1LV4 WM^6-r. MW ' T; ®=ggS; -AW WSW8LLW n Das Hestamsni des AZankiers. Kriminalroman von A. M. Barbour. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Während des letzten Teiles der Zeugenaussage hatten Skott und Herr Sutherland nicht allein öfter Blicke gewechselt, sondern. auch zweimal Zettel ausgetauscht, Skott war sich völlig klar darüber, daß die Angaben des Kutschers den Verdacht gegen ihn erheblich verstärkt haben mußten) er fand auch diese Annahme bestätigt, als er seine Umgebung musterte. Alles blickte ihn entrüstet an, besonders die Mainwarings. Die Augen Ralphs schossen vernichtende Blitze, der sonst so joviale, heitere Herr Thorn- ton wandte sich kalt von ihm ab, der junge Mainwaring starrte ihn mit dem Ausdruck von Verachtung an, und Fräulein Isabella maß ihn mit einem Blick hochmütigen .Abscheus. Dieser unverkennbaren Verurteilung gegenüber stellte er die kalte Ruhe eines Marmorbildes entgegen. Wie von ungefähr begegnete sein Blick auch dem Fräulein Carleton und wurde von diesem wie von einem Zauber gebannt. Ein ganz eigenes Licht belebte Fräulein Carletorrs Augen — nicht Mitleid, nicht weichherziges Bedauern — das hätte er verschmäht — nein, was ihm da entgegenstrahlte, war vollkommenes Vertrauen. Keine Muskel in seinem steinernen Gesicht regte sich, aber seine großen, schwarzen Augen gaben Antwort. Fräulein Carleton verstand diese und sie senkte ihren Blick. Ein Lächeln huschte über ihr Antlitz. „John Wilsou!" rief der Coroner nach einer kurzen Pause. Ein Mann in mittleren Jahren trat langsam und gemessen vor. Er hielt wohl etwas auf sich, würde aber ohne seine auffallend scharf beobachtenden Augen einen unbedeutenden Eindruck gemacht haben. „Sia sind Herrn Ralph Mainwarings Kammerdiener ?" „Jawohl." „Sie sind schon längere Zeit in seinem Deinst?" Unter den buschigen Brauen des Mannes blitzte ein stolzes Selbstbewußtsein aus; mit Würde antwortete er: „Nahe an die dreißig Jahre. Die Wilsons dienen den Mainwarings seit drei Generationen. Mein Vater war schon Kammerdiener bei dem Vater des jetzt gemordeten Herrn Hugh Mainwaring, dem ehrenwerten Herrn Ralph Maxwell Mainwaring." Bei diesen mit einem gewissen Pathos gesprochenen Worten horchte Skott unwillkürlich scharf auf und kritzelte, nachdem er Wilsons Gesicht einen Moment sinnend betrachtet hatte, hastig einige Worte auf einen Zettel, den er Herrn Sutherland reichte. Beide wandten dann dem Zeugen besondere Aufmerksamkeit zu. Sein Zeugnis wich wenig von den Aussagen ab, bis. Hardy und der Portier gemacht hatten. Als nächster Zeuge erschien das Stubenmädchen Kathi Brien, eine junge Irländerin. Sie trat sehr ruhig und sicher, auf und beantwortete die an sie gerichteten Fragen mit einer Kürze und Bestimmtheit, als wenn sie ihre Aussage reiflich erwogen und vorher einstudiert hätte. hatten Sie die Wohnzimmer Herrn Mainwarings zu besorgen?" „Ja." „Auch vorgestern verrichteten Sie Ihren Dienst tote gewöhnlich?" „Gewiß." „Sahen Sie Herrn Mainwaring im Laufe dieses Tages?" „Ich begegnete ihm zweimal auf dem Flur." „Wann zum letztenmale?" „Etwa um zwei Uhr nachmittags." „Wann hörten Sie von seinem Tode?" „Morgens gegen sieben Uhr. Ich fegte zu der Zeit die obere