1904 Wr. 153. MMM aKmOfS «Mfc iwr *iS^2i?inidni| Aus Liebe. Roman bon M. b. Efchstrnth. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Er trat zu ihr, legte den Arm um ihre Schultern, seine Hand spielte mit dem krausen Gelock über dem feinen Hals: „Kindisch", meinte er noch einmal. „Mer ich leide es doch nicht!" Halb zornig, halb neckend sah sie ihn cm. „Jutta — sei bernünftig." „Nein!" Nun flammte sie wieder auf. „Und wenn Ihr das so ohne mich fertig macht, so mußt Du es wieder rückgängig inachen." „Aber Schatz, Du mußt vernünftig sein." „Ah, bah!" Dann, ganz plötzlich ihrer wechselnden Stimmung folgend, schlang Jutta die Arme um ihres Gatten Nacken unb blickte, ein Grübchen in jeder Wange, zärtlich zu ihm auf: „Wenn ich Dich nun bitte —, recht schön bitte?" Auch er lächelte! wieder. Er würde in dem Augenblick alles um sein Weib gelassen haben und wünschte die Greditz und die Quadrille zu allen Teufeln. Dennoch: „Es ist unmöglich", erklärte er. „Greditz ist mein Rittmeister. Die Sache geht von da aus." „Und die Greditz ist scharmant, und ich ich bin natürlich nicht dabei —" »Weil Du nicht reiten kannst". Harro stampfte mit dem Fuße. „Doch nur, weil Du kein Pferd für mich hast." Tie Szene hätte fatal werden können. Harro hatte schon eine böse Antwort auf der Zunge, Jutta zornige Tränen m den Augen. Doch die Glocke schlug draußen an. Und die Konbention ist für die meisten Menschen, namentlich die Menschen der Gesellschaft, eine allmächtige Macht. Harro unterdrückte, was er hatte sagen wollen. Jutta fuhr sich mit' dem Spitzentuche über die glühenden Wangen. Mit geglätteten Mienen standen die beiden Gatten da. „Rittmeister von Dörrenbach", meldete der Bursche. „Sehr angenehm", klang es zurück. Asmus bon Dörrenbach trat ein und wurde so liebenswürdig empfangen, als habe man in heiterster Stimmung auf einen lieben Gast gewartet. Nur Juttas Augen schimmerten noch in rötlichem Schein, was dem Rittmeister wieder zu denken gab und veranlaßte, mit dem herauszurücken, was ihn herbeigeführt hatte. Er kam nämlich, um die gnädige Frau für die geplante Quadrille zu engagieren. Jutta hatte damit sofort alle Fatalitäten vergessen. „Sie denken doch stets an mich, Herr bon Dörrenbach", jubelte sie kindlich. „Das tue ich auch", erklärte er treuherzig und dot ihr seine große, breite Hand, damit sie einschlagen möchte. „Meine Frau ist nicht Reiterin", warf Harro etwas trocken ein. „Wch haben wir kein Pferd —" „Die gnädige Frau reiten meinen „Diamant." Es schien, der Rittmeiste«, hatte alles überdacht. „War mal Damenpserd. Ist lammfromm, macht die Sache von selbst. Wir reiten jeden Tag ein Stündchen in der Halle, das macht sich schon. Wir sind erstes Paar. Ich bin erster Rittmeisher." Möchte sehen, ob das nicht gehen sollte." Die Worte sagte der Rittmeistei in einem Tone, der keinen Widerspruch zuließ, ja sogar etwas kampfgerüstet klang. Wohl in der Erinnerung, das es, um diesen Beschluß zu erlangen, nicht ganz ohne KamÄ abgegangen war. An dem Ossizierstisch hatte man über Mittag die Qua drrlle besprochen. Otternberg hatte das Arrangement übet! nommen. Er wäre keinem, auch im Traume nicht, eingefallen, daß Dörrenbach mitreiten wollte, ihm selbst an allerwenigsten. Da hörte er Frau bon Greditz und Ura» zusammen nennen, hörte, daß sie die Paare bestimmt habe; und daß die kleine Frau bon Ur au nicht dabei war. Und bet Rittmeister hatte länger schon seine Gedanken über di« Greditz und ihres Mannes Leutnant. Es trieb ihn, diese, Kokette das Handwerk zu legen, der kleinen Frau die sich ihm mit ihrer Schönheit und Harmlosigkeit in dai Herz gestohlen, zu Hilfe zu kommen. So erklärte er plötz, lrch und sehr schneidig seinen Entschluß. Er wußte, daß es da keinen Widerspruch gab, daß sich auch die Greditz fugen mußte, oder die Quadrille ungeritten blieb. Di« jungen Urans iuaren nun beide seelenbergnügt. Harro war, als sei ihn: etwas recht Drückendes vom Herzen gefallen, Jutta, als finge man aufs neue zu leben an. Selbstverständlich mußte der Rittmeister zmn Abend bleiben, fit wollten reizend gemütlich sein. Dahin kam mott überein, ungefähr zu derselben Zeit, als Hildegards zärtlich warmer Frauenherz doch zuletzt noch den Sieg über den klugen Kopf, die .Vernunft, freilich auch das Ich, dabongetragen und