1804 «!!!!8W Montag den 12. Scplemker /„>. ■ " •:"-C • S *• <; ’S, M WM! MMW i'S HIb^äsWsP ■ I I-=s==£^*-’_.A» . .'-.,, . Gin angenehmes Krke. Humoristischer Roman. Von Victor von Reisner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Wte es zwischen ihnen verabredet war, fuhr Bladoj gegen Mittag aus dem Gutshof vor. Herr und Frau von Höchstseld schauten sich nicht tvenig verwundert an, als er sich ihnen in voller Gala präsentierte. Madame Höchstseld witterte natürlich sofort Verdacht, aber er, der gestrenge Herr des Hauses, 6er doch sonst niemandem über den Weg traute, wär Bladoj gegenüber von der rührendsten Einfalt und fragte mit harmlosen: Schmun- zeln: „Nun, was hat Sie veranlaßt, sich, in die erste Garnitur zu werfen.— sind Sie vielleicht außer der Tour zum' Oberleutnant avanziert?" „Leider nicht, Herr Major", entgegnete Bladoj befangen, „aber meine Verhältnisse —" „F, was denn nicht noch", unterbrgch ihn Herr von Höchstseld, herzhaft lachend, „Sie werden doch nicht vor meiner Fr,au von Ihren Verhältnissen sprechen wollen?" Vladoj wurde womöglich nach verlegener. „Ich dachte an meine pekuniären Verhältnisse", stotterte er. „Ach so, jetzt begreife ich", sagte der Major, „Sie befinden sich in der Klentme und wollen einen kleinen Pump anlegen." „Herst Major, ich dachte nicht —" „Keine Entschuldigung, kenne das, war ja auch einmal jung und Leutnant, Wenn es nicht zu viel ist, will ich. Ihnen ja auch gern unter' die Armd greifen. -Also schießen Sie los!" Bladoj rückte unruhig auf seinem Platz hin und her Und war völlig aus dem Konzept. „Ich brauche ja gar kein Geld", haspelte er endlich herunter, „im Gegenteil, ich wollte Ihnen mitteilen, dalß ich litt den geordnetsten Verhältnissen lebe. Mein jährliches Einkommen beläuft sich annähernd auf fünftausend Gulden, und obgleich ich dieselben bisher allein aufbrauchte, so glaube tch doch, daß man bei einiger Einschränkung davon auch zu zweien leben kann," Dem Major ging plötzlich ein Licht auf, aber ihn absichtlich mißverstehend, entgegnete er mit sarkastischem Lächeln: „I, warum sollteit Sie sich denn Einschränkungen 'auferlegen, seien Sie froh, daß Sie sorgenlos leben können! greilich, wenn Sie sich verpflichtet fühlen, einem alten nkel oder einer alten Tante den Lebensabend zu erleichtern, dann ist es natürlich nur recht und billig, wenn Sie sich 6em' nicht entziehen — sonst begreife ich aber wirklich nicht, warum sich ein junger, Leutnant mit Gewalt den Brotkorb höher hängen sollte." Hilfeflehend glitt Vladojs Blick zu Frau von Höchstfeld, die aber mit derartig unnahbarem Gesicht dasaß, daß ihm sofort jede Hoffnung schwand. Er wandte sich also wieder Herrn von Höchstfeld zu und stammelte ganz erregt: „Herr Major wollen ttt!jjl)i nicht verstehen, und Ihr mir bisher bezeugtes Wohlwollen ließ mich doch hoffen, daß Sie meutern ehrlichen Werben wenigstens nicht mit Spott begegnen würden." Herr von Höchstfeld ging mit großen Schritten auf und nieder, dann blieb er vor ihm stehen und sagte: „Ich wußte anfangs tatsächlich nicht, wo Sie htnauswollten, denn, daß Sie im Ernste daran denken, um die Hand eines Kindes anzuhalten, konnte sch. natürlich nicht annehmen. "> „Fräulein Erna ist —" „Ist ein Kind", fiel ihm Frau von Höchstfeld empört ins Wort, „wir werden sie demnächst sogar