Halle und hörte auf einmal ein Hin- und Herrennen, als ob etwas Besonderes geschehen wäre. Da lief ich schnell hinaus und stieß auf den Portier, der mir im Vorübereilen zurief, der Herr wäre ermordet. Er lief durch die Bibliothek nach dem Turmzimmer, und ich folgte ihm. Tort sah ich den Herrn liegen, blieb aber nur einen Augenblick, weil es mich zu sehr schauderte." „In Ihrer Bestürzung sahen Sie sich wohl nicht viel um, als Sie durch die Zimmer Herrn Mainwarings kamen, oder siel Ihnen da etwas Ungewöhnliches auf?" „Nicht daß ich wüßte." „Und später auch nicht?" „Nein, in diesen Zimmern nichts." „Run? Aber in anderen vielleicht?" ,/^a. „Erzählen Sie doch." „Als sich meine Aufregung etwas gelegt hatte, ging ich wieder an meine Arbeit. So kam ich auch in das Zimmer von Herrn Skott. Dort fiel mir verschiedenes auf; vor allem das, daß er nicht im Bett geschlafen hatte; dieses war ganz unberührt, gerade noch so, wie ich es am Abend 'vorher zurecht gemacht hatte. Dann lagen auch seine Sachen sehr unordentlich umher, und ganz gegen seine Gewohnheit hatte er die oberste Lade der Kommode verschlossen und den Schlüssel abgezogen. Dieser steckte erst wieder^ als der Herr Sekretär nach der Stadt gefahren war." „Wann war das?" „Nachmittags, gleich nachdem hier das Verhör beendet war." „Sahen Sie Herrn Skott am Tage vor Herrn Mainwarings Tod?" „Nein, ich weiß aber, daß er sich den ganzen Nachmittag in der Bibliothek eingeschlossen hatte, nachdem bis Herrschaften ausgefahren waren." 73S - „Woher wissen Sie, daß die Bibliothek verschlossen war?" „Ich ging gerade an ihr vorbei, als der Portier Herrn Stott die Karte eines Herrn brachte, und da hörte ich, wie die Tür aufgeschlossen wurde." „Sahen Sie den Herrn, der heraufkam?" „Nein!" „Haben Sie den Sohn von Frau La Grange gestern vormittag im Hause gesehen?" Tie Zeugin errötete leicht, erwiderte aber ganz unbefangen: „Ich glaube, ich bin ihm ein- bis zweimal begegnet, weiß jedoch nicht mehr recht wann." „Andere haben ausgesagt, er wäre fast den ganzen Vormittag außer Hause gewesen." „Davon weiß ich nichts, ich habe mich nicht um ihn gekümmert." Weiteres vermochte die Zeugin nicht anzugeben, und da es zwölf Uhr vorüber war, wurde eine Frühstückspause gemacht. Skott nahm, löie die Tage vooffen, seinen Platz am Familieutisch ein, anscheinend ebenso gleichgiltig gegen kalte Zurückhaltung wie finstere Gesichter. 9htr Fräulein Carleton zeigte dieselbe offene Freundlichkeit, die sie bisher für ihn. gehabt hatte, und als sie ihm nach Beendigung des Frühstücks ein Zeichen gab, folgte er ihr mit freudiger Genugtuuug in ein Nebenzimmer. Tort ließ sie sich in einer großen Fensternische auf einem Divan nieder und sagte mit einer einladenden Handbewegung: „Bitte, setzen Sie sich, ich wollte Ihnen nur, ehe wir wieder zu der Verhandlung müssen, sagen, wie sehr mir die Feindschaft aufgefallen ist, die Frau La Grange gegen Sie zu hegen scheint; sie hat ja ein ganzes Heer gegen Sie ins Feld geführt." Skott lächelte amüsiert. „Meinen Sie wirklich, gnädiges Fräulein, daß sie -due Truppen kommandierte, die gegen mich auftraten?" „Gewiß meine ich das; ich habe sehr genau beobachtet und die feste Ueberzeugung