sie sich entschlossen hatte, alles zu tun, womit sie de« verwandten nützlich sein könne. So traf es sich abermals, daß, als Hildegard endlich, sozusagen, um ihre Versäumnis gut ztt machen, bei dem jungen Paare anstürzte, sie zu der Erkenntnis tarn, daß iht Kampf ganz bergeblich gewesen mar, da niemand ihrer Opfer bedürfte — ja, daß man sich selbst ihre Nähe im Gruttde nur höflich gefallen und in seiner Fidelität durch die Antvesenheit des späten Mädchens diesmal nicht ftöreii ließ. Die drei beschäftigten sich ausschließlich miteinander, Jutta war entzückend, die Augen strahlten, die feinen Wangen glühten, all ihr Wesen war kindlich harmloser llebermut und Güte. Harro schien wieder mal berliebter t« seine junge Frau denn je. Er freute sich, daß sie mit bet der Partie sein würde,- freute sich, wie der Rittmeister eine Sache, die ihm doch fatal gewesen wäre, ins Gleis gebracht hatte; freute sich auch jetzt mit leichtem Herzen auf die Quadrille und meinte, daß Dörrenbach der netteft« Kamerad im.ganzen Regiment sei. Wer auch Dörrenbach war noch nie so heiter und darum auch so gesprächig ge. wesen. Er förderte eine Menge von Empfinden und Denke« an den Tag, die man kaum in dem für gewöhnlich so bequem erscheinenden Manne gesucht hätte. Ja, er ward« sogar galant, d. h. er zeigte ein ritterliches Gefühl für alle so seines Schutzes bedurften, was sich ja int Grunde von Be« Damen der Gesellschaft selten behaupten läßt. Denn als ei 610 sich fand, daß für Hildegard kein Mädchen zum Ad holen erschien, bot ihr der Rittmeister sofort seine Begleitung an. Schweigend schritten die beiden durch die bereits stillen Straßen dahin. Dörrenbach meinte, er habe das Seine getan, indem er das arme Ding nicht allein gehen ließ. Hildegards Gedanken waren weit ab von dem, was man' so gewöhnlich hier spricht. Endlich aber, sei es, daß ihr das Herz zu voll ward, oder ihr unbewußt Vertrauen zu ihrem Begleiter kam, drängte es sich über ihre Lippen: „Herr von Dörrenbach, «vollen Sie mir sagen, bedeutet denn Schönheit alles für eine Frau?' Asmus von Dörrenbach hatte über mancherlei, gedacht und über anderes auch, mehr als ein Kavalier in seiner Stellung für gewöhnlich zu denken (>flegt. Ob er sich auch über diese Frage klar geworden, teht dahin. „Hm", brummte er in einem Tone, der ebensowohl einem Erstaunen als einem Besinnen darüber gelten konnte. „Hm, Schönheit ist alleweil ein gut Ding." Er strich seinen der Mode entgegen lang gehaltenen Bart. „Ein gut Ding", wiederholte er und blickte strahlend wie in eine unsichtbare Ferne. Hildegard seufzte: „Die Männer lieben immer nur eine schöne Frau." „Oh, hm." Ter Rittmeister lächelte. Etwas: spöttisch sah er Hann nach seiner Begleiterin hin. Die merkte das gar nicht. „Ich meine", begann sie von ncncm, fast wie zu sich selbst: „Soll denn Schönheit, ein doch zufälliges Aeußere. so hoch über allem stehen und allein für den Menschen, seinen Wert und sein Glück entscheiden?" Diese Worte schienen den Rittmeister in feinem Innersten zu berühren. Ebenso berührte ihn der Ausdruck in Hildegards Zügen, die milde Trauer, ein alles persönliche weit hinter sich lassendes Streben nach Wahrheit. Und milder, sachlicher, nachdenklicher, seine ihm hier sonst zur Gewohnheit gewordene Laune vergessend, gab er zurück: „Wäre erst mal zu bestimmen. Gnädigste, ob die Schönheit, sagen wir —, das Aeußere — zufällig ist? „Es baut der Geist sich seinen Körper", meint Schiller nicht allein, siehe unsere modernste Psychologie. — Ja, man darf doch mit C-cwißheit aunehmen, daß alle, seelischen Regungen mit körperlichen Funktionen zusammenhüngen, ebenso Ivie das Blut, das Temperament, die Nerven, das Hirn den Charakter des Menschen bestimmen. Wie man dabei ist, immer mehr in die tiefsten Tiefen hier zu dringen, allda die feinsten, mitwirkenden Fäden und Verbindungen kennen zu lernen — warum sollte man nicht auch mal dahin kommen, zu finden, daß sich auch die äußere Erscheinung mit zwingender Macht einstellt. Daher der bekannte ,erste Augenblick', der die verwandten Seelen mit Banden kettet, und —", hier ließ Dörrenbach wieder seine Laune spielen, „und die L>age von der einigen Liebe." „Keine Sage", kam es wie unbewußt, doch auffallend bestimmt, über Hildegards Lippen. „Nicht? -- Na, habe keine