus Meyer und August Teußer ihre Mitwirkung znge.agt , haben. Ter Verband erwirbt entweder fertigt* B.loer, Radierungen oder Liihvgraphieen, Plastiken oder Medaillen in einem oder mehreren Abdrücken oder Abgüssen.; oder er gewährt anderweitige Zuwendungen (Jahreogehälrer und dergleichen), wofür Dem Verband von den Künstlern eigene Werke von entsprechendem Werk zur Verfügung gestellt werden. Tie so erworbenen Kunstwerke, Bilder, graphischen Werke, Plastiken, Medaillen und geeignete tun,.* gewerbliche Gegenstände sollen am Schluß jedes Jahres unter die Mitglieder des Verbandes verlost werden. Außerdem soll in jedem Jahr an sämtliche Mitglieder eine künstlerische Vereinsgabe verteilt werden. Tic Mitglieder des Verbandes haben jährlich einen Beitrag zu zahlen. "Als Patrone gelten diejenigen Personen oder Vereine, welche sich zu einer jährlichen Zahlung von 100 Mark verpflichten. Als Stifter des Verbandes werden diejenigen Personen oder Vereine angesehen, die einen einmaligen Beitrag von 1000 Mark zur Verfügung stellen. Stifter, Patrone und Mitglieder nehmen ohne weiteren Entgelt 1. Teil an der Verlosung der zur Verfügung stehenden Kunstwerke; 2. sie erhalten jährlich und unentgeltlich eine Künstzeilscyrifi. Anmeldungen sind vor- läusig au Tr. Fritz Koegel, Düsseldorf, zu richten. — „T i e k u n st g e m ä ß e G a r it i c r u n g von Schüsseln" von I o h a u n a M a keldey dürste auch auf manchem Weihnachtstisch willkommen sein. (M. Znelsch, Berlin, Verlag der Allgemeinen Fleischerzeitung.) Die Ausstattung des Buches macht schon so einen einladenden Eindruck, wie ihn die fertigen Schüsseln machen sollen, die nach feiner Anweisung angerichtet sind. Ursprünglich ist das Buch, wohl hauptsächlich für Delikatessen- und Aufschnittgeschäfte geschrieben, doch sind die vielen Abbildungen, die ihm beigegeben sind, so ausführlich gehalten, daß kaum die unerfahrenste Anfängerin nach diesen Anweisungen etwas Verkehrtes fertig bringen könnte. Ter den Bildern an gefügte Text beginnt mit den Grundbedingungen für das hübsche Aussehen der einfachsten kalten Platte und schließt mit den Regeln für !d as Anrichten der feinsten kalten Schüsseln. Tie angegebenen Hilfsmittel znm Garnieren sind lveder besonders kostspielig noch schiver erreichbar, auch —- 32 — tot einen einfachen Haushalt. So wird tn dem Buche manche hinge Hausfrau eine willkommene Anregung fmden, die Gerichte für den täglichen einfachen tote den gastlich gedeckten Tisch in zierlicher Form anzurichten. — Tas Weihnachtsheft von Ve lh ag en & Klas in gs Monatsheften ist diesmal das Januarheft. Es tragt der Festzeit entsprechend vielfach einen heiteren Ehararter. IN ben kürzeren Erzählungen: „Tas ungemnnzte Gold von Ilse Frapan-Akunicm, „Tas Erbschweinchen" von Hermine Villinger und „Ter Bambino von Ara Coeki" von Marianne Mewis herrscht, bei mehr oder weniger ernstem Untergründe, der Humor vor. Unter den illustrierten Artikeln ist der Aufsatz: „Im Pnppenlande" (SonneberO von Hauns von Zabeltitz ganz weihnachtlich. Vergnüglich zu lesen ist auch, ivas Bernhard von Lingg über der: „Kaviar" mitteilt. Wenigstens für den, dessen Mittel ihm erlauben, ans der Sachkenntnis des Verfassers Nutzen zu ziehen. Professor Bie erzählt ferner aus der Zeit, da die „Sch-litten" noch Kunstwerke waren. Sehr interessant ist der Aussatz von Tr. Schubring: „Tie farbigen Tonrellefs der Robbia", zumal die hervorragendsten dieser Ton- reliefs hier farbig reproduziert sind, wir mithin ein deutliches Bild von diesen eigenartigen Kunstwerken gewinnen könne-,-. Ein in vorzüglichem Faksimiledruck wiedergegebenes Madonnenbild von Filippo Lippi und ein stimmungsvolles Weihnachtsgedicht von Wilhelm Langetmesche: „Hirtenweihnacht" leiten das schone Heft ein. Vsemißchres« * Mantega zza über die moderne Frau. Der Florentiner Physiologe arbeitet an einem Werke über die Frau im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. „Man hat sich" — äußerte Mantegazza jüngst — „zu sehr daran gewöhnt, das Weib immer nur unter einem einzigen Gesichtspunkte zu betrachten, sie als Ehebrecherin und dergleichen zu schildern; was sie aber im heutigen Leben leistet, welche Gefühle und Beweggründe sie bestimmen, welche Leidenschaften sie zum Heroismus oder zum Verbrechen treiben, läßt man meist unbeachtet." Mantegazza will diese Lücke nun ausfüllen, indem er auf Grund eines , genauen Charakterstudiums den „Typus" Weib zu ermitteln sucht. Tas erste Kapitel des Werkes beginnt, allerdings wenig erbaulich mit einer Szene im Freudenhause, wo das Weib sich aus Instinkt oder in Not in seiner tiefsten Erniedrigung zeigt. Es