ins' Pensionat zurückschicken müssen!" „Run, dem ist sie doch wohl schott entwachsen", widersprach ihr der Major, „womit aber freilich nicht gesagt sein soll, daß sie schon heiratsfähig ist", unb zu Vladoj gewandt, der ganz ratlos von einem zum andern starrte, sagte er: „Schlagen Sie sich diese Idee einstweilen ans dem' Kopf, wenn Sie in zwei Fahren Nach Hitmat anfragen, dann läßt es sich darüber allenfalls reden, aber heute —" „Sie geben mir also keinen definitiven Korb — Sie erlauben mir —" „Ich erlaube Ihnen, in zwei Jahren wiederzukommen", unterbrach ihn Herr von Höchstfeld, „damit soll Ihnen jedoch keine Fessel auferlegt sein. Verlieben Ste sich ich der Zwischenzeit anderwärts, so tun Sie Ihren Gefühlen keinen Zwang an, sondern greifen Sie ganz unbesorgt zu — von unserer Seite haben Sie keinen Widerspruch zu befürchten." „Herr Major, Sie unterschätzen die Aufrichtigkeit meiner Liebe", protestierte Vladoj, „ich habe mich ehrlich geprüft, und wenn tch nicht tief überzeugt wäre, Fräulein Erna wirklich glücklich, machen zu können, würde ich es nie gewagt haben, um deren Hand zu bitten." Der Major sah ihn die längste Zeit an, banit fing er zu Vlabojs nicht geringer Berwunberung ganz herzhaft zu lachen an, unb ihm bte Hände auf die Schulter legend/ fragte er: „Aufrichtig gesprochen, wissen Sie denn überhaupt, wie alt Erna ist?" „Gewiß", stotterte Vladoj, „tote sollte ich das nicht wissen, — sie geht ins achtzehnte Jähr." Frau von Höchstfeld gab es einen Skich „Und das hat sie Ihnen selbst gesagt?" erkundigt« sie sich lebhaft. „Jawohl, sie selbst", bestätigte Vladoj. «Nun. dann hat sie Ihnen etwas Voräefhuttert", $$# 542 klarte ihm die Mama ganz entrüstet, „denn sie geht keines- f Wegs schon ins achtzehnte, sondern erst ins sechzehnte Jahr." Einen Moment war Vladoj baff, dann aber meinte er harmlos: „Aber gnädige Frau, das ist doch weiter kein Unglück — mir kommt es auf die zwei fehlenden Jahre wirklich nicht an." „Aber uns!" replizierte sie indigniert. Und Herr von Höchstfeld, der mit ihm ein gewisses Mitleid empfand, nahm ihn unter den Arm und sagte mit väterlichem Wohlwollen: „Kopf hoch, junger Mann, wir haben ja gegen Ihre Person nicht das geringste einznwenden. Wenn Sie das Kind also wirklich lieben und Ihre Gefühle nach zwei Jahren dieselben sind, nun, dann fragen Sie nochmals an — bis dahin muß ich aber schon bitten —" „Meine Gefühle werden sich nie ändern!" beteuerte Vla- doj mit tiefster Ueberzeugung. „Wollen es abwartcn", meinte der Major skeptisch, „wollen es abwarten. Und nun kommen Sie, begleiten Sie mich in den Park, ich möchte mit Ihnen noch über dies und jenes plaudern." Bedrückten Herzens und in tiefster Niedergeschlagenheit empfahl sich Vladoj von Fran von Höchstfeld und folgte dann dem voranschreitenden Major. Dieser verwickelte ihn sofort in. ein Gespräch über sein beständiges Klagethema, das heißt, über die ihn verfolgenden Mißhelligkeiten und äußerte dabei wie von ungefähr, daß er am liebsten das ganze Erbe, welches ihm doch nichts weiter als Verdruß und Aerger bereite, fahren ließe, um in die Heimat zurückzukehren. Der Gedanke, von Erna, die er wirklich herzlich liebgewonnen hatte, so plötzlich getrennt zu werden, traf Vladoj wie ein Blitz aus heiterem Himmel, und ganz erschrocken ries er: „Sie werden