gewonnen, daß die Leute unter Führung von Frau La Grange standen und hauptsächlich Nach ihren Anweisungen aussagten." „Wenn ich nun aber erkläre, daß die mich belastenden Aussagen wenigstens teilweise auf Tatsachen beruhen. Wie dann?" „Sinn, dann sage ich, daß an und für sich ganz unschuldige Tatsachen von einem geschickten schlauen Gegner recht gut sw gedreht uud dargestellt werden können, daß sie nur scheinbar der Wahrheit entsprechen und zu einer scharfen Waffe werden." „So ist es; uud gerade solche falsche, auf wahren Tatsachen fußende Darstellungen sind meist am schwersten zu bekämpfen. Ohne Frage ist der Schein so gegen mich, baß ich mich im Grunde nicht wundern darf, wenn ich allen verdächtig geworden bin, und um so höher muß ich es schätzen, daß in Ihnen der Verdacht noch nicht völlig erweckt zu sein scheint." „Vielleicht schlummert er bei mir noch in deinselben Maße, wie bei Ihnen die Furcht. Ich habe an Ihnen noch nicht die geringste Besorgnis über den Ausgang der Sache entdecken können." „Die habe ich auch nicht, aber cs ärgert mich, daß sich gerade jetzt alle Umstände gegen mich, verbunden zu haben scheinen, uud es widert mich an, erkennen zu müssen, wie schnell Leute nach dem Scheine urteilen und verdammen." „Gewiß; ich verstehe Ihre Gefühle vollkommen", erwiderte die junge Dame, indem sie sich erhob, „trösten Sie sich aber damit, daß die meisten Menschen, wenn persönliches Interesse dabei in Betracht kommt, sich um so leichtgläubiger zeigen, je ungeahnter und ungeheuerlicher die plötzlich zutage tretenden Enthüllungen sind." Während dieser Worte waren beide zum Zimmer hinaus wieder nach dem Verhandlungssaal geschritten. Um die Lippen des so weltklug sprechenden Mädchens spielte das nämliche Lächeln, das den schwer Verdächtigten schon einmal während der Vormittagsverhandlung so wohltuend berührt hatte. Die Fäden verwirren sich. Die Fortsetzung des Verhörs begann mit der Vernehmung der Köchin Marie Eatron. Ihre Aussage war nur kurz, wurde jedoch mit amüsanter Geradheit abgegeben. lieber die Vorgänge des dem Mord vorhergegangenen Tages befragt, antwortete sie: „Ich weiß nichts als das, was die anderen schwatzten. Mein Platz ist in der Küche." Sie warf einen verächtlichen Blick auf das Stubenmädchen. „Ich kann nicht müßig in den Korridoren herumlungern und auf den Besenstiel gestützt an den Schlüssellöchern horchen." „Bezog sich das Geschwätz, von dem Sie sprechen, aus die letzten Ereignisse, die sich hier abspielten?" „Tja — wie man's nehmen will. Meist sprach man über das Testament und dessen Inhalt." „Wie hatte denn die Dienerschaft von dem Inhalt des Testaments Kenntnis erlangt?" „Ja, lieber Herr, das ist mehr, als ich sagen kann, ich weiß eben nur, daß gewisse Leute so ihre gewisse Art haben." Weitere Fragen ergaben, daß sie in der Nacht des Mordes zwischen zwei und drei Uhr durch einen Ton erweckt worden war, der wie das Schließen einer Haustür geklungen hatte. „J«ch! lauschte eine Weile", fuhr sie fort, „hörte" aber nichts mehr und duselte wieder ein. Bald aber vernahm ich .nochmals ein Geräusch. Nun war ich aber doch neugierig, stand aus uud öffnete leise mein zu ebener Erde liegendes Fenster. Da sah ich den