Erfahrung in dem Punkte", meinte der Rittmeister launiger noch, Während Hildegard immer ernster drein blickte. Er wußte nicht recht, was er aus seiner Dame machen sollte — ein Wunder Punkt hier war eigentlich undenkbar — doch : „Na, ein .Verbrechen ist's ja nicht, unter die Wissenden zu zählen", begann er dann in fast begütigendem Ton. „Nur darf man sich durch solche Träume im Schlafe nicht stören lassen. Damen freilich träumen gern. Vielleicht philosophieren wir ein andermal weiter." Treuherzig mitfühlend bvt er dem Mädchen die Hand, denn sie waren mittlerweile vor Hildegards Hause angekommen. Dann wartete er in geduldiger Ritterlichkeit, bis sich die Tür hinter seiner Dame geschlossen hatte, worauf er gemächlich heimschlenderte, „Dock) eine ganz nette Person, diese — diese Lindstedt. Schade — wäre wohl zu etwas Besserem da, als über mathematischen Gleichungen zu brüten und am Schluß, d. h. wenn es gut geht, sich den Doktorgrad zu erringen. Dummes Zeug, zu einem Frauenkopf paßt nur der Kranz — ein Kranz! Ach, die Welt ist recht unvollkommen !" Damit war der Rittmeister in seinem prächtigen Heim angelangt, das im Grunde für die Vollkommenheit der Tinge sprach. Er steckte sich eine Zigarre an, freute sich, daß er der Greditz ein Schnippchen geschlagen, einer kleinen wirklich süßen Frau eine Freude gemacht und einem Kameraden im Ernst einen Dienst erwiesen hatte. Und da ihm trotzdem doch noch nach irgend etwas, er wußte selbst nicht, nach was, verlangte, las er noch eine halbe Stunde Nietzsche, zu dem er gemütlich ungefähr in dem gleichen Verhältnis stand, wie Dieser zu seiner Herrenmoral und seinem lieber» Menschen. Auch Hildegard vertiefte sich noch ein Stündchen in ihre Studien. Der heutige Tag hatte sie fest gemacht, endgültig fest. Sie wollte nichts mehr wissen von Empfindungen, die für sie nur eine Schmach bedeuteten, wollte nicht länger grübeln über dem Schicksal, seiner Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Für sie gab es hier einmal nichts. Sie wollte aber auch niemandem eine Hilfe aufdringen, hatten doch alle mehr von dem, was ihr habenswert erschien — denn sie selbst. Nein, sie wollte auch gar nicht länger in jenes Haus gehen, jene Welt, wo man nichts wissen wollte,, nichts zu wissen brauchte von ihrer Art, das Leben zu nehmen, ja, wo man sie recht gern zu entbehren schien. Sie wollte arbeiten, nur arbeiten, für sich ganz allein, weil da niemand war, der ihrer bedurfte, ihrer gedachte. Und so kam es, daß Hildegard Lendstedt nicht wieder bet Urans erschien, die arme Hildegard, die mit ihrem Urteil, weil ihr Empfinden überreizt Ivar, in manchem zu weit ging, doch in vielem nur zu recht gesehen hatte. Denn Harro und seine Fran bemerkten es gar nicht, daß die Eonsine fortblieb. 8. Kapitel. Die Proben für die Quadrille begännen und brachten den hier unzertrennlichen Klimbim von Vergnüglichkeiten, vor allem für die Damenwelt mit. Ellinor von Greditz war ..zuerst sehr ärgerlich über den Einschub Juttas gewesen. Da sie aber nur ein Ideal, ihre Stellung, darum nur eine Macht, die Konvention, anerkannte, hatte sie sich geschmeidig „mit tausend Freuden" gefügt. Ließ sich also die kleine Frau, die so schön und'so -vornehm war, den schönsten Mann ihr eigen nannte, nicht von der Bildfläche verdrängen, so Ivar doch wenigstens eine Gelegenheit gegeben, diesen Mann wieder täglich zu sehen, was Ellinor als ungemein anregend und auffrischend in der sonst konventionellen Oede ihres Lebens empfand und mit der ihr eigenen Verve aus- zunntzen beschloß. Denn daß man nach den Proben stets bei irgend wem, oder wo, in einem feinen Lokal zusammenblieb, war in erster Linie der Rittmeisterin Werk. So wurden die jungen Urans ganz von selbst wieder in die Geselligkeit hineingerissen, sintemalen nun: einmal darin auch die andern Ausschließungen unterblieben. Es ging eben wirklich nicht anders, beschwichtigte Harro jedes Bedenken, sobald ihm ein solches mit der Erinnerung an Papas Vorstellungen kam. Jutta pachte überhaupt nicht. Sie amüsierte sich lieber im unerschütterlichen Vertrauen auf Mama, die sie ja doch nicht int Stiche lassen konnte und immer nur ihr; Glück gewollt hatte. Der „Diamant", ein glänzend schwarzer Trakehner, war ein großes, breitgebautes Pferd, lammfromm, dafür auch etwas