doch nicht, Herr Major!" Dieser sah ihn mit grimmigem Lächeln an. „Beruhigen Sie sich nur", sagte er mit zusammenge- tniffenen Lippen, „so leicht wirft ein Höchstfeld denn doch nicht die Flinte ins Korn. Ehe ich nicht meine Pläne realisiert Und diesen Herrschaften gezeigt habe, was deutsche Tatkraft zu leisten vermag, ist daran natürlich nicht zu denken — aber dauernd hier zu bleiben — davor soll mich Gott bewahren." Blädoi hätte ihm gern vorgehalten, wie wenig berechtigt sein schroffes Urteil sei, aber die Furcht, es mit dem Schwiegervater in spe zu verderben, ließ ihn vorsichtigerweise schweigen. Mittlerweile waren sie bis in die Nähe des Obstgartens gelangt, wo Erna hochklopfenden Herzens das Resultat der Werbung abwartete. Groß war ihr Vertrauen auf einen günstigen Ausgang ohnehin nicht gewesen, als sie nun aber gar die beiden Herren stumm nebeneinander schreitend und mit finsteren Mienen daherkvmmen sah, da sank selbst dies kleine bißchen Hoffnung tief unter Null, und augenblicklich beherrschte sie nur der eine Gedanke, wie sie diesem für sie nicht ungefährlichen Zusammentreffen auswcichen könnte. Ihr Blick glitt suchend in der Runde umher, aber nirgends war ein passendes Versteck zu entdecken — kein Strauchwerk, kein genügend dichtes Gebüsch befand sich in der Nähe. „Und wenn es mein Leben kostet, ich lasse mich nicht erwischen!" flüsterte sie entschlossen, sprang ohne weiteres Bedenken auf die Bank, schwang sich von dieser auf den zunächst stehenden Apfelbaum und kletterte behende wie eine Katze in dessen schützendes Laubwerk. Ohne das Geringste von dieser vorzüglichen turnerischen Leistung bemerkt zu haben, bogen die Herren im selben Moment in die Allee ein und ließen sich, zu Ernas nicht gelindem Schreck, aus der unter ihr stehenden Bank nieder. „Ja, ja, mein lieber Leutnant, angenehm ist meine Lage hier nicht", sagte dabei Herr von Höchstfeld. „Meine auch nicht!" dachte Erna, und versuchte, den rechten Fuß in eine andere Lage zu bringen. „Aber seien Sie versichert", fuhr der Major mit Emphase fort, „ich weiche keinen Schritt breit von dem mir gefleckten Ziele ab. Und wenn es hageldicht auf mich herab- fausen sollte, so—" Im selben Augenblick knackte es in den Zweigen, ein lauter Auffchrei, dann fiel ein schwerer Körper auf seinen Kopf, ihm den Hut über die Augen treibend, und als er diesen endlich losbekam, rutschte Erna eben von seinem Schoß herab und glättete voller Verlegenheit ihr arg zerknittertes Kleid z-urecht. Menn ein Meteor auf ihn herniedergefallen wäre, hätte er auch nicht verblüffter sein können, und sich mit der .Hand den Schädel reibend, wußte er im ersten Augenblick tatsächlich nichts anderes zu sagen als: „Ja, wo kommst denn Du her?!" „Von dort oben", erklärte Erna kleinlaut, „ich glitt aus und —" „Und wie darfst Du Dich unterstehen, mir auf den Kops zu fallen?!" unterbrach sie der Vater wütend. „Aber Herr Major", suchte ihn Vladoj, nur mit Mühe das Lachen verbeißend, zu beschwichtigen, „es ist doch besser^ als wenn sie Schaden genommen hätte!" „Entschuldigen Sie nicht noch ihre Keckheit", polterte dieser, und Erna nicht eben sanft beim Handgelenk packend, forschte er: „Wie kommst Du da hinauf — rede — was hast Du dort zu tun?" „Ich — ich — ich suchte nach — Vogelnestern", stotterte Erna