folgt ein Kapitel, das einer Fischersi- frau im Kreise ihrer Kinder gewidmet ist; dann wird der Leser nacheinander in alle Milieus des kleinen und mittlere'.: Bürgertums, der reicheren Klassen und schließlich bis an der: Königshof geführt. Das Buch soll ein Kaleidoskop sein, in dem man die Frau mit all ihren Gefühlen, Freuden, Leiden, Tugenden und Schwächen erblickt. * Ein Trost für die, die „aus dem Schneider" sind. In welchem Alter ist die Fran am schönsten? Es lir-uur reine Gründe vor (sagt ein englisches Matt), warum' die Frau nach dem allgemeinen Naturgesetz mit den Jahren nicht auch an Schönheit des Antlitzes und der Formen zunehme. Der Wunsch mancher Franen, sich wieder in die Backfischzeit zurückversetzt zu sehen, wäre töricht; jede Frau müsse bei einer natürlichen und regelmäßigen Lebensweise mit 40 Jahren weit schöner und anziehender sein als ein Mädchen von 16 Jahren. Körperliche und geistige Vollkommenheit wären bei einem „Mvdellipeibe" unzertrennlich^ und darum seien die Jahre zwischen 35 und 40 Lenzen die besten und verheißungsvollsten. Die Geschichte lehre, daß die schönsten Frauen den Gipfel ihrer Berühmtheit in diesem Alter erreichten. Kleopatra hatte das 30. Lebensjahr überschritten, als sie Antonius an sich zu fesseln wußte. Aspasia war 36 Jahre alt, als sie Perikles heiratete, und 30 Jahre später soll sie noch immer sehr begehrenswert gewesen sein. Anna von Oesterreich war 38 Jahre alt, als sie für eine der schönsten Frauen Europas erklärt wurde. Fräulein Mars, die berühmte französische Schauspielerin, war schön mit 45. Frau Rscamier, die Königin weiblicher Schönheit, mit 40 Jahren. Na ja, aber — * Widerlegt. „Tie deutsche Sprache ist eigentlich doch recht arm!" — „Na, da sollten Sie 'mal meine Fran hören!" "Pech. Hinterhuber: . Js dös «Pech! All' meine Küh', bis auf eine, hab' t müfs'n verkauf'», damit meV Bua auf'n Viehdoktor hat studier'n könnal Jetz' is er fertig, und wie er nach Haus kimmt, gibt er ihr a Trankl, wo s' glei d'ran hin roor’n is I" Gesundheitspflege. hr. Lindenbastabkochung gegen' Brandt wunden. Von der Liirde wurden bis jetzt nur die Bluten als Heilmittel benutzt. Sie werden in Form eines Tees bei Erkältungskrankheiten als schweißtreibendes Mittel tuet gebraucht. Der Bast dagegen findet industrielle Verwendung und in Rußland, welches den meisten Bast liefert, fertigt man daraus Körbe, Decken, besonders aber die zum Verpacken dienenden Bastmatten. Neuerdings hat nun ein Schweizer Arzt den Lindenbast mit vorzüglichem Erfolge bei schweren Brandwunden verwendet. Aus 100 Gramm frischem Baste wird mit 2 Litern Wasser eine Abkochung hergestellt, dann Kompressen mit dieser Abkochung getränkt, diese bis zur Siedehitze erwärmt und dann wweit abgekuhlch als sie der Patient eben noch vertragen kann. Die Kompressen müssen dann sehr häufg, auch des nachts, gewechselt werden. Bei schweren Verbrennungen und Verbrühungen wllen die Heilresultate ganz außerordentlich! gute sein. Tie Schmerzhaftigkeit läßt nach, es bildet sich rasch eine neue Haut, selbst bei Bildung großer Blasen und schon nach drei Tagen tritt nach! den Berichten unseres Gewährsmannes Heilung und Arbeitsfähigkeit wieder ein. Winterlieb. Wenn der Winter auf die Berge steigt, Und von rauhem Frost das Land erstarrt. Wenn der erste Reis am Baum sich zeigt Und alles froh des schönen Christsests harrt; Wenn vorbei im Tai Nun mit einem Mal Alte Schnakenpein und Hitzeqmn, Stürmt es von den Höh'n Bis zum Tale weit: O wie wunderschön Ist die Winterszeit. Wenn am Eis umsonst die Sonne leckt. Wenn die Quelle auf den Bergen ruht. Alles rings mit weißem Kleid sich deckt Und behaglich wärnü des Ofens Glut, Frosthaüch kalt und raub Liegt aus stiller Au' Und der Himmel blickt gemütlich grau, ©türmt es von den Höh'n Bis zum Tale weil: O wie wunderschön Ist die Winterszeit. Wars nicht auch zur kalten Winterszeit, Als Tein Herz sich meinem Herz erschloß Als von Dir, Du wundersüße Maid, Ich den ersten langen Kuß genoß? In dem Saale schwang Bei der Saiten Klang Paar an Paar sich stundenlang — Und von allen Hö'hn Stürmts zum Tale weit: O rote wunderschön Ist die Winterszeit. Wiesbaden. Aug. Ammann. Gleichung. ^Nachdruck verboten.) (a—b) + V» c + (d.—e) + h,k — x. a. Wilde Banden. b. Natürliche Waffe. c. Leichte Wohnung. d. Gesäß. e. Nahrungsmittel. f. Volk in Afrika. x. Teil des Jahres. ^Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.t In der Jugend ist jung sein leicht, Schwerer und schöner wenn's Haar sich bleicht. G. Horn. Haktton: August Götz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruüerei. R. Lange, Gießen.