langsam und bedächtig in der Bewegung. Jutta mit ihrer zierlichen, feinen Figur sah etwas verloren, folvie von einem Zufall hingeweht auf dem Rücken dieses mäch- tigen Tieres aus, umsomehr, als die Haltung der jungen Frau als Reiterin zu wünschen übrig ließ und eine darin unkundige Hand die Schritte und Wendungen ihres Pferdes weder leichter, nuch flinker zu machen im siande war. Auch Ellinors Pferd war ein Rappe, ober Engländer von Geburt, hoch, lang, mit schlanken Beinen, feinen Hufen, elegant in Figur, Haltung und Bewegung. Aks sei sie mit ihrem Tier zusammengegoffen, ein vollendetes Kunstwerk, saß sie auf seinem Rücken. Eine htnbige, sichere Reiterin, wußte sie alle Vorzüge ihres Pferdes zur Geltung zu bringen. Harro wat , entzückt von solcher Partnerin. Er vermied geradezu, nach seiner Frau, die ihnen gegenüberritt, zu. blicken. Es war ihm empfindlich, daß sie einer anderen nachstehen sollte. Aber auch außerdem wurden seine Gedanken nnd seine Sinne immer Mehr in Anspruch genommen durch, Ellinor, ja, er mußte sich ihr widmen, mochte er wollen ober nicht. War es boch ganz natürlich, baß, wo immer sich bie Paare der Quadrille jetzt in der Gesellschaft trafen, sie sich auch hier als eine kleine Clique zusammentaten, und dabei wieder jeder Partner zu seiner Partnerin hielt. Es war in einer der letzten Proben, daß Ellinor und Harro nach Absolvierung ihrer Tour einen Moment außerhalb des Karrees hielten. Rein sachlich fiel es von Ellinors Lippen: „Frau von Uran hat keinen guten Sitz." Harro trat das Blut in die Stirn. Doch so sehr hatte ihn die weltgewandte Frau bereits für sich eingenommen, daß er gar nicht bedachte, wie die arme Jutta — die Verhältnisse eingerechnet — ihre Sache im Grunde doch recht gut machte, und die Greditz einfach, unverschänit war, sondern lieber die Mangelhaftigkeit seiner kleinen, süßen Frau in der Bewurf 611 — berung für seine Rittmeisterin vergaß. Ob es auch nur ein ' ziemlich banales Kompliment war, mit dem er ihr antwortete, ob er die Worte nur zwischen den Zähnen murmelte, sodaß etwas wie unterdrückter Aierger darin klang, Ellinor war zufrieden. Seine Eitelkeit war verletzt in seiner Fran, und die Rittmeisterin wußte, was das für einen Mann bedeutet. Dann wurde die Quadrille in Gala geritten. Tie Greditz mit ihrer hohen, schlanken Gestalt und schneidigen Haltung machte sich brillant in der Kürassierunisorm der Zeit Friedrichs des Großen; ritt sicher, wie ein Stallmeister, gewandt und elegant. Die bekannte Neigung ihres Kopfes, der Taubenblick, mit denen sie jede Verbeugung, jede Wendung zu begleiten liebte, liehen der männlichen Meisterschaft einen bestrickenden Reiz. (Fortsetzung folgt.) Inh Acuter — Hochdeutsch. Ter alte^Rcuter-Verlag von Hinstorff in Wismar wird demnächst die „Stromtid" von Fritz Reuter hodcutsch herausgeben. Zwei Prybebogen liegen vor mir, die von der Verwirklichung dieser eigenartigen Idee Zeugnis geben sollen. Ter Verlag sagt dazu: ■ : „Es ist bekannt, daß. trotz, der außerordentlichen Verbreitung : der Reuterschen Schriften (es sind von Anbeginn von allen Ausgaben zusammen etwa 2 700 000 Bände abgesctzt) es noch viele Tausende gibt, hauptsächlich natürlich in Oesterreich und in Süddeutschland, die Reuter noch nicht keimen, weil sie sich scheuen, an die Lektüre des mecklenburgischen Platt heranzugehen, das sie zunächst allerdings wie eine gänzlich fremde Sprache an- mutet. Einem Süddeutschen oder Oesterreicher könnte man ebenso gut holländisch Vorsitzen. Es ist mm freilich nicht so gar schwer, sich in das, Platt hineinzulescn, aber die Tatsache, daß es viele Tausende nicht wagten, ist einmal da, und diesen vielen Tausenden wird es sicher willkommen sein, die Reutersche Stromlid, das Hauptwerk des Dichters, in der hochdeutschen lieber» tragnng kennen zu lernen. Ter Bearbeiter dieser hochdeutschen Stromtid-Ausgabe, O. Heidmüller, der Reuter noch persönlich gekannt hat, ist auch ein genauer Kenner der Sprache und der Eigenart des Tichters, sowie von Land und Leuten in Mecklenburg. Ihm war es von vornherein klar, daß es hieße, Reuter und seine Tichtungen vollständig ihres eigenartigen Zaubers und der immbcrbarcu Lebensfrische berauben, die dem Leser aus seinen Büchern entgegenschlägt wie der Hauch des fruchtbaren Feldes und