verschüchtert. „Und solch einen Gassenjungen, der aus Bäumen herumklettert, nach Vogelnestern herumstöbert und dem eigenen Vater auf den Kops springt, wollen Sie heiraten?" wandte sich Herr von Höchstfeld ganz puterrot an Vladoj, „sehen Sie nun nochi nicht ein, daß dies der hellste Wahnsinn ist?" „Aber, sie ist doch nicht mit Absicht herabgefallen, Herr Major —" „Mit oder ohne Absicht, das bleibt sich gleich — ein Mädchen, und noch dazu in ihrem Alter, hat nicht wie ein Affe auf den Bäumen zu hausen — a propos, Alter! — für wie alt hast Du Dich denn dem Herrn Leutnant gegenüber ansgegeben?" Erna schaute ganz beschämt zu Boden. „Wiederhole es sofort vor wir", gebot er energisch, „oder hast Du vielleicht plötzlich die Sprache verloren? — Nun, wird es endlich ?" „Ich sagte ihm, daß ich achtzehn Jahre alt sei", lispelte sie kaum hörbar. „So, achtzehn Jahre", spottete der Major grimmig, „Du hast wohl Dein wirkliches Alter vergessend „Nein, aber — ich — schämte mich zu gestehen, daß ich noch — so jung sei." „Ich liebte doch Di — doch Sie und nicht Ihre Jahre", beteuerte ihr Vladoj feurig — „und wenn Sie selbst noch jünger wären, so würde ich doch —" „Bitte, bitte, bitte", unterbrach ihn der Major zurechtweisend, „vergessen Sie gefälligst nicht, daß ich da sozusagen auch ein Wörtchen mitzureden habe", und Erna kurz herumdrehend, befahl er: „Und nun, marsch zur Mama, sie sehnt sich gewiß schon nach ihrem braven Kind." Still vor sich hindrucksend, trottete Erna davon — am Ende der Allee schaute sie sich aber vorsichtig um und streckte, als sie sich vom Vater unbemerkt sah, Vladoj die fünf Finger der rechten Hand entgegen, zum Zeichen, daß sie ihn um fünf Uhr am bewußten Ort erwarten würde. „Da sehen Sie, welch verderblichen Einfluß diese Atmosphäre selbst aus das Kind ausübt", brummte indes Herr von Höchstfeld wütend, „zu Hanse wäre sie gewiß nie auf solche tollen Streiche verfallen! Aber hier, wo ja alle Welt das Verkehrteste für das einzig Richtige erachtet, wo man gesellschaftliche Formen gar nicht zu kennen scheint, vergißt auch sie die ihr eingeprägten guten Lehren und glaubt, Gott weiß wie chick zu fein, wenn sie die Grestzen des Anstandes überschreitet." ,„Herr Major sind zu streng", nahm sich Vladoj ihrer wärmstens an — „ein übermütiger Scherz ist doch schließlich noch immer keine Sünde,« und unter anderen Umständen würden Herr Major über den Einfall, sich vor uns auf dem Apfelbaum zu verstecken, wahrscheinlich gelacht haben." „Man fällt aber dem Vater nicht auf den Kvpf — ich hätte mir ja dabei das Genick brechen können!" „Es ist aber doch nicht geschehen." „Das tut Ihnen wohl leid?" „Aber, Herr Major, wie können Sie nur so etwas denken!" protestierte Vladoj. „Nun, es ist ja nicht bös gemeint", gab Herr von Höchstfeld brummend nach „wenn ich es mir ruhig überlege, ist ihre Schuld eigentlich auch wirklich nicht ko groß, denn 643 absichtlich wird sie Wohl doch nicht diesen verrückten Lustsprung gemacht haben." s „Das ist kaum anzunehmen", beeilte sich Bladoj ihm beizupflichten. „Ganz ohne Strafe darf es indes doch nicht abgehen", sagte der Major überlegend, „wenn ich nur wüßte, wie-- Aha, jetzt habe ich es!" rief er dann laut, „dieser Hut" — und dabei zeigte er triumphierend auf die formlose Filzmasse — „soll über ihr Bett genagelt