Kutscher mit offenem Maule dastehen und wie blödsinnig das Haus anstarren. Der Mensch kam mir rein mondsüchtig vor, denn er murmelte auch vor sich hin, als ob er mit sich selber spräche. Ich wollte ihm eben zurufen, er solle sich nach Hause schereu, da ging er aber schon von selber." „Schien er Ihnen betrunken?" „Das gerade nicht, ich halte ihn aber auch, wenn er nüchtern ist, für halb verdreht und glaube, daß man ihn nicht für alles, was er sagt oder tut, verantwortlich machen kann." „Begaben Sie sich, als Sie von dem Mord erfuhren, gleich, nach dem Turmzimmer?" „Natürlich. Auf der Stelle ließ ich alles stehen und liegen und lief hin." „Trafen Sie dort schon viele?" „O ja. Wohl ziemliche das ganze Hausgesinde. Wer etwa sonst noch da war, weiß ich nicht; ich habe mich in der Aufregung nicht viel umgesehen. Als ich wieder wegging, kam Herr Whitney." „Begegneten Sie auf dem Rückweg nach der Küche noch anderen Leuten?" „Nein, ich sah aber, ohne daß sie mich sah, die Haushälterin aus der Stube chres Sohnes kommen und hörte, wie sie zu ihm sagte, er solle sich beeilen und schnell reiten, es handle sich um jede Minute." Wichtiger gestaltete sich die uun folgende Vernehmung des allgemein als „Onkel Moses" bekannten alten Negers. Sein schneeweißes Haar und seine schon gebeugte Gestalt gaben ihm ein ehrwürdiges Aussehen, doch war er noch rüstig. Er erzählte mit einem gewissen Pathos, doch auch nicht ohne einen gewissen Humor, der ab und zu sein altes, schlaues Gesicht durchblitzte. Ms früherer Sklave be- zeichuete er seinen Dienstherr^ mit dem ihm von früh auf gewohnten „Massa". Wie den meisten Anwesenden, luar er auch dem Coroner eine wohlbekannte Persönlichkeit, und dieser wußte daher, daß man den alten braven Mann in seiner eigenen Weise reden lassen müsse. „Na, Onkel Moses, Sie sind schon ziemlich lange hier in Schöneiche, was?" „O, gutes Herr, ich das sein schon mehr als zwanzig Jahre. Ich haben unter mir Park und Garten. Massa oft sagen, keiner das verstehen so gut als alte Moses." „Sie versahen natürlich auch vorgestern, am letzten Lebenstage Herrn Mainwarings, Ihr Amt in gewohnter Weise?" „Ich ganzen Tag nicht gekommen aus Anlagen, guter Herr. Ich Haufen vrlle Arbeit, alles zu machen tvunder- voll für Geburtstag von Massa." „Haben Sie einen der Fremden gesehen, die an dem Tage das Haus betraten?" „Ja, gutes Herr, ich sehen zwei; ich nicht wissen viel aber es mir scheinen sehr verdachtvoll. Also, lieber Herr, ich sein vormittag fleißig un arbeiten. Die englisch Geut- lemen spazieren rn Park; kommen Sekretär sie holen nach Haus. Eben alle drei um Hausecke verschwunden, kommen die Baumallee rauf ein Wagen. Er halten an Haus und aussteigen ein Mauiß der erst sich umsehen mit viele 739 - Scheu, ehe schnell springen in Haus. ManU mir nicht gefallen. Denk's ich, ich ihm wollen aufpassen, wenn der aus die Haus zurückkommen; aber ich haben zu Ville Arbeit wegen die Geburtstag, un müssen gehen nach Werkzeugschuppen un inzwischen Wagen mit Mann sein fort." „Haben Sie den Mann genau genug gesehen, um ihn beschreiben zu können?" „Nein, gutes Herr, ich ihn nix können beschreiben, aber ich ihn doch wiedererkennen, als er sein gewesen noch