der kühlen.Waldquelle, wollte man ihn, wie es tatsächlich manche versucht haben, vollständig, von A bis Z, ins Hochdeutsche übersetzen. Zahlreich« Figuren Reuters sind hoch- deiitsch einfach, unmöglich. Wollte man z. B. Jochen Nüßler und seine Frau, die alten Nüßlers, den Kutscher Krischan Täfel, den Weber Rührdanz n. v. a. — ja selbst Havermann — hochdeutsch reden lassen, man würde aus den originellen, lebenstrotzenden Gestalten, saft- und kraftlose, fade Papierfiguren machen. Tiefer Gefahr ist der Bearbeiter der vorliegenden Ausgab.' aus dem Wege gegangen, indem er den ganzen erzählenden Text hochdeutsch wiedergibt, die Tialoge der plattdeutschen Figuren des ' Tichters aber unberührt cinfügt, wie sie der Dichter geschrieben hat. Durch den hochdeutschen erzählenden Text, den der selbst humorbegabte Arbeiter im Geiste Reuters geschrieben hat, in die Situationen ein geführt, wird jeder des Plattdeutschen sonst durchaus Unkundige auch die plattdeutschen Dialoge, die meistens kurz; sind, ohne weiteres verstehen, und zugleich erkennen, daß. diese. Dialoge nicht mit verhochdeutscht werden durtsin. — Auch der ganze Bräsig, dessen Missingsch' jeder Hochdeutsche versteht, ist ganz unverändert geblieben, wie ihn der Dichter geschrieben hat. Reuter legt mehreren seiner rein plattdeutschen, in ihrer Sprache! unübersetzbaren. Figuren, z. B. mehreremale der Frau Nüßler, längere Erzählungen in direkter Rede in den Mund. Diese konnten nicht plattdeutsch bleiben, weil dem hochdeutschen Leser damit eben zu viel plattdeutsch zugemutet würde. Diese Schwierigkeit hat der Bearbeiter der vorliegenden Ausgabe dadurch bewältigt, daß er in solchen Fällen an «teile der direkten plattdeutschen Rede die indirekte hochdeutsche setzte, in einer Form jedoch, die gleichwohl in Konstruktion und Ausdruck die Originalfarbe , der Figuren hindurchscheinen läßt. Diese nicht ganz, leichte Ausgabe hat der Bearbeiter in einer Weise gelöst, die jeden Leser befriedigen dürfte." So der Verlag. Mir entsiihr beim Anblick dieser Ankündig- img ganz unwillkürlich der Ausruf Fritz Reuters dem alten Hmstorff gegenüber: „Hinstörp is’it Esel!" Wie kann es an» stehen, Fritz Reuter hochdeutsch geben zu wollen, da leider schon icdem Nicht-Mecklenburger, selbst wenn er plattdeutsch versteht, die bewnderen Feinheiten der Rentersa.cii Muse nicht offenbar werden > xmi diesen Feinheiten liegt eben der intime Reiz, der dem heutzutage übpchen Spaßmachen unserer sogenannten Humo- risten ganz und gar abgeht, dagegen das wesentlichste Merkzeichen Rcuterschen Geistes ist. , Und doch! Vor einer Reihe von Jahren mar ich Zeuge, W em alter Veteran dc-r Kunst, ein Hoffchauspieler — alle Reuterrezitatoren sind ehemalige Hoffchauspieler, anders' tun sie es' nicht — im schönen Thüringer Lande Reuter auf seine Weise vortrug. Der Rezitator war Thüringer, sein Vortrag war darnach. Tie Zuhörer, sehr achtbare Leute, gaben ben' sonst nicht ungeschickt zu Gehör gebrachten Stücken aus Reuters Werken alle Ehre. Bei den wuchtigen Stellen aus „Hanne Nüte" führten die Damen das Tuck an, die Augen, während die Männer unruhig auf dem Stuhl rückten: sie waren gewaltig gepackt von dem zu Herzen gehenden Stoff. Und anders bei den humoristischen Gaben Reuters: Dröhnendes und helles, herzliches Lachen tönte durcheinander. Beides ein Beweis, daß die Hörer Fritz Reuter verstanden, trotz der Unbeholfenheit des Rezitators im plattdeutschen Ausdruck und trotz der Verschiedenheiten im Charakter des Mecklenburgers und des Thüringers. Damals war ich töricht genug, zu tadeln, daß ein Thüringer es wage, Reuter zu rezitieren. Ich glaubte es mir als Mecklenburger und der Rentersckeii Muse schuldig zu sein. Heute denke jch anders darüber. Schon damals erhielt ich Belehrung, die mich zur Einkehr zwang. Jener Rezitator im weißen Haar, der das Brot seiner alten Tage kümmerlich genug in Reutervorlesungen erwarb, suchte mich am nächsten Tage auf, gab zu, daß er des Plattdeutschen nicht so mächtig sei, wie ich es .verlangt hatte, wies aber auch eindringlich und mich überzeugend darauf hin, daß ein Mecklenburger in Thüringen nicht verstanden werden würde und wenn er mit Engelsrungen redete. Warum sollte er sein Publikum nicht so behandeln, wie es behandelt werden mußte, um ihm Reuter so