werden, um ihr beim Schlafengehen und beim Aufstehen ins Gedächtnis zu rufen, daß ihr Uebermut ihrem Vater beinahe das Leben gekostet hätte. Wenn sie mich nur ein klein wenig lieb hat, dann muß ihr das für die Zukunft eine furchtbare, eine schreckliche Warnung sein." Vlado; sah ihn von der Seite an, und seine ganze Keckheit ins Treffen führend, versicherte er: „Oh, Sie ahnen gar nicht, Herr Major, wie Erna au Ihnen hängt! Jeder Satz fängt bei ihr an: Mein lieber Papa sagt, mein lieber Pafra wünscht — oder aber: Mein lieber Papa könnte böse fein — mein lieber Papa sieht so etwas nicht gern — und so geht's ins Endlose." Herrn von Höchstselds Gesicht legte sjch dabei in immer freundlichere Falten. „Ist das auch wirklich wahr?" fragte er mit einem letzten Rest von Mißtrauen. „Würde ich es sonst zu sagen wagen!" heuchelte Bladoj ernsten Tones. „Run, dann ist ja noch nicht Hopfen und Malz bei ihr verloren", meinte der Major zufrieden schmunzelnd, ' „ich will also in Gottes Namen noch eintnal bei Mama ein gutes Wort für sie einlegen und sie vor der wohlverdienten : Strafe retten." „Nicht wahr, Herp Major", bat Vladoj, „bon der Kletter- Partie sagen Sie auch nichts." „Das ist zuviel verlangt", wehrte dieser, „der Hut muß unter allen Umständen übers Bett; aber meinethalben soll der Grund dafür zwischen uns Geheimnis bleiben — wie sie vor der Mutter das sonderbare Zierstück erklären will, ist dann ihre Sache. " Vladoj, froh, soviel erreicht zu haben, drang nicht weiter in ihn und schritt an seiner Seite nach dem Gutshof zurück. Als sie auf demselben anlangten, fuhr eben Gräfin Ste- ; Penaz in Begleitung der beiden Jungen vor, (Fortsetzung folgt.) ' •> Aus großer Jett. Tie Berichte, die Ludwig.Pietsch während des Feldzuges 1870/71 im Hauptquartier des damaligen Kronprinzen für die „Voss. Ztg." .geschrieben, und später unter dem Titel: „V o n B e r l i n n a ch P a r i s" zum Buche zusammengefaßt hat, sind soeben in einer neuen „Volksausgabe" bei F. Fontane u. Co. (Berlin) erschienen. Tie erste Ausgabe des Buches, das Th. Fontane als das beste über den 1870/71 er Krieg bezeichnete, ist längst »ergriffen; die vorliegende neue setzt unsere große Lesewelt jn den kostbaren Besitz lebendiger Mitteilungen aus großer Zeit, wie sie ein zu solcher Arbeit berufener Augenzeuge für Mit- und Nachwelt festgehalten hat. Neben den gelehrten militärischen und politifch-geschichtlichen Werken vertritt dieses Buch die volkstümliche und künstlerische Darstellung der weltgeschichtlichen Ereignisse, .die jeden Leser der bedeutungsvollen Tage miterleben läßt. Der Reichtum an Gehalt, die Frische subjektiver Empfindung der eckt nationale Grundton und die dem Autor zu Fleisch und Blut gewordene Kunst, .das Gesehene treu, rasch und sicher festzuhalten, machen diese Aufzeichnungen wert, ein Volksbuch 'int weitesten Sinne des Wortes zu werden. Wir glauben unseren Freunden Willkommenes zu Kneten, wenn wir einen kleinen Teil des Buches hier neuerdings abdrucken; Stil und Tonart der Darstellung 'werden dadurch auch besser gekennzeichnet, .als durch kritische Ausführungen. Wir wählen zwei kurze Berichte, .die, rasch hintereinander geschrieben, sich scharf in der Beleuchtung von einander abheben, die die großen Er- rungenschasten des Krieges und die Opfer, durch die sie