einmal da am Abend mit andern Manu, den ich sehen Nachmittag, als Massa sein ausgefahren mit englisch öerrtt und Damen. Da ich gehen Rosen aufbinden vor die Portal und sinnen dort ein Wagen. Denk's ich«, Fremder von vormittag wieder da und ich ihm nun können ganz nahe sehen, wenn er wieder sortfahren. Endlich kommen ein Mann aus Haustür, aber nicht der vom Morgen. Er sein groß und stattlich, haben aber auf der Nase dunkle Brille. Er s chreiten zum Wagen, nehmen heraus einen langen Rock und sagen zu Kutscher, soll fahren in der Stadt. Herr legen Rock über Arm und gehen zu Fuß. Mir sein das sehr wunderlich; dunkle Brille mir verdachtvoll; kann sein schwache Augen, kann aber sein, sie nicht wollen sehen lassen. Ich auspassen, wohin er gehen. Er nehmen zuerst Weg auf Stadt, dann wieder zurück in Seitenstraße, un bald verschwinnen. Am Abend, als ich, sein fertig mit Ville, Ville Arbeit, ich gehen auf Wohnung zu, da plötzlich ich sehen zwei Männer an Seitenhaustür stehen." . „Um wieviel Uhr ungefähr war das?" unterbrach der Coroner schnell. Der alte Mann schnitt eine Grimasse und kraute sich hinterm Ohr. „Ja, gutes Herr, die Uhr ich nicht wissen, ich wissen nur, daß Sonne schon längst unter." „Waren das nun die Männer, die Sie am Tage schon gesehen hatten?" „3a, gutes Herr. Ich mich verstecke hinter dicke Strauch; sie leise sprechen miteinander; dann einer gehen ins Haus. Im hellen Flurlicht ich deutlich erkennen erste!: Mann, und während ich machen zwei, drei Schritt zu sehen noch besser, schlagen Tür zu und andere Wann plötzlich fort, ich nix wissen wohin, aber es sein gewesen große Mann mit Brille. Mir das sein sehr merkwürdig; denk's ich, das sein verdachtvoll. Zuerst ich schleichen und horchen, wo große Mann hin, aber ich nichts entdecken; dann ich denken, ob nicht E>effer aufpassen bis Mann aus Hchus wieder- kommen, und zuletzt id) fassen Entschluß, Herrschaft Sache zu melden. Ich mich machen dazu auf Weg nach Seiteneingang, als auf einmal wieder aufgeht Haustür und erste Mann mit Haushälterin heraustreten. Ich hören, wie Mairn mit feiner Stimme sagen, Frau nix nicht sollen vergessen, daß dies ein Geschäfts kontrakt; er erfüllen seinen Anteil und verlangen seine Bezahlung; woraus Haushälterin sagens er würden schon bekommen seine Geld, sie ihm stehen dafür. Weiter ich sehen und hören nichts, denn ich mir sagen: „Moses, alter Narr, was du hier stehen und horchen, dich nichts angehen das!" und ich wegschleichen nach Hause. Seitdem ich aber sein mächtig traurig, daß ich nix zu Massa sagen von verdachtvolle Menschen." Und der Alte schüttelte den Kops, und Tränen rannen über seine gefurchten Wangen. „Won wem erfuhren Sie Herrn Mainwarings Tod?" „Bon .Kutscher." „Der Kutscher gab ja an, Sie hätten ihm das Vorgefallene mitgeteilt." „Nein, gutes Herr, Kutscher es mir erzählen. An den: Morgen ich eilig laufen nach Werkzeugschuppen; noch viel müssen Herrichten für Feier. Ms ich kommen vorüber an Stall, junge Herr Walter gerade schnell fortreiten. Kutscher stehen üor Stall, und ich fragen, wohin junge Herr so eilig. Da er sagen, nach- Stadt, Massa sein gemordet." „Wissen Sie, wie lange der junge Mann fortblieb?" „Ich ihn sehen bald