nahe wie möglich zu bringen? Und wenn darunter Reuter litte, so hätten doch die Hörer großen Gewinn. So sagte der alte Herr. 2er Mann hatte Recht. Ich habe mich damals geschämt, ich will es zu meiner Ehrenrettung sagen; und ich bin inzwischen, nachdem die jugendliche Nntadel- haftigkeit abgetan ist und ick» manchen Volksstamm kennen gelernt habe, der cs uns Obotriteu sehr wohl gleichtun kann, nachdenklich geworden. Warum soll die herrliche Musi unseres einzigen Fritz, obgleich sie den Weltball umfaßt, den hochdeutschen Stämmen unseres Vaterlandes verschlossen bleiben, nur, weil ihr kein Zwang in der Mundart angetan werden darf? Tie Frage ist berechtigt. Es handelt sich nur darum, daß jemand die Antwort gäbe: woans uwwoso? Es will mir scheinen, als ob Heidmüller und Hinstorff die richtige Antwort in einer Tat gegeben hätten, in einer wirklichen und einwamdsfreien Tat. Hören wir selbst, ohne auf Versicherungen des Verlages etwas zu geben; hören mir, wie dem Hebet trag er fein Merk gelungen ist. Es heißt da an einer Stelle aus der „Stromtid" iHatvermann erhält nach dem schweren Konflikt mit Axel von Rambow die Werbung Franz von Rambows um seine Tochter): „Tom alten Mann zitterten die Hände, als er den an sein Kind gerichteten Brief in seine Brieftasche legte. Ihm wankten die Knie, als er, um zn überlegen, auf und abzugehen versuchte. So sehr pacite ihn der Gedanke, daß er mit dem Schritt, den er nun zu tun genötigt wurde, Glück oder Unglück für das zukünftige Leben seines einzigen Kindes herauf- beschwören mußte. Er setzte sich iw seine Lofaecke und lange dauerte es, bis er sich genug beruhigt hatte, um die Sache mit Ueberlegung ins Auge fallen zu können. — So wogt der See des Morgens in wilden Wellen' mittags sind sie ebener und stiller geworden, docy liegt es noch düster und gefährlich über dem Wasser, — des Abends aber lacht der blaue Himmel aus dem glatten Spiegel, helle Sommerwolken ziehen darüber hin, und die Abendsonne schließt das Bild in ihren xoldeuen Rahmen. So ging es auch dnn alten Hawermann. Als die lebhaften Wogen freudiger Aufregung sich gelegt hatten, kam das Bedenken. Ernsthaft und vorsorglich fragte er sich, ob _ er recht tue, wenn er Franzeiw Bitten nachgäbe, ob er nicht Pflicht und Schuldigkeit verletze, wenn er gegen den Willen fernes jungen Herrn sein „Ja" ausfpreche. — Aber was hatte er denn gegen den Manu zu verantworten, der ihm mit Undank gelohnt, ihn fast mit Schimpf und Schande davon gejagt hatte? — Nichts! — Und sein Stolz bäumte sich in ihm auf, der so oft in einer abhängigen Lage schweigen muß, und den nur der kennt, der sich darf» ein reines Gewissen bewahrte. Er wollte nicht länger sein bestes innigstes Empfinden für den Undank eines unverständigen .Knaben hergeben, er durste nicht das Glück seines Kindes ungerechten Prätensionen opfern. ■— Als er mit diesem Beschluß seine Bedenken überwunden hatte, strahlte ihm aus dem ruhigen See das Bild eines schönen Abendhimmels entgegen. Lange saß er da und sah das Glück seiner beiden Kinder wie helle Sommerwolken vorüberziehen. Tic Abendsonne leuchtete draußen aus dem weißen Schnee und drinnen auf seinen weißen Haaren." Ich als Plattdeutscher meine: das ist eine Uebertragung, die in Form und Inhalt, nun) in der Wiedergabe der Reuterschen Eigenheit vollkommen ist. Auch andere Stellen, die ich hier nicht anführen kann, bestärken mich in meiner Meinung. Damit genug. Es widerstrebt mir, etwas zum Lobe des immerhin eigenartigen Planes zu sagen. Tie Zukunft wird es beweifeu, daß die Nachkommen des alten Hinstorff gewiß im Sinne Fritz Reuters gehandelt haben; sie ivird auch beweisen, daß das deutsche Volk — hoch- und niederdeutsch — dafür dankbar ist. E r n st Schacht, (in der „Ttsckm. Tagesztq."». — 612 Die Einteilung des Monatsgeldes. Für die junge, noch unerfahrene Frau ist es besonders schwierig, mit dem monatlichen Wirtschaftsgelde ausznkommen und dabei allen, deut Einkommen des Haushaltes nach berechtigten Ansprchen gerecht zu morden. , Einen allgemeinen schema- tischen Weg zu zeigen, auf welchem rinnt dieses Rätsel leicht und befriedigend zu lösen vermag, das geht nicht gut an, schon weil dabei eine Menge individueller Besonderheiten des einzelnen Haushaltes ausschlaggebeitd sind. Tas beste System der