gewonnen wurden, .vor Augen führen, die in Versailles entstandenen Kapitel über die Kaiserproklamation und über die Kämpfe, die durch einen Ausfall Trochus aus Paris hervorgerufen wurden: Versailles, 18. Januar. Heute mittag 1 Uhr ist in der „Galerie des glaees" das deutsche Kaisertum und Reich feierlich proklamiert worden. Tas königliche Tiadem, .das Friedrich I. sich heute vor 170 Jahren zu Königsberg auf das Haupt drückte, ist zum kaiserlichen geworden. Ter alte Lieblingstraum der deutschen Romantiker ist kein Traum mehr. Freilich sieht die reale Gestalt, in welchem er beute vor unteren Augen ins Leben trat, anders aus als jenes von ihnen ae- teü> ganzen Bagens rinne huren, dort der GaaltürEa. Nahe vor dem tenksch- Kaiser- Schluß, .wo er den BunteSsturBer auffsrteÄ das dentlÄe Volk schaffen e Prsklasratunt iu träumte Ideal; anders auch als jene Art und Gestalt, jn welcher das Framfnrter Parlament vor 22 Jahren sich das durch „demo- krMDhes Oel" zu neuem Leben gefÄiÄe Kaisertum des auf» erÄmdmeu B-,.rbar-ch« dachte. .Alle HarteLu mailen die alte Lr°> «hArng, das; die Erfüllung nie unb nässtet genau dem Bilde entspricht, das die wünschende und 'Mfräfce Phantasie sich formte. Um 11 Uhr war das ganze mitttärMx Versailles in lebhafter Bewegung, zu Wagen und zu Fuß zog ein Heer von Offizieren aller Waffengattungen und Grade durch das Gittertor des Schloßhofes ein. Vom Mittelbau wehte heute die rote Krie^sflagge mit dem Kreuz und den Adlern. Im Hof ein Spalier von Truppen ausgestellt^ Auf der großen PraHttreppe des linken Schloßflügels stieg man hinan zu den Gem«hertt Ludwigs XIV., an deren Wänden van der Meulens, Lebruns, Mignards und ihrer Zeitgenossen Wandbilder die Haupt- und Staatsaktionen des Monarchen, nicht tote dort an den Plafonds allegorksch, sondern meist in treu realistischer Wahrheit und in all ihrer zeremoniellen Steifheit verherrlichen. In der ganzen Tiefe war jedes dieser Gemächer von den dort militärisch geordneten Reihen der hierher kommandierten Regimentsteputtticneit erfüllt. Nur der Weg nahe den Fenstern von einer BerÄrldnngstür zur anderen blieb für die Kommenden frei. Tie Auswahl..der deputierten Kommane dos schien mit besonderem Geschick getroffen. Die Armee hat sDverlich vollendetere Bilder männlicher Kraft, fester Tüchtigkeit und kriegerisch strammer Haltung, als die Aufgereihten, deren Brust fast durchweg das Eiserne Kreuz schmückte. Jn der Mitte der langen Galerie des glaces, Mr an der Fenfterwano ein Altar mit zwei kerzenreichen Kantelabern errichtet. Drübeck aber an der letzten Mmalen Querwand der riesigen Galerie unter dem oben abschließenden Halbrundbilte der Alliance zwischen Spanien, .Deutschland 'und Holland 1672, standen auf einer dort angebrachten Estrade die Fahnen- und Standarten- träger sämtlicher hier vertretener Regimenter int HaMreis geordnet, jeder Träger jn voller Aufrüstung, Helm auf, ,den gerollten Mantel über Schulter und Brust. Die hohe Tür zum nächsten Gemach deckte ein tief dmtkelroter Sammetvorhang, der tuen schönsten Fonds für die Gruppe der Banner uitd Bannerträger davor bildete. An beiden Endpunkten hielt vor dem Fuß der Balustrade, sowie braunen an der Tür zur.Galerie je ein Garde du Corps mit gezogenem Pallasch Wacht. Die ganze glänzende Versammlung der Offiziere beider H