zurückkommen, aber gleich wieder fortreiten und dann er ausbleiben bis Mittag." Hiermit endete die Wernehmung des alten Moses. (Fortsetzung folgt.) Ein Luftkurort in Overhefssn. An einem von der Natur besonders bevorzugten Punkte unweit des Dorfes Ilbeshausen ist bekanntlich ein neuer Luftkurort im Entstehen, der vermöge seiner idyllischen Lage einer großen Zukunft cntgegengehen dürfte, zumal er in erster Linie als Nachkurort für das in zweistündiger Fahrt (mit Automobil in einer Stunde) zu erreichende Nauheim mit seinen 24 OOO Kurgästen bestimmt ist. Jetzt reisen diese zur Nachkur in den Schwarzwald, nach Thüringen, in den Harz — waruni sollten sie nicht nach dem so n ahe gelegenen Vogelsberg gehen, wo sie all das sinden, was ihnen jene Gegenden bieten, während sie beit Vorteil haben, daß entweder sie den Nauheimer Arzt oder der Nauheimer Arzt die Patienten in wenigen Stunden erreichen können? Hören wir, was Medizinalrat Tr. Nebel-Lauterbach über „H o ch w al d h aus en" sagt: „Das vorgesehene Bau-Ter- rain in Ilbeshausen liegt in einer sehr günstigen Lage; ohne eingeengt zu sein, ist es nach Norden, Westen und Süden und teilweise auch nach Osten von Höhen umgeben. Direkt hinter ihm beginnt der Hohe Vogelsberg, so das; etwa eine Stunde hinter dem 500 Meter hoch gelegenen Baugelände schon die Höhe des Nesselsberges (713 Meter) erreicht wird. Ter ganze Gebirgsstock ist bedeckt von dem herrlichsten Wald, dem sogenannten Oberwald, der sich stundenweit nach allen Richtungen erstreckt; er ist wildreich, hat prächtige Wasserläufe, interessante Felsen-Partien und entzückende Aussichtspunkte. Tie Luft ist ungemein frisch und anregend. Von allen Touristen und Besuchern wird die günstige Wirkung auf nervöse Abspannung, Schlaflosigkeit, Appetit- mängel und ans asthmatische Zustände, hervorgehoben. Wenn auch der Frühling etwas später hier einzieht, als an manchen anderen Orten, so holt die Natur hier rasch alles nach; die Birnbaumblüte in Ilbeshausen bietet dann einen reizenden Anblick. Ter Sommer ist meist nicht übermäßig heiß und spät in den Herbst hinein bleibt es grün. Ganz wunderbar ist die in der Umgebung herrschende Ruhe. Auf viele Stunden im Umkreis ist nicht eine einzige Fabrik (außer einer kleinen Holzschneiderei), es ilt auch nicht zu erwarten, daß je eine Industrie hierher baut. Tie Eisenbahn fährt nur mit wenigen Zügen, sodaß man den Vorteil der Bahnverbindung hat, ohne den störenden Verkehr einer groyen Bahn. Der Platz ist wahrhaft weltabgeschieden, und man kann sich denken, wie wohl ein ruhebedürftiger Mensch sich in dieser friedlichen Umgebung fühlen muß. In der Gegend ist bie Viehzucht gegen den Ackerbau vorherrschend. Man sieht überall grüne Wiesen und frische Weiden. Tiefer Umstand und der reiche Wassergehalt garantieren eine fast staubfreie Luft. Die Winde führen hier nie Staubwolken mit sich, und gerade bei Ilbeshausen,bricht sich deren Krast an den unermeßlichen Waldflächen, und sie streichen über das geschützte Gelände hin. Die umliegenden Höhen liefern retct)= tich Wasser. Ilbeshausen selbst hat eine treffliche Wasserleitung, und die geplante Kolonie soll ihre eigene Leitung erhalten. Schon mehrfach waren Projekte