praktischen Einteilung des Haushaltungsgeldes ist immer wieder dasjenige der Abteilung in besondere Kassen für besondere Ausgaben. Strenge Festigkeit gehört allerdings auch hier dazu, um die einzelnen Kassen nur üt den allerhöchsten Notfällen zu anderen als ihren Besttmmungszwccken anzugreifen. Tie Klage ist allgemein, das; die Gehälter nicht mehr reichen wollen; mait hört so viel von Mehrausgaben, sogar von Schulden, das; es schon angebracht erscheint, der Frage, wie man sich am zweckmäßigsten und nützlichsten seinen Budgetverhältnissen anpassen kann, näher zu treten. Tie alten preußischen Generale, welche noch mit dem ehemaligen bescheidenen Kommißvermögen einen Hausstand gründeten, allen Ehrenausgaben und Standes- ansorderungen gerecht wurden, dabei vier bis fünf Söhne für die Armee in den gleichen Grundsätzen erzogen, auch noch Töchter hatten und doch mit dem Ihrigen auszukommen vermochten, sie bedienten sich zu ihrem schwierigen Rechenexempel des Kassensystems und befanden sich allem Anscheine nach am besten dabei; denn diese Art der Berinögeuseinteilung kann man in diesen Kreiselt heute noch oft finden. Anfangs, als utir das Verständnis für den Wert dieser Einrichtung twch nickst aufgegangen war, mußte ich imtiter lächeln, wenn meine Vettern und Schwäger jeden Ersten ihre zwölf- bis fümfzehnerlei Kassen hervorbrachten, um jede mit einem bestimmten Scherflein zu speisen. Tie bestgenährte und hungrigste war natürlich immer die Haushaltungskasse; roetnt sie beispielsweise 100 Mark bekam, so gab man ihren Kolleginnen, den Kassen für bestimmte andere Bedürfnisse, für Unvorhergesehenes, für Vergnügungen, Geselligkeit kleine Beträge von 30, 20 Mk. Für Versicherungen, für Geschenke ttahm man ebeitfalls besondere Mvnatszuschüsse an. Ter Reisekasse floß auch einiges zu; für Hauszins kam der Vermögenszins an die Reihe, und so waren alle Ausgaben das Jahr hindurch strenge geregelt; der Ebbe in einer Kasse half dan>t der Ueberschuß in einer andern wieder aus. Trotz guter pekuniärer Verhältnisse wurde so eingeteilt, daß ant Schluß des Monats alles stimmte, uitd man nicht mit einem Manko in den neuen Monat hinüberkam. Tas Wieviel für jede Kasse hängt von der Gesamteinuahme und den Lebensgewohnheiten ab und muß darum ausstudiert werden. Mißgriffe ergeben sich ja da klar gleich nach einigen Monaten. Sieht man, daß der Haushalt zu teuer geleitet ist, daß man trotz Ueberlegung und Sparsamkeit zn viel braucht, so zeigt die eine oder andere zu stark angezogene Sonderkasse gleich den Ziveig, für welchen zu viel verausgabt wird, und man braucht nicht erst zu suchen und sich den Kopf zu zerbrechen, auf welcher Seite mehr eingezogen werden muß. Auch für bescheidene Verhältnisse ist durch diese Einteilung doch eine. Erleichterung bei den größeren Sonderausgaben zu schaffen; _ denn kommt hier z. B. eine Rechnung, eine Krankheit oder sonst eine größere Zahlverpflichtung, so ist dann doch schon ein kleiner Fonds Zur Begleichung in der für diesen Ausgaben- zweig, bestimmten Kasse. So lehrt diese einfache Methode nicht nur strenge Ordnung in sämtlichen Vermögenssachen, sondern auch die Kunst, mit bescheidenen Mitteln bei vernünftiger Einteilung und Bescheidenheit der Ansprüche den verschiedensten Bedürfnissen gerecht zu werden. _ Ta man nie deit ganzen Geldvorrat beisammen hat und vereinigt sieht, so fällt auch ein Teil der Gefahr weg, welcher viele Frauen immer wieder unterliegen, nämlich: der Unklugheit, mit vollen Händen auGugeben, so lange die Kasse gefüllt ist, statt am ersten, wie am letzten jede Ausgabe gleich sorgsam, gleich weise auf ihre Notwendigkeit zu prüfen. Wie vielerlei Kassen zu halten sind und für welche Ztvecke sie zit sondern wären, diese Entscheidung muß der gesellschaftlichen, der beruflichen Stellung überlassen bleiben. Für jedett aber, für den Begüterten, wie für den über beschränkte Geldmittel Verfügendeit läßt sich aus solch konsequenter Einteilung der Lebensführungskosten die kaufmärmische Lage der richtigen Bilanz von Soll und Haben ziehen, deren Ueberblick bei der Kassenform leichter ist, als bei einer Gesamtberechrmng. Für kleine Mittel bei vielen StandeÄmsprüchen wird das Stift ent wohl entschieden Vorteil bringet! u.ch die kleine Unbequemlichkeit der- verschiedenen getrennten