aufgetaucht, an der fraglichen 'Stelle ein Sanatorium zu errichten. Nun steht dieser Bau nahe bevor, und in Kürze soll eine Villenkolonie dort entstehen. Wir zweifeln nicht daran, daß die Besucher entzückt sein werden von der herrlichen Gegend, der ruhigen Umgebung mit rhren prächtigen Waldern und Wiesengründen, und daß mancher dort die erholte Gesundung wiederfinden wird, die bei diesen mächtigen Heilsaktoren aar nicht ausbleiben kann. Sollte dem Gedanken, tu Hochwald- Hausen das geplante Aerzteheim zu errichten, nähergetreten werden uiid eine Kommission zur Prüfung des Bauplatzes knerher- kommen, so glauben wir, daß Hochwaldhausen die Konkurrenz nut anderen Plätzen mit Ehren bestehen kann." Das Komitee der Aerzte hat steh für Hochwaldhausen enc- schieden nnd veranstaltet zurzeit Sammlungen unter den Kollegen zu dem Baufonds für das Aerzteheim. Auch ein Heim für werbliche Angestellte n'nb Pflegerinnen (Vorfitzende Frau E. Broll- Frankfvrt a. Ai. und Schwester Kralle-Berlin) ist geplant. Ein Logierhaus des'Försters Flohr war in dem vergangenen sommer- vollbesetzt, die mehrfache Zahl von Gasten mußte leider aibgewtesen werden. Tas erste Hotel „Zum Felsenmeer", nach den Alanen des bekannten Architekten Ludwig-Hofmann-Herboru int Vogelsberger Stil erbaut, wird am 1. Januar eröffnet, mit dem Bau einer größeren Zahl von Logierhäusern wird im ^-r-uhjagr begonnen werden. Infolge der billigen Preise der Grundstücke (u.oO Mar k für den Quadratmeter) — wdes Grundstück ist 750 Quadratmeter (Vs Morgen) groß — ist die Nachfrage eine ;chr rege, zumal der Erwerber die Wahl hat, auf unbegrenzte Zett nur die Zi»,en (75 Mk. jährlich) für sein Grundstück zu bezahlen. Auch uoer- uimmt eine solide nnd reelle Architektenfirma den Bau von Logce^- häusern in beliebiger Größe und zu billigem Preise gegen verhältnismäßig geringe Anzahlung von em Viertel der Baunmime. Wer sich jetzt in Hochwaldhausen niederlaßt und baut, hat selbstverständlich den Nutzen an der künftigen Steigerung des Wertes der Grundstücke, denn der Preis von 2.jO Mk. durfte Nicht mr lange Zeit bestehen bleiben, in anderen gut beachten Luftkurorten wird das Zehnfache in guter Lage bezahlt. Es durfte vielleicht noch interessieren, die Höhenlage nebeneinander zu stellen: Einten- burg i. Th. 226 Meter, Harzburg 246 Meter, Jauedrichsroda 409 Meter, Ilmenau 473 Meter, Hvchwaldhaufen 500 Meter. Noch sei bemerkt, daß mit Fertigstellung der un Ban begriffenen Linien Vilbel—Stockheim und Gedern—Grebenhain man Hocy- waldhaufen in zwei Stunden von Frankfurt a. M. m direktem Wagen erreichen kann. Die Eröffnung der beiden Teilstrecken wird bestimmt im Jahre 1905 erfolgen. •740 VsvrMchtsr. * Neber bie Kaufe des italienischen Kronprin- z e n berichtet man aus Rom: „Bei der Kaufe des Prinzen von Piemont wurde alle Pracht des italienischen Hofes entfaltet, aber die Stimmung blieb gedruckt, da in Kurin dm Prinzessin Efena von Aosta, die ohne die Geburt des Kronprinzen dereinst Königin von Italien geworden wäre, schwer krank an Lungenentzündung darniederliegt. Während in Rom der künftige König von Italien die heilige Kaufe erhielt, wurden in den Knriner Kirchen Bittgebete für die Genesung der jungen Herzogin von Slosta abgehalten. Die Kaufhandlung war auf vormittags 11 Uhr im großen Ballfaale des Quirinalschlosses angefetzt. Der Saal ist mit aelbcr Seidentapete ausgeschlagen. Seinen einzigen Schmuck bilden große Spiegel und Kronleuchter ans venezianischen'. Glas. Au der Längswand gegenüber den Fenstern war ein einfacher Altar errichtet worden, mit einer schönen Madonna des Perugüw. Von IO1/2 Uhr an füllte sich der Saal mit den geladenen Güsten, den Rittern wes Annunziataordens. den Ministern, den Präsidien des Senates und der Kammer, den Vertretern der Armee, der Flotte und der Magistratur. Auch der Berwaltungsausschuß des römischen Stadtrates hatte eine Einladung erhalten; aber nur die liberalen Stadträte hatten ihr Folge geleistet, die klerikalen nicht. Ans ganz Italien waren die Palastdamen der Königin, etwa fünfzig an der Zahl, die dem allerhöchsten Adel des Königreiches angehören, in Rom eingetroffen. Sie hatten ihre Plätze in der zweiten Stuhlreihe, gleich vor dem Altar. Sie sind alle in weiß gekleidet und tragen auf der Brust das Monogramm der Königin Elena in Diamanten. Ten Preis der Schönheit tragen die Sizilianerinnen davon, unter ihnen wieder die Prinzessin von Keanu, der auf Grund eines Privilegs, das der Hohenstaufe Friedrich II. ihrer Familie erteilt hat, das Recht zusteht, eine goldene Krone zu tragen. Von diesem Recht macht sie auch heute Gebrauch. Um elf Uhr stimmt das Streichorchester des Maestro Sgambati den „religiösen Marsch" Händels an. Drei schwarz gekleidete Kleriker betreten mit dem Kreuze des heiligen Mauritius rind Lazzarus den «saal und bereiten am Altar alles für die Kaufe vor. Ihnen folgen der Pfarrer von San Vincenzo und Anastafio, in dessen Sprengel der königliche Palast liegt, und der Klerus aller Pfalzkircheu Italiens, in großem Ornate, mit bent Hofkaplcm Monsignor Beccaria an der Spitze. Die Geistlichen nehmen vor dem Mtar Aufstellung. Nach wenigen Augenblicken tritt der Kauf zog den Saal; allen voran die Königin Elena mit dem schlafenden Kaufling auf den Armen. Wie sie ihren Sohn selber stillt, so hat sie es sich auch nicht nehmen lassen, ihn selber zur Kaufe zu tragen. Tie Königin ist ganz in weiß gekleidet. Bei ihrer Erscheinung geht eine Bewegung inniger Freude und herzlichen Mitgefühls durch den ganzen Saal. Tie Königin verneigt sich leicht gegen die glänzende Versammlnng und begibt sich dann zum Altäre. Ihr folgt der König mit der Prinzessin Jolanda an der Hand; neben ihm wird die Prinzessin Mafalda getragen. Auch die kleinen Prinzessinnen sind weiß gekleidet. Nun kommt die Königin-Witvoe Margherita mit reichem Perlenschmnck am Arme des Fürsten Nikolaus von Montenegro, der sein funkelndes montenegrinifches Nationalkostüm angelegt hat. Sodann folgen Prinz Albrecht von Preußen und Prinz Artur von England, der Herzog von Oporto und der Prinz Napoleon, der bekanntlich mit dem italienischen Königshaus!! nahe bertoaubt ist, endlich eine lange Reihe italienischer und montenegrinischer Prinzen und Prinzessinnen. Ohne Verzug beginnt die Kaufhandlung. Patenstelle vertreten die Königin-Witwe Margherita und Fürst Nikolaus. Die Vertreter des deutschen Kaisers und des Königs von England stehen ••