Kassen gewiß bald vergessen lassen. Einen Versuch damit zu wagen, dürfte also jede sparsame Hausfrau sich schon gestatten, keinesfalls wird ihr daraus Schaden erwachsen. vermischte». * Hochzeit 6et der Heilsarmee. Aus Anlaß einer Hochzeit von zwei „Offizieren" ber Heilsarmee war der Haupt- iawl der Jndustriesäle zu Berlin dieser Tage von einem Publikum, das sich zum Teil aus männlichen und weiblichen Offizieren, Kadetten und Soldaten der Armee, im übrigen aber besonders aus Neugierigen zusammensetzte, von denen die meisten ein mehr oder weniger humoristisches' Schauspiel erwarteten. Sie kanten dabei aber wenig auf ihre Rechnung; denn gerade die überaus langen Zeremonien an sich waren von einer sympathisch berührenden em fielt Religiosität. Ter Generalsekretär der Armee für Deutschland, Brigadier Gauntlett verlas auf der Bühne zuerst die Bedingungen, unter denen der Kapitän Sattler mit dem weiblichen Leutnant Jenson di« Ehe einzugehen im Begriff war, wobei neben den hergebrachten Pflichten der Eheleute gegeneinander auch die gegen die Heilsamtee eingehend zur Sprache kamen. Während dann von einem Offizier die entfaltete Armeefahne über dem Brautpaar geschwungen wurde, sprachen Bräutigam und Braut einzeln dem Brigadier die langen Formeln nach, bevor dieser sie „im Namen Gottes und der Heilsarmee" als Ehepaar erklärte. Herr Gauntlett hielt darauf eine teilweise recht humoristische Gratulationsrede, die vielfach von lauten Zurufen, Trommelwirbel und Paukenschlägeu unterbrochen wurde. Auch die Neuvermählten, die fortan das neue Rettungshaus der Heilsarmee in Hamubrg leiten sollen, sprachen; aber was sie sagten, waren eigentlich nur Bußmahnungen. Im Anschluß daran begann die vom Brigadier selbst geleitete eigenartige Propagandatätigkeit der Angehörigen der Heilsarmee, während der sich allmählich 20 Personen auf der Bußbank einfanden. Ter Chorgesang: „Ach, wie ist es schön, gerettet zu fein", beendete die Feier. * D i e freie Amerikanerin. Hat eine Frau das Recht, mit einer brennenden Zigarre im Munde in den Straßen New- Borks herumzuspazieren, und ist die Polizei berechtigt, sie in solchem Falle sestzuuehmen? Tiefe Frage mutet recht merkwürdig an, und doch ist sie jüngst durch die Verhaftung einer Tarne in Newyork aktuell geworden. Wenn es sich um eine Frage des guten Tons handelte, so gäbe es nur eine Antwort darauf. Selbst in Petersburg, wo das Rauchen der Damen etwas ganz alltägliches ist, wird aus der guten Gesellschaft keine noch so leidenschaftliche Raucherin ihre Vorliebe für die Zigarette auf offener Straße kundgeben. Für die Polizei handelt es sich dämm, ob das Rauchen der Frau aus der Straße „grober Unfug" ist, ob es eventuell einen Auflauf verursachen kann, der geeignet ist, den Verkehr zu hemmen und den Unwillen der großen Menge zu erregen. Ter Begriff des groben Unfugs kann ja niemals genau präzisiert werden; er wechselt je nach Ort und Umständen. Tie Trägerin eines Badeanzuges, der -selbst vor den Augen einer gestrengen Prüfungskommission int Heringsdorfer Familienbade Gnade findet, würde in dem gleichen Kostüm von der Strandpromenade umveigerlich zwangsweise entfernt werden. Wenn eine Fran mit der Zigarre im Munde ihre Straßeneinkäufe macht, so erregt dies zweifellos ebenfalls Aufsehen. Ob der „Unfug" so grob ist, daß er eine Arretierung rechtfertigt, muß der gerichtlichen Entscheidung Vorbehalten bleiben. Aber war es !virk- lich nötig, es erst so weit kommen zu lassen!? * Tintenflecke entfernt man aus angestrichenem Holz durch verdünnte Salzsäure und Abreiben mit einem Lappen. Sofort darnach muß mit klarem Wasser nachgewaschen werden. Füllrätsel. Nachdruck verboten. 1. Weiblicher Vorname. 2. Land in Asien. 3. Führt irre. 4. Desinfektionsmittel. 5. Ungarischer Vorname. 6. Metall. 7. Altnordischer Gott. In dte Felder vorstehender Figur sind die Buchstaben: AAA, B, D, EEEEE, G, III, J, LLL, NNNNN, 000, BRR, SS, T, U, W, Y derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen Wörter von der beiqefiigten Bedeutung bilden, während die erste und letzte senkrechte Reihe zwei europäische Staaten benennen. Nttflösung in nächster Nummer. Auflösung, des Bilderrätsels in vor. Nr:. Achillesfers e. Redaktion: Ang u st Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.